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Full text of "Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 15"

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ZEITSCHRIFT 



DES 



AACHENER GESCHICHTSVEREINS. 



IM AUFTRAG DER WISSENSCHAFTLICHEN KOMMISSION 

HERATTSGEGEBEX 
VON 

Dr. EMIL FROMM, 

BIBL10THEKAR DER STADT AACHEN. 



FUNFZEHNTER BAND. 




AACHEN. 

VERLAff HER CREMER'SCHEN BUCIIHANPLUNG (C. CAZIN). 

1893. 



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&t, £/. / 



HARVARD COIIFGE LIBRARY 
DEC 6 - 1905 

H0HEN20LLERN COLLECTION 
GIFT OF A. C. COOLiDGE 

\ .\. V..; '{ 




\$X\. u, : rv x\v'.- 
Dublette 



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Inhalt. 

1. Die Burg zu Stolberg und ihro Besitzer, insbeaondere die Edelherren 

von Stolberg-Frenz-Setterich. Von E. v. Oidtman . . . . 1 

2. Graf Philipp von Flandcrn als angeblicher Patbe Konig Pbilipps II. 

August von Frankreieh. Von Alexander Cartellieri . . 18 

3. Der Kolner Prozess gegen Gerhard Ellerborn und seine Aachener 

Vorgescbichte. 1590—1594. Von Hermann Keussen . . 26 

4. Die Aachener Goldschmiede, ibre Arbeiten und ihre Merkzeiehen 

bis zum achtzehnten Jabrbundert. Von Hugo Loersch und 
Marc Rosenberg 63 

5. Beitrage zur Gescbichte der Buchdruckereien, des Buchhandcls, der 

Censur und der Zeitungspressc in Aachen bis zum Jahrc 1816. 
Von E. Pauls. 

1. Buchdruckereien 97 

2. Buchbandcl 106 

3. Censur 113 

4. Anzeigewesen und Kalender 121 

5. Tageszeitungen und Zeitschriften 125 

Anhang I. Zeitungs- und Kalendertitel 188 

Anhang II. Bibliographische Notizen aus altern Aachener 

Zeitungen und Zeitschriften 203 

Anhang III. Verhandlungen zwiscben dem Kurfiirsten von 

der Pfalz und der Stadt Aachen betr. die Anfertigung von 

Drucksachen fllr den Vogtmeier, die Censur etc 213 

Anhang IV. Aktenstucke zur Geschichte der Censur in Aachen 

wahrend der Freindherrschaft 225 

6. Die Aachener Sternzunft. Nach Handschriften dargestcllt. Von 

Theodor Oppcnhoff 236 

7. Kleinere Mittheilungen. 

1. Die in Basel von 1462 — 1491 studierenden Aachener. Von 

H. Loersch 327 

2. Urkunden des 15. Jahrbunderts zur Aachener Lokalgeschichte. 

Von H. Keussen 329 

3. Zur Vorgeschicbte dor Frankenberger Fchde. 1441. Von 

H. Keussen 334 

8. Literatur-Uebersicht fur die Jahre 1892 und 1893. Von F. Wissowa 339 

9. Chronik des Aachener Gesehiohtsvereins 1892/93 349 



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Die Burg zu Stolberg und ihre Besitzer, insbesondere 
die Edelherren von Stolberg-Frenz-Setterich. 

Von E. v. Oidtman. 

Wahrscheinlich befand sich bereits zur Zeit der Romer- 
herrschaft auf dera Felsen, welchen die Burg Stolberg kront, 
ein Wartthurm, da eine Romerstrasse liber Stolberg fiihrte 1 . 
Die Burg Stolberg, friiher Staylberch, Stailburg in Urkunden 
genannt, findet sich urkundlich zuerst im Besitz von Edelherren. 
Mitglieder dieses Edelherrengeschlechts treten schon im 12. 
Jahrhundert urkundlich auf, so Reinard 1118, Everwin 1144 
und 1154, Reinhard 1154 und 1166. Wilhelm v. Stalburg lebte 
um dieselbe Zeit. Erzbischof Arnold von Koln kaufte von ihm 
und Wilhelm von Frenz mehrere Giiter fur das von ihm gestiftete 
Kloster Schwarz-Rheindorf gegeniiber Bonn 2 . Eines Wilhelm 
v. Stalberg, subdecanus Coloniensis, Todestag wird im Nekrolog 
des Domstifts zu Koln als 9. Mai angegeben 3 ; er kommt als 
Domherr 1234 bis 1274 vor 4 . 

Ob nun diese erwahnten Edelherren von Stolberg Vorfahren 
der Edelherren von Frenz gewesen und mit der Burg Frenz 
an der Inde 5 von den Herzogen von Limburg belehnt worden 
sind, oder ob die Edelherren von Frenz durch eine Erbtochter 



*) Zeitschrift des Aachcner Geschichtsvereins XIV, S. 27 Nr. 26. 

2 ) Lacomblet, Urkundenbuch I, S. 384 und Krcmer, Akad. Beitr. II, 
Urk. 19. 

3 ) Lacomblets Archiv III, 2, S. 390; vgl. Ennen, Qucllen zur Ge- 
sehichte der Stadt Koln II, S. 611. 

4 ) Lacomblets Archiv III, 2, S. 410. 

5 ) Wohl zu unterscheiden von der Burg bezw. dem Schloss Frenz an 
der Erft, welche den Grafen von Virneburg gehorte. Ropert Graf von Virne- 
burg und seine Gemahlin Ida verkauften 1347 dem Rtttger Raitz Haus Frenz. 
Ritter Rtttger Raitz ist der Stammvater der Freiherren Raitz von Frentz. 
Dieselben schreiben sich mit tz, wahrend Schloss Frenz mit z geschrieben 
wird. Die jetzigen Freiherren Raitz von Frentz haben also zu den im Text 
erwahnten Edelherren von Frenz keinerlei verwandtschaftliche Beziehung. 

1 



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2 E. v. Oidtman 

aus dem Stolbergischen Geschlecht in den Besitz der Burg 
gelangt sind, lasst sich nicht mehr nachweisen. Jedenfalls 
befindet sich Stolberg spaterhin im Besitz der Edelherren von 
Frenz. Man kann annehmeft," dass die Edelherren von Frenz 
aus dem limburgischen Herzogshause hervorgegangen sind, ein- 
mal weil Anfangs des 13. Jahrhunderts noch die Herzoge von 
Limburg im Besitz der Burg Frenz an der Inde waren und 
dann, weil die Edelherren von Frenz den limburgischen Wappen- 
schild fiihrten. Heinrich IV., Herzog von Limburg, Graf von 
Berg, nimmt am 31. Juli 1226 zur Siihne fur die Unbill, welche 
er der Kolner Kirche durch Zerstorung des Schlosses Valence 
(Valentia= Valmont) angethan hat, seine Burg Vregence (Vrenze= 
Frenz) von Heinrich, Erzbischof von Koln, zu Lehn *. 

Die Herzoge von Limburg besassen auch im 12. Jahrhundert 
das Patronatsrecht der unweit von Frenz gelegenen Kirche zu 
Eimmelsberg (Langerwehe), welches sie 1185 dem Kloster Wenau 
geschenkt haben sollen 2 . Letzteres erhielt von ihnen auch 1194 
die Kirche zu Konzendorf. Die altere Geschichte der Burgen 
Stolberg und Frenz an der Inde ist also auf das engste mit- 
einander verknupft. Wilhelm, Herr von Stolberg, welcher 1287 
mit seiner Gemahlin Mech tilde von Eeifferscheidt urkundlich 
erscheint, ist wohl derselbe Wilhelm, welcher als Sohn Wilhelms 
des Edelherrn von Frenz und der Sophia von Hiickeswagen, 
sowie als Neffe Wirichs von Frenz im August 1277 der Stadt 
Koln seinen Allodialhof Stolberg im Dorf Vrenze zu Lehn auf- 
tragt und sich dafiir verpflichtet, der Stadt mit Eittern und 
Knappen Hiilfe zu leisten 3 . Dieser Wilhelm von Frenz besiegelt 



*) Vgl. Mittheilungen aus dem Stadtarchiv von Koln Heft III, S. 18, 
Nr. 82. Zeugen waren Alexander de Wilre, Harper (Name zerstort), Wilhelm 
Maurus, Udo filius ejus, Wilhelm Puis, Gisilbert de Berge, Udescalcus de 
Castro, Theodericus de Elnere, Adulfus de Stay . . . (Rest des Namens zer- 
stort, wahrscheinlich Staymhem!), N (Vorname zerstort) de Bcrnesowe, Theo- 
dericus frater ejus, Sibodo Puis. Die Urkunde, stellenweise durchlochert, ist 
ohne Siegel. 

2 ) Vgl. Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins IV, S. 251—252. 
Redinghoven in seinen Collektaneen XIV, Bl. 26 Riickseite sagt: „Hoc 
diploma erroneum est, etenim 1. illo tempore Henricus fuit dux de Limburg, 
2. illo tempore non erat in usu cognomen uxoris adhibere." Die Urkunde 
mag unecht sein, die Thatsache, dass Wenau im Besitz der Patronate in 
Folge einer Schenkung der Herzoge von Limburg war, lasst sich nicht leugnen. 

3 ) Lacomblet, Urkundenb. II, Nr. 705 und Ennen, Quellen III, S. 131. 
Vgl. Mittheilungen aus dem Stadtarchiv von Koln Heft IV, S. 7, Nr. 434. 



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Die Burg zu Stolberg und ihre Besitzer. 3 

1289 eine Urkunde des Klosters Wenau mit einem Schilde, worin 
ein aufgerichteter Lowe, begleitet von Langsschindeln *. Ebenso 
siegelt sein Oheim Wiricli von Frenz, welcher 1277 fiir 150 
Mark Burgmann des Grafen Wilhelm von Jiilich zu Vrense wird 
und demselben zwei Mansen (d. i. zwei Hufen Ackerland) bei 
Vrensenrade zu Lehn auftragt. Den Schild iiberdeckt noch ein 
Turnierkragen 2 . 

Wiricli war am 6. Mai 1263 mit seinen Briidern Wilhelm 
und Harper Zeuge, als Graf Wilhelm von Jiilich Edelbiirger 
der Stadt Koln wurde 3 . 

In einer Urkunde vom 14. Marz 1271 verbiirgt sich Wirich 
von Frenz mit fiinf Genossen daftir, dass ihr Verwandter Gerhard 
von Spralant die beziiglich seiner Gefangenschaft mit der Stadt 
Koln geschlossene Suhne halten werde, und siegelt mit Lowe 
und Langsschindeln 4 . Am 5. Dezember 1275 besiegelt ein Wirich 
von Frenz die Urkunde, mittelst derer sich Bitter Johann von 
Burtzit 5 wegen seiner Gefangenschaft mit den von Bell und der 
Stadt Koln aussohnte. Ueber den Schild des Frenzschen Siegels 
geht noch ein fiinf latziger Turnierkragen 6 . Vielleicht ist Wirich 
von Frenz der Winricus miles de Stalberg, welcher am 16. Marz 
1278 an der Seite des Grafen Wilhelm von Jiilich in der Jakob- 
strasse zu Aachen erschlagen wurde 7 ? Sein Bruder Wilhelm von 
Frenz wird 1252 nobilis vir, domiuus de Vrentze, sororius (Oheim) 
des Arnoldus, advocatus Porcetensis (Arnold von Frankenberg) 
genannt 8 , und 1269 ist er unter den 28 Grafen, Eittern und 
Burgmannen, welche der Stadt Koln Blirgschaft fiir den zeit- 



1 ) Vgl. Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins IV, S. 314. 

2 ) Urkunde im Staatsarchiv zu Diisseldorf, abgedruckt bei Kremer, 
Akad. Beitr. Ill, S. 133 und Lacomblet, Urkundenb. II, S. 362. 

s ) Ennen, Quellen II, S. 449. Vgl. Mittheilungen aus dem Stadtarchiv 
von Koln Heft III, S. 47, Nr. 267. 

4 ) Vgl. Mittheilungen aus dem Stadtarchiv von Koln Heft III, S. 61, 
Nr. 345. Das Siegel Gerhards von Spralant zeigt drei Mispelbluthon in 
Triangel gestellt und einen Turnierkragen. Die Umschrift lautet: „Sigillum 
Gerardi de Hohyn (Hollun?)." 

ft ) Johann von Burtzit siegelt mit Zahnkreuz und Turnierkragen. Um- 
schrift: „S. Johannis de Porceto militis." Johann war ein Herr von Franken- 
berg, welcher advocatus Porceteusis (Vogt zu Burtscheid) war. 

6 ) Mittheilungen aus dem Stadtarchiv von Koln Heft IV, S. 4, Nr. 414. 

7 ) Memorienbuch von Wenau. Vgl. Zeitschrift des Aachener Geschichts- 
vereins IV, S. 269. 

8 ) Quix, Frankenburg S. 127 u. f. 

1* 



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4 E. v. Oidtman 

weilig aus der stadtischen Haft beurlaubten Herzog von Limburg 
leisten. Sein Reitersiegel zeigt im Schild einen aufgerichteten 
Lowen. Der Topfhelm ist ohne Helmzier 1 . Ebenso siegelt 
er 1270*. 

Der oben erw&hnte dritte Bruder Harper wird 1242 und 
1260 als vir nobilis de Vrenze urkundlich erwahnt 3 . Der Vor- 
name Harper ist insofern von Bedeutung, well er zu gleicher 
Zeit bei den Edelherren von Louvenberg (bei Wenau) vorkommt, 
welche dasselbe Siegel wie die Frenz, aufgerichteter L5we 
begleitet von Langsschindeln, fuhrten. So siegelte am 9. Mai 1263 
Harper, nobilis vir de Lovenberg 4 , als er unter den gleichen 
Bedingungen wie Graf Wilhelm von Jiilich Edelbiirger der Stadt 
Koln wurde 5 . 

Vielleicht ist er der oben erwahnte Bruder des Wilhelm 
von Frenz. Die Herren von Louvenberg, welche auch den 
Beinamen Mule fuhrten, Burggrafen zu Herzogenrath waren 



*) Mittheilungen aus dem Stadtarchiv von Koln Heft III, S. 55, Nr. 309. 

2 ) Ebendas. S. 57, Nr. 322. Von diesem Wilhelm von Frenz ist wohl zu 
unterscheiden der vir nobilis Wilhelmus de Frcncen (Vrenze), welchcr 1263 
das erbliche Btlrgerrecht der Stadt K8ln erwirbt und niit einem Reitersiegel 
siegelt, dessen Schild unter einem Turnierkragen drei in Triangel gestellte 
Kauten zeigt. Er war also wohl ein Graf von Virneburg und schrieb sich 
von Frenz an der Erft. Vgl. Mittheilungen aus dem Stadtarchiv von Koln 
Heft III, S. 48, Nr. 272. 

Von einem dritten Geschlecht Frenz, welches ein Burghaus im Dorf 
Frenz an der Inde besass und sich auch Merotgen genannt Frenz schrieb, 
hat Fahne, K5ln. Geschl. II, S. 43 die Genealogie. 

8 ) Kremer, Akad. Beitr. Ill, S. 112—113. 

4 ) Diese Edelherren von Louvenberg diirfen nicht verwechselt werden 
mit der Aachener Schoffenfamilie von Louvenberg. Die sehenswerthe Stamm- 
burg liegt mitten im Walde bei Wenau und heisst jetzt Lauvenburg. Johann 
von Eynenberg d. j. machte 1396 am 7. Januar sein Schloss Louvenberg zum 
Oifenhaus der Stadt Aachen; er bewohnte 1414 die Burg. Seine Tochter 
Kunigunde heirathete 1404 Daem Rummel von Hetzingen, jiilichschen Land- 
drost. Im Jahre 1469 nennt sich Harper von Reuschenberg, Sohn Johans 
und Enkel der Engel von Pont Frau von Heinsberg, Herr zu Louvenberg. 
Spaterhin ist Louvenberg im Besitz der Metternich-Mulenark, wohl als Nach- 
kommen einer geborenen von Hetzingen. Das Metternichsche Wappen, die 
drei in Triangel gestellten Muscheln, schmiickt noch jetzt den Thoreingang 
der Burgruine Lauvenburg. Es gab auch ein Schloss Louvenburg bei Karst 
und cine Burg Lowenburg im Siebengebirge, welche den Grafen von Loen- 
Heinsberg gehorte. 

6 ) Mittheilungen aus dem Stadtarchiv von Koln Heft III, S. 47, Nr. 269 
(a und b). 



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Die Burg zu Stolberg und ihre Besitzer. 5 

und seit dem vierzehnten Jahrhundert als Besitzer von Alsdorf * 
erwahnt werden, diirften also ebenfalls aus den Edelherren von 
Stolberg-Frenz hervorgegangen sein. 

Wilhelm Herr von Stolberg (Wilhelmus, dominus de Stoyl- 
burch, miles) besass auch die Herrschaft Setterich und war in 
erster Ehe mit Kunigunde von Frankenberg verheirathet. Seine 
zweite Gemahlin Mechtilde von Eeifferscheidt gestattete 1304 
als Wittwe, dass Giiter, welche ihre Schwester Hedwig von 
Eeifferscheidt, Nonne zu Burtscheid, fiir ihr Kloster gekauft 
hatte und die zu ihrer Herrschaft im Dorf Setterich als Mann- 
gut gehort hatten, aus dem Lehnsverband entlassen wurden. 
Dies geschah zu Gunsten der Abtei Burtscheid in Hinblick auf 
ihr Seelenhdl, das ihres verstorbenen Gatten und ihres Sohnes 
Wirich von Stolbfcrg. Ihr Siegel, welches der Urkunde anhangt, 
zeigt eine weibliche Figur, zwei Schilde haltend : der eine enthalt 
das Eeifferscheidtsche Wappen (Herzschildchen), der andere einen 
aufgerichteten Lowen von Langsschindeln begleitet (Stolberg- 
Setterich). 

In einer Transfixurkunde gibt der Sohn „Wiricus de Stoil- 
burg, filius nobilis viri, domini de Stoilburg" seine Zustimmung. 



*) Alsdorf scheiut eine Zcitlang den Palant gehort zu haben. Kuno von 
Pont d. a., Schoffe zu Aachen, welcher 1394 lebte, hatte zur Schwiegerrautter 
Lise von dem Berge, welche den Harper von Alsdorf (Mule von Alsdorf) 
beerbt hatte. Er wurde in Folge dessen mit dem Zehnten im Aachener Reich 
belehnt, nachdem Zilman von Rischmuhlen darauf verzichtet hatte (Stadtarchiv 
Aachen, undatirter Entwurf). Daem von Berghe bekennt 1469, dass seine 
Schwiegermutter Engel von Pont, Frau des Johann von Heinsberg, Anspriiche 
auf die Herrlichkeit und Wohnung zu Alsdorf hatte. Er verzichtet im Namen 
seiner Frau Jakobe von Heinsberg zu Gunsten seines Ahnherrn Carsilius von 
Palant, Herrn zu Breidenbent, welcher ihm zu seiner Heirath mit der Heins- 
berg verholfen, auf alle Anspriiche an Alsdorf (Stadtarchiv Koln, Nr. 13054). 
Im Jahre 1401 ist Hilger von Louvenberg im Besitz von Alsdorf, 1417 war 
Bitter Arnt von Hoemen Herr von Alsdorf; ihm wurde auch 1442 Schloss und 
AmtHerzogenrath verpfandet. Sein Neffe Johan von Hoemen, Sohn zu Odenkirchen, 
ist 1467 Herr zu Alsdorf und wird 1468 damit belehnt. Der Besitz scheint aber 
streitig gewesen zu sein, denn 1467 hatten auch Heinrich von Reuschenberg 
und sein Neffe Wilhelm von Kinzweiler das Lehn Alsdorf als Erben des 
Hildegers von Louvenberg und seiner Tochter Agnes empfangen (Quix, 
Berensberg S. 41, Anm.). Die Tochter Johanns von Hoemen, Johanna, erhielt 
1478 durch Verzicht ihres Bruders Gerhard Alsdorf und brachte es an ihren 
Gatten Gottschalk von Harif. Wilhelm von Harff war seit 1634 mit Isabella 
Klara von Blanckart-Odenhausen verm&hlt. Als sie 1678 kinderlos starb, 
vermachte sie ihrem Bruder Otto Ludwig von Blanckart das Gut. 



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6 E. v. Oidtman 

Es siegeln, da Wirich kein eigenes Siegel hat, ausser den Schoffen 
zu Setterich noch Johann, Pastor zu Setterich, und Johann, Kaplan 
zu Stolberg 1 . 

Wirich scheint kinderlos gestorben und seine Schwester 
Hadwig Erbin zu Setterich geworden zu sein. Diese wurde 
Gattin des Ritters Arnold von Gymnich zu Heppendorf. Beide 
geben 1319 der Abtei Burtscheid einen Wald im Herzogthum 
Liraburg. Die Urkunde besiegeln ihr Bichter und ihre Schoffen 
zu Setterich 2 . Im Jahre 1324 wird Arnold, Edelherr von Ean- 
derath, als zweiter Mann der Hadwig urkundlich erwahut; er 
tragt das Eigenthum des Gerichts und Dorfes Setterich dem 
Grafen Gerhard von Julich zu Lehn auf 3 . 

Hadewigis domina de Setterich, Wittwe Arnolds, Herrn 
von Randerath, iiberliess 1331 ein Gut bei Setterich, welches 
heinsbergisches Lehn war, dem Edelherrn Arnold von Arscheit, 
ihrem Verwandten. Ihr Siegel zeigt eine weibliche Figur, welche 
rechts den Randerathscheu Schild, links den mit Langsschindeln 
bestreuten und einen von Turnierkragen uberdeckten Lowen 
zeigenden Frenz-Setterichschen Schild halt. Die Umschrift lautet : 
S. Hadewigis domine de Randenrode 4 . Hadewig kommt noch 
1335 urkundlich vor als „Hadewigis de Sthailburg, relicta quon- 
dam domini de Randenrode" und siegelt mit dem vorhin beschrie- 
benen Siegel 5 . 

Die kinderlosen 6 Eheleute Arnold Herr zu Randerath und 
Hadwig von Stolberg iibertrugen 1324 das Schloss Stolberg 
ihrer Verwandten Richarda, Wittwe Johanns von Reifferscheidt, 



J ) Die Urkunden im Staatsarchiv zu Dtisseldorf, abgedruckt beiQuix, 
Rcichsabtei Burtscheid S. 299 ff., Nr. 98—100. 

2 ) Urkunde im Staatsarchiv zu Dtisseldorf, abgedruckt bei Quix,Reichs- 
abtei Burtscheid S. 315, Nr. 108. 

3 ) Redinghovensche Sammlung VII. 

4 ) Staatsarchiv zu Dtisseldorf A 1, Nr. 353. 

5 ) Staatsarchiv zu Dtisseldorf A 1, Nr. 353; audi erwahnt bei Reding- 
hoven VII. 

6 ) Daher fiel die Herrlichkeit Setterich an Seitenverwandte aus dem 
Frenz-Stolbergschen Edelherrengeschlecht zurlick, welche sich wohl wegen 
Frenz und Stolberg mit den iibrigen Erbberechtigten verglichen haben. Ritter 
Johann, Herr von Setterich, siegelt 1373 und 1375 mit einem Lowen. Der 
Helm ist von einem Hut uberdeckt, auf welchem ein Lowe vor einer Schilf- 
staude (oder Hahnenfederbusch ?) sitzt. Seine Tochter Nesa von Setterich, 
Wittwe Cunos von Reuschenberg, siegelt 1401 mit dem Lowen, begleitet 



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Die Burg zu Stolberg und ibre Besitzer. 7 

gegen eine lebenslangliche Jahresrente von 130 Mark Heller 
aus dem zugehorigen Schloss, den zugehorigen Dorfern, Leuten 
und Einkiinften, namlich in Stolberg 48 Kapaune und 8 Hiihner, 
in Biisbach 31 Kapaune, 9 Hiihner und 10 Denare, vom kleinen 
Zehnten 13 Hiihner und 2 Schillings In Frenz, Luchem, 
Lutsenich 1 , Wehe, Gunderstorf 2 , Ulhausen, Holtzheim, Marbach 3 , 
Lamersdorf, von den Miihlen zu Wehe und Stolberg Hiihner, 
Kapaune und Geld. Bei Stolberg von 70 Morgen Ackerland 
4 Mark, von 19 Morgen Wiesen 11 Mark, von 500 Morgen 
Wald 1 7 Mark, 4 Schillinge, 4 Denare, von der Pacht 40 Malter 
Hafer, vom Zehnten ungefahr 15 Malter, 6 Schillinge vom Heu- 
Zehnten; zu Baesweiler von den Lehnsleuten iiber 20 Malter 
Eoggen, 8 Schillinge, 3 Denare und 12 Kapaune, von Kurmeden 
und anderen Einkiinften 3 Mark, 8 Schillinge; in Setterich 
ungefahr 54 Mark. Zur Sicherheit stellten die Eheleute der 
Richarda 3 Hufen Ackerland beim Dorf Setterich in ihren 
dortigen Hof gehorig. Zeugen waren Walram von Randerode, 



von Langsschindeln (Archiv Cuylenburg Nr. 280). Ihrc einzige Schwester 
Had wig, welche 1401 minder jahrig war, scbcint unvormahlt gestorben zu 
sein. So kam Setterich an die Keuschenberg, welche auch den Settericher 
Lowen ihreni Wappen hinzufugten. Wahrscheinlich erhielten sie die Wappen- 
vermehrung bei Erhebung in den Keichsfreiherrenstand. Der Lowe wurde 
von den Keuschenberg weiss in schwarzem Feld gefiihrt. Maria Theresia 
Ambrosiana Freiin von Keuschenberg heirathete 1733 den Freiherrn Johan 
Max von Coudenhove zu Fraiture, welcher 1755 wegen Setterich auf dem 
julichschen Unterherrentag erschien. Seine Nachkommen verkauften 1813 das 
Rittergut; 1828 gehorte Setterich einem Baron Stockhem zu Luttich und 
wurden von demselben 244 Thaler Grundsteuer gezahlt. Das Gut verlor 
spaterhin die Eigcnschaft als Rittergut und ist jetzt in zwei Hofe getheilt. 
Ueber einem neugebauten Thoreingang ist ein alter Wappenstcin mit dem 
Alliancewappen Reuschenberg und Greyn eingemauert. 

*) Haus Liitzeler zwischen Lucherberg und Frenz. Das aHerthiimliche 
Burghaus, jetzt im Bcsitz des Herrn Justizraths Scheuer zu Jiilich, gehorte 
im 14. Jahrhundert den Vruntgin von Lutzeler. Johan Vruntgin von Lutzeler 
und Bela seine Frau verkaufen 1398 ihren Hof zu Lucherberg an Carsilius 
von Palant zu Breidcnbent; 1398 iibertragcn Peter von Loyvenberg, Schoffe 
zu Aachen, seine Frau und deren Schwester Maria vame Eichhorn ihren Hof 
und Erbe zu Lutzeler an Carselis von Palant zu Breidcnbent. Im Jahre 1728 
gehorte Liitzeler der Wittwe des Wehrmeisterei-Verwalters Clipper, Isabella 
Katharina von Broich (vgl. Quix, Eupen S. 138 und Annalen des hist. Ver. 
f. d. Niederrhein Heft 35, S. 97). 

2 ) Wohl Jiingersdorf. 

8 ) Merbergerhof bei Langcrwehe. 



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8 E. v. Oidtraau 

Heinrich von Kuirdorp, genannt Dolenhoift, Winand, Kaplan der 
Hadwig, Harpernus, genannt Mule, Johann von Wesene \ 

Stolberg blieb nun im Besitz der Edelherren von Reiffer- 
scheidt 2 . Im Jahre 1364 bekennt Edmund von Barmen 3 , auf 
sieben Jahre von Johann Herrn zu Reifferscheidt das Haus Stail- 
burg mit Renten, Giilten, Pachten, Zinsen und allem Zubehor, aus- 
genommen den halben Bleiberg und die Gulte von Setterich, in 
Verwahrung zu haben; er soil das Haus bewahren und beschinnen 
wie sein eigenes Gut, an der Burg 400 Gulden verzimmern und 
verbauen. Nach Ablauf von sieben Jahren darf er nur gegen 
Wiedererstattung der 400 Gulden entlassen werden 4 . Von den 
Herren von Reifferscheidt muss der Herzog von Julich die Herr- 
lichkeit Stolberg gekauft oder eingetauscht und Theile davon den 
benachbarten Aemtern zugetheilt haben. Das Schloss mit dem 
Gericht zu Blisbach wurde dann als herzogliches Lehn vergeben. 
Herzog Gerhard von Julich verlieh 1447 dem Ritter Wilhelm von 
Nesselrode 5 , Herrn Vleckens Sohn, und seinen Erben „Staelberg uf 
der Veicht mit dem Burchberge" zu einem rechten Erbmannlehn 
und erblichen Besitz. Sollte Nesselrode oder seine Erben Stolberg 
oder den Burgberg mit einem burglichen Bau versehen, so soil 
diese Burg Offenhaus der Herzoge von Julich sein 6 . 

Es scheint hiernach von einem burgahnlichen Gebaude auf 
dem Burgberg zu dieser Zeit nichts mehr vorhanden gewesen 
zu sein. Wilhelm von Nesselrode hat, wie eine spatere Relation 7 

*) Fahne, Salm II, S. 341, Nr. 474, woselbst in der Anmcrkung die 
Siegel der Eheleute beschrieben und angedeutet sind. Hadwig siegelte danach 
mit dem Siegel, welches sie als Gattin ihres ersten Mannes, Arnold von 
Gymnich, hatte stechen lassen. Vgl. auch Zeitschrift des Aachener Geschichts- 
vereins I, S. 198. 

2 ) Und zwar des Sohnes der Bicharda, Johann von Reifferscheidt, ver- 
mahlt mit Mechtilde von Randerath. Letztere wird die domina de Stoilberg 
sein, welche in den Aachener Stadtrechnungen von 1338—1350 haufig erwahnt 
wird. Vgl. Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins XII, S. 323. 

3 ) Diese Herren von Barmen sind eiues Geschlechts mit den von Engels- 
dorf und fiihrten dasselbe Wappen : Querbalken, aus welchem ein Lowe wachst. 

4 ) Fahne, Salm I, 1, S. 94. 

6 ) Nach Pick in der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins XII, 
S. 326 hatte Nesselrode fur eine den Herzogen von Julich vorgeschossene 
Geldsumme Schloss und Land Schbnforst und die Vogtei Kornelimunstcr als 
Pfandschaft, die Herrlichkeit Stolberg zur Sicherheit einer Erbrente erhalten. 

6 ) Staatsarchiv zu Diisseldorf, Knappsche Sammlung VII, Bl. 145 
u. f., auch Bl. 178, Riickseite. 

7 ) Ebendaselbst, 



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Die Burg zu Stolberg und ihre Besitzer. 9 

anfiihrt, auf dem Burgberg ein raumliches Gebaude hingesetzt, 
und in der Folge haben die Besitzer von Stolberg es sich 
angelegen sein lassen, die ode und wiist gelegenen Landereien 
zu verbessern. 

Die Gattin Wilhelms von Nesselrode war seit 1431 Marga- 
retha von Merode zu Frankenberg K Beide setzten am 24. Januar 
1469 fest, dass ihre Sohne Wilhelm und Heinrich sich dermassen 
in die Giiter theilen sollten, dass ersterer die Schlosser Rath 
(Marschallsrath bei Commern, jetzt verschwunden) und Stolberg, 
letzterer Schloss und Pfandherrschaft Schonforst, sowie die 
Vogtei zu Kornelimunster erhalten sollte 2 . 

Wilhelm von Nesselrode, Herr zu Rath und Stolberg, war 
mit Adriana von Arenthal, Erbin der Herrschaft Rheydt, ver- 
mahlt. Diese Eheleute gaben mit Zustimmung des Vaters Wilhelm 
1464 dem Christian Hammersmede van der Scharten einen Platz 
zur Erbauung eines Hammers in Erbpacht 3 ; 1483 schenkten 
beide Eheleute mit lehnsherrlicher Genehmigung Schloss und 
Haus Stolberg ihrem Verwandten Bertram von Nesselrode zu 
Ehrenstein 4 . Dieser itbertrug wiederum an demselben Tage 
Schloss, Haus und Hof zu Stolberg seinem lieben Verwandten 
Bertram von Geverzhain, genannt von Liitzenrode 5 , mit Vor- 
behalt lebenslanglicher Nutzniessung. Bertram von Liitzenrode, 
jiilichscher Stallmeister, und Margaretha von Spoir, seine Frau, 
erhalten am 24. Juni 1496 von Herzog Wilhelm von Julich Schloss 
und Herrschaft Hardenberg als erbliches Lehn und Offenhaus 
gegen den Pfandschilling von 4000 und die Baukosten von 
800 Gulden, wogegen sie Schloss und Herrlichkeit Stolberg dem 
Herzog uberlassen* Vom Herzog erhalt an demselben Tage 

') Nicht zu verwechseln mit dem grossen Geschlecht Merode, welches 
vier Pfahle im Wappen fiihrte und welchem spaterhin auch die Frankenburg 
gehorte. Margaretha war die Tocbter Andreas vamme Rode und der Greta, 
Erbin zu Frankenburg und der Erbvogtei zu Burtscheid. Diese Merode- 
Frankenberg filhrten in schwarzem Schild 15 Goldmunzen. 

2 ) Stadtarchiv Koln, Nr. 13045. 

3 ) Staatsarchiv zu Diisseldorf, Knappscbe Samml. VII. 

4 ) Ehrenstein an der Sieg; ein anderes Gut Ehrenstein lag im Pfarrdorf 
Kirchrath am Anstelbaeh im Limburgischen, es gehorte den Huyn von Amsten- 
rath und spater den Spiess von Biillesheim. 

5 ) Bertram von Lutzenrode war namlich Sohn der Swenoldis, der Schwester 
Bertrams von Nesselrode. 

6 ) „Dat si uns ire sloss ind herlicheit van Stailberg mit irem zo ind 
ingehoere erfflich overgeven ind zo henden gestalt", Lacomblet, Urkundenb. IV, 
S. 583 u. f. 



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10 E. v. Oidtman 

Schloss und Herrlichkeit Stolberg als Lehn und Offenhaus Vincenz 
von Effern, sein Hausgenosse, fiir die treuen Dienste, welcbe 
seine Vorfahren und besonders er dem herzoglichen Hause und 
dem Herzog geleistet hat 1 . Die herrschaftlichen Gerechtsanae 
scheint der Herzog sich vorbehalten zu haben. 

Eine alte Relation berichtet, dass zur Zeit dieser Belehnung 
in Stolberg nur zwei oder drei Hauser gewesen seien. Der Ort 
muss also, da 1324 bereits 48 Kapaune geliefert wurden, sehr 
zurtickgegangen sein. Das Gericht sei nicht auf dem Hause 
Stolberg, sondern in Biisbach abgehalten worden. Erst nach 
dem Tode des. Vincenz von Effern sei das Gericht auf die Burg 
Stolberg verlegt worden. Die Grenzen des Lelmgutes seien so 
beschrankt gewesen, dass im Jahre 1510 bei einem Beleidgang 2 , 
welchem Vincenz von Effern und sein Bruder Johann beiwohnten, 
dieser Jenem scherzhaft gesagt habe: „Bruder, ich hore soviel, 
Ihr habt hier nichts mehr als den Vogelsang und den Sonnen- 
schein 3 ." Vincenz von Effern 4 war der Sohn Johanns von Effern, 
welchem 1467 Herzog Gerhard von Jiilich Schloss Hambach 
verpfandet hatte, und der Katharina von Gymnich; 1511 ist 
der Name des Vincenz auf dem julichs^hen Eitterzettel ver- 
merkt, er musste in Harnisch mit Pferd und vier Berittenen 
Lehndienst leisten. Vincenz starb 1518 und wurde im Kloster 
Schwarzenbroich begraben. Seine Gattin, Johanna von Merode, 
starb 1532 zu Stolberg, wo sie in der Kirche ihre Ruhestatte 
fand 5 . Im Besitz von Stolberg folgte der Sohn Hieronymus von 
Effern 6 , welcher 1541 Artillerie- und Zeugmeister des Fursten- 

J ) Lacomblet, Urkundenb. IV, S. 585, Anra. Die Angabe bei Koch, 
Gesch. der Stadt Eschweiler S. 112, dass Stolberg seit 1340 den Herren von 
Effern gehort habe, ist unrichtig. 

-) Beleidgang ist ein Abgehen der Grenzen. 

3 ) Staatsarchiv zu Dltsseldorf, Knappsche Sainrnlung VII. 

4 ) Die von Effern (Efferen) sind nachweisbar ein Zweig des uralten 
kblnischen Bittergesehlechts der Ovcrstoltz. Die Overstoltz, welehe zu Efferen 
angescssen waren, fiihrten drei Turnierkragen, die Efferen zwei Querbalken 
und einen Turnierkragen im Wappenschild. Die Helmzier war bei beiden 
Gesehlechtern ein Elephantenkopf. Katharina von Effern war 1424 Abtissin 
zu Burtscheid. 

5 ) Jahrgedachtniss der Ehegatten im Kloster Heinsberg am 20. September. 
Vgl. Quix, Reichsabtei Burtscheid S. 191 und Zeitschrift des Aachener 
Geschichtsvereins I, S. 275. 

6 ) Von ihm ab beginnen langjahrige Streitigkeiten mit der Abtei Korneli- 
niinster. Die Streitobjekte waren Dollartshammer, Landgut Schnorrenfeld, 



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Die Burg zu Stolberg und ihre Besitzer. 11 

thums Jttlich 1 , 1544 Amtraann und Vogt des Schlosses, der 
Stadt und des Amtes Wassenberg und Briichtenmeister des 
Fursten thums Jiilich 2 . war. Er*starb als Amtmann zu Heinsberg 
am 27. Juli 1552. Sein Grabdenkmal in der dortigen Kircbe 3 stellt 
ihn kniend in ritterlicher Tracht dar. Hieronymus, mit Anna 
von Nesselrode vermahlt, hatte fiinf Sohne, Johann, Herr zu Stol- 
berg, Andreas, welcher in der Scblacht auf der Mockerheide 
1547 fiel, zwei Sohne, welche Karthausermonche im Kloster Vogel- 
sang bei Jiilich waren, und Wilhelm, welcher nach Livland als 
Deutschordens-Ritter ging und dort als Burggraf zu Riga starb 4 . 
Johann von Eifern, Herr zu Stolberg, gewahrte den Ende 
des 16. uud Anfang des 17. Jahrhunderts aus Aachen gefliichteten 



Fischerei in der Inde, Bergwerk- und Jagd-Gerechtsaine; 1539 prozessirte 
deshalb Kornelimiinster gegen ihn beim Reichskammergericht. (Staatsarchiv 
Wetzlar C 1741.) 

*) Als solcher erhielt er jahrlich vom Herzog hundert oberlandische 
Gulden, funfzig Malter Hafer, Hofkleidung und wenn er im Dienst war „zwen 
Schlieffer (schlechter Schilling = 7V 2 Stiiber) Tag und Nacht fiir Zehrung". 
(Redinghovensche Sammlung XII, Liber causarum Juliacensium.) 

2 ) Redinghovensche Sammlung XII, Liber caus. Jul. Der Briichten- 
meister war der Vorgesetzte der Bruchtenbeamten, welche die Briichten oder 
gerichtlichen Strafgelder einzutreiben hatten. 

3 ) Das Denkmal, urspriinglich an der zwei ten Saule rechts des Mittel- 
schiffes der Kirche angebracht, wurde in den fiinf ziger Jahren in die Seiten- 
wand rechts vom rechten Seitenaltar eingemaucrt. . Bei der letzten Restau- 
rirung der Kirche ist dasselbe unschon mit grellen Farben versehen worden. 
Von den fruheren Ahnenwappen, deren wohl acht angebracht waren, sind nur 
noch zwei, Merode (Schild mit 4 Pfahlen) und Elter (Kreuz, von je fiinf 
Langsschindeln begleitet) vorhanden. Die Schildchen sind unsyrnmetrisch oben 
am Denkmal befestigt worden. Von den acht Ahnen des Ritters sind bis- 
heran in der obersten Reihe der Ahnentafel bekannt gewescn: 1. Eifern, 
2. unbekannt, 3. Gymnich, 4. Quadt, 5. Merode (noch vorhanden), 6. v. d. 
Weyer, 7. Birgel, 8. Binsfeld. Es ware also durch das auf dem Grabdenkmal 
in Folge eines merkwiirdigen Zufalls gerade noch erhaltene Wappen Elter 
festgestellt, dass die Urgrossmutter vaterlicherseits des Hieronymus eine von 
Elter (d'Autel) gewesen ist. Wiederum ein Beweis, wie hliufig Epitaphe oder 
Grabsteine mit Ahnenwappen von Wichtigkeit fiir den Genealogen sein konnen. 

4 ) In Livland fiihrte er den alten Stammnamen „von Ueberstoltz (Over- 
stolz) genannt En°eren u . Seine Kinder erhielten mit diesem Namen 1634 das 
kurlandische Indigenat (vgl. Deutscher Herold Jahrhrg. 1888, S. 140 und 
Fahne, Westphalische Geschi. S. 427). Wilhelm hatte 1608 auf seine Rechte 
an Haus und Herrlichkeit Stolberg zu Gunsten der Kinder Adams von Effern 
zu Sechtem verzichtet. 



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12 E. v. Oidtman 

Protestanten * auf seiner Besitzung eine Zuflucht, da er richtig 
erkannte, dass durch ihre Betriebsarakeit, hauptsachlich in der 
Messingfabrikation, Stolberg sich vergrossern und seine Macht- 
befugnisse sich erweitern wiirden. Der Ort nahra von dieser Zeit 
an auch immer mehr zu. Als 1555 seitens der jiilichschen 
Regierung eine Kommission die herzoglichen Rechte in den ein- 
zelnen Aemtern feststellte, bemerkte dieselbe, im Dinkmal Esch- 
weiler sei weder Hofgericht noch Latbank 2 , rait Ausnalime 
derer, welche sich Effern zu Stolberg seit Kurzem angemasst 
habe. Von Alters her sei Stolberg unmittelbar im Gericht von 
Eschweiler gelegen gewesen, einige Laten batten dazu gehort, 
die der Herr von Eiferen zu Schoffen gemacht und zu denen 
er einen Schultheiss ernannt habe. Solange der Herzog dies 
zugebe, wurde die Kommission es dabei bewenden lassen. Efferns 
Vorfahren hatten weder Gebot noch Verbot gehabt. Der herzog- 
liche Gerichtsbote von Eschweiler rufe in der Kirche den Tag 
des Vogtgedings aus; seit einiger Zeit thue dies auch der Bote 
des Herrn von Effern. Alte Manner, Hein Kochs und Peter 
Leisten sagen aus, dass nach ihrer Erinnerung weder Schoffen 
noch. Schultheiss zu Stolberg gewesen seien und nur zwei oder 
drei Hauser. Jetzt seien vierzehn oder funfzehn Hauser dort. Sie 
hatten auch gesehen, dass zur Zeit des Vogtes Konrad von Anger- 
mont ein Beleidgang stattgefunden habe, der Vogt sei in den 



*) Bereits 1524 waren in Stolberg protestantische Familien ansassig. 
Aus Aachen wanderten u. A. von 1598 bis 1614 aus: Johann Kalckberner, 
Adam Schardinell, Mathias Peltzer, Mathias Schmitz, Volquin Mommer, 
Johann Gyr, Peter Vercken, Jodocus Beek, Anton Schleicher, Peter van Asten, 
Martin Peltzer, Wilhelm Mommcr, Wilhelm Prym, Mathias Schardinell; Einzelue 
derselben kehrten spaterhin wieder nach Aachen zurtick und wurden 1616 
theils hingerichtet, theils wieder verbannt. (Denkwiirdigkeiten des Fleckens 
Stolberg 1816, S. 50, Anm. und S. 52—61; das Schriftchen enthalt sonst tiber 
die Geschichte Stolbergs so gut wie uichts.) 

2 ) Unter einer Latbank verstand man eine Genossenschaft zinspflichtiger 
Bauern, welche vom Eigenthiimer eines Frohn- oder Salhofes unangebaute 
oder verlassene Grundstticke zur Bewirthschaftung gegen Zins erhalten hatten. 
Der Inhaber eines solchen Latengutes, welches meist 2 /a Eufe gross war, 
konnte dasselbe rechtlich nicht vererben, sein Sohn musste vom Eigenthiimer 
wieder behandigt werden. Die Latenbank verwaitete ein Schultheiss, dem 
der Zins an einem festgesetzten Tage gezahlt werden musste. Trat der 
Schultheiss als Richter auf, so standen ihm acht ausgesuchte Latengiiter- 
Inhaber als Schoffen zur Seite. Haufig entwickelte sich aus solchen Lat- 
banken eine Unterherrlichkeit. Ueber die Laten handeit ausfiihrlich Fahne, 
Bocholtz I, 1, S. 293 und II, S. 89 u. f. 



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Die Burg zu Stolberg und ihre Besitzer. 13 

Vichtbach hinter Stolberg geritten und habe semen Stab (stavelin) 
in den Bach hineingesteckt und dabei gesagt, wenn es vor- 
kommen sollte, dass Jemand an dieser Stelle ertrinken wiirde 
und sein Kopf liege auf jener Seite, so falle der Todte unter 
die Gerechtsame des Abts zu Kornelimunster \ liege aber der 
Kopf diesseits des Wassers, so gehore der Todte in das Amt 
Eschweiler. Das Haus zu Stolberg liege also unmittelbar im 
Bezirk des Gerichts von Eschweiler. Die Stolberger hatten auch 
die hi. Sakramente in der Kirche zu Eschweiler empfangen und 
dort ihre Todten begraben. Jetzt sei in Stolberg ein besonderer 
Begrabnissplatz angelegt worden 2 . 

Johann von Effern hatte in der That die Kapelle zu Stol- 
berg, Filiale von Eschweiler, und deren Einkiinfte mit Beschlag 
belegt, indem er behauptete, dieselbe sei von seinen Vorfahren 
erbaut und dotirt worden. Auch hatte er einen eigenen Geist- 
lichen dorthin berufen und liess „seine Unterthanen" von dem- 
selben auf einem Kirchhof zu Stolberg und nicht mehr zu Esch- 
weiler begraben. Als der Eschweiler Pastor Voiss mit Vollmacht 
des herzoglichen Amtmanns unter militarischer Begleitung am 
zweiten Ostersonntag 1592 versuchte, in der Kapelle zu Stolberg 
Gottesdienst abzuhalten, trat ihm Effern mit Bewaffneten ent- 
gegen und verhinderte den Gottesdienst. 

Effern begiinstigte die Protestanten sehr, so schenkte er 
z. B. 1606 200 Thaler, oder vielmehr deren Zinsen zum Unter- 
halt eines evangelischen Predigers augsburgischer Konfession 
an der Kirche der hi. Dreifaltigkeit zu Stolberg 3 . Die fruhere 
Kapelle scheint also schon 1606 als Kirche betrachtet worden 
zu sein, oder man hatte ausserdem noch eine Kirche gebaut. 
Johann von Effern hatte nur zwei Tochter, sodass nach 
seinem Tode 1606 Stolberg, da es Mannlehn war, an den Enkel 
seines Vatersbruders Hans Diedrich Freiherrn von Effern zu 



*) Johann von Effern fuhrte mehrere Prozesse gegen den Abt von 
Komelimtinster beim B-eichskammergericht, so 1555 als Besitzer des Sehlosses 
und der Herrschaft Stolberg wegen Stoning in einigen Zubehflrungen 
derselben, namentlich des Kohlenberges und eines Hofes Hilniaiy Mohrenhof 
genannt, ferner in den Jahren 1583 und 1586 (Staatsarchiv Wetzlar E 436, 
437 und 441). 

2 ) Lacomblets Archiv III, S. 342. 

s ) Beitrage zur Geschichte von Eschweiler und Umgegend II, S. 95 u. 96. 
So die QueUe; die Zinsen waren doch allzudurftig gewesen. 



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14 E. v. Oidtman 

Sechtem 1 flel. Dieser muss damals noch minderjahrig gewesen 
sein, da 1612 noch seine Mutter Odilia, geborene von Harff zu 
Friesheim, welche mit ihrem Sohne zu Liittich wohnte, als 
Inhaberin des Hauses Stolberg genannt wird 2 . Hans Diedrich 
war wie seine Vorbesitzer von Stolberg in zahlreiche Prozesse 
mit der Abtei Kornelimiinster verwickelt, so im Jahr 1639 
wegen der Fischereigerechtsame zwischen Dollartshammer und 
Schnorrenfeld auf der Vicht, ferner wegen der Bergwerksgerecht- 
same zwischen Vicht und Inde und der Jurisdiktion der stift- 
lichen Unterthanen daselbst. Ebenso 1635 und 1639 wegen 
unbefugter Steuererhebung, Pfandung und Nothigung der stift- 
lichen Unterthanen auf den Kupfermuhlen zwischen Inde und 
Vicht, ihre Verstorbenen im Stolbergschen begraben zu miissen 3 . 
Hans Diedrich ertheilte 1647 den Evangelischen augsburgischer 
Konfession die Erlaubniss, in Stolberg eine Kirche zu bauen 4 . 
Dieser Herr von Effern war der letzte Effern zu Stolberg. Wenn 
er auch wie der Vorbesitzer aus guten Grunden die Protestanten 
in Stolberg weiter begunstigt hatte, sci starb er als Katholik 
am 26. Juni 1649, da er in Koln in der jetzt verschwundenen 
Kirche des Gertrudklosters am Neumarkt begraben wurde 5 . 
Seine einzige Tochter Odilia Maria Freiin von Effern, Erbin 
der vaterlichen Gliter Stolberg, Sechtem 6 u. a. hatte sich wunder- 
licher Weise in den Kopf gesetzt, nur einen Spanier heirathen 
zu wollen. Ferdinand Freiherr Raitz von Frentz bediente sich 
nun als Brautwerber der List, dass er mit zahlreichem Gefolge, 
spanisch gekleidet und spariisch sprechend, vor der Erbtochter 
erschien, urn ihre Hand anhielt und auch wirklich Gegenliebe 
fand. Ein wandgrosses, kunstlerisch ausgefiihrtes Oelgemalde 
auf Schloss Frenz, mit den Wappen Frentz und Effern geziert, 
stellt die erwahnte Brautwerbung dar 7 . Ferdinand Freiherr von 

*) Besitzer der sogenannten weissen Burg zu Sechtem. Vergl. Maassen, 
Dekanat Hersel, S. 225, dessen Angabe hiernach zu berichtigen ist. 

2 ) Beitr£ge z. Gesch. von Eschweiler und Uragegend a. a. 0. 

n ) Staatsarchiv Wetzlar C 1743—47. 

4 ) Archiv Frenz a. d. Erft, Originalurkunde. Es muss dies also eine 
andere Kirche wie die der hi. Drcifaltigkeit gewesen sein. 

5 ) Redinghovensche Sammlung XXIV, Bl. 208. 

6 ) Die weisse Burg zu Sechtem wurde 1668 von den prozessirendeh 
Erben gemeinschaftlich verkauft (Prozessakten im Archiv Frenz a. d. Erft). 
Ankaufer warcn wohl die von Meyerhoven, welche 1671 im Besitz sind. 

7 ) Die Erbtochter Effern heirathete in z weiter Ehe einen Freiherrn 
von Schorlemer. 



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Die Burg zu Stolberg und ihre Besitzer. 15 

Frentz zu Frenz, kurkolnischer Erbkammerer, erhielt 1649 am 
27. Juli die Belehnung mit Stolberg, musste aber, da eine solche 
seit 1608 nicht mehr nachgesucht worden war, fur die Neu- 
belehnung 1000 Reichsthaler zahlen; ausserdem musste er zu 
Gunsten des Herzogs von Jiilich auf das Bergwerk, Mineralien 
uud alle anderen unter der Erde in der Unterherrlichkeit Stol- 
berg Jetzt und inskiinftig tt beflndliche Nutzbarkeiten verzichten 1 . 

Von den Sohnen der Eheleute Frentz-Effern erhielt der 
alteste Franz das vaterliche Stammgut Frenz, der jungere Franz 
Karl beerbte einen Verwandten, den Freiherrn Ferdinand von 
Hoevelich. In Folge dessen erhielt er die Gtiter Lauvenburg 2 , 
Lohmar und Blens und nahm den Beinamen „genannt von Hoeve- 
lich" an 3 . Von der Mutter erbte er Stolberg und wurde damit 
1694 und 1717 belehnt 4 . Seine Frau, Anna Maria geborene von 
Frentz-Kendenich, kinderlose Wittwe, war Universalerbin ihres 
Mannes und beanspruchte als solche alle Giiter desselben, auch 
Schloss und Unterherrschaft Stolberg. Es kam daher zum Prozess 
mit den Freiherrn von Frentz, welche durch richterliches Erkennt- 
niss 1727 Stolberg zugesprochen erhielten. Die verwittwete Frau 
von Frentz, genannt Hoevelich, sollte aber die lebenslangliche 
Nutzniessung des Gutes haben. Beide prozessirende Theile 
appellirten gegen dieses Urtheil. Inzwischen hatte sich die 
verwittwete Frau von Frentz 1734 mit Ferdinand Heinrich Anton 
Freiherrn von Cortenbach zu Altenhagen wieder vermahlt und 
setzte diesen testamentarisch zu ihrem Erben ein. Cortenbach 
soil auch 1755 mit der Unterherrschaft Stolberg belehnt worden 
sein 5 . Hiergegen erhoben die Erbtochter von Frentz Einspruch. 
Durch ein neues richterliches Urtheil wurde Freiherr von Corten- 
bach und seine Frau zum Ersatz aller aus Stolberg seit dem 
Tode des Franz Karl von Frentz-Lauvenburg genossenen Ein- 
kiinfte verurtheilt. 

*) Staatsarchiv zu Diisseldorf, Knappscke Sammlung VII. 

2 ) Lauvenburg im kolnischen Amt Liedberg. 

3 ) Er wurde am 19. Juli 1691 beim julichschen Landtage als Besitzer der 
Rittergftter Frenz und Stolberg mit 8 Ahnen aufgeschworen (Fahne, Denk- 
male und Ahnen tafeln V, S. 16). 

4 ) Staatsarchiv zu Diisseldorf, Knappsche Sammlung VII. 

5 ) Koch, Gesch. der Stadt Eschweiler S. 147. Wie in den Beitriigen 
z. Gesch. von Eschweiler I, S. 330 ein Freiherr von Mirbach 1744 als Inhaber 
der Unterherrschaft Stolberg angefuhrt werden kann, ist mir unerfindlich. 
Obige Darstellung beruht auf den Angaben des Urkunden-Repertoriums zu 
Schloss Frenz a. d. Erft. 



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16 E. v. Oidtman 

Erst 1775 wurde durch einen Vergleich die Liquidation 
dieser Einkiinfte erledigt. Stolberg war an die Frentzschen 
Erbtochter Maria Anna, Gattin des Georg Anton Freiherrn Beissel 
von Gymnic\ zu Schmidtheim, und Maria Isabella Therese, 
Gattin des Freiherrn Karl Friedrich Melchior von Kesselstatt 
gelangt. Herr von Beissel, welcher Stolberg administrirte und 
1745 am 13. Juli belehnt wurde, erschien wegen dieser Unter- 
herrschaft 1752 auf dem Unterherrentage. Sein Sohn Franz 
Hugo Edmund wurde am 15. September 1756 mit Stolberg 
belehnt und war deshalb ebenfalls auf dem Unterherrentage 
zugegen. Als sieh die Frentzschen Erben 1777 endgiiltig in die 
Guter theilten, flel, wahrend Beissel Frenz erhielt, Stolberg 
durch's Loos an die Kesselstatt K Josef Franz Graf von Kessel- . 
statt, welcher als zweiter Majoratsherr seinem 1848 zu Bonn 
verstorbenen Vetter Franz in den Kesselstattschen Majorats- 
und Allodialgiitern, also auch in dem Besitz des allodialen Eitter- 
gutes Stolberg gefolgt war, verausserte dasselbe. Die Landereien 
wurden parzellirt, das Burggebaude gerieth in einen sehr bau- 
falligen Zustand und diente armen Leuten zur Unterkunft. 

Am 8. November 1887 wurde „die zu Stolberg gelegene 
Bergschloss-Ruine, genannt Stolberger Burg", zu 5000 Mark 
geschatzt, offentlich meistbietend zum Verkauf ausgeboten 2 . 
Das Wappen der alten Edelherren von Stolberg-Setterich-Frenz 
sollte aber doch nach langer Zeit wieder zu Ehren kommen. Im 
Jahre 1879 wurde der Stadt Stolberg durch allerhochste Kabinets- 
ordre folgendes Stadtwappen verliehen: In rothem mit gelben 
Steinen bestreuten Schilde ein aufgerichteter weisser Lowe, tiber- 
deckt von schwarzem Turnierkragen 3 . 

Die nachstehende Abbildung des Wappenschildes der Edel- 
herren von Stolberg, Frenz, Setterich, Mule von Alsdorf-Louven- 
berg ist genau im Styl des 13. oder Anfangs des 14. Jahr- 
hunderts entworfen. Der Lowe, welcher den ganzen Schild aus- 
fiillt, wird urn diese Zeit in Siegeln, Schilden u. s. w. meist 



] ) Urkuuden-Repertorium zu Schloss Frenz a. d. Erft. 

*) Kolnische Zeitung. ' 

3 ) Vgl. iiber die Entstehung dieses Stadtwappens von Werner: „ Stadt- 
wappen von Stolberg", in den Beitragen z. Gesch. von Eschweiler und 
Umgegend I, S. 329. Das Wappen ist auch beschrieben im Deutschen Herold 
Jahrgang 1881, S. 64. Woher die Farben entnommen word en sind, ist uicht 
angefuhrt, sie scheinen mir willkiirlich gewahlt. 



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Die Burg zu Stolberg und ihre Besitzer. 



17 



ohne ausgeschlagene Zunge dargestellt, der Turnierkragen schmal 
und mit langen Latzen. Der Schild ist, wie er zu der angegebenen 
Zeit fast ausschliesslich auf Siegeln dargestellt wird, schrage 
gestellt. Ueber der hochsten Ecke des Schildes erhebt sich auf 
den Siegeln der Topfhelm mit Helmzier und tuchartigen ab- 
hangenden Decken. Da Helmzierden im 13. und 14. Jahrhundert 
auf den Siegeln nur ausnahmsweise erscheinen, auch bei den 
oben genannten Edelherren verschieden gewesen sein diirften und 
bis jetzt nur diejenige der Edelherren von Setterich sphragistisch 
nachzuweisen ist, so sind Helm und Helmzier hier nicht dar- 
gestellt worden. 




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Graf Philipp von Flandern als angeblicher Pathe 
Konig Philipps II. August von Frankreich. 

Von Alexander Cartellieri. 

Die Frage, ob Konig Philipp II. August von Frankreich 
(1180—1223) in der Taufe den Namen Philipp mit Rucksicht 
auf seinen Urgrossvater, Konig Philipp I. (1060 — 1108), oder 
mit Rucksicht auf den Grafen Philipp von Flandern (f 1191) 
erhielt, erscheint an und fur sich belanglos. Eine eingehende 
Erorterung derselben wird aber nicht nur wesentlich zur Kritik 
wichtiger Quellen beitragen, sondern auch auf das politisch so 
folgenreich gewordene Verhaltniss des jungen Konigs zu seinem 
ersten Rathgeber 1 helles Licht werfen und ein anziehendes 
Beispiel sagenhafter Entstellung einfacher Thatsachen darbieten. 
Wir beginnen mit der Gegeniiberstellung der Quellenzeugnisse: 

I. Historia regum Francorum 2 . 

De qua [sc. Adela] suscepit . . . Ludovicus [Konig Ludwig VII.] 
filium, quern baptisatum de nomine avi sui vocari jussit 
Philippum. 



Anm. d. Red. Die hier gebotene Abhandlung gehort ihrein Gegenstande 
nach eigentlich nicht dem Gebiet unseres Vereins an; sie behandelt aber eine 
Frage von allgemeinerem Interesse fur dessen Nachbarlander. Da die Zeit- 
schrift des Aachencr Geschichtsvereins diejenige deutsche Zeitschrift ist, 
welche diesen Gebieten am n&chstcn steht mid hier durch Austausch auch 
eine gewisse Verbreitung findet, so hat der wissenschaftliche Ausschuss kein 
Bedenken getragen, der kleinen Arbeit Aufnahme zu gewahren. 

*) Darttber handelt mein in der Revue historique erscheinonder Auf- 
satz, der meine unter dem Titel „Philipp II. August von Frankreich bis 
zum Tode seines Vaters, 1165— 1180 a (Berlin 1891) gedruckte Dissertation 
fortsetzt. — Hier sei daran erinnert, dass „ August" ein von spateren 
Geschlechtern gegebener Beiname ist. 

2 ) Recueil des hist, de la France (Bouquet) XII, 220. 



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Graf Philipp von Flandern als angeblicher Pathe Philipps II. August. 19 

II. 1) Wilhelm Britto 1 . 

a. Chronik § 29. Anno 1184 fuit orta dissensio inter Philippum 
magnanimum et Philippum comitem Flandriae patrinum suum. 

b. Philippis II. 10—25. 

10 Octavus decimus regi virtutibus aucto 
Annus agebatur, sensuque vigebat et actu. 
Flandrensis comes interea, vir magnus et acer 
Consilio; generis illustris, nominis alti, 
Qui regem puerum sacro de fonte levarat, 

15 Unde suum nomen, sicut mos exigit, i Hi 
Indiderat, quo nunc exsultat Francia victrix, 
Plurima que regis debebant esse, tenebat. 
Nam Desiderii mons, Roia, Nigella, Perona 
Cumque suburbanis urbs Ambia sub ditione 

20 Eius erant et, quod plus est, Viromannia tota 
Nullo iure, nisi quod rex ad tempus habenda 
Hec eadem senior dederat Ludovicus eidem, 
Et puer acta patris confirmaverat illi 
De facili . Quid enim non impetraret ab illo 

25 Cuius erat tutor, didascalus atque patrinus? 

II. 2) Gervasius von Canterbury. 
Chronik 2 . 

a. I 197, 198. Hoc quoque anno (1165) mense Augusto 
natus est Alius Lodovico regi Franciae christianissimo ... Ex 
cujus ortu tota Francia laetiflcata est, eo quod hucusque mascu- 
lum non habuit haeredem. Puer autem baptisatus ad nomen 
comitis Flandriae Philippus appellatus est. 

b. I 297. Mense Novembri (1181) hostilis perturbatio orta 
est inter regem Franciae Philippum et patrinum suum comitem 
Flandriae Philippum. 

c. I 309. Sed comes Flandriae non est veritus dominum 
suum et ex fonte baptismatis filium jure debito privare, 
sed et armis lacessere non puduit. 



*) Ausgabe von Delaborde, Paris 1883/85: Oeuvres de Rigord et de 
Guillaume le Breton. 

2 ) Ausg. von W. Stubbs in den Rolls Series 1879/80, London. 



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20 Alexander Cartcllieri 

II. 3) Philipp Mousket, II 19014— 19 K 
I fll ot de ceste par non 
Le fist apieler Felippon. 
Li quens Felippres le leva, 
De Flandres, et si li dona 
Son non, et promist grant onor, 
Et foit et aidance et amour. 

II. 4) E6cits d'un MGnestrel de Reims au XIII siecle § 60 2 . 
Dieus, qui n'oublie mie les siens, envoia une maladie au 
conte Phelipe dont il mourut; et quant il se senti agreveiz, si 
manda le roi Phelipe son f-illeul, et li dist: § 61 — „Biaus 
filleus, faites penre une corde, et si me la faites metre ou col." 
Die gleiche Anrede noch zweimal in dem §. Der Konig nennt 
andererseits den Graf en daselbst zweimal: „Biaus parrins a . 



Wir sehen, dass die Hist. reg. Franc. (I) mit ihrer Ansicht 
allein steht, aber die innere Wahrscheinlichkeit dient ihr zur 
Empfehlung. Auf Konig Philipp I. folgte Ludwig VI., der 
seinen friih verstorbenen Erstgeborenen nach seinem eigenen 
Vater genannt hatte. Es war daher ganz naturlich, dass 
Ludwigs VI. zweiter Sohn Ludwig VII. die Sitte beobachtete 
und auf den Namen Philipp zuriickgriff, der von da ab im 
kSniglichen Hause ganz gebrauchlich blieb. — Ausserdem werden 
uns in der Hist. Ludovici VII. 3 die Pathen mit Namen genannt. 
Warum der Verfasser den angesehenen Grafen ubergangen 
haben sollte, ist nicht zu ersehen. Er war sicher selbst ein 
Augenzeuge der Taufe oder horte den Bericht eines solchen. 
Ein neuerer Forscher hat freilich gemeint, der Verfasser habe 
nur die geistlichen Pathen aufgefuhrt, nicht die weltlichen 4 . Er 
spricht aber doch von den drei Pathinnen und nennt die eine 
richtig mit Namen! 

Wir kounten nun ohne weiteres den unter II. angezogenen 
Quellen vorwerfen, dass sie in etwas ganz Selbstverstandliches 
einen auf Kombination beruhenden Erklarungsversuch hinein- 



x ) Ausg. von v. Reiffenbcrg, Chronique rimee de . . . Bruxelles 1836/38. 

2 ) Ausg. von N. de Wailly, Paris 1876. 

8 ) Vie de Louis le Gros, par Suger, suivie de l'histoire du roi Louis VII. 
publ. par A. Molinier, Paris 1887, p. 177, 178. Mcine Diss. S. 9. 

4 ) De Smet, M&noire historiquc et critique sur Philippe d' Alsace, 
Mem. de l'Academie royale de Belgique 1848 XXI, p. 3. 



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Graf Philipp von Flandern als angeblicher Pathe Philipps II. August. 21 

gelegt haben, bloss aus mangelndcr Kenntniss der alteren fran- 
zosischen Geschichte. Aber die Uebereinstimmung der, soviel 
wir wissen, von einander uuabhangigen Werke Wilhelm Brittos 
und des Gervasius nothigt uns zu einer genaueren Priifung. 

Zu II. 1 a. In der Handschrift steht nicht „patrinum a , 
sondern nach der Aninerkung Delabordes „patruum a . Dieser 
meint, letzterer Ausdruck konne nicht auf den Grafen gehen, 
da er den Oheim vaterlicherseits bezeichne. Schon vor ihm war 
von den Fortsetzern des Recueil „patrinuna tt eingefuhrt worden 
(Rec. XVII 67). 

In den Monumenta Germaniae Scrip tores XXVI 301, deren 
Text, von Waitz, Molinier und Pannenborg herausgegeben, 
„patruum a hat, finden wir unter den Lesarten „patrium a und 
„pat ( uum a . Der Gedanke liegt nahe, dass die Abschreiber nicht 
recht gewusst haben, was sie mit dem Worte anfangen sollten. 

Die Frage, ob „patruum" berechtigt ist, muss entschieden 
bejaht werden. Eine allerdings hochst weitlaufige Verwandt- 
schaft bestand zwischen Philipp August und Grafin Elisabeth 
von Flandern, folglich auch zwischen dem Konig und deren 
Geraahl, dem Grafen Philipp. 

Konig Heinrich I. 

1031—1060 



Konig Philipp I. Hugo der Grosse 

1060-1108 f 1102 

h. Adelheid v. Vermandois 

I I 

Konig Ludwig VI. Rudolf I. 

1108—1137 Graf v. Vermandois 



f 1152 



I 



Konig Ludwig VII. Elisabeth 

1137—1180 f H82 

I h. Philipp 

Konig Philipp II. August Gr. v. Flandern 

Dabei ist die Hauptsache, dass, wollte man die Verwandt- 
schaft iiberhaupt kennzeichnen, dies nur durch patruus geschehen 
konnte, da Elisabeth dem gemeinsamen Ahnherrn vaterlicherseits 
urn ein Glied naher steht als Philipp August. 

Wer sich trotzdem mit „patruum a nicht befreunden kann, 
verfitgt in „patronum a uber eine gute Lesart, welche sich von 
denHandschriften nurwenigentfernt. Die Bezeichnung „patronus u 



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22 Alexander Cartellieri 

entspricht der Stellung, welche Ludwig VII. thatsachlich seiner 
Erkrankung wegen dem Flandrer bei Philipp August anwies. 
Dazu nennt Konig Philipp I. wahrend seiner Minderjahrigkeit 
den Grafen Balduin V. von Flandern, seinen Vorraund, urkund- 
lich „patronus u K 

Auf keinen Fall darf man in der Chronik Wilhelm Brittos 
einen Beleg fiir die Pathenschaft des Grafen Philipp finden 
wollen. 

Zu II. 1 b. Dagegen lassen die Verse der Philippis keinen 
Zweifel an der Ansicht des Verfassers aufkomraen: „Der Graf 
hat den Prinzen aus der Taufe gehoben und ihm seinen Namen 
gegeben." Das kann uns aber nicht hindern, ihr nur geringen 
Werth beizumessen. Die Philippis zeigt nicht wenige dichterische 
Freiheiten. Genauigkeit wird gar nicht erstrebt, dafur plastische 
Charakteristik der handelnden Personen. Wilhelm, der kein 
politisches Verstandniss besitzt, fuhrt die Kampfe seines Helden 
gern auf personliche Beweggrlinde zurtick; er sucht Konflikte 
psychologisch zu vertiefen. Aus dem Urtheil, das Pannenborg 2 
auf Grund eingehendsten Studiums uber das Epos gefallt hat, 
fuhre ich Folgendes an (S. 40): „Die Philipis ist ein Panegyrikus, 

ausgestattet mit all dem rhetorischen und poetischen Schmuck 

Die Charakteristik der Personen ist durch die Stellung des 
Autors zu Kirche, Hof und Stadt stark beeinflusst." 

Zu II. 2. Wir konnten daraufhin bei Wilhelm die unmittel- 
bare Erfindung der seinen dichterischen Zwecken sich vortrefflich 
anpassenden Erzahlung annehmen, wenn nicht die Chronik des 
Gervasius, die schon urn 1199 abgeschlossen ist 3 , jene auch 
enthielte. Da die Herausgeber des einen wie des anderen 
Schriftstellers eine Benutzung des Gervasius durch Wilhelm 
nicht bemerkt haben, mir selbst auch eine solche nicht auf- 
gefallen ist, bleibt — die freie Erfindung kann bei dem Eng- 
ender nicht in Betracht kommen — nur die gemeinsame Ent- 
lehnung aus einer dritten Quelle ubrig 4 . Ehe wir uns mit 

*) Luchaire, Histoire des institutions monarchiques de la France sous 
les premiers Cap6tiens 987—1180, Paris 1891 (2. 6d.), I, 76. 

2 ) Zur Kritik der Philipis, Aurich 1880. Wie auch Delaborde, habe ich 
an der das Auge beleidigenden Schreibweise Wilhelm Brittos „Philipis u nicht 
festgehalten. 

3 ) Stubbs I, pref. XXVII. 

4 ) Ich will immerhin die Beobachtung nicht tibergehen, dass die Verse 
14—16 der Philippis den Zusammenhang des Gedankens storen und eine 



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Graf Philipp von Flandern als angeblicher Pathe Philipps II. August. 23 

dieser befassen, ist zu priifen, ob Gervasius nach seinen schrift- 
stellerischen Grundsatzen und personlichen Gefiihlen wohl geneigt 
sein konnte, den ihm zukommenden Bericht iiber die Pathen- 
schaft des Grafen Philipp in sein Werk aufzunehmen, wie das 
bei Wilhelm in der Philippis nach dem eben Gesagten der 
Fall war. 

Wir gelangen zu einem bejahenden Ergebniss. Der Heraus- 
geber, Stubbs, hat mit Recht bemerkt, dass Gervasius seinen 
Neigungen und Abneigungen gegen einzelne Personen gern 
Ausdruck gibt *. Er will von alien denen nichts wissen, die der 
Herrlichkeit der allgemeinen Kirche, der Begeisterung fur Thomas 
Becket, den Anspruchen des eigenen Klosters feindlich gesinnt 
sind. Es genugt ihm nicht, wenn man nur in einem dieser drei 
Punkte mit ihm ubereinstimmt. 

Weiterhin hat Pauli in der Ausgabe der Mon. Germ, auf 
die parteiische Behandlung der flandrischen Angelegenheiten 
hingewiesen 2 . Ich begrunde dieses Urtheil im Einzelnen. 

Gervasius ist heftig erziirnt iiber die Verheerungen des 
flandrischen Fussvolkes in England 3 . Er missbilligt die henne- 
gauische Heirath Philipp Augusts wegen der geringen Herkunft 
Isabellas 4 . Er hebt hervor, dass Graf Philipp dem spateren 
Kaiser Heinrich VI. gegen seinen naturlichenHerrn (Philipp 
August) Mannschaft leistete, obwohl, wie er wissen musste, jener 
ebensogut Lehnsmann des Reiches als Frankreichs war 5 . Er 
wiederholt ein Geriicht iiber einen hinterlistigen Betrug, den der 
Graf gegen Philipp August veriibt haben sollte 6 . Er erwahnt 
die Reue desselben iiber einen friiheren Abfall vom Konig 7 . 
Dagegen erfreut sich dieser Letztere, der Sohn eines mit Thomas 
Becket befreundeten Herrschers, seiner besonderen Zuneigung; 
man achte auf die Ausdriicke, mit denen das Vorgehen des Grafen 
gegen ihn in den Eingangs gegebenen Stellen geriigt wird: non 
est veritus — jure debito — non puduit. 

Zu II. 3, 4. Ueber Philipp Mousket und den sog. Menestrel 
sind nur wenige Worte vorauszuschicken. Beide nehmen aus- 

spatere Einschaltung nahe legen. So viel ich sehe, nimmt man bisher nichts 
der Art an. Pannenborg weist S. 4 eine zweite, durch den Verfasser selbst 
besorgte Ausgabe nach. In Vers 25 liesse sich fur patrlnus patronus setzen. 

J ) I, pref. XL VII. 2 ) M. G. SS. XXVII, 296. 3 ) I, 246. 

4 ) I, 294. Dariiber wird mein Aufsatz in der Revue historique zu ver- 
gleichen sein. 

6 ) I, 331. 6 ) I, 347. 7 ) I, 371. 



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24 Alexander Cartellieri 

gedehnte Sagenstoffe auf, theilweise solche recht abenteuerlicher 
Art. Ihr Zeugniss hat keinen eigenen Werth, spricht aber, 
was fur wis nicht unwesentlich sein wird, fur den volksthum- 
lichen Charakter und die weite Verbreitung der Erzahlung von 
der Pathenschaft. Delaborde nimmt tibrigens an, dass Mousket 
gelegentlich mittelbar auf Wilhelm Britto zuriickgeht 1 . 

Aus unseren bisherigen Untersuchungen ziehe ich den 
Schluss, dass die Ansicht: Konig Philipp II. trage seinen Namen 
nach seinem Ahnherrn, durch die Behauptung einer Quelle (I), 
durch das Schweigen einer anderen (Hist. Lud. VII.) und durch 
innere Wahrscheinlichkeit gestiitzt, durch die Verse Wilhelms 
in der Philippis und die Stellen des Gervasius nicht erschiittert 
wird. Die beiden letztgenannten Schriftsteller mussten gern eine 
Erzahlung aufnehmen, die Philipp August zum Ruhm gereichte 
und in seinem Kampfe gegen den Grafen das Unrecht dem 
letzteren aufbiirdete. Es sollte Bewunderung fiir den jungen 
Konig erregt werden, der im Interesse des Staates die Waffen 
gegen den ihm nahestehenden und zu seiner Vertheidigung 
berufenen Mann zu ergreifen wagte. Wilhelm durfte den wahren 
Sachverhalt gekannt haben, aber der Wunsch, dichterisch zu 
wirken, iiberwog das historische Gefiihl. Gervasius dagegen 
wird selbst getauscht worden sein. 

In der lebendigen, miindlich fortgepflanzten Ueberlieferung 
erkenne ich die Quelle sowohl Wilhelms als des Gervasius. Wie 
entstand sie nun? 

Bald nachdem Graf Philipp durch die Verhandlungen von 
Gisors (28. Juni 1180) seine beherrschende Stellung am fran- 
zosischen Hofe eingebusst hatte, verwickelte er sich in Streitig- 
keiten rait den benachbarten Baronen und dem Konig. Der Tod 
der Grafin Elisabeth (1182) gab Philipp August Anlass, Verman- 
dois und Amienois als erledigte Kronlehen einzufordern 2 . Es brach 
ein offener Krieg aus, der durch die Haltung Kaiser Friedrichs 
und namentlich dessen Sohnes Heinrich fiir Frankreich gef&hrlich 
werden konnte. Die Aufregung der Zeitgenossen war sehr gross 3 . 

*) Oeuvres I, Notice. 

2 ) Vgl. Scheffer-Boichorst in den Forsch. z. deutschen Gesch. VIII, 
S. 474, 476. 

. 3 ) Der Antheil Flanderns (und auch des Hennegaues) an all diesen Dingen 
ist noch nicht im Zusammenhange dargestellt worden, obwohl er von wesent- 
lichem Einfluss auf die Reichsgcschichte gewesen ist. Ich hoffe darauf zuruck- 
kommen zu konnen. 



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Graf Philipp von Flandern als angeblicher Pathe Philipps II. August. 25 

Erfahrungsgemass wird in unruhigen Zeitlauften die Wahrheit 
besonders leicht, gleichsam unbewusst, entstellt. Damals, als der 
Kampf der beiden Philippe die Gemtither erfullte, urn die Mitte 
der achtziger Jahre, wird man sich erinnert haben, dass sie 
einst enge Freundschaft pflegten, dass der Graf an dem jungen 
Fiirsten, dem Gemahl seiner Nichte, die Stelle des kranken und 
regierungsunfahigen Vaters vertreten hatte. Die Gleichheit der 
Namen wirkte mit; sie sollte erklart werden, und Graf Philipp 
ward zum Pathen Konig Philipps gemacht, zuerst vermuthlich 
von einem fahrenden Sanger. Auf einen Mann dieses Standes 
lasst das Erscheinen der Erzahlung bei Philipp Mousket und 
dem sog. M6nestrel schliessen. Anfangs diente sie wohl dazu, 
den Grafen zu verherrlichen; war dieser doch ein Freund und 
Gonner der Poesie. Seine Gattin, die Grafln Elisabeth, hatte 
mitten in dem hoflschen Treiben der Zeit gestanden 1 . Infolge 
einer merkwlirdigen Fugung sah man dann spater unter dem Ein- 
fluss kirchlicher Vorstellungen ein schweres Unrecht darin, dass 
der Pathe seinen geistlichen Sohn mit Waffengewalt bedrohte. 

Pilger brachten die umlaufende Erzahlung friih nach Canter- 
bury, wo sie leicht geglaubt werden konnte, und wo, wie wir 
nicht nur aus dem Werk des Gervasius wissen, die Monche 
immer viel fiber franzosische Verhaltnisse zu horen bekamen. 
Wilhelm Britto nahm sie erst spat auf, als das franzosische 
Nationalgefiihl durch die Schlacht bei Bouvines gegen Flandern 
heftig erregt war. 

Berechtigen uns die vorstehenden Ausfuhrungen, die Pathen- 
schaft des Grafen Philipp aus der Geschichte verschwinden zu 
lassen, so ist damit die richtige Erkenntniss des so schwer zu 
erfassenden Wesens dieses merkwiirdigen Mannes wesentlich 
gefordert, und es erscheint leichter, seine nur politischen An- 
trieben folgende Natur zu verstehen. Nicht durch seine that- 
sachliche Macht, sondern durch seine vielgewandte und schnell- 
geschaftige Personlichkeit war Graf Philipp lange Zeit hindurch 
einer der angesehensten Fiirsten Europas. Darum verlohnt es 
sich immer der Miihe, seine Stellung zu einem von diesen auf- 
zuhellen. 



! ) Gaston Paris in der Romania XVII (1888) S. 591. 



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Der Kolner Prozess gegen Gerhard Ellerborn 
und seine Aachener Vorgeschichte. 

1590—1594. 

Von Hermann Keussen. 

Spater als in fast alien deutschen Stadten hatte in Aachen 
die reformatorische Bewegung Einfluss auf das Stadtregiment 
gewinnen konnen. Erst seit 1574 im Rathe zugelassen 1 , hatten 
ihre Anhanger aber bald, schon zu Anfang der achtziger Jahre, 
die Herrschaft in die Hand genommen. Wahrend jedoch der 
Beginn dieser Bewegung von den katholischen Rathsherren 
geduldet worden war, stiess ihre voile Machtentfaltung auf 
starken Widerspruch von Seiten der katholischen Partei. Nicht 
ohne gewaltsames Vorgehen konnten die Protestanten ihre Herr- 
schaft in Aachen begriinden. Die einflussreichsten der Gegner 
verliessen freiwillig die Stadt und fanden im Herzogthum Julich 
freundliche Aufnahme; die Ausgewichenen betrachteten sich selbst 
als die rechtniassige Obrigkeit 2 , die siegreichen Protestanten 
nur als die angemassten Herren der Stadt, und erhoben laute 
Klage iiber ihre Vergewaltigung am kaiserlichen Hofe. Sie 
fanden zwar bei Rudolf II. ein williges Gehor, aber durch Ent- 
sendung von kaiserlichen Kommissaren und durch endlose Reichs- 
tagsverhandlungen wurde keine Aenderung der Sachlage erreicht. 
Im Gegentheil fanden die protestantischen Machthaber eifrige 
Forderung ihrer Interessen bei den glaubensverwandten Reichs- 
standen 3 . 



*) Vgl. Ritter, Deutsche Geschichte im Zeitalter der Gegenreformation I, 
S. 564 f.; Haagen, Geschichte Achens II, S. 158 ff. 

2 ) Aehnlich war es in Bremen in den sechsziger Jahren geschehen, wo 
die in Delmenhorst weilenden Fliichtlinge ihre Anspriiche theorctisch auf- 
rechthielten. Zur Bremer Sachc vgl. H&berlin, Neueste Teutsche Reichs- 
geschichte VI, S. 351 ff., insbes. S. 357; i. a. Ritter I, S. 524. 

3 ) Ritter I, S. 579. 



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Der KOlner Prozess gegen Gerhard Ellerborn. 27 

Vor allem beschaftigten sich die Reichsstadte viel auf 
besonderen Stadtetagen mit der „ Aachener Frage". Die Frage 
der reichsgesetzlichen Berechtigung des Aachener Konfessions- 
wechsels war vielumstritten. Die Protestanten begriindeten 
denselben mit dem im Religionsfrieden gewahrleisteten Rechte 
der einzelnen Reichsstande auf Einftihrung eines der beiden 
anerkannten Bekenntnisse; nach ihrer Auffassung sollte nur in 
Reichsstadten, welche zur Zeit des Religionsfriedens schon pari- 
tatisch waren, der Stand von 1555 fur beide Theile verbindlich 
sein. Da Aachen in jenera kritischen Jahre ausserlich noch die 
Glaubenseinheit bewahrt hatte *, so schien nach dem Wortlaute 
des Religionsfriedens eine ganzliche Aenderung der Religion hier 
nicht ausgeschlossen. Die Katholiken, und mit ihnen der Kaiser, 
theilten freilich diese Auffassung des Religionsfriedens nicht 2 . 

In den Augen der ganz uberwiegend protestantisch gesinnten 
Reichsstadte wurde das Interesse an der Aachener Angelegenheit 
noch durch ein politisches Moment verstarkt, das auch dem 
Rathe der katholisch gebliebenen Reichsstadt Koln grosse Besorg- 
niss erweckte. Die Jlilicher Regierung hatte sich der Aachener 
Fluchtlinge angenommen und im Herbst 1581 die nach Aachen 
fuhrenden Strassen gesperrt; aber gerade der Umstand, dass 
der Schutz von dieser Seite ausging, verursachte den Kolnern 
patriotiscihe Beklemmungen. Hier glaubte man namlich, dass 
der Herzog von Julich nur urn die Stadt Aachen freie; urn die 
Religion ware es ihm nicht zu thun, sondern urn das Reich von 
Aachen; man wusste wohl, dass dieselbe Jtilicher Regierung in 
den Stadten Wesel und Duisburg dem evangelischen Bekenntniss 
nicht in den Weg trat 3 . Aehnlich wie in Aachen der Herzog von 
Julich bestimmte Gerechtsame besass und in dem vorliegenden 
Falle als Grund fiir sein Einschreiten vorschiitzte, so hatte in Koln 
der Erzbischof namentlich im Gerichtswesen sich bedeutenden 
Einfluss in der Stadt gewahrt, und nicht mit Unrecht beftirchtete 
der Kolner Rath, dass spater einmal auch aus diesen Rechten 
der Vorwand zum Eingreifen in die innerstadtischen Angelegen- 
heiten und gegen die Selbstandigkeit der alten Freistadt ent- 
nommen werden konnte. Die Einmischiing Julichs in den Aachener 



! ) Bitter I, S. 221-223. 
2 ) A. a. 0. I, S. 579, 580. 

8 ) K. A. (hierdurch wird im folgenden immer das Historische Archiv 
der Stadt Koln bezeichnet) Buch Weinsberg II, Bl. 312a. 



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28 Hermann Keussen 

Streit erschien den Kolnern als ein bedenklicher Pracedenzfall; 
sie hatten ungern gesehen, dass Aachen eigen werden und uuter 
einen Herrn kommen sollte 1 . 

Als aber in dieser Zeit Vcrordnete der Reichsstadte den 
Kolner Eath una Intervention fur Aachen baten, da besann er 
sich wieder auf seine entgegenstehenden Interessen. Die Stadt 
Koln war gut katholisch und hatte gegen das Eindringen pro- 
testantischer Eathsherren in das eigene Stadtregiment sich ent- 
schieden gestraubt 2 . Mit dem Papst und dem Herzog von 
Jiilich wollte man es auch nicht wegen der Aachener Geusen 
verderben 3 . 

Die Nothlage Aachens war nicht von allzu langer Dauer. 
Im Fruhjahr 1582 wurde die Strassensperre wieder aufgehoben. 
Der auflebende Handel fuhrte der Biirgerschaft rasch wieder 
neue Hiilfsmittel zu. Eine Eeihe von Jahren hindurch wurde 
die Streitfrage nur auf diplomatischem Wege erortert, und sie 
stand zu Anfang der neunziger Jahre noch auf demselben Flecke 
wie im Jahre 1582. Inzwischen befestigte sich die neue Lehre 
in der Stadt zusehends. Nicht nur die herrschenden Kalvinisten, 
sondern auch die viel schwacheren Lutheraner nahmen in diesen 
Jahren bedeutend zu 4 . 

Die Frage nach der Stellung Aachens zu Kaiser und Eeich 
blieb in der Schwebe. Der protestantische Eath bemuhte sich 
als gehorsamer Eeichsstand zu erscheinen. Er versaumte nicht, 
die fallige Eeichskontribution in Frankfurt rechtzeitig zu erlegen. 
Ebensowenig trug der Kaiser ein Bedenken, von dem Eathe 
auch unter den obwaltenden Umstanden die Turkensteuer erheben 
zu lassen. Als im Marz 1590 ein Kreistag in Koln stattfand 5 , 
liess Koln ungeachtet der Jiilicher Einrede den Lie. iur. Johannes 
Bennonius als Vertreter von Aachen zu 6 . 

Ja, es hatte in diesen Jahren fast den Anschein, als ob 
auch das Verhaltniss zu Jiilich, das lange Zeit sehr getrubt 
gewesen war, sich bessern wiirde. Die Jiilicher Hoheitsanspriiche 

1 ) Buch Weinsberg II, Bl. 314 a. 

2 ) Ueber die damalige konfessionelle Lage in Koln vgl. Hitter I, 
S. 559—561. 

3 ) Buch Weinsberg II, Bl. 314a. 

4 ) Vgl. Hansen, Beitrage zur Gcsehichte von Aachen I, S. 32. 

5 ) Filr die Veranlassung s. Ritter II, S. 51. 

6 ) Diese drei Thatsachen fiihrt Aachen in seiner Vertheidigungsschrift 
gegen Jiilich an. K. A. 1591 Febr. 19, Cop. Pap. 



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Der Kiilner Prozess gcgen Gerhard Ellerborn. 29 

im Aachener Gerichts- und Kirchenwesen * wurden zwar fast auf 
der ganzen Linie vom Aachener Rathe bestritten 2 . Aber die von 
Trierer und Sachsischen Kommissaren in kaiserlichem Auftrage 
geschickt gepflogene Vermittlung hatte es durchgesetzt, dass 
der Aachener Rath im Jahre 1590 in die Wiederaufnahme des 
vertriebenen Vertreters der Jiilicher Interessen in der Stadt, 
des Vogtmeiers Johann von Thenen, willigte 3 . Am 10. Februar 
uberbrachte ein Herold dem Rathe ein kaiserliches Mandat vom 
12. Januar, (lurch welches die Zulassung von Thcnens, den der 
Kaiser am 20. Dezember 1589 in seinen besonderen Schutz 
genommen hatte, verlangt wurde. In der Hauptsache enthielt 
das Mandat allerdings die Forderung, die religiosen Neuerungen 
abzustellen. Auf dieses letztere Verlangen gab der Rath nur 
eine gar nicht ernst gemeinte allgemeine Gehorsamserklarung 
ab. Den Vogtmeier nahm er dagegen in die Stadt auf. Gewiss 
nicht leichten Herzens. 

Johann von Thenen 4 hatte seine friihere Stellung als Sekretar 
des Rathes dazu benutzt, alle Geheimnisse und Privilegien der 
Stadt in ein grosses Buch ausschreiben zu lassen und sich einen 
summarischen Auszug aller stadtischen Sachen und Gebrechen, 
die in einem „Haspelsack a genannten Sacke gesammelt waren, 
so namentlich die wichtige Rolle von der heimlichen Wasser 
Ursprung und Leitung, zu verschaffen. Seit dem Jahre 1581 
war er eifrig im Interesse der katholischen Partei auf dem 
Reichstage und am kaiserlichen Hofe thatig gewesen, bis ilin 
der Herzog von Julich im Jahre 1584 zum Vogtmeier ernannte. 
Da die Beftirchtung nahe lag, von Thenen werde die im Dienste 
des Rathes gesammelten Erfahrungen und Kenntnisse nunmehr 
gegen diesen, den jetzigen Gegner seines neuen Herrn, verwerthen, 
so weigerte sich der protestantische Rath, ihn in seiner neuen 
Stellung anzuerkennen. 



*) Eine kurze Zusammenstellung derselbcn gibt Bitter I, S. 222. — 
Vgl. unten Beilage 2. 

2 ) Vgl. Beilage 3. 

8 ) Fiir die folgenden Ereignisse bis zum Fruhjahr 1591 lasst sich durch 
die Vergleichung der beiden Streitschriften Jlilichs und Aachens (K. A. 1591 
Jan. 22, Febr. 19, Cop.) eine ziemlich sickere thatsachliche Gruudlagc gewinnen. 
Kurze Erwahnung der Jiilicher Schrift bei Haberlin XVIII, S. 353. 

4 ) Ueber seine Person und Familie vgl. die Angaben bei v. Fiirth, 
Beitrage und Material zur Geschichtc der Aachener Patrizier-Familien II, 
S. 7 ff. 



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30 Hermann Keussen 

Als nun jetzt, nach sechs Jahren, von Thenen am 13. Marz 
unter dem Schutze Jiilicher Kommissarien wieder in die Stadt 
einzog, lag der Keim zu Konflikten von vornherein in der Luft. 
Schon dass er sich mit dem lateinischen Titel maior schmiickte, 
verdross den Rath. Noch vor dem Ablauf eines Vierteljahres 
brach der Kampf aus, und zwar bot den nachsten Anlass die 
Neubesetzung des Aachener Sendgerichts. 

Das Sendgericht bestand aus dem Erzpriester oder Parochian 
als Vorsitzenden, den vier Stadtpfarrern und sieben weltlichen 
Sendschoffen. Sechs der weltlichen Schoffen waren damals neu 
zu wahlen. Die Wahl wurde dem Herkommen gemass * vor- 
genommen durch die geistlichen Mitglieder des Sendgerichts 
und den einen noch vorhandenen weltlichen Schoffen. Als der 
Rath von dieser Wahl erfuhr, glaubte er sich in seinem vermeint- 
lichen Rechte gekrankt. Er schrieb namlich dem offenkundig 
geistlichen Sendgericht im Hinblick auf die iiberwiegende Zahl 
der weltlichen Mitglieder einen weltlichen Charakter zu und 
nahm daher die Einsetzung der weltlichen Schoffen fur sich in 
Anspruch. Durch seine Diener liess er die sieben Schoffen in 
ihren Hausern aufsuchen und auf die Pforte fordern; am 1. August 
traf sie die Strafe der Verbannung 2 . Nunmehr klagte der Vogt- 
meier in Wahrnehmung der von Julich beanspruchten Rechte 
tiber den Rath, dass er das Sendgericht behindere. 

Genau entgegengesetzten Vorgangen entsprang der Anlass 
zum Konflikt tiber das Schoffengericht. Auch bei diesem war 
die gesetzliche Zahl von vierzehn Schoffen nicht vorhanden. 
Drei Schoffen waren im Laufe der Zeit verstorben, sechs hielten 
sich ausserhalb der Stadt auf, nur fiinf weilten in Aachen. Von 
diesen flxnf waren die beiden katholischen Schoffen Johann von 
Weiler (Wilre) und Dietrich Plaioul auf des Vogtmeiers Seite. 
Die drei anderen, unter ihnen der Schoffenmeister Anastasius 
von Segradt, traten fur den Rath ein. 

Nun hatte sich von Thenen allerdings von der Jiilicher 
Regierung den Befehl geben lassen, alle gerichtlichen Akte, die 
mit weniger als sieben Schoffen geiibt werden konnten, vor- 
zunehmen. Aber ein wichtiger Theil der Gerichtsbarkeit hatte 
doch wegen unvollstandiger Besetzung des Gerichtes ruhen 



*) Vgl. Die Geschaftsordming des Sendgerichts von 1446 bei Loersch, 
Achener Eechtsdenkmaler S. 181. 

2 ) Vgl. dazu noch v. Fiirth II, S. 64, 65. 



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Der Kolner Prozess gegen Gerhard Ellerborn. 31 

miissen. Diese Beschrankung passte dem Rathe nicht, der eine 
griindliche Neuordnung aller offentlichen Verhaltnisse wiinschen 
musste, urn die Burgerschaft zufrieden zu halten. Er veranlasste 
daher die drei ihm zugethanen Schoffen an Stelle der verstorbenen 
Mitglieder des Schoffenstuhls drei neue in Aussicht zu nehmen. 
Aus Anlass dieser Vorgange kam es am 27. August 1590 im 
Gerichtszimmer Brixssel zu einer heftigen Scene zwischen dem 
Vogtmeier und einem der drei Rathsschoffen, der ihm vorwarf, 
er brachte ihnen nicht die Wahrheit, sondern Fuchsschwanzerei 
vor. Am 31. August begaben sich die drei Schoffen allein in's 
Gerichtshaus (Acht), der Schreiber las das von ihm verfasste 
Protokoll iiber die Sitzung vom 27. August vor. Da zog vom 
Rathhause her der grosse Rath in feierlichem Zuge unter Vor- 
tragung von zwei Gerichts- oder Raths-Ruthen iiber die Gasse 
in's Gerichtshaus. Er fiihrte mit sich den stadtischen Hauptmann 
Anton Schlebusch, der friiher in kaiserlichen Diensten gewesen 
war und auch auf Schloss und Festung Julich als Hauptmann 
gestanden hatte. Diesem liess der Rath eine Ruthe in die Hand 
geben und bestellte ihn unter ausdrucklichem Vorbehalt der 
Julicher Rechte zu einem Richter und Meier, da der Vogtmeier 
nicht anwesend sei und keinen Stellvertreter hinterlassen habe. 
Nach altem Brauch mahnte nunmehr der Richter die Schoffen, 
drei neue Amtsbriider an der verstorbenen Stelle zu wahlen. 
Alsbald erfolgte die Neuwahl. 

Die Julicher Regierung versaumte nicht, am 6. September 
Einspruch gegen die Uebergriffe in ihre Rechte einzulegen. Der 
Vogtmeier, der noch in Aachen weilte, wollte die hinter seinem 
Riicken gewahlten Schoffen nicht anerkennen. Da erklarten 
ihm zwei von den alten Schoffen, dass sie bis zu dieser An- 
erkennung nicht mehr mit ihm zu Gerichte sitzen wiirden. Um- 
gekehrt erschienen aber auch die beiden katholischen Schoffen 
nicht mehr bei den Gerichtsverhandlungen. Am 30. Oktober 
bedrohte ein Beschluss des grossen Rathes den Vogtmeier, weil 
er gegen Eid und Pflicht nicht das Gericht besitze, mit Strafe. 
Auch gegen die Unterbeamten des Gerichts ging der Rath 
strafend vor wegen angeblicher Dienstverletzungen. Der Meier- 
schreiber Johann Vischenich musste auf vierzehn Tage in Pforten- 
haft gehen, der Amtmann Johann Vischer auf sieben Wochen, 
bis sie den Rath urn Verzeihung gebeten; der Schultheiss Arnold 
Vischer wurde auf neun Wochen auf s Grashaus entboten. Da 



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32 Hermann Keussen 

die beiden katholischen Schoffen hartnackig die Gemeinschaft 
mit den neuen Schoffen weigerten, wurden auch sie vom Eathe 
auf die Pforte gefordert, weil sie nach des Rathes Ansicht gegen 
den Schoffeneid handelten, der ausdriicklich vorschrieb, dass 
kein Schoffe auf den anderen sehen und ein jeder fiir seine Person 
Recht zu sprechen schuldig sein sollte \ Am 22. November wurden 
sie der Stadt verwiesen. 

Der Rath fulir fort, die Ordnung des Gerichtswesens auch 
gegen den Vogtmeier durchzufiihren. Am 10. Dezember liess 
er den Amtmann durch den Schoffenmeister Anastasius von 
Segradt zur Oeffnung des Gerichtshauses oder zur Uebergabe 
der Schliissel auffordern. Als der Amtmann sich weigerte, liess 
der Rath das Haus, das, wie er angab, durch die Stadt gebaut 
sei und von ihr unterhalten werde, durch den geschworenen 
Stadtschmied eroffnen. Da der Vogtmeier nicht zur Stelle war, 
wurde der Vorsitz wiederum dem Hauptmann Schlebusch iiber- 
tragen. 

Den Vogtmeier liess man im iibrigen unbelastigt, bis er am 
3. Januar 1591 die Stadt verlassen wollte. Da wurde ihm der 
Ausgang durch die Burgermeister Bonifaz Colin und Simon 
Engelbrecht abgeschlagen. Der Herzog von Jiilich liess ihn 
dann auf seine Beschwerde am 11. Januar durch den Amtmann 
von Bensberg mit einem Trompeter schriftlich zu seinem Dienst 
erfordern. Aber der Rath gestattete ihm den Abzug nur gegen 
bestimmte eidliche Versprechungen. 

Die Julicher Rathe waren entschlossen, den Starrsinn der 
Aachener zu brechen. Am 22. Januar protestirten sie gegen 
die angemasste Regierung der Stadt Aachen, welche der Kaiser 
und sie nicht als rechtmassige Obrigkeit anerkennen konnten. 
In eingehender Darstellung schilderten sie in der Protestations- 
schrift 2 die Massnahmen des Rathes gegen den Vogtmeier und 
die Einsetzung der neuen Schoffen. Mit besonderem Eifer nahmen 
sie sich gleichzeitig der Beschwerden eines Aachener Burgers an. 

Dieser, Gerhard Ellerborn mit Namen, aus altem Aachener 
Patriziergeschlecht entsprossen und mit Marie Diepholt vermahlt, 



*) Der in Beilage 1 abgedruckte Schoffeneid weist aber einen entsprechen- 
den Satz nicht auf. 

2 ) Zwei Schriftstucke, die eigentliche Protestation und das Begleit- 
schreiben, beide d. d. 1591 Jan. 22, K. A. Cop. Pap. 



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Der Kolner Prozess gegen Gerhard Ellerborn, 33 

war ein leicht erregter und im Affekt handelnder Mensch 1 . Er 
war ein Bruder des Aachener Erzpriesters oder Parochians 
Johann Ellerborn, der am kaiserlichen Hofe in Prag die Interessen 
der katholischen Partei wahrnahm 2 . Gerhard Ellerborn war 
Schoffe in seiner Vaterstadt gewesen 3 . Aber sein unruhiger 
Geist trieb ihn fort in hollandische Dienste, in denen er als 
Bittmeister gestanden hat 4 . Aus dieser Zeit mtissen seine For- 
derungen an die hollandische Regierung stammen, die er jeden- 
falls iibertrieben auf 130000 Goldgulden anschlug 5 . Anscheinend 
konnte er seine Befriedigung auf giitlichem Wege nicht erreichen 
und kehrte unzufrieden in seine Heimath zuriick. Mit dem pro- 
testantischen Regiment an sich wird er sich von vornherein 
ganz gut abgefunden haben. Die Aachener Geschlechter waren 
in der religiosen Frage iiberhaupt vollig in sich gespalten; beinahe 
in jeder Familie gab es Anhanger der beiden Bekenntnisse. 
Einer aus der Familie Ellerborn, Johann Johanns Sohn, gehorte 
zu den von protestantischer Seite neu erwahlten Schoffen 6 ; 
dagegen lebte Johann Ellerborn Gerhards Sohn, einer der am 
1. August 1590 verbannten Sendschoffen, als eifriger Katholik 
in Julich 7 . Gerhard Ellerborn selbst scheint erst durch sein 
Zerwiirfniss mit dem protestantischen Rathe auf die Seite der 
katholischen Partei gefuhrt worden zu sein, deren eifrigster 
Parteiganger er dann ge worden ist 8 . 

*) In den Articuli iniuriarum (K. A., Prozessakten Ellerborn 1593, Bl. 
22 a, b) warf ihm der Aachener Kath vor, er habe 1589 in einer Gesellschaft 
den Kaiser einen Narren und Schelmen genannt. Diese Schmahung leugnete 
er zwar; aber ahnliche Aeusserungen gegen Koln und Aachen, welche mehr- 
fach bezeugt sind, erweisen seinen jahzornigen Sinn, der ihn zu uniiberlegten 
Worten und Thaten fortriss. 

2 ) Am 23. Marz .1591 war er dorthin abgereist. Schrick'sches Tagebuch 
bei v. Fiirth, Beitrage II, 1. Anhang, S. 13. 

3 ) Sein Schoffeneid wird in den Prozessakten, Bl. 210b— 212b, mit- 
getheilt; abgedruckt unten in Beilage 1. 

4 ) Angabe des Aachener Rathes in der Vertheidigungsschrift, 1591 
Febr. 19, K. A. 

6 ) Eigene Angabe Ellerborns in den Prozessakten Bl. 100b— 101b. 

6 ) v. Fiirth, Beitrage II, Abth. 1, S. 8; er ist wohl identisch mit Joh. 
Ellerborn im Punt a. a. 0. S. 43. 

7 ) A. a. 0. S. 25; Schrick'sches Tagebuch bei v. Fiirth II, Anh. 1, S. 13. 

8 ) Prozessakten Bl. 26b — 27b: Einem Burtscheider, der ihn um Schuld 
gemahnt hatte, soil er Kupfer in Zahlung angeboten haben, und zwar, weil 
der Glaubiger katholisch, das Hundert zu 15 Thlrn., wahrend die Geusen 
17 Thlr. hatten geben miissen. — Prozessakten 109 b: Ellerborn fiihrt zur 

3 



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34 Hermann Keussen 

Dieser Bruch wurde veranlasst durch die Bemuhungen 
Ellerborns, seine Anspriiche gegen die hollandische Regierung 
durch Pfandungen von deren Unterthanen mittelst des Aachener 
Schoffengerichtes zu decken. Von diesem hatte er sich Urtheile 
gegen einige ehemalige niederlandische Staatsangehorige erwirkt, 
welche sich in Aachen niedergelassen und das Biirgerrecht 
erworben hatten. Der Rath nahm sich seiner neuen Burger 
selbstredend an und unterstiitzte sie in ihrer Appellation an das 
Kammergericht. Die Schoffen traten fur Ellerborn ein — der 
Rath versaumte spater nicht hervorzuheben, dass einige von 
ihnen rait Ellerborn blutsverwandt und daher parteiisch gewesen 
seien — und erkannten trotz der durch die Appellation ein- 
getretenen Litispendenz ungewohnlicher Weise auf Biirgschaft- 
stellung gegen die neuen Burger und ebenso auf Exekution des 
Urtheils, wonach der Meier jene entweder in Person ergreifen 
oder in ihren Hausern pfanden durfte. Fur die Exekution war 
die Genehmigung des Rathes erforderlich ; er versagte sie, wie 
zu erwarten war, erliess gegen Ellerborn, der unablassig darauf 
hindrangte, endlich das Pfortengebot und nothigte ihn auf dicse 
Weise zum Abstehen von seiner Forderung. 

Eine weitere Beschwerde Ellerborns betraf einen gewissen 
Hermann Hauptmann, den er als niederlandischen Unterthan 
gepfandet hatte, der aber vom Rathe ebenfalls als Aachener 
Einwohner anerkannt wurde. Da der Gepfandete verreisen wollte, 
erbot er sich gegen seinen Gegner zu Recht. Aber das Schoifen- 
gericht stand damals still, da kein Meier da war. Daher erklarte 
der Rath, den Hauptmann nicht willklirlich in der Stadt halten 
zu durfen. Unter lebhaftem Protest von Ellerborns Seite zog 
der Gepfandete von dannen. 

Die ihm, wie er meinte, widerfahrenen Rechtskrankungen 
trieben den unruhigen Ellerborn an den Julicher Hof. Seine 
Beschwerden wurden bereitwillig von den Rathen angenommen, 
da sie ihnen willkommenen Anlass gaben, die Beeintrachtigung 
der herzoglichen Gerichtshoheit in Aachen zu beklagen. Noch 
manche andere TJnzufriedene trafen in Diisseldorf zusammen, 
vor allem der Vogtmeier Johann von Thenen, der Schultheiss 
Arnold Vischer, die Schoifen Johann von Weiler und Dietrich 



Entschuldigung des Angriifs auf Arnold Kramer von Diilken an, dieser sei 
mit vier Pfcrden muthwillig durch die Gottestracht in Aachen geritten und 
habe beinahc einen Tumult angestiftet. 



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Der Kolner Prozess gegen Gerhard Ellerborn. 35 

Plaioul. Zu diesen gesellte sich als erbitterter Feind der neuen 
Ordnung der Kupferschlager Johann von Werden. Er hatte, wie 
dem Rathe berichtet worden war, in seinem Zunftlokal, der 
Kupferschlagerlaube, sich dahin vernehmen lassen: es solle in 
dieser Stadt nimmer gut werden, es miissten denn ihrer drei 
oder vier mit Kniippeln todtgeschlagen werden. Mit dieser 
Drohung konnte er nur die angesehensten Rathsherren meinen. 
Er griff namentlich den regierenden Biirgermeister Simon Engel- 
brecht und den Altbiirgermeister Peter von Zevel an. Der Rath 
licss ihn als Aufriihrer erst auf die Pforte gehen und dann in 
Haft bringen. Als Strafe wurde ihm Kniefall vor versammeltera 
Rathe und Abbitte an die geschmahten Biirgermeister durch 
Rathsbeschluss vorgeschrieben. Als ihn die Rathsdiener zur 
Leistung der Busse auf s Rathhaus fiihren wollten, riss er sich 
mit Gewalt aus ihren Handen los und entkam in die geistliche 
Immunitat. Der Rath erliess hinter dem Fliichtigen ein Ver- 
bannungsdekret. 

Alle diese Vorkommnisse waren in der Jiilicher Beschwerde- 
schrift gegen den Aachener Rath verwerthet worden. Zu ihrer 
Ueberreichung begab sich eine Gesandtschaft, welche aus Heinrich 
von Verken zu Puffendorf, dem Rittmeister Johann von Reuschen- 
berg zu Overbach, dem Schiitzenmeister Adam Crummel und 
Alexander Grein bestand, am 19. Februar nach Aachen. Der 
grosse Rath war auf dem Rathhause versammelt und empfing 
die Gesandten durch einen Ausschuss, dem die Biirgermeister 
angehorten. Einer der Gesandten begann die Werbung zu ver- 
lesen, in derpn Eingang Biirgermeister und Rath als Jetzt 
angemasste" bezeichnet wurden. Die in ihren Empfindungen 
schwer gekr&nkten Rathsherren weigerten die fernere Anhorung 
des Schriftstiickes und berichteten sofort an den grossen Rath 
iiber den der Stadt widerfahrenen Schimpf. Der Rath erliess 
einen Protest dagegen und wollte diesen am folgenden Tage 
den Gesandten iiberreichen lassen; dann sollte ihre Werbung 
weiter angehort werden. 

Die Gesandten jedoch erledigten ihren Auftrag in kiirzerer 
Form. An demselben 19. Februar noch, urn 3 Uhr Nachmittags, 
ritten sie mit ihren Dienern, zusammen elf Kopfe stark, gewappnet 
und geharnischt auf den Markt vor das Rathhaus und tummelten 
ihre Pferde hin und her, sodass die zahlreich versammelten 
Biirger scheu zur Seite wichen. Schliesslich warfen die Julicher 

3* 



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36 Hermann Keussen 

ihre Protestationsschriften unter das Volk zur Erde und ritten 
selbstbewusst zur Stadt hinaus. Anfanglich wollte der Rath 
sich nicht um die niedergeworfenen Schriftstiicke kiimmern, 
sondern erliess folgenden Tages, am 20. Februar, einfach ein 
Edikt, durch welches er die Biirgerschaft zum Gehorsam gegen 
ihn als die rechtmassige Obrigkeit aufforderte. Aber die Jiilicher 
Kundgebung, die bald von schroffen Gewaltmassregeln der 
Diisseldorfer Regierung tiberholt wurde, verursachte eine tief- 
gehende Beunruhigung unter der Bevolkerung. Der Rath erfuhr, 
dass die Protestationsschrift in mehreren Exeraplaren in der 
Stadt verbreitet sei, er sah bald ein, dass vornehmes Ignoriren 
der Jiilicher Klagen nicht mehr am Platze sei, und hielt es 
schliesslich fur dienlich, offiziell von ihnen Kenntniss zu nehmen. 
Unter notarieller Verwahrung allerdings liess er eine Abschrift 
von einem seiner Burger iiberreichen. 

Eine umfangreiche stadtische Gegenschrift wurde aus- 
gearbeitet und auf den verhangnissvollen 19. Februar zuriiek- 
datirt K Wie Jiilich sich iiber Aachens Eingriffe in seine Gerichts- 
gerechtsame beklagt hatte, so wies umgekehrt der Aachener Rath 
die Beeintrachtigung seiner Hoheitsrechte durch Jiilich zuriick. Mit 
grosster Ausfiihrlichkeit wurde jeder Punkt der Jiilicher Anklage- 
schrift widerlegt, die stadtischen Gerechtsame einzeln erlautert 2 , 
alle Einzelklagen der Gegner des Rathes zuriickgewiesen. Am 
19. April erschien ein Edikt der Stadt Aachen gegen die Jiilicher 
Protestations- und Requisitionsschriften 3 . Es wurde angeordnet, 
dass ein Exemplar der stadtischen Entgegnung auf alien Gaffeln 
aufgehangt werden solle, damit jeder Burger Kenntniss von dem 
guten Rechte seiner Vaterstadt erlange. Mit Emphase erinnerte 
der Rath die Biirgerschaft an einen alten Aachener Spruch: 
Ehe sie die Hoheiten und Gerechtigkeiten der Stadt dem Jiilicher 
Herzoge einraumten, wollten sie lieber, wenn sie nur zwei Betten 
hatten, eines davon zur Unterhaltung und Handhabung ihrer 
Freiheiten verkaufen. 

Die Schritte der Jiilicher Regierung, welche in Aachen so 
grossen Schrecken hervorriefen, waren der Gesandtschaft auf dem 
Fusse gefolgt. Innerhalb fiinf Tagen hatte die Protestationsschrift 
eineklare, nicht ausweichende Antwort der „angemasstenRegenten a 



J ) K. A. Cop. Pap. 

2 ) Vgl. unten Bcilage 3. 

3 ) K. A. Cop. Pap. 



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Der Kolner Prozess gegen Gerhard Ellerboru. 37 

erfordert, widrigenfalls der Herzog den Aachenern Geleite, Sclmtz 
und Schirm in semen Landen auf kiindigte. Diese Aufsage erfolgte 
in natiirlicher Konsequenz der Vorgange alsbald vor Ablauf der 
Frist. Urn die Getreidezufuhr moglichst abzuschneiden, wurde 
in dem Aachen zunachst gelegenen Amte Wilhelmstein angeordnet, 
dass alles Korn nach Julich gefuhrt werden raiisse; dort sollte 
die Angabe erfolgen, wohin die Ausfuhr gehen werde 1 . Neben 
den Aachener Blirgern waren die Unterthanen des Abtes von 
Cornelimunster, des Herrn von der Heyden und der Frau von 
Stolberg, soweit sie nach Aachen handelten, mit Pliinderung 
bedroht 2 . 

Bereits am 21. Februar wurde durch den Verbannten Johann 
von Werden dem Heinrich Kroeff Korn gepfandet. Der Schutzen- 
meister Adam Crummel, der an der Gesandtschaft theilgenommen 
hatte, nahm Aachener Gut, welches bereits den gewohnlichen 
Zoll gezahlt hatte, nachtraglich bei Aldenhoven fort. Von da an 
hauften sich die Beraubungen von Aachenern im Furstenthum 
Julich; bei den ersten Vorkommnissen vergass der Aachener 
Rath nicht, jedesmal Protokoll dariiber aufzunehmen 3 . Der Besuch 
der Frankfurter Ostermesse, welche damals bevorstand, wurde fast 
unmoglich gemacht. Wenn die Kaufleute ihre Passporten mit 
dem stadtischen Sekretsiegel und der Unterschrift des Stadt- 
sekretars Mathias Duppengiesser vorzeigten, brachen die Jiilicher 
in Schmahungen aus; wie einer von ihnen sich ausdrlickte, 
hatten sie am liebsten den gewandten Sekretar in Oel gebraten 4 . 

Der Strassenraub 5 ward bald unter dem Vorwand der furst- 
lichen Befehle systematisch organisirt. Die Jiilicher hohen Beam ten, 
namentlich Johann von Reuschenberg zu Setterich, Amtmann zu 
Wilhelmstein und Eschweiler, und Wilhelm von Waldenburg, 
genannt Schenkern, bergischer Marschall, Amtmann zu Julich, 
spielten, obwohl beide selbst zu gewaltthatigem Vorgehen neigend, 
in der Hauptsache nur die Rolle von Beschiitzern der Strassen- 
rauber. Die Hauptleute waren Gerhard Ellerborn, seine Verwandten 
Rudolf und Jakob von Amerongen, Arnold und Jakob Vischer und 

J ) Prozessakten Bl. 54 a, b. 

2 ) A. a. 0. Bl. 43 b, 44 a. 

8 ) K. A. Cop. Pap.: 1591 Marz 9, 11, 30, April 1. 
4 ) K. A. Cop. Pap.: 1591 Marz 30. 

3 ) Die Nachrichten liber die Raubereien und den Prozess sind grossten- 
theils den umfangreichen Prozessakten gegen Ellerborn, 1593 Mai 29— Aug. 14 
im K. A. entnommen. 



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38 Hermann Keussen 

Johann Rutger. Ellerborn besass eine Art von Oberbefehl; die 
beiden Vischer und Eutger werden bisweilen ausdriicklich als seine 
Lieutenants bezeiclmet. Einen direkten Auftrag der Jiiliclier 
Eegierung zur Plunderung der Aachener hatte Ellerborn niclit 
erhalten \ aber jene liess ihm freie Hand, die Aachener anzugreifen 
und zu schatzen. Dabei leisteten ihm die Jiiliclier Lokalbehorden 
alien moglichen Vorschub. 

Zwei voile Jahre hindurch schadigte Ellerborn den Aachener 
Handel in der empfindlichsten Weise. Alle Arten von Waaren 
waren ihm willkommen. Seide und Sammt, Wolle und Groffgrein 
(eine grobe Tuchart und Haupthandelsartikel), Edelsteine, Korn 
und namentlich viele Wagenladungen Kupfer fielen ihm in die 
Hande. Er selbst gab spater zu, allein etwa 6000 Pfund Kupfer 
verkauft und von dem Erlos gelebt zu haben 2 . Ueberhaupt 
suchte er spater die Sache so darzustellen, als ob er nur die 
Unkosten gedeckt habe. Die Beute ward meist unter die Spiess- 
gesellen vertheilt; auch Ellerborns Frau und sein Bruder, der 
Aachener Erzpriester, erhielten gelegentlich Antheil. Viel Kauf- 
mannsgut wurde im Fiirstenthum Julich, in Wesel, Diisseldorf 
und Koln zu Geld gemacht. Daneben erpresste Ellerborn von 
den reichen Kaufleuten grosse Losegelder. Auf Aachener Kaths- 
herren hatte er ein besonderes Augenmerk. Der Eathsfreund 
Peter Peltzer, Johann Eutgers Oheim, wurde bei seiner Eiick- 
kehr aus Hessen iiber neun Monate in Julich gefangen gehalten 3 . 
Dem Adam Schanternel wurde von Ellerborns Eottgesellen bei 
Stolberg tibel mitgespielt 4 . Der Hof zu Bosweider, der dem 
Sohne des verstorbenen Aachener Syndikus Lie. Dietrich Hillens- 
berg gehorte, wurde iiberfallen, das vorgefundene Getreide 
erdroschen und weggeftihrt 5 . Mehrfach wurden Boten von Aachener 
Kaufleuten und der Stadt Aachen selbst angehalten und zur Her- 
ausgabe der Briefe genothigt 6 . 

Das ganze Jiilicher Land war unsicher. Am schlimmsten 
ging es in der Gegend von Diiren und bei Aldenhoven zu. Im 
Gebiete des Herrn von Giirzenich sassen unstate Soldaten; 

2 ) Ellerborn berief sick spater nur auf den Befehl des zur Willkur 
neigenden Marschalls Schenkern: K. A. Cop. Pap., 1593 Nov. 3. 
2 ) Prozcssakten Bl. 98 b. 
8 ) A. a. 0. Bl. 11a, b. 

4 ) A. a. 0. BL 16 a. 

5 ) A. a. 0. BL 12b, 13a. 

6 ) A. a. 0. Bl. 15a, b, 16a. 



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Der Kolner Prozess gegen Gerhard Ellerborn. 39 

„Brotschutzen tt nannte sie das Volk. Die Brotschutzen lauerten 
auf die Kaufleute, pliinderten sie und liefen gleich nach dem 
Raube davon. Ellerborn dagegen lieferte seine Gefangenen meist 
nach Julich und Aldenhoven an die herzoglichen Behorden ein. 
Mit diesen Brotschutzen wollte er spater nichts zu thun geliabt 
baben. Ihnen wird audi wohl die unmenschliche That zur Last 
fallen, welche der Aachener Rath dem Ellerborn zuschrieb: Er 
habe einen Monch gefangen, auf ein Rad gebunden und in „mehr 
als tiirkischer Weise" auf einer Stange in der Luft aufrichten 
lassen, urn ein Losegeld zu erlangen oder ihn anderen Falls 
Hungers sterben zu lassen. Dieser That habe er sich selbst 
geriihmt; aber seine Leute hatten den Aermsten, der drei Tage 
ohne Essen und Trinken verbracht, abgebunden, seien dann selbst 
davon gelaufen und hatten sich nicht mehr unter der Fahne 
seh en lassen 1 . Ellerborn hat diesen Akt der Grausamkeit 
entschieden abgeleugnet. In der That war er wohl iiberaus 
jahzornig, aber einer so kalten Hartherzigkeit, zumal gegen einen 
Monch, der ihm als Parteiganger der katholischen Partei nahe 
stehen musste, darf man ihn nicht zeihen. 

Grobe Uebergriflfe der Strassenrauber gegen fremde Kauf- 
leute konnten nicht ausbleiben. Die Aachener Burger mieden 
bald die gefahrdeten Strassen. Ellerborn und der Schultheiss 
Arnold Vischer unterhielten heimlichen Briefwechsel und Kund- 
schaft mit Vertrauten in Koln, im Fiirstenthum Julich, in Aachen 
selbst und in der Herrlichkeit Burtscheid, welche die ausreisenden 
Fuhr- und Kaufleute und ihre Guter erspahten und uberschrieben 
und dafur Antheil am Raube genossen 2 . Durch diese Leute 
wollte Ellerborn erfahren haben, dass unter falscher Flagge 
Aachener Gut ein- und ausgefiihrt werde. Namentlich viele 
Kolner Kaufleute waren an dem Durchgangsverkehr von Mittel- 
deutschland durch das Herzogthum nach den Niederlanden 
betheiligt, meist auf eigene Rechnung, einige als Faktoren der 
weiter im Lande gesessenen Handelsfirmen. Auf diesen Handel 
richtete Ellerborn sein Augenmerk. Er beschuldigte die Kolner 
Kanzlei, dass sie Passporten fur Aachener Gut unter Kolner 
Namen ausschreibe. Zeigten ihm die Fuhrleute die von dem 



*) Prozessakten 24 b— 25b. 

*) So behauptet die Anklageschrift a. a. 0. Bl. 29 a, b, Ellerborn 
leugnet die Verbindung, aber die guten Nachrichten, welche er uber die 
einzelnen Kaufleute hatte, erweisen die Richtigkeit der Anklage. 



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40 Hermann Keussen 

Kolner Stadtsekretar Laurenz Weber ausgestellten Passe vor, 
so schimpfte er wohl uber den „Leinenweber a , wie er ihn nannte, 
warf jenen die Schriftstiicke hohnisch unter unflathigen Be- 
merkungen vor die Fiisse; er ausserte, wenn er den Leinenweber 
bekommen konne, so werde er ihn so traktiren, dass er keine 
Passporten mehr schreiben konne \ Den Kolner Hath soil er 
einen Haufen Schelme und Diebe genannt haben, weil er falsche 
Passe ausgabe 2 . Wenn Ellerborn audi in der Untersuchung 
solche grobe Zornesausbriiche abstritt, durch Zeugenaussagen 
wurde dem leidenschaftlichen Manne bewiesen, dass er sich dazu 
hinreissen liess. 

Nicht weniger als dreizehn Kolner Kaufleute, unter ihnen 
angesehene Herren, wie Gerhard Freialdenhoven und der Raths- 
genosse Peter Helterman, machten in der spateren Untersuchung 
belastende Aussagen gegen Ellerborn. Ausser ihnen klagten 
Burger aus Miinster, Lemgo, Braunschweig, Leipzig, Mastricht 
und Liittich iiber Schadigung durch die Strassenrauber. Unter 
grossen Unkosten mussten die Kolner und ihre Leidensgenossen 
sich urn Riickerstattung des Raubes bemiihen 3 . Die Waaren, 
welche ihnen abgenommen wurden, waren meist von derselben 
x^rt, wie die den Aachener Biirgern geraubten Giiter. Ausser- 
dem wurden den auswartigen Kaufleuten audi Wein, Tiicher, 
Game, Kratzen, Handschuhe, Spielkarten, Essig, Kase, Ingwer 
und Messing entfremdet. 

Die unaufhorlichen Beschwerden der befreundeten Machte 
veranlassten endlich die Diisseldorfer Regierung, gegen das trost- 
lose Raubsystem im Jiilicher Lande einzuschreiten. Schon im 
August 1591 wurde Ellerborn von den Rathen mehrfach auf- 
gefordert, fremde Unterthanen nicht mehr zu behelligen, und 
namentlich Kolner Gut gegen Kaution freizugeben 4 . Inzwischen 
starb der alte schwache Herzog Wilhelm IV. am 5. Januar 1592. 
Aber irgendwelche Aenderung der Jiilicher Politik trat fur 
den Augenblick nicht ein. Die Rathe in Diisseldorf hielten 
zunachst noch das Heft in den Handen, das sie mit kaiserlicher 



1 ) Prozessakten Bl. 23 a, b, 75 b— 78 a, 86 a u. o. 

2 ) A. a. 0. Bl. 23 a, b, 70 b— 75 a. 

8 ) A. a. 0. Bl. 75 b— 78 a: Andreas Poltsers wurde zweimal beraubt; 
die Verfolgung seines Rechtes brachte ihm das eine Mai 268, das andere 
Mai 324 Gulden Unkosten. 

4 ) Prozessakten Bl. 224 b— 235 a. 



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Der KOlner Prozess gegen Gerhard Ellerborn. 41 

Einwilligung im Dezember 1591 gegen die Erbschafts-Praten- 
denten errungen hatten. Erst im Mai wurden die Rathe durch 
kaiserliches Mandat an die Zustimmung der Herzogin Jakobe 
gebunden, welche fiir ihren schwachsinnigen Gemahl Johann 
Wilhelm herrschen wollte 1 . 

Jakobes Einfluss scheint sich bald auch in der vorliegenden 
Angelegenheit geltend geraacht zu liaben. Denn jetzt erst 
erfolgten entschiedene Schritte der Regierung. Ellerborn hatte 
die friilieren Aufforderungen zur Besonnenheit nicht beachtet, 
sondern war in seinem Handwerk fortgefahren, wozu er von den 
Jiilicher Beamten, namentlich von Schenkern ermuntert wurde 2 . 
Auch der Jiilicher Marschall Nesselrode kummerte sich nicht 
viel urn die von Diisseldorf komraenden Schreiben, einmal kam 
er einem Freilassungsbefehl erst nach wiederholter nachdriick- 
licher Aufforderung nach 3 . Da erhielten Vogt und Schultheiss 
in Jiilich den Befehl, Ellerborn auf den Weg Rechtens zu weisen. 
Er sollte zunachst ein Inventar der erbeuteten Giiter aufstellen. 
Er schickte aber nur eine unerhebliche schriftliche Entschuldigung 
ein. Erst auf weiteren Befehl gab er eine Spezifikation weniger 
letzthin angehaltener Aachener Giiter. Der Befehl erging nun 
zum dritten Male. Ellerborn musste das Gelobniss abgeben, vor 
Regelung der Angelegenheit nicht zu entweichen. Auf eigene 
Kosten musste er in seinem Hause in Jiilich im Gewahrsam 
einiger Schiitzen bleiben. Aber mit Hiilfe seines Vetters Rudolf 
von Amerongen, der den Jiilicher Gerichtsboten bedrohte, ent- 
floh er und hinterliess nur eine schriftliche Anzeige seiner 
Ungelegenheit, dass er sich namlich in Jiilich nicht mehr zu 
ernahren wisse, an die damals in Jiilich weilenden kaiserlichen 
Gesandten 4 . Er rechtfertigte sich mit der Behauptung, dass 
sein Gelobniss nur dahin gegangen sei, sich dem Gericht zu 
stellen und dem spateren Urtheil zu fiigen; es seien aber keine 
Klagen vorgekommen. Den fiirstlichen Befehl gegen ihn erklarte 



*) Bitter, Deutsche Geschichte II, S. 126. 

-) Ueber Schenkerns Gegnerschaft gegen Jakobe vgl. Hitter II, S. 127. 

3 ) Prozessakten Bl. 69a— 70b. 

4 ) So die Darstellung der Jiilicher Kegierung im Schreiben an K5ln 
von Mai 17 (a. a. 0. Bl. 31b— 39b =141b— 149b); Ellerborn selbst behauptete, 
nicht in seinem Hause bewacht worden zu sein, sondern auf dem Schlosse 
zu Jiilich freien Ab- und Zugang gehabt und bei den kaiserlichen Gesandten 
um Verhor seiner Klagen gebeten zu haben (a. a. 0. Bl. 100 b— 102 b). 



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42 Hermann Keussen 

er fiir erschlichen; der Marschall Schenkern habe ihm die 
Restitution der Beute verboten. 

Der Fliichtling trat in spaniscbe Dienste. Graf Friedrich 
von dem Berge, der als spanisclier Oberst damals in der Nahe 
von Aachen lagerte und der Stadt vielen Schaden zufiigte \ gab 
ihm den Auftrag, hundert Reiter zu werben. Seine Vettern 
Amerongen gingen nach Utrecht, urn Pferde zu kaufen 2 . Er 
selbst wandte sich mit seinem Gesellen Arnold Vischer zu Anfang 
April nach Koln, um die Reisigen zusaminenzubringen. Vischer 
lag im Augustinerkloster zur Herberge. Ellerborn selbst kehrte 
im Gasthause zum hi. Geist auf dem Thurmmarkt beim Wirthe 
Johann von Amstenrath ein 3 . Noch zur Zeit der Kolner Gottes- 
tracht war Vischer in Koln 4 . Einige Tage darauf, als der 
Kolner Rath ein wachsames Auge auf die Flilchtlinge geworfen 
hatte, war er verschwunden. Ellerborn hatte in seiner leiden- 
schaftlichen Art in seiner Herberge laut iiber Tisch bei den 
Mahlzeiten liber den Aachener Rath gelastert 5 . Bald war die 
Kunde von seinem Kolner Aufenthalte nach Aachen gelangt. 

Unverziiglich handelte nun der Aachener Rath. Er schickte 
am 7. Mai seinen Sekretar Mathias Duppengiesser und den 
Thurwarter Martin Kalberner nach Koln mit dem Auftrage, 
gegen den gefahrlichen Feind des neuen Regiments- vorzugehen. 
Am 10. Mai legten die Gesandten ihre Vollinacht dem Kolner 
Rathe vor. Noch am selben Tage wurde Ellerborn durch die 
Gewaltdiener verhaftet 6 und auf den Frankenthurm gefiihrt. 
Hier musste er sich vor dem Syndikus Dr. Wilhelm Hackstein 
und den Thurmmeistern Peter Kiffich und Heinrich Stark einem 
vorlauflgen Verhore unterziehen 7 . Das stadtische Beweisver- 
fahren gegen ihn nahm einen raschen Fortgang. Am 14. Mai 
iibergaben die Aachener Gesandten neununddreissig Denunzia- 
torial-Artikel iiber die Raubereien Ellerborns 8 ; am 21. Mai 



J ) Habcrlin, Neueste Teutsche Reichsgeschichte XVIII, S. 349 ff. 

2 ) Prozessakten Bl. 102 b. 

3 ) K. A. Thurmbuch von 1593, Bl. 195a ff. 

4 ) Prozessakten Bl. 89 b— 92 a. 

5 ) A. a. 0. Bl. 24a, 68a— 69a. 
°) A. a. 0. Bl. 2 b— 6 b. 

7 ) Thurmbuch Bl. 195 a ff. 

8 ) Articuli denunciatoriales in Prozessakten Bl. 7b— 21b; Verant- 
wortung Ellerborns Bl. 40 a— 60 b und im Thurmbuch Bl. 202 b— 206 b. 



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Der Kolner Prozess gegen Gerhard Ellerborn. 43 

brachten sie weitere sechszehn Artikel 1 vor. Nebenher beschul- 
digten sie ihn in sechs Artikeln 2 groblicher Beleidigung des 
Kaisers und der Stadtrathe von Koln und Aachen. Der Aachener 
Eath vermied es ausdriicklich, selbst als Anklager aufzutreten 
und bezeichnete sicli iminer wieder nur als Denunzianten, der 
das Material fiir die Anklage liefere. Er glaubte durch diese 
feine Unterscheidung den Schwierigkeiten zu begegnen, welche 
aus seiner eigenartigen Stellung zum Kaiser, der ihn nicht 
als rechtmassige Obrigkeit anerkannte, sich ergeben konnten; 
zugleich wollte er dadurch dem Verliafteten die Ausfliichte ent- 
ziehen, welche er vielleicht der raangelnden Qualifikation der 
Anklager hatte entnehmen konnen. Es war aber unvermeidlich, 
dass im spateren Verlaufe des Prozesses der Aachener Eath 
seine kiinstliche Konstruktion gegenuber dem Kolner Hoch- 
gerichte nur mit Miihe behaupten konnte, sodass dieses den 
Eath einfach als Anklager behandelte, ohne allerdings seine 
Qualifikation als solcher in Frage zu Ziehen 3 . 

Am 14. Mai rechtfertigte sich Ellerborn vor der stadtischen 
Kommission, zu welcher noch der Stadtsekretar Nikolaus Link 
zugezogen worden war, auf die ersten neununddreissig Artikel 
und ebenso auf die sechs Articuli iniuriarum 4 . Am 15. Mai 
begann das Zeugenverhor von Kolner Burgern in der Schickungs- 
kammer des Eathhauses und wurde am 17. beendet. Vierzehn 
Burger: Peter Kipp, Ludwig Jonas, Johann von Amstenrath, 
Hermann Becks, Gerhard Freialdenhoven, Andreas Poltsers, 
Johann von Solingen, Laurenz von Beringen, Wilhelm Jansen, 
Stephan Jacobs, Louis Blykurt, Thomas Stappen, Peter Helter- 
man und Arnold Kramer von Diilken machten zum Theil sehr 
belastende Aussagen gegen den Strassenrauber 5 . 

Auch die Jiilicher Eegierung hatte die Gefangennahnie ihres 
friiheren Gtinstlings erfahren. Sie richtete am 17. Mai ein aus- 
fiihrliches Anklageschreiben gegen Ellerborn an den Kolner Eath; 
sie wiinschte, dass er iiber die Grilnde seiner Flucht aus Jiilich 

J ) Additionales denunciatorialium a. a. 0. Bl. 24 a— 31b und Tkurm- 
buch Bl. 201 a— 202b; Verantwortuiig, Prozessakten Bl. Ilia— 115a. 

2 ) Articuli iniuriarum a. a. 0. Bl. 21b— 24 a, Thurmbuch Bl. 199 a, b; 
Verantwortung, Prozessakten Bl. 60 b— 62 b, Thurmbuch Bl. 206 b— 207 a. 

3 ) Vgl. u. a. Prozessakten Bl. 171a— 174b; K. A. Rathsprotokolle (Rpr.) 
XLIV, Bl. 63 a. 

4 ) A. a. 0. Bl. 40 a— 62b; Thurmbuch Bl. 202 b— 207 a. 

5 ) A. a. 0. Bl. 62b-98a. 



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44 Hermann Keussen 

und den Aufenthalt seiner Vettern, der Bruder Eudolf und 
Jakob von Amerongen, vernommen wiirde. Ausserdem bat sie, 
Koln moge den Verhafteten zur Stellung von Kaution und zur 
Aufstellung eines Inventars iiber das geraubte Gut anhalten 
und dieses iibersenden 1 . Am 20. Mai wurde Ellerborn mit 
theilweisem Erfolg iiber die einzelnen Punkte des Jiilicher 
Briefes durch den Altbiirgermeister Hillebrand Suderman, Syn- 
dikus Dr. Hackstein und Thurmmeister Kiffich verhort*. Am 
folgenden Tage musste er auf die Kundschaft der Kolner Burger 
und die sechszehn Zusatzartikel Rede stehen 3 . 

In den verschiedenen Verhoren liatte Ellerborn nur sehr 
wenige belastende Momente eingeraumt. Er behauptete, im 
Jiilicher Auftrage gehandelt und das geraubte Gut hauptsach- 
lich nur zu seinem Lebensunterhalt verwandt zu haben. Von 
den Schmalmngen gab er nur die gegen den Aachener Bath 
gerichteten zu, diese allerdings mit einer Art von Befriedigung: 
Wohl tausendmal lxabe er auf den Rath von Aachen geschimpft, 
den er nicht als Herrn anerkenne, da er vom Kaiser, den Reichs- 
standen und dem Herzog von Jiilich in die Acht erklart worden sei 4 . 

Mit diesen Verhoren hatte der Kolner Rath seine Schuldig- 
keit gethan. Ihm stand von der Kriminalgerichtsbarkeit nur 
der kleinste Theil zu: Die Verhaftung und die Feststellung des 
Thatbestandes durch Verhore, welche der Rath in seinen Thurm- 
bilchern aufzeichnen liess. Die eigentlichen Gerichtsverhand- 
lungen und das Urtheil musste er dem unter erzbischoflicher 
Hoheit stehenden Hochgerichte iiberlassen. Daher war von 
vornherein der Ausgang des Prozesses, den Aachen und Koln 
als Kriminalprozess durchfiihren wollten, dem Ellerborn dagegen 
einen politischen Charakter zu geben versuchte, ungewiss. Haufig 
waren in Koln von Alters her die Konflikte zwischen Rath und 
Schoffen, die mit Eifersucht iiber ihre Rechte wachten. Noch 
im Jahre 1590 war wieder einmal ein heftiger Streit zwischen 
beiden Behorden mit Mtihe beigelegt worden 5 . Noch war im 
Rathe die reichsstadtische Gesinnung starker als das katholische 
Gefiihl. Ohne offen fiir die nahe Reichsstadt Partei zu nehmen, 

J ) A. a. 0. Bl. 31b— 39 b = 141b— 149 b. 

2 ) A. a. 0. Bl. 98 b— 102 b. 

3 ) A. a. 0. Bl. 102b— Ilia, Thurmbuch Bl. 215a— 218a; Prozessakten 
Bl. Ilia— 115a, Thurmbuch Bl. 218a, b. 

4 ) Prozessakten Bl. 62 b. 

5 ) K. A. Buch Weinsberg III, Bl. 179 b, 181b. 



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Der Kolner Prozess gegen Gerhard Ellerborn. 45 

hatte Koln ihr immer seine Sympathieen bewahrt und still- 
schweigend den protestantischen Aachener Kath als rechtmassige 
Obrigkeit anerkannt. Bei der Verhaftung Ellerborns leitete 
den Kolner Rath allerdmgs auch daneben noch das Bestreben, 
seinen vielen stark geschadigten Biirgern nach Moglichkeit 
Ersatz zu schaffen. Anders war damals die Gesinnung der 
Mehrzahl der Schoffen, welche im Hinblick auf den Erzbischof 
Ernst eifriger die katholischen Ueberlieferungen pflegten. 

Greve oder Vorsitzender des Gerichts war in jener Zeit Junker 
Kaspar Drach Ton Geilenkirchen. Ihm wurde am 29. Mai durch 
Rathsverordnete in Gegenwart von zwei Schoffen der Verhaftete 
mit den Klagepunkten und seiner Verantwortung iiberliefert \ 
Kriminalverbrecher musste der Greve nach altem Herkommen 
in seinem Keller bis zur Urtheilsvollstreckung unterbringen. 
Geilenkirchen wohnte in einera vornehmen Hause auf der 
Johannisstrasse neben dera Klever Hofe. Hinter dem Hause 
lagen ein grosser Hof und ein Weingarten, der seinen besonderen 
Ausgang in die Gasse unter den Hofen (die heutige Hofergasse) 
hatte. Statt in den Keller nahm der Greve den Verhafteten 
einfach in sein Haus auf. Die Stadt stellte mehrere Schutzen 
zur Bewachung. 

Mit der Ueberlieferung an das Hochgericht begann die 
Verschleppung des Prozesses. Allerdings bestatigten am 2. Juni 
mehrere Zeugen ihre vor der Rathsschickung gemachten Aus- 
sagen. Aber am selben Tage begehrte auch der Gerichts- 
prokurator Meister Emund Blomendal im Auftrage von Ellerborns 
Frau die Zulassung eines Advokaten fur den Verhafteten, 
wogegen Kalberner, der als Aachener Bevollmachtigter noch 
immer in Koln weilte und den Verlauf des Prozesses iiberwachte, 
Einspruch erhob 2 . Anderen Tages uberreichte Kalberner weitere 
sieben Zusatzartikel gegen Ellerborn 3 . Jedoch gestatteten die 
Schoflfen am 22. Juni Ellerborn die Bestellung eines Rechts- 
beistandes, als welcher der genannte Blomendal alsbald auftrat 4 . 
Kalberner, der inzwischen nach Aachen hatte zuriickreisen 
mussen, hatte die Kolner Prokuratoren Anton und Johann Tholle 
als Vertreter Aachens bevollmachtigen lassen 5 . 

2 ) Prozessakten Bl. lb. 

2 ) A. a. 0. Bl. 115a— 119b. 

3 ) A. a. 0. Bl. 129 a— 131b. 

4 ) A. a. 0. BL 169 a— 174b; K. A. 1593 Juni 22, Cop. Pap. 

5 ) Vollmacht Aachens d. d. Juni 9: a. a. 0. BL 179 a— 187 b. 



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46 Hermann Keussen 

Unterdessen war die Kunde von Ellerborns Verhaftung 
uberallhin gedrungen. Es war natiirlich, dass bald an den Kolner 
Rath die Beschwerdeschriften der Landesherren und Obrigkeiten 
der durch Ellerborn geplunderten Kaufleute gelangten, zunachst 
von Liittich * und vom Herzog Heinrich Julhis von Braunschweig- 
Luneburg 2 , etwas spater vom Grafen Simon von der Lippe 3 
und Herzog Friedrich Wilbelm von Sachsen 4 , sowie ein zweites 
Sclireiben der Julicher Regierung 5 . Kathsherren ubermittelten 
jedesmal sofort diese Briefe den Schoifen zur Berucksichtigung; 
sie hatten gleichzeitig den Auftrag, Greve und Schoffen zu 
warnen, den Gefangenen — wie verlaute — entschliipfen zu 
lassen, da der Rath sie regresspflichtig mache, wogegen die 
Schoflfen protestirten, da sie kein Haftlokal (custodia) hatten 6 . 

In der That waren die Vorstellungen des Rathes gerecht- 
fertigt. Ellerborn befand sich nicht im gewohnlichen Gefang- 
niss, sondern bewohnte eine Kammer in des Greven Haus, an 
dessen Tafel und in dessen Weingarten man ihn gesehen haben 
wollte. Das Gericht liess ihm Abschrift der Akten zukommen 
und gestattete seinem Advokaten freien Zutritt. In Aachen 
vernahm man argerlich von diesem Sachverhalt und schickte 
am 23. Juni den Rathssyndikus Dr. iur. Ludolf Lintzenich 
zum Vortrag der Beschwerden nach Koln 7 . Der dortige Rath 
sandte, wie schon mehrfach vorher, zwei Rathsherren an den 
Greven, um ihm nochmals seine Verpflichtung zu guter Obacht 
auf den Gefangenen vorzuhalten 8 . Ebenso verfuhr er auf eine 
spatere erneute Klage Aachens dieserhalb. Er liess dem Greven 
ernstlich ansagen, den Ellerborn in seinen Keller zu nehmen; 
wenn der Gefangene mit Leibesschwachheit beladen sei, wollte 
die Stadt ihm ein Gefangniss zur Verfiigung stellen 9 . Da der 

J ) D. d. Mai 26: a. a. 0. Bl. 120 b— 125 b. 

2 ) 1). d. Mai--^-, Wolfenbiittcl, a. a. 0. Bl. 125 b— 129 a. — Ueber seine 

sonstigen Bemiihungen fur Aachen vgl. Haberlin XVIII, S. 331, 355. 

*) D. d. Juni -^-, Haus Brack, a. a. 0. Bl. 174 b— 179 a. 
1 8 

4 ) D. d. T :; ° , Dresden, a. a. 0. Bl. 215b-224b. 

' Juh 3 ' 

5 ) D. d. Juni 8, Diisseldorf, a. a. 0. Bl. 138 b— 141a. 
°) Juni 4, Prozessakten Bl. 131b— 134 b. 

7 ) K. A. Or. Pap., am 28. Juni im Rathe verlesen. 

8 ) Prozessakten Bl. 190 b— 193 a. 

9 ) Rpr. XLIV, Bl. 9a: Juli 19. 



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Dcr Kolner Prozess gegen Gerhard Ellerborn. 47 

Greve nur eine ungeniigende Erklarung abgab, wurden zwei 
Herren abgeordnet, urn nachzusehen, ob der Gefangene im Keller 
sei. Ihnen erklarte der Greve, die Stadt habe in diesera Falle 
nicht zu befehlen; er wolle dem Gefangenen gebieten, in den 
Keller zu gehen, konne aber nicht wissen, ob er willig sein 
werde K Jedoch fanden die stadtischen Verordneten am 30. Juli 
wirklich den Gefangenen im Keller auf dem Bette 2 . 

Durch die Monate Juli und August zog sicli der Prozess unter 
Keden und Gegenreden der Advokaten dahin. Der Aachener Ver- 
treter Johann Tholle gab sich alle erdenklicheMuhe, einen raschen, 
fiir seine Auftraggeber gunstigen Ausgang des Prozesses herbei- 
zufuhren. Er stellte die bisherigen Zugestandnisse Ellerborns 
in den verschiedenen Verhoren zusammen 3 ; er hob hervor, dass 
Ellerborn einen Auftrag des Herzogs zur Pliinderung der Aachener 
nicht vorweisen konne, jedenfalls aber tiber einen etwa ertheilten 
Befehl weit hinausgegangen sei; dazu sei ein solcher Befehl 
des Herzogs iiberhaupt ungultig, da auch die Reichsstande sich 
bis zur Achtserklarung am Rechtsweg geniigen lassen mtissten 4 . 
Schliesslich beantragte er gemass der Halsgerichtsordnung An- 
wendung der Folter gegen den Verhafteten 5 . An den Stadt- 
rath wandte er sich gleichzeitig mit der Bitte, schleunige Recht- 
sprechung des Gerichts zu veranlassen 6 . 

Wahrend so die Schoffen den Prozess verschleppen liessen, 
zogen sich die Wetterwolken iiber dem Aachener Rathe drohend 
zusammen. Die katholische Partei setzte endlich entschiedene 
Massregeln gegen ihre Gegner durch. Am 27. August erging 
ein endgiiltiges kaiserliches Urtheil zu Gunsten der katholischen 
Biirgermeister. Die Abschaflfung aller Neuerungen wurde an- 
geordnet. Am 6. Oktober befahl der Kaiser die Durchfuhrung 
des alten Zustandes unter Androhung der Reichsacht. Der 
Rath appellirte dagegen an den besser zu unterrichtenden Kaiser 
und an das Reich 7 . 

Dieselben Manner, welche in dieser Hauptfrage den Kaiser 
endlich zur Entscheidung gebracht hatten, hatten nicht lange vor- 

1 ) Rpr. a. a. 0. Bl. 14 a: Juli 28. 

2 ) Rpr. a. a. 0. Bl. 15 a: Juli 30. 

:{ ) Prozessakten Bl. 197 a— 210 b; Bl. 240 b— 252b. 

4 ) A. a. 0. Bl. 295 b. 

5 ) A. a. 0. Bl. 210 b, 295 b. 

6 ) Rpr. XLIV, Bl. 23 b: Aug. 18. 

7 ) Ritter, Deutsche Geschichte II, S. 71. — K. A. 1593 Aug. 27, Cop. Pap. 



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48 Hermann Keussen 

her auch fur Gerhard Ellerborn sich mit Erfolg bemiiht. Sobald 
der Aachener Erzpriester Johann Ellerborn, der seit zwei Jahren 
am kaiserlichen Hofe weilte, die Verhaftung seines Bruders 
erfahren hatte, wandte er sich an den Kaiser, indem er den 
Zusammenhang mit der allgemeinen Aachener Frage betonte. 
So erwirkte er einen kaiserlichen Brief an den Erzbischof Ernst 
von Koln, der den Auftrag zur Untersuchung der Angelegen- 
heit Ellerborns erhielt 1 . Der Kolner Kath wurde zur Verant- 
wortung aufgefordert und rechtfertigte sich in einem direkten 
Schreiben an Rudolf II. selbst 2 . In diesem Schreiben hob er 
hervor, dass der Ellerbornsche Handel an und fur sich mit 
der vor dem Kaiser schwebenden Streitsache nichts zu thun 
habe. Ellerborn sei von Aachen als Strassenrauber denunzirt 
worden. Aber seine Verhaftung sei nicht wegen Beschwerung 
der Aachener, sondern wegen Schadigung von Untersassen Kolns 
und anderer Keichsstande angeordnet worden. 

Dass der Erzbischof mit der Untersuchung vom Kaiser be- 
traut worden war, krankte erapflndlich das reichsstadtische Selbst- 
bewusstsein der Kolner. In dieser Zeit weilte der Herr von Hoyas 
als kaiserlicher Gesandter in Koln. Ihn ersuchte der Kath um ein 
Fiirschreiben an den Kaiser; er liess dem Gesandten vorstellen, 
wie prajudizirlich es fur die Stadt Koln sei, wenn der Kaiser 
ohne ihr Vorwissen in der Sache schreibe 3 . Der Gesandte er- 
klarte sich giinstig 4 . Aber dies geniigte dem Eathe nicht; er 
beabsichtigte, die Eingriffe auf einem Stadtetage in Ulm 5 zur 
Sprache zu bringen. Inzwischen verbot man dem Greven und 
den Schoffen, sich mit dem Kurfiirsten in eine Neuerung ein- 
zulassen 6 . Der Argwohn aber, dass das Hochgericht hinter dem 
Eiicken des Stadtraths auf Antrieb der kurfiirstlichen Eathe 
mit dem kaiserlichen Hofe in der Angelegenheit korrespondire, 



') K. A. Cop. Pap. 1593 Juni 23, Prag. — Vgl. Cop. Pap. [1593 Juli 26]. 

2 ) K. A. Cop. Pap. 1593 Juli 28, unvollstandig in Briefbuck (Brb.) 108. 

3 ) Rpr. XLIV, Bl. 12a— 13b: Juli 26. 

4 ) Rpr. a. a. 0. Bl. 14 a: Juli 28. — Auch Ellerborn wandte sich an 
ihn mit der Bitte, fur seine Haftentlassung einzutreten: K. A. Cop. Pap. 
[1593 Juli], 

5 ) Er fand im August statt; der Abschied im K. A., Stadtetags-Akten 
1593—1601; Haberlin, Neueste Teutsche Reichsgeschichte XVII, S. 409, 410, 
weiss nichts ttber die Verhandlungen zu berichten ; Koln war nicht vertreten, 
a. a. 0. Bl. 10b. 

6 ) Rpr. a. a. 0. Bl. 12 a— 13 b. 



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Der Kolner Prozess gegen Gerhard Ellerborn. 49 

blieb bestehen 1 . Denn alle Bemiihungen um ein beschleunigtes 
Kechtsverfahren gegen Ellerborn fruchteten nichts. 

Die Schoffen hatten sich in dem argerlichen Handel in zwei 
Parteien gespalten 2 . Die alteren unter ihnen wlinschten baldigen 
Austrag der Sache und drangten gemass der Kriminalordnung 
auf Anwendung von Tortur und Kriminal-Erkenntniss; die 
jiingeren, welche in der Sache einen Eeligionshandel erblickten, 
suchten nach einem passenden Vorwand, um den Gefangenen 
zu erledigen. Ein solcher Vorwand war leicht gefunden. Auch 
mochte die neueste allgemeine Entsclieidung des Kaisers gegen 
den Aachener Rath der katholischen Partei unter den Schoffen zu 
Gunsten kommen. Am 5. Oktober setzte sie einen ganz unerhorten 
Gerichtsbeschluss durch, der den Stempel der Tendenz deutlich 
genug trug. Das Gericht verlangte von der Stadt Aachen als An- 
klagerin eine Kaution von 100000 Doppeldukaten 3 . Die Schoffen 
wussten wohl, dass die Stadt diese grosse Summe weder erlegen 
konnte noch wollte, da sie sich stets dagegen verwahrt hatte, 
Anklage gegen Ellerborn erhoben zu haben, ihn vielmehr nur bei 
der Stadt Koln als Strassenrauber denunzirt haben wollte. Wenn 
dann Aachen, wie vorauszusehen war, die Kaution weigerte, war 
die Freilassung Ellerborns die selbstverstandliche Folge. 

Aber man hatte bei dieser Kechnung die Klugheit der 
Aachener zu gering angeschlagen. Sobald die unerwartete Nach- 
richt nach Aachen gelangt war, reiste der Sekretar Duppen- 
giesser nach Koln und veranlasste den Kolner Rath zu sofortigem 
Einschreiten gegen den letzten Schoffenspruch 4 . Untersttitzt 
wurden die Aachener Bemiihungen durch eine Bittschrift der 
von Ellerborn geschadigten Kolner Burger, welche die Freigabe 
des Gefangenen befiirchteten 5 . Am 16. Oktober verlangte der 
Rath von den Schoffen die Zurucknahme ihres Spruches 6 , der 
gegen die Halsgerichtsordnung dem Denunzianten Biirgschaft 
auferlege. Als die Schoffen daraufhin einen Entwurf fur den 
Widerruf vorlegten, mussten sie ihn verbessern, weil darin 
trotz allem die Aachener noch Ankliiger genannt waren, wahrend 

') Epr. XLIV, Bl. 23b, 24 a: August 18. 

2 ) Ausdriicklich bezeugt in Kolns Schreiben an den Kaiser, 1594 
Mai 4, Cop. Pap. K. A. 
8 ) K. A. Cop. Pap. 

4 ) K. A. Or. Pap., lect. Okt. 13; Rpr. XLIV, 56 a. 

5 ) K. A. Or. Pap., lect. Okt. 15. 

6 ) Rpr. XLIV, Bl. 58 a— 59 b. 



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50 Hermann Keussen 

sie audi nach Auffassung des Kolner Eathes nur Denunzianten 
waren 1 . Am 20. Oktober hoben sechs Schoffen nicht nur ihr 
Kautionsverlangen vom 5. Oktober, sondern auch den Beschluss 
vom 22. Juni auf Zulassung von Advokat und Prokuratoren fiir 
Ellerborn auf 2 . Zugleich wurde der Greve durch die Thurm- 
meister aufgefordert, diesen im Keller einzuschliessen 3 . 

Der Gefangene erhob am 3. November Einspruch gegen 
die Kassation 4 . Mit Hiilfe seiner Freunde versuchte er nun- 
mehr einen neuen Ausweg. Er richtete, da die Landstande vort 
Kurkoln eben versammelt waren, eine Bittschrift an die Ritter- 
schaft des Erzstifts, die er sich gewogen glauben mochte. Die 
vom Rathe erzwungene Kassation des Schoffenurtheils war, wie 
er behauptete, nicht erhort, so lange Koln gestanden; er erbat 
das Eintreten des Landtages fiir ihn beim Kaiser 5 . Ebenso 
wandte sich Ellerborn an die Schoflfen, er protestirte auch ihnen 
gegeniiber, dass sie die Kassation ihrer Urtheile beschlossen 
hatten; er verlangte baldiges Recht, keine Gnade, da es sich 
nicht gebtihre, den Gefangenen mit langwieriger Einkerkerung 
zu betruben 6 . Der Kolner Rath verfolgte alle diese Vorgange 
mit Aufmerksamkeit 7 . Da sich das Uebelwollen des Greven 
gegen die Stadt darin ausserte, dass er die zur Wache in 
seinem Hause kommandirten stadtischen Soldaten nicht gegen 
die Kalte schutzte, so erhielt er einen entsprechenden Befehl 
des Rathes 8 . 

Je langer sich der Prozess hinzog, desto mehr mischten sich 
neue Faktoren hinein. Am 26. Januar 1594 iibersandten von 
Julich aus „die katholischen Biirgermeister, Schoffen, Raths- und 
bitrgerlichen Personen des Koniglichen Stuhls und der Stadt 
Aachen" eine Supplikation von Ellerborns Verwandten und baten 

') Rpr. XLIV, Bl. 63 a. 

2 ) K. A. Cop. Pap. 

3 ) Rpr. a. a.. 0. Bl. 60 a, b: Okt. 18. 

4 ) K. A. Cop. Pap. 

5 ) K. A. Cop. Pap. [1593 Dcz. 10], wozn das Schreiben Aachens von 
Nov. 17 (K. A. Or. Pap.) zu vergleichen ist. Aachen hielt. es fiir nothig, 
dieserhalb nochmals den Thiirwarter Kalberner zu senden, weil es Beein- 
flussnng der Schoffen furchtete. K5ln ordnete Nachforschuugcn an, Rpr. XLIV, 
BL 76 a: Nov. 26. 

6 ) K. A. Cop. Pap., 1593 Nov. 13. 

7 ) Am 13. Dczeraber beschloss er, sich gegen Ellerborns Supplikation 
an die Ritterschaft zu vertheidigen : Rpr. a. a. 0. BL 86 b. 

8 ) Rpr. a. a. 0. Bl. 83 a: Dez. 8. 



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Der Kolner Prozess gegen Gerhard Ellerborn. 51 

urn Beendigung des Prozesses unter Abstellung der vora Hoch- 
gericht eingewandten Verhinderungen 1 . Welcher Art die letz- 
teren waren, wird nicht gesagt. Aber es hat den Anschein, dass 
die Schoffen seit dem gewaltsamen Eingreifen des Rathes den 
Prozess einfach ruhen liessen. Der Kolner Rath war iiber die 
neue Verwendung sehr ungehalten, da er sich in dem Schreiben 
zur Ungebuhr getadelt fand. Man wollte das den Supplikanten 
zu seiner Zeit nicht vergessen 2 . Am 21. Marz wiederum er- 
suchte der Kaiser die Stadt direkt, das Verbot von Advokat 
und Prokuratoren gegen Ellerborn aufzuheben und den Ge- 
fangenen in „leidliche tt Verwahrung zu nehmen 3 . In einem 
Schreiben vom 4. Mai setzte der Rath dem Kaiser den Sach- 
verhalt auseinander 4 . 

Ein voiles Jahr sass Ellerborn bereits in Haft. Am 7. Mai 
gab das Schoffengericht endlich auf Drangen von Ellerborns 
Fran eine abschliessende, wenn auch ausweichende Entscheidung, 
dahin gehend, dass wegen mangelhafter Besetzung des Gerichts r> 
man in keinen Kriminal- und anderen Sachen gerichtlich fort- 
fahren konne 6 . Weder der Verhaftete selbst noch seine Gegner 
konnten ein erwunschtes Ende des Prozesses absehen. Da 
geschah, was Niemand verwunderlich erscheinen konnte. Eller- 
born verliess die leichte Haft, in welcher ihn des Greven Geneigt- 
heit gehalten hatte. Schon im April hatten der Greve und seine 
Frau behauptet, dass Ellerborn nicht in ihrem, sondern in des 
Rathes Gewahrsam sitze. Der Rath liess ihnen aber durch die 
Thurmmeister ansagen, ihn wie schuldig zu bewahren 7 . Jedoch 
kttmmerte sich der Greve nicht um des Raths Befehle 8 . Nach 
Belieben konnte Ellerborn in seinem Hause, auf dem Steinwege, 
im Hofe und im Weingarten herumgehen. Zu seinen Mahlzeiten 
zog er Freunde und Bekannte zu; seine Frau war fortwahrend 
um ihn. Einige Tage vor dem 18. Mai waren die Gesandten 
der Aachener katholischen Partei bei ihm im Hause, auch ein 



J ) K. A. Or. Pap., mit vier Petschaften besiegelt. 
2 ) Rpr. XLIV, Bl. 121a: 1594 Jan. 31. 
a ) K. A. Cop. Pap., 1594 MS,rz 21 Prag. 
4 ) K. A. a) Cone, b) Cop. 

s ) Die Worte: „weil der Schoffeustuhl nicht bekleidet sei", kann ich nicht 
anders deuten. Man hatte einen andern Erklarungsgrund erwarten miissen. 

6 ) K. A. 1594 Mai 7, Cop. Pap. 

7 ) Rpr. XLIV, Bl. 159b: April 5. 

8 ) Das folgende nach den unten erwahnten Verhoren. 



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52 Hermann Keussen 

Halbbruder von ihm, sowie der Kolner Schoffe Hector, der am 
eifrigsten seine Sache verfochten hatte. Wenn er seine Be- 
freiung durchfiihren wollte, waren offenbar nur geringe Sehwierig- 
keiten zu uberwinden. In der That gab der Gefangene am Mittag 
des 18. Mai den drei stadtischen Wachtern, die auf ihn Obacht 
haben sollten, vor, er wolle sich im Weingarten schlafen legen. 
Er ging darauf in die Kiiche, nahm den dort hangenden Schltissel 
zum Hinterpfortchen und war verschwunden. Ahnungslos hatten 
die unbesorgten Wachter ihn gewahren lassen. Erst als der 
Advokat Emund Blomendal, der offenbar nicht eingeweiht war, 
am spaten Nachmittag zufallig nach ihm fragte, ward die Flucht 
bemerkt. 

Es lasst sich nicht klar erkennen, ob der Greve die Flucht 
begiinstigt hat; sein Versuch im April, dem Rathe die Verant- 
wortung fur den Gefangenen zuzuschieben, lasst ihn dessen 
verdachtig erscheinen. Jedenfalls war sein Verhalten nach der 
Flucht darauf berechnet, den Argwohn von sich abzulenken. 
Er und seine Frau machten grossen Larm ; letztere klagte, dass 
Ellerborn ihr sechszig Thaler schuldig geblieben sei. Der Rath 
war in grosser Aufregung und trat mehrere Tage hinter ein- 
ander zusammen. Er liess die Wachter am 20. Mai verhoren 1 . 
Viel mehr als den Beweis einer unbegreiflichen vollkommenen 
Sorglosigkeit forderte die Vernehmung nicht zu Tage. Man ver- 
horte auch den Prokurator Blomendal und einen Passement- 
macher, Jelis Rave, der ofter bei Ellerborn verkehrt hatte 2 ; 
beide wollten von nichts wissen. Anfanglich beschloss der Rath 
den Greven zu Thurm zu fordern 3 , milderte aber schon Tags 
darauf den Beschluss dahin, dass er sich nur verpflichten sollte, 
die Stadt nicht zu verlassen, bis der Fliichtling zur Stelle 
geschafft sei; auch sollte er alien Schaden tragen*. Der Greve 
entschuldigte sich und versprach, nicht aus Koln zu weichen, 
bevor er sich mit dem Rathe vertragen habe 5 . 

Zu Anfang Juni erschien Mathias Duppengiesser im Auf- 
trage des Aachener Rathes wieder in Koln. Mit Notar und 
Zeugen begab er sich sofort in des Greven Haus auf der 

J ) Verhore der Wachter Jakob von Lechenich, Wilhelm Haen und Jost 
von Stamheim vor Eathskommission und Notar Joh. Krith: K. A., 2 Cop. Pap. 

2 ) Verhore vom 21. Mai: K. A. Cop. Pap. 

3 ) Rpr. XLIV, Bl. 179b: Mai 20. 

4 ) Rpr. a. a. 0. Bl. 180b, 181a: Mai 21. 
6 ) Rpr. a. a. 0. Bl. 181b: Mai 23. 



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Der Kolner Prozess gegen Gerhard Ellerborn. 53 

Johannisstrasse und verlangte Schadloshaltung fur seine Herren. 
Der Greve jedoch erklarte die Aachener kurzer Hand flir Re- 
bellen und weigerte sich, den Protest des Sekretars anzunehraen, 
sodass dieser das Schriftstuck im Steinwege des Hauses dem 
Greven zu Fiissen legte '. Anderen Tages erbat er vom Kolner 
Rathe die Bestrafung des fahrlassigen Richters 2 . Der Rath 
versprach allerdings, durch die Doktoren der Universitat und 
die alten Rathsherren untersuchen zu lassen, was der Stadt 
gebiihren wolle 3 . Aber diese ausweichende Erklarung machte 
offenbar, dass Koln nicht geneigt war, den Aachenern, auf deren 
Hauptern die kaiserliche Ungnade ruhte, zu ihrem Rechte zu 
verhelfen. Thatsachlich ist auch von weiteren Schritten Kolns 
in der Angelegenheit nichts iiberliefert. 

Von Ellerborn erhielt man vorlaufig keine Kunde. Zwei 
Tage nach seiner Flucht waren die Schoffen Holzweiler und 
Hector plotzlich abgereist, wie man vermuthete, nach Regens- 
burg zum Reichstage, wo der Btirgermeister Johann Hardenrath 
und der Syndikus Dr. Hackstein als Kolns Vertreter weilten. 
Diese konnten aber von einem Aufenthalt der Fluchtlinge da- 
selbst nichts in Erfahrung bringen 4 . Bald war die leidige An- 
gelegenheit in Stillschweigen begraben, zur Freude des fried- 
liebenden Kolner Rathes, der zufrieden war, dass der Kaiser 
ihn dieserhalb nicht weiter behelligte 5 . 

Gerhard Ellerborn erlebte noch den Triumph seiner Partei. 
Er befand sich unter den katholischen Aachenern, welche im 
Herbste 1598 siegreich in die Vaterstadt zuruckkehrten. Die 
Wittwe des Bonifatius Colyn musste ihm ihre Wohnung ein- 
raumen 6 . Der unruhige Mann konnte nunmehr sein Leben in 
Frieden verbringen, wenn er wollte. Sein unstater Sinn liess 
dies freilich kaum erwarten. Unsere Quellen geben aber keine 
Auskunft iiber seine spateren Schicksale. 

In deutlicher Sprache fiihrt der Ellerbornsche Handel die 
Gebrechen Deutschlands im 16. Jahrhundert vor Augen: ein 

J ) K. A. 1594 Juni 7, Cop. Pap. 

2 ) K. A. [1594 Juni 8], Cop. Pap. 

3 ) Rpr. XLIV, Bl. 189a: Juni 8. 

4 ) K. A. Briefbuch (Brb.) 108: 1594 Mai 21, Koln an die Gesandten in 
Rcgensburg; deren Antwort von Mai 30: K. A. Or. Pap. 

5 ) K. A. Brb. 108: Juni 18. — In den folgcndcn Schreiben von Juni 27, 
Juli 7, 15, 29 wird der Handel nicht mehr erwahnt. 

6 ) Haagen; Geschiehte Achens II, S. 191. 



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54 Hermann Keussen 

schwaches Reiehsregiment, unter dem die Sonderinteressen der 
Reichsstande den Gemeinsinn ertodten, die religiose Zerrissenheit, 
verscharft durcli den Hader der Parteien, Parteiigkeit der 
Rechtspflege in Folge von Beeinflussung der Richter. Diese drei 
Momente in unheilvoller Vereinigung kennzeichnen die traurige 
Episode aus Aachens Vergangenheit, die mit Ellerborns Namen 
verknupft ist. 



Beilagen. 

1. Richter und Schoffen zu Aachen bekunden auf Wunsch des Aachener 
Bathes den Wortlaut des von Gerhard Ellerborn geleisteten Svhoffeneides. 
1593 Mai 17. 

Wir richter und scheffen des koningliehen stoels und statt Aich thuin 
kunt menniglich mit gegenwertigem documento: Deranach heude dato der 
ehrentvestcr und vursich tiger her Simon Engelbrecht, zur zeit dieser stat 
burgermeister, von wegen eines erbaren raits alhie begert, seiner l(iebden) 
schein mitzuteilen darvon vurnemblich, das Gerhart Ellerborn dieser statt 
scheffen, und wann er zum scheffen-ambt angenommen, und was er vur ein 
iurament geleistet, solches habent, nach notturft zu gebrauchen, darauf 
attestiern wir hiemit, das gemelter Ellerborn vur etlichen jahren hiebevoren 
zum scheffenambt erwelt, auch eingefurt und dicseu folgenden aidt gethaen, 
welcher innen alsus vurgestaffet wirt: 

[Schoffen-Eid:] 

Alle diesen tag und von diesem tag voir die tag, die du leffs, soltu 
holt und getrew scin dem heiligen romischen reich und der statt und reiche 
von Aichen, und soltu den scheffenstoell von Achen hoeden und halden und 
saltz recht urteil sprechen den armen als den reichen, den frembden als den 
heimschen, dat en solstu 1 lassen umb lieff noch umb leit noch umb freunt- 
schaft noch umb magschaft noch umb golt noch umb silver noch umb gesteins 
noch umb geinre konne gifte, die dich van dem rcchte scheiden mag, noch 
umb angste willen deincs leifs ohn argelist, so dir gott helfe und die heiligen. 

Alles ohn gefert und argelist. Zu urkunt der warheit haben wir Anthon 

Schlebusch, richter, Stass von Segradt, Wilhelm Dastungh und Hugo Pelser 

unsere siegelen uff spaciuiu dieses gedruckt am siebenzehenten maii anno 

tausent funfhundert neunzig drei. 

Johan Werdts s(ub)s(cripsit). 

K. A. Abschrift in Prozessakten Ellerborn, 1593 Mai 29 — Aug. 14, 
Bl. 210b— 212b. 



i) Der Abschreiber fiat am Ramie ein nit zugefiigt, da ihm die negative Bedeutwtg 
der Partikel en nicht bekannt war. 



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Der Kolner Prozess gegen Gerhard Ellerborn. 55 

2 1 . Aiifzahlung der vom Herzog von Julich in der Stadt Aachen bean- 
spruchten Hoheitsrechte. 1591 Jan. 22. Dusseldorf. 

Von gottes guaden wir Wilhelm, herzog zu Guilich, Cleve und Berg, 
graf zu der Mark und Ravensberg, herr zu Ravenstein, thun euch den jetzigen 
angemasten burgermeisteren und ganzem groissem rat, auch gemeinen burgeren 
und underthonen der statt Ach hiemit kunt und zu wissen: Obwoll wir an 
statt der rom. kays. maiestat, unsers allergnadigsten herrens (als hohen herren 
zu Ach) under meher anderen daselbst in der statt und gepiet Ach, wol- 
hergeprachten uralten furtrefflichen hoch-, ober- und gerechtigkeiten (wie 
kundbar und unverneinlich war), 

[I. Landeshoheitlkhe Rechte:] 

Auch nieuniglich daselbst faren und fliessen zu lassen, bann und frieden 
zu gepieten, fur gewalt zu schutzen und zu schirmen, item Judden und 
Lombarden zu vergleiten, das munzen zu gcstatten und davon den schleg- 
schatz zu genlessen. 

[II. Gerichtshoheitliche Rechte:] 

Zudem iustitiam in civil- und criminalsachen zu administrieren, bey 
scheffen-urteil und des churcn recht zu halten und die gerichter zu befreien, 
die ubelthatter angreifen, in haftung pringen, torquiren, fur recht stellen 
uud cxequieren, so auch die gefangene erledigen zu lassen, an das gericht 
zu citieren, vorsprechen zu erleubcn, kunden und zeugen zu beeiden, alle 
bruchten, mulcten und abdragten von gewalten, frevelen, furpelen und wel- 
kuren aufzuheben, der am churgericht erkanter bruchten halben toil zu 
behalten und den rest zum baw zu gestatten, die tot verplibene zu besichtigen 
und zu begraben. 

[III. Polizeiliche Rechte:] 

Wie dann auch geferliche bruch zu schneiten, item frembden fechteren, 
spielleuten und springeren, die trompetten zu blasen und trommen schlagen 
zu erleuben, weiter mass, ellen und gewicht zu besichtigen und dern un- 
gepur abtraglich zu bestraffen, schiess-, schutzen- und stechspiel zu gestatten 
und die ban darauf zu befreien. 

[1 V. Exekutionsbefugn isse :] 
Arresta und kommer, item anrichtuugen, immissiones und executiones 
zu thun, pfand zu geben und umbzuschlagen, belait zu halten, beschuddung 
und vernaherung zuzulassen, deposita anzunemmen, guetter zu sequestriren, 

!) Die nachstehend abgedruckten Ausziige aus den Aachen-Jiilicher Streitschriften 
dos Jahres 1591 bieten ein mehrfaches Interesse : einmal durch die prazise Fassung der 
nach Materien zusammengestellten Jiilicher Anspriiche und durch die eingehende, Punkt 
fiir Punkt entgegengestellte Auffassung des Aachener Stadtrathes, welche die Streit- 
objekte recht deutlich hervortreten lasst; sodann audi durch die zahlreichen thatsach- 
lichen Mittheilungen iiber Aachener Gerichts- und Polizeiwesen im 16. Jahrhundert, 
welche die stadtische Schrift enthalt, die freilich wegen ihres Partei-Charakters eine 
behutsame Benutzung erheischt. Eine grossere Uebersichtlichkeit und leichtere Benutz- 
barkeit habe ich durch die zugefiigten Ueberschriften iiber die einzelnen Materien zu 
erreichen gesucht. 



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56 Hermann Keussen 

zu inventieren und obsignieren — jedoch den scheffen und euch [dent Stadt- 
rathj, soviel dieselben und ihr in deren ctlichen mitbefugt, nichts abgenommen, 
herbracht und befugt seyen. 

[V. Kirchliche Gerechtsame :] 
Uber dem allem noch einen probsten anzustellen, welliche seine besondere 
iurisdictiou daselbst hat, ingleichen einen erzpriester oder parochian, dem die 
fursorg und besetzung alier pfarren und derselben undergehorige kirchen und 
capellen, auch neben und mit den geistlichen und weltlichen sontscheffen die 
aufsieht und iurisdiction kirchischen ordnungen und dereu excessen, so auch 
ehe, testament und zichenten, item wucherigen contracten und anderer, geist- 
lichen zustehet, dan einen scholaster, dem die anstellung und superintendenz 
der schulen gepurct. 

[VI. Ernennung der Gerichtsbeamten :] 
Zudem und noch weiter zu vertretung und administration erst obbe- 
rurter und aller anderer unserer des endtz zugehoriger weltlicher hohe-, ober- 
und gerechtigkeit in namen rom. kays. mai. (als hohen herren) einen stat- 
helder, so gemeinlicli der richter, vogt und maior genant wirt, und dessen 
undcrgesetzte iustici-dienere, als amptman, schreiber, scholtheissen und andere 

anzuordnen. 

Koln, Historisches Stadtarchiv. Cop. Pap. 

3. Die Stadt Aachen stellt gegeniiber den Anspriichen des Herzogs von 
Jiilich Hire Hoheitsrechte zusammen. 1591 Febr. 19. 

Ob wol ihre F. Gr. einen ganzen haufen alhie vermeint- 

lich habeuder und zusamen gebrachter hoch-, ober- und gerechtigkeiten sich 
thun zueignen, so seint doch dieselbige nicht ihrer F. G., sonder uns als der 
hiehiger ordentlicher obrigkeit und dem scheffenstul beweislich schier alle 
zustendig. 

[I. Landeshoheitliche Rechte:] 

Dan anfanglich unleugbar wair, dass alle dieser statt von rSmischen 
kayser und kbnigen, auch anderen verlehent und habende privilegien, exemp- 
tiones, freiheiten, hoch-, ober- und gerechtigkeiten der statt und reich Aachen, 
keines wegs aber vogten oder meieren gegeben, und daeher ein erbar rat 
neben alien anderen in der statt und reich Aachen habenden gebot und verbot 
volnkommene macht und gewalt hat (ohne das geringst des vogts oder meiers 
darzu habend einsagen), sowoll bey dem rat als den zunften underthonen und 
einwoneren neue statuten, ordnungen und gesetz zu machen, alte abzuschaffen, 
die gemachte zu publicieren, zu verbesseren, zu minderen oder zu meheren, 
wie auch allein dem rat oder burgermeisteren an statt desselben zustehet, 
den burgeren und underthonen bann und fried zu gepieten, auch fur gewalt, 
sovern der vogt oder meier umb solliches zu thun nit ersucht wirt, zu schutzen 
und zu schirmen, Juden und Lombarden mit auflagung aller burgerlicher 
lasten, auch andere (ausgenommen frembde gegen frembde, dessen der meier 



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Der Kolner Prozcss gogen Gerhard Ellerborn. 57 

neben und mit dom rat und burgermeistcren maclit hat) zu vorgleiten, an- 
zunemen und abzustellen, das munzen vermog habcnder rogalien eignes 
gefallens, jedoch des heiligen reichs aufgcrichtcr munzordnuugcn gemassig, 
ins werk stcllen zu lassen, den munzmeisteren und wardein anzunemen, zu 
bceidigen, und da sie felbar befunden, neben der geburlicher bestraffung 
widderumb zu erleuben, des geprech anzuordnen, das gelt auf- und ab- 
zusetzen, die ubertretter aber dieser anordnung des lioheren ausgebcn und 
enipfangens halber darfur anzusehen. 

[II. Gerichtshoheitliche Rechte:/ 

Wie ingleichera dem rat, chur- und seheffengericht allein gepurt, in 
civil-, criminal- und anderen sachen iustitiain zu administriren, urteil und 
recht zu sprechen, alles ohne einig gcpurent einsagen des vogt oder meiers, 
ohne auch das er die gerichter zu befreien macht hat, jedoch gepurt ime, 
dem meier als einem blossen executoren und dieneren, die also durch uns, 
auch der burgermcister-, scheffcn- und churgericht ausgesprochenc urteiien 
in etlichen fallen zu exequiren, wie auch dem vogt oder meieren mit nichten 
zustehet, angebener gestalt einigen burger oder underthonen als ubelthater 
oder sunstcn ohne furgangen unser erlaubnus anzugreifen, vielwieniger in 
haftung zu pringeu, zu torquieren und fur recht zu stellen, allein wirt ihme, 
dem meier, einen frembden ubelthateren oder beruchtigten, jedoch mit sonderer 
limitirter restriction, wovern er nemblich gegen die kays. maiestat, das heilige 
romische reich, einen erbarn rat, dieser statt burgere, des churgerichtz und 
des scheffenstuls ergangene urteil und erkentnussen gefrevelt, auf den strassen, 
nit aber in burgerhauseren anzugreifen und zu vergleiten zugelassen, so ist 
auch mit nit geringer befrembdung zu vernemen, dass der meier einigen 
gefangenen loszugeben macht haben solt in betrachtung, dass sowol dem rat 
als auch den scheffen die erledigung oder verdammung zuvor mit rats- 
beschlussen und scheffen-urteilen zu erkennen zustehet, und ihme, dem meier, 
entweder den gefangenen auf gewonliche urphet der gefanknus zu erledigen 
oder das uber die verdampte missthadigere gefelt urteil zu exequiren von 
dem rat und scheffen befolen wirt, demselben auch er, der meier, ohne einig 
verweigeren und widdersprechen gehorsamblich nachzukommen schuldig ist, 
zu geschweigen, dass in seiner, des meiers, macht nit ist, einen frembden auf 
offener strassen, wie oben, angetasten menschen widderumb zu erledigen, zu 
verdammen, zu straffen oder torquieren zu lassen, sonder er ist verpflicht, 
den frembden fur die scheffen zu recht zu stellen und derselben erkentnus 
entweder zu der erledigung oder verdammung zu erwarten und demselben, 
er wil oder nit, wurkliche folg zu thun. 

So ist auch nit wieniger seltzam von dem meier anzuhoren, dass er 
den procuratoren und vursprecheren furzusprechon zu erlauben macht haben 
solt, da doch unverneinlich wair, dass dieselbe, wie ingleichem die gerichtz- 
schreiber, siegler und schetzer durch scheffenineister und scheffen ohne zuthun 
und beisein meier oder vogts angenommen, beeidet, und da sie sich etwan 



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58 Hermann Keussen 

straffwurdiglich verlaufen, entweder gestrafft oder abgesetzt werden. Was 
aber hievon auf den gewoniichen vogtgedingeren gewrocht wirt, als nemblich, 
dass niemanten dan durch seinen fursprecher zu sprechen zugelassen, dasselb 
kan sich zu diesem oberzaltem fall keines wegs erstrecken. 

Ferner ist nit ohne, dass des meiers dienere, die fur des raths chur- 
gericht rechthangige parteyen und derselben benante und furgestalte zeugen 
eitiren und furladen, auch er, der meyer oder amptman solliche zeugen nit 
in-, sender ausserhalb des rats cammer und gericht beeidet, aber folgentz 
abwesens des meiers verhort, und was in diesen chursachen, wie auch was 
durch den scheffenstul fur bruchten, wie dieselbe dan verscheidentliche namen 
haben, erkant werden, dabey muss es der meier ohne einige widderred ver- 
pleiben und sich mit seinem daraussen gewonlich und gepurendem der bruchten 
anteil befriedigen lassen, und werden solliche bruchten und churmanungen 
nit allein durch des meiers diener, sonder auch des churgerichtz sambler 
eingemanet und ausgeteilet, und ist alhie mit wunder anzuhoren, dass sich 
der stulzmuttiger Johan von Thienen anmassen und gelusten lassen darf, als 
das er dem rath den halben teil sollicher bruchten zu dieser statt bow zu 
wcnden erlauben und gestatten soil, da er sich doch, wie auch negst oben 
gesagt, mit den durch die chur erkanten bruchten und dessen anteil begnugen 
lassen mussen, und der rat sein anteil aus eigner und keines anderen autoritet 
sich selbst zueignet. So hat auch er, der meier, fur seine person aus einiger 
eigner autoritet oder einig habender gerechtigkeit jemanten zu mulctieren, 
zu bestraffen, mit jemanten abtragten und compositiones zu thun im geringsten 
keine gwalt, sonder muss solliches alles mit des chur- und scheffengerichts 
furgangenen erkantnus beschehen, und muss er demselben under worf en sein. 

Und obwol er, der meier, den besichtigungen der gefarlich tot ver- 
plibenen und erlaubnussen, dieselben zu begraben, beiwonet, so ist er doch 
diesfals fur sich selbst ichtwas zu thun und furzustellen weiters nit mechtig, 
dan allein die darzu von gemeinem scheffenstul verordnete zwien churscheffen, 
wie yon alters herkommen, zu manen, und muss es der meier bey demselben, 
so die scheffen daruber erkennen, ohne einige einred also verpleiben lassen. 
[III. Polizeiliche Rechte:] 

So gepurt auch dem rat oder den burger meisteren an desselben statt 
(obwoll er, der meyer, zu zeiten hiebevoir gleichfals darunib angesucht worden) 
geiarliche bruch schneiden zu lassen zu erlauben, wie ingleichem dem rat 
oder burgermeisteren, fremden fechteren, spielleuten, sprengeren ihren handel 
alhie zu treiben zu erlauben. 

Wie ferner einem erbarn rat und burgermeisteren aus altem herkommen, 
auch habender hoch- und gerechtigkeit wegen fur sich selbst zustehet und 
gepurt, alhie in der statt die trommeten anzublasen und trommen zu schlagen, 
wie ingleichem schiess-, schutzen- und stechspielon zu erlauben oder aber 
zu verpieten, so liest auch ein erbar rat durch dessen vereidtc diener zu 
sollichen handlen, wannehe die zugelassen sein, des orts (ausgenommen, dass 
ihrer F. G. solliches neben dem rat oder burgermeisteren ausserhalb, nit 



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Der Kolner Prozess gegen Gerhard Ellerbom. 59 

aber in der statt, derselben graben und auf dem Louisberg zu thun, in der 

gutlicher bandlung bey dem lOten derselben puucten verwilligt, aber bis 

noch nit ratificirt worden) die banen befreien. 

So ist gleichfals meher als notdri und beweislich, dass wir von unver- 

denklichen zeiten, wie auch noch, uber ellen, mass und gewicht ordnung zu 

machen, auch bier, brot, fieisch, visch und alle andere leibsnarungen auf- 

und abzusetzen, darinnen zil und mass zu geben (darzu wir dan besondere 

aufsehere zu verordnen macht haben), und ist dem meier oder dessen under- 

gesetzten dieneren keines wegs erlaubt, ohne des rats oder der burgermeister 

erleubnus und befelh zu besichtigung einiger ellen, massen oder gewichts 

in der burger hauser zu gehen, sonder stehet solliches uns durch unser diener 

zu thun und dieselbe, so mangelhaftig und straffbar befunden, durch uns 

zu bestraffen. 

[IV. Exekutionsbefugnisse:] 

Was weiter die arresta und kummer zu thun antrifft, das lassen wir 
in seinen fallen, wie oben gesetzt, bewenden. 

Ferner soviel die anrichtungen, immissiones, executiones, pfand zu geben 
und umbzuschlagen anlangen thut, ist der meier ^solliche stuck als nudus 
executor dergestalt, wie dieselbe durch die burgermeistere, den rat und den 
scheffenstul ubermitz ihrer daruber zuvor ergangener urteil und verordnungen 
zu geschehen erkant, altem herkommen nach in's werk zu stellen und zu 
verrichten schuldig. Gleicher massen werden keine beschuddungen oder ver- 
naherungen durch den meier dan durch scheffen daruber zuvor gefelter 
erkantnus zugelassen, wie dan auch der meier eigner autoritet und aus 
einiger habender gerechtigkeit nit vermag, ohne furgangen seheffen-urteil 
und abwesens zweier darzu verordneter scheffen einige deposita anzunemen, 
guter zu sequestrieren, zu inventarisieren oder zu obsignieren. 

[Zusammenfassung der Rechte I— IV:] 
Aus wcllichem allem dan zum eirsten hantgreiflich folgt, dass uns, dem 
rat, wie ingleichem dem scheffenmeister und scheffen die oberzelte iurisdiction- 
stuck, recht und gerechtigkeit nit zum teil, sonder schier alle der- 
selben, gar wienig ausgenommen, (doch ihrer F. G. die gerechtigkeit, so 
derselben der vogtey und meyereyen halben von rechtz und gewonheit wegen 
von alters zustehet, furbehalten) gepuren, zustehen und angehoren. 

Wie auch zum zweiten darausser gnugsamb bescheinet, dass der meier 
sowoll bey dem rat, als auch dem scheffenstul ohne unser furgehend erlaubnus 
und befelh, wie ingleichem ohne furgefelte erkantnus der scheffen fur sich 
selbst aus eigner macht widder jeinanten alhie im geringsten etwas zu thun, 
furzunemen, zu gepieten oder zu verpieten keiue macht hat, sonder allein 
desjenigen, so wir, das chur- und scheffengericht erkennen (ausserhalb dass 
ein meier, wie auch oben angezeigt, einen frembden mit kummer anzuhalten 
und auf der strassen, doch limitirter gestalt anzugreifen und denselben gegen 
seines gleichen frembden, nit aber einigen burger oder underthonen zum 
rechten zu vergleiten hat) ein blosser executor und volnstrecker ist 



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60 Hermann Keussen 

[V, Kirchliche Gerechtsame:] 
Weiters von wegen anstellung ernes hiehigen probsten, parochians und 

daii eines scholasters und denselben in verscheiduen fallen zugesehribcnen 

jurisdictionen, bevoirab von gesagtem parochian, als das demselben neben den 
anderen geistlichen und weltlichen sentscheffen des hiehigen sentgeriehts 

aufsicht und iurisdiction zustehen soil, darauf ist dieser unser kurzer 

bericht, dass woll nit ohne, dass ihrer F. G. aus kraft vom heiligen reich 
der vogtey und meiereien pfantzweis habender gerechtigkcit die collationes 
der hiehigen probstens, parochians und scholasters, wie auch furhin gesagt, 
zustehe, dass aber aus kraft sollicher collation und anstellung dem parochian 
des sentgerichtz jurisdiction gepuren und auf denselben fundirt sein und 
durch eine nachfolg ihre F. G. in sollichem sentgericht einigc gerechtigkeit 
haben sollen, dessen sein ihrer F. G. wir gar und ganz nit gestendig. Dan 
unverneinlich wair, dass sollich geistlich synodal sentgericht aus einer uralten 
ungezweivelt von des romischen kaysers Caroli magni bis auf heutige zeit 
loblich hergebrachter gewonheit hergeflossen, kraft wellicher dan wir und 
gemeine burgerschaft, wie auch alie geistlichen stantzpersonen (so dan nit 
eine die geringste dieser statt freiheit ist) von dem foro ecclesiastico und 
aller eusserlicher geistlicher iurisdiction gefreiet sein, und haben unsere 
liebe vurfaren solliche gewonheit und iurisdiction durch viele romische pabst 
confirmieren und bestettigen lassen, auch dieselbe mit groiss und merklich 
aufgewendten kosten nicht auf einige geistliche personen oder vogten und 
meyer, sonder allein auf dem rat dieser statt zunften und gemeine burger- 
schaft crlangt, wie dan sollichs mit vielen pabstlichen unversert habenden 
confirmationen klarlich bewiesen werden kan. Und wirt dasselbig sentgericht 
mit zwolf personen, nemblichen dem parochian, den vier dieser statt pfar- 
herren und siben weltlichen burgerlichen sentscheffen (so uns von uralten 
zeiten dahin zu instituiren und anzusetzen gepurt) bekleidet, daher auch 
dasselbig gericht vermog gemeiner beschribener rechten, dieweil es mit dem 
meherem teil leien und weltlichen personen besetzt, fur ein weltlich gericht 
zu halten, fur wellichem gericht alle geistliche als matrimonial-, testamental-, 
decimal- und dcrgleichen fori ecclesiastici sachen ventilirt und mit entlichen 
urteilen erortert werden, und wirt darvon an einigen obern richter nit 
appellirt, sonder stehet dem rat und niemanten anders das brachium seculare, 
als die execution und revision eigentumblich zu, und haben ihre F. G. oder 
derselben vogt und meier mit diesem gericht und desselben gefelter urteil 
executionen und sunsten uberal nichtz zu schaffen, daeher sich dan ihre 
F. G. die geringste gerechtigkeit an diesem gericht, dan allein den parochian 
anzustellen, nit kunnen anmassen. 

[Anderiveitige Rechte der Stadt:] 

Und obwoll ihre F. G. furlangst nit allein in diesem gericht allcrhant 

gerechtigkeit sich zuzumessen, sonder auch alle obgesetzte dem rat und 

scheffenstul zustendige hoch-, ober- und gerechtigkeiten an sich zu pringen 

understanden, so haben sich doch unsere liebe vuralteren bey diesen iuris- 



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Der Kolner Prozess gcgen Gerhard Ellerborn. 61 

dictiousstuckcn und derselben uralter wolhergebrachter possession mit aller 
menschlicher moglichkeit dapferlich gehanthabt, beschutzt und beschirmt in 
massen, dass derhalben mit ihrer F. G. wir fur etwan funfzig und meher 
jairen, ncmblichen im 37. jair negsthin an das kays. cammergericht Speir 
widder ihre F. G. in's recht erwachsen, audi so weit daeselbst procedirt und 
furgefaren, dass wir in gefolgtem 53. jair am 16. januarii in unseren domals 
in causa turbatae possessionis ubergebenen defensional- und coadjutif-articulen 
die oben specificirte und andere viel hohere habende hoch- und gerechtig- 
keiten (als under anderen, dass wir aus kraft habender pr.ivilegien in abwesen 
des meiers einen richter, so alles, was dem richters-ampt anklept, anzusetzen, 
wie auch in malefiz-sachen unsere burger und underthonen selbst zu straffen 
und zu fangen haben, die verbante odor verurteilte zu begnaden, die burger 
und underthonen mit steuren und diensten zu belagen, wie ingleichen uns 
alle pfortcn, turn, gefangnussen, derselben schlusselen, zu- und aufschliessung, 
wie daneben die gerichtzhauser, uns eigentumblich zustendig, galgen, rader 
und der pranger oder kax aufzuriehten und im bau zu halten, in massen 
auch den scharpfrichter zum halben teil (dieweil er uns in unseren criminal- 
gefelten urteilen nachrichtet) zu bclonen, auch die gefangene durch unsere 
vereidt darzu bestelte diener bewaren, sturm- und brantklocken anziehen zu 
lassen, wie uns ingleichem den lehenherren und desselben lehcngericht, wclcher 
dan von unser wegen uber die lehengutcr zu erkennen, darauf zu exequieren 
und zu pfandcn, mit nichten aber dem vogten oder meieren anzusetzen geburt, 
wie auch die werkmcistere sarapt ihrem gericht (mit wellichem der vogt oder 
meier gleickfals, obwoll ihre F. G. sich auch allerhant gerechtigkeit bey 
dicsem werkmeister-gericht anmassen, nichtz zu schaffen), vort wein-, bow-, 
schutzen-, acceis-, auch kol- und marktmeistere, turnhuttere, wochtere und 
dergleichen meher beampte uns allein anzuordnen zustehet, nit allein bloslich 
articulando et allegando gerichtlich fur- und eingebracht, sonder auch dieses 
alles durch die darauf gefurte zeug-kuntschaft und schriftlich gcthonen beweis 
uberflussig und zu gnugsamer notturft dcrmassen und also dargethon und 
erwiesen, dass wir zu gott und dem rechten unzweivelich verhoffen, der sachen 
triumph und obsicg darvon zu pringen und zu erlangen. Sollen wir nun 
obangezogenc unsere hoch- und gcrechtigkeiteu, so unsere lobliche vorfaren 
mit anwendung vieler tausent taler so treulich fleissig und eiiferig nit allein 
am kays. cammergericht, sonder auch bey den hochlobligsten romischen 
kayseren Carlen dem funften, Ferdinanden, wie ingleichem in der im jair etc. 
84 abgelaufener kayserlicher commission dermasscn vertadigt, dass es pillig 
darbey zu bewenden sein solle, zu geschweigen, dass solliche stuck ober- 
zalter gestalt so statlich bewiesen worden — — ersitzen lassen und ihrer 
F. G. auf diese derselben verachtlich niddergeworfene und hin und widder 
durch die gesante verstochenc vermeinte protestation- und rcquisitionschriften 
alle unsere obangeregte und andere uns als der ordentlicher hiehiger obrig- 
keit und dieser statt zustehende hoch-, ober- und gerechtigkeit, wie auch die 
scheffen ihre habende Jurisdiction und hocheiten ja inwendig funf tagen 



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62 Hermann Keussen, Der Kolner Prozess gegen Gerhard Ellorborn. 

ubergeben, da doch unsere vuralteren darumb soviel jair hero gestritten und 
am kays. cammergericht Speir noch unerortert hangen, einraumen, so weheren 
wir ja an dem vatterlant, auch unseren eheren eid und pflichten fur hoch- 
vergessen und treulose leut zu halten, wie ingleichem ein solliches sowol bey 
gemeiner dieser statt burgerschaft und posteritet zuvorderst auch bey hochster- 
melter kays. mai. und dem heiligen reich unverantwBrtlich, auch unseres 
rechtmessiglich auf uns gebrachten magistratz und eherenstantz unwurdig. 

[VI. Ernennung der Gerichtsbeamten :] 
Was nun ferner in angedeutter requisition schrifb angezogen, als dass 
ihre F. G. aus obangeregter^ sich alhie angemaster hoher herschaft einen 
st&thelter, den man richter, wogt, auch maior (dessen wortleins maioris wir 
doch im geringsten nit geslendig) nennet und andere justici-diener, als 
araptman, schreiber, schultheissen anzustellen haben solten, solliche anstel- 
und anordnung kan man ihrer F. G. dergestalt absolute nit einraumen, dan 
beweislich wair und von unverdenklichen zeiten also observirt und gehalten 
worden, dass ihre F. G. aus verpfandt habender gerechtigkeit einen vogten 
und meieren dem scheffenstul allein zu praesentieren und anzupieten, nit aber 
anzustellen haben. Es sein aber die scheffenmeister und scheffen sollichen 
praesentirten vogt und meieren nit ehe anzunemen schuldig, sie sein dan 
zuvor eines eherlichen handel und wandels und zu sollichen ampteren taug- 
lich befunden; da aber dessen bey ihnen einiger mangel furhanden wehere, 
stehet den scheifen, wie auch zuvorderst dem rat frey bevoir, dieselbe nit 
anzunemen, sonder ihrer untaugligkcit halber abzukieren, und das noch meher 
ist, diese qualificirt angenommene vogt, meier, amptraan, meiers schreiber, 
schultheissen und andere gerichtzdienere, da sie in verwaltung ihrer ampter 
straffbar befunden, nach gestalt der ubertrettung und vergessenheit entweder 
zu straffen oder ganzlich zu amovieren, abzustellen und von ihren diensten, 
bis ihre F. G. andere in derselben platz dergestalt, wie oben, qualificirt, 
praesentirt, abzuhalten, wie sie auch durch uns als die hiehige ordentlichc 
obrigkeit, wie burger und sunsten (wie mit vielen exempelen zu beweisen) 
gestrafft werden kunnen und gestrafft worden sein. Es mussen daruber die 
also fur tauglich angenommene vogt, meier und andere diener sampt und 
sonder nach eines jeden ampts und dienstes gelegenheit den scheffenmeister 
und scheffen sonderliche eitzpflicht mit aufgcstreckten fingeren leisten und 
daneben nit allein ihre schriftliche bcsiegelt und underschribene reversalen 
von sich geben, sonder auch folgentz, wannehe dieses alles also furgangen, 
den regierenden burgermeistercn von wegen des rats und ganzer gemeinden 
das jenig, so sie geschworen und in den reversalen versprochen, stet, vast 
und unverbruchlich gemeiner statt derselben privilegien und freiheiten zu 
gutem zu halten mit hantgebener treu angloben. — — 
Koln. Historisches Stadtarchh. Cop. Pap. 



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Die Aachener Goldschmiede, ihre Arbeiten und ihre 
Merkzeichen bis zum achtzehnten Jahrhundert. 

Von Hugo Loersch und Marc Rosenberg. 

In dem 1890 erschienenen Buche iiber die Merkzeichen der 
Goldschmiede ist zum ersten Male eine kleine Reihe von Aachener 
Goldschmieden und Goldschmiedewerken zusammengestellt wor- 
den. Wahrend des folgenden Jahres erschienen kurz nacheinander 
zwei auf die Aachener Goldschmiede beziigliche Arbeiten von 
Hugo Loersch und von P. Stephan Beissel, der sich schon in einer 
altera werthvollen Abhandlung iiber den Marienschrein mit der 
Entwickelung der Goldschmiedekunst in Aachen beschaftigt hatte. 
Diese Arbeiten forderten neues rechtliches Material und einzelne 
neue Namen zu Tage, lenkten aber audi die Aufmerksamkeit 
auf schon langer bekannte Thatsachen und Personen unter zum 
Theil neuen Gesichtspunkten. Das alles, nicht minder aber die 
Moglichkeit, einzelne bis jetzt vollig unbekannt gebliebene Quellen 
und die neu gewonnene Kenntniss mancher Kunstgegenstande 
zu verwerthen, bietet willkommenen Anlass, jene erste diirftige 
und zum Theil irrige Reihe einer wiederholten Bearbeitung zu 
unterziehen. Das hier folgende Verzeichniss gibt nunmehr eine 
Uebersicht iiber die Aachener Goldschmiede und ihre Werke 
bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts, welche das augenblicklich 
bekannte Material vollstandig auszunutzen gesucht hat und als 
ein jene erste Aufzahlung weit uberholender, freilich immer noch 
liickenhafter und daher nur vorlaufiger Nachtrag zu dem Buche 
iiber die Merkzeichen dienen soil. 

Die Aufzahlung der Meister und der Werke geschieht in 
Uebereinstimmung mit der Anordnung, die in diesem Werke wie 
in einem ersten, die Antwerpener Goldschmiede behandelnden 
Nachtrag dazu befolgt worden ist. In der ersten Abtheilung 
werden die Namen der Meister ohne nachweisbare Arbeiten, in 
der zweiten zunachst die Beschauzeichen und Beizeichen, dann 



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64 Hugo Loersck und Marc Rosenberg 

die als Verfertiger von noch erhaltenen Werken bekannten Meister 
mit ihren Arbeiten und mit ihren Merkzeichen, soweit diese 
iiberliefert sind, aufgefiihrt. Ueberall ist die zeitliche Folge 
streng innegehalten. Fiir die Einordnung der einzelnen Person- 
lichkeit ist immer die alteste aus den Quellen bekannt gewordene 
Jahreszahl massgebend gewesen. Das hat allerdings eine gewisse 
Ungleichheit zur Folge. Durch besonders giinstige Umstande 
ist namlich von nicht wenigen Meistern das Geburtsjahr oder 
doch der Beginn der Lehrlingszeit bekannt, wahrend fiir andere 
erst der Zeitpunkt des Erwerbs der Meisterschaft oder der einer 
andern im spatern Leben eingetretenen Thatsache iiberliefert 
ist; es ergibt sich daraus, dass von den in Wirklichkeit etwa 
gleichzeitig ihre Kunst ausiibenden Personlichkeiten diejenigen, 
deren Geburtsjahr feststeht, verhaltnissmassig zu friih in dem 
Rahmen der zeitlichen Reihenfolge erscheinen. 

Bei jedem Namen sind alle Nachrichten vereinigt worden, 
die sich iiberhaupt ermitteln liessen, audi solche, die sich nicht 
gerade auf das Gewerbe und die Kunstiibung beziehen, sondern 
liber sonstige Aemter, Stellungen, Handlungen und Erlebnisse 
Auskunft geben. Diese Nachrichten sind audi meistentheils 
wortlich wiedergegeben. namentlich wenn sie aus handschrift- 
lichem%aterial gewonnen wurden; stets verweisen die Citate 
auf die Stellen, wo der Wortlaut zu linden ist. 

Bei den aufgezahlten Kunstwerken ist von jeder Schilderung 
des Gegenstandes abgesehen, dagegen wenigstens auf eine der 
vorhanclenen Beschreibungen, regelmassig auf die ausfiihrlichste 
verwiesen, Vollstandigkeit in der Aufzahlung dieser Art von 
Literatur jedoch nicht beabsichtigt. 

Als nachste Grundlage unserer Arbeit dienen selbstverstand- 
lich vor allem die bereits gedruckten Quellen. Zu diesen gehorcn 
fiir das 14. Jahrhundert namentlich die Aachener Stadtrechnungen, 
deren hier wortlich wiedergegebener Text Herr Stadtarchivar 
Pick mit den Originalen zu vergleichen die Giite hatte. Wir 
konnten aber den grossten Theil der in dem Verzeichniss neu 
auftretenden Namen aus bisher nicht benutzten handschriftlichen 
Quellen schopfen. Fiir das 15. und 16. Jahrhundert steuerte 
Herr Pick einige Nachrichten und Abschriften aus dem Aachener 
Archiv bei, fiir die ihm audi an dieser Stelle Dank ausgesprochen 
sei. Fiir das 16. und 17. Jahrhundert erschloss sich eine ausser- 
ordentlich werthvolle Quelle durch das dankenswerthe Entgegen- 



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Die Aachener Goldschmiede, ihre Arbeiten und ihre Merkzeichen. 65 

kommen des Herrn Buchhandlers Franz Theodor Helmken in 
Koln, der die Benutzung des ihm gehorenden Memorialbuches 
der Familie Klocker bereitwilligst erlaubte. Aus diesem in 
vielen Beziehungen interessanten mit Wappen, Blumenraalereien 
und kalligraphischen Blattern reich ausgestatteten, eine formliche 
Familienchronik bildenden Sammelband konnten zura Theil sehr 
eingehende Nachrichten iiber acht demselben Geschlecht ange- 
horige, sich auf fiinf Generationen vertheilende Aachener Gold- 
schmiede entnommen werden. Als unbedingt zuverlassig diirfen 
selbstverstandlich die von den einzelnen Personlichkeiten selbst 
oder von ihren unmittelbaren Descendenten oder sonstigen nachsten 
VerwandtenherriihrendenEintragungen angesehen werden. Minder 
gesichert erscheinen die erst ura die Mitte des 17. Jahrhunderts 
von spaten Nachkommen gemachten Vermerke iiber ihre dem 
15. oder der ersten Halfte des 16. Jahrhunderts angehorigen 
Vorfahren, wobei freilich zu beriicksichtigen ist, dass fiir einen 
von diesen doch auch dessen eigene Aufzeichnungen, ein Memorial- 
biichlein, benutzt worden sind. Auf ein genaueres Abwagen der 
einzelnen Mittheilungen kann selbstverstandlich an dieser Stelle 
nicht eingegangen werden und es muss iiberhaupt weiterer Einzel- 
forschung iiberlassen bleiben, die so schatzenswerthen Nachrichten 
des Memorialbuches noch mit anderweitigen Zeugnissen in Zu- 
sammenhang zu bringen. 

Hier wie bei den iibrigen noch zu erwahnenden handschrift- 
lichen Quellen sind Wortlaut und Schreibweise der Vorlagen 
getreu wiedergegeben worden, nur fiir die vielfachen Formen 
des Wortes „und u wurde die einfachste iiberall angewandt. 

Durch die Mittheilung der von ihm als Vorarbeiten fiir 
eine Geschichte der Frankfurter Goldschmiedezunft gesammelten 
Excerpte lenkte Herr Dr. Heinrich Pallmann in Frankfurt am 
Main, dem wir deshalb zu grossem Dank verpflichtet sind, unsere 
Aufmerksamkeit auf die Aachener, die hier ihre Lehrjahre ver- 
bracht und sich als Meister niedergelassen haben. Der Wunsch, 
die Nachrichten, welche die zu Frankfurt ziinftig gewordenen 
meist eigenhandig in das Meisterbuch „der Gesellschaft des 
loblichen Goldschmieds-Amts" bei ihrer Aufnahme eingetragen 
haben, im vollen Wortlaute zu veroffentlichen, konnte dadurch 
erfiillt werden, dass der Eigenthiimer dieser merkwiirdigen und 
durch ihren prachtvollen Silbereinband hochst kostbaren Hand- 
schrift, Herr Dr. Wilhelm Freiherr von Erlanger in Nieder- 



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66 Hugo Loersch mid Mare Rosenberg 

Ingelheim, diese mit liebenswiirdiger Bereitwilligkeit zur Be- 
nutzung an die Bonner Universitatsbibliothek sandte, wofur 
ihm aufs Warmste gedankt sei. Eine nahere Beschreibung und 
Wiirdigung des die Meister von 1534 bis 1863 aufzahlenden 
Buches nach Inhalt und Ausstattung kann hier naturlich nicht 
erwartet werden und um so eher unterbleiben, als eine Geschichte 
der Frankfurter Goldschmiedezunft von Herrn Dr. Pallmann 
vorbereitet wird. 

Ueber die in Frankfurt das Goldschmiedehandwerk lernenden 
oder ihre Kunst ausiibenden Aachener konnten aber auch noch 
werthvolle Nachrichten aus einem Verzeichniss entnomraen werden, 
welches der im Jahre 1819 verstorbene Staatsrath Georg Steitz 
unter Benutzung des Meisterbuchs und jetzt wohl nicht mehr 
existirender Listen angelegt hat und das durch Herrn Stadt- 
archivar Dr. Jung der Bonner Universitatsbibliothek freundlichst 
ubersandt worden ist. Die drei ebenfalls iibersandten noch 
erhaltenen Lehrjungenbiicher, in denen der alteste Eintrag von 
1715 staramt, ergaben keine Ausbeute. Herrn Dr. Jung danken 
wir auch an dieser Stelle fur seine bereitwillige Hiilfeleistung. 

Fur einige werthvolle Mittheilungen tiber einzelne der auf- 
gefuhrten Arbeiten haben wir Herrn Kunsthandler W. J. Mercken 
in Aachen zu danken. 

Unsere Verzeichnisse schliessen mit dem Anfang des 18. 
Jahrhunderts ab, weil das einstweilen zur Verfiigung stehende 
Material eine weitere Ausdehnung nicht zulasst 1 . Wir behalten 
uns vor, die jiingere Zeit demnachst an der Hand von weiteren, 
sich hoflfentlich erschliessenden Quellen zu behandeln. 

Indem wir die vorliegende Arbeit veroffentlichen, sind wir 
uns bewusst, dass sie auch in ihrer gegenwartigen Form und 
Begrenzung die gestellte Aufgabe nicht vollig lost und losen 
kann. Sicherlich fehlen noch manche in gedruckten Quellen 
gebotene Namen. Diese aber aus den in zahllosen Blichern zer- 
streuten Urkunden vollstandig zu ermitteln, muss bei dem haufigen 
Mangel an Namensverzeichnissen als fast aussichtslos angesehen 
und in dieser Beziehung weitere Erganzung gliicklichen zufalligen 
Funden tiberlassen bleiben. Das gilt aber auch vor allem fur 
die noch in grosser Zahl vorhandenen ungedruckten Quellen. 



! ) Nur ausnahmsweise sind einzelne zu unscrer Kcnntniss gelangte 
Zeichen aus jtingerer Zeit aufgenommen worden, um damit schon jetzt weiterer 
Forschuug einen Anhalt zu bieten. 



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Die Aachener Goldschmiede, ihre Arbeiten und ihre Merkzeichen. 67 

Sicherlich wird die fortschreitende Untersuchung und Veroffent- 
lichung der Zunftbticher der deutschen wie der ausserdeutschen 
Stadte noch viele Namen von Aachener Goldschmieden zu Tage 
fordern, die dann in Zukunft einmal dem hier gebotenen Rahmen 
eingefugt werden mogen. Aber auch in seiner Unvollkommenheit 
wird dieses V^rzeichniss weiterer Forschung seine Dienste leisten 
konnen. Es wird vor allem das Auffinden und Bestimmen von 
Aachener Arbeiten, sollten sie auch nicht mit Schau- oder 
Merkzeichen versehen sein, durch Vergleichung mit den unzweifel- 
haft als solche nachgewiesenen erleichtern und es bietet sogar 
in seiner gegenwartigen Gestalt, ganz abgesehen von den in ihm 
gewonnenen Beitragen zur lokalen Zunft- und Gewerbegeschichte, 
Ergebnisse, die fur eine allgemeinere Betrachtung der Ent- 
wickelung der Goldschmiedekunst ihre Bedeutung haben. Es 
bietet ein neues Zeugniss fur eine Kolonisation Englands durch 
deutsche Goldschmiede in der ersten Halfte des 16. Jahrhunderts \ 
wahrend bis jetzt eine bedeutendere dahin gerichtete Auswanderung 
nur von x^ugsburger Meistern im 18. Jahrhundert bekannt geworden 
war. Fiir die Beziehungen niederrheinischen Kunstgewerbes zu 
anderen naher liegenden Gebieten ist die Uebersiedlung eines 
Aachener Meisters nach Dinant bezeichnend 2 , welche dann gleichsam 
ihr Gegenstiick findet in der Thatsache, dass die Bildsaule Karls 
des Grossen fiir den 1620 zu Aachen errichteten Marktbrunnen 
in Dinant modellirt und gegossen worden ist, wahrend diese Statue 
selbst wie der ganze Brunnen schon wenige Jahre nach ihrer 
Errichtung wiederum einem Aachener Meister zu freier Nach- 
bildung in Form eines Prunkgefasses den Anlass gibt 3 . Nicht 
weniger bedeutsam fiir solche Wechselwirkungen ist die Auswan- 
derung eines Aachener Meisters nach Frankfurt, der Stadt mit 
der Aachen durch die Wahl- und Kronungsfeierlichkeiten der 
deutschen Konige nicht weniger wie durch den Besuch der Messen 
in engstem Verkehr stand, gegen Ende des 16. Jahrhunderts. 
Paul Birckenholtz 4 griindet nicht nur hier eine Familie von Gold- 
schmieden, die bis in unser Jahrhundert ihre Kunst iibte, er 
hat auch eine Reihe von Aachenern als Lehrlinge ausgebildet, 



1 ) Vgl. Nr. 10 und 13. 

2 ) Vgl. Nr. 33. 
8 ) Vgl. Nr. 68. 
4 ) Vgl. Nr. 15. 



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68 Hugo Loersch und Marc Rosenberg 

von denen wenigstens einer sich auch als Meister dauernd in 
Frankfurt niederliess \ 

Es wird nun unter Umstanden eine lohnende Aufgabe sein, 
die hier zum ersten Mai nachgewiesenen Namen weiter zu ver- 
folgen. Haben die Trager der meisten von ihnen sich vielleicht 
gar nicht oder nur wenig uber eine rein handwerksmassige 
Bethatigung ihres Gewerbes aufgeschwungen, so ist doch der 
eine oder andere sicherlich auch ein tiichtiger Meister gewesen, 
von dem mehr klinstlerische Leistungen zu erwarten und viel- 
leicht in noch vorhandenen Arbeiten nachzuweisen sind. Ausser- 
dem wird es darauf ankommen, weitere Namen aufzufinden. In 
jener wie in dieser Eichtung diirfen wir uns wohl erlauben, die 
Mitwirkung weiterer Kreise in Anspruch zu nehmen. Wir bitten 
dringend darura, uns die Namen von Aachener Goldschmieden 
mittheilen zu wollen, die in den Zunftlisten und Urkunden der 
Stadte Deutschlands und anderer Lander aufgefunden werden, 
und man wolle uns auch von den Goldschmiedearbeiten in 
Kenntniss setzen, welche mit mehr oder weniger Sicherheit auf 
Aachener Meister zuriickzufuhren sind. Die Haufung solcher 
Nachrichten allein kann die heute noch vielfach fehlende Kennt- 
niss der Zusammenhange im Kunstgewerbe Deutschlands und 
der iibrigen Kulturlander allmahlich vermitteln und erschliessen. 



») Vgl. Nr. 35. 



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Die Aachener Goldschmiede, ihre Arbeiten und ihre Merkzeichen. 69 

I. 

Meister, iron welchen keine erhaltenen Arbeiten 
nachgewiesen werden kOnnen. 

1. Gerhard, 1254. 

Gerardus aurifaber, Zeuge in einer Urkunde von 1254 bei Quix, Ge- 
schichte der ehemaligen Reichs-Abtei Burtscheid S. 245, Nr. 49. 

2. Johann Notin, 1320. 

Item aurifaber Johannes Notin cum tribus tecis 4 marcas, 6 solidos. — 
Item dictus Notin et Katerina uxor eius 3 marcas. Verzeichniss der der 
Kellerei des Aachener Marienstiftes zustehenden Zinse vom Jahre 1320 bei 
Quix, Necrologium ecclesiae B. M. V. Aquensis S. 73 \ 

3. Der Sohn der Prau Bensvelt, 1326. 

Item aurifaber filius domine Bensvelt 2 marcas de Jacobo Saniden. 
Bussenregister von 1310—1331 bei Loersch, Achener Rechtsdenkmaler S. 170, 

Nr. 36. 

4. Werner, 1338. 

Ausgabe-Rechnung 1338/39: Item Wernero aurifabro de 48 clippeis super 
anforas positis 13 m. Laurent S. 126, Z. 25. 

Vgl. Beissel, Aachener Goldschmiede in der Zeitschrift fiir christliche 
Kunst IV, Sp. 380. — Dass der hier genannte Goldschmied mit dem in der- 
selben Rechnung (Laurent S. 129, Z. 12) unter den stadtischen Beamten 
genannten Wernerus de Lynge eine und dieselbe Person sei, wie Beissel 
annimmt, steht nicht fest, ebensowenig, dass der in der Ausgabe-Rechnung 
von 1346/47 (Laurent S. 180, Z. 4) ohne Namensnennung erwahnte aurifaber 
ein „stadtischer a Goldschmied war. 

Werner wird mehrfach als Goldschmied genannt in einem noch unge- 
druckten VerhSr iiber Vergehen gegen die Miinzordnungen aus den dreissiger 
oder vierziger Jahren des 14. Jahrhunderts im Aachener Stadtarchiv. 

5. Wilhelm de Hex, gestorben 1338 oder 1339. 

6. Jakob Sassen, Sayssen, 1338. 

Ausgabe-Rechnung 1338/39: Item pro uno magno chifo specierum deau- 
rato a dato imperatrici 59 m. et 10 s. per Wilhelmum erga Wilhelmum. 
Laurent S. 119, Z. 38. 



J ) Als Inhaberin eines Ladens wird an derselben Stelle ebenfalls genannt: Druda 
quondam aurifabri. 



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70 Hugo Loersch und Marc Rosenberg 

Item pro duobus magnis ciphis erga Wilhclinum de Hex bone meinorie 
emptis et datis b , videlicet unum pro 84 m. 8 s., alium pro 73 m. 5 s. Laurent 
S. 120, Z. 1. 

Item pro uno chifo deaurato empto erga dominum Arnoldum Parvum 
41 m. et 3 s. per Wilhelmum. Laurent S. 120, Z. 3. 

Item pro duobus neppe c deauratis emptis erga dominum Gerardum 
Chorus 61 m. per Wilhelmum. Laurent, S. 120, Z. 5. 

Item pro uno nap d deaurato empto erga dominum Wolterum in Punt 
29 m. et 9 s. Laurent S. 120, Z. 7. 

Item pro uno chifo deaurato empto erga Frankonem de Royde 5b 1 h m. 
et 4 d. Laurent S. 120, Z. 9. 

Item pro uno nap erga . . Dobag empto et dato familie imperatricis 
20 m. et 9 s. Laurent S. 120, Z. 11. 

Item pro uno nap erga Jacobum Sassen empto 19^2 m. per Wilhelmum. 
Laurent S. 120, Z. 13. 

Item pro uno pari argenteorum kroselinorum c erga dominum Johannem 
de Rodenburg emptorum et datorum illi iuveni . . comiti, socio filiorum 
predictorum [der Sonne der Kaiserin], Vj 2 s. grossorum valentes 10 m. et 18 d. 
Laurent S. 121, Z. 14. 

Von den in den vorhergehenden Stellen genannten sind nur Wilhelm 
de Hex, der vor der Niederschrift des auf ihn beztiglichen Postens schon 
verstorben war, und Jakob Sassen vielleicht Goldsckiniede gewesen, Dobag 
war wahrscheinlich ein Kaufmann, denn bei ihm wird auch Wein gekauft 
(Laurent S. 120, Z. 27); alle anderen als Verkaufer bezeichneten Personen 
waren Mitglieder des Rathes, bei denen der Bctrieb eines Gewerbes nicht 
anzunehmen ist (vgl. die Namen in der Kurgerichtsordnung von 1338 bei 
Loersch, Achener Rechtsdenkmaler S. 56 ff.). Der bei verschiedenen Posten 
genannte Wilhelm (Beissel) ist der Banquier, durch den die Zahlung erfolgte 
(vgl. Loersch in den Annalen des hist. Vereins f. d. Niederrhein XVII, S. 268), 
bei dem aber auch ein grosses vergoldetes Gefass gekauft wurde, demgemass 
ist die Darstellung von Beissel in der Zeitschrift f. christl. Kunst IV, Sp. 379 
zu berichtigen. Vgl. auch Loersch in der Zeitschrift des Aachener Geschichts- 
vereins XIII, S. 231. 

Ueber den Aufenthalt der Kaiserin Margaretha, der Gemahlin Lud- 
wigs IV., vgl. Laurent a. a. 0. 17 und Haagen, Geschichte Achens I, S. 249 ff. 

Jakob Sayssen wird in dem bei Nr. 4 erwahnten Verhbr als Kaufer 

von schweren Goldgulden, aller dings nicht als Goldschmied genannt. 

*) Nach deaurato folgt durchstrichen : ad preparandum cam clippeis imperii et 
pro cocliari ad hunc pertinente. 

*>) Nach datis durchstrichen: 158 m. et 12 d. 

c ) neppe ist uber das durchstrichene chins geschrieben. 

d ) nap uber das durchstrichene chifo geschrieben. 

*) So das Original, also silberne Flaschen oder Krilge. Vgl. Pick in der Aachener 
Post vom 9. Januar 1892. 



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Die Aachener Goldschmiede, ihre Arbeiten und ihre Merkzeiehen. 71 

7. Wilhelm, 1391—1395. 

Ausgabe-Rechnung von 1391/92: IteniWilhem den goltzsmed vanzeyche- 
nen, ze zwen ziden 1 [quart]. Laurent S. 375, Sp. 2, Z. 38. 

Item Wilhem den goltzsmet van den schilden zo machen up den fleschcn, 
die man schenkde deme hertzoege van Gelre, ind stiippen ind kettenen, umb 
golt ind machen 8 m. Laurent S. 376, Z. 27. 

Item van den zwen silveren fleschen, die man schenckde deme hertzoge 
van Gelre, 200 gulden, valent 800 m. Laurent S. 380, Z. 31. 

Ausgabe-Rechnung von 1394/95: Item meister Willeni der golsmet van 
den zwen kannen, die man den jungen heir von Guylg gaf, van silver, van 
maichen ind van licken ze hoif 10 ra. Laurent S. 397, Z. 26. 

Item heren Volmer van zwen kannen, die man schencde den jungen 
heir van Guylg, du hee ridder worden was, kosten 90 gulden, valent 300 m. 
75 m. Laurent S. 398, Z. 5. 

Vgl. Loersch a. a. 0. und Beissel a. a. 0. Sp. 380. 

8. Hermann Klocker, geboren 1450, gestorben 1536. Ein- 
nehmer des Zehnten fur den Propst des Aachener Marienstifts. 

Herman Klocker ist geheyrahtet mit Petersche Belderbusch und haben 
bey stehender ehe diese kinder gezilt, nemblich Henrich, Werner, Jan, Wilhelm, 
Gerard, Karl, Frans und Katharina. 

Herman Klocker geboren a. 1450, obiit a. 1536 \ 

N. B. Herman Klocker ist ein goltschmit gewescn und hat des probst 
zehenden ingethan. 

Klbckersches Memorialbuch Bl. 2, Eintragung des unter Nr. 44 auf- 
gefuhrten Franz Klocker um 1650. 

») Am Ramie, die Todesnachricht von anderer Hand. 

9. Heinrich, um 1466. 

Item Heynrich goultsmyt van deme menghepotghijn zo licken, dat dem 
dechen van sent Pauwels gescheuckt wart, ind die erchijn darup zo machen 
v mark. 

Undatirte Ausgaberechnung des 15. Jahrhunderts im Aachener Stadt- 
archiv (J 45), von Herrn Stadtarchivar Pick der Zeit um 1466 zugewiesen. 
In derselben Rechnung kommen Auslagen vor fiir die Boten, die in einer 
Vemestreitigkeit zu dem neuen Dechaut von St. Paul nach Lowen gesandt 
werden. Gemeint ist wohl der kaiserliche und papstliche Delegirte Arnold 
von Baest, Dechant von St. Paul zu Liittich; vgl. Pick, Bericht liber die 
Verwaltung des Archivs der Stadt Aachen im Jahre 1884/85, Sonderabdruck 
S. 5, Z. 7 v. u. (Bericht iiber die Verwaltung und den Stand der Gemeinde- 
Angelegenheiten fur die Zeit vom 15. Marz 1882 bis 1. Oktober 1885 S. 25). 



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72 Hugo Loersch und Marc Rosenberg 

10. Heinrich Klocker, geboren 1509, gestorben 14. Dezember 
1578. Goldschmied am Hofe des Konigs von England, 
ziinftig und stadtischer Munzmeister zu Aachen, Einnehraer 
des Zehnten fiir den Propst des Marienstifts. 

Henrich Klocker, dessen sohn [d. h. des unter Nr. 8 angefiihrten Her- 
mann], ist gleichfals ein goltschmit und dieser statt verdijn gewesen und 
sein hausfraw hat gehaischen Maria von Harteren, haben bey wehrender ehe 
gezilt Catharina, Henrich, Frantz und Jan. Und ist Henrich, ihr Tatter, 
gestorben anno 1578, 14. December. Henrich ist geboren anno 1509*. 

N. B. das Henrich Klocker ahm konigshoff von Engellandt ahn das 
goltschmitz handtwerck gearbeitet und zu Londen sein hausfraw getrawt, 
und von Londen zu Aachen kommen und sich seines ambachs gebraucht und 
wie sein vatter des herrn probst zehenden ingedahn, ist in sein memorial- 
biichlein zu finden. 

Klocker sches Memorialbuch Bl. 2, Eintragung des unter Nr. 44 auf- 
gefiihrten Franz KlScker um 1650. 

Ueber deutsche Goldschmiede in England im 16. Jahrhundert und fruher 
vgl. Johann Focke, Zwei Hansische Silbergerathe : Hansische Geschichtsblatter 
Jahrg. 1887, S. 115 ff.; Woltmann, Holbein und seine Zeit I, 369. 

*) Am Bande von derselben Hand. 

11. Heinrich Schelert, thatig vor 1513. 

Ein Verzeichniss der dcm Kloster der Windesheimer Chorherren zu 
Aachen im Jahre 1513 gehorigen Kelche hat am Randc folgende Notiz : Nota 
quod hi calices, que habent litteram h in pede, habuere unum magistrum, 
videlicet Henricum Schelert. Vgl. Greving in der Zeitschrift des Aachener 
Geschichtsvereins XIII, S. Ill; Loersch das. S. 247 ; Beissel in der Zeitschrift 
f. christl. Kunst IV, Sp. 380. 

12. Gillis van den Sassen, 1521. 

Gillis van den Sassen, goultsmit. Verzeichniss der dreissig erstcn Mit- 
glieder der Bruderschaft vom heiligen Sakrament von 1521 bei von Furth, 
Beitrage und Material zur Geschichte der Aachener Patrizier-Familien II, 
Abth. 1, S. 150. 

13. Franz Klocker, geboren zu London 10. Februar 1548, 
gestorben zu Aachen 4. Juni 1625; wandert in England, 
Deutschland und Italien, ziinftig zu Aachen, dann Einnehmer 
des Zehnten fur den Propst des Aachener Marienstifts. 
Frans Klocker, mein lieber vatter, ist geboren zu Lunden in Engelandt 

anno 1548 den 10. Februarii von weilandt Heinrich Klocker [vgl. Nr. 10] und 
Maria von Hartzen, burgere von Aachen, hatt von jugent uff das goltschmidt 
handtwerckh gelert von seinen vatter, doruff diverse reissen und wandtlungen 



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Die Aachener Goldschmiede, ihre Arbeitcn und ihre Merkzeichen. 73 

gethain, so in Engelant, Deutschlandt und gantz Italien, bis er zu erstemalle 
bcstatt und getrawet alhie zu Achen in anno 1576, 18. Julii Alhcidten 
Gartzweiler, dochtcr von Paulo Gartzweiler, wirth und eigenthuniber des 
Cornelii badt, von welcher Alheidten er zwei kinder geziltt, nemblich Herman 
Klocker und einen* Paulus gebaischen b , dessen sein motter und er vor im 
kinderbeth an der pest gestorben anno 1578 den 81. Octobris. 

1st folgens ermeltt mein vatter widtman verplieben bis in anno 1584 
den 13. Novembris, alss er widerumb getrawet und verheyrathet mit unsere 
motter Leisbeth Schetters. Von dieser Leisbeth hatt er folgens noch neun 
kinder geziltt mit nahmen Petrus, Catharina, Maria, Joannes, Henricus, 
Elisabetha, Franciscus, Arnoldus und Maria Klockers gehaiscben, welcher 
aller wie auch beider voriger geburt und vertreib hernach specifice under 
jeglichen schiltt geschrieben und zu erfinden. Hatt mit unsere motter neben 
sein gedeills unser haus, den Kaiser, von seinen bruder Henrich Klocker 
zumallen kauflich an sich prachtt, das handtwerckh verlassen und gleich sein 
vatter und motter des herrn probst zehenden neben den ackerbaw eingefahren 
und an die handt genohmmen, bis er endtlich mit hinderlassungh seiner fraw 
und kinder in anno 1625, den 4'. Junii gottseliglich in den herrn entschlaffen. 
Wart kranckh uff Meyabent und ist bei seinen vorelttern zu den herren 
Predigern alhie begraben. Cuius anima requiescat in sancta pace, amen. 

Aufzeichnung seines Sohnes Franz uml 626, KlockerschesMemorialbuchBl. 3. 

Ueber das Haus „der Kaiser" vgl. Loersch in der Zeitschrift des 
Aachener Geschichtsvereins X, S. 123. 

Franz Clocker oder Klocker wird genannt als Geschickter der Bock- 
zunft fttr den Grossen Rath vom 25. Mai 1580 bis 25. Mai 1581; ob damit 
der bier aufgefuhrte Goldschmied Franz Klocker geraeint sei, ist zweifelhaft. 
Vgl. Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins X, S. 225 und S. 228, Z. 5 
v. u., Nr. 15. 

*) Nach einen durchstrichen soil. 

*>) Nach geheischen durchstrichen haben. 

14. Johann von Elmpt, 1556. 

Genannt als Zeuge in einem Verhbr von 1556 iiber die Hoheitsrechte 
des Herzogs von Jttlich in der Stadt Aachen. Vgl. Pick, Bericht tiber die 
Verwaltung des Archivs der Stadt Aachen im Jahre 1884/85, Sonderabdruck 
S. 6, Abs. 2 (Bericht tiber die Verwaltung und den Stand der Gemeinde- 
Angelegenheiten ftir die Zeit vom 15. Marz 1882 bis 1. Oktober 1885 S. 25) 
und Aachener Hausfreund vom 26. Januar 1893 S. 15. — Der Name kommt 
schon im 15. Jahrhundert in Aachen vor; vgl. Zeitschrift des Aachener 
Geschichtsvereins VIII, S. 242, Nr. 20. — Elmpt, Dorf im Kreise Erkelenz. 

15. Paul Birckenhnltz, Birckenholtz, geboren zu Aachen 
1561, lernt in Antwerpen, arbeitet in Paris und Rom, ztinftig 
zu Frankfurt a. Main seit 1589 und bis 1631 als Meister 
thatig. 



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74 Hugo Loersch und Mare Rosenberg 

Paulus Birckenhultz anno 1631. 
Als tausent funff hundert zuar 
ein und sechzig die jarzahl war, 
ward ich geborn an disses liecht 
in der statt Ach, wie ich bericht, 
Johann Birekeholtz ward genant 
mein vatter, daselbs wol bekant, 
Isabella die mutter meyn 
von Walhorn sich thet nennen fein. 
Des handwerck zu Antorff vorab 
vier jahren alda gelernet hab, 
von dann ich in Franckreich zog fort 
und drey jahr zu Pariss blieb dort, 
darnach ich in Italien hinn 
nach der statt Rom gczogen binn, 
alda ich arbeit thet vier jahr. 
Da ich nun also gewandert war 
sieben jahr, kehrte ich zu hand 
wider nach meinem vatterlant, 
thet abcr nicht bleiben alldort 
sundren begab mich gen Franckfort, 
arbeitet da anderthalb jahr, 
kein zeit zu dienen noch bstimpt war, 
wart ins handwerck gcnommen ein, 
weyl ich aufflegt gut zeugnuss fein. 
Darauff ich verheurathe mich 
mit jungkfraw Susann Heydenrich: 
tausent funff hundert neunzig und ein 
im Augstmon war der kirchgang mein ; 
als man aber sechs hundert 9 gezelt 
mein haussfraw scheid von diser welt. 
Tausent sechshundert und zuolff frey 
den funff und zwantzigsten May 
mit Barbara de Vosse ich 
wider thet verheurathen mich, 
dieselb aber auch zu der frist 
in Gott selig entschlaffen ist 
als sechshundert zwanzig funff gar 
im Herbstmonat die jahrzal war. 
Dass schaumeister ampt 4 mol hab ich 
bedient allzeit zwey jahr traulich. 
Gott geb dass wir nach disser zeit 
erben die himmlisch seligkeit, 
dass wunsch ich unss alle zusamen 
in Cristo unserem herrcn amen. 

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Die Aachcner Goldschmiedc, ihre Arbeiten und ihre Merkzeichen. 75 

Eigenhandiger Eintrag im Meisterbuch der Frankfurter Goldschmiedc 
Bl. 82'. Auf dem gegeniiberstebenden Bl. 83 das Wappen in schoner Kartouche: 
yiergetheilter Schild, im ersten und dritten Viertel eine silberne Rube mit 
drei grtinen Blattern auf blauem Feld, im zweiten und vierten sehrag von 
rechts nach links gelegt ein silberner Baumast in goldenem Feld; Helmzier 
zwischem blaugoldenem und goldsilbernem Fliigel ein grtiner Baum mit 
silbernem Stamm. Darunter der Spruch: Unser leben wahret sibenzig jar, 
wenns hoch kompt, so sinds achtzig jar, und wenns kostlich gewesen ist, so 
ists muhe und arbeit gewesen. [Ps. xc, V. 10.] 

Die Rube mit Blattern ist auch das Zeicben, mit dem dieser Meister 
seine in Frankfurt gefertigten Arbeiten stempelt. 

Wahrscheinlich er, und nicht sein gleichnamiger Sohn, welcbcr 1625 
Meister wurde, ist der Verfertiger jener interessanten Pokale, welcbe (alle?) 
mit der von Georg II. von Hessen-Darmstadt zur hundertjahrigen Jubelfeier 
der CJniversitat Marburg 1627 gepragten Medaille versehen sind. Drach 
berichtet ausfiihrlich iiber diese Pokale in seiner Arbeit iiber die Kasseler 
Silberarbeiten, S. 22 ff., zahlt drei derselben auf. Einen im Besitze der 
Universitat Giessen, den andern in der Kasseler Sammlung und den dritten 
im Kunstgewerbe-Museum zu Berlin. Wir haben an anderer Stelle ein viertes 
Exemplar in der Silberkammer zu Mtinchen nachgewiesen, welche ausser ihrcn 
Bestanden von neuerem Tafelsilber noch einige sehr werthvolle altere Stticke 
verwahrt. 

Die Ornamentstiche des Paul Birckenholtz, welche Guilmard, S. 403, 
beschreibt, miissten, wenn die ihnen von ihm gegebene Datirung richtig ist, 
dem jungeren Paul Birckenholtz zugeschrieben werden. 

Vgl. unten Nr. 22, 25, 28, 33, 35, 36, 37, 39, 43. 

16. Hermann Klocker, geboren zu Aachen 10. November 1576, 
gestorben daselbst 23. Juni 1629; lernt bei seinem Vater 
Franz (vgl. Nr. 13), wandert in Welschland, Deutschland 
und England, ziinftig zu Aachen. 

Herman Klocker, meines vatters [d. h. des unter Nr. 13 aufgefiihrten 
Franzl von seiner hausfrawen Alheidten Gartzweilers erster sohn, ist geporen 
in anno 1576 den 10. Novembris, hatt bci meinem vatter das goltschmidt 
handtwerkh gelehrnet, daruff er auch in seiner jugent im Welschquartier, 
Deutschlandt und Engelaudt ge wandert bis er nachgehens alhie zu Aach mit - 
Maria Grodtens anno 1600 den letzten Januarii lauth der heyligs vurwarth 
eheligen vermahlett. Hat stehender dieser ehe mit gemeltte Maria folgende 
kinder geziltt : Fransciscuin,Wilhelmum, Jacobum, Fransciscum, Mariam, Pauluin 
et Stephanum Klocker, hatt auch stehender ehe das goltschmidt handtwerckh 
getrieben und folgens den weinhandell angenohmmen, zu welchem effect er 
auch scin haus zur Gulden Ketten am marckt alhie gegolden in anno 1620 
in Septembri. 



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76 



Hugo Loersch und Marc Rosenberg 



Anno 1629, den 23. Junii uff St. Joannis Baptisten abendt wenigh vor 
7 uhren nachmidttags ist Herman Klocker unser bruder seliglich im herrn 
entschlaffen. Cuius aninia requiescat in pace*. 

Aufzeichnungen seines Halbbruders Franz urn 1626 und nach 1629 im 
KlSckersehen Memorialbuch Bl. 5 und 5'. 

*) Dieser Absatz nacligetragen. 

17. Enoch Geldorff, geboren zu Aachen 14. Marz 1577, zilnftig 
zu Frankfurt am Main 12. August 1603, gestorben daselbst 
8. Mai 1632. 

Enoch Geldorff, anno 1603, f 1632, 8. May\ 
Enoch Gheldorff bin ich genantt, 
Nicht der patriarch, wie bekantt, 
Oder der gehn himmel gefharen; 
Christus, der herr der herscharen, 
Hatt mir da auch ein platz bereitt. 
Geltdorfftich ist man wol alzeitt 
Hier auff erdt, aber dort oben 
Es nicht bedarff, ist auff g'hoben. 
Lob derhalben mein Gott und herr 
Der mich geoffenbart die lehr: 
Ob alles zeitlich, lieb ich Gott, 
Reich thumb der weltt acht ich for kott; 
Fromb und ehrlich ist mein reichthumb, 
For Gottes seegen danck ihm drumb. 

1577 Zu Aach ward ich ehelich gebornn 

14. Mertz. und hab die goltsmitz kunst erkornn, 
gelehrntt und mich da mitt ernehrtt, 
dan die wirtt selbst, von Gott geehrt. 
Bezaleel und Ahaliab, 
die Gott den geist der konsstcn gab, 
die sindt auch goltsmitt gewesen 
so wir in Excode b lesen. 
1603 hab ich mich in die ehe begeben, 

August 12. darin ich noch (Gott lob) thue leben 
mit mein haussfraw friedlich in rune, 
auch ward ich damal meister dazu. 
Eigenhandiger Eintrag auf Bl. 112' des Meisterbuchs der Frankfurter 
Goldschmiede. Auf dem gegentiberliegenden Bl. 113 das Wappen in Kartouche 
mit Putten und Handwerksgerath : goldener Schild mit schwarzem Quer- 
streifen, auf dem ein goldener Stern, darttber zwei griine Eichenblatter, darunter 
ein solches; Helmzier rechtsgewendeter Brackenkopf mit schwarzem Halsband, 
auf dem ein goldener Stern. Darunter der Spruch: 



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Die Aachener Goldschmiede, ihre Arbeiten und ihre Merkzeichen. 77 

Wer golt liber Gott thut lieben, 

der hatt mit geits Gotts geist verdriebcn 

und ist ihm Gott noch goltt nit blieben. 1619. 

*) Die Todesnachricfit nachgetragen. 

*>) Sol [Exodus, Kap. XIIL] 

18. Johann Kalkerner, urn 1580. 

Sein Sohn lernt von 1594 an; vgl. Nr. 25. 

Der Name ist wohl derjenige, der in Aachen haufig in dor Form Kalk- 
berner erscheint. 

19. Hans Klocker, 1582. 

20. Martin von Costen, 1582. 

21. Thonis Knyf, 1582. 

In einem Aktensttick vom 18. Juli 1582 werden die unter 19—21 
genannten als Goldschmiede genannt und als Burger bezeichnet, welche sich 
wegen der Verfassungs- und Eeligionsstreitigkeiten ausserhalb der Stadt 
Aachen aufhalten. Vgl. Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins X, S. 236, 
vorletzter Absatz Nr. 9 und 10, S. 237, zweiter Absatz Nr. 38. 

Hans Klocker kommt unter den im Klockerschen Memorialbuch genannten 
Angehorigen dieser Familie nicht vor. 

22. Nikolaus Thielen, geboren zu Aachen 1584, lernt in Frank- 
furt bei Paul Birekenholtz (vgl. Nr. 15), wandert in Deutsch- 
land und Frankreich, 1609 zunftig in Aachen, geht 1612 
nach Frankfurt, wo er 1615 zunftig wird und von 1626 
bis 1649 adiunctus gymnasio ist. 

Nicolaus Thielen von Aach, praeceptor classicus, bin 
1584 geboren zu Aach von Johann Thielen und Maria uxore, geborne Amya, 
1599 hab zu erlernung des goldschmid handwercks zu herrn Paulus Bireken- 
holtz alhie zu Franckfurt mich begeben, 
1 603 nach vier aussgestandenen lehrjahren nacher Augspurg und andern orter 

verreisset, 
1605 in Franckreich nach Pariss und anders wo mich begebenn, 

1608 zu Aach wiederumb auss Franckreich angelangt, 

1609 mein meisterstiick alda von goltt und silber gemacht, 

1612 wiederumb nach Franckfurt mich erhaben, das handwerck und handlung 

daselbst biss in das 1615. jahr getrieben, 
1615 geheuratet an jungfraw Elisabeth, Wilhelm Elffelds und Magdalena 

Crabels ehliche tochter, anno eodem das meistersttlck von goldt gemacht, 

1625 von Gott inn den betriibten wittibenstand gesetzt word en und folgends 

1626 zu einem adjuncto gymnasii von e. e. e. rath alhie bestellet word en, 
welchem officio ich nach miiglichkeit bis in diess 1649. jahr obgelegen. 



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78 Hugo Loersch und Marc Rosenberg 

Eigenhandiger kalligraphischer Eintrag (die Schrift mit Gold gehbht) auf 
Bl. 144' des Meisterbuches der Frankfurter Goldsehmiede. Es folgen mehrere 
Bibelspriicke. Auf dem gegeniiberliegenden Bl. 145, umgeben von Bibel- 
spruchen, das Wappen: rother Schild, in dem iibereinander goldener Stern 
und cine silberne Schlange, auf der eine silberne Taube, beide rechts gewendet, 
letztere als Helmzier wiederholt. 

23. Johann Klocker, geboren zu Aachen 17. Mai 1592, gestorben 
daselbst 27. November 1627; lernt bei seinem Vater Franz 
(vgl. Nr. 13) und bei seinem Halbbruder Hermann (vgl. 
Nr. 16), arbeitet in Emmerich, Koln, Mulheim und Frankfurt, 
wandert durch Frankreich nach Spanien. 

Johann Klocker, mein vatters [d. h. des unter Nr. 13 aufgefiihrten Franz] 
zweidter sohn von Elisabeth Schetters geziltt, ist geporen in anno 1592 den 
17. Maii uff pfingstobendt. Diescr hatt bei dem vatter und bruder Herman 
das goltschmidt handtwerckh gelehrt, auch ein jhar bei Gcrhart van Kotten 
zu Embrich, folgens zu Colin, Mulheim und Franckforth go wont. Anno 1614 
ist er nacher Hispanien gezogen durch Franckreich, aber nicht langh aus- 
geplieben, dan er in anno 1615 in Octobri mit Alheidten Valenthin verheyrathet 
worden, welcher heyrath nit wol beider seidts gerathen. Haben stehender 
ehe vier* kinder geziltt mit nahmen Elisabeth, Gillis, Frans und Aelhcidt 
Klockers. Uber die leste gepurt ist die motter kranckh geworden und in 
anno 1624 den 15. Augusti gestorben. 

Anno b 1627 den 20. Mai ist Johan Klocker wiederumb bestaet mit Anna 
Petters aus dem land von Gulich. 

Im selben jhar den 27. Novembris zwischen zwa und drei uhren nach- 
midttags ist bruder Johan nach einem schwerlichen lager im herrn seliglichen 
entschlafen. Requiescat in sancta pace. 

Aufzeichnungen seines Bruders Franz um 1626 und nach 1627 im 
Klockerschen Memorialbuch Bl. 10 und 10'. 

*) drei getilgt. 

h ) Die folgenden Absdtze ebensoviele Nachtrdge. 

24. Gerhard Lindenburger aus Aachen, lernt in Nurnberg, 
ziinftig in Munchen 1592, gestorben daselbst 1632. 

Anno 1592 ist Gerhard Lindenburger von Ach alhie meister worden, und 

zu Niernberg bei Hainrichen Anthonin gelernct. Ist gestorben im 1632. jars. 

Meisterbuch der Munchcner Goldsehmiede im National museum zu Munchen. 

25. Jakob Kalkerner, Sohn des Goldschmieds Johann Kalkerner 
von Aachen, Lehrjunge bei Paul Birckenholtz zu Frankfurt 
(vgl. Nr. 15), angenommen auf fiinf und ein halbes Jahr zu 
Ostem 1594. 

Steitzsches Verzcichniss. Ueber die Namensform vgl. oben Nr. 18. 



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Die Aachener Goldschmiedc, ihre Arbeiten und ihre Merkzeichen. 79 

26. Peter Koch aus Aachen, Lehrjunge bei Kornelius von dem 
Heffel zu Frankfurt, angenommen auf sieben Jahre zu 
Ostern 1594. 

Steitzsches Verzeichniss. 

27. Hilger Breda, Goldschmiedgeselle zu Aachen 1596. 

Laut Rathsentscheidung vom 22. Mai 1596 darf er nicht Meister werden, 
so lange er nicht der Vorschrift des 7. Absatzes der Handwerksrolle ent- 
spricht. Vgl. Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins XIII, S. 257, II, 1 
und S. 250, 7. 

28. Johann Amya, Amiany, Amian aus Aachen, lernt bei 
Paul Birckenholtz zu Frankfurt von Johannis 1597 bis 26. 
Marz 1603, wandert in Frankreich und England, wird ziinftig 
in Aachen, begibt sich 1615 nach Liibeck, wo er noch 1618 
sein Handwerk treibt. 

Die Nachricht iiber die Lernzeit entstammt dem Steitzschen Verzeichniss. 

Das Weitere berichtet nach Liibecker Archivalicn Th. Hach, Zur Ge- 
schichte der Lubeckischen Goldschmiedekunst, Liibeck 1893, S. 34: Johann 
Amian, Goldarbeiter von Aachen, war 1615 bei der Okkupation von Aachen 
durch die Kaiserlichen mit Weib und Kindern „ob amorem religionis" von 
Hab und Gut entflohen und auf Schreiben seiner Verwandten, Arnd van Collen 
und Anderer, hieher nach Liibeck gekommen. Er hatte in Frankfurt am Main 
gelernt, war dann in Frankreich und Engellandt auch sonsten sieben ganzer 
Jahre lang gewandert und umbgezogen, hatte auch in Aachen amtsmassig 
das Handwerk getrieben; war deshalb, als er hier an den Rath sich gewandt, 
begiinstigt mit der Freimeisterschaft in Goldsachen. Dennoch — so klagt er 
am 30. Mai 1618 dem Rathe — hatten die Goldschmiede in seiner Werkstatte 
Haussuchung gehalten und nicht allein seine „instrumente an hammern und 
zieheisen sammt einem ambos von acht kanten zerstort, den blasebalg etzliche 
male durchstochen und verderbt, und sonderlich ein steinern fasslein, worin 
etzlich silber in scheidewasser verzehret gestanden, welches an silber iiber 
40 mark werth gewesen, zerschlagen, also dass solch scheidewasser und ver- 
menget silber iiber das werckbrett und erde geflossen und ich fast einiges 
heUers werth davon nicht genicssen oder wieder habhaft werden k5nnen. . . . 
Wobei sie es bishero noch nicht gelassen, sondern inmittelst durch die ihrigen 
meine hausfraw, da sie etwa christlichem gebrauche nach ein kindlein zur 
kirchen und heiligen tauf begleiten halffe, auf offener strass vor eine bohn- 
hasenfrau ausgeschrien und bishero solches zugefiigten schadens halber 
erstattung zu thun sich gentzlich geweigertt. a 

Johann Amya gehort zu denjenigen, welche die kaiserlichen Kommissarien 
am 13. September 1616 zur Riickkehr und Verantwortung aufforderten; vgl. 
Meyer, Aachensche Geschichten I, S. 589; Haagen, Geschichte Achens II, S. 231. 



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80 Hugo Loersch und Marc Rosenberg 

29. Adolf Braechgelmann aus Aachen, ziinftig zu Frankfurt 
am Main 1599, gestorben daselbst 1600. 

Adloff Braechgelman von Achg ist naech diesem maeister wordenn, ist 
von denn geswornn damaelss vergessen wordenn in diesem boechg in zu 
schreybenn. Er ist anno Cristo 1600 von dieser weldt verschayden. Godt 
verley ihm aeine frolichge aufferstheung amen. 

Eintrag auf Bl. 105' des Meisterbuches der Frankfurter Goldschmiede, 
hinter Hanns Cassiodor, der 1599 Meister geworden ist. 

30. Stephan Bock, Beck aus Aachen, Lehrjunge bei Kornelius 
von dem Heffel zu Frankfurt, angenommen auf vier Jahre 
zu Ostern 1599. 

Steitzsches Verzeichniss. 

31. Carlo van Zomper aus Aachen, Lehrjunge bei Nikolaus Cordes 
(imMeisterbuch: Koresz) in Frankfurt, angenommen auf sechs 
Jahre zu Ostern 1599. 

Steitzsches Verzeichniss. 

32. Arnold Klocker, geb. zu Aachen 8. Juli 1601, lernt hier bei 
Dietrich von Kha, geht 1625 nach Dinant und stirbt daselbst 
14. Februar 1647 als Miinzmeister des Bischofs von Luttich. 
Arnoldt Klocker, mein vatters [d. h. des unter Nr. 13 aufgefuhrten 

Franz] jungster sohn, ist geporen anno 1601 den 8. Julii. Dieser ist auch 
an das goltschmidt hantwerckh verthain, so er bei meister Diederich vdn 
Rha gelehrnet, folgens auch hin und wider gearbeidtet bis er in anno 1625 
den lesten Februarii nacher Dinant uff der Massen verreist, aldhaer er sich 
mitt der wohnungh nidergelassen, und ist. dhaselbsten im folgenden jhar 1626 
den 15. Augusti bestadt mit Margaretha Collyn, dochter eines btirgers daselbsten, 
Georgius Collyn genannt. 

Anno domini 1647, die 14. Februarii obiit parens meus Arnoldus Klocker, 
custos monetarum serenissimi principis Ferdinandi, sepelitur in sommo templo 
ante altare sancti Francisci Dionanti. Requiescat in sancta pace. 

Aufzeichnungen seines Bruders Franz um 1626 und seines Sohnes Franz 
nach 1647 im Klflckerschen Memorialbuch Bl. 14 u. 14'. 

33. Paulus Rottam aus Aachen, Lehrjunge bei Paul Birckenholtz 
zu Frankfurt, angenommen auf fiinf Jahre zu Ostern 1603. 
Steitzsches Verzeichniss. 

34. Hellemann Minister aus Aachen, Lehrjunge bei Kornelius 
von dem Heffel zu Frankfurt, angenommen auf sechs Jahre 



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Die Aaehener Goldschmiede, ihre Arbeiten und ihre Mcrkzeichen. 81 

zur Herbstmesse 1604. Vielleicht ist der von 1617 bis 
1625 auftretende Frankfurter Meister Hilegart von Minister 
(Minster) dieselbe Personlichkeit. 

Steitzsches Verzeichniss und Mittheilung von Herrn Dr. Pallraann aus 
dera Frankfurter Meisterbuch. 

35. Tillmann von der Weiden, Dillemann von der Weyte 

aus Aachen, Lehrjunge bei Paul Birckenholtz zu Frankfurt, 

angenommen auf funf Jahre zur Ostermesse 1605, ziinftig 

zu Frankfurt 1618 und nachweisbar bis 1640. 

Steitzsches Verzeichniss. Nach derselben Quelle und nach andern von 

Herrn Dr. Pallmann mitgetheilten Nachrichten erscheint er in den angefiihrten 

Jahren in Frankfurt als Lehrherr, also als Meister; vgl. auch Nr. 40 K — Die 

Weiden, jetzt Weiden, Dorf im Landkreis Aachen. 

36. Peter Grunenthal aus Aachen, Lehrjunge bei Paul Bircken- 
holtz zu Frankfurt (vgl. Nr. 15), angenommen auf funf Jahre 
zur Ostermesse 1606. 

Steitzsches Verzeichniss. 

37. Gottfried von Thinen aus Aachen, Lehrjunge bei Paul 
Birckenholtz zu Frankfurt (vgl. Nr. 15), angenommen auf 
funf Jahre 1. Mai 1612. 

Steitzsches Verzeichniss. 

38. Johann Goddarts aus Aachen, Lehrjunge bei Nikolaus 
Diell zu Frankfurt, angenommen auf sechs Jahre 1. Januar 
1616. 

Steitzsches Verzeichniss. 

39. Peter Groten aus Aachen, Lehrjunge bei Paul Birckenholtz 
zu Frankfurt (vgl. Nr. 15), angenommen auf funf Jahre zur 
Herbstmesse 1617. 

Steitzsches Verzeichniss. 

40. Wilhelm Grooten aus Aachen, Lehrjunge bei Tilmann von 
der Weiden zu Frankfurt (vgl. Nr. 35), angenommen auf 
funf Jahre zur Herbstmesse 1619. 

Steitzsches Verzeichniss. 



*) Zu Johannis 1618 tritt Leonhard Heuss (Horss), zur Herbstmesse 1628 Matheus 
Husch (Horss), beide aus Kornelimilnster, bei ihm in die Lehre. 

6 



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82 Hugo Loersch und Marc Rosenberg 

41. Bartholomaus Raff aus Aachen, Lehrjunge bei Jakob de 
Collesis (Collesie, Colleseis) zu Frankfurt, angenommen auf 
flinf Jahre zur Herbstmesse 1623. 

Steitzsches Verzeichniss. 

42. Johann Wurmann, ziinftig in Aachen 1623. 

Vgl. Rathsentscheidung vom 31. Januar 1623, Zeitschrift des Aachener 
Geschichtsvereins XIII, S. 257, Nr. 3. 

43. Ganderth von Hecht, Hacht aus Aachen, Lehrjunge bei 
Paul Birckenholtz zu Frankfurt (vgl. Nr. 15), angenommen 
auf sechs Jahre zu Johannis 1627. 

Steitzsches Verzeichniss. 



44. Franz Klocker, geboren zu Aachen 18. November 1627, 
gestorben daselbst 5. Marz 1697; 1668 ziinftig im Kesseler- 
ambacht. 

Er heirathete 29. Februar 1664 Maria Katharina Wuestenraedt und 
wurde in der Predigerkirche begraben. Eigene Aufzeichnungen und Auf- 
zoichnungen seines Sohnes Franz, Kanonikus zu Thorn, im Klockerschen 
Memorialbuch Bl. 80' und 85'. 

Wenn Franz Klocker auch der Kesslerzunft angehorte, so darf er seiner 
Arbeiten wegen doch unbedenklich zu den Goldschmieden gerechnet werden. 
Dies beweisen die hier folgenden Auszuge aus den Aachener Rathsprotokollen, 
die schon Quix, Geschichte der S. Peter-Pfarrkirche S. 15, Anm. 1, theilweise 
abgedruckt hat. 

Donnerstagh den 8. Martij 1668. Kleins Rahts. Demnach Franss Klocker 
supplicando zu erkennen gegeben, das er mit grossen uncosten sich dahin 
empsig bemuhet, wie er dem kupfer eine aufrichtige goltfarb oder couleur 
geben, silbere platen durch underschiedliche und kostbarliche instrumenten 
ziehen, pressen und pregen, allerhand schones von kupfer geschlagenes und 
zu schildereyen, spiegeln, caminen, kirchen ornamenten und anderen vielen 
sachen sehr bequemes leist: und blomenwerck, wie auch grosser herren und 
potentaten bildnussen und pourtraiten uf kupfere und silbere platen gantz 
kunstreich aussarbeiten konte, massen er davon einige exemplaria oder stucken 
vorbracht mit bitt, ihnen daruber ein privilegium zu vergunstigen, das niemand 
ihme dergleichen arbeit unter confiscation der guctercn inwendig sicheren 
jahren nachmachen mbge unter arbitrari straff; alss hat ein ehrbar raht ihme 
selbigcs privilegium gebettener massen, iedoch nur auf 12 jahren, vergunstigt. 
Rathsprotokolle, Bd. IX (1668), S. 37 f. 



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Die Aachener Goldschmiede, ihre Arbeiten und ihre Merkzeichen. 83 

Dinstag den 13. Martij 1668. Kleins Raths. Wie greven, baw: und 
sambtliche meistcre des kesseler ambachts uber das ihrem mithandwercks 
brudercn Franssen Kloeker am iungstverwichenen rahtstag ertheiltes privi- 
legium sich beschweren wollen mit begeren, das es bey der alter observantz 
(nemlicb das desselben handwcrcksmeistere alles und iedes, so auss kupfer 
gemacht werden kan, aussfertigen mogen sollen) gelassen werden mogte, so 
thuet ein ehrbar klein raht solches der supplieanten kesseleren begeren ahn 
einen ebrbaren grossen raht hinverweisen. Rathsprotokolle, Bd. IX (1668), 
S. 41 f. — In dem Grossen Rath scheint die Beschwerdc der Kesselerznnft 
nicht zur Verhandlung gekommen zu sein, wenigstens geschieht dessen in 
den Rathsprotokollen des .Tahres 1668 keine Erwahnung. 

Rezepte zum Versilbern hat Franz Kloeker in das Memorialbuch ein- 
getragen Bl. 55' und 79'. 

Una das Jahr 1670 verfertigte er einen kupfernen Altar fur das Mttnster, 
der am 1. Oktober 1676 fast zerstort worden wftrc. Er bcrichtet selbst 
dartiber im Klockerschen Memorialbuch Bl. 89: A. 1676 ady den irsten October, 
sage s. Remigi abendt, als alheir im minister das chorgen, darinnen unsser 
Lieben Frawen altar, etwass sollt renovirt werden und das licht, welches 
ordinarii vor der Muttergottess bilt pflegt zu brennen, verwarlost und also 
der altar im brandt gangen, der Muttergottess bilt biss auff das haupt und 
handt (welches man hat wieder auffbringen lassen) verbrent und solches pfewr 
dess abends zwischen 7 und 8 uhr angangen, da niemandt in der kirch, so ist 
nicht allein das bilt sondern die ornamenten, item einer von kaupfer gemachter 
altar, so ich Franz Kloeker einige wenige jahr zuvoren gemacht, mit den 
silbern leuchtern verbrendt und rnynirt und ein gross gliick, das der altar 
von kaupfer und das pfewr so lang zuruck gehalten biss man endtlich das pfewr 
gewar worden .... 

Vgl. iiber diesen Brand Kessel, Das Gnadenbild unserer lieben Fran in 
der Stiftskirche zu Aachen S. 92. 

Franz Kloeker war 1688 mit seinem Vetter, dem Kanonikus Hermann 
Werner Kloeker, Greve der Bruderschaft vom heiligen Sakrament; vgl. von 
Fiirth, Beitrage und Material zur Geschichte der Aachener Patrizier-Fami- 
lien II, Abth. 1, S. 156. 

45. Friedrich Horst, ziinftig in Aachen bis 1640. 

Vgl. Rathsentscheidungen vom 20. und 27. Juni 1641, Zeitschrift des 
Aachener Geschichtsvereins XIII, S. 258, Nr. 5 und 6. 

46. Lukas Schorer, ziinftig in Aachen 1663, aber nur berech- 
tigt Petschafte zu stechen. 

Vgl. Rathsentscheidung vom 3. Juli 1663, Zeitschrift des Aachener 
Geschichtsvereins XIII, S. 258, Nr. 7. 

6* 



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84 Hugo Loersch und Marc Rosenberg 

47. Johann Wilhelm Klocker, geboren zu Aachen 24. Marz 
1677, gestorben daselbst 25. Mai 1728; lernt vom 1. Marz 
1694 bis 1. Marz 1700 bei Johann Jakob Orsbach (vgl. Nr. 
49), wandert 1700 nach Metz. 

Ueber Geburt und Tod Aufzeichnungen des Vaters und eines Bruders 
im Klbckerschen Memorialbuch Bl. 84' mid 17'. Ueber die Ausbildung zum 
Goldschmied geben folgende Eintragungcn Nachricht. 

Jo. Wilhelmus KlScker goltschmits ambacht. 

Anno 1694, 1. Martii hab wegen meines sohns [der Schreiber ist der 
unter Nr. 44 genannte Franz Klocker] Jo. Wilhelmus Klocker mitt herrn 
Johannes Jacob Orsbach mir dieser gestalt accordirt, dass er genannten mein 
sohn bey ihm dass handtwerck nach laudt beyderseiths unterschriebener accord 
lehrnen solle. Hat auff dato des 1. ditto den anfang gemacht, Gott gebe 
gliick und seinen segen. Soil 6 jahr fast steheu und die cost haben, und 
dessen soil ich ihme herrn Orsbach 50 reichstaler at 56 Aix, strack 25 rt. 
at 56 mark, aber nach umbgang dreyer jahren abermahl 25 rt., also in all 
50 . . . und soil sonsten alles nach altem und handwerx gebrauch observirt 
und gehalten werden, alles zur gutter trawen wie ess unter gutte freunden 
gehordt und gelehret. 

Randbemerkung: Nachdemich diessem ahm studieren gehalten intentionirt 
und die 4* e schull absolvirt und zum studeren kein lust bey ihme gefunden, 
als bin ein anders mit ihme vorzunehmen genothigt worden. 

Klockersches Memorialbuch Bl. 17'. 

Nachdcme unser herr ohmb Adrianus Weustenraedt, pastoor und landt- 
dechand zu Berringen, eine bursch von 100 rd. vor die blutsverwandten 
fundirt, damit sie fiiglicher die studia fortsetzen mogten, wo ess den cltercn 
beliebig, und nunmehr kein anderer iibrig, der solcher bursch sich gebrauchen 
konte alss eben obgemelter Wilhelmus, darumb hatt man ihm die freye wahl 
gelassen, ob er wiederumb studiren wolte oder die angefangene kunst weiter 
lehrnen; er aber, wiewoll er vcrsucht worden, hatt lieber arbeyteu alss studiren 
wollen. Er hatt endtlich die 6 lehrjahren bei obgenendten herrn Jacob Orsbach 
anno 1700 den 1. Martii trewlich vollendct, wie dan auch auf ihr buch ver- 
zeichnet worden. Er ist weiters mit zwey kauffleuth, welche unserm herrn 
ohmben Senden woll bekent, nacher Metz gereyset umb sich in der kunst 
mit mehrerem fleyss zu perfectioniren. Dem 18. gesagten Martii seind sie 
woll proviandirt mit einer kahren von zweyen pferden unseres herren ohmben 
Senden von Aachen abgefahren. Der herr seye in der zeit mit ihncn, der 
heilige engel wolle sie ftthren und behiiten. 

Eintragung eiues Bruders im Klockerschen Memorialbuch Bl. 17'. 



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Die Aachener Goldschmiede, ihre Arbeiten und ihre Merkzeichen. 85 

48. Hermann Schmetz, geboren zu Aachen, ziinftig in Augsburg 

seit 1693, gestorben daselbst urn 1727. 

Vgl. Buff in der Allgemeincn Zeitung von 1887, Nr. 271 (Beilage), 
S. 3994 und das. Nr. 270 (Beilage), S. 3977, Anin. 1. 

49. Johann Jakob Orsbach, ziinftig zu Aachen 1694 bis 1700. 

Vgl. die Belege zu Nr. 47. 

50. Wilhelm Reineke aus Aachen, Lehrjunge bei Johann 
Balthasar Schneider zu Frankfurt, angenommen 26. April 
1705, weggezogen, lernt dann in Diisseldorf. 

Steitzsches Verzeichniss. 



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86 



Hugo Loersch und Marc Rosenberg 



II. 

Arbeiten, welche auf bestimmte Meister 
surucksufiihren sind. 

1. Beschauzeichen. 

Ausgabe-Rechnung 1334/35: Item de malleo monete, cum quo Joannes 
de Royde argentum signare debebat, 3 grossos per Wilhelmum. Laurent, 
Aachener Stadtrechnungen des 14. Jahrbunderts S. 106, Z. 23. 

Item aurifabro do ferro fodendo, cum quo anfore signari debebant, 2 
grossos per assisiam. Laurent S. 106, Z. 25. 

Beissel glaubt in] der Zeitschrift f. christl. Kunst IV, Sp. 379, die 
erste Stelle als Beweis fur den Gebrauch eines Beschauzeichens im 14. Jahr- 
hundert verwenden zu konnen; ein Hammer eignet sich aber nicht zur 
Stempelung von Goldschmicdearbeiten und es durfte sich hier eher um das 
Schlagen von Miinzen oder um das Zeichnen von Barren handeln. Wahr- 
scheinlich bezeichnet „argentum" an dieser Stelle nur das mit dem Hammer 
zu schlagende Silbergeld (entsprechend franzosisoh : argent). 

Da die zweite Stelle nur Gefasse erwahnt, ohne jeden Hinweis darauf, 
dass sie aus Edelmetall gefertigt seien, so wird auch hier, abweichend von 
der von Beissel a. a. 0. geausserten Meinung, nicht sowohl an einen Stempel 
fur das Beschauzeichen als an einen solchen zur Feststellung des richtigen 
Maasses zu denken sein. 



Nr. 



Beschau- 
zeichen 



Zeitbestimmung 



51 




52 




15. Jahrhundert. 
Vgl. Nr. 64a. 

Die von Loersch in der Zeitschrift des Aachener Ge- 
schichtsvereins XIII, S. 248 ff. verbffentlichte Rolle der Gold- 
schmiede vom 16. April 1573 trat an die Stelle einer altern 
vom 8. Oktober 1510, welche bis jetzt nicht aufgefunden 
worden ist. Artikel 32 und 33 der Rolle von 1573 (a. a. 0. 
S. 255) bezeichnen aber ausdriieklich das bisherige Beschau- 
zeichen als den „alten stemp und adler". Finden sich dem 
15. Jahrhundert angehorige Stuck e schon mit einem den Adler 
aufweisenden Beschauzeichen, welches noch dazu den spateren 
verwandt ist, so darf daraus der Schluss gczogen werden, 
dass Aachen auch schon vor dem 8. Oktober 1510 mit seinem 
Wappenadler zu zeichnen pflegte. Moglicher Weise gehort 
auch Nr. 52 noch in jene altere Zeit. 

15. bis 16. Jahrhundert. 
Vgl. Nr. 64b— d. 



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Die Aachener Goldschmicde, ihre Arbeiten und ihre Merkzeichen. 87 



Nr. 



53 



54 



55 



56 



Beschau- 
zeichen 





Zeitbestimmung 




15. bis 16. Jahrhundert. 
Vgl. Nr. 64 e. 

16. Jahrhundert. 
Vgl. Nr. 65. 



16. Jahrhundert. 
Vgl. Nr. 66. 



(Fraglich ob Aachen.) 



Seit 16. April 1573, urn 1624 und spater. 
Vgl. Nr. 67 und 68. 

Nach Artikel 15 der Rolle vom 16. April 1573 wurde 
bei deren Erlass ein neues Schauzeichen eingcfiihrt, welches 
„unser statt adler und das wort ,Aach l daboven fueren soil". 
Vgl. Loersch a. a. 0. S. 252 und wegen der thatsaehlich in 
dem Zeichen gebrauchten Form ,Aeh' S. 243. 

Die Stempelung erfolgte unzweifelhaft rait zwei ge- 
trennten Stempeln, diese stehen bei Nr. 68 zicmlieh genau 
iibereinander, bei Nr. 67 jedoch vollig von einander getrennt. 
In diesem Sinnc sind die Ausftihrungen von Loersch in der 
Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins XIII, S. 243, zu 
berichtigen und zu erganzen. 

Es wurde in Artikel 32 und 33 der Rolle angeordnet, 
class alle mit dem bisherigen Zeichen gestempelten Stucke 
nochmals gepriift unci, falls sie den Vorschriften der Rolle 
in Bezug auf Feingehalt entsprachen, audi mit dem neuen 
Beschauzeichen versehen werden sollten. An einem und 
demselben Stuck kann also ein altes und das neue Beschau- 
zeichen vorkoinmen, bis jetzt sind jedoch solche Stucke noch 
nicht aufgefunden worden. Vgl. Loersch a. a. 0. S. 255 f. 
und S. 243. 

Um 1808. 

Vgl. Nr. 60 und 69. 

In dem Buchstaben Or ist wahrscheinlich ein Jahres- 
buchstabe oder das Zeichen des Wardeins zu sehen. 



58'. 



AACHEN 



Zweite Halfte des 19. Jahrhunderts. 
Vgl. Nr. 61. 



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88 



Hugo Loersch und Marc Rosenberg 
2. Beizeichen. 



Nr. 




Zeitbestimmung 



59 
60 

61 



T/ Wardeinstempel? 15. Jahrhimdert. 
Vgl. Nr. 64 a. 

i,Gc" Wardeinstempel um 1808. 
Vgl. Nr. 57 u. 69. 

Feingehaltssterapel. Zweite Halfte des 19. Jahr- 
hunderts. 
Vgl. Nr. 58. 

3. Meister und Meisterzeichen. 



Nr. 



Beschau- 
zeichen 



Meister- 
zeichen 



Meister — Gegenstand — Eigenthumer 



62 



Wibert, thatig zwischen 1150 und 1200, 
gestorben am 24. Marz. 

Obiit Rikerus pater Stephani fratris nostri. Item 
Wibertus frater eiusdem Stephani. Sancte Dei geni- 
trici ii ampullas argenteas donavit et duas domos, que 
adherent ecclesie sancti Foillani, insuper maximam 
operam et maximum laborem ad opus corone, ad 
tectum tocius ecclesie, ad crucem deauratam in turri, 
ad campanas adhibuit et omnia feliciter consumpsit. 
Quix, Necrologium ecclesiae B. M. V. Aquensis S. 18, 
Eintragung der altesten, um die Mitte des 13. Jahr- 
hunderts schreibenden Hand zum 24. Marz. 

Unter corona (ohne nahere Bezeichnung) versteht 
das Necrologium den grossen von Kaiser Friedrich I. 
der Pfalzkapelle geschenkten Kronleuchter. Die Worte 
„inaximam operam et maximum laborem ad opus corone 
.... adhibuit" konnen nur auf cine persbnliche und 
unmittelbarc Thatigkeit an diesem grossen Werke der 
Goldschmiedekunst gedeutet werden. Ihrem klaren Sinn 
gegenliber kommt es nach Loersch nicht in Betracht, 
dass Wibert nicht ausdriicklich als aurifaber bczeichnet 
ist. Mit der vielseitigen Kunst des Goldschmiedes 
stehen die iibrigen von ihm geriihmten Arbeiten 



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Die Aachener Goldschiniede, ihre Arbeiten und ihre Merkzeichen. 89 



Nr. 



Beschau- 
zeichen 



Meister- 
zeichen 



Meister — Gegenstand — EigentMraer 



wenigstcns nicht in Widerspruch; wird das Thurm- 
kreuz anscheinend nicht ohne Absicht als vergoldct 
bezeichnet, so weist dies bestimmt auf die hier fiir 
Wibert in Anspruch genommene Stellung hin. 

Vgl. C. P. Bock im Niederrheinischen Jahrbucb von 
1843 S. 77 (der Wibert sogar auch zum Architekten 
macht), St. Beissel in der Zeitschrift des Aachener 
Geschichtsvcreins V, S. 19 und Loersch das. XIII, 
S. 230. 

Ueber die Zeit des Todes gibt das Necrologium 
keine Auskunft. Die genauere Bestimmung des Alters 
der ersten Niederschrift und eine Untersuchung liber 
etwa fiir sie benutzte altere Aufzeichnungen fehlen 
bis jetzt, so dass daraus Schliisse nicht zu ziehen sind. 
Die zeitliche Umgrenzung von Wiberts Thatigkeit er- 
gibt sich nur aus den noch vorhandenen Werken, welche 
man mit seiner Person in Verbindung gebracht hat. 

Kupfervergoldete Lichterkrone von 4,16 
Meter Durchmesser, 13 Meter Umfang. 
Eigenthumer: Das Minister zu Aachen. 
Genaue reich illustrirte Beschreibung: Franz Bock, 
Der Kronleuchter Kaisers Friedrich Barbarossa im 
karolingischen Miinster zu Aachen, Aachen und Leip- 
zig 1863. — Vgl. ausserdem E. Aus'm Weerth, Kunst- 
denkmaler des christlichen Mittelalters in den Khein- 
landen II, S. 100; Franz Bock, Karls des Grossen 
Pfalzkapelle I, S. 115. 

Die Inschrift des Kronleuchters nennt weder die 
Zeit noch den Anlass des Geschenks. Da die Kaiserin 
Beatrix ausdrucklich auch als Geberin genannt ist, 
muss die Schenknng nach Friedrichs Heirath (Juni 1 1 56) 
geschehen sein. Ware sie 1165 erfolgt, bei Gelegenheit 
der Kanonisation Karls des Grossen, so wiirde dieses 
Vorganges sicherlich in der Inschrift gedacht sein, 
ausserdem zahlen die . Annales Colonienses maximi 
(Mon. Germ. Script. XII, p. 799) die damals vom 
Kaiser und seiner Gemahlin gemachten Geschenke auf, 
ohne eines so bedeutenden Stiickes zu gedenken. Beissel 
setzt, Zeitschrift fiir christliche Kunst IV, Sp. 381, 
die Entstehung des Werkes mit Kticksicht darauf, dass 



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90 



Hugo Loersch und Marc Rosenberg 



Nr. 



Beschau- 
zeichen 



Meister- 
zeichen 



Moister — Gegenstand — Eigenthumer 



Karl gar nicht in der Inschrift gcnannt ist, in die 
Zeit zwischen 1156 und 1165. Man konnte sie aber 
auch mit einem andern Vorgang in Verbindung bringen, 
auf den Friedrich I. grossen Werth gelegt hat und 
der fur die Stadt Aachen von grosster Bedeutung 
gewesen ist. Im Jahre 1171 liess der Kaiser die 
Biirgersehaft eidlieh versprechen, dass sie die Urn- 
mauerung und Befestigung ihrer Stadt vornehmen 
und binnen vier Jahren vollenden werde (vgl. Giese- 
brecht, Kaiserzeit V, S. 692 und 481; Haagen, Ge- 
schichte Achens I, S. 135). Dass in der That die 
Mauer wahrend der nachsten Jahre im Wesentlichen 
vollendet worden ist, unterliegt keinem Zweifel. Es 
ist nicht unwahrscheinlich, dass Friedrich seiner 
Freude iiber die Sicheruug der Kronungsstadt durch 
die Schenkung der Lichterkrone Ausdruck gcgcben hat. 
Ist deren Form, die die Mauern und Thiirme dcs himm- 
lischen Jerusalem darstellt, auch noch in anderen grossen 
Radleuchtern vertreten, so lage doch hicr noch eine bc- 
sonders sinnige Beziehung vor. Die Hcrstellung ware 
unter diesen Umstanden in die Zeit von etwa 1175 bis 
1186 (in letzterm Jahre ist Beatrix gestorben) zu 
verlegen l . 

b. Silberschale, theilweise vergoldet, mit Gra- 
virung, Durchmesser 24, Tiefe 4,5 Cen- 
timeter. Eigenthiimer: S. K. H. der Gross- 
herzog von Sachsen -Weimar. 

Genaue Beschreibung mit Abbildungen: Marc 
Kosenbcrg, Die Cappenberger Schale in der Zeitschrift 
fur christliche Kunst III, S. 365. 

Der Inschrift gemass ein Geschenk Kaiser Fried- 
richs I. an seinen Pathen, den Grafen Otto von Kappen- 
berg, der 1171 gestorben ist. Die Randgravirung 
stimmt mit einem Ornament am Krouleuchter voll- 
kommen iiberein. 



i) Dass schon 1152 ftir Friedrich I. ein silberner Siegelstempel und Werkzeuge 
zum Anfertigen von Goldbullen in Aachen angefertigt wurden, lasst eine Stelle in einem 
Briefe Wibalds von Stablo vermuthen; vgl. die Ausfuhrungen von Beissel a. a. O. 
Sp. 380. 



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Die Aachener Goldschmiede, ihre Arbeiten und ihre Merkzeichen. 91 



Nr. 



Beschau- 
zoichen 



Meister- 
zeichen 



Meister — Gegenstand — Eigenthiimer 



63 



Reliquienschrein Karls des Grossen, lang 

2,04 Meter, hoch 94 Centimeter. Eigen- 

thumer: Das Miinster zu Aachen. 

Beschreibungen und Abbildungen : Kantzeler, Der 

die Gebeine Karls d. Gr. enthaltende Behalter, Aachen 

1859; Aus'm Weerth, Kunstdenkmaler II, S. 108; 

Franz Bock, Karls des Grossen Pfalzkapelle I, S. 98; 

Kessel, Geschichtliche Mittheilungen iiber die Heilig- 

thiimer S. 52. 

Der Schrein, von dem eine Quelle ausdriicklich 
sagt, dass die Aachener ihn gemacht hattcn, ist erst im 
Jahre 1215 zur Aufnahme der Gebeine Karls und zur 
Aufstellung fertig gewesen. Vgl. Clemen in der Zeit- 
schrift des Aachener Geschichtsvereins XII, S. 47; 
Rauschen, Die Legende Karls des Grossen S. 135 und 
Loersch, das. S. 170. Es ist somit zweifelhaft, ob 
Wibert noch zu ihm in Beziebung gebracht werden 
darf, wobei auch das Stillschweigen des Nekrologiums 
liber dieses Werk doch sehr wesentlich ins Gewicht fallt. 

Johannes, gestorben vor 1250, am 1 l.Februar. 
Obiit Johannes aurifaber, pro quo habuimus ix 
solidos. Quix, Necrologium ecclesiae B. M. V. Aquensis 
S. 10, Eintragung der altesten, um die Mitte des 
13. Jahrhunderts schreibenden Hand zum 11. Februar. 

Reliquienschrein, der sogen. Marienschrein, 

lang 1,84 Meter, hoch 95 Centimeter. 

Eigenthumer: Das Miinster zu Aachen. 

Ausfiihrliche Beschreibung mit Abbildungen: St. 

Beissel, Der Marienschrein des Aachener Ministers in 

der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins V, S. 1. 

Hier auch die gesaminte ubrige Litteratur. 

Nach einer ansprechendenVermuthung von Beissel 
(vgl. Zeitschrift fur christliche Kunst IV, Sp. 385) ist 
Johannes einer der Meister, welche gleichzeitig oder 
nacheinander an dem Werke beschaftigt waren. Der 
Schrein war 1220 jedenfalls schon in Arbeit (vgl. 
Beissel a. a. 0.) und ist erst 1238 vollendet worden, 
wie eine jiingst aufgefundene Relation berichtet; vgl. 
Kelleter in der Zeitschrift des Aachener Geschichts- 
vereins XIV, S. 234. 



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Hugo Loersch mid Marc Rosenberg 



Nr. 



Beschau- Meister- 
zeichen zeichen 



Moist er — Gegonstand — EigontJiumor 



64 



$ 



Hans (Jan) von Reutlingen, 13. April 1497 
bis 2. Mai 1522. Siegelschneider Maximi- 
lians I. und Karls V. 

Die beistohende Marke zeigt deutlich die Buch- 
staben I und P. Wenn wir dennoch die Zuschreibung 
an cinen Meister mit den Initialen I und R vcrsuehs- 
weise unternehmen, so gelien wir dabei von der Ver- 
muthung aus, dass nach seiner Absicht und Auffassung 
entweder die zweite Halfte des I zugleich als untere 
Schleife des R, oder das P, an das Monogramm Christi 
erinnernd, als griechisches R anzusehen ist. Vgl. auch 
Beissel in der Zeitschrift fur christliche Kunst IV, 
Sp. 378 a. 2. 

Hans von Ruytlyng*, Goldschmied zu Aachen, 
bittet Konig Maximilian, er moge ibm docb die 100 
Gulden iiberschicken, die er ihm vorlaufig fiir die 
Anfertigung von drei Siegeln, eines goldenen und 
zweier von Silber, versprochen habc, „derselben siegele 
ewer ko. int. eyn, neymelich das gulden, ewech hait u . 
1497, April 13. Regest bei Schonherr, Quellen zur 
Geschichte der kaiserlichen Haussammlungen im Jahr- 
buch der kunsthistoriscben Sammlungen des aller- 
hiichsten Kaiserhauses II (1884), Th. 2, Nr. 563. 

Meister Hannsen von Rewtlingen, goltscbmid von 
Ach, so das majestatsigel grabt, zu zerung gen Ynnsz- 
brugkh zu ziehen 8 guldin rbeinisch. 1500, August 18., 
Augsburg. Gedenkbuch Kaiser Maximilians I. bei 
Zimerman und Kreyczi, Urkundcn und Regesten im 
Jahrbuch der kunstbistorischen Sammlungen des aller- 
hocbsten Kaiserhauses III (1885), Th. 2, Nr. 2347. 

Johann von Reutling, goltschmid zu Ach, zu zerung 
gem Ynnszprug 8 guldin reinisch. 1500, September 4., 
Augsburg. Gedenkbuch a. a. 0. Nr. 2363. 

Mit „Jan von Reuttlingen, goldschmidt von Ach, 

so der kgl. maj. das gross majestatsigl gegraben und 

davon zu machen gefodert hatt sechsh under t guldin 

reinisch" wird ein Vergleich geschlossen, wornach ihm 

ausser den bercits ausgezahlten 100 Gulden rheinisch 

a ) In Folge eines Druck- oder Lesefehlers steht a. a. 0. 
Buytlyng. 



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Die Aacliener Goldschiniede, ihre Arbeiten und ihre Merkzeichen. 93 



Nr. 



Beschau- 
zeichen 



Moister- 
zoichen 



Meister — Gegenstand — Eigonthiimer 



Iwie Nr. 51 



noch ausserdem 300 Gulden ausgezahlt werdcn sollten. 
Hievon werde der Zahlschreiber Sebastian Hofer 50 
Gulden und 10 Gulden als Reisezehrung, den Rest der 
Rechenmeister Cassius Hackaney auszahlen, welcher 
seinerseits dafiir von Maximilian zur nachsten Frank- 
furter Fastenmesse entschiidigt werden wiirde. 1500, 
September 30., Innsbruck. Gedenkbuch a. a. 0. Nr. 2379 
(Anweisung fur Hackaney das. Nr. 2395). 

„Hans Reuthlinger, kais. maj. seiglschnider", 
erhalt ein naher beschriebenes Wappen „sainpt den 
lehcnartikel. — Geben in unser stat Brussel in Brabant 
aim funften tag des monets Februarii nach Cristi gepor 
1522". Regest aus dem Reichsreg. Karls V., Bd. Ill, 
Bl. 113', mit der gleichzeitigen Randbemerkung „Taxa 
nihil, quia pro sculptore sigillorum cesaris" bei Zimer- 
man, Urkunden und Regesten a. a. 0. Nr. 2969. 

Kaiser Karl V. schreibt an Burgermeister und 
Rath von Aachen, sein Siegelschneider Hanns von 
Reuthlingen sci vor einiger Zeit, als er in des Kaisers 
Auftrag aus den Niederlanden nach Aachen gereist 
sei, zwischen dieser Stadt und Maastricht beraubt und 
ihm 100 Philippsgulden weggenommen worden. Dem 
offentlichen Mandat des Kaisers, den Raub zuriick- 
zustellen, sei bisher keine Folge geleistet worden. Da- 
gegen habe der Siegelschneider in Erfahrung gebracht, 
dass ein Burger von Aachen von den Raubern wisse. 
Sie mochten diesen Burger vorladen imd ihn dazu 
bewegen, auszusagen, wer die Rauber seien und was 
er von ihnen wisse, und dies dem genannten Siegel- 
graber mittheilen, damit er gegen die Rauber gericht- 
lich vorgehen konne. Datum zu Brussel in Brabannt 
am andern tag Maii, anno etc. 1522. Regest aus dem 
Reichsreg. Karls V., Bd. Ill, Bl. 187' a. a. 0. Nr. 2971. 

a. Evangelienbuchdeckel. 15. Jahrhundert. 
Mit dem Wardeinstempel V?, oben Nr. 59. 
Eigenthiimer: Die Schatzkammer des Kaiser- 
hauses zu Wien. 

Vgl. Leitner, Katalog 1882, S. 154, Nr. 8. Ab- 
geb. bei Leitner, Schatzkammer, Wien 1870 bis 1873, 
Text S. 26. 



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94 



Hugo Loersch und Marc Rosenberg 



Nr. 



Beschau- 
zeichen 



Meister- 
zeichen 



Meister — Gegenstand. — Eigenthiimer 



wie Nr. 52 



i 



wie Nr. 52 b. Vergoldetes Reliquiar mit Kreuzpartikel und 
Agnus Dei, hoch 40 Centimeter, 15. Jahr- 
hundert. Eigenthiimer: Das Miinster zu 
Aachen. 

I Vgl. Franz Bock, Karls des Grossen Pfiilzkapelle II, 

S. 102—104 mit Abbildung; Scheins, Kunstschfttze der 

j Miinsterkirche zu Aachen, Taf. XXII, Fig. 3. 

wieNr. 52 c. Vergoldete Statue des Apostels Petrus, auf 
sechseckigem Sockel, hoch 72,5 Centimeter, 
| 15. Jahrhundert. Eigenthiimer: Das Miinster 

: zu Aachen. 

j Vgl. Bock a. a. 0. II, S. 88—90 mit Abbildung; 

Scheins a. a. 0. Taf. XIII, Fig. 3. 

d. Vergoldete Monstranz, angeblich Geschenk 
Kaiser Karls V., hoch 59,5 Centimeter, friih 
16. Jahrhundert. Eigenthiimer: Das Miinster 
zu Aachen. 

Vgl. Bock a. a. 0. II, S. 119— 121 mit Abbildung; 
Scheins a. a. 0. Taf. XXII, Fig. 2. 

e. Vergoldeter Kelchfuss, tragt ein modernes 
Ciborium, hoch 26 Centimeter, friih 16. Jahr- 
hundert. Eigenthiimer: Herr Lieutenant 
Gimbel in Baden-Baden. 

f. Siegelstempel. Eigenthiimer: Das Miinster zu 
Aachen. 

Vgl. Bock a. a. 0. S. 109 mit Abbildung. Nach- 
weis der Stempelung bei Beissel in der Zeitschrift fur 
christliche Kunst IV, Sp. 379. 



wie Nr. 53 



wie Nr. ? 



65 wieNr. 54 



9 



Vergoldeter gravirter Kelch mitRenovations- 
Inschrift von 1551, hoch 18 Centimeter. 
Eigenthiimer: Die Pfarrkirche von St. An- 
dreas in Koln. 



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Die Aachener Goldschmiede, ihre Arbeiten und ihre Merkzeichen. 95 



Nr. 



Bescliau- 
zeichon 



Meister- 
zeichen 



Meister — Gegenstand — Eigenthiimer 



wie Nr. 55 



© 



67 



wie Nr. 56 



@ 



68 



wie Nr. 56 



SerpentinsteinpokalmitornamentirterFassung 

und Inschrift, lioch 47,5 Centimeter, 16. Jahr- 

lmndert. Eigenthumer: Herzoglich Curfiber- 

landsche Silberkammer in Penzig. 

Vgl. Katalog der Goldschmiede -Ausstellung zu 

Wien von 1889, Nr. 473. Galvanoplastischc Repro- 

duktion. Fraglich ob nach Aachen gehOrig. 

Weisssilberner Becher mit figuralen Gra- 
virungen, Inschriften und Wappen, hoch 
19,5 Centimeter, fruh 17. Jahrhundert. 
Eigenthumer (1892): Herr E. Koster in 
Amsterdam. 



® 



Dietrich von Rha, thatig als Meister 
von etwa 1615 bis 1624. 
Vgl. oben Nr. 32, wo er als Lehrmeister von 
Arnold KIScker genannt wird. Die nebenstehende Marke 
passt zu dem Namen, der bis jetzt nur in jener Auf- 
zeichnung nachzuweisen ist. Die Form „Rha a dttrfte 
auf eine Willkurliehkeit des Schreibers zuruckzufiihren 
sein und cher „Rah a oder „Raht a lauten. Ob ein Orts- 
name zu Grunde liege, bleibt zweifelhaft. 

Silbervergoldetes Trinkgefass, freie Nach- 
ahmung des obern Theils des 1620 errichte- 
ten Aachener Marktbrunnens mit Statuette 
Karls des Grossen, Inschrift, Wappen und 
der Jahreszahl 1624, 35 Centimeter hoch. 
Eigenthumer: Professor Hugo Loersch in 
Bonn. 
Genaue Beschreibung bei Schuren, Die Jubel- 
Huldigungsfeier der Vereinigung der Rheinlande mit 
der Krone Preussen am 15. Mai 1865 S. 57, 113. Vgl. 
Kunsthistorische Ausstellung zu Koln 1876 Nr. 785 
(wo irrthumlich Suermondt statt Quadflieg als Eigen- 
thumer genannt ist); Ausstellung der kunstgewerb- 
lichen Alterthumer in Dusseldorf 1880 Nr. 808; Rosen- 
berg, Merkzeichen Nr. 8. 



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96 



Hugo Loersch und Marc Rosenberg 



Nr. 



Beschau- 
zeichen 



Meister- 



• h n Meister — Gegenstand — Eigenthiimer 



69 



wie Nr. 57 



|j|ljATheilvergoldeter Kelch, bezeichnet 1808. Mit 
iP*l dem Wardeinstempel G, oben Nr. 60. Eigen- 

thiimer: Die Pfarrkirche Maria Hiraraelfahrt 

in Koln. 




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Beitrage zur G-eschichte der Buchdruckereien, 

des Buchhandels, der Oensur und der Zeitungspresse 

in Aachen bis zum Jahre 1816. 

Von E. Pauls. 

1. Buchdruckereien. 

Geschichtlich steht fest, dass es im Plane Gutenbergs, des 
Erfinders der Buchdruckerkunst lag, im J. 1439 gewisse Erzeug- 
nisse seiner damals noch in den Windeln liegenden Erfindung 
auf den Aachener Heiligthumsfahrt-Markt zu bringen. Guten- 
berg schloss im J. 1438 mit Hans Riffe, Vogt zu Lichtenau, und 
spater mit zwei andern Mannern, Dritzehn und Andreas Heil- 
mann, einen Vertrag ab zur Ausubung einer geheimen Kunst, 
mit deren Erzeugnissen sie gemeinschaftlich die Wallfahrtsmesse 
zu Aachen im nachstfolgenden Jahre besuchen wollten. Der 
Vertrag endigte mit einem langern Prozesse, dessen Akten 
erhalten sind. Es ist nicht ermittelt, ob Gutenberg im J. 1439 
Aachen besucht, oder ob damals die Gesellschaft dort geschaft- 
lich verkehrt hat. Die Erzeugnisse, uber welche genauere 
Angaben mangeln, werden in den Akten „Spiegel tt genannt. 
Dritzehn erklarte: „ich bin Spiegelmacher", und an einer andern 
Stelle heisst es: „ Gutenberg Andres Dritzehn zu einein dritten 
teil wolte nemen in die Ocher heiltums vart zu den spiegeln 1 ." 
Wahrscheinlich handelte es sich um Bilder der Aachener Reli- 
quien mit erlauterndem Text 2 , welcher den friiher schon in 



x ) Falkenstein, Geschichte der Buchdruckerkunst 1840, S. 95 ff. und 
S. 102. — Vgl. auch A. von derLinde, Geschichte der Erfindung der 
Buchdruckkunst III, S. 751 ff. 

2 ) Im J. 1706 beschloss der Aachener Rath, anstatt der gewohnlichen 
Spiegel, welche bei der Heiligthumsfahrt den Rathsmitgliedern geschenkt 
wurden, Geld zu geben (Quix, Wochenblatt fur Aachen und Umgegend 1838, 
Nr. 21, S. 84). 

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98 E. Pauls 

Aachen gebrauchlichen „Spiegeln und Zeichen" selbstredend 
fehlte K 

Schon bald nach der Erfindung der Buchdruckerkunst kommen 
Drucker aus Aachen und seiner n&chsten Umgebung vor 2 . Der 
Aachener Johann Limburg, erster Besitzer der unter seinem 
Nachfolger, dem Mathematiker, Dichter und Musiker Dietrich 
Tzwyvel aus Zweifall bei Aachen so bedeutenden Miinsterschen 
Druckerei 3 , vollendete am 29. Juli 1486 den Druck der Carmina 
Rodolphi Langii 4 . Im 16. Jahrhundert werden Arnt und Johann 
von Aachen (Aich) als Kolner, Henricus Aquensis als Wtirzburger 
Buchdrucker genannt 5 . Hochst wahrscheinlich bestanden Drucke- 
reien in Aachen, wenn auch nur vortibergehend, bereits in der 
ersten Halfte des 16. Jahrhunderts. Vielfach gab es namlich 
damals in Deutschland Privat- und Klosterdruckereien, denen 
in der Eegel nur ein kurzes Dasein beschieden war, weil sie 
auf einen geschaftlichen Betrieb der neuen Kunst verzichteten 6 . 
Als erstes in Aachen gedrucktes Werk gilt bis jetzt eine nieder- 
deutsche Uebersetzung des neuen Testaments auf 479 Duodez- 
Blattern unter dem Titel: Het nieuwe Testament. Gedruckt in 
die Keyserlycke vrye Rickx Stadt ende Conincklycke Stoel Aken 
by my Hans de Braker Anno Domini MDLXXIII Jaer Den 
19. dach van Januarij 7 . 

Ein franzosisches Handbuch 8 macht auf Schriftproben auf- 
merksam, welche anscheinend vom Antwerpener Jakob Houthusius 
im J. 1591 zu Aachen gedruckt wurden; gleichzeitig wird Johann 



J ) Annalen des hist. Vereins f. d. Niederrhein VIII, S. 167 zum Jahre 1431. 

2 ) Die in diesem Aufsatze enthaltenen umfangreichen Ausziige aus den 
Bestanden des Aachener Stadtarchivs sind mir durch Herrn Archivar Pick 
glitigst Iibermittelt worden; nianche selten gewordenen Zeitschriften wurden 
mir durch das Entgegenkommen der Stadtbibliotheken zu Aachen und Koln, 
sowie der Koniglichen Universitatsbibliothek zu Bonn zuganglich. Allseitig 
aufrichtigen Dank! 

s ) Zeitschrift des Aachener Geschichts vereins VI, S. 296; Annalen des 
hist. Vereins f. d. Niederrhein XXVI, S. 400 ff. 

4 ) Echo der Gegenwart vom 31. Juli 1886, erstes Blatt; Falkenstein 
a. a. 0. S. 197. 

6 ) Annalen des hist. Vereins f. d. Niederrhein XIX, S. 67 u. 68; XXX, 
S. 11, Anm. 1; VI, S. 201. 

6 ) Zahlreiche Beispiele bei Falkenstein a. a. 0. S. 349 if. 

7 ) Quix a. a. 0. 1837, Nr. 118, S 472. Die Uebersetzung befindet sich 
in der Stadtbibliothek zu Aachen und fehlt derselben jetzt das Titelblatt. 

8 ) Brunet, Manuel da libraire, Supplement p. 87. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 99 

Schwuartzenbach als einer der ersten Drucker zu Aachen bezeich- 
net 1 . Die Drucker der nach Haagen 2 zu Ende des 16. Jalu> 
hunderts in Aachen verbreitet gewesenen Badeschriften sind 
nicht ermittelt. 

Mindestens seit 1620 kommen in Aachen stadtische Buch- 
drucker vor und zwar zunachst Heinrich Hulting, Mitglied der 
hoch angesehenen Gesellschaft vom Bock 3 . Hulting druckte 
ausser der bekannten Chronik Peter a Beeck's unter anderm 
mehrere Schuldramen, sog. Heiligthumsfahrtsbuchlein, die Aache- 
ner Polizei-Ordnung (1650) und im J. 1643 eine Leichenpredigt 
auf den in der Schlacht bei Leipzig am 2. November 1642 
gefallenen Joh. Werner von Huin, Freiherrn zu Amstenrath und 
Letzten seines Stammes 4 . Hultings Todesjahr ist nicht bekannt. 

Im J. 1663 ertheilte der Eath Johann von Wollschatten 
das Biirgerrecht und nahm ihn zum stadtischen Buchdrucker 
an, indem er ihm gleichzeitig fur zwei Jahre „Wachtfreiheit a 
nebst „absoluter Freiheit von burgerlicher Servitz" in Aussicht 
stellte 5 . 

Es scheint, dass Johann von Wollschatten trotz dieser Ver- 
gunstigungen entweder gar nicht, oder doch nur sehr kurze 
Zeit hindurch in Aachen als Buchdrucker thatig war. Zwei 
, Eathsbeschlusse des Jahres 1664 iibertragen an Anton Metternich 6 
das Amt eines stadtischen Buchdruckers und bewilligen demselben 
beziiglich des Drucks der Heiligthumsfahrtsbuchlein — 1664 
war ein Heiligthumsfahrtsjahr — besondere, bald nachher aber 
arg geschmalerte Vorrechte 7 . Anton Metternich wird urkund- 

*) Aus Aachens Vorzeit II, S. 61. 

2 ) Haagen, Geschichte Achens II, S. 203. 

a ) Ma ceo, Aachener Patrizierfamilien II, S. 161, Sp. I u. II. 

4 ) Vgl. Anhang I, Drucke aus der Zeit von 1616—1729, Nr. 4. 

5 ) Rathsprotokoll vom 7. Juni 1663 : „Dem supplicirenden Johanssen von 
Wollschatten hat ein ehrb. rath (dafern derselb der romisch catholischer 
religion zugethan) zu diesser statt burgeren und buchdruckeren auff- und 
angenohmen." Rathsprotokoll vom 19. Juli 1663: „Dem supplicirenden Johanssen 
von WoUschatten, buchtruckeren, hatt ein ehrb. rath, wan sich derselb alhie 
mit der wohnung niederschlagen wurde, zwey jhar wachtfrey gesprochen, 
dessgleichen auch von der burgerlicher servitz absolute befreyet." 

6 ) Vielleicht aus Koln ; 27 Jahre spater verlegte Arnold Metternich von 
Koln nach Aachen eine Buchhandlung und Druckerei ; vgl. Annalen des hist. 
Vereins f. d. Niederrhein XXX, S. 5 und unten S. 101, Anm. 1. 

7 ) Rathsprotokoll vom 12. Februar 1664: „Auf abermaliges suppliciren 
Anthonij Metternichs buchtruckers hatt ein ehrbar raht denselben in die 

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100 E. Pauls 

lich zu Anfang des Jahres 1673 als verstorben bezeichnet 1 ; er 
erhielt erst im J. 1680 in der Person des (Kolners?) Johann 
Heinrich Clemens einen Nachfolger 2 . 

Soweit es sich iibersehen lasst, war Clemens der einzige 
stadtische Buchdrucker, welcher sich den Titel urbis typogra- 
phus iuratus beilegte 3 ; die Nachfolger im 17. Jahrhundert nennen 



zahl seiner burgeren gratis ufgenohmen und vergunstigt, das zwey jahr lang 
wachtfrey gelassen und seine kunst alhie exerciren mogen solle." Rathsproto- 
koll vom 29. Mai 1664: „Dem supplicirenden dieser statt buchtruckeren 
Anthonio Metternich hat e. e. rant vergunstigt, das die ahngebene heilig- 
thumbsbuechere soil trucken mogen mit dem privilegio, das ausser denen, so 
derselbe trucken wirt, keine andere dergleichen sub poena arbitraria alhie 
verkauft werden sollen." Rathsprotokoll vom 17. Juni 1664: „Als Johan von 
Wersch und Johan Decker geschwagere supplicando angehalten, ihnen zu 
erlauben, damit sie die vor zweyen monatten von ihnen zu trucken bestellte 
2000 exemplaria der heiligthumbs buecherlin alhie in der statt mogen ver- 
kauffen, der buechtrucker Anthon Metternich aber dargegen sich bey erlangter 
uberkomst zu handhaben gebetten, so wird zwar ihnen von Wersch und Decker 
vergunstigt, dieselbe 2000 exemplaria, aber vorbass keine dergleichen mehr 
sub poena arbitraria hieselbst zu verkauffen, der Metternich aber sonsten bey 
wolbemelter rahts uberkomst manuteniret." 

2 ) Rathsprotokoll vom 12. Januar 1673: „Ahn statt der voriahren auss- 
getheilter Almanachen, so bey lebzeitteu des buchtruckers Metternich S. den 
sambttlichen herren und rathss verwandten zu geschehen brauchlich gewesen, 
sollen jedtwedem eine presentz gegeben werden biss uff anderwertige e. e. 
rahtss verordtnung. a 

Vorjahren heisst vielleicht „im vorigen Jahre". Demnach ware A. Metter- 
nich im J. 1672 gestorben. Ein von ihm zum Jahre 1671 gedrucktes Werk ver- 
zeichnet Fromm (Literatur iiber die Thermen von Aachen S. 2, Nr. 4). Im 
Katalog der im J. 1872 versteigerten Bibliothek des Dr. J. Muller zu Aachen 
war ein zu Aachen angeblich im J. 1611 typis Arnoldi Metternich gedrucktes 
Werk: Honorius Papa vindicatus salva integritate concilii VI., angezeigt. 
Jedenfalls liegt wohl ein Druckfehler vor und ist 1671 zu lesen. 

2 ) Rathsprotokolle vom 13. Juni und 26. September 1680; Clemens 
erhielt dieselben Vergunstigungen, welche Metternich gehabt hatte, zuerkannt. 
Dieser Hinweis auf Metternich im Rathsprotokolle beweist, dass zwischen 
1673 und 1680 Aachen keinen stadtischen Buchdrucker hatte. Ueber cinen 
Buchdrucker des Namens Clemens in Koln vgl. Annalen des hist. Vereins f. 
d. Niederrhein XXXVI, S. 13. 

3 ) Auf dem Titel der Blondelschen Schrift des Jahres 1682 (Fromm 
a. a. 0. S. 4, Nr. 7, Anm.) : typographus ordinarius et iuratus ; auf dem Titel 
des bekanntern Werkes von Blondel senior (Fromm a. a. 0. S. 5, Nr. 10) 
nur: typographus iuratus. Eine Eidesformel fur stadtische Buchdrucker fehlt 
unter den Eidesformeln fiir Beamte im Stadtarchiv zu Aachen. Ueber einen 
typographus iuratus in Kbln vgl. Annalen des hist. Vereins f. d. Nieder- 
rhein XXXVI, S. 14. 



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Beitrage zur Gesehichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 101 

sich „stadtischer" oder „wohlverordneter stadtischer Buch- 
drucker". Im J. 1691 verlegte Arnold Metternich eine Buch- 
handlung und Druckerei von Koln nach Aachen 1 und war dort 
noch im Jahre 1717 thatig 2 . Nach dem Wortlaut des Raths- 
protokolls vom 30. Oktober 1691 zu schliessen, bestand das 
Hauptgeschaft in der Ftthrung der Buchhandlung, wahrend die 
Druckerei erst an zweiter Stelle in Betracht kam. Das „nebst 
der anseinder 44 kann wohl nur heissen, dass Metternichs Druckerei 
neben der von Clemens geleiteten stadtischen Druckerei geduldet 
wurde. Der Ausgang eines Prozesses 3 , welchen im J. 1697 die 
Kramerzunft gegen Metternich wegen des Verkaufs franzosischer 
Bticher fiihrte, ist bis jetzt aus den Akten nicht ermittelt. 

Als im J. 1729 die Aachener Zeitung in's Lebfcn trat, mag 
das Bediirfniss der Anstellung eines stadtischen Buchdruckers 
in dringenderer Form nochmals sich geltend gemacht haben. In 
der altesten Nummer der Aachener Zeitung, welche wir kennen 
(26. Juli 1738), nennt sich Johann Egidius Konstantin Miiller 
„Stadt-Buchdrucker a ; von 1745 — 1784 ebenso Johann Wilhelm 
Ferdinand Mtiller 4 , und selbst noch wahrend der Fremdherrschaft 
hiess die seit 1784 von Johanna Mtiller gefuhrte Mullersche 
Buchdruckerei „imprimerie de la ville a im Titel der Allgemeinen 
Zeitung des Jahres 1808 und anderweitig. Die stadtische Buch- 



*) Bathsprotokoll vom 30. Oktober 1691: „Der supplicirender Arnold 
Metternich wirt zum Buchhandel und laden mit der gnadt und freyheit uff 
und angenohmen, dass keiner neben ihn den buchhandel and laden uffschlagen 
moge, iedoch dass der kramer zunfft und denen anwesenden buchbinderen die 
bett- und andere kleine bucher zu verkauffen hierdurch nicht benohmen, der 
supplicaus alle und jede bucher in einen civilen preiss zu verkauflfen gehalten 
sein solle. Dan wirt dem supplicanten erlaubet, dass eine druckereij hieselbst 
nebst der anseinder auffrichten mbge mit der freyheit und gnadt, dass nie- 
mandt die bucher, welche seines verlags unci druck seyn, ihm nachdrucken 
und zu unserer statt unter confiscation derenselben hineintragen solle, ess 
ware dan sach, dass mit Kayserlichen privilegio versehen were." 

2 ) Quix a. a. 0. 1837, S. 472. Wahrscheinlich kannte Quix die im J. 1717 
bei Arnold Metternich, Buchftihrer in Aachen, gedruckte Relation iiber die 
Huldigungsfeier zu Ehren Karls VI. Unmittelbar vor Schluss des Drucks 
erhalte ich Kenntniss eines im J. 1719 „by Arnoud Metternich, Boeckverkooper 
tot Aecken" gedruckten Urtheils. 

8 ) Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins X, S. 68. 

4 ) Die Familie Mtiller soil nach einer amtlich im J. 1810 abgegebenen 
Erkl&rung (Aachener Stadtarchiv) schoD seit etwa 1680 im Besitze einer 
Druckpresse gewesen sein; sie hat dieselbe aber schwerlich vor dem Tode 
Arnold Metternichs in Aachen benutzt. 



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102 E. Pauls 

druckerei lag an der Stelle des heutigen Kurhauses, der sog. 
neuen Eedoute \ Ihr Vorsteher hatte das Vorrecht, die Aachener 
Zeitung, die Aachener Fremdenliste, Trauer- und Todten-, 
Komodien- und Ballzettel, Visit- und Adresskarten zu drucken 2 , 
und nur die aus seiner Presse hervorgegangene Aachener Zeitung 
war zur Aufnahme von Anzeigen befugt 3 . Dennoch blieb die 
Lage bis in's letzte Drittel des vorigen Jahrhunderts hinein 
eine gednickte. Im literarisch unfruchtbaren Aachen mangelte 
es dem Buchdrucker an Arbeit 4 . Hochst bezeichnend in diesem 
Sinne ist eine an den Eath im Juli 1761 gerichtete Eingabe. 
Muller bittet darin um Erlass der Miethe (Hausheuer) fur die 
auf den Bogen an der Promenade gelegenen und fast nur im 
Sommer bewohnbaren Zimmer. „Es ist bekannt," so heisst es 
wortlich, „wie nemlich die Buchdruckerarbeit so gering, dass 
sie kaum zur Anschaflfung des Nothigsten hinlanglich, und der- 
halben noch niemal ein Buchdrucker hier lang subsistiren konnen, 
wie die Exempel meiner Vorganger Metternich und Clemens an 
Tage geben. Bitte um sothane, die hiesige Druckerei einzig 
und allein noch haltende Gnade 5 ." 

Nach 1785 bis zum Ende der Fremdherrschaft entstanden in 
Aachen mehrere Druckereien. Schon im J. 1747 hatten Bernard 
und Leopold van Dort linter prahlerischen Ankiindigungen ver- 
sucht, in Aachen eine zweite Druckerei zu grtinden. Sie ver- 
sprachen, an zwei Pressen vier Gesellen zu beschaftigen und 
wochentlich zwei deutsche und zwei franzosische Zeitungen 
herauszugeben, wurden aber sehr bald wegen verschiedener 
verubter Betrugereien gefanglich eingezogen 6 . Die Buchhandler 
St. Aubin (Vater und Sohn) eroffneten im Sommer des Jahres 

*) Vielfach erwahnt und besonders hervorgehoben bei der Gutenberg- 
Feier am 25. Juli 1840 im Saale des Kurbauses. 
*) Vgl. S. 103, Anm. 2. 

3 ) Vgl. S. 126. Wahrend der Fremdberrschaft gingen alle Vorrechte 
verloren. 

4 ) Zeitsehrift des Aachener Geschichtsvereins III, S. 177 ff. Nach Gol- 
bery besass im J. 1811 weder die Prafektur, noch die Munizipalitat, noch 
die h6here Schule in Aachen eine Bibliothek. Ganz anders in Koln, wo 
bereits im Zeitalter der Wiegendrucke 21 Buchdruckereien errichtet wurden. 

5 ) Muller erhielt am 17. Juli 1761 weitere freie Wohnung auf drei 
Jahre. BeamtenprotokoUe 1745 — 1777. 

6 ) v. Ftlrth, Aachener Patrizierfamilien III, S. 124, 171, 180. 



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Beit rage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Btichhandels etc. 103 

1783 in der Komphausbadstrasse zu Aachen ein Lesekabinett *. 
Drei Jahre nachher gestattete der Rath der St. Aubinschen 
Buchhandlung die „Aufrichtung einer franzosischen Druckerei *", 
schlug aber ein bald nachher von derselben eingereichtes G-esuch 
um die Erlaubniss zur Herausgabe einer Fremdenliste unter 
Hinweis auf das Vorrecht des stadtischen Buchdruckers ab 3 . 
Wie Quix berichtet 4 , erhielt Quirin Schafer im J. 1786 die 
Erlaubniss zur Errichtung einer Druckerei. In den Raths- und 
Beamtenprotokollen geschieht nur des von Q. Schafer gestellten 
Antrags Erwahnung 5 , dessen Genehmigung indess unzweifelhaft 
erfolgte, weil noch vor 1790 die Schafersche Buchdruckerei oft 
genannt wird 6 . 

Die Fremdherrschaft brachte Aachen zunachst die vom 
furchtbaren Danton und Lacroix angelegte Fabrik falscher 
Assignate 7 . Spater druckte Johann Dreysse auf dem Biichel 
den „ Brutus" von Biergans und den Anzeiger des Ruhrdepar- 
teraents, welcher nach kurzem Bestehen statt bei Dreysse in 
der Simon Euhnenschen Buchdruckerei zur Ausgabe kam 8 . Joh. 
Wilh. Beaufort errichtete im J. 1794 oder 1797 in Aachen eine 



*) Aachener Zeitung vom 1 Juni 1783. Irrig bezeiehnet v. Reumont 
(Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins II, S. 36) das Jahr 1784 als das 
der Eroffnung. 

2 ) Beamtenprotokoll vom 19. Mai 1786: „Dem supplicirenden St. Aubin 
pere wirdt die nachgesuchte erlaubnus einer aufzurichtenden franzosischen 
druckerey salva ratificatione amplissimi senatus hochgunstig verwilliget, der- 
gestalt jedoch dass: erstens derselbe vom abdruek der trauer- undt todten-, 
comedien- undt ballzettulen, visit- und addresskarthen, forth der frembden- 
listen, alss welche dem buchdrucker Muller nebst der deutschen zeitung 
vorbehalten bleiben, sich gantzlich zu enthalten, sodann zweitens, so offt er 
etwas, es bestehe in grossen als kleinen, abzudrucken vorhabens, darab denen 
zeithlich wohlregierenden herren burgermeister allemahl vorlaufig die anzeige 
zu thuen undt wohlderenselben weissung sich immer ganz genau undt zwar 
unter verlust der ihme hiebei gestatteten druckerlaubnus zu fugen, forth uber- 
haupt den reichsgesatzlichen vorschrifften strenge nachzuleben schuldig seyn." 

Ueber eine franzosische Buchdruckerei zu Aachen vgl. Schilderung der 
Stadt Aachen; aus dem Franzosischen tibersetzt. 1787, S. 198. 

3 ) Rathsprotokoll vom 2. Juni 1786. 

4 ) Quix a. a. 0. S. 473. 

5 ) RathsprotokoU vom 7. Januar 1786 ; Beamtenprotokoll vom 19. Mai 1786. 

6 ) Seit 1790 wurde in derselben der von Dautzenberg herausgegebene 
Politische Merkur gedruckt. 

7 ) Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins XI, S. 78. 

8 ) Wird so an verschiedenen Stellen dieser Zeitschriften angegeben, 



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104 E. Pauls 

Druckerei 1 . Die Druckereien von Dreysse und Kuhnen kommen 
in spateren Verzeichnissen nicht mehr vor. Wahrscheinlich ging 
eine derselben an den Drucker Schiffers iiber, in dessen Offizin 
eine von Leisten herausgegebene politische Zeitung gedruckt 
wurde. Schiffers verkaufte seine Presse im J. 1802 an N. Bovard 2 , 
den nachmaligen Herausgeber mehrerer Aachener Anzeigeblatter. 

Zu Anfang des Jahres 1800 bedienten sich die vier in 
Aachen erscheinenden Zeitungen folgender Druckereien: 

Aachner Zuschauer der Druckerei von Offermanns; 

Aachener Merkur der Druckerei von Vliex; 

Aachener Staats-, Krieg- und gelehrte Sachen der Druckerei 
von Schiffers; 

Aachener Zeitung der Druckerei von Miiller 3 . 
Offermanns war nach dem Ausscheiden Franz Dautzenbergs 
im J. 1798 Redakteur und Drucker des Aachner Zuschauers 
geworden. Von seiner Wittwe kaufte spater Franz Gall, Direktor 
der Ecole secondaire, eine Presse und errichtete nach Anschaf- 
fung einer zweiten Presse auf dem Augustinerbach 741 1 j 2 B eine 
eigene Druckerei zur Herausgabe der Allgemeinen Zeitung 4 . 
Etwas anders und beziiglich der Namen genauer ist ein Zeitungs- 
und Druckerverzeichniss aus dem Jahre 1802. Nach demselben 
druckte Wittwe Joh. Jos. Offermanns den Aachner Zuschauer; 
Thomas Vliex den Aachener Merkur; N. Bovard den Postilion 
der Euhr und Fraulein Miiller die Stadt- Aachener Zeitung 5 . 
Beaufort nennt sich auf Biichertiteln im J. 1804 Buchdrucker 
der Prafektur und des Bisthums, spater bezeichnet Vliex sich 
als bischoflichen Drucker. Einem Berichte des Maire Cornel 
von Guaita vom 12. Marz 1810 sind nachstehende Einzelheiten 
entnommen : 



*) Aachener Stadtarchiv; die Angabe der Jahreszahl schwankt zwischen 
1794 und 1797. 

2 ) Aachener Stadtarchiv. 

s ) Ebendaselbst; Vornamen fehlen. 

4 ) Aachener Stadtarchiv und Angabe der Allgemeinen Zeitung, welche 
bis zum 20. September 1809 in der Miillerschen Buchdruckerei gedruckt 
worden war. 

6 ) Kantzeler in der Beilage zum Aachener Anzeiger 1873, Nr. 99 
vom 27. April; Kantzeler erwahnt am Schlusse seines Aufsatzes der 1813 
erfolgten Entsiegelung der Crellschen Druckerei. .Eine Druckerei von Crell 
finde ich sonst nicht erwahnt. Vgl. Anhang IV. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, dos Buchhandels etc. 105 

1. Muller, Johanna, Burtscheiderstrasse 1148B, mit 1 Presse 
und 1 Arbeiter. Drucker seit 1784; 

2. Vliex, Thomas, Kolnstrasse 1005 A, mit 2 Pressen und 
5 Arbeitern. Drucker seit 1793; 

3. Beaufort, Joh. Wilh., Peterstrasse 596 A, mit 3 Pressen 
und 8 Arbeitern. Drucker seit 1797; 

4. Bovard, Joh. Jak., Sandkaulstrasse 272 A, mit 2 Pressen 
und 5 Arbeitern. Drucker seit 1802; 

5. Gall, Franz, Sekondairschule, mit 2 Pressen und 5 
Arbeitern. Drucker seit September 1809. 

Dem Berichte liegen die Antworten auf sieben jedem Betheiligten 
vorgelegte Fragen bei. Gefragt wurde nach Namen, Wohnort, 
Beginn der Thatigkeit als Drucker, Erwerbung der Druckpressen, 
Zahl der Pressen und Art der Typen, Erzeugnissen der Druckerei 
und Verkauf der Erzeugnisse. 

Aus der Beantwortung ergab sich, dass die Beaufortsche 
Druckerei bei weitem die bedeutendste war. Sie hatte alle Typen 
der deutschen und franzosischen Schrift 1 und arbeitete fiir die 
Prafektur und sehr viele andere Behorden. Als Buchhandler 
bezeichnete sich J. J. Bovard, wahrend Beaufort erklarte, nur 
die bei ihm gedruckten Bucher zu verkaufen; alle anderen 
Druckereibesitzer verkauften keine Bucher. Am Schlusse des 
Berichts 2 lobt der Maire die politische Gesinnung der Drucker, 
welche er alle fiir genugend fachmannisch gebildet halt 3 . 

Nach den damaligen Bestimmungen erhielten die Buchdrucker 
Patente zum Preise von 25 Francs fiir das Stuck auf Pergament 
ausgefertigt 4 . Durch Beschluss des Ministers des Innern vom 
9. Juli 1811 wurden als „erbliche tt Drucker zu Aachen bestatigt: 
Th. Vliex, W. Beaufort und J. J. Bovard; nach ihrem Tode 
sollte nicht mehr ersetzt werden: Johanna Miiller; fiir nicht 
konzessionirt wurde der von Aachen verzogene Direktor Gall 
erklart 5 . Erwahnt sei noch, dass im sog. Aachener Eeich nur 
Aachen Druckereien besass. In den Streitigkeiten zwischen 

*) II ne manque pas aucun caractere tant en Alleniagne (!) qu'en francaise. 

2 ) Original im Aachener Stadtarchiv. 

3 ) II paroissent avoir tous la capacite requise pour cette profession; 
einige Notizen iiber die Leistungen der Buchdruckereien in Aachen und im 
Roer-Departement im Journal de la Roer 1811, Nr. 194 vom 16. August. 

4 ) Journal de la Roer 1811, Nr. 38 vom 13. Februar. 

5 ) Kantzeler a. a. 0. Ich behalte Kantzelers Ausdruck „erblicher 
Drucker" in Ermanglung des Wortlautes des Ministerialbeschlusses bei. 



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106 E. Pauls 

Aachen unci Burtscheid im 17. Jahrhundert ist zwar mehrfach 
die Rede von einer eisernen Presse, welche die Aachener mit 
Beschlag belegten und spelter zuriickgeben mussten \ Es handelte 
sich indess hierbei nicht urn eine Druck-, sondern um eine Tuch- 
scheererpresse 2 . 

Sieben Jahre nach der Fremdherrschaft lauteten die Namen 
der Aachener Drucker: Beaufort, Bovard, Hamel & Cie., Muller, 
Schiffers, Urlichs und Vliex 3 . Und gelegentlich der Gutenberg- 
Feier zu Aachen im J. 1840 konnte ein Festredner stolz darauf 
hinweisen, dass in der alten Kaiserstadt raehr als zwanzig 
Pressen reichliche Beschaftigung fanden und dass jetzt dort in 
einer Woche mehr gedruckt werde, als vor zwei Menschenaltern 
in einem Jahre 4 . 

2. Buchhandel. 

Die ersten Buchdrucker suchten Messen und Jahrmarkte 
auf, brachten aber nur ihre eigenen Erzeugnisse in den Handel. 
Die eigentlichen Vertreiber der Literatur nannten sich Buch- 
ftihrer. Die Bezeichnung Buchhandler tritt allgemein erst spater 
auf, nachdem die Entwickelung des Biicherverkehrs den Handel 
im Umherziehen ziemlich untergeordnet erscheinen liess und die 
Geschafte der Buchftihrer Zweiggeschafte (Filialen) der Buch- 
handlungen geworden waren. 

Fiir Aachen und seine nachste Umgebung ist es unmoglich, 
soweit die reichsstadtische Zeit in Betracht kommt, zwischen 
Buchfiihrern und Buchhandlern genau zu unterscheiden. Die 
Julich-Bergische Polizeiordnung des Jahres 1554 kennt nur 
Buchdrucker, Verkaufer und Ftihrer, welche Schriften und Ab- 
bildungen (Gemeels) „feilhalten, verkaufen und zubringen a . Einen 
Aachener Buchftihrer des Namens Dietherich Gediildig nennt 
Noppius zum Jahre 1574 5 . Gediildig hatte die fiir Aachen damals 
gliltige, in Koln gedruckte Vormundschaftsordnung in Verlag 



') v. Fttrth a. a. 0. I, S. 198 der letzten Abtheilung. 

2 ) Kammer-Gerichts-Urtheil vom 31. Oktober 1684, gedruckt im J. 1775 
in der bekannten Schrift betreffend Aacbens Territorial-Hoheit liber Burtscheid; 
vgl. aucb Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins X, S. 42. 

s ) Vornamen und Strassen in Abns Jahrbuch fiir den Eegierungsbezirk 
Aachen 1822, und im Departements-Kalender von Aachen 1822. 

*) Festschrift zur Erinnerung an die Gutenbergs-Feier zu Aachen 1840, 
S. 23. 

5 ) Noppius, Aacher Chronik 1632, III, S. 122. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 107 

(Verlegung). Mit Bestimmtheit darf aus dieser vereinzelten Notiz 
geschlossen werden, dass lange bevor Aachen einen stadtischen 
Buchdrucker besass, die wichtigeren gesetzlichen Bestimmungen 
in Sonderabdrucken dort von Buchfiihrern feil gehalten wurden. 
Der Selbstverlag war bei uns seit jeher sehr gebrauchlich. Die 
Chronik von Noppius wurde im J. 1632 auswarts gedruckt und 
erschien „in Verlegung des Authors 44 , ebenso Carliers im J. 1719 
herausgegebenes Eechenbuch 1 und desgleichen das erste Buch 
der bekannten „Aachenschen G-eschichten 44 von K. F. Meyer. 
H. Hulting, der Drucker der Beeckschen Chronik, nennt sich an 
verschiedenen Stellen bibliopola 2 , woraus hervorgehen diirfte, 
dass die bei ihm gedruckten Schriften auch bei ihm kauflich 
waren. Fiir Aachen kann man bibliopola ebensowohl mit Buch- 
fiihrer als mit Buchhandler tibersetzen, weil dort beide Bezeich- 
nungen haufig derselben Person beigelegt werden. So erhielt 
Arn. Metternich im J. 1691 „die Gnadt und Freyheit zum 
Buchhandel 8 und Laden 44 , nennt sich selbst aber noch im J. 1717 
„ Buchfiihrer" 4 . Im J. 1715 ordnete der Rath „eine Examinirung 
des Ladens des Buchhandlers Demen 5 und der Laden anderer 
Buchfiihrer 44 an; Heinrich Dullje bezeichnet sich in mehreren 
Anzeigen in der Aachener Zeitung aus den Jahren 1778—1787 
bald als Buchfiihrer, bald als Buchhandler und Verleger, und 
gleichzeitig zeigt sich W. Duel haufig als Buchbinder und Buch- 
handler an, indem er erklart, mit der Imhofschen Buchhandlung 
zu Koln in Verbindung zu stehen 6 . Ein Buchhandler Joseph 
Dullje kommt in einer Anzeige aus dem Jahre 1798 vor 7 . 

Es halt nicht schwer, die Entwickelung des Handels mit 
Biichern in Aachen bis zum Ende der Fremdherrschaft zu ver- 

*) Quix in seinem Aufsatze iiber das gelehrte Aachen. Rheinische 
Flora 1825. 

2 ) Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins XIII, S. 176 und 179. 

s ) Vgl. oben S. 101. 

4 ) Vgl. oben S. 101, Anm. 2. 

6 ) RathsprotokoU vom 15. Oktober 1715: „Weilen auch referirt worden, 
dass bey den buchhandelern Demen allerhandt unzulassige bucher verkaufft 
werden, so seindt zu examinirung deren in seiner und anderer buchfiihrer 
laden und hauss erfindlicher bucher deputirt herr scheffen de Witte, herr 
scheffen von Dussel, herr newman und capitain Scholl sambt dem rathssecre- 
tario." (Demen wird sonst in den Protokollen der Jahre 1714 und 1715 nicht 
erw&hnt.) 

6 ) Aachener Zeitung 1783 vom 18. Oktober und 24. Dezember. 

7 ) Aachener Zeitung vom 2. Messidor 6. Jahrs (1798, Juni 20). 



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108 E. Pauls 

folgen. Aachens Buchdrucker, Buchftihrer (Buchhandler) und 
Buchbinder haben ihrer sehr geringen Zahl wegen niemals eine 
eigene Zunft gebildet und hatten deshalb weder genau bestimmte 
Rechte noch Pflichten. Wie bereits erwahnt, gab es schon im 
1 6. Jahrhundert in Aachen Buchftihrer, welche auswarts gedruckte 
Schriften von allgemeinem Interesse verkauften. Und vielfach 
vorkommende Zeitungsanzeigen aus dem letzten Drittel des 
1 8. Jahrhunderts beweisen, dass namentlich zur Zeit der Heilig- 
thumsfahrt * von Auswarts zugezogene Buchftihrer, deren Haupt- 
absatz wohl meist in Erbauungsschriften bestand, auf offenem 
Markte ihre Laden aufschlugen. Solche „Buchhandlungen" 
kommen bekanntlich selbst heutzutage auf Jahrmarktsmessen 
noch raitunter vor! Im Ganzen war Aachens Bedarf an litera- 
rischen gedruckten Erzeugnissen verhaltnissmassig nicht sehr 
bedeutend. Derselbe wurde meist von Auswarts gedeckt, wobei 
die Vermittelung der in Aachen ansassigen Buchftihrer haufiger 
in Anspruch genommen worden sein mag. Die Kramerzunft und 
die Buchbinder hatten das Eecht, Gebetbticher und andere kleine 
Schriften zu verkaufen, doch offnete der schwer bestimmbare 
Begriff „kleine Schriften" willktirlichen Auslegungen Thtir und 
Thor. Ausserdem verkauften auch die Buchdrucker die meisten 
Erzeugnisse ihres Gewerbefleisses, — konnte unter solchen Um- 
standen von einem erfolgreich betriebenen Buchhandel in Aachen 
die Rede sein? Gar bald gerieth der im J. 1691 privilegirte 
Buchhandler Metternich mit der Kramerzunft in Prozess, aber 
welches immer auch der Ausgang gewesen sein mag, Metternichs 
Lage blieb eine gedrtickte 2 . Lange nach Metternichs Tode 
versuchte im J. 1769 der Buchhandler und Buchbinder Wilhelm 
Houben 3 in der Kolnerstrasse, gegentiber den Franziskanern im 
Konig David, eine deutsche Buchhandlung zu errichten. In einer 

2 ) Um dieselbe Zeit fand ein schwunghafter Handel mit sog. Heilig- 
thumsfahrtsbtichlein statt. Vgl. oben S. 99 und ferner folgenden Wortlaut 
des Rathsprotokolls vom 14. Februar 1727: „Den supplicirenden Johannen 
Houben thut ein er. hochweiser rath dahier privilegijren, dass nieniand sub 
poena confiscationis alsolches tlber hiesiges heyligthumb unter seinem nahmen 
getrucktes newes buchlein dahier solle verkauffen und verdebitiren mogen, 
mit dem beding iedoch, falls nach desselben auf der cantzeley vorgenohmene 
examination sich darin nichts contra jura magistratus befinden wurde." 

2 ) Ueber Metternichs Prozess und gedruckte Lage vergleiche oben S. 101. 

8 ) Aachener Zeitung vom 13. Oktober 1769. Nach Quix (Wochenblatt 
a. a. 0.) wurde Houben am 14. November 1774 als Buchhandler konzessionirt. 
Hier liegt ein Irrthum oder ein Druckfehler vor. Naheres ist nicht ermittelt. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 109 

grossen Aukiindigung empfiehlt er zunachst ein bedeutendes Reise- 
werk fur den enormen Preis von 162 Eeichsthalern (= 364 Mark), 
dann die neuesten Predigtbucher, geistliche und Betrachtungs- 
biicher, medizinische und „chirurgische tt Biicher, Historien, 
Lebensgeschichten, Romane und Varia-Biicher, item poetische 
Gedichte, Kunst- und Handwerksbiicher, ferner lateinische, 
deutsclje, franzosische und niederdeutsche Gebetbucher. Gleich- 
zeitig verspricht er, gewunschte aber nicht vorrathige Biicher 
in kurzer Zeit urn einen billigen Preis herbeizuschaiFen. Houben 
besuchte wenigstens in der ersten Zeit nach der Errichtung 
seiner Buchhandlung die Frankfurter Buchermesse; bei der Neu- 
reglung der Verhaltnisse des Buchhandlergewerbes im J. 1810 
wird seine Handlung nicht mehr erwahnt 1 . Das von der Buch- 
handlung St. Aubin im J. 1783 eroffnete literarische Kabinett 
gait langere Zeit hindurch als ein Mittelpunkt der guten Gesell- 
schaft 2 und scheint nach etwa vierzehnjahrigem Bestehen ein- 
gegangen zu sein 3 . Wahrscheinlich iibernahm es im J. 1797 
der seit 1796 in Aachen als Buchhandler ansassige DieudonnG 
Prosper La Ruelle 4 . An Lesekabinetten und Leihbibliotheken, 
welche haufig von Buchhandlern gefuhrt wurden, war in Aachen 
in den letzten dreissig Jahren vor dem Ende der Napoleonischen 
Zeit kein Mangel. Die folgende Zusammenstellung darf wohl 
kaum auf erschopfende Vollstandigkeit Anspruch machen. 

1783. St. Aubin, Buchhandler, literarisches Kabinett auf dem 
Komphausbad. „Alle (!?) periodischen Schriften von Europa; 
leihweise Lieferung aller Biicher, die man nothig hat 5 . a 

J ) Die Houbensche Buchhandlung finde ich zuletzt erwahnt im Titel des 
Sackkalenders der „freyen" Stadt Aachen fur das Jahr 1810. Im J. 1797 
hatten die Aachener Ziinfte Joh. Wilh. Houben zum Biirgeraieister der Stadt 
gewahlt (Aachener Zeitung 1797 Nr. 51 vom 23. September); wahrscheinlich 
war der Gewahlte der Buchhandler Houben. Dass Houbens Buchhandlung 
auch noch spater im besten Andenken stand, folgt aus einer Notiz im Stadt- 
Aachener Anzeiger Nr. 5 vom 10. Januar 1824, S. 18. 

2 ) Uebertriebenes Lob in „Schilderung der Stadt Aachen. Aus dem 
Franzosischen. 1787", S. 108 ff. Bemerkenswerth ist in der ErSffnungsanzeige 
(Aachener Zeitung 1783 vom 7. Juni) die Angabe, dass das Kabinett nach 
dem Vorgange von Spa und anderen Orten errichtet worden sei. 

3 ) Aachener Zuschauer 1797 Nr. 18 vom 11. Februar: Anzeige des 
gerichtlichen Verkaufs der Biicher des Cabinet litteraire, worunter wohl nur 
das St. Aubinsche zu verstehen ist. 

4 ) Haagen, Geschichte Achens II, S. 464; Aachener Stadtarchiv. 

5 ) So die Iibertriebene Angabe in „Schilderung der Stadt Aachen" a. a. 0. 
Genauere Einzelheiten in der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins II, S. 36. 



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110 E. Pauls 

1784. Jos. Kaatzer, Buchbinder auf dem Miinsterkirchhof 
am Spitzgasschen: Romane und andere Bucher zu verleihen 
(heuren) 1 . 

1794 (1793). Karl Stille, deutsche Leihbibliothek auf dem 
Kapuzinergraben 2 . 

1794. Aug. Adenaw aufdemEisen. Lesekabinett; dreizehn 
verschiedene Zeitungen 3 . 

1797. D. P. La Ruelle. Nachfolger St. Aubins im Besitze 
des Cabinet littfcraire 4 . 

1797. A. Dreysse auf dem Buchel legt taglich fiinfzehn 
verschiedene Journale zum Lesen auf 5 . 

1799. Cudell; Lesekabinett 6 . 

1800. Heinrich Giesen, Ursulinerstrasse Nr. 715. Cabinet 
de lecture: les meilleurs journaux, et gazettes franchises et 
allemandes 7 . 

1808. J. H. Schwarzenberg, Buchhandier in Kolnstrasse 
Nr. 958: Leihbibliothek 8 . 

1815. F. X. Scheins, Buchhandlung und Leihbibliothek 9 , 
Grosskolnstrasse nahe am Markte Nr. 1002. 

Am 5. Febr. 1810 10 erliess Napoleon I. scharfe Bestimmungen 
zur Neureglung der Gewerbeverhaltnisse der Buchdrucker und 
Buchhandier. Hier sei nur erwahnt, dass die Buchhandier kon- 



*) Aachener Zeitung 1784 vom 20. November. Ueber das im J. 1827 
gegrtindete Kaatzersche Leseinstitut in Aachen vgl. Quix, Wochenblatt ftir 
Aachen und Umgegend 1836, Nr. 41, S. 170. 

2 ) Vielfach erwahnt in Anzeigen aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts. 
Nach einer langen Ankftndigung in der Aachener Zeitung vom 30. Dezember 
1797 zn schliessen, fiihrte Stille ausser der Bibliothek einen Journalzirkel 
von 16 deutschen Zeitschriften ; als k&uflich bezeichnet er sein bedeutendes 
„Musik- und Landchartenlager". Das Jahr 1794 (1793) als das der Eroffnung 
der Leihbibliothek ergibt sich aus „Aachner Zuschauer" 1796, Nr. 13, S. 104. 

3 ) Aachener Zeitung 1794 vom 4. und 15. Januar. 

4 ) Vgl. oben. Nach einer Anzeige im Aachener Merkur Nr. 153 vom 
29. Fruktidor 8. Jahrs (1800, 16. September) verlegte damals Pr. Laruelle 
sein Cabinet littSraire aus der Adalbertstrasse in die alte Redoute. 

6 ) Aachener Zeitung 1797 Nr. 27 vom 1. Juli. 

°) Haagen a. a. 0.; wohl die Buchhandlung Martin CudeU & Co. 

7 ) Aachener Merkur Nr. 150 vom 22. Fruktidor 8. Jahrs (1800, 9. Sept.) 

8 ) Allgemeine Zeitung 1808 Nr. 25 vom 17. April. 

9 ) Aachener Wahrheitsfreund 1815 Nr. 24 vom 17. Februar. 

10 ) Daniels, Handbuch der Gesetze aus der Zeit der Fremdherrschaft. 
1837, V, S. 447 ff. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. Ill 

zessionirt 1 und vereidigt werden sollten (brevetes et assermen- 
tes), sowie dass die Berechtigung zum Buchhandel abhing vom 
Nachweis untadelhafter Sitten und der Anhanglichkeit an das 
Vaterland und den Kaiser. Aus dem Auslande bezogene Bucher 
unterlagen einem Eingangszoll, welcher mindestens der Halfte 
des urspriinglichen Ladenpreises gleichkam. So harte Bestim- 
mungen wirkten auf das Gewerbe sehr unglinstig ein. Das Journal 
de la Roer gab im J. 1811 eine Stockung des Buchandels offen 
zu 2 und in Bestatigung der Nachwirkung hiess es noch zehn 
Jahre spater amtlich 3 : In den ersten Jahren nach der letzten 
Regierungs-Veranderung war der Buchhandel auf dem linken 
Rheinufer hochst unbedeutend und irgend welcher Vorrath 
von deutschen Schriften gar nicht anzutreffen. Auch nach 
v. Reumont 4 lag der Buchhandel zur Zeit der Fremdherrschaft 
ganz darnieder. Theilweise beruhte die Stockung darauf, dass 
seit Allerheiligen 1811 ira Gebiete des grossen Kaiserreichs, 
jedenfalls zu Paris, ein Hauptanzeigeblatt fur den Buchhandel 
bestand, dessen ungemeine Vorrechte lahmend auf den Bucher- 
verkauf einwirkten. Alle erschienenen Schriften durften namlich 
nicht eher in der Tagespresse angezeigt werden, bevor sie nach 
Auf wand von Kosten und Miihe im Hauptanzeigeblatt zur Auf- 
nahme gelangt waren 5 . Damit wurde die Herausgabe von Bro- 
schuren und kleinern Gelegenheitsschriften fast zur Seltenheit. 
Anfangs Marz 1810 berichtete der Maire Cornelius v. Guaita 
dem Prafekten liber die Aachener Buchhandlungen folgende 
Einzelheiten 6 : Laruelle, Dieudonne Prospere, Komphausbad 434, 
Buchhandel begonnen seit 1796; Cudelle, Martin, Ursuliner- 
strasse 114, Buchhandel begonnen seit 1801; Schwartzenberg, 
Jean Martin 7 , Kolnstrasse 958, Buchhandel begonnen seit 1803. 

2 ) Spater wurde der Preis fur einen Gewerbe-Berechtigungsschein (Patent) 
auf 25 Francs festgesetzt. 

2 ) Journal de la Koer 1811, Nr. 194 vom 16. August. 

3 ) Der Regierungsbezirk Aachen wahrend der Jahre 1816—1822. Aachon 
bei Beaufort Sohn, S. 14. 

4 ) Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins III, S. 177. 

5 ) Daniels a. a. 0. V, S. 763. 

6 ) Aachener Stadtarchiv. v. Guaita fiigt folgendes Zeugniss bei: „Les 
libraires ci contre denommes jouissent d'une bonne reputation tant a l'egard 
des moeurs que pour leur capacite et rattacheraent, qu'ils portent a leur 
souverain et a la patrie." 

7 ) Heisst sonst: Johann Heinrich Schwartzenberg. Das „ Martin" ist wohl 
ein Schreibfehler. 



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112 E. Pauls 

In einem Erganzungsbericht vom 31. Marz desselben Jahres 
fugt v. Guaita tiber den Buchhandler Xaver Franz Scheins 
hinzu, dass derselbe seit vierzehn Tagen sein Geschaft eroffnet 
habe (Librairie ancienne et moderne). Scheins verkaufe franzo- 
sische und deutsche Biicher, welche er aus dem Innern Frank- 
reichs oder aus Frankfurt beziehe. 

Ein undatirter, nur wenig alterer Bericht z&hlt ausserdem 
noch den Drucker Jean Jacques Bovard zu den Buchhandlern 
und nennt die seit 1800 in Aachen bestehende Buchhandlung 
von Friedrich Wilhelm Forstmann 1 . 

Unmittelbar nach der Fremdherrschaft errichteten J. Baum- 
hauer und Cremer, ohne sich als Buchhandler in den Anzeigen 
zu bezeichnen, „infolge Verbindung mit mehreren ansehnlichen 
Buchhandlnngen eine Biicher-Niederlage", in welcher Biicher 
aus alien Faehern, Musikalien, Landkarten, Kupferstiche u. dergl. 
kauflich waren 2 . Wahrscheinlich unter Uebernahme dieses Bucher- 
lagers 3 begriindete J. A. Mayer im September 1817 zu Aachen 
die erste Buchhandlung, welche einen regelmassigen Verkehr 
mit Leipzig vermittelte 4 . Zwei Verzeichnisse 5 aus dem Ende 
des Jahres 1821 nennen als Aachener Buchhandler: Dullje, 
Du Mont-Schauberg bezw. Urlichs, Forstmann, Laruelle, Mayer, 
Schiffers, Schmitz, Schwarzenberg. 



J ) Aachener Stadtarchiv. Anscheinend hat Bovard sich nur sehr kurze 
Zeit hindurch als Buchhandler bezeichnet; Forstmann scheint zwischen 1811 
und 1814 nicht konzessionirt gewesen zu sein. Der Bericht enthalt folgende 
bemerkenswerthe Einzelheiten : a) Martin Cudel & Cie. : Librairie ancienne et 
moderne et des nouveautes, bezogen aus Frankfurt bezw. dem Innern Frank- 
reichs; b) Joh. Heinrich Schwarzenberg: seulement moderne, bezog aus Frankfurt 
bezw. dem Innern Frankreichs; c) Friedr. Wilh. Forstmann : seulement moderne 
Allemande, bezog aus Deutschland, besonders aus Frankfurt; d) D. P. Laruelle: 
francaise moderne et ancienne, bezog aus dem Innern Frankreichs. Die unter 
a — d einschliesslich genannten Buchhandler erklarten alle, fiir ihre Rechnung 
drucken zu lassen und offene Laden (en ouvrant magasin), also wohl Jeder- 
mann zugangliche Detailgeschafte zu fiihren. 

2 ) Journal des Nieder- und Mittelrheins vom 22. August 1815, 30. Sep- 
tember 1815, 12. Marz 1816. Das Bucherlager befand sich zunachst in der 
Ursulinerstrasse Nr. 1113, spater auf dem Bttchel Nr. 1024. 

3 ) Stadt-Aachener Anzeigcr vom 10. Januar 1824, S. 18, Anra. 

4 ) Zcitschrift des Aachener Geschichtsvereins III, S. 180. 

5 ) Vornamen und Wohnungen in Alms .Tahrbuch fiir den Regierungs- 
bezirk Aachen 1822 und im Departements-Kalender von Aachen 1822. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 113 

3. Censur. 

Die Censur der in Aachen erschienenen Druckschriften 
wurde zur reichsstadtischen Zeit theils durch die geistliche, 
theils durch die weltliche Behorde ausgeiibt, doch ging wahrend 
der Fremdherrschaft die Handhabung der Presspolizei fast 1 
ausschliesslich in die Hande des Staates iiber. Naturgemass 
blieb meist dem Ermessen der Aufsichtsorgane ein weiter Spiel- 
raum gelassen. Schwankend wie die Bestimmungen und deren 
Auslegung war auch der Erfolg der Rugen und Bestrafungen. 

Unzweifelhaft haben in den erbitterten Kampfen politisch- 
religioser Art wahrend des 16. und im Beginn des 17. Jahr- 
hunderts gedruckte Flugblatter haufig den Unwillen der Censur- 
behorden in Aachen erregt, ohne dass es denselben moglich 
gewesen ware, die Verfasser zu ermitteln und zur Verantwortung 
zu Ziehen. Urn nur ein Beispiel anzufuhren, so erzahlen die 
Aachener Jesuiten, dass sie nach der Ersturmung Hires Klosters 
im J. 1611 in Abbildungen, Gedichten und Gesangen als die 
lasterhaftesten und „nichtsnutzigsten tt Menschen bezeichnet wor- 
den seien 2 . Auf den ersten Blick befremdet es daher etwas, 
dass weder in den vielen Bestimmungen der Polizeiordnung des 
Jahres 1650 3 noch in dem grossen im J. 1660 mit dem Kur- 
fursten von der*Pfalz als Herzog von Jttlich abgeschlossenen 
Vertrage von der Censur oder Verfolgung schlechter Druck- 
schriften die Rede ist. Ein naheres Eingehen auf die Geschichte 
des Aufsichtswesens iiber die Presse erklart indess sehr bald 
diese anscheinend auffallige Thatsache. Nachdem Papst Alexander 
im J. 1496 im deutschen Reiche die Censur eingefiihrt hatte, 
brachte zwar der Reichstagsabschied zu Speyer (1529) auch 
eiue Censur durch die weltlichen Behorden, dieselbe kam aber 



*) Die Censur kirchlicher Schriften kam unmittelbar nach der Ent- 
stehung des Bisthums Aachen an die bischofliche Behorde. Recueil des Actes 
de la Prefecture an XIII, p. 272. 

2 ) Itaque sculptis imaginibus, rhytmis et cantilenis evulgatis homines 
societatis quasi facinorosissimos omnium mortalium et nihil non meritos (!) 
depingunt. (Vgl. das in Anhang I genannte Syntagma Davidicum. Coloniae 
1615, p. 8.) — Ein Pasquill zum Jahre 1665 erwahnt in der Zeitscbrift des 
Aachener Gesehichtsvereins X, S. 61. 

8 ) (Sines ©rbaren Natty | SDefe ^6mfd)^oiun(t(^cn @tul« bub £♦ s Jieid)3 
Statt Slad) |^o(icet)sDrbtnung| SBarnad) ein jeber 23urger bub Snroofjner 
fid) §at &u rtdjtem | ©ebrutft %\i 2lad) btt) §enrid) Suiting, im 3afjr 1650* | 
4°. IV l % X 14 cm. 2 S. und 34 S. 

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114 E. Pauls 

vielfach gar nicht oder doch nur in sehr beschranktem Maasse 
in den deutschen Reichsstadten zur Geltung. Meist iiberliess 
man es der Geistlichkeit dariiber zu entscheiden, ob ein Druck- 
werk unbeanstandet verbreitet werden dtirfe. So auch bis tief 
in's 18. Jahrhundert hinein in Aachen und in der Jiilicher 
Gegend. Ausdriicklich schreibt die Jtilich-Bergische Polizei- 
ordnung des Jahres 1554 vor, dass „die Pastor und Schultheissen, 
Vogt oder Eichter jedes Orts samender handt fleissig acht haben 
sollen, dass kein Biicher verkaufft werden, sie seyen dan vorhin 
durch die Pastor und Diener der Kirchen besichtigt und zu- 
gelassen". In Aachen kiimmerte sich vor dem Erscheinen von 
Tageszeitungen der Magistrat fast gar nicht urn die Erzeugnisse 
der Presse 1 . Die im J. 1620 daselbst gedruckte Chronik des 
Kanonikus Peter a Beeck ist von dessen kirchlichem Vorgesetzten, 
dem Generalvikar in Liittich, censirt und zum Druck zugelassen; 
Noppius liess seine Chronik in Koln drucken und holte die 
Genehmigung der dortigen geistlichen Censoren ein. Lange 
bevor dieselbe erfolgte, hatte Noppius die Urschrift seines Werkes 
dem Aachener Magistrat vorgelegt, welcher, ohne auf den Inhalt 
naher einzugehen, den Verfasser „fiir die gehabte und angewandte 
Millie tf in etwa belohnte 2 . Erst als im zweiten Viertel des 18. 
Jahrhunderts die Tagespresse in Aachen eine Rolle zu spielen 
begann, fand der Rath es an der Zeit, auch seinerseits einen 
Censor zur Beaufsichtigung der Zeitungen anzustellen. Dies aber 
nur zur Wahrung stadtischer, rein weltlicher Interessen; kamen 
Fragen des Glaubens oder der Sitten in Betracht, so iiberliess 
man deren Beurtheilung der geistlichen Behorde. Als von der 
Trencks „Menschenfreund tt in Aachen peinliches Aufsehen erregte, 
schritt nicht der weltliche Censor der Reich spostamt-Zeitung 
gegen den Herausgeber ein, sondern die kirchlichen Organe 
verfassten Gegenschriften und warnten das Volk vor den Lehren 
des „verirrten Schiilers einer verirrten Philosophies Und als 
fast zwanzig Jahre spater Franz Dautzenbergs freisinnig ange- 
hauchter Politischer Merkur unwilliges Befremden wachrief, 
setzte sich der Rath mit der Geistlichkeit in Verbindung und 
gab dem jugendlichen Redakteur ausser den beiden weltlichen 



') Sehr vereinzelt die oben S. 107 erwahnte Untersuchung gegen den 
Buchhandler Demen und andere Buchfiihrer. 

2 ) Zu vgl. die letzten Seiten der Einleitungen in den Chroniken von 
Noppius und a Beeck. 



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BeitrRge zur Geschichte der Buchdruckereicn, des Buchhandels etc. 115 

Aufsehern den Lektor P. Polyclironius ord. S. Francisci zum 
Censor 1 . So weit es sich iibersehen lasst, sind in Aachen zu 
reichsstadtischer Zeit zwischen der kirchlichen und weltlichen 
Behorde iiber die Handhabung der Censur von Druckschriften 
niemals Zwistigkeiten zu Tage getreten. Keinesfalls hatte der 
Eath in den Jahren 1650 und' 1660, sowie uberhaupt im 17. 
Jahrhundert, Anlass zu besondern Erlassen hinsichtlich der 
Presse; damals niangelte es in Aachen an einer Tagespresse, 
wahrend die sonstigen literarischen Erzeugnisse meist hochst 
unbedeutender Art waren. Dem Send- oder geistlichen Gerichte lag 
es seit jeher ob, „ iiber offentliche grobe Sunden wider die Kirchen- 
gesetze zu richten" 2 . Zu solchen Sunden gehorte unzweifelhaft 
die Herausgabe oder Verbreitung schlechter Schriften, folge- 
richtig gehorte daher die Bestrafung von Pressvergehen zu.den 
Befugnissen des Sendgerichts. Der Vorsitzende des Sendgerichts, 
Erzpriester Tewis, war es, welcher den Kanipf mit von der Trenck 
aufnahra; die Buchercensur erklarte der Scholaster des Kronungs- 
stifts als eine Pflicht seines Arates 3 . 

Im Ganzen wurde vor der grossen franzosischen Staats- 
umwalzung die Censur in Aachen wohl allzu milde gehandhabt. 
Der Kurfiirst von der Pfalz, welcher als Schirmherr der Stadt 
im J. 1772 das Recht der Betheiligung an der Censur forderte, 
behauptete ohne Widerspruch zu erfahren, dass in Aachen jeder 
drucken lassen konne, was ihm beliebe 4 . Hierin liegt ein neuer 
Beweis fur das tief gesunkene Ansehen des Sendgerichts 5 . Eine 
solche Behauptung ware unmoglich gewcsen, hatte das Send- 
gericht noch seine alte Macht besessen. Aber die Geistlichkeit 
hatte langst, anstatt auf die Wirksamkeit des ohnmachtig ge- 
wordenen Sendgerichts zu bauen, ihren Einfluss in Kanzelreden 
und wohl audi im Beichtstuhl geltend zu machen versucht. Sie 
predigte gegen unbefugtes Bibellesen, schlechte Schriften und 
den ihr feindlichen Freimaurerorden 6 , und schwerlich hatten 
Trenck und spater Biergans Unrecht, wenn sie behaupteten, dass 

*) Naheres im folgenden Abschnitte. 

2 ) Moser, Staatsrecht der Eeichs-Stadt Aachen 1740, S. 149. 

3 ) Schilderung der Stadt Aachen. Aus dem Franzosischen 1787, S. 53 ff. 
Vgl. auch Anhang III: Churpfalz am 9. Dczcmber 1772 bei der 30. Beschwerde, 
und v. Fttrth a. a. 0. I, S. 268, § 5. 

4 ) Vgl. Anhang III. 

5 ) Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins VI, S. 50. 

6 ) v. Fttrth a. a. 0. Ill, S. 325 und 388. 

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116 E. Pauls 

den Lesern des „Menschenfreund a oder des „Tyrannenfeind a viel- 
fach die Lossprechung verweigert worden sei. 

Fur den Rath lag wenig Veranlassung vor, sich urn die 
Censur der Druckschriften sonderlich zu kiimmern. Er mochte 
nicht in die Befugnisse des Sendgerichts eingreifen, hatte aber 
auch ohnehin genug damit zu thun, die im Verborgenen arbeiten- 
den Urheber und Verbreiter einer Fluth von Schmahschriften 
zu ermitteln, welche seit etwa 1754 bis zum Ende der reichs- 
stadtischen Zeit haufig liber Aachen sich ergoss. Freund und 
Feind, die Burgermeister und die Rathsherren, der Vogtmeier 
und die kurfurstlichen Beamten wurden in solchen, von Auswarts 
in die Stadt geschnmggelten Flugblattern in der riicksichts- 
losesten Weise verhohnt. Anstatt Friedrichs d. Gr. vornehiner 
Auffassung sich anzuschliessen \ geriethen die Angegriffenen in 
die grosste Erbitterung. Wiederholt setzte der Rath sehr hohe 
Belohnungen auf die Ermittelung der Urheber 2 , wiederholt 
bedrohte er die Verfasser mit strenger Bestrafung 3 , wiederholt 
liess er Schmahschriften auf offentlichem Markt durch Henkers- 
hand verbrennen 4 . Es half wenig. Nach der Besetzung Aacheus 
durch kurfiirstlich-pfalzische Truppen im J. 1769 nahmen die 
damals namentlich gegen die kurpfalzische Regierung gerichteten 
Schmahschriften so iiberhand, dass man in Diisseldorf iiber 
hundert Exemplare sammeln konnte, urn dann laute Klage zu 
erheben 5 . Zehn bis zwanzig Jahre spater, als Verfassungs- 



*) Der Kbnig, welcher gegen ihn gerichtete Pasquille Diedriger hangen 
liess und „Gazetten nicht geniren wollte", kannte indess doch Ausnahmeu. 
Vgl. unten S. 117. 

2 ) Haagen a. a. 0. II, S. 399, Nr. 7 (50 Carolins); v. Fiirth a. a. 0. Ill, 
S. 599 (100 Reichstbaler); v. Fiirth a. a. 0. I, S. 134 (100 Dukaten). 

3 ) Einmal (v. Ftirth a. a. 0. Ill, S. 597) ist die Rede von Bestrafung 
nach den Vorschriften der peinlichen Gerichtsordnung Karls V. Diese enthiilt 
in § 110 Strafbestimmungen gegen die Verbreitung von Schmahschriften („zu 
latein libel famoss genant"). 

4 ) v. Ftirth a. a. 0. Ill, S. 313 und S. 597; Haagen a. a. 0. II, 
S. 378, Anm. In der bei v. Ftirth a. a. 0. Ill abgedruckten Janssenschen 
Chronik spricht der Verfasser an verschiedenen Stellen (S. 213, 228, 234, 
236, 272) mit unbeschreiblicher Erbitterung von den Schmahschriften. Etwas 
auffalliger Weise liess der Rath im J. 1758 cine gegen ihn gerichtete der- 
artige Schrift, welche aber mit den Namen der Verfasser versehen war, 
ungestraft (v. Fiirth a. a. 0. Ill, S. 457). 

5 ) Vgl. Anhang III. Zur Geschichte der im vorigen Jahrhundert in 
Aachen erschienenen Schmahschriften, welche sammtlich bibliographische 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 117 

streitigkeiten (die sog. Makelei) die Gemuther auf das heftigste 
erregten, waren in Aachen wiederum Schmahschriften aus der 
Feder ungenannter Verfasser an der Tagesordnung. Eine Censur 
erwies sich als ebenso uberfltissig wie Untersuchungen und 
Strafandrolmngen. 

Seit der Besetzung des Gebiets zwischen Rhein und Maas 
durch die Franzosen kamen fur die Presse und namentlich fiir 
die Zeitungspresse ga*nz neue Anschauungen zur Geltung. Vor- 
her war in den rheinischen Gegenden ein Zeitungsschreiber eine 
wenig angesehene Personlichkeit, deren Aeusserungen, wenn sie 
unbequem wurden, leicht — Stockpriigel zum Lohne erhielten. 
So warf einst niemand anders als Friedrich d. Gr. zur korper- 
lichen Zuchtigung eines Kolner Redakteurs hundert Dukaten 
aus und liess sogar demselben bei einer spatern Gelegenheit 
sagen, „ob ihn der Riicken wiederum jucke und er ohne Schlage 
zu kriegen nicht leben konne" K In Aachen entging im Spat- 
herbste des J. 1792 der Herausgeber des „Aachner Zuschauer" 
nur durch die Flucht fiinfundzwanzig ihm wegen eines Artikels 
von den Oesterreichern zugedachten Stockhieben, und noch ein 

Seltenheiten g^worden sind, hier folgendc Notizen: Rathsverordnungen (Nr. 
883 der Aachener Stadbibliothek) : 1732, Dezember 18; 1754, Juli 29; 1758, 
Mai 19; 1763, Februar 25: „In den Jahren 1755, 1758 und 1762 sind aller- 
hand Schmfthschriften erschienen, besonders ein Btlchlein gegen den Btlrger- 
meister Strauch: „Testamentum politicum Teper Tarchi . ."; 1777, Januar 24; 
1781, Januar 26: genannt das Pasquill: Der vertheidigte Hauskneeht; 1792, 
August 15. — In Haagens Geschichte Aachens II, S. 378, Anm.: „ein im 
J. 1781 offentlich verbranntes Pasquill"; II, S. 397: „Reichsstadt Aachener 
Patriotenlied zum Neuen Jahr 1787 a ; II, S. 393: „Das Leichen-Condukt". — 
In Cronenb erg's Schrift: „ Die Makelei oder Stadtrathswahlgeschichten aus 
dem vorigen Jahrhundert tt , Aachen bei J. Stercken, wird S. 15 in der An- 
raerkung das Pasquill „Die nackte Wahrheit" genannt. — In meinera Besitz: 
Ein Gesprach wegen itziger Stadt Aachenschen Angelegenheit zwischen denen 
gedruckten Btirgern und denen Gottern, verfertigt von einem Musenfreund. 
(Ohne Jahreszahl und Druckort. 12 S., klein 8°.) — Nach Quix Wochenblatt 
1838, Nr. 23, S. 93, wurden in Aachen offentlich verbrannt im J. 1769 die 
Pasquillen: 1) Aquisgrani a palatinis an. 1769 10. Februarii occupati symbola 
curiae; 2) compendium historiae violatae urbis granensis a milite juliacensi 
1769, 10. Febr.; 3) Satyra; 4) venerunt mures; 5) programma status aquis- 
grani. Ferner offentlich verbrannt am 29. August 1788: 1) Beantwortung eines 
Wahrheits-Freundes, 16 aus dem Stegreif aufgeworfene Fragen; 2) Die seit 
dem 16. Mai 1784 entwichene Frau Justitia. — Prozesse, in denen Pasquille 
vorkommen: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins X, S. 61, Nr. 196 
und S. 86, Nr. 350. 

2 ) So in Annalen des hist. Vereins f. d. Niederrhein XXXVI, S. 61 und 60. 



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118 E. Pauls 

paar Jahre spater wurde der Verfasser des „Tyrannenfeind" aus 
demselben Grunde in Koln mit Priigeln bedroht. Anders in 
Frankreich. Dort blieb nach dem Ausbruch der grossen Staats- 
umwalzung anfangs die Presse vollig frei, der gedruckte Buch- 
stabe gait der grossen Mehrheit der Franzosen an sich als Auto- 
ritat und ein Journalist als eine bedeutende Personlichkeit. Auf 
den ziirnenden Artikel einer volksthiimlichen Zeitung beeilten 
sich Biirgermeister und Direktoren, Generate und Minister ihre 
Entschuldigungen und Rechtfertigungen einzusenden K Eine 
solche Ueberschatzung fuhrte in Frankreich selbst bald einen 
Ruckschlag herbei und bewirkte namentlich, dass in den erober- 
ten Gebieten die Tagespresse einer scharfen Beaufsichtigung 
unterstellt wurde 2 . Die Republikaner furchteten sich vor dem 
gedruckten Wort und wollten auf dem linken Rheinufer ihre 
ohnehin schwankende und missliebige Herrschaft durch Zeitungs- 
artikel nicht beunruhigt wissen. Dabei kam es freilich einige 
Jahre hindurch sehr darauf an, die Beaufsichtigung so auszu- 
fiihren, dass das Zauberwort „Pressfreiheit tt von seinem schim- 
mernden Glanze nichts einbusste. Wohl deshalb konnte anfangs 
1796 die amtliche, dem vollziehenden Direktorium in Paris seitens 
der xlachener Burger Bouget, Cromm und Vossen eingereichte 
Denkschrift trotz ihrer furchtbaren Anklagen gegen die bestehen- 
den Zustande unbehindert im Aachner Zuschauer zum Abdruck 
gelangen, und wohl deshalb verkiindigte die Intermediair-Kommis- 
sion zu Bonn im Sommer 1797 allgemeine Pressfreiheit 3 . That- 
sachlich bestand bei uns in den ersten acht Jahren der Fremd- 
herrschaft Pressfrechheit, wenn es sich um die Verbreitung 
republikanischer Ideen oder den Kampf gegen die ehemaligen 
Herrscher, den Adel und die Geistlichkeithandelte 4 ; Pressfreiheit 
im Sinne der Duldung einer offenen gemassigten Besprechung 
von Missgriffen der Behorden, Uebelstanden, kleinen Misserfolgen 
der Armee und dergl. litten die Republikaner meist nicht. Zur 
Einschiichterung der Presse dienten die verschiedensten Maass- 
regeln. Als im J. 1795 ein Kolner Redakteur die Lage der 

x ) v. Sybel, Geschichte der Rcvolutionszeit, 3. Auflage I, S. 121. 

*) Das Konigliche Staatsarcbiv zu Diisseldorf enthalt zur Geschichte der 
Censur im Roerdepartement wahrend der Fremdlierrschaft keine Aktenstiicke. 

s ) Hesse, Geschichte der Stadt Bonn wahrend der franzosischen Herr- 
schaft S. 151. 

4 ) Vgl. Milz, Aachen unter franzbsischer Herrschaft 2. Theil, S. 24 im 
Programm des Kbnigl. Gymnasiums zu Aachen 1871/72. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruekereien, des Buclihandels etc. 119 

republikanischen Armeen ini Elsass als eine etwas ungiinstige 
dargestellt hatte, wurde er nach dem Elsass abgefuhrt, um sich 
an Ort und Stelle von der Ungenauigkeit seiner Angaben zu 
iiberzeugen 1 . In Aachen versiegelte man im J. 1798 gleich- 
zeitig die Pressen zweier Zeitungen, weil deren Herausgeber 
hinsichtlich der Waffenerfolge der Republik bedenklich lautende 
Kriegsnachrichten veroffentlicht hatten. Zwei Ordensgeistliche 
erhielten nach der Veroffentlichung einer Schrift gegen den von 
der Geistlichkeit geforderten Eid, Passe fur das Innere Deutsch- 
lands init der Drohung, im Palle der Ruckkehr auf das linke 
Rheinufer als Spione bestraft zu werden 2 . Dem Redakteur Vliex 
wurde wegen einiger etwas allzu freien Artikel eine dreimonat- 
liche Gefangnissstrafe zuerkannt. Der scharfsten Beaufsichtigung 
unterlag aber die Geistlichkeit. Jeder Kirchendiener, so heisst 
es u. a. in einer langen Verftigung 3 vom 16. August 1798, 
welcher durch Schrift oder Rede 4 irgend Jemand zum Verrath 
oder zum Aufruhr gegen die Regierung ermahnt oder ermuntert, 
soil auf ewig zur einzelnen Einsperrung verurtheilt werden. Auch 
von der Deportation, d. h. der Verbannug nach Cayenne oder 
Port Marat auf Madagaskar ist in rheinischen Gegenden die 
Rede, obschon diese Strafe bei uns wohl niemals zur Ausfiihrung 
gekommen sein mag 5 . Zu Ende des vorigen Jahrhunderts war 
iibrigens auch in Frankreich selbst hinsichtlich der Behandlung 
der Presse ein vollstandiger Umschwung eingetreten. Ruck- 
sichtslos bestimmte der Rath der Fiinfhundert das Personal 

*) Aachner Zuschauer 1795 Nr. 88 vom 23. Juli, S. 708 uiid Nr. 100 
vom 22. August, S. 802. 

2 ) Aachner Zuschauer 1798 Nr 167 vom 25. Januar, S. 1339. 

:{ ) Vollstandig im Anzeiger des Ruhr-Departements Nr. 36 vom 29. Frukti- 
dor 6. Jahrs (1798, September 15). Auszug bei Haagen a. a. 0. II, S. 432. 

4 ) Freie Rcden waren den Republikanern ebenso unbequem als freie 
Artikel. Dem Kanzlisten Schenk schoren sie zur Strafe wegen aufrtthre- 
rischer lleden die Haare ab und fiihrten ihn dann unter militairischer 
Bedeckung zu den osterreichischen Vorposten. („Der Freund der Freiheit", 
Bonn 4. Stuck vom 1. Frimaire 6. Jahrs (1797, November 21). 

5 ) Als verurtheilt zur Deportation finde ich verzeichnet: Pastor Zimmer- 
mann zu Burtseheid, Pfarrer Schnorrenberg zu Melich im Kanton Heinsberg 
und den Franziskaner-Guardian Amabilis Billenburger im Saardepartement. 
Vgl. Anzeiger des Kuhr-Departements Nr. 31 vom 7. Germinal 7. Jahrs (1799, 
27. Marz) S. 228; Nr. 38 vom 10. Floreal 7. Jahrs (1799, April 29) S. 285; 
Nr. 41 vom 26. Vcndem. 7. Jahrs (1798, Oktober 17) S. 261, 



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120 E. Pauls 

von zweiundvierzig Zeitungen zur Deportation 1 , und Bonaparte 
unterdruckte alle Pariser Zeitungen bis auf dreizehn 2 . Geschah 
solches in der Hauptstadt der Republik, so konnte von Press- 
freiheit in den eroberten Landern gewiss nicht mehr die Eede 
sein 3 . 

Die eigentliche Knechtung der Presse begann im Roer-Depar- 
tement zu Anfang dieses Jahrhunderts und erreichte ihren Hohe- 
punkt kurz vor dem Sturz des Kaiserreichs. Milde war nur 
die Autfassung der Behorden bezuglich der Duldung der deutschen 
Sprache 4 neben der franzosischen, im Uebrigen liessen es die 
Prafekten an einer oft kleinlichen Bevormundung der Zeitungen 5 
und des Buchhandels nicht fehlen. Es kam auf Anweisung des 
Polizeiministers so weit, dass seit Ende des J. 1807 die Zei- 
tungen keine andern politischen Artikel, als aus dem Moniteur 
entnommene bringen durften 6 . Im August 1809 wurde die Zahl 
der im Roer-Departement erscheinenden Zeitungen auf zwei 
beschrankt 7 , und von Januar 1811 ab durfte in dem grossen 
Bezirke sogar nur ein einziges politisches Journal zur Ausgabe 
gelangen 8 . Die Beaufsichtigung des Buchhandels und der Buch- 
druckerei gehorte seit 1800 zu den Pflichten der Polizei; das 
kaiserliche Februar-Dekret des J. 1810 ernannte besondere Auf- 
seher 9 fiir die Ueberwachung der Buchdruckereien und der Buch- 
handlungen, deren Anzahl durch die harteste Maassreglung 
erheblich vermindert worden war. 



') v. Sybel a. a. 0. 2. Auflage IV, S. 610. 

2 ) v. Sybel a. a. 0. V, S. 597. 

3 ) Nicht oline Geist sagt eine im J. 1799 erschienene Spottschrift 
w W6rterbuch der franzosischen Revolutionssprache" tiber Pressfreiheit : Jeder- 
mann darf schreiben was er will, nur nicht was er denkt, oder was dem 
Volke die Augen offnen konnte; sonst wird die Druckerpresse stante pede 
versiegelt und der Citoyen Schriftsteller auf eine ode Insel geschickt. 

4 ) Das amtliche Journal de la Roer erschien bis zur letzten Nummer 
in beiden Sprachen ; mehrere Erlasse iiber die Duldung der deutschen Sprache 
neben der franzosischen in den Prafekturakten, zuletzt im J. 1810, S. 227. 

5 ) Nach Milz a. a. 0. war es nicht gestattet, von der rechten Rhein- 
seite Zeitungen hertiber kommen zu lassen. 

6 ) Kantzeler a. a. 0. Vgl. Anhang IV. 

7 ) Vgl. Anhang IV. 

8 ) Vgl. Anhang IV. 

9 ) Fiir das Roer-Departement war iin J. 1811 v. Moulieres Inspektor 
laut Journal de la Roer Nr. 194 vom 16. August 1811. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 121 

Das Ende der Fremdherrschaft war auch das Ende so 
unwiirdiger Zustande. In milderer Form blieb freilich audi 
nach der Regierungsveranderung die Censur fur Schriften aller 
Art bestehen und noch im J. 1820 durften in Frankreich, England 
und Holland ersclieinende deutsche Zeitungeu in das preussisclie 
Staatsgebiet nicht eingefiihrt werden. 

4. Anzeigewesen und Kalender. 

Lange vor dem Erscheinen von Tageszeitungen kamen die 
weltlichen und kirchliclien Behorden Aachens haufig in die Lage, 
durch die Presse ihre Verfugungen zur Kenntniss der Bethei- 
ligten zu bringen, doch auch nach dem Auftreten von Tages- 
blattern dauerte es langer als ein halbes Jahrhundert, ehe diese 
zur Bekanntmachung amtlicher Anordnungen benutzt wurden, 
oder ehe die Behorden zur Veroffentlichung ihrer Erlasse 
besondere Zeitschriften in's Leben riefen. Ein kurzer Ueberblick 
iiber die Form, in welcher in den letzten 150 Jahren der reichs- 
stadtischen Zeit und wahrend der Fremdherrschaft die behord- 
lichen Verfugungen in die Oeffentlichkeit traten, darf bei der 
Darstellung der Geschichte der Tagespresse nicht ausfallen. 

Interessante Aufschliisse gibt eine grosse Sammlung von 
Rathserlassen, welche in der Aachener Stadtbibliothek x auf- 
bewahrt wird und von dem Jahre 1631 bis 1794 reicht. Bei einer 
genauern Durchsiclit der einzelnen Stiicke stellt sich bald heraus, 
dass in der Kegel von Fall zu Fall bestimmt wurde, wie der 
Erlass veroffentlicht werden sollte. Zuweilen, es gilt dies nament- 
lich fiir das 17. Jahrhundert, fehlen alle derartige Angaben. Es 
heisst dann einfach: ^danach sich ein jehdtweder zurichten" 2 , 
„unter arbitrari Straf 48 , oder noch kurzer: „(geben) uff der 
Rathskammer" 4 , „also beschlossen tt 5 u. dergl. Indess geht schon 
aus dem Umstande, dass die Erlasse fast ausnahmslos gedruckt G 
vorliegen, hervor, dass sie in zahlreichen Exemplaren verbreitet 

1 ) Nr. 883. 

2 ) Erlass vom 13. November 1631. 

3 ) Erlass vom 20. Juni 1646, bezw. 19. April 1656. 

4 ) Ordnung der Jagd und Fischerei vom 7. Mai 1681; v. Fiirth a. a. 0. 
Ill, S. 472. 

6 ) Gaifelbrief vom 21. Januar 1681. 

6 ) Der alteste gedruekte Erlass ist vom Jahre 1631. 



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122 E. Pauls 

und unzweifelhaft an allgemein bekannten Stellen 1 zu Jeder- 
raanns Einsicht angeheftet warden. Die Vorschrift der An- 
heftung „an den gewohnlichen Orten", „more solito und more 
ordinario" war im 18. Jahrhundert noch gebrauchlicher als die 
nahere Anweisung, dass die Anschlagung an den Stadtthoren, 
an den Grenzpfahlen oder einzelnen, dem Inhalte des Erlasses 
besonders angemessenen Platzen zu geschehen habe 2 . In Aus- 
nahmefallen erfolgte die Ankiindigung durch Trommelschlag 3 
oder durch die Stadtpfortenwachter von Haus zu Haus 4 . Wenn 
in den Verfugungen die Veroffentlichung „von denen Cantzlen" 5 
vorgeschrieben wird, so darf dies nicht Wunder nehmen. Zum 
Schaden der Wurde des Gottesdienstes erhielt sich namlich bis 
in's laufende Jahrhundert hinein die Sitte, die Mehrzahl der 
Bestimmungen der weltlichen Behorden, sowie Verkaufe, Ver- 
pachtungen u. dergl. wahrend des Gottesdienstes von den Kanzeln 
herab zu verlesen. Nach Meyer 6 wurde in Aachen und Burt- 
scheid jeder gerichtliche Verkauf unbeweglichen Guts in den 
Pfarrkirchen an drei aufeinander folgenden Sonntagen verkiindigt, 
und ein Erlass 7 der Generalvikare Fonck und Klinkenberg riigt 
es noch im J. 1822 ernstlich, dass trotz eines vor zwolf Jahren 
ergangenen Verbots diese Sitte immer noch nicht ganz aus- 
gestorben sei. 

Der Aachener Rath sowohl als auch die Wiirdentrager des 
bald eingegangenen Bisthums Aachen bedienten sich also in der 

J ) Solche Stellen waren jedenfalls die Eingange zum Rathhaus und zu 
den Kirchen. 

2 ) Eine Verfiigung gegen Hazardspiele vom 16. Juni 1786 bezw. 6. August 
1790 wurde u. A. auch in den Spielsalen angeheftet; eine andere ttber Schul- 
wesen vom 15. November 1793 in den Schulraumen. 

3 ) v. Ftirth a. a. 0. Ill, S. 489. 

4 ) Verschiedene Miinzedikte der Jahre 1734, 1740 und 1756. 

5 ) v. Fiirth a. a. 0. Ill, S. 483. 

6 ) Ms. 92; ehemals in der Aachener Stadtbibliothek, jetzt im Aachener 
Stadtarchiv. 

7 ) Gedrucktes Flugblatt Aachen, 5. Marz 1822. . . . Aegre inaudivimus 
denunciationes subhastationum aliarumque rerum profanarum adhuc hinc inde 
in ecclesiis imo ex cathedra interdum fieri, quern tamen abusum modo tertia 
Decembris 1810 per monitum ad calcem directorii arguimus . . . Hisce accedit 
publicatio vel potius designatio debitorum ecclesiae, qua ipsi debitores et 
quidein aliquando propriis nominibus in ecclesia aut ex cathedra monentur, 
ut proximo solvant, quominus iudicialiter sint astringendi. Quantum hacc 
aliquorum d. d. pastorum ratio agendi domum Dei dedeceat, ipsosque fideles 
offendat, nemo non videt, hinc utrumque severe prohibemus. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckcreien, des Buchhandels etc. 123 

Regel statt der Zeitungen gedruckter Flugblatter zur Kund- 
machung ihrer Verordnungen. Die Freradherrschaft braclite flir 
das weltliche 1 Verwaltungsgebiet auch hierin durchgreifende 
Aenderungen. Allerdings blieb es nach dem Einrucken der 
Frauzosen in Aachen wie anderwarts noch einige Jahre hindurch 
gebrauchlich, durch Anheftung von Flugblattern, sogen. Mauer- 
anschlagen 2 , die Bekanntmachungen der Republikaner zur all- 
gemeinen Kenntniss zu bringen. Grosse, heute noch mehrfach 
vorhandene Sammlungen 3 solcher Maueranschlage beweisen, dass 
damals eine Verfugung die andere drangte und dass die Frenid- 
linge auf deutschem Boden zur Erreichung ihrer Zwecke rastlos 
thatig waren. Aber neben den Flugblattern, welche man wahr- 
scheinlich hauptsachlich der ungebildeteren Volksklassen wegen 
flir unentbehrlich hielt, nahmen die Franzosen sofort nach der 
Besetzung Aachens auch die Tagespresse in ihren Dienst und 
veroffentlichten im Aachner Zuschauer eine Eeihe der wich- 
tigsten Bestimmungen. Und kurz vor dem Ablauf des vorigen 
Jahrhunderts waren amtliche besondere Zeitschriften in den 
Rheinlanden fest eingebitrgert 4 , welche nachher im Roerdepar- 
tement durch die seit dem 23. September 1802 in Aachen 
erscheinende Sammlung der Verordnungen der Prftfektur ersetzt 
wurden. 

Vor den Tageszeitungen gab es in Aachen Almanache und 
Kalender, darunter in spaterer Zeit einen von amtlichem Cha- 
rakter. Sehr ungenau sagt Quix 5 , dass schon im J. 1673 ein 
Rathskalender erschienen sei. In der Wirklichkeit hat es sich 
hierbei allem Anschein nach nur urn einen sehr einfachen, im 
Geschmack der Zeit etwas verzierten Kalender gehandelt, den 



') Ein kirehlicher Auzeiger hat fiir das Bisthum Aachen nic bestanden ; 
in Umlauf gcsetzte gcdruckte Flugblatter ersetzten denselben. Eine ziemlich 
umfangreiche Sammlung solcher Flugblatter ist in meinem Besitz. 

2 ) Ganz werden solche Maueranschlage nie fortfallen kbnnen. Die An- 
heftung von Extrabliittern, gerichtlichen Bekanntmachungen u. dergl. an 
Plakatsiiulen und andern geeigneten Stellen ist auch heutzutage noch uner- 
lasslich. 

") Fast in alien grossern Bibliotheken; in der Kbnigl. Universitats- 
Bibliothek zu Bonn fttnf Foliobande nach Walter, Erzstift Koln, Bonn 1860, 
S. 377. 

4 ) Zusammenstellung derselben in Bormann -Daniels, Handbueh der 
Gesetze u. s. w. aus der Zeit der Fremdherrschaft I, Einleitung. 

5 ) Quix, Wochenblatt fur Aachen und Umgegend 1837 Nr. 118, S. 472. 



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124 E. Pauls 

der Buchdrucker Metternich um Neujahr den Rathsherren zum 
Geschenk machte 1 . 

Kaths- und Staatskalender des „Koniglichen Stuhls und der 
kaiserlich freien Keichsstadt Aachen" erschienen erst viel spater. 
In ihnen findet sich ausser einem Kalender und der kultur- 
geschichtlich wichtigen Angabe der Kirchenfeste und Aachener 
„Staatsgebrauche" ein Verzeichniss sammtlicher stadtischen Be- 
amten und Geistlichen nebst etlichen fur das Jahr der Ausgabe 
besonders wichtigen Verordnungen. Die in der Aachener Stadt- 
bibliothek vorhandenen Jahrgange stammen aus der Zeit von 
1779—1794; wahrscheinlich erschien der Kalender im J. 1798 
zum letzten Mai 2 . Werthloser als der nach amtlichen Angaben 
zusammengestellte Rathskalender war der in Duodezformat seit 
etwa 1726 von der Houbenschen Buchhandlung 3 jahrlich heraus- 
gegebene Sackkalender. Auch dieser gab einige Personalnotizen, 
daneben aber noch in den achtziger Jahren des vorigen Jahr- 
hunderts fade Weissagungen und astrologischen Unsinn 4 . 

Ausser dem vermuthlich erst im J. 1810 5 eingegangenen 
Sackkalender brachte in Aachen das Ende jedes Jahrs Wand- 
und Komptoirkalender, welche stellenweise mit Ansichten von 



*) Vgl. S. 100, Anm. 1 das Ratbsprotokoll vora 12. Januar 1673. 

2 ) Fiir das Jahr 1798 angezeigt in der Stadt- Aachener Zeitung Nr. 9 
yom 7. Februar 1798. 

3 ) Nach Quix a. a. 0. S. 472. Sicher ist, dass der Sackkalender in der 
Houbenschen Buchhandlung in den letzten Jahrzehnten seines Bestehens 
erschien. 

4 ) Im Jahrgang 1783 wird prophezeit: Fiir Januar eine grosse Staats- 
veranderung in einem gewissen Welttheil; fur Februar der Untergang einer 
reichbeladenen Kauifartheiflotte ; fiir Marz wichtige Neuigkeiten aus den 
Jenseits des Meeres" gelegenen Landern u. s. w. Ebendaselbst heisst es in 
einem Artikel iiber Saturn u. A. wortlich: „Die Leute so ihm untergeben 
und unter ihm geboren werden, machet er schwarz, braun und bleich, welche 
die Augen unter sich schlagen, am Leib mager, etwa krumm und bucklicht, 
haben kleine Augen, diinnen Bart, sind verzagt und erschrocken, still- 
schweigend, traurig, geizig, arbeitsam, doch arm. Er bringt mit sich Gefang- 
niss, lange Krankheiten und heimliche Feinde. Unter denen Gliedern des 
menschlichen Leibes hat er unter sich das rechte Ohr, die Milz, Blasen und 
Zahne. tt Ueber Deutungen astrologischer Art bei der Geburt von Kindern 
in Aachen, selbst in gebildetern Kreisen, vgl. Mittheilungen des Vereins fiir 
Kunde der Aachener Vorzeit I, S. 161. 

5 ) Vgl. S. 109, Anm. 1. 



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Beitrage zur Geschichte der Buehdruckereien, dcs Buchhandels etc. 125 

Aachen und der Umgegend geschmiickt waren 1 . Sogenannte 
ewige Kalender stellten die republikanische und die grego- 
rianische Zeitrechnung libersichtlich nebeneinander 2 . Die wahrend 
der Fremdherrschaft in unsern Gegenden erschienenen Kalender 
und Almanache 3 iibertreffen ihre Vorganger meist ganz bedeu- 
tend. In der Regel sind sie reich an geschichtlichen und 
statistischen Angaben, ohne Erzahlungen oder Abbildungen zu ent- 
halten. Wohl nur in dem fiir das Jahr 1796 herausgegebenen 
interessanten Almanach des Luxus und der Moden findet sich 
eine Anzahl hiibscher Kupferstiche, denen Erzahlungen und eine 
auf Volkertrachten beztigliche Earte beigegeben sind. Das 
hervorragendste Jahrbuch war unstreitig das Annuaire du dfcpar- 
tement de la Roer, welches seine ungemein zahlreichen sta- 
tistischen Angaben zum grossen Theil dem Material des Prafektur- 
archivs entnahm. Es erschien fiir die Jahre 1809 — 1813 einschl. 
und bildete eine gewisse Erganzung 4 zum Gesetzbulletin (Bulletin 
des lois) und zu der Sammlung der Verordnungen fiir das Roer- 
departement, den-sogen. Prafekturakten. Auch heute noch ist das 
Annuaire beim Studium der heimathlichen Geschichte unentbehr- 
lich; an Bedeutung hat es im Aachener Bezirk bis zur Grundung 
des deutschen Reichs kein anderes Jahrbuch erreicht. 

Dass die Censur zur Zeit des ersten Kaiserreichs auch die 
Ealender-Literatur. nicht unbeachtet liess, folgt aus einer im 
November 1811 seitens des Inspektors der Buehdruckereien 
ergangenen Aufforderung 5 an die Drucker von Kalendern zur 
Einreichung derselben vor der Verausgabung. 

5. Tageszeitungen und Zeitschriften. 

Wahrend in Koln schon seit Beginn des 17. Jahrhunderts 
Wochenzeitungen erschienen 6 , blieb Aachen in dieser Hinsicht 
weit hinter der rheinischen Hauptstadt zuriick. Erst am 25. August 



*) Eiu solcher Kalender, „welcher durch die Ansichten von Aachen, 
Burtscheid, Frankenberg und Schonforst die vier Jahreszeiten (!) vorstellt", 
wird angezeigt in Nr. 22 des Journal de la Roer vom 26. Januar 1813. 

2 ) Vgl. Anzeiger des Ruhrdepartements vom 10. Prairial 7. Jahrs (1799, 
Mai 29.) S. 24. 

8 ) Vgl. die ziemlich vollstandige Zusammenstellung in Anhang I dieses 
Aufsatzes. 

4 ) Vgl. Jahrgang 1809 des Annuaire, S. 16. 

5 ) Journal de la Roer Nr. 262 vom 5. November 1811. 

6 ) Annalen des hist Vereins f. d. Niederrhein XXXVI, S. 23 ff. 



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126 E. Pauls 

1729 wurde in Aachen dem „herrn Hetzeler auf sein begehren 
erlaubt, postzeitungen dahier in truck ausgehen zu lassen, iedoch 
also, dass dieselbe iedesmaln durch einen darzu aussehenden herrn 
zuforders revidirt werden sollen 1 ." Unzweifelhaft liegt hier die 
Geburtsurkunde der Aachener Zeitung 2 vor, welche unter ver- 
schiedenen Titeln 3 und mit kurzen Unterbrechungen seit 1729 
bis zum heutigen Tage erschienen ist. Zur reichsstadtischen 
Zeit stand das Blatt, abgesehen von dem kriegerischen Sommer 
1797, in welchem es einen Sieg der Franzosen fur unmoglich 
hielt, politisch auf dem Nullpunkte. Ihm mangelten Original- 
korrespondenzen und nur mit einer angstlichen, fast kindisch 
zu nennenden Scheu beriihrte es zuweilen fliichtig die politischen 
Verhaltnisse der Nachbarstaaten 4 . Ebenso selten fanden Nach- 
richten aus Aachen selbst Beriicksichtigung. „Einheimische Neuig- 
keiten", so meldet die Nummer vom 21. Januar 1775, „berichtet 
keine Stadt von sich selbst, weil die Vorgange den Einwohnern 
ohne Wochenblatt also bekannt werden, dass der Drucker keiner 
Erlaubniss bedarf, sie durch den Horizont hinaus zu pressen." 
In jeder Beziehung war deshalb der lange im Titel prunkende 
Sinnspruch „Relata refero, facta divulgo tt ungliicklich gewahlt. 
Die Anzeigen, damals Avertissements genannt, deren Druck 
kraft des obrigkeitlichen Privilegs der Reichsstadt-Aachener 
Zeitung ausschliesslicli vorbehalten blieb 5 , liefern dagegen zur 
Kenntniss der gesellschaftlichen Zustande Aachens vor mehr als 
hundert Jahren manchen bemerkenswerthen Beitrag. Oft lockt 
uns der seltsame Inhalt oder die merkwiirdige Fassung ein 
Lacheln ab, aber nur liochst vereinzelt stossen wir auf Anzeigen 



J ) So der Wortlaut ira 48. Band« der Beamten-Protokolle im Aachener 
Stadtarchiv. 

3 ) Vohi Jahre 1769 ab sind die Jahrgange der Aachener Zeitung in der 
Aachener Stadtbibliothek zieralich vollstJindig vorhandeu. 

8 ) Vgl. Anhang I, Zeitungen Nr. 1. Die Zeitung wird in diesem Aufsatze 
raeist nur mit „Aachener Zeitung" bezeichnet. 

4 ) Zimmermann, Aachener Kalender 1880, S. 125, gibt folgendes 
originelle Beispiel: „Niederrhein 30. Dezember 1770. Es wird versichert, 
dass ein gewisser Hof von denjenigen, an welche sich die Generalstaaten 
gewendet haben sollen, urn dieselben zu bewegen, dass sie mit ihnen zur 
Aufrechthaltung des Barrier-Traktats gemeinschaftliche Sache machen mochten, 
zur Antwort ertheilt habe, dass diese Angelegenheit auf sein Interesse keine 
Beziehung habe, und er sich auf keine Weise damit befassen wurde. " 

6 ) Vgl. S. 102. 



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Beitrage zur Geschiehte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 127 

zweideutiger Art *. Ausnahmsweise werden kurze Angaben fiber 
die Anwesenheit holier oder beruhmter Personlichkeiten in Aachen, 
Chronogramme, Neujahrswilnsche u. dergl. im Text geliefert. So 
bringt der Jahrgang 1776 einige Beitrage zur Geschichte des 
Primus Wildt 2 ; der Jahrgang 1781 etliche Mittheilungen tiber 
den Besuch Josephs II. in Aachen ; auf den Tod Clemens XIII. 
und auf die Geburt des Dauphins in Frankreich flnden sich 
folgende gelungene Chronogramme : 

„PontIfeX De eCCLesIa rite MerltVs, 

CLeMens XIII. DICtVs, 
ReqVIcsCat In paCe! Vota fIDeLIVM". 

„LVDoVICVs JosephVs, regis FranCIae 
prlMogenltVs". 

Verlegt und gedruckt wurde die lange Jahre hindurch zwei- 
mal wochentlich ausgegebene Reichsstadt-Aachener Zeitung in 
der stadtischen Buchdruckerei, deren letzte Vorsteher im vorigen 
Jahrhundert einer und derselben Familie Miiller angehort zu 
haben scheinen. Das harmlose, ausserst vorsichtig redigirte 3 
Blatt wird wohl seitens des Aachener Raths kaum jemals mit 
Censurmaassregeln bedroht worden sein, zog es aber beim Ein- 
nicken der Franzosen im September 1794 vor, sein Erscheinen 
vorlaufig einzustellen. Der Herausgeber, welcher wahrend des 
Sommers desselben Jahrs seinen Wiinschen fiir den Sieg der 
oesterreichischen Waffen wiederholt deutlich Ausdruck verliehen 
hatte, mag richtig eingesehen haben, dass unter der Herr- 
schaft der Republikaner seines Bleibens nicht sein konute. Als 
im Marz 1797 General Hoche die alten Behorden wieder ein- 
setzte, hielt es die Aachener Zeitung fiir angebracht, mit 



') Den von Zimmermann a. a. 0. S. 126 gebracliten Beispielen seien 
hier nur zwei andere angereiht. 1785 den 7. Mai: „Dahier aufm Markt im 
Posthom taglich Thiergofecht mit einom Ochsen, Biiren und wilden Hunden, 
naelimittags um 4 Uhr. Der Directeur von dem Gefecht verkauft auch Baren- 
fett, fttr die Haare wachsen zu lassen". — 1793, den 8. Juni: w Fiir los- 
ledige Frauenzimmer, die gerne ganz still waren, sind 2 — 3 Zimmer zu 
vermiethen". 

2 ) Vgl. Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins I, 216 und X, 246. 

s ) Wie Zimmermann a. a. 0. richtig bemerkt, wurde die franzosische 
Revolution in der Aachener Zeitung kaum erwahnt, und selbst den Einzug 
der Franzosen in Aachen im Dezember 1792 liess das Blatt unberucksichtigt. 



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128 E. Pauls 

dem 1. April 1797 auf s Neue an die Oeffentlichkeit zu treten 1 . 
Schon ira Januar 1798 hatte sie durch Versiegelung ihrer Presse 
zu leiden. Eine in der Miillerschen Druckerei erschienene 
Schrift gegen den von der Geistlichkeit geforderten Eid gab 
dem franzosischen Kommissar Estienne Anlass, die Druckerei, 
aus welcher auch die Aaehener Zeitung hervorging, auf kurze 
Zeit zu schliessen 2 . Zwei Jahre spater war Estienne der Aaehener 
Zeitung giinstig gesinnt. Er bezeichnete sie als ein Blatt 
fiir Anzeigen und Handelsnachrichten, welches nie etwas den 
republikanischen Grundsatzen Gefahrliches gebracht habe und 
dessen Anzeigen niitzlich seien. „Die Herausgeberin Johanna 
Miiller," so fahrt Estienne fort, „verschafft durch ihre Thatigkeit 
einem seit langen Jahren an das Krankenlager gefesselten Greise 
denUnterhalt 3 / 

Dagegen erhielt am 4. Februar 1806 der Aaehener Maire 
vom Prafekten den Auftrag, die Stadt-Aachener Zeitung zu 
hemmen, weil sie in Nr. 10 eine respektable Institution und 
ihre Mitglieder lacherlich gemacht hatte. Nachdem die boheren 
Offiziere der Nationalgarde zu Gunsten der Herausgeberin 
Fraulein Miiller sich verwandt hatten, wurde das Verbot auf- 
gehoben. Zum zweiten Mai erfolgte am 21. Dezember 1807 
eine Untcrdruckung wegen der Veroffentlichung anderer poli- 
tischer Artikel als derjenigen des Moniteur. Auf Verwendung 
des Maire wurde bald nachher der Aaehener Zeitung gestattet, 
als ein Wochenblatt pur fiir Anzeigen zu erscheinen 4 . Die Lage 
war indess eine unhaltbare geworden. Jedenfalls ging das Blatt 
schon vor dem 1. September 1809 ein; es erschien erst wieder 



*) In der Ankiindigung heisst es, die Aaehener Zeitung habe seit 70 
Jahren bestanden und sei ausschliesslich zur Einriickung gewohnlicher Anzeigen 
seitens des Raths berechtigt. 

2 ) Das liber das Verhbr der Geschaftsfnhrerin der Miillerschen Druckerei, 
Frl. Johanna Mtiller, am 19. November 1797 aufgenommene Protokoll ist im 
Aachenener Stadtarchiv erhalten. Johanna Miiller erklart wortlich: „Sic 
habe geglaubt, dass sie bei der (nachgelassenen) Pressfreiheit keiner beson- 
dern Erlaubniss bedtirfe, wenn sie nnr den Verfasser auf Erfordern nam- 
haft machen konne; es ware ihr bei der erhaltenen Erlaubniss zum Drucken 
miindlich verboten worden, etwas gegen Gott, die guten Sitten und die Obrig- 
keit zu drucken; sie habe das Stuck nicht ganz, sonderen nur bruchstiickweise 
erhalten und gesetzt und nicht erwogen, dass darin etwas Anstossiges eut- 
halten sei, sonst wiirde sie solches nicht gedruckt haben. u 

") Vgl. Anhang IV. 

4 ) Kantzeler a. a. 0. 



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Beitr&ge zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buehhandels etc. 129 

unmittelbar nach der Vertreibung der Franzosen am 18. Januar 
1814 unter demselben Redakteur Weiss, welcher in den drei un- 
mittelbar vorher gehenden Jahren das Journal de la Roer 
redigirt hatte. 

Im Ganzen bewahrte die Aachener Zeitung im ersten Jahre 
nach der Fremdherrschaft — die spatere Zeit braucht hier nicht 
erortert zu werden — eine wiirdige Haltung. Ohne den neuen Zu- 
standen riickhaltlos zuzujubeln, wies Weiss wiederholt auf * das 
Wiedererwachen deutschen Geistes und deutscher Gesinnung hin 
und schrieb im Mai 1814 nach der Uebergabe von Julich in rich- 
tiger Beurtheilung der Verhaltnisse: „Wenn man sich die Lage 
der Franzosen im vorigen Jahre vergegenwartigt, wo sie noch an 
den Grenzen Asiens alien Volkern Trotz boten, und nun den 
schwachen Ueberrest dieser kolossalen Macht friedlich in seine 
Heimath zuriickkehren sieht, so muss man abermals die ewige 
Wahrheit anerkennen, dass nur das von Dauer sein kann, was 
auf Gerechtigkeit, Wahrheit und Menschlichkeit gegrundet ist. tt 

Nur von einem Fehler hielt Weiss sich nicht frei; auch er 
schmahte den gesturzten Titanen \ den er kurz vorher im Journal 
de la Roer so oft bis zu den Wolken erhoben hatte. Weiss 
fuhrte die Redaktion der Aachener Zeitung bis zu seinem am 
2. Okt. 1821 erfolgten Tode; sein Nachfolger wurde H. Leuchten- 
rath, ein friiherer Angestellter in der Weissschen Druckerei, 
welche er zu Ende des Jahres 1821 kauflich ubernahm 2 . 

Tauscht nicht alles, so trat neben der Aachener Zeitung 
in den ersten 42 Jahren ihres Bestehens in Aachen kein anderes 
Zeitungsblatt in die Oeffentlichkeit. In zwei Anzeigen aus dem 
Jahre 1771 3 wird „von wegen der Direktion der Gesellschaft 

2 ) Dies geschah damals allgemein in Frankreich und in den rheinischen 
Gegenden; vgl. die Ausfiihrungen in Thiers, Geschichte des Consulats 
und des Kaiserreichs. Als Probe der von der Redaktion der Aachener Zei- 
tung angenomraenen Gedichte folgende Verse in den Nummern vom 8. April 
bezw. 29. April 1814: 

„Den Korsen, den Tyger, 
Den Furienknecht, 
Ihn zucht'gen die Sieger 
Fur Menschheit und Recht." 
„An der Elbe ward er lahm, Auf der Elba wird er zahra." 
Grossere Schmahschriften gegen Napoleon I. nach seinem Sturz sind in 
Aachen nicht erschienen. 

2 ) Verschiedene Angaben im letzten Quartal 1821 der Aachener Zeitung. 

3 ) Aachener Zeitung vom 5. Juli und 23. August 1771. 

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130 E. Pauls 

der interessanten Zeitung" das Erscheinen einer „interessanten 
oder nutzlich vergnugenden Zeitung" ftir Ende August 1771 in 
bestiramte Aussicht gestellt. Das Blatt sollte in deutscher Sprache 
wochentlich in der Starke von vier ganzen Blattern erscheinen 
und „alle nutzlich und vergniigende Gegenstande nebst denen 
Offentlichen wahren und wichtigen Neuigkeiten enthalten". Sollte 
diese Zeitung iiberhaupt jeraals erschienen sein, so hat sie jeden- 
falls nur ein sehr kurzes Dasein zu verzeichnen gehabt; spater 
ist von ihr nicht mehr die Eede. 

Im November 1771 legte der Postmeister Eugen v. Heins- 
berg in Aachen dem Rathe ein kaiserliches Privileg vor „wegen 
dahier zu drucken vorhabender kaiserlicher Postamtszeitung" K 
Der Rath uberwies dem Syndikate das beigefugte Gesuch und 
genehmigte dasselbe bald nachher 2 . Urn Neujahr 1772 trat die 
neue Zeitung in's Leben 3 , gleichzeitig mit Friedrich Freiherrn 
von der Trencks Wochenschrift „Der Menschenfreund", welche 
als Beilage zugegeben wurde. Augenscheinlich hat Trenck auch 
an der Redaktion der Postamtszeitung hervorragenden Antheil 
genommen, sie vielleicht sogar langer als zehn Monate hindurch 
ausschliesslich geleitet 4 . Der breite, seichte Wortschwall seines 



*) Rathsprotokoll vom 8. November 1771: „Kleins Raths. Nachdeme das 
von herrn Eugenio von Heinsberg gesteren pr&sentirte kayserliche aller- 
gnadigste privilegium wegen dahier zu drucken vorhabender kayserlichen 
postambts-zeitung de dato 5. augusti jungsthin in senatu verlesen, so 
hat ein ehr barer rath selbiges syndicatui zuzustellen verordnet." 

2 ) Rathsprotokoll vom 15. November 1771: „Kleins Rath. Die a syndi- 
catu concipirte uberkumbst puncti der zufolg allergnadigsten kayserlichen 
privilegii hier zu drucken vorhabender reichsstadt-Aachischen postsambts- 
zeitung ist ihres verlesenen inhalts von einem ehrbaren rath approbirt." 
(Dass Eugen v. Heinsberg in Aachen das Amt eines Postmeisters bekleidete, 
ergibt sich aus Anhang III.) 

3 ) Sie erschien zweimal wSchentlich in der Starke von je vier Quart- 
seiten und wurde nebst der Beilage in der stadtischen Buchdruckerei gedruckt. 

4 ) Hierfiir spricht zunachst der Umstand, dass Trenck sich als Ver- 
fasser der Beilage nennt und dass sein Stil im Hauptblatt unverkennbar ist. 
Einmal heisst es in einem Artikel des Hauptblatts (Nr. 48 vom 15. Juni 1772): 
„Wir kennen Polen seiner innern und aussern Beschaffenheit nach als wirk- 
liche Augenzeugen." Ausser Trenck gab es aber im J. 1772 keinen Schrift- 
steller in Aachen, der Polen grilndlich kannte. Auch nach v. Reumont 
(Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins VI, S. 216) gab Trenck in Aachen 
eine politische Zeitung heraus, welche nur die Postamtszeitung gewesen sein 
kann. Zur Biographie Trencks hier noch die Notiz, dass derselbe alleni An- 
schein nach im J. 1775, sicherlich nur fur sehr kurze Zeit, auch fur die 



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Beitrage zur Geschichte der Bachdruekereien, des Buchhandels etc. 131 

Stils tritt in fast jeder Nummer zu Tage, dabei stossen wir 
zuweilen auf versteckte Ausfalle gegen die Kirche und die 
Geistlichkeit. So heisst es in einem Leitartikel 1 zum Namens- 
tage Josephs II. : „Unser grosser Joseph ist tiber die kriechen- 
den Vorurtheile weit erhaben. Gekiinsteltes Jauchzen, giildene 
Opfer, das Blut geraetzelter Schafe, „der a Mark entnervter 
Lander auf kostbaren Schusseln vergnugen ihn nieht. Erhabene 
Wissenschaften, Voltaire, Leibnitze und Gelehrte oder kiinstlich 
riihrende Dichter sind leider in unsern Mauern nicht zu finden, 
urn wiirdige Lobgedichte fur den grossen Joseph zu schreiben." 
In andern Nummern findet sich neben albernen Klostermarchen 
die Angabe, dass der Papst in Kleinigkeiten ebensowohl als in 
Staatsgeschaften mit der aussersten Heimlichkeit zu Werke gehe, 
dass der polnische Pobel mehr dureh Mirakel als durch Menschen- 
pflichten geleitet werde u. dergl. 2 

Kaum zwei Monate nach dem Erscheinen der ersten Nummer 
traf die Postamtszeitung vom fernen Danemark her ein Ordnungs- 
ruf. Dort regierte der geistesschwaehe Konig Christian VII., 
dessen Gemahlin unter der Anklage stand, mit dem an die Spitze 
der Eegierung getretenen Leibarzt Struensee allzu vertrauten 
Umgang gepflogen zu haben. Im Februar 1772 hatte die Aachener 
Postamtszeitung gemeldet, dass die Gemahlin des Konigs in 
einem Thurme des Schlosses Kronenburg eingesperrt sei und 
hochst niedertrachtig behandelt werde, dass die Konigin-Mutter 
die Schuld treffe und dass Struensee „der Gnade der jungen 
Konigin sich unumschrankt bemachtigt habe" 3 . Wohl infolge 
dieser Angaben reichte der Graf von der Osten auf Befehl 
Christians VII. beim Aachener Rath eine eingehende Beschwerde 
mit dem Ersuchen ein, den Zeitungsschreiber, welcher sich 
erfrecht habe, ganz offenbare Unwahrheiten und handgreifliche 



(Reichsstadt) Aachener Zeitung- schriftstellerisch thatig war, wie aus den 
Nummern vom 25. Marz, 1. Juli if. der Aachener Zeitung des Jahres 1775 
hervorgehen diirfte. 

J ) Kais. Reichs-Postamtszeitung zu Aachen Nr. 23 vom 19.. Marz 1772. 

2 ) Ebendaselbst Nr. 3 vom 9. Januar 1772; Nr. 6 vom 20. Januar 1772; 
Nr. 11 vom 6. Februar 1772 und manche Artikel in spatern Nummern. 

8 ) Ebendaselbst Nr. 14 vom 17. Februar 1772; Nr. 15 vom 20. Fe- 
bruar 1772; Nr. 16 vom 24. Februar 1772. Nach Nr. 15 zu schliessen, hiess 
es schon damals in Aachen, die Postamtszeitung werde bald unterdriickt 
werden. Und in Nr. 16 war Trenck so weit gegangen, „ein abscheuliches 
Projekt der medizinischen Kunst Strucnsees" anzudeuten. 

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132 E. Pauls 

Erdichtungen in die Welt auszustreuen, fur seine tollkiihne 
Vermessenheit zur gebiihrenden Strafe zu Ziehen 1 . 

Der Rath forderte den Postmeister v. Heinsberg zur Ver- 
antwortung auf, indem er ihm gleichzeitig die Anweisung gab, 
„in Zukunft ohne vorlaufiger ordentlicher Censur keine Zeitung 
drucken noch austheilen zu lassen". Nicht ungeschickt, stellen- 
weise sogar etwas schalkhaft, wies nunmehr die Aachener Post- 
amtszeitung zu Ende Marz 2 in einem langern Artikel darauf 

*) Eathsprotokoll vom 20. Marz 1772: „Kleins Kaths — 1st das durch 
den herrn grafen von der Osten Eccelenz auf allergnadigsten befehl seiner 
kouiglichen Mayestat in Dennemark de dato Copenhagen den 10. martii a. c. 
abgelassenes sreiben verlesen und darauf folgende uberkomst ergangen. Nach- 
deme ab seiten ihrer kBniglichen Mayestat in Dennemark in einem durch 
des herrn graven und allerhochstgedachter seiner koniglichen Mayestat staats- 
ministera von der Osten Eccelenz an einen ehrbaren Rath abgelassene sreiben 
de dato Copenhagen den 10. dieses uber die wegen seit kurzem in Copen- 
hagen sich geausserten vorfallen der stadt- Aachischen teutschen 
Zeitung Nr. 14 und folgenden eingeruckten austriicken in nachstehenden 
formalibus allergnadigstes bcschwer geftihret worden. „Der verfasser einer 
in des heiligen romischen reichs stadt Aachen durch tffentlichen druck gemein 
gemachten teutschen Zeitung hat sich in der 14. und folgenden nummeren 
seiner blatter vom jetzigen jahre hflchst unbesonnener weise erfrechet, uber 
die seit kurzem alhie sich eraugnete vorfalle nicht nur ganz offenbare un- 
wahrheiten und handgreifliche erdichtungen in die welt auszustreuen, sondern 
auch solche durch angeheftete ebenso lappische als boshafte raisonnements 
noch mehr za vergiften getrachtet. 

Auf des konigs meines herrn hefehl habe ich die ehre, euer Wohl- 
geboren und Hochedelgeboren diese unter ihrer botnmssigkeit begangene 
grobe frevelthat vor augen zu legen und namens ihro Mayestat von denen- 
selben zu begehren, dass sie gedachten zeitungsschreiber fur seine tollkiihne 
vermessenheit zu gebuhrender strafe zu ziehen und einer durch ihn zu 
beleidigen gesuchten ganzen nation eine hinlangliche satisfaction zu ver- 
schaffen keinen aufschub zu nehmen belieben wollen. Ihro konigliche Mayestat 
versprechen x. x." 

Als wird dem herrn von Heinberg als verfassern solcher zeitung hiemit 
aufgegeben, sich intra proximam senatoriam uber gemelten ohne censur zum 
druck bef Order ten nummer 14 und folgenden fur so viel die darinnen befaste 
Copenhagensche vorfalle betrift, sich gebuhrend zu verantworten und zu- 
gleich ohne vorlaufiger ordentlicher censur keine zeitung drucken noch aus- 
theilen zu lassen. Et intimetur; de insinuatione eodem facta retulit Erasmus." 
(Rathsprotokolle Band XXXII, Bl. 17 v. u. 18.) 

*) Nr. 26 vom 30. Marz 1772. Aus spatern Rathsprotokollen vom 
12. Marz 1773, 20. und 26. Marz 1773, 2. April 1773 und 17. Dezember 1773 
scheint hervorzugehen, dass seitens des Aachener Raths der Advokat Schwartz 
zum Censor der Postamtszeitung bestellt war. Ein naheres Eingehen hierauf 
lohnt nicht der Miihe, da die in den vorstehenden Protokollen als vorhanden 
bezeichneten Schriftstiicke jetzt fehlen. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 133 

hin, dass sie nur nach englischen Zeitungsquellen berichtet 
habe, dass sie gem widerrufen und alles das in Hire Spalten 
aufnehmen wolle, was Se. Danische Majestat ihr zuzuschicken 
geruhen wiirden, soweit dies mit den Bestimmungen des Kaiser- 
lichen Privilegs sich vertrage. 

Damit scheint die danische Beschwerde erledigt gewesen 
zu sein. In der Rathssitzung vom 3. April 1772 * wurde eine 
von v. Heinsberg eingereichte schriftliche Eechtfertigung zur 
Uebermittlung an die Beschwerdestelle entgegen genommen. 

Ein Befehl des Fursten v. Thurn und Taxis verbot zu 
Ende Juni 1772 2 die Versendung und Ausgabe der Aachener 
Postamtszeitung alien Postamtern. Der Grund ist nicht ermittelt; 
vielleicht war wiederum eine allzu kiihne Besprechung des Looses 
der danischen Konigin die Ursache. Unverfroren hatte namlich 
kurz vorher die Aachener Postamtszeitung 3 die Ankunft der 
unglucklichen Gemahlin Christians VII. auf deutschem Boden 
mit folgenden zweideutigen Worten begriisst: „Drohungen haben 
uns nicht zwingen konnen, die edle Wahrheit zur Schmach der 
Schwester des grossen Konigs der Britten zu bemanteln. Um 
mit dem Strome zu schwimmen, wollten wir nicht liigen." Jeden- 
falls trat das Thurn-Taxische Verbot bald ausser Kraft 4 . 

Im Spatherbst 1772 kam die Postamtszeitung zum dritten 
Mai wahrend desselben Jahres dem Untergang nahe. In einem 
Leitartikel 5 hiess es in echt Trenckscher Art u. A.: 

„ Jetzt wird es sich bald zeigen, ob das Gespenst des wirk- 
lich getheilten polnischen Baren, welchem drei Adler den Pelz 
rupften, noch in der Menagerie (so!) zu Versailles die Lilien- 
gartner beschaftigen oder erschrecken wird. Eben diese kiihnen 

*) „3. April 1772. Kleins raths. Auf verlesung der an seiten kiesigen 
kayserliehen reichs-postambts-directoris von Heinsberg prascntirten so be- 
namtcn abgedrungenen unpraiudicirlichen verantwortung und erklarung mit 
reservation und protestation ist rathssitzlich uberkommen, dass die darin 
enthaltene von Heinsbergische ausserungen gehSrigen orts unverhalten werden 
sollen." (BeamtenprotokoUe Band XXXII, Bl. 20 v .) 

2 ) Erklarung des Kaiserlichen Postamts zu Aachen vom 25. Juni 1772; 
irrig im Exemplar der Stadtbibliothek der Nr. 24 vom 23. Marz 1772 der 
Aachener Postamtszeitung beigebunden. 

8 ) In Nr. 48 vom 15. Juni 1772. 

4 ) Folgt daraus, dass alle Nummern des Jahrgangs 1772 vollstandig 
vorhanden sind. Es kann sich also nur um eine kurze Unterbrechung, oder 
um die Nachlieferung sehr weniger Nummern gehandelt haben. 

5 ) Nr. 82 vom 12. Oktober 1772. 



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134 E. Pauls 

Adler haben bei dem klugsten Sitze des Witzes zum Ungliick 
Frankreichs keine Feder verloren, welche fur das Bourbonische 
Kabinetts-Sekretariat passt, und mit Gansefedern, die Mazarin 
und Richelieu brauchten, schreibt man nicht mehr in Frankreich". 

Gegen diesen Artikel wurde auf „allerhochsten Befelil", 
jedenfalls von Wien aus, Verwahrung eingelegt. Feierlich wider- 
rief v. Heinsberg, erklarte sich zu jeder Genugthuung bereit 
und theilte gleichzeitig mit, dass er den ehemaligen Verfasser als 
einen unbesonnenen und selbst gefahrlichen Mensehen „abgedankt a 
und nunmehr fiir die Zeitung einen Herausgeber bestellt habe, 
welcher mit aller Bescheidenheit suchen werde, das Blatt viel- 
mehr nutzlich als anstossig zu machen 1 . 

Zum Dank fiir seine Entlassung nannte von der Trenck in 
einer seiner spatern Schriften die Zeitung des Postmeisters eine 
klagliche Leistung. Von seinem Standpunkte aus hatte der selt- 
same Schriftsteller sicherlich Recht, denn in den folgenden Jahr- 
gangen suchen wir vergeblich nach Anklangen an die hohlen, 
verletzenden Redensarten und unchristlichen Lehren, deren Ver- 
breitung Trenck so sehr sich angelegen sein liess. Die ruhig 
gehaltenen Artikel der neuen Redaktion vermieden es sorgfaltig, 
politische oder religiose Empfindlichkeit zu verletzen, so dass 
sie zu grossern Aussetzungen keinen Anlass geben konnten. 
Fiir zwei Tageszeitungen war indess damals urn so weniger 
Raum in Aachen, als nur eine derselben sich mit der Aufnahme 
von Anzeigen befassen durfte. Zu Ende Juni 1775 ging die 
Aachener Reichs-Postamtszeitung ein, nicht ohne den Rtickzug 
damit zu beschonigen, dass sie iiber Mangel an Stoff und von 
Tag zu Tag „undurchdringlicher werdende Kabinetts-Geheim- 
nisse" in lebhaften Klagen sich erging 2 . 

Der Beilage zur Aachener Postamtszeitung, von der Trencks 
„Menschenfreund a , einer kirchenfeindlichen Schrift, ist im Gegen- 
satz zu dem ortsgeschichtlich kaum bekannt gewordenen Haupt- 
blatt eine eingehende Wlirdigung langst zu Theil geworden. 
Die nicht unbedeutende einschlagige Literatur haben v. Reumont 
und Oppenhoff zusammengestellt, so dass hier nur auf deren 
reichhaltige Aufsatze verwiesen werden kann 3 . Irrig sagt 
v. Reumont an zwei Stellen, dass der „Menschenfreund" in den 



J ) Nr. 99 vom 10. Dezember 1772. 

2 ) Nr. 52 vom 29. Juni 1775. 

s ) Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins VI, S. 224 und S. 54. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 135 

Jahren 1772 — 1775 erschienen sei 1 . Thatsaehlich erschien der- 
selbe nur im J. 1772; die Ausgabe von 1775 ist ein urn ein 
werthloses Neujahrsgedicht vermehrter Abdruck der Ausgabe 
des Jahres 1772. Ferner scheinen sowohl v. Reumont als 
Oppenhoff ein im J. 1781 in Aachen erschienenes Schriftchen 
„Der Denker iiber den Menschenfreund" 2 nicht zu kennen, 
welches indess schwerlich auf besondern Werth Anspruch zu 
machen hat. Der Erzpriester Tewis, Trencks geistvoller Gegner, 
verwahrte sich entschieden dagegen, an der Herausgabe irgend- 
wie betheiligt zu sein 3 . Aus der beriihmt gewordenen literarischen 
Fehde, welche iiber den „Menschenfreund a zwischen dessen 
Verfasser und dem Erzpriester Tewis sich entspann, deuten wir 
hier nur eine einzige ftir die Kampfesweise beider Gegner bezeich- 
nende Stelle an 4 , welche die Eigenthiimlichkeit Trencks, die 
Gegner durch Beschimpfungen mundtodt machen zu wollen, hin- 
langlich cliarakterisirt. Nachdem Trenck im Vorbericht seines 
„Menschenfreund" von langohrigen Wissenschafts-Kommissaren, 
arkadischen Censuristen 5 , verwegenen, muthwillig ausschlagen- 
den Eseln u. s. w. gesprochen, versuchte er spater, einer Kritik 
seiner Schriften durch folgende Leistung die Spitze abzubrechen: 
„Wenn Tolpel Schmerbauch, Kilian Biiffel, Hans Bavian und 
Gorgen Schafreckel, oder gar die ehrwiirdigen Matronen Camilla 
und Megara Trencksche Schriften censiren wollten, so empfehle 
ich dem Einen Eulenspiegels Legende, dem Andern Cochems 
Philosophic". 

Tewis entgegnete vornehm, dass er auf solche Unanstandig- 
keiten nicht eingehen wolle, dabei aber die „Menschenliebe 
des Menschenfreundes" nur bewundern konne; im Uebrigen 
sei Cochems „ehristliche Einfalt" dem Allgemeinwohl sicherlich 
weit zutraglicher, als der ganze Muthwille der im Reiche der 
Thorheit verbundeten Herren Freigeister. 



') Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins VI, S. 216 ff., S. 223. 
2 ) Aachener Zeitung vom 31. Marz 1781. Kauflich ein Werkchen : „Der 
Denker tiber den Menschenfreund", nebst einer ausserordentlichen Zugabe. 
s ) Aachener Zeitung vom 18. April 1781. 

4 ) Hier gektirzt und unwesentlich geandert. Naheres im „Menschenfreund u 
2. Blatt des Vorberichts und im entlarvten Menschenfreund S. 47. 

5 ) Einer der Censoren und Gonner der Tewisschen Gegenschrift war der 
Predigermonch F. Dominikus Loup. Diesen bezeichnete Trenck spater als: 
F. Dominicus Lupus, in ollis alienis vorax, ordinis Praedicatorum stupidissi- 
mus censor. 



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136 E. Pauls 

Zur Kenntniss der Zustande in Aachen liefert der „Menschen- 
freund" keine Beitrage, nur geht aus einer kurzen Notiz hervor, 
dass dort zu Trencks Zeit der Glaube an ein „Badekalb (Bakauf)" 
genanntes Gespenst bereits verbreitet war 1 . 

Trencks Lehren fielen in Aachen auf unfruchtbares Erdreich, 
doch lebte das Andenken an den merkwiirdigen Philosophen 
im Offizierrock 2 noch lange fort. Wiederholt 3 berichtete der 
Aachner Zuschauer iiber Trencks Geschick, nachdem derselbe 
zu Paris sich der Revolution in die Arme geworfen hatte, urn 
als deren Opfer auf dem Blutgeriist zu enden. 

Zu Ende des Jahres 1773 versuchte der Chevalier de Berny 
in Aachen die Griindung einer „ Soiree amusante" genannten Zeit- 
schrift. Nach einer langen Anzeige in der Kolner Zeitung zu 
schliessen 4 , sollte das Blatt jeden Donnerstag in der Starke 
von nicht weniger als sechszehn Seiten erscheinen und Gedichte 
sowie Aufsatze bringen, welche geeignet seien 5 , auf das Gemiith 
und den Geist der Leser veredelnd einzuwirken. „de Berny", 
so heisst es, „ist an fast alien europaischen Hofen durch seine 
schriftstellerischen Leistungen, darunter namentlich sein dem 
Herzog Ferdinand von Braunschweig gewidmetes Buch liber den 
Krieg (Livre de la guerre), bekannt. Da er sich der Gunst 
des Aachener Magistfats und vieler anderer Personlichkeiten 
erfreut, darf er wohl auf eine allgemeine Betheiligung hoffen." 

In der ortsgeschichtlichen Literatur geschieht der Soiree 
amusante iin Aachener Kalender des Jahres 1880 Erwahnung 6 ; 
ein Exemplar sucht man dagegen in den bedeutenden Stadt- 



*) Der Menschenfreund Nr. 14, S. 106: Das Bachkalb in Aachen ist bei 
den hiesigen alten Weibern das, was die weisse Frau in Berlin, der Rtibe- 
zahl auf dem Zottenberge und der Kanonentrager in Luxemburg ist. Es 
ist aber bisher dem Namen nach unter den fremden Nationalgespenstern 
noch nicht bekannt, weil die hiesigen Hexen die Bequemlichkeit zu sehr 

lieben, um nach dem Blocksberg zu reiten (Vgl. iiber das Bade- 

kalb: J. Miiller, Aachens Sagen und Legenden 1858, S. 137, und Aus Aachens 
Vorzeit III, S. 15.) 

2 ) Trenck war Kaiserl. Konigl. Oberstwachtmeister (Major). 

8 ) Aachner Zuschauer Nr. 88 vom 3. August, Nr. 116 vom 7. Oktober 
1793; Nr. 122 vom 21. Oktober 1793; Nr. 95 vom 9. August 1794. 

4 ) Gazette de Cologne Nr. 103 vom 24. Dezember 1773. 

5 ) feuille periodique en vers et en prose avec des reflexions 

morales et autres pieces de societe, propres a former le coeur et Tesprit et 
faites pour le sentiment. 

6 ) Zimmermann, Aachener Kalender fur das Jahr 1880, S. 125. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchkandels etc. 137 

bibliotheken zu Aachen und Koln, sowie in der Koniglichen 
Universitatsbibliothek zu Bonn vergebens x . Der Aachener Rath 
hatte unterm 21. Januar 1774 2 seine Genehmigung zur Heraus- 
gabe der Zeitschrift ertheilt, hat aber sicherlich nur sehr kurze 
Zeit hindurch die ausbedungenen fiinf Freiexemplare erhalten, 
da die Soiree amusante anscheinend schon im zweiten Halbjahr 
des Jahres 1774 einging. 

Spa scheint fur Aachen im vorigen Jahrhundert mitunter 
tonangebend gewesen zu sein. Nach dem Vorgange Spas war 
in Aachen das St. Aubinsche literarische Kabinett errichtet 
worden 3 , und vielleicht war das Beispiel Spas fiir Aachen auch 
ausschlaggebend in Bezug auf die Ausgabe einer gedruckten 
Fremdenliste. Eine solche Liste besass Spa seit 1751 4 , Aachen 
folgte in einem spatern, bis jetzt nicht festgestellten Jahre. Die 
in der Aachener Stadtbibliothek vorhandenen Jahrgange der 
Liste des Strangers venus aux eaux min6rales d'Aix-la-Chapelle 5 
beginnen mit 1779; die Jahrgange 1780, 1781 und 1782 sind 
nur in einem handschriftlichen Auszuge vertreten, dagegen die 
von 1783 bis 1793 in gedruckten Ausgaben; von 1794 bis 1801 
einschl. fehlt jedes Exemplar, die Jahrgange 1802 bis 1814 
liegen ziemlich vollstandig vor und zum Jahre 1815 findet sich 
folgende Notiz 6 : „Wegen der Flucht von der Insel Elba und 
Landung des Napoleon Bonaparte in Frankreich und daraus 
entstandenen blutigen Kriegs ist im J. 1815 die Liste der Aachener 
Kurgaste in Druck nicht erschienen." Jedenfalls erschien zwischen 



J ) Ebenso erfolglos blieben versehiedene Versuche, in Privatsammlungen 
ein Exemplar ausfindig zu machen. 

2 ) Kathsprotokoll vom 21. Januar 1774: „Kleins Baths. Nachdeme das 
tres respectueux expose du chevalier de Berny heut verlesen, so hat ein ehr- 
barer rath demselben, naehdeme herr scheffen de Witte sich zur censure des 
feuille periodique bey herren burgermeisteren anerbotten, die erlaubnus das 
feuille periodique intitulee la soir6e amusante dahier drucken zu lassen 
ertheilet, zugleich auch demselben das burgerrecht gratis vergonnet mit dem 
vorhalt, dass er funf exemplaria darab jedesmal aufm rathhaus einbringen 
solle." (llathsprotokolle Band XXXII, BL 77 r .) 

8 ) Vgl. S. 109. 

4 ) A lb in Body, Bibliographie Spadoise 1875, p. 38. 

5 ) Der Titel anderte sich spater mehrfach. Einschmeichelnder lautete 
nach Body in Spa der Titel: Liste des Seigneurs et Dames qui nous ont 
fait Phonneur de venir a Spa. 

6 ) Handschriftlich am Schluss der letzten Nummer des Jahres 1814 im 
Exemplar der Aachener Stadtbibliothek. 



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138 E. Pauls 

1794 und 1802, ahnlich wie in Spa 1 , eine Liste deshalb nicht, 
weil die in den ersten Jahren ungemein triibe Zeit der franzo- 
sischen Herrschaft Kurgaste fast vollstandig fern hielt. Urspriing- 
lich gehorte die Herausgabe der Fremdenliste zu den Vorrechten 
der stadtischen Buchdruckerei 2 ; spater nennen sich bald Bovard, 
bald Beaufort als Drucker. In manchen Jahrgangen fehlt jede 
Numerirung und Paginirung, stellenweise sogar auch die genaue 
Datirung. 

Trotz mancher Ungenauigkeit 3 liefern die Fremdenlisten 
durch die Wiedergabe der Namen und Titel der Besucher, durch 
die Angabe der friihern Bezeichnungen von Wohnungen und 
Platzen, sowie durch Anzeigen der verschiedensten Art 4 zur 
Ortsgeschichte hochst werthvolle Beitrage, und namentlich die 
Jahrgange von 1779 bis 1814 durften eine genaue Durcharbeitung 
verdienen. Aus diesen Jahrgangen hier nur zwei Notizen zur 
Geschichte des Besuchs fiirstlicher Personlichkeiten in Aachen. 

1784. 

Juli 24. Au bain St. Charles chez Marneffe: Monsieur le 
comte de Haga 5 . 

J ) Body a. a. 0. ... cessa de paraitre pendant les ann6es 1795 a 1800 

inclusivement; fit sa reapparition en 1801. (Spa scheint demnach 

wahrend der ersten Zeit der Fremdherrschaft bedeutend weniger Ausfall an 
Kurgasten gehabt zu haben, als Aachen.) 

2 ) Vgl. S. 102. 

3 ) Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins II, S. 73. 

4 ) Sie betreffen meist Weine, Liqueure, Tuchstoffe und andere in einem 
Badeort gesuchte Artikel. Ich fand nur zwei bemerkenswerthe Bltcher- 
anzeigen, namlich: 1807: Itin6rairc d'Aix-la-Chapelle et de Boreette avec un 
plan topographique, par J. B. de Bouge. Bruxelles 1806; ferner 1812: Itineraire 
d'Aix-la-Chapelle et de ses environs par Poissenot. 

5 ) Unter dem Namen eines Grafen von Haga war KSnig Gustav III. 
von Schweden zu Ende des vorigen Jahrhunderts wiederholt in Aachen. 
Dass auch in diesem Falle Gustav III. gemeint ist, folgt daraus, dass hinter 
der gedruckten Mittheilung handschriftlich sich vermerkt findet: „Le Eoy 
de Suede", und dass in der Liste an den Namen des Grafen Haga die 
Namen von fiinf Personen des KSniglichen Gefolges sich anschliessen. Ge- 
schichtlich ist die vorliegende Angabe der Fremdenliste bedeutsam. In 
seiner Abhandlung iiber die Besuche Gustavs III. (Zeitschrift des Aachener 
Geschichtsvereins II, S. 1 if.) kennt v. Reumont an verschiedenen Stellen 
nur zwei Besuche des Schwedenkflnigs in Aachen. Die in der Aachener 
Fremdenliste zu Ende Juli 1784 verzeichnete Anwesenheit Gustavs III. in 
Aachen ist v. Reumont unbekannt geblieben. Sie fiel in die Zeit der Riick- 
reise von Paris, welches Gustav III. am 19. Juli 1784 verlassen hatte. 
(v. Reumont a. a. 0. S. 24.) 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhaudels etc. 139 

1812. 

Hotel de madame veuve Offermanns, quai des Capucins: 
S. M. la reine Hortense, S. A. J. le grand due de Berg, s. A. 
J. le prince Louis 1 . 

Fiinfzehn Jahre nach dem Eingehen der Postamtszeitung 
trat wiederum ein politisches Blatt, diesmal unter dem Titel 
„Politischer Merkur fur die niederen Keichslande", mit der 
Aachener Zeitung in Wettbewerb. Ueber den Herausgeber Franz 
Dautzenberg liegen nur wenige bestimmte Angaben vor. Nach 
Spolgen ist er identisch 2 mit dem am 17. Marz 1828 im Alter von 
59 Jahren zu Aachen verstorbenen Stadtrath Dautzenberg 3 , dem 
Grunder der Aachener Stadtbibliothek. Unzweifelhaft war Dautzen- 
berg ein reich veranlagter Schriftsteller, dessen Scharf blick es nicht 

*) Der Besuch der KGnigin Hortense in Aachen im Sommer 1812 ist 
bekannt (Haagen, Geschichte Achens II, S. 469), kaum dagegen die da- 
malige gleichzeitige Anwesenheit ihres Sohnes, des Prinzem Karl Ludwig 
Napoleon (prince Louis), des nachmaligen Kaisers der Franzosen Napoleon III. 
Einige weitere Angaben liber die Konigin Hortense in Aachen linden sich im 
Jahrgang 1812 des Journal de la Roer. Das Hotel de madame veuve Offer- 
manns, in welchem im J. 1818 wahrend des Kongresses Kbnig Friedrich 
Wilhelm III. Wohnung nahm (Haagen a. a. 0. S. 524), ist das (jetzt frei- 
lich umgebaute) Versammlungshaus der Gesellschaft Erholung auf dem 
Friedrich Wilhelm-Platz. Napoleon III. sah Aachen wieder auf der Durch- 
reise in den ersten Tagen nach der Schlacht bei Sedan bei seiner Ueber- 
fiihrung als Gefangener nach Schloss Wilhelmshbhe. 

2 ) Aus Aachens Vorzeit V, S. 28. Herr Dr. Spolgen stutzt nach einer 
giitigen Privatmittheilung seine Behauptung auf die Angaben eines (jiingern) 
Zeitgenossen Dautzenbergs. 

8 ) Sterbehaus : Lit. B. N. 764 = Markt 33. In der Sterbeurkunde (Standes- 
amt Aachen) lauten die Vornamen „Peter Joseph Franz". Dieselben Vornamen 
flihrte der Verfasser der bei Haagen (Geschichte Achens II, S. 399 und 400) 
unter 2 und 10 bezeichneten Schriften; der Redakteur des Politischen 
Merkur (Aachner Zuschauer) nennt sich in den mir vorliegenden Quellen 
stets Franz Dautzenberg. Dass dieser bei Beginn seiner Redaktionsthatigkeit 
ein junger Mann war, folgt aus seiner literarischen Fehde mit Vliex, dem 
Herausgeber des Aachener Wahrheitsfreund, welcher Dautzenberg wiederholt 
als Scriberlche, tollen Knaben u. dergl. bezeichuete. Die Angaben Spolgens, 
sowie die Uebereinstimmung der Vornamen veranlassen mich, im Nachfolgenden 
den Verfasser der bei Haagen a. a. 0. genannten Schriften, den Redakteur 
Franz Dautzenberg und den im Marz 1828 verstorbenen Aachener Stadtrath 
P. J. F. Dautzenberg als dieselbe Person zu betrachten. Nach Haagen 
(a. a. O.II, S. 420) war „Dautzenberg tt im Januar 1793 Sekretair des Jakobiner- 
klubs in Aachen. Wohl jedenfalls handelt es sich auch hier urn den Redakteur 
Franz Dautzenberg, welchen seine franzosenfreundliche Gesinnung in Ver- 
bindung mit einer von jugendfrischer Hand gefuhrten, geschulten Feder zur 



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140 E. Pauls 

entging, dass die reifchsstadtischen Zustande eiuer einschneiden- 
den Aenderung bedurften. Schon vor Beginn seiner Redaktions- 
thatigkeit hatte er, kaum 19 Jahre alt, zwei Schriften liber die 
in seiner Vaterstadt nothigen Verbesserungen verfasst ] , in denen 
freimiithig eine Aenderung des Zunftwesens und die Unterdriickung 
des als Hyaneninstitut bezeichneten Bankspiels gefordert wurde. 
Dautzenbergs seit dem 1. April 1790 in Aachen dreimal wochent- 
lich erscheinender Politischer Merkur vertrat manche Grund- 
satze der franzosischen Freiheitsschwarmer und musste deshalb 
sehr bald das Missfallen der CensurbehGrden erregen 2 . Gleich 
in der ersten Nummer der neuen Zeitung 3 lobte Dautzenberg 
Frankreich als ein Land, dessen Grosse und Thatkraft in den 
Jahrbiichern der Menschheit ohne Beispiel dastehe, weil es nach 
fast ununterbrochener neunhundertjahriger Knechtung die Frei- 
heit sich errungen habe. Bald nachher empfahl er 4 die in Aachen 
sehr kiihl aufgenommenen 5 Dohmschen Vorschlage zur Ver- 
besserung der stadtischen Verfassung als den Weg zur echten 
Freiheit, und in spatern Nummern trat Gleichgiiltigkeit, wenn 
nicht gar Abneigung gegen den katholischen Kultus mitunter 



Bekleidung eines solchen Postens besonders geeignet machten. Dass der 
Herausgeber des Aachner Zuschauer damals mit dem gefiirchteten Jakobiner- 
filhrer Dan ton bekannt war, folgt unwiderleglich aus einer verbtirgten A nek- 
dote in Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins X, S. 200, Anm. 1. 

*) Vgl. die vorige Anraerkung. 

2 ) Bei Beginn der franzosischen Revolution waren, wiePertkes(Politische 
Zustande in Deutschland I, S. 137) ausfiihrt, die Burger Aachens von ihrer 
hergebrachten Neigung zur politischen Unruhe durch die Erfahrungen der 
letzten Jahre grundlich geheilt. Es gilt dies tiberwiegend von den durch 
Bildung und Besitz einflussreichen Klassen; stellenweise war es urn die 
Anschauungen in den armern Schichten der Bevolkerung anders bestellt. 
(Vgl. den Brief der Erzherzogin Marie Christine vom 18. November 1792 in 
Haagen, Geschichte Aachens II, S. 403, Anm. 1). Sehr bezeichnend fur das 
Vorhandensein bei der Richtungen ist eine in demselben Jahre abgegebene 
amtliche Erklarung des Aachener Raths (Zeitschrift des Aachener Geschichts- 
vereins X, S. 95). Die Ereignisse in den ersten 3 bis 4 Jahren der Fremd- 
herrschaft bewiesen aber schlagend, dass nur ein sehr kleiner Bruchtheil der 
Aachener Bevolkerung den Grundsatzen der franzosischen Republikaner 
huldigte. 

8 ) In den Aachener Rathsprotokollen ist die Genehmigung zur Heraus- 
gabe des Politischen Merkur anscheinend nicht enthalten. 

4 ) Politischer Merkur Nr. 9 vom 19. April 1790, S. 92. 

5 ) Perthes, Politische Zustande in Deutschland. Gotha 1862, S. 137. 



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Beitrage zur Geschiehte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 141 

ziemlich klar zu Tage 1 . Da konnte olympisches Stirnrunzeln 
nicht ausbleiben. Am 26. Marz 1791 „hat ein ehrbarer rath 
auf vorbrachten vortrag und zum theil verlesene zeitung des 
hiesigen Politischen Mercurs vom 24ten currentis dem gazetier 
Dautzenberg diese zeitung zu drucken und auszugeben von 
nun an verbotten und zware wegen deren mehrmalen darinnen 
und signanter am 24ten currentis eingeruckten unanstandigen 
und hochst argerlichen ausdrucken" 2 . Kurz vorher schon hatte 
der Oberpostmeister von Lilien zu Ltittich 3 auf Befehl der 
Thurn-Taxisschen General-Direktion 4 der Kaiserlichen Keichs- 
und Niederlandischen Posten den kaiserlichen Postanstalten die 
Versendung und Ausgabe des Politischen Merkur untersagt, weil 
das Blatt ebenso aufriihrerische als falsche Nachrichten bringe 
(Cette feuille etant aussi incendiaire que petrie de fausset&s 5 ). 
Nach Dautzenbergs eigener Angabe 6 beruhte das seitens des 
Eaths ergangene Verbot auf einer Eorrespondenz aus Florenz 7 ; 
dieselbe hatte die Oratorien als Pflanzschulen des Aberglaubens 
bezeichnet und die Hoffnung ausgesprochen, dass Kaiser Leopold 
das Eeich des Aberglaubens zerstoren werde. 

Nachdem eine sofortige Gegenvorstellung kurzer Hand ab- 
gelehnt worden 8 , gelang es Dautzenberg, wahrscheinlich durch 
seine Verbindungen am kaiserlichen Hofe zu Wien 9 , gegen Ende 
Mai 1791 in Aachen die Erlaubniss zur Herausgabe des Merkur 



*) U. a. nannte in Nr. 90 vom 25. Oktober 1790, S. 744 Dautzenberg den 
Kardinal-Erzbischof von Mecheln „Sr. unwurdige Hochwiirden", dessen Hoch- 
amt der ganze Plunder beiwolmen sollte. 

2 ) Rathsprotokolle Bd. XXXIV, Bl. 139. 

3 ) Das Aachener Postamt stand unter dem General-Postamt zu Ltittich. 

4 ) Aachner Zuschauer 1791 Nr. 41 vom 9. Juni, S. 344. 

5 ) Politischer Merkur 1791 Nr. 34 und 35 vom 19. bezw. 21 Marz 
1793, S. 287 und 295. 

6 ) Im Exemplar der Aachener Stadtbibliothek der Nummer vom 30. Juni 
1791 beigebunden. 

7 ) Findet sich in Nr. 36 des Politischen Merkur vom 24. Marz 1791, S. 297. 

8 ) Unterm 1. April 1791. Rathsprotokolle Bd. XXXIV, Bl. 139. 

9 ) Nach einein von Dautzenberg herausgegebenen undatirten Flugblatte 
war der Politische Merkur anfangs April 1791 in Wien angekiindigt worden 
und hatte sich, so heisst es wbrtlich, unter die wohlthatigen Fittige des 
kaiserlichen Adlers gestellt. Aus einer andern Erklarung (Aachner Zu- 
schauer 1791 Nr. 96 vom 15. Oktober, S. 784) geht hervor, dass Dautzenberg 
nach Wien nicht weniger als zwanzig (!) Pflichtexemplare, darunter eius fur 
das Kabinett des Kaisers, einsenden musste. 



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142 E. Pauls 

auf s neue zu erhalten. Zur JBedingung machte der Rath die 
Lieferung von vier Pflichtexemplaren, den Verzicht auf die 
Aufnahme von Anzeigen, die Vermeidung anstossiger Artikel 
und eine auf Kosten des Herausgebers erfolgte Censur 1 . Seit 
Anfang Juni 1791 gab nunmehr Dautzenberg sein Blatt unter 
demTitel „Aachner Zuschauer; mit Kaiserlicher Freiheit" wieder 
in Aachen heraus, wobei er versprach 2 , die den Fiirsten und 
hochsten Gerichten schuldige Achtung nie zu verletzen. Schon 
nach kurzer Zeit liefen indess iiber die Haltung der Zeitung 
so laute Klagen ein, dass der Rath Anlass nalnn, den Lektor 
des Franziskanerklosters P. Polychronius zum Censor des Aach- 
ner Zuschauer auf Dautzenbergs Kosten zu bestellen 3 . 

Man sollte glauben, solche Erfahrungen hatten den jugend- 
lich feurigen Redakteur vorsiehtiger gemacht. Dem war nicht 

*) Rathsprotokoll vom 27. Mai 1791: „Kleins Raths. Auf verlesung von 
hiesigen burger Franz Dautzenberg ubergebenen supplicirlichen anzeig ist 
desselben gesuch, jedoch unter folgenden bedingnussen gestattet worden: 
1) dass er unentgeltlich vier exemplarien, nemblich 2 fur regierende herren 
burgermeister, eins zur canzley und eins zur neumanns-cammer jedesmal 
abliefern, 2) keine die hiesige stadt und reich Aachen betrefende besondere 
anzeigen oder avertissemens, welche dem buchdrucker Muller vorbehalten 
seynd, einrucken, 3) aller anstossigen oder zweydeutigen ausdrucken gegen 
hoffe und andere grosse nnd sonsten uberhaupt, besonders und vorzuglich 
aber in ansehung der religion und der guten sitten sich ganzlich enthalten, 
4) daher kein einziges blatt ohne vorlaufige censure in druck geben weniger 
austheilen, diese censure aber 5) dem herrn consulenten Quirini und herrn 
liccntiat Bein sambt oder sonders aufgetragen seyn und endlich supplicans 
mit deuselben der muhe halber sich abzufinden haben solle." (Rathsprotokolle 
Bd. XXXIV, Bl. 146\) 

2 ) Aachner Zuschauer Nr. 41 vom 9. Juni 1791, S. 344. 

s ) Rathsprotokoll vom 23. September 1791: „Kleins Raths. Auf im rath 
vorgekommen beschwarde, dass der Dautzenberg in seinem Zuschauer viel- 
faltigen erinnerungen ungeachtet allzu kuhne, freye und in meheren betracht 
anstossige, dem hiesigen publicum argerliche ausdrucke und satze sich zu 
bedienen keine scheu traget, so wird umb diesen unweesen inhalt zu thuen, 
demselben zum censor seines blatts und was er in druck zu geben gemeint 
ist, der wohlehrwiirdige pater Policronius, lector in hiesigem Franciscaner 
closter hiemit ernannt und angesetzt dergestalt, dass er sich mit demselben 
wegen dessen bemuhung abzufinden schuldig und ohne dessen allemal vor- 
laufige censur nie das geringste in druck zu geben sich anmassen solle, wenn 
er nicht gewartiget seyn will, dass ihme ansonsten sein blatt und ubriges 
drucken niedcrgelegt werde. a (Rathsprotokolle Bd. XXXIV, Bl. 164.) 

Dieser geistliche Censor wird im Aachener Raths- und Staatskalender 
1791, S. 38 angefuhrt als: P. Polychronius Gassman, s. scripturae et ss. canonura 
professor. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 143 

so. Kuhn veroffentlichte Dautzenberg im November 1791 eine 
Korrespondenz aus Paris, laut welcher der ehemalige General 
der Kapuziner P. Eduard eine „ siebenzehnjahrige Schone, De- 
moiselle Denonville entfiihrt hatte und mit ihr in einer prachtig 
garnirten Wohnung am Ludwigsplatz wohnte" 1 . 

Dies rief zuerst peinliches Aufsehen, dann einen Sturm des 
Unwillens hervor. Die Aachener Kapuziner bewiesen die Un- 
richtigkeit der gebrachten Meldung und baten den Eath urn 
Schutz. Dautzenberg wurde zum Widerruf in einer vorgeschrie- 
benen Form gezwungen 2 und der richtige Sachverhalt auch in 

') Aachner Zuschauer 1791 Nr. 106 vom 7. November, S. 863. 

2 ) Rathsprotokoll vom 16. Dezember 1791: „Kleins Raths. Nach vcr- 
lesung der von denen ehrwurdigen pater guardian und sambtlichen kloster 
geistlichen der Capuciner allhier heut ubergebenen unterthanigsten bitte, hat 
der rath beschlossen, dem herausgeber des Aachner Zuschauer s bey angemesse- 
ner unnachsichtlicher straf die in dem blatt vom 7. Novembris jungst Nr. 106 
erfindliche und folgender art gestellte nachricht: „der ehemalige general 
der Capuziner pater Eduard hat zu Paris eine siebenzehnjahrige schSne, 
, demoiselle Denonville entfuhrt und wohnt am Ludwigs-platz in einer prachtig 
garnirten Wohnung" der unwahrheit halber und besonders wegen auf den 
Capuziner orden daher fliessender verunglimpfung, nicht weniger die ruck- 
sicht des dardurch dem publicum unbescheiden und leichtfertig gegebenen 
argernisses also fort und zwar noch in seinem morgigen blatt zu wieder- 
ruffen und solchen wiederruf nicht nach eigenen willkur, sonderen auf folgende 
wortlich einzuruckende weise zu stellen, namlich: Aachen, den 17tenDecembris 
1791. Zufolg von Paris eingegangene und der hiesigen stadt-obrigkeit 
beglaubt zugekommener nachricht, ist der in unserem blatt No 106 eingeruckte 
artikel, als ob der ehemalige general der Capuciner pater Eduard zu Paris 
eine siebenzehnjahrige schone, demoiselle Denonville entfuhret haben solte, 
durchaus unwahr, und weilen uns hierum, auch anderen in einem gestrigen 
rathsschluss weiter efwehnten ursachen halber der wiederruf jener unwahr- 
heit ernst-nachdrucklich auferlegt worden ist, so erledigen wir uns hiemit 
dieser unserer pflicht mit so mehrerer freude, als wir dadurch jede geschopften 
irrbegriff und nachtheilige ausdeutung gem aus dem wege raumen. 

D. P. M. Becker, secretarius. 

Ferner hat der rath verordnet, dass in jener absicht in des stadtischen 
buchdruckers Muller zeitung folgendes eingetragen werden solle. 

Zufolg ausdrucklichen befehls der hiesigen hohen stadt raths wird zum 
wegraumung des argernisses und jedweden irrbegriffen, dem publicum angezeigt, 
dass die in dem Aachner Zuschauer num. 106 befindliche nachricht, als ob 
der ehemalige general der Capuciner, pater Eduard zu Paris eine siebenzehn- 
jahrige schone, demoiselle Denonville entfuhret haben solte, durchaus unwahr 
befunden und daher um desto unbescheidener und leichtfertige* in vorbedeu- 
tetes blatt eingerucket worden seye. Endlich soil letztere anzeig auch in 
die Collnische Postambts- zeitung mutatis mutandis eingetragen werde." 
(Rathsprotokolle Bd. XXXIV, Bl. 174 und 174 v .) 



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144 E. Pauls 

der Aachener Zeitung und der Kolnischen Postamtszeitung ver- 
offentlicht. In etwa rachte sich der Aachner Zuschauer dadurch, 
dass er ohne jede Anmerkung ein ihm vom Censor P. Polychronius 
in dieser Sache zugegangenes Schreiben einer Klosterdame aus 
Paris zum buchstablich genauen Abdruck brachte, welches in 
der deutschen Uebersetzung durch fast unzahlige Fehler ent- 
stellt war 1 . 

Nochmals, kurz vor der ersten Besetzung Aachens durch 
die Republikaner, kam der Rath infolge mehrerer Beschwerden 
hoher Personlichkeiten in die Lage, gegen den Aachner Zuschauer 
eine Untersuchung einleiten zu mtissen 2 . Die Verhaltnisse tiber- 
holten deren Abschluss 3 , denn nach dem im Dezember 1792 
erfolgten Einzuge der Franzosen konnte von einer Massreglung 
franzosenfreundlicher Blatter nicht mehr die Rede sein. An der 
Wende einer neuen Zeit rief iibrigens Dautzenbergs jugendliche 
Unbesonnenheit wiederum berechtigtes Aufsehen hervor und ver- 
setzte ihn selbst in eine missliche Lage. Unmittelbar vor dem 
Abzuge der Osterreichischen Truppen wagte namlich der „Zu- 
schauer" die unrichtige aber gefahrliche Mittheilung, dass Aachens 
Stadtwalle mit Kanonen und seine Thore mit Oesterreichern be- 
setzt seien 4 . Damit war unter Umstanden dem Feinde eine 
Handhabe geboten, die wehrlose, langst entfestigte Stadt als 
befestigten Platz behandeln und ihr das Gesetz des Eroberers 
schonungslos vorschreiben zu konnen. Seitens des osterreichischen 



2 ) Aachner Zuschauer 1791 Nr. 123 (Beilage) vom 17. Dezemher. Auch 
brachte Dautzenberg die Lacher dadurch auf seine Seite, dass er in der- 
selben Nummer dem vorgeschriebenen, in der Form (freudige Pflicht !) ungltick- 
lich gewahlten Widerruf die Bemerkung beigab, dass ein sehr verehrlicher 
Rathsschluss diese Form vorgeschrieben habe. 

2 ) Rathsprotokoll vom 22. September 1792. „Kleins Raths. Nach ver- 
lesenen von denen hier anwesenden hohen, so geistlichen als weltlichen herr- 
schaften ubergeben beschwerde uber den Aachner Zuschauer, auch von herrn 
burgermeister beschehenen vortrag hat ein ehrbarer Rath dem fiscal herrn 
consulenten Quirini diese beschwerden uber den Zuschauer communicirt, umb 
desfals das nothige zur weiterer vorsehung einem ehrbaren rath vorzubringen." 
(Rathsprotokolle Bd. XXXIV, Bl. 214 v .) Nach dem Rathsprotokoll vom 28. Sep- 
tember 1792 (Bd. XXXIV, Bl. 216) setzte sich die Untersuchungskommission 
aus dem Fiscal Quirini, dem Weinmeister Peters und dem Neumann 
Kraus zusammen. 

3 ) In den Rathsprotokollen linden sich nach dem 28. September 1792 
keine Mittheilungen uber den Verlauf der Untersuchung. 

4 ) Aachner Zuschauer 1792 Nr. 147 vom 6. Dezember, S. 1184. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 145 

Militairs wurde der Lohn fiir eine so ungerechtfertigte, peinliche 
Beunruhigung der Biirgerschaft auf 25 Stockhiebe festgesetzt, 
deren Auszahlung Dautzenberg nur durch die Flucht entging 1 . 
Einer weitern Unbesonnenheit machte Dautzenberg sich 
dadurch schuldig, dass er thatig mit Hand anlegte, als die 
Republikaner kurz nach ihrem Einzug auf dem Aachener Markte 
ein im 17. Jahrhundert errichtetes Denkmal niederlegten 2 . Ge- 
radezu erbittert aber wurde die Stimmung der Bevolkerung 
gegen den Aachner Zuschauer, als derselbe zu Anfang Januar 

1793 sehr iibertrieben meldete, dass die feierliche Aufpflanzung 
des Freiheitsbaumes vor dem Eathhause unter dem Zujauchzen 
des versammelten Volkes erfolgt sei 3 . 

Nicht lange nachher trat bei Dautzenberg eine gewisse 
Erniichterung ein. Sein Verkehr mit den Fuhrern der verwilderten 
Fremdlinge durfte dem talentvollen Hitzkopf einen Einblick in 
die zugellosen Auffassungen derVertreter der Revolution gewahrt 
und seine Anschauungen iiber das neue politische Leben gelautert 
haben. Als nach kaum zehnwochentlicher Anwesenheit die 
Franzosen infolge der Schlacht bei Aldenhovcn Aachen raumten, 
sprach der Aachner Zuschauer es offen aus, dass franzosischer 

*) Quix, Wochenblatt fiir Aacben und Umgegend 1836, Nr. 17 vom 
27. August, S. 69: Dass die Kaiserliehen, die damals schon zerfallcnen und 
durchaus unhaltbaren Stadtwalle mit Kanoncn besetzt hatten, wie ein offent- 
liches Blatt dieser Zeit enthielt, ist eine Unwahrbeit, fiir die der Redakteur 
bald nachher derb geziicbtigt worden ware. — Aachener Wahrheitsfreund 

1794 Nr. 58 vom 18. Mai S. 461 f.: Als Dautzenberg beim Ruckzuge der 
Oesterreicher die Stadtwalle mit der Biirgerschaft uusichtbaren Kanouen 
besetzte . . . . er beinahe 25 Stockpriigel auf Befehl des K. K. Militairs zu 
verdanken hatte, was ihn in seinen Schlupfwinkel verscheuchte. — In seiner 
Fehde mit dem Wahrheitsfreuud gab Dautzenberg indirekt zu, innerhalb 
weniger Wochen von den Oesterrcichern mit Priigeln, von den Franzosen mit 
der Guillotine bedroht worden zu sein. Das Letztere ist nicht aufgeklart. 
Sicher ist, dass nach dem 6. Dezeraber 1792 der Aachner Zuschauer bis zum 
Einzug der Franzosen nicht mehr erschien; die Redaktion gicbt in der Nummer 
vom 20. Dezember 1792 als Ursachc w Hemraung durch militairische Gewalt" an. 

2 ) Haagen, Geschichte Achens II, S. 418. — Nach „Brutus u von F. Th. 
Bi organs 2. Jahrgang S. 61 beschuldigte man in Aachen einen jungen raschen 
Burger, zur Umsturzung des Denkmals (der sogen. Schandsaule Kalckberners) 
Anlass gegeben oder thatig bei der Beseitigung mitgewirkt zu haben, und 
legte ihm deshalb den Beinamen „Der Steinhauer" bei. Biergans fiigt ein 
paar interessante Einzelheiten iiber die Wiederaufrichtuug und wiederholte 
Beseitigung dieses Denkmals bei. 

8 ) Milz a. a. 0. I, S. 18. 

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146 E. Pauls 

Unsinn, dessen letzte Stunde geschlagen, in Aachen sein Wesen 
getrieben habe, dass neufrankische Freiheit ein Unding sei, 
unfahig zur Menschenbegliickung und nicht werth, von Deutschen 
erstrebt zu werden K 

In der Zeit von Marz 1793 bis September 1794 liessen die 
reichsstadtischen Behorden den gemassigter gewordenen Aachner 
Zuschauer unbehelligt. Im Gegensatz zur Aachener Zeitung und 
dem Wahrheitsfreund, mit dessen Herausgeber Dautzenberg in 
einen erbitterten Zeitungsstreit 2 verwickelt wurde, fasste der 
Aachner Zuschauer die militairischen Ereignisse in den Nieder- 
landen wahrend des Sommers 1794 zienilich ktihl auf und ent- 
hielt sich allzu zuversichtlicher Hoffnungen auf einen Erfolg 
der osterreichischen Waffen. 

Nach der zweiten Besetzung Aachens durch die Franzosen 
erfreute sich der Aachner Zuschauer des Vertrauens der Kepubli- 
kaner 3 , wahrend dieselben andere Aachener Zeitungen als aristo- 
kratische Journale bezeichneten, gefiillt mit Artikeln, welche 
unter dem Kamin eines Heil. Eom. R. Barons oder in der Zelle 
einesMonchs oder in der Stube einer Hofdirne ersonnen seien 4 . Die 
Haltung des Blattes blieb eine gemassigte. Hasste auch Dautzen- 
berg nach den im Winter 1792/93 gemachten personlichen 
Erfahrungen die Zugellosigkeit, so war er doch im Wesent- 
lichen den Grundsatzen der Republik treu geblieben. Es erkl&rt 
sich leicht, dass er im Marz 1798 thatkraftig fur die Vereinigung 
Aachens mit Frankreich eintrat 5 . Als Sohn einer Stadt mit 
republikanischer Verfassung mag er mit vielen Zeitgenossen 
in den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts in einem engen 
Anschluss an das grosse franzosische Staatswesen — eine Ver- 
bindung mit Deutschland blieb damals ausgeschlossen — die 
einzige Rettung aus den schrecklichen Drangsalen erblickt haben, 
unter welchen seine Heimath Jahre lang hauptsachlich wegen 
des Fehlens einer bestimmten gesetzgebenden Gewalt gelitten 



1 ) Aachner Zuschauer 1793 Nr. 26 vom 11. Marz S. 201. Mit einiger 
politischen Heuchelei fiigt Dautzenberg bei: „unser Zeuguiss darf niemanden 
verdachtig scheinen". 

2 ) Naheres im Folgenden bei der Geschichte des Aachener Wahrheits- 
freund. 

3 ) Vgl. Anhang IV. 

4 ) Aachner Zuschauer 12. Nivose 6. Jahrs (1798, 1. Januar) S. 1255. 

5 ) Aus Aachens Vorzeit III, S. 28 if. 



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Beitrftge zur Geschichte der Buchdruckcreien, des Buchhandels etc. 147 

hatte \ Seine geschickt redigirte Zeitung benutzten die Behorden 
mit Vorliebe zu amtlichen und halbamtlichen Veroffentlichungen 2 . 
Anders, nachdem Dautzenberg urn die Mitte des Jahres 1798 
die Eedaktion und den Verlag des Aachner Zuschauer an J. Offer- 
manns in Aachen iibertragen hatte 3 . Dem neuen Herausgeber 
entstanden schon im November desselben Jahrs gleichzeitig mit 
dem Aachener Wahrheitsfreund durch die angeordnete Versieg- 
lung der Druckpresse unangenehme Weiterungen 4 , und spater 
erhielt der Aachner Zuschauer wiederholt wegen Pressvergehen 
scharfe Verwarnungen. So hatte er um Neujahr 1800 in einem 
Artikel iiber den Kaiser von Eussland das Wort „Narrheit a mit 
dem Kaisertitel verbunden. Vergebens versuchte Offermanns dem 
Prafekten Simon gegentiber sich damit zu entschuldigen, dass 
ein Druckfehler vorliege und dass statt „Kaiserliche Narrheit" 
„Kaiserliche Hoheit" zu lesen sei 5 . Simon schenkte der selt- 
samen Ausrede keinen Glauben, beriihrte vielmehr die Moglichkeit 
der Unterdriickung des Blattes. Ftinf Jahre spater unterdrtickte 
Prafekt Laumond durch Erlass vom 18. Februar 1805 den 



') Die mit fast unumschrankter Vollmacht ausgestatteten hbheren Be- 
araten in den eroberten Gebieten wechselten rasch und jeder Wechsel brachtc 
tief einschneidende Aenderungen, welche im Wesentlichen auf neue „Kontri- 
butionen, den Nerv des Staates a hinausliefen. 

2 ) Zahlreiche Beispiele in jedem der von Dautzenberg herausgegebenen 
Jahrgange. 

3 ) Aachner Zuschauer vom 10. Messidor 6. Jahrs (1798, Juui 28). Die 
Grande, welche Dautzenberg zur Abgabe dor Redaktion veranlassten, sind 
nicht ermittelt. Vielleicht wurde der Redakteur F. Dautzenberg spater 
Postmeister in Aachen. (Vgl. Anzciger des Ruhrdepartements Nr. 45 vom 
13. Brumaire 7. Jahrs (1798, November 3), S. 297 und ebendaselbst Nr. 21 
vom 21. Pluviose 7. Jahrs (1799, Februar 9), S. 150.) Falls sich die Notizen 
im Anzeiger des Ruhrdepartements auf den Redakteur Franz Dautzenberg 
beziehen — eine klare Bezeichnung mangelt — , so bekleidete Dautzenberg 
bis zum Schluss des Jahres 1798 auch das Amt eiues Notars. Auf eine 
juristische Ausbildung deutet Dautzenbergs Auftreten als Vertheidigcr vor 
dem Kriegsgericht (Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins VI, S. 237). 

4 ) Naheres bei der Darstellnng der Geschichte des Wahrheitsfreund. 
Versiegelt wurde die Presse des Aachner Zuschauer durch Beschluss der 
Centralverwaltung vom 1. November 1798 (Anzeiger des Ruhrdepartements 
Nr. 48 vom 24. Brumaire 7. Jahrs (1798, November 14), S. 318); die Entsieg- 
lung erfolgte erst durch Beschluss vom 16. Nivose 7. Jahrs (1799, Januar 5), 
wobei Rudler drohte, „im Wiederholungsfalle die Zeitschrift auf immer zu 
nnterdriicken" (Anzeiger des Ruhrdepartements Nr. 16 vom 30. Nivose 7. Jahrs 
(1799, Januar 19, S. 109). 

5 ) Kantzeler a. a. 0. 

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148 E. Pauls 

Aachner Zuschauer, hob aber diese Verfiigung bereits am 
1. Marz 1805 wieder auf *. Doch schon am 26. Mai desselben 
Jahres ordnete der Polizeiminister zu Paris an, dass der Aachner 
Zuschauer nicht mehr erscheinen dtirfe, worauf die unter Dautzen- 
bergs Leitung ehemals so reichhaltige Zeitung nach etwa fiinf- 
zehnjahrigem Bestehen einging 2 . 

Neben der reichsstadtischen Zeitung und Dautzenbergs 
Zuschauer erschien seit Neujahr 1794 in Aachen unter der 
Redaktion von Thomas Vliex der „Aaehener Wahrheitsfreund" 
in der Starke von acht kleinen Oktavseiten dreimal wochent- 
lich 3 . Nach Quix 4 sollte der Wahrheitsfreund eine dem Aachner 
Zuschauer entgegengesetzte Richtung vertreten, zeigte sich indess 
seiner Aufgabe nicht recht gewachsen und gerieth bald mit dem 
„Zuschauer tt in Streitigkeiten. Th. Vliex stammte aus Strucht 
bei Giilpen in Belgien und scheint seine Jugend in dienender 
Stellung in einem Kloster 5 verlebt zu haben; bei Beginn der 
Redaktionsthatigkeit im J. 1794 stand er im 37. Lebensjahr G . 
Sehr zum eigenen Nachtheil blieb Vliex, theilweise sicher unter 
dem Eindruck der Klostererinnerungen, seiner franzosenfeindlichen 
Richtung bis zum Ende der Fremdherrschaft treu. Fur die 
ersten neun Monate des Jahres 1794 finden sich in fast jeder 
Nummer des Wahrheitsfreund Berichte iiber seitens der republi- 
kanischen Truppen in den eroberten Gebieten verubte Unthaten 
und auferlegte unerschwingliche Kontributionen, sowie iiber 
Vortheile, welche die verbundeten Armeen an verschiedenen 
Punkten iiber die Franzosen davongetragen haben sollten. Bis 
zuletzt hielt Vliex an dem Glauben fest, dass der Sieg in den 
Niederlanden sich schliesslich an die Fahnen Oesterreichs heften 



1 ) Kantzeler a. a. 0. 

2 ) Ebendaselbst. Irrig ljlsst Milz (a. a. 0. II, S. 24) den Aachner 
Zuschauer am 12. September 1798 eingehen. 

3 ) Rathsprotokoll vom 29. November 1793: „Dem supplicanten Thomas 
Vliecx hat ein ehrbarer Rath auf verlesen dessen unterdienstlicher supplication 
undt bitt die nachgesuchte erlaubniss zur ausgab des Wahrheitsfreundes unter 
ublichen conditionen, auch strict is ter censure, forth unter denen von herren 
burgermeister ihme weither zn ertheilender instruction hochgunstig zuge- 
standen. tt (Vliex selbst schreibt seinen Namen Jahre hindurch „ Vliex", spater 
„Vlieckx«.) 

4 ) Wochenblatt fur Aachen und Uragegend 1836, Nr. 34, S. 139. 

5 ) Die Franzosen (vgl. Anhang IV) bezeichnen ihn als ci-devant Capucin 
und sprechen von ses confreres et esprit monacal. 

6 ) Folgt aus der amtlichcn Sterbeurkunde. Vgl. unten S. 154. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 149 

werde. Scharfe Entgegnungen des Aachner Zuschauer lagen 
um so naher, als Dautzenbergs Anhanger und damit wohl auch 
der Abonnentenkreis seines Blattes der Zahl nach weit hinter 
den Gonnern des Wahrheitsfreund zuruckstanden. Im Mai 1794 
eroffnete Dautzenberg die Feindseligkeiten. Er nannte Vliex 
einen elenden Schmierer, welcher wohl thue, die Nachrichten 
iiber die Misserfolge der verbiindeten Armeen nicht sammtlich 
auf Uebertreibung zuriickzufiihren, dagegen sich zu bestreben 
habe, Deutsch zu lernen, damit nicht jeder Aufsatz von „neun- 
undneunzig Schnitzern und Eseleien wimmele". Vliex blieb die 
Antwort nicht schuldig. Sein Gegner, so etwa fiihrte er aus, 
sei ein armseliges Skriberlche, ein toller Knabe und ungezogener 
Bube, dessen „Yanen u nach der Art windiger Burschen nicht 
die Ehre einer literarischen Abfertigung, sondern Euthenstreiche 
verdiene, welche ihra ja erst kurzlich in der Form von 25 
Stockpriigeln seitens der Oesterreicher zugedacht gewesen waren. 
In diesem, fur beide Theile wenig ehrenhaften Tone zog sich 
das niedrige Gezank durch mehrere Nummern hindurch 1 . 

Die letzte Nummer des Jahrgangs 1794 des Wahrheits- 
freund datirt vom 19. September. Vier Tage spater war Aachen 
eine franzosische Stadt, in welcher auf lange hinaus fur ein 
deutschfreundliches Blatt ein giinstiges Feld nicht mehr sein 
konnte. 

Aehnlich der Aachener Zeitung hielt es der Wahrheitsfreund 
fur angebracht, bald nach dem bekannten Erlasse des Generals 
Hoche im Fruhjahr 1797 2 aufs Neue unter der Leitung von 
Vliex in die Erscheinung zu treten 3 . Die Zeiten waren andere 
geworden, die Liebe des Herausgebers zu deutschem Wesen die- 
selbe geblieben. Es verrath nicht eben politischen Scharfsinn 
und ist auffallig, dass Vliex in wenigen Monaten wiederholt 
schreiben konnte, das deutsche Eeich bleibe „unzertrennt" und 



') Aachner Zuschauer: 1794 Nr. 59 vom 17. Mai, S. 470; 1794 Nr. 60 
vom 19. Mai (Nacherinnerung) ; 1794 Nr. 76 vom 26. Juni, S. 605. Aachener 
Wahrheitsfreund: 1794 Nr. 58 vom 18. Mai, S. 462; 1794 Nr. 75 vom 27. Juni, 
S. 598. 

2 ) Dieser Erlass, welcher die alten Behorden wieder einsetzte, scheint 
damals vielfach den Glauben erweckt zu haben, dass auf sehr lange hinaus 
eine Riickkehr der alten Zustande gesichert sei. 

3 ) Die erste Nummer erschien am 2. Mai 1797; Thomas Vliex bezeichnet 
sich als deren Verfasser und Drucker. 



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150 E. Pauls 

Aachen bei Deutschland *. Scharfe Verwarnungen liessen nicht 
lange auf sich warten. Am 12. November 1797 machte der 
franzosische Kommissar Estienne offentlich bekannt 2 , dass die 
Druckpresse des sogen. Wahrheitsfreund deshalb versiegelt 
worden sei, weil derselbe gelegentlich eines Artikels tiber die 
bevorstehenden Eastatter Verhandlungen nicht nur „Integritat 
des Keichs" falschlich mit „Unzertheiltheit a iibersetzt, sondern 
sogar gemeldet habe, Koln werde dem deutschen Eeiche erhalten 
bleiben. 

Die Erledigung des unangenehmen Zwischenfalls ging indess 
schnell von statten, weil schon neun Tage. nachher das Blatt 
wieder in gewohnter Weise erscheinen konnte. 

Viel bedenklicher gestaltete sich die Lage zu Ende des 
Jahres 1798. Uebereinstimmend hatten damals im November 
der Aachner Zuschauer, dessen Eedaktion an J. Offermanns 
tibergegangen war, und der Aachener Wahrheitsfreund gemeldet, 
dass Bonaparte in Aegypten geschlagen und ihm der Etlckzug 
abgeschnitten sei, dass seine Kapitulation bevorstehe, dass die 
franzosische Armee in Aegypten nur noch 10000 — 12000 Mann 
zahle und dass die Ttirken mit den Eussen vereint eine Landung 
in Frankreich versuchen wiirden. „Solche Mittheilungen", erklarte 
die Centralverwaltung, indem sie die Versieglung der Druck- 
pressen beider Zeitungen anordnete 3 , „erzeugen aristokratische 
Grundsatze und sind den republikanischen Armeen nachtheilig; 
sie beleben die Hoffnungen der Feinde der Eepublik und fiihren 
schwache Geister, welche das Abgeschmackte und Falsche der- 
artiger Angaben nicht einsehen, irre." 

Die Herausgeber baten urn Entsieglung. Der Aachner 
Zuschauer machte geltend, dass er seine Nachrichten aus der 
Klever Lachesis entnommen habe, wahrend Vliex ausserdem 
darauf hinwies, dass acht Biicher gestempelten Papiers genasst 
unter Siegel lagen. Die Centralverwaltung gestattete nur eine 
vorubergehende Entsieglung zur Herausnahme des gestempelten 
Papiers, verschob aber im Uebrigen ihre Entscheidung bis zum 



') Aachener Wahrheitsfreund 1797 Nr. 25 vom 27. Juni, S. 200; 1797 
Nr. 79 vom 31. Oktober; zu vgl. ferner 1797 Nr. 84 vom 11. November, S. 572 
und 1797 Nr. 89 vom 30. November, S. 611. 

2 ) Aachner Zuschauer 1797 Nr. 136 vom 13. November, S. 1088. 

3 ) Anzeiger des Ruhrdepartements Nr. 48 vom 24. Brumaire 7. Jahrs 
(1798, November 14), S. 317 und S. 323. 



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Beitrage zur Geschiehte der Buchdruekereien, des Buchhandels etc. 151 

Eintreffen naherer Weisungen seitens des Eegierungs-Komniissars 
Eudler 1 . Hierauf erklarte sich Vliex zur Ernahrung seiner 
Familie ausser Stande, falls die Presse versiegelt bleibe. Das 
half. Die Versieglung, so entschied die Centralverwaltung schon 
am 23. November 1798, sei nicht erfolgt, ura den Eigenthumer 
der Presse seines Unterhalts zu berauben, sondern nur um die 
Verbreitung einer mit falschen Nachrichten angefiillten Zeitung 
unmoglich zu machen. Es konne deshalb die Presse entsiegelt 
werden, docli diirfe der Wahrheitsfreund nicht weiter erscheinen 2 . 
Sofort liess jezt Vliex seine Zeitung unter dem Tit el „ Aachener 
Merkur" in Umlauf setzen und kam sogar im Januar 1799 um 
die Erlaubniss ein, das Blattwieder ^Aachener Wahrheitsfreund" 
nennen zu diirfen. Auch dies bewilligte die Centralverwaltung, 
weil es ganz gleichgiiltig sei, welchen Namen die Zeitschrift 
fiihre, indem jede periodisch erscheinende Schrift der Polizei 
unterstehe 3 . Dieser Milde gegentiber kannte Vliex nur wenig 
Dankbarkeit. Aufs neue verletzte er die Empfindlichkeit der 
Eepublikaner, aufs neue wurde der „ Wahrheitsfreund" unter- 
drtickt und aufs neue — erschien der Wahrheitsfreund hierauf 
unbehelligt von der Behorde wiederum unter dem Titel 
„ Aachener Merkur". Ein Erlass 4 des Regierungs-Kommissars 
Marquis hatte namlich am 17. April 1799 den Aachener Wahr- 
heitsfreund gleichzeitig mit dem zu Kleve erscheinenden Orion 
beseitigt, worauf seit dem 29. April 1799 Vliex unbeanstandet 
sein Blatt unter dem Namen „ Aachener Merkur" wieder heraus- 

*) Anzeiger des Ruhrdepartements Nr. 1 vom 26. Brumaire 7. Jahrs 
(1798, November 16), S. 3. 

2 ) Ebendaselbst Nr. 3 vom 4. Frimaire 7. Jahrs (1798, November 24), S. 22. 

3 ) Ebendaselbst Nr. 20 vom 14. Pluviose 7. Jabrs (1799, Februar 2), S. 144. 

4 ) Auszug des Wortlauts nach einem mir vorliegenden gedruckten Flug- 
blatt: „Mainz, den 28. Germinal 7. Jahrs der untheilbar vereinten Franken- 
Eepublik. Der Burger Marquis .... Auf Einsicht verschiedener Nummern 
der Journale betitelt : Aachener Wahrheitsfreund, herausgegeben zu Aachen 
vom Burger Vliex, und der Orion .... In Erwagung, dass diese Journale 
Auszuge aus auslandischen Papieren enthalten, die den Gemeingeist dieser 
Lander verderben k5nnen und dass man den gefahrlichen Umlauf dieser Aus- 
ziige so viel moglich hemmen muss; in Erwagung uberdiess, dass ihre Ver- 
fasser, die zu wiederholtenmalen bruderlich gewarnt worden, dem ohnerachtet 
fortfahren, dergleichen treulose und verfuhrerische Aufsatze in ihre Blatter 
einzurucken; beschliesst: die Journale betitelt: Aachener Wahrheitsfreund 
und Orion sind unterdriickt. Den Verfassern, Druckern, Umhertragern und 
Andern wird verboten, sie herauszugeben und auszutheilen, bei Strafe, gericht- 
lich belangt und nach der Strenge der Gesetze bestraft zu werden." 



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152 E. Pauls 

gab. Bald nachher ging er indess allzu kulin vor. Im Juli 1799 
wagte es Vliex, aus dem Journal des homines libres einen Artikel 
abzudrucken, nach welchem die Aachener weniger mit den 
Grundsatzen der Franzosen, als vielmehr mit den Raubereien 
derjenigen unzufrieden waren, welche das Land seit fiinf Jahren 
verwalteten. Elende, so hiess es in dem genannten Artikel, 
bereichern sich und legen „den aufgeblasensten Pracht" an, 
wahrend es dem Soldaten an allem mangelt K So schrieb Vliex, 
obschon ihm wenige Wochen friiher eine nochmalige Versieglung 
der Presse und selbst eine Verurtheilung durch das Zuchtpolizei- 
gericht nicht erspart geblieben war 2 . 

Sechs Monate spater — der Zusammenhang bedarf keiner 
Erlauterung — veroffentlichte der Aachener Merkur in eigener 
Saehe eine Erklarung des Burgers Jean Baptist Petit, Kerker- 
meister (Concierge) des Militairgefangnisses in Koln, laut welcher 
der Zeitungsschreiber Thomas Vliex aus Aacben sich wahrend 
der ihm gerichtlich zuerkannten dreimonatlichen Haft gut gefiihrt 
hatte 3 . 

Im J. 1801, zur Zeit der Konkordatsverhandlungen mit 
Rom, durften die Aachener Zeitungsschreiber keine Artikel iiber 
religiose Verhaltnisse bringen. Trotzdem veroffentlichte Vliex 
einen Brief liber die verschiedenen Religionsbekenntnisse und 
mag die ihm deshalb ertheilten Eiigen und Drohungen nicht 
gar zu ernst genommen haben 4 . Im Dezember 1805 unterdriickte 
ein Befehl des Polizeiministers den Aachener Merkur, doch wurde 
diese Anordnung bereits im Januar 1806 wieder ausser Kraft 
gesetzt 5 . Eine weitere vorubergehende Unterdriickung erfolgte 

') Aachener Merkur Nr. 123 vom 7. Therinidor 7. Jahrs (1799, Juli 26). 

-') Anhang IV, Bericht Estiennes vom 10. Februar 1800, aus welchem 
ferner hervorgeht, dass die zweite gerichtliche Verurtheilung durch ein Kriegs- 
gericht erfolgte. 

. 3 ) Ebendaselbst Nr. 52 vom 3. Pluviose 8. Jahrs (1800, Januar 23). Dort 
auch mehrere Eiuzelheiten iiber die Verurtheilung. 

4 ) Vgl. Anhang IV. Im Schreiben des Prafekturraths Jacobi vom 
20. Dezember 1801 wird vom „unverbesserlichen" Vliex gesprochen, welcher 
endlich einsehen mtisse, dass unter Umstanden die Unterdriickung des Merkur 
eine leere Drohung nicht bleiben werde. Die Geschichte der mehrfachen 
Censurmassregeln gegen Vliex bestatigt durchaus, dass in den ersten Jahren 
der Fremdherrschaft Pressfreiheit zwar nicht bestand, dass aber die eigent- 
liche Knechtung der Presse erst unter dem Kaiserreiche stattfand. (Vgl. 
oben S. 120). 

5 ) Kantzeler a. a. 0. 



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Beitriige zur Geschichte der Buchdruckcreien, des Buchhandels etc. 153 

zu Ende 1807, als der Aachener Merkur, entgegen den bestehen- 
den Bestimmungen, andere politische Artikel als aus dein Monitcur 
entnommene gebracht hatte. Da erlaubte sich Vliex den fruher 
wiederholt erfolgreieh unternommcnen Versuch, durch eine Titel- 
anderung das Dasein seines Blattes zu fristen 1 : am 29. Dezember 
1807 erschien die erste Nummer des „Neuen Aachener Merkur". 
Diesmal aber — die Hand Napoleons I. war eiserner, als die 
der Bepublikaner — raisslang das Wagniss. Der „Neue Aachener 
Merkur" bestand nur wenige Tage und erst am 31. Marz 1808 
wurde nach langern Verhandlungen das kurz vor Weihnachten 
1807 ergangene Verbot aufgehoben 2 . Endgiiltig ging der Aache- 
ner Merkur fur die Zeit der franzosischen Herrschaft im August 
1809 ein, als der Prafekt Ladoucette auf Befehl des Polizei- 
ministers im Roerdepartement nur zwei Zeitungen dulden durfte 8 . 
In seinem Abschiedswort an die Leser sprach Vliex die Hoffnung 
aus, beim „(reiieralfriecien tt seine Zeitung aufleben zu sehen. 
Unmittelbar nach dem Abzug der Franzosen ging dieser Wunsch 
in Erfullung, indem seit dem 26. Januar 1814 der Aachener — 
Wahrheitsfreund unter Leitung des friihern Herausgebers wieder 
erschien. Das in durchaus deutschfreundlichem Shine gehaltene 
Blatt legte sich im J. 1826 zum dritten Mai den Namen Aachener 
Merkur bei und bestand noch im J. 1827 4 . 



') Kantzeler a. a. 0. 

2 ) Ebendaselbst; das gen. Verbot datirte vom 21. Dezember 1807. Vgl. 
Anhang IV. 

3 ) Vgl. Anhang IV. In Nr. 121 des Aachener Merkur vom 30. August 
1809 nimmt Vliex Abschied von seinen Lescrn und veroffentlicht folgendes 
Schreiben: „ Aachen, vom 26. August 1809. Der Meyer der Stadt Aachen an 
den Herrn Vliex, Verfasser des Aachener Merkurs. Mein Herr! Nach einjin 
vom Herrn Prafekten des Ruhr-Departements unterm 24ten laufenden Monats, 
gemass den Bcfehlen Sr. Excellenz des General-PolizejvMinisters des Reichs, 
gefassten Beschlusse, deute ich ihnen hiemit an, dass euer Blatt in Gemass- 
heit des 3. Artikels besagten Beschlusses mife dem 1. September 1809 uuter- 
druckt sey. 

Die bcybchaltcnen Journalistcn sollen gehalten seyn, ohne einige Ent- 
schadigung nach den gegenwartigem beyzuschliessenden Etats, bis zu Ende 
ihrer Subscription den Abonnenten der unterdruckten Zeitungen zu bedienen, 
und sich dahin zu verstehen, jeder die Halfte der Subscribenten aufzunehmen ; 
sie wollen sich also diesein gemass benehmen. Cornelius von Guaita." 

4 ) Titel und Daten sind also folgende: Aachener: Wahrheitsfreund 
1794 5/1 bis 1794 19/9; Wahrheitsfreund 1797 2/5 bis 1798 1/11; Merkur 

1798 24/11 bis 1799 24/1; Wahrheitsfreund 1799 26/1 bis 1799 27/4; Merkur 

1799 29/4 bis 1805 19/12; Merkur 1806 8/1 bis 1807 21/12; Neuer Aachener 



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154 E. Pauls 

Th. Vliex starb zu Aachen im Alter von 82 Jahren am 
16. Juni 1839 \ nachdem er etwa drei Jahrzehnte hindurch der 
Verfasser einer Zeitung gewesen war, welche zwar nicht durch 
besondere Eeichhaltigkeit sich auszeichnete, dagegen, wie der 
Herausgeber einst mit gerechtem Stolze betonen konnte, unter 
alien Stiirmen und Umwalzungen sich gehalten hatte 2 . 

Merkur 1807 29/12 nur wenige Nummern; Aachener Merkur 1808 31/3 bis 
1809 30/8; Aachener Wahrheitsfreund 1814 26/1 bis 1825 31/12; Aachener 
Merkur 1826 1/1 bis 1827 30/6. — Die letzte in der Aachener Stadtbibliothek 
vorhandene, von Th. Vliex herausgegebene Nummer des Aachener Merkur 
datirt vom 30. Juni 1827. Vielleicht ist damals die Zeitung oingegangen. 

*) Sterbehaus: Alexanderstrasse Nr. 285, Lit. A. Die Sterbeurkunde 
(Standesamt Aachen) kennt nur den Vornamen Thomas und bezeichnet Vlieckx 
als Wittwer von Maria Anna Quodbach. 

*) Aachener Wahrheitsfreund 1822 Nr. 259 vom 2. November ^ Hier noch 
drei kurze, zu den bessern Leistungen gehorige, ehemals im Aachener Merkur 
(Wahrheitsfreund) erschienene Einzelheiten. 

1. Anagramm auf Napoleons I. Besuch in Aachen. 

(Aachener Merkur vom 3. September 1804.) 

Nonne leo nobis appareat? 

En-is Napoleon Bonaparte! 

In derselben Nummer folgendes Chronogramm: 

BeLLator, Patriae Defensor, PaCIflCator, IMperator. 

2. Auf Napoleons I. Sieg iiber Preussen. 

(Aachener Merkur vom 10. November 1806.) 

In subitam Napoleonis de Borussis victoriam. 

Sic Athon aut Rhodopen aut alta Ceraunia fulmen 

Vix bene conspecto, qua venit, igne ferit. 

3. Gedicht zur Zeit des Wiener Kongresses, als man in Aachen mit grosser 

Spannung der nachsten Zukunft entgegen sah. 
(Aachener Wahrheitsfreund vom 11. Februar 1825. Beginn der Fastenzeit.) 

Was werden wir? 
Man fragt sich schon so lange Zeit, 
Was mogen wir doch werden? 
Nun ist's entschieden, Briider, heut 
Wird's euch vcrkiindet werden; 
In alien Kirchen, auch im Dom 
Zu Wien, Paris, Madrid und Rom 
Ergeht der Spruch: Was war't und seid 
Das sollt ihr wieder werden. 

Memento homo, pulvis es 

Et certa tibi datur spes 

Qui eras, quoque eris 

In pulverem verteris! 



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Beitrage zur Geschiehte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 155 

„Viele Kloster", sagt Perthes *, „spieen zu Beginn der fran- 
zosischen Herrschaft ihre verworfensten Elemente aus, und 
gerade diese traten Religion und Sittlichkeit am schamlosesten 
mit Ftissen. Manche der damaligen Schriften und Blatter ver- 
schonten auch das Ehrwiirdigste nicht, aber alle wurden an 
Schrautz und frecher Gemeinheit durch die von Biergans heraus- 
gegebene Dekadenschrift „Brutus der Tyrannenfeind a iibertroffen". 
Da der Tyrannenfeind unter dem wenig veranderten Titel „ Brutus 
der Freie tt zeitweise in Aachen erschien, wo sein Herausgeber, 
welcher den Namen Brutus sich beigelegt hatte 2 , auch spater 
noch lange ansassig war, ist eine Besprechung hier unerlasslich. 

Franz Theodor Mathias Biergans, Sohn des Kaufmanns 
Christian Biergans, wurde zu Aldenhoven bei Julich ira J. 1768 
geboren 3 . Im Alter von etwa 18 Jahren trat er in das Kreuz- 
briiderkloster Schwarzenbroich bei Diiren ein, wo er Profess 
ablegte, gegen dessen Giiltigkeit er im J. 1789 beim General- 
vikar in Koln Einspruch erhob 4 . Biergans erzahlt interessante 
Einzelheiten 5 aus seinem Klosterleben, die indess mit Vorsicht 

*) Perthes a. a. 0. I, S. 163 und 164. 

-) Auf dem Titelblatt seiner in Aachen herausgegebenen Zeitschrift. 
Vgl. Anhang I Zeitungen Nr. 9; ferncr: Zeitschrift des Aachener Geschichts- 
vereins III, S. 184. Im Nachstehenden beziehen sich die Citate Brutus I 
oder II auf die beiden in Koln erschieneneu Bandehen des Tyrannenfeind. 

3 ) Folgt aus den Angabeu der amtlichen Sterbeurkunde. 

4 ) Brutus I, S. 228. Ueber das Ergebniss des Einspruchs schweigt 
Biergans; derselbe war fruchtlos, da der Ko'lner Generalvikar am 14. Oktober 
1795 amtlich vom „Klostergeistlichen Biergans" spricht (Brutus II, S. 76). 

5 ) Unter den Buchern in Schwarzenbroich prangte divus Thomas in alien 
Formatcn. Einzelno junge Leute hatten indess „alP ihr Spielgeld" an andere 
gute (!) Bucher gelegt, welche mehr werth waren (?), als die ungeheuerc 
Klosterbibliothek (Bmtus II, S. 188). — Biergans behauptet, aus dem Kloster 
heraus einige Liebesbriefe geschrieben und mit hervorragenden Dichtern 
(Burger, Schubart), sowie mit Dichterinnen, darunter einer nicht genannten 
bedeutenden Schriftstellerin in lebhaftem Briefwechsel gestanden zu haben. 
Dieselbe nennt er seine Busenfreundin ! (Brutus I, S. 226). — Als einst der 
Thesaurarius eine im Kloster vorhandene Reliquie der h. Odilia nicht fand, 
nahm er einen ahnlichen Knochen aus dem Todtenkeller und legte denselben 
in Wasser, welches dann unter Anrufung der h. Odilia geweiht wurde. Ein 
anderes Mai zertrummerte Biergans auf dem Altar zur Schau gestellte ver- 
goldete Kopfe, als er bei vorwitziger Untersuchung fand, dass dieselben nicht 
Todtenschadel, sondern aus Tuch gearbeitete Kunstwerke waren (Brutus I, 
S. 128). 



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156 E. Pauls 

aufzunehmen sind. Nachdem er olme Erlaubniss 1 im J. 1792 
das Kloster verlassen hatte, urn in die Welt zuruckzukehren, 
trat er zuerst in die Oeffentlichkeit des politischen Lebens rait 
einer zu Duren im Februar 1795 gelegentlich eines Volksfestes 
gehaltenen grossern Eede 2 . Die Eepublikaner bezeichneten die- 
selbe als patriotisch und geistvoll (rempli de patriotisme et de 
luuiiere) und liessen sie durch den Druck in franzosischer und 
deutscher Sprache verbreiten. Drei Monate spater begann Bier- 
gans in Koln mit der Herausgabe der Zehntageschrift Brutus 
der Tyrannenfeind. Brutus hielt sich fiir einen Vorkampfer der 
Freiheit, aber wohl niemals, seit den Tagen Gutenbergs bis 
zum Zusammensturz des verwitterteu deutschen Reichs, ist in 
irgend einer Zeitschrift in deutschen Landen statt der Frei- 
heit die Ziigellosigkeit so offen gepredigt worden, als eben im 
Tyrannenfeind. Bei der Bekampfung der „Tyrannen a seheint 
Biergans weniger das Konigthum und den Adel als die Ein- 
richtungen und Diener der Kirche, besonders der katholischen 
Kirche, im Auge gehabt zu haben. Wahrend er nur zuweilen 
seine Angriffe gegen die Fiirsten richtet, spricht fast aus jeder 
Seite der gliihende Hass eines die Bibel und das Chris ten thum 
verachtenden Freigeistes. Nur weil es zur Charakteristik des 
Tyrannenfeind unerlasslich ist — man verzeihe die Wiedergabe 
der folgenden theilweise niedrigen x^usdriicke — sei hier erwahnt, 
dass das erste Heft gewidmet war den gekronten Tyrannen 
Europas, den gepurpurten Tigern Latiens, den hochgeweihten 
Mordern Spaniens, den blutdurstigen Bettelprinzen der weiland 
machtigen Bourbonen, alien ahnenstolzen Junkern, alien privile- 
girten Bauernschindern, alien Vogten, Empfangern, Amtsver- 
waltern 3 und alien Feinden der Freiheit. Ferner ist fast in 
jedem Hefte die Rede von faulen, miissigen, ehebrecherischen und 
gemasteten PfaiFen, gekutteten Schurken, Hanswiirsten u. dergl., 



2 ) Er wird mehrfach in den Gegenschriften als entlaufener („vcrloffcner tt ) 
Munch bezeichnet; er selbst gab sich im J. 1795 als ci-devant Religieux an. 
Irrig heisst er vereinzelt (Milz a. a. 0. II, S. 24) Priester. Der General- 
vikar bezeichnet ihn zwar als Klestergeistlichen, duch bezieht sich dies nur 
auf den abgelegten Profess. Die Begriffe Geistlichcr und Priester decken 
sich nur im Volksmunde. 

2 ) Gedruckt im Aachner Zuschauer 1795 Nr. 30, S. 236 ff.; genauer in 
Brutus I, S. 14 ff. 

3 ) Demnach hielt Biergans einen Zukunftsstaat ohne Beamte und Steuern 
fiir moglich! 



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BeitrJige zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 157 

und statt zundender Funken einer grossen, geistigen Weltauf- 
fassung finden wir durchgangig kaum etwas Anderes als rohe 
Beschimpfungen der Kirche, des Klosterlebens und des Colibats. 
In einer solchen, den Kepublikanern willkommenen Pressfrechheit 
sonnte sich der Herausgeber, indem er jubelnd ausrief: „Nur 
die Tyrannen und Theologen schreien gegen die Pressfreiheit!" * 

In Koln war Brutus bald unmoglich geworden. Dort, wo 
er u. A. audi den Senat „der Ubier" in der riicksichtslosesten 
Weise angegriffen hatte, gelang es seinen Gegnern, vom General 
Lefevre einen Haftbefehl zu erwirken. Wurde auch Biergans 
auf hohern Befehl sehr bald in Freiheit gesetzt 2 , so war doch 
seines Bleibens nicht raehr in einer Stadt, welche, wie er selbst 
prahlte, die Zahlung 3 einer Million an Kriegskontribution dem 
Erscheinen des Tyrannenfeind in ihren Mauern vorgezogen haben 
wurde. Er wandte sich nach Aachen und gab hier seit Januar 
1796 seine Zeitschrift unter dem Titel „Brutus der Freye" heraus. 
Wie in Koln, so in Aachen: die unerhorten Angriffe fanden in 
der Menge nur sehr geringen Beifall. Dem Herausgeber hielt 
es sogar schwer, einen Drucker zu finden 4 ; Koln liess das von 
Aachen aus gesandte Blatt nicht mehr in seine Mauern ein, so 
dass ganze Biindel uneroffnet vor dem Hahnenthor lagerten 5 . 
Anscheinend sind in Aachen nur sehr wenige Hefte zur Ausgabe 
gekommen, dann schlief „ Brutus der Freye" fiir immer ein. 

An Schutz des Blattes liessen die Republikaner es nicht 
fehlen, wahrend anderseits in einer ganzen Keihe von Gegen- 
schriften die Sache des Throns und Altars mehr oder minder 
geschickt vertheidigt wurde. Niemand anders als der franzosische 
Volksreprasentant und die hochsten republikanischen Beamten 
hielten mit ihrem machtigen Arm die haltlose Zeitschrift so lange 
liber Wasser, als es eben moglich war. Wohl erhielt Biergans — es 
macht den Eindruck eines Scheinspiels — nach dem Erscheinen 



J ) Brutus I, S. 220: „weil das ganze Gebaude der Tyrannen und Theo- 
logen aus lauter Aberglaube aufgethurmet ist". 

2 ) Die sehr interessante Schilderung seiner Verhaftung und Freilassung 
findet sich ira ersten Hefte if. des in Aachen erschieneneu Brutus. 

3 ) Ebendaselhst S. 89. 

4 ) Von Frey-Aachen aus erklart Biergans auf dem Umschlag eines der 
Hefte des Brutus am 3. Floreal 4. Jahrs (1796, April 22), dass er allent- 
halben auf Hindernisse stosse und fast gezwungen sei, seine Zeitschrift in 
unterirdischeu Gcwolben drucken zu lassen. 

6 ) Brutus der Freye S. 115. 



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158 E. Pauls 

der ersten Hefte des Tyrannenfeind von der Aachener Central- 
verwaltung eine Verwarnung 1 , „weil der National kon vent alle 
Keligionsiibungen fur frei erklart habe". Der Ton des Blattes 
blieb derselbe und im Juli 1795 wurde Biergans wegen seiner 
literarischen Thatigkeit vom Volksreprasentanten Dubois offent- 
lich belobt uud des Schutzes der Republik versichert 2 . Und 
von Aachen aus wagte es der Herausgeber sogar, seinen Brutus 
an den gesetzgebenden Korper in Paris zu schicken, urn sich 
gleichzeitig fiir einen Lehrstuhl der lateinischen Sprache oder 
der Dichtkunst 3 in den Rheinlanden zu bewerben. Die Sendung 
wurde „mit Wohlgefallen aufgenommen und Biergans ersucht, 
sich bei den Kommissionen zu raelden, welche zur Auswahl der 
Lehrer und Professoren ernannt werden sollten". Seine Talente 
und seine Vaterlandsliebe, so schrieb der Minister des Innern, 
dlirften ohne Zweifel aufBeifall zu rechnen haben 4 . Spater ist 
von der Professur nicht mehr die Rede. 

Dass der etwas seltsame Name Biergans manchen Gegnern 
und dem Volksmunde Anlass zu Namensverdrehungen und Ver- 



*) Aachner Zuschauer 1795 Nr. 59 vom 16. Mai, S. 471. 

2 ) Brutus I, S. 219; Aachner Zuschauer 1795 Nr. 89 vom 25. Juli, S. 715. 

8 ) Biergans war nicht ohne dichterische Begabung, bezeichnete sich sogar 
selbst als deutschen Barden! (Empfindungen am Arm meines Madchens im 
Hofgarten zu B . . n. Brutus II, S. 105.) Hier wenige Strophen aus zwei 
fiir die Anschauungen des „Barden a besonders bezeichnenden langern Gedichten. 

Abschied an die Theologie im Kloster 1792. 
(Brutus I, S. 191.) 
Fort Theologie! Ich sag' Dir gute Nacht, 
Gute Nacht mit alien deinen tausend Grtinden. 
Gott sei Dank! Ich bin vom langeu Traum erwacht, 
Gute Nacht, ihr Sakrilegien und Sunden. 

Abschiedslied einer Nonne. 
(Brutus der Freye. Aachen, S. 84.) 

Fluch euch, ihr schwarzen Pfaffen! 

Den Fluch vom Vaterland; 

Zur Eh' bin ich geschaffen, 

Und nicht zum Klosterstand. 
Fort, fort ihr traur'gen Psalmen Lebt wohl, ihr Klostcrmauern, 

Und du, mein Bosenkranz; Abtissin lebe wohl! 

Ich eiP, mit frischen Palinen Ein Ende hat mein Trauern, 

Geschmuckt, zum Hochzeitstanz. Herr Pater, lebe wohl! 

4 ) Aachner Zuschauer 1796 Xr. 92 vom 1. August, S. 734 f. 



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Beitr&ge zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 159 

hohnungen gab 1 , verdient keine Beachtung, dagegen lohnt sich 
ein Blick auf die ziemlich zahlreichen Gegenschriften 2 . Meist 
versuchen dieselben, in sachlich ruhiger Weise die Schwache und 
Riicksichtslosigkeit der Biergansschen Redensarten zu erweisen, 
wobei feiner Spott mitunter an H. Heines Wort von den Gegnern, 
welche ^.uch nicht schlecht schossen, erinnert. 

So sprach Sandbiichler gegeniiber dem Manne, welcher das 
Kloster ohne Erlaubniss verlassen hatte, urn bald nachher sich 
zu vermahlen und dann die Ehelosigkeit der Priester zum 
Gegenstand der unwiirdigsten Angriffe zu machen, das „Chercher 
la femme a in folgender launigen Art aus 3 . 

Est tota rhapsodia: ac principium, ac finis mulier. (Set. 
Justin. Mart.) 

De monasteriis exierunt, et nunc luxuriae sunt magistri. 
(Set. Ambros. in psalm. 36.) 

Statim ut mulieres vidennt, adhinniunt. (Hieron. L. I contr. 
Jovin.) 

Ein Anderer verglich Biergans, unter Hinweis auf die dem 
ersten Hefte des Brutus vorgedruckte Widmung mit einem auf 
der Blihne stehenden „Windmann a , welcher den Tyrannen und 
Tigern den Krieg erklart habe und mit der einen Hand gegen 
Spanien und Rom, mit der andern gegen Wien ausschlage 4 . 

Fur Aachen liefert der Tyrannenfeind zur Geschichte eines 
der denkwiirdigsten Tage aus der reichsstadtischen Vergangenheit 

J ) Die Namen „Ritter Gansebier" und „Bierliimmel a scheinen gang und 
gabe gewesen zu sein. 

2 ) Aus der Konigl. Universitatsbibliothek in Bonn liegen mir vor: 1) Der 
bekehrte Burger Biergans oder der beruhmte Burger Biergans vor dem 
Richterstubl der Vernunft. Keine Wochenschrift. 1795. 32 S. 8 vo ; 2) Der 
Apologist wider Brutus und Antibrutus oder der wahre stadtkblnische Republi- 
kaner. 11. Stuck Zweites Quartal 1795. S. 161 — 176. 8 vo . 1st also, wie audi 
das folgende Schriftchen von Sandbiichler nur ein Bruchstuck einer periodisch 
erscheinenden Gegenschrift. 3) Gegengift wider die religionswidrigcn Satze 
des angeblich Licbt verbreitenden Tyrannenfeindes Brutus. Oder der Religions- 
feind unter der Maske des Patriotism, entlarvt von Sandbiichler. Eilftes 
Stuck. Koln 1795. 8 vo S. 317—348. 

In der Kolner Stadtbibliothek mehrere kleine Vertheidigungsschriften zur 
Abwehr der im Tyrannenfeind gegen den Senat der Ubier gerichteten Angriffe. 
In Aachen bemtthte sich Pfarrer Quadflieg zu Verlautenheide (Aachner 
Zuschauer 1796 Nr. 31 vom 12. Marz, S. 248), eine Gegenschrift gegen Brutus — 
anscheinend die Sandbiichlersche — zu verbreiten. 

3 ) Sandbiichler (vgl. die vorige Anmerkung) S. 327 und 328. 

4 ) Der bekehrte Burger Biergans (vgl. die vorletzte Anmerkung) S. 13. 



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160 E. Pauls 

einen bemerkenswerthen Beitrag. Es handelt sich dabei urn 
den der Stadt gemachten Vorwurf, dass die Aachener beim 
Riickzug der Franzosen am 2. Marz 1793 nicht nur in den 
Kampf eingegriffen, sondern sogar franzosische Verwundete in 
roher Weise raisshandelt hatten 1 . Hierzu schreibt Biergans 2 : 
,,Will die Bezirksverwaltung die Stadt Aachen aus der Ursache, 
weil in dem 1793 erfolgten ungliicklichen Ruckzuge von der 
Ruhr die Republicaner von einem schlechten besoffenen Kerl 
sind misshandelt worden, so hoch (in der Kontribution) anschlagen, 
so hat sie Unrecht: das Verbrechen eines Einzigen kann nicht 
auf ein ganzes Volk zuriickfallen und zudem hat die Republik 
dieses Laster der Stadt verziehen. Und wenn die Republicaner 
von einem oder anderm sind misshandelt worden, so konnte ich 
mehrere brave Burger namhaft machen, welche in dem namlichen 
Riickzug manchem braven Krieger das Leben gerettet haben." 

Zwei andere Stellen 3 beweisen, dass der geschichtlich „merk- 
wiirdige Ausdruck betr. Leute, welche „zwischen Maas und 
Rhein" wohnen, damals in unserer Heimath gebrauchlich war und 
dass in Koln der Name Kalviner, in Aachen dagegen der Name 
Giise im Volksmunde zur Bezeichnung der Protestanten haufig 
gebraucht wurde 4 . 

Wie lange Biergans nach dem Eingehen des Tyrannenfeind 
in Aachen blieb, steht nicht lest. Im J. 1799 finden wir ihn 
als Redakteur und Eigenthumer der in Koln erscheinenden und 
dort gedruckten Zeitschrift Iduna verzeichnet 5 . Zu Beginn 
dieses Jahrhunderts gelang es ihm, eine Anstellung als offent- 
licher Notar in Aachen zu erhalten 6 und hier versuchte er im 
Januar 1815 die Herausgabc ciner zweimal wochentlich erscheinen- 
den Zeitung „ Aurora". Im Vorbericht bezeichnete er als den 



J ) Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins X, S. 198 ff. 

2 ) Brutus der Freye S. 110. 

n ) Brutus I, S. 11 u. S. 308. Diese audi heute noch zuweilen gebrauchliche 
Bedensart (Beispiele: der bcste (schlechteste) Manu, das bravste Madchen 
u. dergl. zwischen Maas und Bhein) stammt schwerlich aus der Zeit der 
Fremdherrschaft. Sie ist viclleicht — naherc Anhaltspunkte fehlen — auf 
die Urzeit zuriickzufuhren. 

4 ) Brutus II, S. 38. 

5 ) Annalen des hist. Vcreins f. d. Niederrhein XXXVI, S. 74. 

6 ) Komnit als solcher in vielen Anzeigen vor und bezeichnet sich auch 
im Vorbericht der „ Aurora" als Notar. Nach den Niederrheinischen Blattern 
(1803. IV, S. 646) vielleicht auch in Montjoie eine Zeit lang als Notar. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 161 

Zweck der Zeitschrift die Ausrottung des noch vorhandenen 
gallischen Sinnes und die Forderung der Vaterlandsliebe, wobei 
er versprach, das Christenthum weder direkt noch indirekt anzu- 
greifen, da er „mit alien Religionspartheien in Frieden leben 
und alle theologisch-dogmatischen Streitigkeiten vermeiden wolle". 
Damit trat zu Tage, dass auch in religioser Hinsicht die seit 
1795 gemachten Erfahrungen an Biergans nicht spurlos voriiber- 
gegangen waren. Beziiglich seiner politischen Auffassungen hatte 
der merkwurdige Mann zuerst nach dem Verlassen des Klosters 
im J. 1792 auf dem rechten Rheinufer die Fahne Oesterreichs 
hochgehalten \ Dann wurde er begeisterter Republikaner und 
spater lasst eine „Ode auf die Rundreise Napoleons L, des einzigen 
Casars", vermuthen 2 , dass aus dem Republikaner ein Anhanger 
des Schlachtenkaisers geworden war. Nach der Vertreibung der 
Franzosen feierte Biergans in einer schon zu Ende Februar 1814 
in Aachen herausgegebenen Schrift 3 den Kaiser Alexander als den 
Befreier Europas in der iiberschwanglichsten Weise und brachte in 
seiner „ Aurora" einen gehassigen Aufsatz iiber „den Stammbaum 
des Exkaisers Napoleon". 

Die Aurora fand in Aachen nur eine sehr kiihle Aufnahme 4 
und ging wohl schon im ersten Halbjahr nach ihrer Griindung 
ein. Den Rest seines Lebens verbrachte Biergans in Koln, folgte 
aber den seit 1825 in Aachen lebhafter gewordenen literarischen 
Bestrebungen mit reger Aufmerksamkeit 5 . 

*) Bekannt ist nur, dass er in einem Kriegslied die fleldenthaten der 
Oesterreicher besungen hatte. Dies wurde als Grund seiner Verhaftung in 
Koln geltend gemacht. Biergans entschuldigte sich rait der unglaublichen 
Ausrede, dass er das Lied verfasst habe, urn sich zu retten! (Brutus der Freye, 
Aachen 1. und 2. Heft, S. 4). 

2 ) Gedrucktes, mir vorliegendes Flugblatt. Weitere Beweise diirfte wohl 
die von Biergans in Koln herausgegebene Zeitschrift Iduna enthalten, doch 
gelang es mir nicht, von derselben ein Exemplar aufzutreiben. 

3 ) Teutschland's Entsiindigung von F. T. Biergans. Sera tamen tacitis 
poena venit pedibus. Tib. lib. I, El. 9. Aachen, bey J. H. Schwarzenberg, 
Buchhandler. 1814. 8 vo , 36 Seiten. Titel zweier andern, spater erschienenen 
Schriften in Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins III, S. 184. Nach 
Aurora (Nr. 1) hat Biergans ferner langer als zehn Jahre an einer statistischen 
Beschreibung des Kuhrdepartements gearbeitet. 

4 ) Eigenes Gestandniss des Herausgebers schon in Nr. 4 der Aurora 
vom 27. Januar 1815. 

5 ) So widmete er in dem in Koln erscheinenden Rheinischen Unter- 
haltungsblatt (1827 Nr. 44) der in Aachen eingegangenen Rheinischen Flora 
folgenden Nachruf: 

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162 E. Pauls 

Ausgesolmt * mit der von ihm in den Tagen seiner Kraft 
so boshaft geschmahten Kirche verschied Biergans im Alter von 
74 Jahren zu Koln am 18. Januar 1842 2 . Einsam wie die 
Jugend und das Mannesalter des nach von Beumont von Allen 
gemiedenen 3 „Brutus tt mag auch der Lebensabend gewesea sein. 
Es heisst in der amtlichen Sterbeurkunde : Ehegatte der seit 
zweiundzwanzig Jahren abwesenden Gertrud Clever. 

Wie bereits erwahnt, ging der Aachner Zuschauer urn die 
Mitte des Jahres 1798 an Jos. Offermanns uber. Offermanns 
friihere schriftstellerische Thatigkeit erhob sich jedenfalls nicht 
iiber das Mittelmassige. Im J. 1797 gab er in Aachen ein Blatt 
unter dem Namen Zeitgeschichte 4 heraus, welches, wie aus dem 
Berichte Estiennes vom 10. Februar 1800 gefolgert werden 
darf 5 , der vom Aachener Wahrheitsfreund vertretenen, den 
Republikanern nicht passenden Richtung zuneigte. Schon im 
November 1797 erhielt die Zeitgeschichte einen scharfen Ver- 
weis G ; sie war wohl eingegangen, als Offermanns an Dautzen- 
bergs Stelle Leiter des Aachner Zuschauer wurde. Da der 

Flos Rheni binos tantum modo floruit annos; 
Defluit ut vixit; vixit, abivit aquis. 
Einzig der Jahre nur zwei 
Erblickte die Rheinische Flora: 
Wassrigt erzogen ward, 
Endlich zu Wasser sie selbst. 
') v. Mcring, Gescbichte der Burgen, Rittergliter . . . und Kloster VII,' 
S. 102. 

2 ) Sterbeurkunde (Standesamt Koln). Sterbehaus: Mai'zellenstrasse 68. 
rj ) Zeitschrift des Aachener Gesehichtsvereins III, S. 184. 

4 ) F. Dautzenberg, der Redakteur des Aachner Zuschauer, nennt das 
Blatt an einigen Stellen scherzweise „Zeitvertreib". In den Rathsprotokollen 
(Bd. XLII, S. 11) des Aachener Stadtarchivs findet sich: „ Veneris, 28. April 
1797. Kleins Raths. Die vom burger Joseph Offermanns verlesene unter- 
dienstliche anzeige, ura eine zeitung unter dem titel Zeitgeschichte heraus- 
zugeben, wird zu herrn burgermeisteren gewiesen." 

5 ) Vgl. Anhang IV, Nr. 2. 

6 ) Aachner Zuschauer Nr. 134 vom 9. November, S. 1071. Abschrift 
des Briefes an Sieur Offermanns, Verfasser des Blattes, betitelt Zeitgeschichte, 
vom 19. Brumaire 6. Jahrs (1797, November 9): „Ich bin unterrichtet, mein 
Herr, dass Sie in Ihr Blatt falsche Nachrichten und solche Grundsatze ein- 
fliessen lassen, welchc offenbar dahin zielen, der offentlichen Stimmung eine 
verkehrte Richtung zu geben und die leichtglaubigen Leser, welche darauf 
vertrauen mochten, zu tauschen. Da ich dieses aber nicht leiden darf und 
mich selbst von der Wahrheit der Sache versichern soil, so werden Sie wohl 
thun, mir ein Exemplar von jedem (!) Nummer Ihres Blatts einzuschicken, 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchbandels etc. 163 

Zuschauer im J. 1802 in der Druckerei der Wittwe Joseph 
Offermanns gedruckt wurde *, fallt das Todesjahr des Nachfolgers 
Dautzenbergs in die Zeit zwischen 1800 imd 1802. 

Unter der Redaktion und im Verlage von Joh. Aug. Dreysse, 
spater von Simon Kuhnen in Aachen erschien seit Mai 1798 in 
der Starke von mehrern Quartblattern wochentlich zwei Mai 
der Anzeiger des Ruhrdepartements. In der Ankundigung ver- 
sprach die Redaktion, wichtige Entscheidungen der hohern Ver- 
waltungsbehorden und Gerichte, sowie Handels- und biirgerliche 
Angelegenheiten thunlichst zu beriicksichtigen. Sie hat trefflich 
Wort gehalten : Der Anzeiger bietet zur Geschichte der Aachener 
Gegend in den Jahren 1798 und 1799 mehr, als alle iibrigen 
damaligen Zeitungen zusammengenommen. Aus der bunten Fiille 
des Stoffs nachstehend mehrere kaum bekannte, im Anzeiger 
vielfach ohne jede Bemerkung gemachte Angaben iiber die Bei- 
treibung der Kontributionen, kirchenpolitische Fragen und andere 
Einzelheiten. 

Die Kontributionen, so heisst es in einer Bekanntmachung 
des Kommissars Dorsch 2 , sind der Nerv des Staates ; wacht liber 
deren Eintreibung! Thatsachlich ging die Erhebung mit der 
grossten Strenge vor sich. Zur Annahme des Amtes eines Ver- 
theilers der Kontribution waren die Agenten der einzelnen Ge- 
meinden gezwungen 3 , wahrend die Erhebung der verhassten 
Kriegssteuer in der Regel dem Mindestfordernden in Verding 
gegeben wurde 4 . Wo die Hulfe der National-Gensdarmerie nicht 
ausreichte, urn die Einnehmer zur Zahlung zu veranlassen, sollten 
deren Guter verkauft werden 5 . Vielfach mag ein Mindestfordern- 



wobey ich Ihnen zuglcich bedeute, dass im Verweigerungs-Falle von Ihrer 
Seite ich alle nothigen Zwangmittel zu dem Ende wider Sie ergreifen, oder 
den Umlauf Ihres Blatts untersagen werde. Gruss und Verbrtiderung. 

Der substituirte franzbsische Kommissar, Estienne." 
(Auffallig — es liegt wokl Spott zu Grunde — ist die Bezeichnung „Sicur u 
und „mein Herr" statt der Anrede „Biirger u .) 
! ) Vgl. obeu S. 104 und Anlage IV, Nr. 2. 

2 ) Anzeiger des Ruhrdepartements (= A. d. R. D.) Nr. 28 vom 17. Ther- 
midor 6. Jahrs (1798, August 4), S. 171. 

3 ) A. d. R. D. Nr. 16 vom 5. Messidor 6. Jahrs (1798, Juni 23), S. 96. 
Formular des amtlichen Schreibens: Ich babe Sie ausersehen, um die Ihrer 
Gemeinde auferlegte Kontribution mitzuverthcilen. Es steht nicht in Ihrer 
Macht, diescn Auftrag abzulehnen .... 

4 ) A. d. R. D. Nr. 47 vom 20. Brumaire 7. Jahrs (1798, November 10), S. 313. 

5 ) A. d. R. D. Nr. 48 vom 24. Brumaire 7. Jahrs (1798, November 1 4), S. 322. 

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164 E. Pauls 

der nicht gefunden worden sein. In solchen Fallen fiihrte 
militairische Exekution, welche ganzen Kantonen bescheert war *, 
sowie der Verkauf von „Effekten und Friichten" zum Ziel. Die 
Folgen des Aussauge-Systems blieben nicht aus. 

Alltaglich, so heisst es im Oktober 1798 2 , laufen bei der 
Municipalverwaltung des Kantons Aachen zahllose Reklamationen 
von Armen, Waisen, Glaubigern, Arbeitsleuten und Lieferanten 
urn Unterstiitzung, Hlilfe und Zahlung ein. An andern Stellen 
wird gesagt: Viele Gemeinden sind durch den Druck des Kriegs 
in eine traurige Verfassung gerathen und ohne Hiilfsquellen 3 , der 
Handel und die Fabriken sind fast ganz zu Grunde gerichtet 4 , 
Rauber durchstreifen das Land 5 . Aachen selbst hatte weder 
Geld noch Kredit zur Deckung der Rechnungen fur die Militair- 
spitaler 6 , und die reichsten seiner Bewohner waren trotz aller 
gegen sie angewandten Zwangsmassregeln ausser Stande, 18000 
Franken vorzustrecken 7 . Solchen Zustanden gegeniiber klingt 
es fast wie Hohn, dass der Kriegsminister Scherer in einer 
Belobung der Centralverwaltung des Ruhrdepartements von der 
immer mehr zunehmenden Ergebenheit ihrer Administrirten 
spricht 8 . 

Zur Geschichte des Kampfes 9 der Republikaner gegen die 
katholische Kirche bringt der Anzeiger des Ruhrdepartements 
nicht nur die seiner Zeit ergangenen Verfugungen, sondern ausser- 
dem manchen Bericht ilber den Eindruck der kirchenfeindlichen 
Beschliisse auf die Menge. 



1 ) Beispiele: Kan ton Jiilich, Eschwejler und Linnich (Nr. 13 vom 
18. Nivose 7. Jahrs (1799, Januar 7), S. 82; in spatern Nummern noch mehrere 
andere Ortschaften bezw. Kantone. Schliesslich erkl&rten die franzosischen 
Behorden selbst, dass die militairische Exekution die Gemeinden ruinire und 
ihren Zweck nicht erreiche. A. d. R. D. Nr. 22 vom 23. Pluviose 7 Jahrs 
(1799, Februar 11), S. 153. 

2 ) A. d. R. D. Nr. 40 vom 22. Vendem 7. Jahrs (1798, Oktober 13), S. 256. 

3 ) A. d. R. D. Nr. 47 vom 20. Brumaire 7. Jahrs (1798, November 10), S. 314. 

4 ) A. d. R. D. Nr. 5 vom 20. Prairial 7. Jahrs (1799, Juni 8), S. 33. 

5 ) A. d. R. D. Nr. 13 vom 3. Thermidor 7. Jahrs (1799, Juli 22), S. 95. 

6 ) A. d. R. D. Nr. 21 vom 23. Messidor 6. Jahrs (1798, Juli 11), S. 131. 

7 ) A. d. R. D. Nr. 25 vom 7. Thermidor 6. Jahrs (1798, Juli 25), S. 153. 

8 ) A. d. R. D. Nr. 17 vom 4. Pluviose 7. Jahrs (1799, Januar 23), S. 115. 

9 ) Dieser auf dem linken Rheinufer beiderseitig mit grosser Ausdauer 
gefuhrte Kampf ist in manchen Punkten, namentlich hiusichtlich des Eidcs 
der Priester und des Einflusses der Republikaner auf die Bestfitigung und 
Wahl der Seelsorger, zur Zeit noch nicht aufgeklart. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 165 

Es rief eine ungeheure Aufregung hervor, als vielleicht 
seit 1400 Jahren zum ersten Mai die staatlichen Behorden den 
altliergebrachten katholischen Gottesdienst in jeder Weise als 
Aberglauben bezeichneten und strengstens dessen Feier auf das 
Innere der „Ceremonienhauser a beschrankt sehen wollten *. Zur 
Begrundung wurde angefiihrt, dass das Wort „Freiheit der 
Religionen" mit goldenen Buchstaben in das Gesetzbuch der 
Franken eingetragen sei 2 und dass keine der bestehenden Reli- 
gionen sich als die herrschende betrachten diirfe. Dabei empfahl 
der Kommissar Dorsch, die Jugenderziehung zu verbessern, 
indem an die Stelle der Lehrbiicher des Aberglaubens der 
Katechismus der Sittenlehre, an die Stelle sklavischer Grund- 
satze die Bechte des Menschen und des Burgers treten sollten 3 . 
So hochtonende leere Redensarten 4 verfehlten ebenso ihren 
Zweck als der Hinweis darauf, dass der Donner Gottes, trotz 
aller Anstrengungen der „Apostel des Aberglaubens", ruhig 
schweige 5 . Einschneidender und in seiner ungenauen Ausdrucks- 
weise an manche Erlasse einer viel spatern Zeit erinnernd, 
war ein Beschluss des vollziehenden Direktoriums zu Paris vom 
4. Dezeniber 1798, laut dessen Geistliche, die ihr Ansehen miss- 
brauchten, um Unruhen zu erregen, oder die man fur gefahr- 
lich erkennen wurde, dem Direktorium angezeigt werden 
mussten 6 . Sehr willkommen kamen dagegen den Republikanern 



x ) Prozessionen galten als „geistliche Zusammenrottirungen". Die Bilder 
des Gekreuzigten mussten von den offentlichen Pl&tzen und selbst von den 
Kirchhbfen entfernt werden und Niemand durfte in Trachten, welehe auf 
kirchliche Wlirden deuteten, ausserhalb der Kirche erscheinen. (Mehrfache 
Verfiigungen im A. d. R. D., auch bei Haagen, Geschichte Achens II, S. 432.) 

2 ) A. d. R. D. Nr. 27 vom 14. Thermidor 6. Jahrs (1798, August 1), S. 166. 

3 ) A. d. R. D. Nr. 23 vom 2. Ventose 7. Jahrs (1799, Februar 20), S. 164. 
An anderer Stelle heisst es: Der Fanatismus tobt, man blendet die Burger 
durch Gaukeleien und angstigt ihre schwachen, furchtsamen Gewissen. (A. d. 
R. D. Nr. 26 vom 10. Thermidor 6. Jahrs [1798, Juli 28], S. 159.) 

4 ) A. d. R. D. Nr. 26 vom 10. Thermidor 6. Jahrs (1798, Juli 28), S. 159 
heisst es: Die Republik, beseelt vom reizenden Vergniigen einer sanften, 
duldenden Philosophic, dieser edelsten Gabe des Himmels und der Natur, 
gewahrt gleichen Schutz dem Katholiken und dem Protestanten, dem Juden, 
dem Indier und dem Muhamedaner. 

5 ) A. d. R. D. Nr. 27 vom 14. Thermidor 6. Jahrs (1798, August 1), S. 166. 

6 ) A. d. R. D. Nr. 20 vom 14. Pluviose 7. Jahrs (1799, Februar 2), S. 138. 
A. d. R. D. Nr. 31 vom 7. Germinal 7. Jahrs (1799, Marz 27), S. 223: Burger 
Dominik Zimmermann, gewesener Pfarrer der Gemeinde Burtscheid, erklart, 



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166 E. Pauls 

die vereinzelt aus katholischen Kreisen einlaufenden Beschwerden 
liber Priester und Kloster. So brachte einst der Anzeiger des 
Ruhrdepartements an erster Stelle den amtlichen Bericht iiber die 
Auffindung einer in einem Klostergefangniss zu Rheinberg sechs 
Jahre hindurch eingekerkert gewesenen Nonne 1 ; der Prior des 
Klosters der Minoritenbruder in Montjoie hatte mit „Drohen, 
Schmahen und strafbaren Grobheiten gegen diejenigen Monche 
sich vergangen, welche republikanische Grundsatze ausserten" 2 ; 
eine Nonne in St. Agatha war wegen des Absingens patriotischer 
Lieder von ihren Mitschwestern schlecht behandelt worden und 
aus dem Kloster gegangen 8 ; endlich noch hatten die Minoriten 
in Koln einem Ordensmitglied ubel mitgespielt, weil dasselbe bei 
der Ankunft der Republikaner das Verbleiben im Kloster dem 
Auswandern vorzog 4 . In alien diesen Fallen wurde griindlich 
„Abhiilfe u geschafft. Stellenweise brach sich freilich auch die 
Macht der Republikaner an denVerhaltnissen 5 . Die Durchfuhrung 
des Gesetzes iiber die Fuhrung der Civilstandsregister durch 
weltliche Beamte ging nichts weniger als glatt von statten. 
Mehrfach verweigerten die Priester den Brautpaaren die kirch- 
liche Einsegnung, wenn sie nicht einen Losschein vom General- 
vikar beibrachten, „welchen dieser gegen die Gebiihr von vier 
Reichsthalern im Namen Sr. Durchlauchtigen Hoheit des Kur- 



vom vollziehenden Direktorium aus ihm unbekannten Ursachen zur Depor- 
tation verurtheilt worden zu sein. Dies ein Beispiel der Anwendung des 
eben genannten „Kautschuk-Paragraphen u . Ziinraermann wurde abschlagig 
beschieden, entging aber jedenfalls der Strafe der Deportation. Er starb, 
nachdem er 33 Jahre Pfarrer in Burtscheid gewesen, am 20. August 1819 
als Pfarrer zum h. Foilan und Ehren-Stiftsherr in Aacben laut Quix, Stadt 
Burtscheid S. 73. 

J ) A. d. K. D. Nr. 31 vom 7. Germinal 7. Jahrs (1799, Marz 27), S. 225. 

2 ) A. d. E. D. Nr. 40 vom 22. Vendemiaire 7. Jahrs (1798, Okt. 13), S. 259. 

3 ) A. d. R. D. Nr. 25 vom 7. Thermidor 6. Jahrs (1798, Juli 25), S. 155. 

4 ) A. d. R. D. Nr. 45 vom 13. Brumaire 7. Jahrs (1798, Nov. 3), S. 300. 

5 ) Hier ein Beispiel. Ein Pfarrer in Froitzheim hatte als Vater eines 
Kindesauf Befehl des Kolner Officials 7 Jahre im Gefangniss zugebracht; 
seine Giiter waren wahrend der Haft verkauft worden. Nach der Entlassung 
verlangte der Pfarrer Wiedereinsetzung in sein Amt, oder eine angemessene 
Entschadigung. Die Centralverwaltung wies den Antragsteller ab, weil die 
Pfarrgemeinde ihn nicht mehr als Seelsorger anerkennen wolle, die Entschei- 
dung iiber die Rechtmassigkeit des Verkaufs der Giiter aber Sache der 
Gerichte sei (A. d. R. D. Nr. 46 vom 17. Brumaire 7. Jahrs [1798, Novem- 
ber 7], S. 306). 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereieu, des Buchhandels etc. 167 

furs ten von Koln auszustellen, eifrig sicli angelegen sein liess" K 
Das neue Gesetz beseitigte den Missstand, dass die Todesfalle 
armercr Personen und Kinder vielfach nicht in den Sterbebuchern 
verzeichnet wurden 2 , entbielt aber die fur das Gebiet zwischen 
Rhein und Maas geradezu unsinnige Bestimmung, dass das Alter 
der Heirathsfahigkeit beim mannlichen Geschlechte auf 15, beim 
weiblichen auf 13 Jahre festgesetzt wurde 3 . Mehrere Bestim- 
mungen 4 iiber die strengste Durchfuhrung des republikanischen 
Kalenders, „dessen genaue Beobachtung besonders geeignet sei, 
die despotische und geistlicke Staatsverfassung vergessen zu 
machen und den Biirgern Anhanglichkeit an die Grundsatze 
der Freiheit einzuflossen", vermochten die haltlose neue Datirung 
nicht einzuburgern. 

Auch politische Glaubensbekenntnisse hervorragender franzo- 
sischer Beamten finden sich im Anzeiger des Ruhrdepartements 5 , 
und manche kleineren Mittheilungen und Reden werfen interessante 
Streiflichter auf die damaligen Verhaltnisse. So waren die Fuss- 
boten, welche zwischen den einzelnen Kantonen Briefe beforderten, 
bewaffnet zura Schutz gegen — Wolfe 6 . Die Strasse zwischen 
Aachen und Koln befand sich in einem so schlechten Zustande, 
dass ein auf vier Personen eingerichteter Wagen vierspannig 
fahren musste 7 ; in Aachen selbst schadeten zwei jedenfalls 
grosse sumpfige Graben innerhalb der Ringmauern durch ihre 
Ausdunstungen der Gesundheit der Einwohner 8 . Der Stadt kam die 



J ) A. d. R. D. Nr. 37 vom 3. Erganzungstag 6. Jahrs (1798, Septem- 
ber 19), S. 231. Die Forderung solcher Losscheiue sollte als Feindschaft 
gcgen das franzosische Volk bestraft worden! 

2 ) A. d. R. D. Nr. 29 vom 21. Thermidor 6. Jahrs (1798, August 8), 
S. 175. Kam auch au-sserhalb Aachens, wie mich die Durchsicht vieler altera 
Sterbebucher gelehrt hat, haufig vor. 

3 ) A. d. R. D. Nr. 29 vom 21. Thermidor 6. Jahrs (1798, August 8), 
S. 176. Das Alter der Grossjahrigkeit war auf 21 Jahre bestimmt. 

4 ) A. d. R. D. Nr. 14 vom 23. Nivose 7. Jahrs (1799, Januar 12), S. 96; 
Nr. 15 vom 26. Nivose 7. Jahrs (1799, Januar 15), S. 101; Nr. 30 vom 
7. Germinal 7. Jahrs (1799, Marz 27), S. 229. 

5 ) Rudler, Marquis und Dorsch in: Nr. 27 vom 14. Thermidor 6. Jahrs 
(1798, August 1), S. 162 ff.; Nr. 35 vom 26. Germinal 7. Jahrs (1799, April 15), 
S. 257 if.; Nr. 25 vom 7. Thermidor 6. Jahrs (1798, Juli 25), S. 151 ff. 

6 ) A. d. R. D. Nr. 16 vom 30. Nivose 7. Jahrs (1799, Januar 19), 
S. 110; allgemeine Jagd auf Wolfe Nr. 19 vom 11. Pluviose 7. Jahrs (1799, 
Januar 30), S. 132. 

7 ) A. d. R. D. Nr. 25 vom 9. Ventose 7. Jahrs (1799, Februar 27), S. 180. 

8 ) A. d. R. D. Nr. 35 vom 21. Fruktidor 6. Jahrs (1798, Sept. 7), S. 216. 



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168 E. Pauls 

Sfcrassenbeleuchtung ziemlich hoch zu stehen, da in zwei Winter- 
monaten far dieselbe etwa 1350 Mark nach heutiger Wahrung 
verausgabt wurden \ Eine amtliche Grenzbestimmung zwischen 
den Kantonen Aachen und Burtscheid verdient Beach tung 2 , des- 
gleichen eine fur die ehemaligen Zunft- und Industrie- Verhaltnisse 
Aachens bezeichnende Stelle einer im J. 1799 gehaltenen Rede 3 . 
Von den Gesuchen aller Art, mit welchen die Centralverwaltung 
in jeder Sitzung iiberstiirmt wurde, seien hier nur erwahnt die 
Klage eines Aachener Domsangers gegen das Kapitel auf Zahlung 
von 3200 Livres (Francs) fur riickstandiges „ Honorarium" 4 , sowie 
der Antrag 5 des Burgers Geyr 6 auf Lieferung eines ihm als 
ehemaligen Vogtmeier zustehenden, ruckstandigen Jahresgehalts, 
bestehend in 26 2 / 3 Malter Roggen und 27 Malter Hafer. Wie sich 
die Republikaner bezuglich der Beschaffung von Geldmitteln — 
um den Bestand der offentlichen Kassen war es armlich bestellt — 
zu helfen wussten, zeigt folgende seltsame Entscheidung. Bei der 
Centralverwaltung lief die Anfrage ein, wer die Ernahrungs- 
kosten fur einen in Laurensberg bei Aachen ausgesetzt gefundenen 
Saugling zu tragen habe. Der Bescheid lautete, dass diese Kosten, 
falls die Mittel der Wohlthatigkeits-Anstalten nicht ausreichten, 



*) A. d. R. D. Nr. 27 vom 21. Ventose 7. Jahrs (1799, Marz 11), S. 197: 
Ausgabe rund 5400 Aachener Gulden (= 1350 M.) fiir die Zeit vom 21. Novem- 
ber 1798 bis 19. Januar 1799; zu vgl. ferner Nr. 34 vom 22. Germinal 7. Jahrs 
(1799, April 11), S. 254. 

2 ) A. d. R. D. Nr. 22 vom 26. Messidor 6. Jahrs (1798, Juli 14), S. 136. 

3 ) A. d. R. D. Nr. 26 vom 14. Ventose 7. Jahrs (1799, Marz 4), S. 192: 
„Ihr wart ein Freistaat, hattet Ihr aber auch gleiche Rechte? Wesshalb 
bestanden denn jene Ziinfte und Innungen, zu denen Fahigkeiten ohne klingende 
Miinze keinen Zutritt fanden? Ihr wart ein Freistaat, aber wart Ihr wirklich 
frei? Wodurch entstanden denn jene ergiebigen Manufakturen, die Euch 
umgeben — Luttich, welches Eure Gewehrfabriken an sich zog — Stolberg, 
wo durch den Kunstfleiss protestantischer Fliichtlinge der Handel zu Eurem 
Nachtheil blunt?" 

4 ) A. d. R. D. Nr. 45 vom 13. Brumaire 7. Jahrs (1798, Nov. 3), S. 299. 

5 ) A. d. R. D. Nr. 1 vom 26. Brumaire 7. Jahrs (1798, Nov. 16), S. 3. 
8 ) 1st republikanische Abkiirzung eines im Aachener Raths- und Staats- 

kalender des Jahres 1791, S. 12 etwa vier Zeilen filllenden Titels. Richtiger 
wurde es wohl heissen: Erben Burger Geyr. Der letzte Vogtmeier der Stadt 
Aachen Rudolf Konstanz von Geyr starb im J. 1795 als Ausgewanderter 
(Emigrirter), worauf sein Sohn Jos. Emanuel vom Kurfursten von der Pfalz 
zum Nachfolgcr ernannt wurde (Kneschke, Adelslexikon unter Geyer und 
Biergans, Brutus II, S. 154). 



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Beitrage zur Geschiohte der Buchdruekereien, des Buchhaudels etc. 169 

auf eins der reichsten Kloster des Kantons angewiesen werden 
sollten ] . 

Trotz seiner Keichhaltigkeit 2 und der Unterstiitzimg durcli 
die Behorden 3 ging der Anzeiger des Ruhrdepartements au fin 
de siecle endgiiltig ein 4 . Die Griinde hierfur sind scliwerlich in 
der durftigen aussern Ausstattung 5 , oder in den seit 1798 fur 
alle Zeitungen eingefiihrten, nicht unbedeutenden Stempelgebuhren 
zu suchen, sie liegen wahrscheinlich tiefer. Die kirchenfeindlichen 
Aufsatze, denen der Anzeiger so bereitwillig seine Spalten offnete, 
fanden nur sehr geringen Anklang und ausserdem mag eine 
Zeitung, welche politische und Kriegsnachrichten aus dem Aus- 
lande grundsatzlich nur in gauz besondern Ausnahraefallen brachte, 
einen fur ihr Fortbestehen ausreichenden Leserkreis nicht gefun- 
den haben 6 . 

Ueber eine von Leisten herausgegebene, in der Druckerei 
von Schiffers gedruckte Zeitschrift „Aachener Staats-, Kriegs- 
und gelehrte Nachrichten" berichtet der franzosische Komraissar 
Estienne am 10. Februar 1800 7 . Nach Estiennes Ansicht hatte 
das Blatt anfanglich viel Beifall gefunden, es aber nicht ver- 
standen, sich auf der Hohe zu halten. Es erklart sich daher, 

J ) A. d. B. D. Nr. 41 voin 25. Floreal 7. Jakrs (1799, Mai 14), S. 306. 

*) Langere Zeit hindurch brachte der Anzeiger u. a. auch die Bevolke- 
rungs- (Civilstand) und die Fremdenliste der Stadt Aachen. Die Fremdenliste 
beweist, dass Aachen damals sehr wenig besucht wurde. 

3 ) Eine schriftliche Belobung seitens des Justizministers Lambrechts in 
Paris im A. d. B. D. Nr. 17 vom 9. Messidor 6. Jahrs (1798, Juni 27), S. 108. 

4 ) Die letzte mir vorliegende Nummer datirt vom 5. Thermidor 7. Jahrs 
(1799, Juli 24). Im amtlichen Bericht Estiennes vom 10. Februar 1800 (vgl. 
Anlage IV, Nr. 2) wird der Anzeiger des Buhrdepartements nicht angefiihrt; 
er war also damals schon eingegangen. 

5 ) Im ersten Jahre seines Erscheinens war das Blatt nach Kuhnens 
eigener Erklarung (A. d. R. D. Nr. 21 vom 21. Pluviose 7. Jahrs [1799, 
Febr. 9], S. 152) durch Tausende von Druckfehlern verunziert und kaum 
lesbar. Zwischen Dreysse und Kuhnen bestanden iiber die Herausgabe, wie 
aus mehrern Nummern hervorgeht, langere Zeit hindurch Zwistigkeiten, 
welche sogar in einera Falle cine gerichtliche Entscheidung nothwendig machten. 

6 ) Der vorstehend besprochene Anzeiger des Buhrdepartements ist nicht 
zu verwechseln mit dem Anzeiger im Buhrdepartement. Dieser erschien in 
Kbln, wo er in der Langenschen Druckerei gedruckt wurde. Ebenfalls in 
Koln erschienen, wie aus mir vorliegenden Exemplaren hervorgeht: a) Der 
Verkundiger im Buhrdepartement; b) Der Mercure du departement de la 
Boer; c) Der Beobachter, den Ennen (Annalen des hist. Vereins f. d. Nieder- 
rhein XXXVI, S. 74) als „Beobachter im Boer-Departement" bezeichnet. 

7 ) Vgl. Anlage IV, Nr. 2. Alle andern Einzelheiten fehlen mir. 



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170 E. Pauls 

dass demselben ein langes Dasein nicht beschiederi war; schon 
iin J. 1802 bestand die Zeitsclirift nicht mehr 1 . 

Prafekt Al. Mechin 2 begann im Herbst 1802 mit der Heraus- 
gabe eines von seinen Nachfolgern fortgesetzten Verwaltungs- 
blattes fiir das Roerdepartement 3 , welches bis zur Neuzeit in 
der Kegel unter clem Namen Prafekturakten angefiihrt wird. 
Das Blatt brachte ausser manchen fiir das Departement giiltigen 
Bestimmungen der franzosischen Gesetzgebung 4 die Beschltisse, 
Rundschreiben und amtlichen Mittheilungen, welche von der 
Prafektur in Aachen ausgingen. Es wurde den offentlichen 
Beamten unentgeltlich geliefert, wahrend es im Jahres-Abonne- 
ment sieben Francs kostete. Anfangs erschienen die meisten 
Erlasse in franzosischer und in deutscher Sprache auf derselben 
Seite, spater trat die deutsche Sprache mehr und mehr in den 
Hintergrund. Genau acht Jahre lang liatte im Gebiet zwischen 
Rhein uud Maas hinsichtlich vieler Rechtsfragen grosse Unklar- 
heit geherrscht. Waren audi die wichtigsten Bestimmungen 
theils (lurch Maueranschlage, theils durch Zeitungen und Zeit- 
schriften bekannt 5 , so gab es immerhin manche Fragen unter- 
geordneter, fiir den Einzelnen indess oft recht wesentlicher Art, 
bei deren Entscheidung es an einigermassen sichern Anhalts- 
punkten gebrach. Konnte doch im April 1796 zur Subskription 
auf eine Sammlung der bestehenden Verordnungen mit dem 
Bemerken eingeladen werden, dass manche Beschliisse selbst bei 
den Behorden nicht zu haben seien G , und vielfach stossen wir 
spater noch auf Klagen iiber eine gewisse Rechtsunsicherheit. 
Man muss den Prafekturakten, welche vom 23. September 1802 
bis zum Schluss des fiir Frankreich so verhangnissvollen .Tahres 
1813 reichen, die Gerechtigkeit widerfahren lassen, dass sie 



') Folgt aus dem S. 104 dieses Aufsatzes erwabnten Zeitungsverzeichiiiss. 

2 ) Ernannt vom ersteii Koiisul am 20. Messidor 10. Jahrs (1802, 9. Juli); 
iibernahm die Verwaltung der Prafektui* in Aachen am 1. Vendemiaire 
11. Jahrs (1802, 23. September). Recueil des actes dc la prefecture du 
departement de la Roer (im Nachstehenden einfach als „ Prafekturakten" 
angefiihrt) Jahr XI, S. 9. 

3 ) Vollstandiger Titel in Anlage I unter Zeitungen Nr. 13. 

4 ) Dies namentlich in den ersten Jahrgaugen; spater waren die Behorden 
angewiesen, neben den Prafekturakten das Bulletin des lois zum amtlichen 
Gebrauch zu halten. 

5 ) Vgl. oben S. 123. 

6 ) Aachner Zuschauer Nr. 50 vom 25. April 1796. S. 399. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdmckereien, des Buchhandels etc. 171 

durchgangig in klarer, bestimmter Form eine thatkraftige Leitung 
der Verwaltungsgeschafte, sowie eine sachgemasse ruhige Auf- 
fassung der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen bekunden. 
In den elf stattlichen Banden ist ein so reiches ge*schichtliches 
und kulturgeschichtliches Material aufgespeichert, dass dessen 
Durcharbeitung, wobei selbstredend auch die Zeit vor und nach 
der Fremdherrschaft beriicksichtigt werden nilisste, die Krafte 
eines Einzelnen auf Jahre hinaus in Ansprucli nehmen wurde. 
Nachstehend einige Einzelheiten, bei welchon das Gebiet der 
Literatur 1 iiberwiegt. 

Die in den Prafekturakten angewandte Datirung entspricht 
bis zum 1. Januar 1806 der des republikanischen Kalenders. 
Der erste Jahrgang kennt, wenn man von wenigen, namentlich 
bei geistlichen Wurdeiitragern gemachten Ausnahmen absieht, 
in den Adressen und veroffentlickten Anreden nur die Bezeich- 
nung Citoyen. Sehon im zweiten Jalirgang (an XII vom 24. Sep- 
tember 1803 bis 23. September 1804) biirgert sich aber der 
„Monsieur tt immer mehr ein, und der letzte Prafekt Ladoucette 
bezeichnete sicb im Jahre 1813 mit Vorliebe als: Nous Prefet . . . 
chevalier de la legion d'honneur, Baron de l'Empire. Entsprechend 
der Ungunst der Zeit 2 ist in den fast zahllosen Erlassen von 
Literatur und schonen Kiinsten nur selten die Rede. 

Der Empfehlung einer Sammlung verschiedener Vorschriften 
betreffend die Vertheilung der Kontribution auf Grundeigenthum 
sind etwa zwei grosse Quartseiten gewidmet 3 ; andere Empfeh- 
lungen gelten einem Werkchen iiber Anpflanzungen (plantations) 4 , 



! ) Unberiicksichtigt bleiben die dem wesentliehen Inhalte nach bereits 
angedeuteten Bestimmungen iiber Buchdruck, Buchhandel und Zeitungswesen. 

2 ) Die fortwahrenden Kriege lahmten fast jede wissensehaftliehe Thatig- 
keit. Kein einziger Gelehrter ist in den Jabren von 1810—1813, wahrend 
welcher ausser dem Madrider das bedeutendste und werthvollste Archiv 
Europas (Vatikan!) in Paris lagerte, bei der franzosischen Kegierung um 
die Erlaubuiss eingekoramen, in diesen Archiven Nachforschungen anstellen zu 
diirfen (Gachard, les archives du Vatican. Bruxelles 1874). Im Roer- 
departement ergab sich, dass nach der Vertreibung der Franzosen iiber 70 000 
Kinder zwischen dem 6. und 14. Jahre keine offentliche Schule besuchten 
(Haagen, Geschichte Achens H, S. 485, Anmerkung). 

3 ) Prafekturakten Jahr XII, S. 457. Das Werk erschien anscheinend 
in Paris; als Verfasser ist J. B. Oyon genannt. 

4 ) Prafekturakten Jahr XIII, S. 302 und Jahr XIV, S. 336. Nicht in 
der Aachener Gegend erschienen; Verfasser war Calvel, Uebersetzer (Briihl) 
Bruhl, Lehrer der Geometrie in Mainz. 



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172 E. Pauls 

zwei Schulbuchern \ einem Handbuch iiber die Fuhrung der Civil- 
stand sregister 2 , einer auch in's Deutsche iibersetzten Broschiire 
„Vie du soldat frangais" 3 und einer Schrift iiber die Verhiitung 
der Theurutfg der Lebensmittel, in welcber eine Brotbereitung 
aus Kartoffeln vorgeschlagen wird 4 . 

An die Fiillung des grossen Kaublagers in Paris erinnert 
eine Verfiigung des Prafekten Mechin vom 30. Juni 1803, nach 
welcher der Burger Maugerard die aufgehobenen Kloster, Ab- 
teien und Kapitel besuchen wiirde, urn dort von den vorhandenen 
Buchern, Handschriften und andern Kunstgegenstanden Einsicht 
zu nehmen*. Ein unrichtiges Direktoriura fur Geistliche gab 
im J. 1803 dem Prafekten auf eine Klage des Aachener Bischofs 
hin Anlass, dasselbe verbieten und beschlagnahmen zu lassen 6 . 
Die bekannte, von Dorsch herausgegebene Statistik des Eoer- 
departements erfreute sicli holier Befurwortung. Der Prafekt 
ermachtigte die Maires, das Werk fur die Gemeindebibliotheken 
zu beschaifen und ersuchte gleichzeitig urn Nachtrage oder 
Berichtigungen. Dabei erfahren wir, dass die franzosische 
Regierung den Prafekten mit der Anfertigung einer grossen, 
spater nieraals veroffentlichten Statistik betraut hatte 7 . Wohl 
hiermit hangen verschiedene amtliche Aufforderungen zusamraen, 

x ) Prafekturakten 1806, S. 623: Kramp, Lehrer der Mathematik inKoln, 
Elemente der Geometrie; Prafekturakten Jahr XII, S. 189: J. B. Doberteu, 
Franzosische Grammatik, erschien in Kbln. 

2 ) Prafekturakten 1810, S. 121. Verfasser, ein Procureur imperial, nicht 
genannt. Titel: Manuel relatif a l'etat civil. 

3 ) Prafekturakten Jahr XIV, S. 168: Tcndante a animer les conscrits. 

4 ) Prafekturakten Jahr 1813, S. 91. 

5 ) Die vorsichtig gefasste kurze Verfiigung an die Unterprafekten und 
Maires lautet: „Du 16 messidor an 11. Citoyens, je vous previens que le 
Ministre de l'int^rieur a charge le citoyen Maugerard de visiter les couvens, 
abbayes et chapitres qui viennent d'etre supprimes afin d'y reconnaitre les 
livres, manuscrits et autres objets relatifs aux sciences et aux arts. 

Vous voudrez bien faire tout ce qui dependra de vous, pour assurer 
le succes de ses recherches et deferer aux demandes qu'il pourra vous adresser 
lorsque sa mission le conduira dans vos communes et le mettra en relation 
avec vous. tt (Prafekturakten Jahr XI, S. 310.) 

6 ) Prafekturakten Jahr XII, S. 319. Titel: Directorium Breviarii Colonien- 
sis ad legendas horas canonicas missasque celebrandas accomodatum pro anno 
Domini bissextili 1804. Verfasser war Jakob Horn, Verleger H. Eommers- 
kirchen in Kbln. 

7 ) Prafekturakten Jahr XII, S. 415. 



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Beitrage zur Gesobichte der Buchdruckereien, dcs Buchhandels etc. 173 

infolge deren Bevolkerungs- *, Orts- und Entfernungsnachweise 3 
geliefert und die mit der Anfertigung einer Karte 3 der ver- 
einigten Departements beschaftigten Beamten in zuvorkommender 
Weise unterstiitzt werden mussten. In Aachen hatte im zweiten 
Jahrzehnt dieses Jahrhunderts Andre Baumer (Boeumer) ein 
„bis hiehin unbekanntes Instrument erfunden und verfertigt, 
wodurch man ohne trigonometrische Kenntniss Zahlen, unmess- 
bare Linien und Winkel ohne Tangens- und Sekans-Tafeln auf 
eine ganz einfache Art messen und berechnen kann tt 4 . Ziemlich 
gleichzeitig beschaftigte sich Arnold Scholl, wohl auch ein 
Aachener, mit der Herausgabe eines Werkes „Le Calculateur 
universe], ou moyen de faciliter les calculs sans se tromper". 
Beide bewarben sich im J. 1813 vergeblich um einen der vom 
Kaiser aiif niitzliche Erflndungen gesetzten Preise 5 . Dass sich, 
wahrscheinlich auf Anregung des Prafekten, die Akademie 
der Wissenschaften in Paris (L'institut de France) mit der 
Anfertigung von zwolf Inschriften fiir das Eoerdepartement 
befasst hat, folgt aus den Prafekturakten des Jahres 1811. 
Zwei dieser Inschriften finden sich auf dem Friedhofe vor 
Adalbertsthor auf den Denkmalen des Prafekten Simon und des 
Bischofs Berdolet 6 ; vier andere waren fiir die Grabkapelle (?) 
und das Grab(?) Karls d. Gr., fiir das Kaiserbad und eine Saule 
auf der Aachen-Montjoier Strasse bestimmt 7 . 

Weit seltener noch als literarische Notizen finden sich x\n- 
gaben iiber Malerei, Musik und Theater. Als der erste Konsul 
im Sommer 1803 in i\.achen erwartet wurde, beschloss der General- 
rath des Departements, ihm ein werthvolles Gemalde zu schenken 
und die Maler zu einem Wettbewerb zu ermuntern. Bonaparte 

l ) Prafekturakten Jahr 1807, S. 5. 
s ) Prafekturakten Jahr XIII, S. 47. 

3 ) Prafekturakten Jahr XII, S. 308 und Jahr XIII, S. 230. 

4 ) Journal des Nieder- und Mittelrheins Nr. 12 vom 12. Juli 1814, S. 82. 

5 ) Prafekturakten 1813, S. 218. 

G ) Quix, Hist.-topographische Beschreibung deT Stadt Aachen 1829, 
S. 193 und S. 194. 

7 ) Wortlaut nach den Prafekturakten 1811, 269. ff.: 1) Sacellum Caroli 
Magni sepulcrale nunc basilicae pars novum hinc Aquensium urbi nomen in 
secula duraturum. 2) Ossa Caroli Magni hoc in solio quieverunt. 3) Thermas 
palatinas Caroli Magni natatione antiquitus faraigeratas post prope mille 
annos imperator Neapolio in memoriam tanti principis restituendas iussit. 
Anno 1811. 4) Neapolio Magnus exsiccatis malefidis paludibus ab Aquis 
Grani ad Montem Jovis stabilem regiamque viam aperiri et saxis sterni iussit. 



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174 E. Pauls 

erschien nicht und das in sehr merkwiirdiger Form in Aussicht 
gestellte Geschenk unterblieb 1 . 

Ueber Musik und Theater enthalten die Prafekturakten 
weiter nichts als einige Bestimmungen bezuglich der Aufnahme 
von Sangern, Sangerinnen und Schauspielern in das Pariser 
Konservatorium, iiber Abgaben an die Armen bei Theatervor- 
stellungen 2 und endlich das Verbot, mit Seiltanzer- und Cirkus- 
vorstellungen irgend welche in das Gebiet der dramatischen 
Kunst fallende Auffuhrungen zu verbinden 3 . Das Verhaltniss 
der Prafekturakten zu den andern Aachener Zeitungen richtete 
sich nach der Vorschrift des Prafekten. Unter Mechin erhielten 
die Aachener Zeitungsschreiber ein Exemplar der Prafektur- 
akten frei zugeschickt, sollten indess manche amtlichen Bekannt- 
machungen, ohne besonders entsch&digt zu werden, abdrucken. 
Mechin begriindete diese Zumuthung mit dem Hinweise, dass 
die Genehmigung zur Herausgabe eines Blattes ein Vorrecht 
sei und dass amtliche Bekanntmachungen Zeitungen interessanter 
machten. Sieben bis acht Jahre spater rtigte dagegen Prafekt 
Ladoucette es, dass die Zeitungsschreiber Artikel iiber die Verwal- 
tung aus den Prafekturakten, ohne hierzu die nothige besondere 
Ermachtigung erhalten zu haben, abgedruckt hatten; er verbot 
dabei ausdrucklich, seinen dem Generalrath erstatteten Bericht 
iiber die Lage des Departements (compte moral) abzudrucken 4 . 

Wer neben dem Prafekten das Blatt geleitet hat, ist nicht 
bekannt. Vielleicht war es Jahre hindurch der Generalsekretar 
Korfgen, Archivar 5 der Prafektur. In richtiger Wiirdigung des 

1 ) Prafekturakten Jahr XI, S. 266 und S. 267. Das Unpassende lag 
darin, dass der Generalrath auf die Bitte urn Annahmc des jedenfalls sehr 
kostspieligen Geschenks in denisclben Schreiben lange Klagen iiber den 
g&nzlich geschwundenen Wohlstand des Departements folgen liess. 

a ) Prafekturakten 1807, S. 271, 1809, S. 57, 83 und 308; Jahr XI, S. 18. 

s ) Prafekturakten 1808, S. 187. „De ne pas permettre qu'un entre- 
preneur de spectacles dits de curiosites (tels que danses de cordc, voltiges, 
exercices d'equitation etc.) represente des comedies, vaudevilles, pantomimes, 
ballets d'action, ou tout autre ouvrage qui appartienne a Tart dramatique. a 

4 ) Kftntzeler a. a. 0. 

fi ) Als Archiviste de la prefecture schon am 28. Fruktidor 12. Jahrs 
(1804, September 15) in dem kaiserlichen Dekrete bezeichn(^t, welches ihn 
zum Generalsekretair ernennt (Prafekturakten Jahr XIII, S. 69). Nach den 
Annalen des hist. Vereins f. d. Niederrhein (XXVI und XXVII, S. 332) war 
der Benediktiner und spatere Kanonikus Hoff Leiter des Prafektur-Archivs 
in Aachen; in den Prafekturakten finde ich hieriiber nichts verzeichnet. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 175 

grossen Werthes der Prafekturakten liess der General-Gouver- 
nements-Kommissar Boelling im J. 1815 dieselben mit einem 
Register versehen 1 . 

Nach dem Aachener Merkur vom 3. Februar 1803 beab- 
sichtigten damals mehrere Aerzte 2 , in Aachen eine „gemein- 
nlitzige medizinische Wochenschrift" herauszugeben, falls die 
zur Deckung der Kosten nothige Abonnentenzahl gewonnen 
wtirde. Gekurzt 3 lauten die elf Nummern der langen Ankun- 
digung fiber den Inhalt dieser Zeitschrift: 1) Gesundheitskunde; 
2) Staatliche und gesellschaftliche Stellung der Aerzte; 3) Be- 
kanntraachnng „feiner und grober medizinischer Charlatanerien"; 
4) Gesundheitsregeln fiir jeden Stand; 5) Verbesserung des 
Medizinal-, Apotlieken- und Hebammenwesens, sowie der Er- 
ziehung der Jugend in physischer Hinsicht; 6) Schadliche medi- 
zinische Vorurtheile und Aberglaube; 7) Gesundheitswohl in 
besonderer Riicksicht auf Aachen und die umliegende Gegend; 
8) Oekonomische Vieharzneikunde; 9) Gemeinniitzige medizinische 
Neuigkeiten, Anzeigen, Nachrichten, Anekdoten. Beschliisse, 
Rtigen, Warnungen und Vorschlage verschiedener Art; 10) Me- 
dizinische Polizei; 11) Epidemische Konstitution, Stand des 
Thermometers pp. 

Anscheinend ist die Zeitschrift gar nicht in's Leben getreten; 
der Aachener Merkur hat sich fur das Jahr 1803 und damit 
wohl fiir immer auf die mehrmalige Wiedergabe der vorstehen- 
den Ankiindigung beschrankt 4 . 

Wie der medizinischen Wochenschrift, so mag es audi einem 
Blatte ergangen scin, zu dessen Herausgabe Karl Stille, bekannt 
als Inhaber einer Leihbibliothek 5 , am 1. Oktober 1804 die Ge- 
nehmigung erhielt. Das Blatt sollte unter dem Titel „Der 



1 ) Amtsblatt des Roerdepartements 1815, Nr. 497, S. 511. Es heisst 
dabei: Die Prafekturakten bilden einen wichtigen Theil der bisherigeu Gesetz- 
gebung. Manches aus derselben wird noch lange bestehen, andercs fiir die 
Falle der vergangenen Zeit zur Richtschnur dienen kOunen. 

2 ) Ueber die schriftstellerische Thatigkeit der damals in Aachen an- 
sassigen Aerzte auf medizinischeni Gebiete findet sich in der ortsgeschicht- 
lichen Literatur wenig verzeichnet. Dr. Fried r. Ernst Hesse, praktischer 
Arzt zu Burtscheid, schrieb im J. 1801 ein Werk iiber Geburtshulfe (A sch en- 
berg, Niederrheinische Blatter IT, S. 841). 

3 ) Von 7 an ist der Wortlaut der Ankiindigung wiedergegeben. 

4 ) Weiteres finde ich nicht verzeichnet. 

5 ) Vgl. S. 110. 



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176 E. Pauls 

Gemeinnutzige" sich ausschliesslich mit Literatur befassen. muss 
aber nur eine geringe literarische Bedeutung gehabt haben und 
bald eingegangen sein, da es. soweit es sich tibersehen l&sst, in 
ortsgeschichtlichen Schriften nicht erwahnt wird 1 . 

„Le Postilion de la Roer a wird aratlich im J. 1802 unter 
den vier damaligen Aachener Zeitungen mit dem Bemerken 
angefuhrt, dass hier ein politisches Blatt vorliege, welches in 
franzosischer Sprache herausgegeben werdc und dessen Redakteur, 
Besitzer und Drucker N. Bovard sei 2 . Das Blatt erschien alle 
zwei Tage (tous lcs jours pairs) und kostete jahrlich 24 Francs 3 . 
Eine uns vorliegende Nummer vom 21. Dezember 1805 bringt 
Napoleons I. Anrede an die franzosischen Soldaten nach der 
Schlacht bei Austerlitz, mehrere Kriegsnachrichten (Bulletins), 
den Wortlaut des Waffenstillstands von Austerlitz, einige gehalt- 
lose Mittheilungen aus dem Auslande und zwei gerichtliche Be- 
kanntmachungen. Anscheinend hat die Zeitung nur eine diirftige 
Geschichte aufzuweisen. Der Aachener Merkur richtete im 
Februar 1803 einen ziemlich derben Artikel gegen den als 
Schwager bezeichneten „Postillon a bezuglich einer von demselben 
gebrachten Beschreibung eines Gastmahls beim Maire Kolb 4 . 
Eine Erwiderung scheint nicht erfolgt zu sein. 



*) Nur verzeichnet in dem wiederholt angefiihrten kurzen Aufsatze von 
Kantzeler. 

2 ) Vgl. Seite 104. 

3 ) Die Gebtihren fftr die Aufnahme von Anzeigeu betrugen im J. 1810 
fur die erste Einrttckung 25 Cents, fftr die zweite 20 Cents, fllr die dritte 
15 Cents fur die Spaltlinie. (Kantzeler a. a. 0.) 

4 ) Aachener Merkur Nr. 14 vom 2. Februar 1804. Der Artikel des 
Merkur meldet u. a., dass bei dem betr. Gastmahl auf die Gesundheit — 
Karls d. Gr. getrunkcn worden sei! Achnlicher Geschmacklosigkeiten gab 
es in den ersten 15 Jahren dieses Jakrhuuderts manche. So war es eine 
beliebte Sitte, fiirstliche Personlichkeiten als „Titus tt zu begrussen. Naeh- 
einander mussten sich Napoleon I., der Kronprinz von Schweden und Friedrich 
Wilhelm III. (Gazette universelle 1810, Nr. 176 vom 21. August; Aachener 
Zeitung 1814, Nr. 36 vom 27. Februar; Journal des Nieder- und Mittcl- 
rheins 1814, Nr. 18 vom 26. Juli, S. 129 unter Blucher) von geschichts- 
unkundigen Schmeichlern den Vergleich mit einem Kaiser gefallen lassen, den 
allerdings ein Vers als amor et deliciae generis humani bezeichnet, dessen 
schwelgcrisches und ausschweifendes Leben aber den Zeitgenossen so auffiel, 
dass sie nicht wussten, ob Titus dem Vorbilde des Vaters oder dem Treiben 
Neros folgen werde. (H. Schiller, Geschichte der romischen Kaiserzeit I, 
S. 520.) 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruekereien, des Buchhandels etc. 177 

Als der Prozess gegen den Pfarrer Schaffer im J. 1803 in 
der Aachener Gegend alle Welt in Spannung hielt 1 , war der 
Postilion de la Eoer die einzige Zeitung, welcher iiber die Ver- 
handlungen beim Assisenhofe fur die Veroffentlichung bestimmte 
amtliche Nachrichten zugingen. Jeder andere Bericht war den 
Zeitungen fiir die Dauer des Prozesses bei Strafe der Unter- 
driickung (suppression de la feuille) untersagt 2 . 

Prafekt Laumond wies im Juni 1806 den Postilion de la 
Roer an, nichts tiber die Heirath des Generals Sebastiani und 
dessen Sendung nach Konstantinopel zu veroffentlichen. Gleich- 
zeitig ersuchte Laumond den Maire, dasselbe Verbot den andern 
Aachener Zeitungen zugehen zu lassen 3 . 

Ladoucettes Erlass vom 24. August 1809 hielt den Postilion 
de la Roer und die Gazette generate (universelle) als einzige 
Zeitungen fiir das Roerdepartement gegen eine Jahressteuer von 
400 bezw. 300 Francs bei, bis urn Neujahr 1810 auch diese 
Zeitungen dem Journal de la Roer weichen mussten 4 . 

Franz Gall, Direktor der 6cole secondaire 5 zu Aachen, und 
J. J. Tryst erhielten am 13. Februar 1808 vom Minister die Erlaub- 
niss 6 , in Aachen ein Blatt unter dem Titel „ Allgemeine Zeitung fur 
Politik, Handel und Literatur" herauszugeben. Dieselbe erschien 
vom 1. Marz 1808 ab bis zum 31. August 1809 in deutscher, seit 
dem 2. September 1809 bis zur letzten 7 Nummer vom 29. Dezem- 
ber 1810 in franzosischer und deutscher Sprache 8 . Aus der 
Geschichte der Zeitung ist ausserdem bekannt, dass Gall am 
5. September 1809 Vorwiirfe erhielt, weil er einige Artikel nur 



*) Vgl. in Anhang II die zum Jahre 1803 verzeichneten Schriften. 
») Prafekturakten Jahr XII, S. 72. 

3 ) Kantzeler a. a. 0. 

4 ) Vgl. Anhang IV, Nr. 10 vom 3. Dezember 1810. 

6 ) Spater in das Kaiser-Karl-Gymnasium in Aachen umgewandelt. Gall 
war vor seiner im Winter 1804/5 erfolgten Eruennung zum Direktor der 
Sekondairschule in Aachen kaiserlicher Prokurator am Gerichtshof zu Zwei- 
brttcken (Aachener Merkur Nr. 148 vom 10. Dezember 1804). Ueber J. J. Tryst 
fehlen mir nahere Angaben. 

6 ) Kantzeler a. a. 0. Ueber den Druck der AUgemeinen Zeitung 
vgl. S. 104. 

7 ) Vgl. die vorhergehenden Angaben iiber den Postilion de la Roer. 

8 ) In den Spalten der einzelnen Nummern links der franzosische Text, 
rechts dessen deutsche Uebersetzung. Der Titel der Zeitung lautet also 
theils einfach Allgemeine Zeitung, theils Gazette universelle — Allgemeine 
Zeitung. Ich citire meist nach der deutschen Bezeichnung. 

12 



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,178 E. Pauls 

in deutscher Sprache gebracht hatte; spater gestattete indess 
der Minister fur ortliche (Lokal-) Anzeigen den ausschliesslichen 
Gebrauch des Deutschen. Literatur-, Handels- und andere Artikel 
durften aber niir auf Franzosisch mit deutscher Uebersetzung 
erscheinen, politische nur aus dem Moniteur entnommen werden 
(29. September 1809). Einen Holzverkauf in der Prafektur 
hatte d^ Maire in der Gazette wiederholt angezeigt; er und 
Gall erhielten dafur eine Riige (16. Januar 1810) x . Es mangelte 
der Gazette universelle weder an Stoff, noch an einer geschickten 
Redaktion. Die trotzdem mehrfach hervortretende Diirftigkeit 
in der Behandlung der Zeitverhaltnisse ist der Strenge der 
Censur zu gute zu halten. In den folgenden ziemlich bunt zu- 
sammen gewiirfelten Einzelheiten sind uberwiegend ortsgeschicht- 
lich kaum bekannte Thatsachen berucksichtigt. 

Drei Nachrufe gelten Personlichkeiten, deren Namen in der 
Geschichte Aachens fur immer verzeichnet sind: Bischof Berdolet 
gest. am 13. August 1809 2 ; Maire Freiherr v. Lommessem, gest. am 
3. April 1810 3 ; Nik. Cromm, einer der Retter Aachens im September 
1794, gest. am 21. Oktober 1808 4 . Zur Geschichte der Prafekten 
findet sich ausser einer Charakteristik Lameths die Notiz, dass 
derselbe Aachen am 17. Marz 1809 verliess 5 und dass sein 
Nachfolger Ladoucette daselbst am 19. Mai 6 desselben Jahrs 
eintraf. Manche Nummern bringen Berichte liber die Besuche 
der Napoleoniden in Aachen, die Feier des Napoleonsfestes 
(15. August), die Vermahlung des Kaisers mit Maria Louise 
u. dergl. 7 Dass Napoleon urn Neujahr 1809 der Stadt Aachen 



*) Kantzeler a. a. 0. 

2 ) Allgemeine Zeitung 1809, Nr. 268 vom 15. August. Anzeige der 
vora Domherrn Montpoint gehaltenen, im Druck erschienenen Trauerrede in 
Nr. 8 vom 16. September 1809. 

s ) Allgemeine Zeitung Nr. Ill vom 13. April 1810. 

4 ) Allgemeine Zeitung Nr. 123 vom 29. Oktober 1808 und Nr. 126 vom 
4. November 1808 (Meyer, Karl Franz, iiber Armenversorgung u. Nikl. Cromm.) 

5 ) Allgemeine Zeitung Nr. 193 vom 18. Marz 1809. 

6 ) Allgemeine Zeitung Nr. 225 vom 21. Mai 1809. Nach Haagen, 
Geschichte Achens II, S. 465 hatte Ladoucette am 18. Mai 1809 die Ver- 
waltung der Prafektur in Aachen ubernommen. 

7 ) Allgemeine Zeitung 1808, Nr. 142 vom 6. Dezember; 1809: Nr. 231 
vom 2. Juni; Nr. 252 vom 14. Juli; Nr. 253 vom 16. Juli; Nr. 254 vom 
18. Juli; Nr. 263 vom 5. August; Nr. 45 vom 30. November; 1810: Nr. 118 
vom 27. April; Nr. 122 vom 5. Mai; Nr. 148 vom 26. Juni; Nr. 150 vom 
30. Juni; Nr. 155 vom 10. Juli; Nr. 174, 175, 176 vom 17. bis 21. August, 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 179 

150 Kilo (300 Pfd.) Chinarinde zum Geschenk maehte, scheint 
Haagen und Milz in ihren Abhandlungen iiber die Zeit der 
Fremdherrschaft unbekannt geblieben zu sein 1 . 

Ziemlich neu ist vielleicht audi, dass zu Ende des Jahres 
1810 der Minister des Innern mit Bewilligung des Kaisers vier 
Medaillen zur Erinnerung an Napoleons Trauung nach Aachen 
schickte, namlich je eine fiir den Prafekten, den Unterprafekten, 
den Generalsekretair der Prafektur und den Maire von Aachen 2 . 

Bemerkenswerther als ein paar Theater-Besprechungen 3 sind 
etliche Andeutungen liber die Aachener Gemaldesammlungen 4 
von Zirnmermann, Blumhofer, Schwelling, Heusch und Betten- 
dorf. Namentlich war es ein bei Zirnmermann ausgestelltes Bild 
des h. Martyrers Justus, welches mehrfach erwahnt wurde, 
weil dieses Gemalde aus der Annunciaten-Kirche in Antwerpen 
stammte und angeblich von Rubens herriihrte. Zu Beginn des 
Jahres 1809 war das „beruhmte Naturalien-Kabinett des verst. 
Dr. Rtissel, bestehend in fremden und hiesigen Naturalien, Petrifi- 
kationen, Mineralien und Stufen jeder Art" in Aachen zum 
Verkauf ausgestellt 5 . 

Napoleons Misserfolg bei Aspern wurde in eigenthtimlicher 
Art bemantelt. Die amtlichen Kriegsnachrichten gaben, ohne einen 
entscheidenden Sieg des Kaisers zu behaupten, ein ungtinstiges 
Ergebniss der Schlacht durchaus nicht zu. Als bald nachher 
ein Berliner Blatt frischweg erklarte, Erzherzog Karl habe die 
franzosische Armee geschlagen, brachte die Allgemeine Zeitung 
in. Aachen die Angabe eines westfalischen Blattes, laut welcher 
ein Druckfehler varliege, indem der osterreichische Erzherzog 
der Besiegte sei 6 . 

Die Nachricht vom Frieden zu Wien (Schonbrunn) wurde 
in Aachen am 24. Oktober 1810 vom Maire urn 7 Uhr Abends 
im Schauspielhause verkiindigt und mit lautem Jubel, Boller- 



2 ) Allgemeine Zeitung 1808, Nr. 162 vora 15. Januar. Ein gleiches 
Geschenk erhielten 41 andere Hauptstadte des Kaiserreichs. 

2 ) Allgemeine Zeitung 1810, Nr. 240 vom 29. Dezember. 

3 ) Allgemeine Zeitung 1809: Nr. 44 vom 28. November und Nr. 50 
vom 10. Dezember. 

4 ) Allgemeine Zeitung 1809: Nr. 58 vom 26. Dezember, Nr. 59 vom 
28. Dezember. 

6 ) Allgemeine Zeitung 1809, Nr. 158 vom 7. Januar. 
G ) Allgemeine Zeitung Nr. 232, 233 und 238 aus dem Juni 1809. 

12* 



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180 E. Pauls 

schiissen und Glockengelaute begrusst 1 . Der hinkende Bote 
folgte indess schon in der nachsten Nummer der Gazette uni- 
verselle in der Gestalt der Notiz, dass die Aushebung (Konskrip- 
tion) im Roerdepartement rasch von Statten gehe und dass 400 
Ausgehobene vor Begierde brannten (!), unter die Fahnen des un- 
iiberwindlichen Kaisers zu treten 2 . 

Der Inhalt des in drei stattlichen Foliobanden vorliegenden 
Journal de la Roer 3 kann nur als durftig bezeichnet werden. 
Die politischen Artikel sind als Abschriften aus dem Moniteur 
ohne jeden geschichtlichen Werth. Das Wenige, was aus Aachen 
und dem Roerdepartement berichtet wird, beschrankt sich meist 
auf seitens der Regierung „befohlene a Mittheilungen; Anzeigen, 
welche iiberwiegend den Anzeigebl&ttern vorbehalten waren, 
fehlen fast ganzlich. Da das unter unmittelbarer Aufsicht des 
Prafekten 4 herausgegebene Blatt allwochentlich iiber Napoleon 
und seine Familie in einer oft widerlich schmeichlerischen 
Weise 5 berichtete, oder vielmehr berichten musste, so hatte es 
fiiglich den Titel Journal Napoleon nebst dem Taciteischen 
Ausspruch w O homines ad servitutem paratos" als Motto fiihren 
konnen. Manche Angaben tiber die Besuche der Napoleoniden 
in Aachen und im Roerdepartement sind bemerkenswerth, wenn 
man den geschichtlichen Kern miihsam aus der saftlosen Hulle 
herausschalt. Aus dem Gesammtinhalt der drei Jahrgange hier 

') AHgemeine Zeitung Nr. 30 vom 31. Oktober 1809. Wie es scheint, 
hatte der Prafekt dem Maire die Friedensnachricht sofort nach dem Ein- 
treffen zugeschickt. 

*) AHgemeine Zeitung Nr. 31 vom 2. November 1809. 

s ) Dasselbe erschien tftglich mit Ausnahme der Sonntage. Ein Jahres- 
abonnement kostete 38 — 42 Francs. Nach der ursprttnglichen Bestimmung 
des Prftfekten (vgl. Anlage IV, Nr. 10) sollte es Journal du departement de 
la Eoer heissen, doch blieb das du departement, jedenfalls mit h(5herer Ge- 
nehmigung, stets aus dem Titel fort. 

4 ) Folgt aus dem Zweck des Journals; zu vgl. auch Anlage IV, 
Nr. 11 und 12. 

5 ) So sind ganze Seiten mit Inschriften und Gedichten zu Ehren Napo- 
leons und Louisens gelegentlich deren Besuchs im J. 1811 gefiillt. Hier nur 
die Inschrift am Aachener Bathhause nach Journal de la Boer 1811 Nr. 279 
vom 25. November: Orbi sic sufficit unus. Ladoucette stand zur Familie 
Napoleons in nahern Beziehungen; bei der Taufe seines zweiten Sohnes hatten 
der KBnig von Holland und die Mutter des Kaisers die PathensteUe tiber- 
nommen (AHgemeine Zeitung 1810, Nr. 196 vom 2. Oktober). Die Schmeichelei 
des Pratekten kannte keine Grenzen; bekannt sind die von ihm angestellten 
lacherlichen Vergleiche zwischen Napoleon und Karl d. Gr. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 181 

folgende Notizen. Ruckhaltlos erklarte urn Neujahr 1811 in 
einer Adresse an Napoleon I. die Berathungskammer der Manu- 
fakturen, Kiinste und Handwerke der Kantone Aachen, Burt- 
scheid, Geilenkirchen, Linnich, Heinsberg und Sittard ihre 
Zustimmung 1 zu der vom Kaiser angeordneten Verbrennung 
englischer Waaren auf dem Kontinent. Diese Verfugung Ew. 
Majestat, so sagt die Adresse, gibt unserm Kunstfleiss, unsern 
Fabriken und alien unsern Handelsverbindungen ein neues Leben. 

Ein Auszug aus dem Register der Certificats d'origine liefert 
zieinlich urn dieselbe Zeit eine Uebersicht uber die aus Aachen, 
Burtscheid, Busch (?), Montjoie, Diiren, Stolberg, Imgenbroich, 
Cornelimunster und Birkersdorf ausgefuhrten Waaren : Nadeln, 
Stricknadeln, Stecknadeln, Fingerhute, Eisen, Tuch, Moltons, 
Casimire und wollene Decken 2 . 

Nach einer kurzen Notiz zu schliessen, war schon im J. 
1811 die Errichtung eines Museums in Aachen beabsichtigt 3 . 
Damals nahmen die Sandkaulstrasse und das zu derselben 
gehorige Thor nach der Mutter Napoleons (Madame Mere) die 
Namen rue Madame bezw. porte Madame an 4 , wahrend einer 
der schonsten Platze Burtscheids „Spaziergang des Konigs von 
Rom" benannt wurde 6 . Der Maire v. Guaita brachte aus Paris 
eine grosse goldene Medaille mit dem Bilde Napoleons, M. Louisens 
und des Konigs von Rom als Geschenk des Kaisers an die Stadt 
Aachen mit 6 , und in drei grossern Artikeln — der erste ist 
sehr bemerkenswerth — wird uber Bauten und Verschonerungen 
in Aachen und seiner Umgebung berichtet 7 . 

Der interessanteste Theil des Journal de la Roer ist sein 
letztes Quartal, in welchem den Leitern des Blattes die miss- 
liche Aufgabe oblag, das Sinken des franzosischen Gliickssterns 

! ) Journal de la Roer (= J. d. 1. R.) 1811 Nr. 8 vom 9. Januar. 
*) J. d. 1. R. 1811 Nr. 15 vom 17. Januar. 

8 ) J. d. 1. it. 1811 Nr. 67 vom 19. Marz; Allgemeine Zeitung 1810 
Nr. 210 vom 30. Oktober. 

4 ) J. d. 1. R. 1811 Nr. 195 vom 17. August. 

5 ) J. d. 1. R. 1811 Nr. 92 vom 18. April; 1811 Nr. 264 vom 7. November. 

6 ) J. d. 1. R. 1811 Nr. 183 vom 2. August; hier wieder die Rede vom 
Museum der Stadt Aachen. 

7 ) J. d. 1. R. 1811 Nr. 115 vom 14. Mai; 1811 Nr. 174 vom 23. Juli; 
1811 Nr. 264 vom 7. November; Verschonerungen und Anlagen an der Bever 
vor Adalbertsthor: 1812 Nr. 61 vom 11. Marz. Strassen- und andere Bauten: 
1813 Nr. 74 vom 27. Marz; 1813 Nr. 211 vom 4. September; 1813 Nr. 229 
vom 25. September. 



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182 E. Pauls 

zu verheimliclien und fortwahrend der Hoffnung auf eine giinstige 
Wendung Ausdruck zu verleihen. Schon das Jahr 1812 hatte 
mit einem grellen Misston geschlossen. Im Juli 1812 hiess es, 
der Heereszug der grossen Armee sei eine Reihe von Wundern *, 
und noch am 6. Dezember, nachdem der Kaiser bereits die 
Trlimmer der grossen Armee verlassen hatte, urn als Herzog 
von Vicenza auf einem einfachen Schlitten durch halb Europa 
nach Frankreich zu eilen, feierte 2 man im Aachener Dom in Un- 
kenntniss der entsetzlichen Sachlage ein Dankfest und erfreute 
sich abends an Illumination, Spiel und Tanz. Die urn Neujahr 
1813 einlaufenden Hiobsposten verhinderten nicht die Feier eines 
frohlichen Karnevals 3 , und als wenige Monate spater Napoleons 
Siege bei Liitzen (Grossgorschen), Bautzen und Dresden bekannt 
wurden, — die Niederlagen der Marschalle und des Kaisers 
eigene trube Befiirchtungen 4 blieben selbstredend sorgfaltig 
verheimlicht — ahnte bei uns wohl niemand den baldigen jahen 
Zusammensturz einer in den Handen eines anscheinend uniiber- 
windlichen Feldherrn vereinigten Weltherrschaft. Aber wahrend 
die Siegesnachrichten im Sommer 1813 nur wenige Tage brauch- 
ten 5 , urn von den entfernten Schlachtfeldern nach Aachen zu 
gelangen, dauerte es nach der Volkerschlacht bei Leipzig langer 
als zwei Wochen, ehe das einzige im Eoerdepartement erschei- 
nende politische Blatt von den Erfolgen der Verbiindeten Kunde 
gab. Noch am 2. November 1813 hatte das Journal de la 
Eoer die Stirne, andeutungsweise von Vortheilen zu sprechen, 
welche die Franzosen in den Ebenen von Leipzig errungen 
hatten, und erst am 3. November brachte es den amtlichen 
Schlachtbericht des Kaisers gleichzeitig mit der Nachricht von 
seinem Siege bei Hanau. 

In den ihm noch bleibenden zwei Monaten berichtete das 
Journal de la Roer von Tag zu Tag ilber ungeheuere Rustungen 
und Truppenansammlungen in Frankreich, sowie tiber kleinere 

1 ) J. d. 1. R. 1812 Nr. 166 vora 14. Juli. 

2 ) J. d. 1. R. 1812 Nr. 293 vom 8. Dezember. 

3 ) J. d. 1. R. 1813 Nr. 55 vom 5. Marz. 

4 ) Vgl. den merkwiirdigen Brief des Kaisers vom 8. September 1813 in 
Thiers Geschichte des Konsulats und des Kaiserreichs. (Deutsche Ausgabo 
von F. Eulau XVI, S. 390 ff.) 

5 ) Meist 4 bis 5 Tage. Die Nachricht von der Geburt des Konigs von 
Rom brauchte, um nach Aachen zu gelangen, genau zwei Tage. J. d. 1. R. 
1811 Nr. 71 vom 23. Marz. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 183 

Erfolge der franzosischen Waffen. Vom unaufhorlichen Vor- 
riieken der verbiindeten Arraeen erhielten die Leser nur da- 
durch Kunde, dass immer wieder von Ausschweifungen aller 
Art die Rede war, welche sich die feindlichen Truppen auf 
dem rechten Rheinufer angeblich zu Schulden kommen liessen. 
Ein grelles Streiflicht auf die Misslichkeit der militairischen 
Lage warf freilich Konig Jeromes eilige Durchreise durch Aachen 1 
und der im Dezember 1813 in Aachen bekannt gewordene ge- 
scheiterte Versuch einer Landung der Verbiindeten in Neuss 2 . 

Mitunter — es lag wohl berechnete Absicht zu Grunde — 
machte indess doch das Journal de la Roer seine Leser durch 
Andeutungen mit dem Gedanken an grosse bevorstehende Ereig- 
nisse vertraut. Bald nach der Schlacht bei Leipzig hiess es, 
der Feind werde es nie wagen unser Gebiet zu betreten, weil 
er es zu sehr bereuen wurde 3 ; der Rhein sei eine natiirliche 
Schranke 4 ; Frankreichs Grenzen seien auf immer am Rhein fest- 
gesetzt, dies konne kein vorubergehendes Ereigniss storen 5 ; der 
Kaiser wunsche nach Beendigung seiner kriegerischen Laufbahn 
ein neues Leben zu beginnen 6 und denke nicht daran, alle 
friiher gemachten Eroberungen wieder zu erlangen 7 u. dergl. 
Und noch in den letzten Stunden der Fremdherrschaft pflanzte 
das Journal de la Roer die Hoffnung auf, indem es ganz am 
Schluss der letzten Nummer vom 15. Januar 1814 schrieb, 
Napoleon werde sich nach Wundern einer in edelmuthiger Stille 
entfalteten Thatigkeit an die Spitze der Armee stellen. Nach 
dem Abzug der Franzosen tibernahm der Redakteur die aus- 
schliesslich in deutscher Sprache erscheinende Aachener Zeitung 8 . 

Aachen gehorte zu den Stadten, in welchen nach dem kaiser- 
lichen Dekret vom 14. Dezember 1810 ein Anzeigeblatt neben 
dem Departements-Journal erscheinen durfte 9 . Bezuglich der 
Aufnahme von Anzeigen waren die Befugnisse des politischen 



') J. d. 1. R. 1813 Nr. 266 vom 9. November. 

2 ) J. d. 1. R. 1813 Nr. 295 vom 13. Dezember. 

3 ) J. d. 1. R. 1813 Nr. 263 vom 5. November. 

4 ) J. d. 1. R. 1813 Nr. 275 vom 19. November. 

5 ) J. d. 1. R. 1814 Nr. 10 vom 12. Januar. 

6 ) J. d. 1. R. 1813 Nr. 287 vom 3. Dezember. 

7 ) J. d. 1. R. 1814 Nr. 3 vom 4. Januar. 

8 ) Vgl. oben S. 129. 

9 ) Daniels, Handbuch der Gesetze ziir Zeit der Fremdherr- 
schaft V, S. 648. 



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184 E. Pauls 

und des Anzeigeblatts genau abgegrenzt. Beide durften Theater-, 
Geburts- und Todesanzeigen, sowie Anzeigen von Buchern, 
Musikalien und Kupferstichen bringen; alle andern Anzeigen, 
selbst die gerichtlichen, waren ausschliesslich den Anzeigeblattern 
vorbehalten. Biicher durften nur angezeigt werden, naclidem der 
Titel in dem fiir das Gebiet des Kaiserreichs eingefuhrten Blatte 
fur den Buchhandel veroffentlicht worden war *. Das Departements- 
Journal bestand aus politischen Neuigkeiten, Artikeln liber Lite- 
ratur, Wissenschaften und Kunste, Verwaltungs-Verordnungen 
und Berichten iiber besondere Ereignisse, die die Prafekten, 
als Obhuter des Journals einrticken wollten; Departements- Journal 
und Anzeigeblatt durften nicht einem und demselben Drucker 
anvertraut werden. In Stadten, fiir welche ein Anzeigeblatt nicht 
angeordnet war, durfte der Herausgeber des Departements- oder 
politischen Journals in Form eines Supplements, doch besonders 
gedruckt, ein Anzeigeblatt erscheinen lassen. Die Prafekten 
ernannten den Redakteur und den Drucker des politischen Jour- 
nals, wenn derselbe nicht vor dem 4. August 1810 im Besitze 
der Druckerei war. Alle gegenseitigen Rechte und Pflichten der 
Herausgeber, Drucker und Eigenthiimer der Departements-Jour- 
nale und der Anzeigeblatter wurden vom Minister geregelt; 
Anzeigeblatt er erhielten keinen Redakteur 2 . 

Ueber das Format und die Typen der Zeitungen sollten 
besondere Verfugungen ergehen 3 , doch bleibt es fraglich, ob 
solche Vorschriften jemals fiir das Roerdepartement erlassen 
oder durchgefiihrt worden sind. 

In Aachen erhielt die Druckerei von J. N. Bovard die 
Erlaubniss, ein Anzeigeblatt herauszugeben 4 . Dasselbe fiihrte 
im J. 1811 den Titel: Feuille d'Annonces d'Aix-la-Chapelle; 



Vgl. oben S. 111. 

2 ) Kantzeler a. a. 0., wobei derselbe sich bezieht auf ein Rundschreiben 
des Generaldirektors der Bucbdruckereien und des Buchhandels vom 4. No- 
vember 1811, welches Prafekt Ladoucette dem Maire von Aachen zugehen 
liess. Kantzeler schliesst: „Exemplare mussten eingeschickt werden regel- 
massig mit der Post unter Kreuzband : eins fiir den Justiz-Minister, eins fiir 
den Minister des Innern, eins dem Minister der General-Polizei, eins dem 
Minister-Staatssekretair, zwei dem General-Direktor der Buchdruckerei, eins 
dem Prafekt, eins dem Inspektor des Buchhandels im Kreise; das waren mit 
dem Exemplar fttr den Maire neun Exemplare." 

8 ) J. d. 1. R. 1811 Nr. 252 vom 23. Oktober und Kantzeler a. a. 0. 

4 ) J. d. 1. R. 1811 Nr. 280 vom 26. November. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 185 

fur das Jahr 1813 liegt aus derselben Druckerei eine Feuille 
d'Affiches vor 1 . Es ist nicht aufgekliirt und jedenfalls ziemlich 
unwesentlich, ob es sich hier um eine Titelanderung handelt, 
oder ob beide Blatter nebeneinander einige Zeit hindurch bestan- 
den haben. Beide sind bedeutungslos; etwas auffallig bleibt, 
dass das Exemplar des sog. Affichenblattes zwei Briefe 2 poli- 
tischer Art enthalt. Augenscheinlich — die Nummer datirt aus 
der letzten Zeit der franzosischen Herrschaft — gestatteten 
damals die Behorden, der truben Zeitlage wegen, regierungs- 
freundliehe politische Mittheilungen selbst den Anzeigeblattern, 
oder munterten sie gar zu derartigen Veroffentlichungen auf. 

Die beiden ersten Jahre nach der Fremdherrschaft brachten 
Aachen nicht weniger als acht neue Zeitungen. Das Ankiindigungs- 
blatt der Stadt Aachen wurde schon im ersten Jahre seines Er- 
scheinens (1814) durch das von J. N. Bovard gedruckte und heraus- 
gegebene Journal d'Aix-la-Chapelle ersetzt 3 , welches amtliche 
Verfiigiingen und politische Nachrichten in franzosischer, Anzeigen 
dagegen theils in franzosischer, theils in deutscher Sprache wieder- 
gab. So audi Le Nouvelliste d'Aix-la-Chapelle, als dessen Drucker 
und Herausgeber ebenfalls J. N. Bovard sich bezeichnet. Viel- 
leicht war der Nouvelliste 4 eine Fortsetzung des Journal d'Aix- 
la-Chapelle. Nicht ganz so farblos, sondern mehr in deutsch- 
freundlichem Sinne gehalten und dabei ansprechend war das 
Aachener Intelligenzblatt. Es erschien als wochentliche Beilage 
zur Aachener Zeitung seit dem 18. Januar 1815 5 und brachte 
ausser amtlichen Bekanntmachungen Anzeigen und schonwissen- 
schaftliche kleinere Aufsatze. 

Der fiir kurze Zeit erschienenen Zeitschrift Aurora geschah 
bereits bei der Besprechung des von demselben Verfasser (Bier- 
gans) stammenden Tyrannenfeind Erwahnung. 



') Bekannt nur die in Haagens Geschichte Achens II, S. 471 erwahnte 
Nummer. 

2 ) Den einen dieser Briefe erwahnt Haagen a. a. 0.; der zweite Brief 
briiigt die (auch im J. d. 1. R. 1813 Nr. 279 vom 24. November enthaltene) 
liignerische, aber amtliche Prahlerei eines franzosischen Generals in Wescl, 
dass 1100 000 Mann gegen die Feinde Frankreichs im Anzug seien. 

8 ) In Nr. 148 des Journal d'Aix-la-Chapelle vom 26. September 1814 
folgende Anzeige: Le Journal d'Aix-la-Chapelle, faisant suite a PAnkiindi- 
gungs-Blatt der Stadt Aachen et la remplac,ant 

4 ) Erschien noch im J. 1819. 

5 ) Erschien bis zum 26. September 1818. 



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186 E. Pauls 

Als amtliches 1 Blatt gab Dr. Karl Stein seit dein 14. Mai 
1814 das Journal des Niederrheins heraus, welches die Bekannt- 
machungen der Behorden, politische Artikel und politisch-mili- 
tairische Neuigkeiten brachte. Auf Anordnung des General- 
Gouverneurs Sack lautete der Titel seit dem 16. Juni 1814 
„ Journal des Nieder- und Mittelrheins". Das der Verwaltung 
Sacks unterstellte ganz bedeutende Gebiet umfasste die Haupt- 
theile mehrerer ehemaliger Departements von der hollandisch- 
franzosischen Grenze an bis zu den Gegenden des Mittelrheins 
und der Mosel 2 . 

Es war deshalb eine Nothwendigkeit, Unterabtheilungen des 
gewaltigen Bezirks zu bilden und fur diese besondere Ver- 
waltungsbehorden zu ernennen. In der Aachener Gegend behielt 
man einstweilen die franzosische Gebietseintheilung bei und 
ernannte den Appellationsgerichtsrath Boiling unter dem Titel 
eines Gouvernements-Kommissars zum Nachfolger des franzo- 
sischen Prafekten. Boiling gab seit dem 17. Mai 1814 das 
„Amtsblatt fur das Roerdepartement" heraus, welches mit dem 
Journal des Nieder- und Mittelrheins im Fruhjahre 1816 einging 3 . 
Aehnlich den Prafekturakten sind diese beiden amtlichen Zeit- 
schriften fiir das Verstandniss der damaligen Bewegungen von 
unschatzbarem Werthe. Sehr auffalliger Weise glaubte man 
selbst noch im Marz 1816, also zehn Monate nach der end- 
giiltigen Besitznahme durch die Krone Preussen, vielfach in 
der Rheinprovinz, dass die Rheinlande an eine andere Macht 
abgetreten oder vertauscht werden sollten 4 . Die Neueintheilung 
des preussischen Staatsgebiets war inzwischen so weit vorgeschrit- 
ten, das mit dem 22. April 1816 sammtliche Regierungs-Kollegien 



*) Hatte urspriinglich nur einon „halbaratlichen" Cliarakter; amtliches 
Blatt seit dem 16. Juni 1814. 

2 ) Naheres in der Bekanntmachung Sacks im Journal des Nieder- und 
Mittelrheins 1814 Nr. 1 vom 16. Juni, S. 1 und 2. 

3 ) Das Eingehen beruhte auf dem Beginn der Wirksamkeit der Konigl. 
Regierung zu Aachen und dem dadurch bedingten Erscheinen eines Regierungs- 
Amtsblattes. Die letzte Nummer des Journals fur den Nieder- und Mittel- 
rhein datirt vom 20. April 1816, die letzte Nummer des Amtsblattes fiir das 
Rocrdepartement vom 24. Marz 1816. 

4 ) „Zur Beruhigung der Einwohner der Konigl. Rheinprovinzen, wird 
hiermit dem schon ofters verbreiteten und seit kurzem erneuerten Gcriicht, 
als sollten solche an eine andere Macht abgetreten oder vertauscht werden, 
auf das Bestimmteste widersprochen. Des Kbnigs Majestat werden Provinzen, 
deren Bewohner Allerhochstdenenselben schon so manche Beweise der Treue 



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Beitrage zur Geschichte der Bucbdruckereien, des Bucbhandels etc. 187 

ihre Wirksamkeit beginnen konnten. Am 27. April 1816 erschien 
die erste Numraer des Amtsblatts der Kegierung zu Aaclien. 
Laut der auf Seite 1 desselbeu gebrachten Koniglichen Verord- 
nung mussten die Anitsblatter enthalten: a) Titel, Datum und 
Nummer der in der allgemeinen Gesetzsammlung veroffentlichten 
Gesetze; b) alle zur allgemeinen Bekanntmachung geeigneten 
Verfiigungen der verschiedenen Landesbehorden; c) Belelirungen 
ttber offentliche Angelegenlieiten. Schon im Mai 1816 wurde 
dem Amtsblatt der Konigl. Regierung in Aachen als Beiblatt 
ein „Oeffentlicher Anzeiger" beigegeben. Dieser war bestimmt 
zur Aufnalime „aller Bekanntmachungen, Nachrichten, Anzeigen, 
Vorladungen, Aufforderungen und Erklarungen, welche sich zur 
offentlichen Kunde eignen und Parteisachen betreffen 1 ". 

Unzweifelhaft stand Aachen bis vor hundert Jahren hin- 
sichtlich der Zahl und Bedeutung seiner Druckereien hinter 
manchen rheinischen Stadten znriick. Seit der Fremdherrschaft, 
wahrend welcher die alte Kaiserstadt Departements-Hauptort 
und Bischofssitz war, ist dieses Missverhaltniss langst aus- 
geglichen word en, und schon vor 53 Jahren zeigte es sich bei 
der Gutenbergfeier am 25. Juli 1840 in Aaclien, dass auch 
dort das Verstandniss filr die unermessliche Bedeutung der 
Buchdruckerkunst in weiten Kreisen Wurzel gefasst hatte 2 . 

und Anhanglichkeit gegoben haben, von Ihreu Staaten nicht trcimen lassen, 
sondcrn sie viclmcbr nacb dcu mildeii und viiterlichen Gesinnungen rcgieren, 
welcbo Allerbochstdiesclbon in dem Besitzergreifungspatent vom 5. April v. J. 
ausgesprochen haben. 

Die binnen wenigen Tagen erfolgende Organisation wird auch sammt- 
lichen Eingesessenen die Ueberzeugung gewahren, dass Geriichte, wie die 
in Rede stebenden, nur aus Mangel an Einsieht, oder aus unlauteren Ab- 
siehten, in Gang gebracht werden konuen. 

Berlin, am 5. Marz 1816. Der Staats-Kanzler 

Fiirst v. Hardenberg." 
(Amtsblatt des Roerdepartements Nr. 616, S. 92.) 

x ) Amtsblatt der Regierung zu Aachen 1816 Nr. 4 vom 17. Mai, S. 43. 

*) Zahlreiche kleinere Aufsatze, Gedichte und Reden in der Festschrift 

zur Gutenbergsfeier zu Aachen am 25. Juli 1840. Aachen und Leipzig bei 

J. A. Mayer. Hier zwei Strophen aus einem Gedichte des Aachencr Gym- 

nasial-Oberlehrers Prof. Dr. Fr. Oebeke: 

So strahle Dein Gedachtniss Es fliegt von Zon' zu Zone 
Uns, Gutenberg, erneut! Dein Nam' mit Preis genannt; 

Lichtbote, dess Vermachtniss Dir jubelt, seinem Sohne, 
Endlosen Segen streut. Stolzer das Vaterland! 



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188 E. Pauls 

Anhang I. 

Zeitungs- und Kalendertitel. 

In seinem Aufsatze liber die Zeitungspresse in Koln 1 machtEnnen 
darauf aufmerksam, dass lange bevor Zeitungen periodisch ingrosseren 
oder kleineren Zwischenraumen erschienen, gedruckte Einzelberichte 
iiber denkwtirdige Zeitereignisse, Unglucksf&lle, Festlichkeiten und 
dergl. meist in prosaischer Form, mitunter aber auch in Versen 
verfasst, dazu bestimmt waren, die Tagesgeschichte zur Kenntniss 
weiterer Kreise zu bringen. Ennen flicht die Titel vieler solcher 
„Relationen von wichtigen Begebenheiten" seiner Abhandlung ein. 
F. Stieve 2 erlautert den Begriff „ Zeitung" noch etwas genauer. „ Als 
wesentliches Merkmal einer Zeitung", so sagt er, „betrachten wir 
gegenwartig das Erscheinen in regelm&ssigen Fristen. Urspriinglich 
dagegen und bis tief in's 18. Jahrhundert hinein bezeichnete das Wort 
lediglich eine einzelne Nachricht liber ein gleichzeitiges Ereigniss". 

Die Bichtigkeit der Erklarung Stieves unterliegt keinem Zweifel. 
Noch vor wenigen Jahrzehnten gait der Ausdruck „eingelaufene 
Zeitung" fur gleichbedeutend mit „eingelaufener Nachricht", und in 
diesem Sinne kommt „ Zeitung" schon bei dem Aachener Chronik- 
schreiber Noppius vor mehr als 260 Jahren vor 3 . Eine geschichtliche 
Darstellung der Entwickelung der Aachener Zeitungspresse darf also 
die vorhandenen gedruckten Einzelberichte iiber Ereignisse, welche in 
eine Zeit fielen, in der man Zeitungen im heutigen Sinne nicht kannte, 
nicht ausser Betracht lassen. 

Im Nachfolgenden werden Verordnungen, Statuten, Vorladungen 
und Prozessakten nicht beriicksichtigt 4 . Die Titel der Belationen 
aus der Zeit zwischen 1584 und 1597 sind der vorstehend bezeichneten 
Abhandlung Stieves „tiber die altesten halbjahrigen Zeitungen oder 
Messrelationen und insbesondere iiber deren Begriinder Freiherrn 
Michael von Aitzing" entnommen. Auf die von den Jesuiten in Aachen 
im J. 1615 herausgegebenen lateinischen Gedichte iiber den Sieg der 
katholischen Sache daselbst wurde ich zuerst durch eine Notiz in 
Brewers Vaterlandischer Chronik aufinerksam 5 . Sowohl diese Gedichte 



i; Annalen des hist Vereins f. d. NiederrJiein, XXXVI, S. 12 ff. 

*) Abhandlung en der hist. Klasse der Konigl. Bayerischen Akademie der Wissen- 
schaften 1881. XVI, S. 179. 

s; Noppius, Aacher Chronik 1632. Zweites Buch, S. 180. 

4; Soicohl die wichtigeren Verordnungen seit 1656 als auch die b&ieuienderen Prozess- 
akten seit 1509 sind vollstdndig erhalten. Erstere in den Baths- und Beamtenprotokollen 
im Aachener Stadtarchiv; iiber Prozesse vergl. die Zusammenstelliuig bei Go eke, Zeit- 
schrift des Aachener Oeschichtsvereins X, S. 22 jf. 

s) J. W. Brewer , Vaterldndische Chronik. Koln 1825, zwblftes Heft, S. 710, Nr. 7. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 189 

als auch die Relationen von Aitzing waren bis jetzt in der Aachener 
ortsgeschichtlichen Literatur unbekannt. 

Dem Herrn Bibliothekassistenten Dr. Wissowa verdanke ich 
die Beifugung der Titel mehrerer in der Aachener Stadtbibliothek 
vorhandenen Relationen und seltenen Schriften, welche vor dem 
Erscheinen von Tageszeitungen zu Aachen verfasst oder gedruckt 
wurden, oder deren Inhalt sich auf Aachen bezieht 1 . Dass bei den 
wichtigeren Schriften hier der vollstandige Titel gegeben wird, 
bedarf wohl keiner Rechtfertigung. Angeschlossen werden die Titel 
der in Aachen bis zu Ende April 1816 erschienenen Kalender, Alma- 
nache, Zeitungen und Zeitschriften, wobei ich jedem Stuck das alteste 
Exemplar zu Grande lege, welches mir erreichbar war. 

Relationen aus der Zeit von 1584 — 1615. 

1. Rclatio Historica | dess, so sich nach dem | Abschied der Coll- 
nischen zusamenkunft | von wegen Niederlendischer Pacification gehalten, | 
Erstlich vmb den Rom. Kiiniglichen Stuel Ach: Volgents | aber auch, vmb 
das Hochwurdig Ertzstifft Colin, hin vnd | wider verlauffen vnd zugetragen 
hat. Ordenlich | von anfang continuirt, biss auff gegen- | wertiges Monat 
Septcmb. | 1583. | Allen denen gar niitzlick vnd lustig zulesen, so den vrsprung, 
progress, vfi | vortgang, des weitausssehenden Handels, sonderlich nach der 
Ni- ! derlandisehen emporung, zu wissen und sich hinfuran, vor | sorglicher 
geferligkeit zu hutten, begern. | 

MDLXXXIIII. 

(Stieve 2 a. a. O. S. 238, Nr. 16.) 

2. Historische Beschreibung | dess, so sich nach negst | gehaltenem 
Kayserlichen Reichstag zu | Augspurg (vber alles das, welches zuuor in | 
Relatione Historica des Achischen vnnd CcJllnischen han- | dels wegen erzelt) 
volgendts noch weytter im Heyligen | Reich Teutscher Nation verlauffen vnnd 
zugetragen hat. | Continuirt biss auff die negst niderlag Gebhardt Truck* | 
sessen gewesenen Churfursten von Colin, vnd | gegenwertiges Monat Apri- | 
lis 1584. | Allen denen gar niitzlich, auch lustig zulesen, so vber deu vrsprung 
vnd | Progress: auch den Aussgang des so weit ausssehenden Handels | zu 
betrachten, vnd sich jederzeit vor schedlicher gefarli- | keit zu huetten vor- 
habens. | Vign. Eyzingers. | 

A. P. R. M. | MDLXXXIIII. 

Staatsbibliothek in Munchen. 4°. Eph. Pol 24 u. II. 4 BL 137 S. u, 4 8. Index. 

(Stieve a. a. O. S. 238, Nr. 17.) 

V Nach giitiger Mittfieilwig des Stiftsarchivars Herrn Kanonikua Yiehoff enthdlt 
das Aachener Stiftsarchiv aus der Zeit vor 1800 keinen einzigen gednickten Bericht iiber 
eine Kaiserkrbnung, Heiligthwnsfahrt u. dergl. 

*) Stieve ver'dffentlicht die Titel von nicht iceniger als 163 Relationen. Ich kopirte 
nur diejenigen, in welchen der Name Aachen vorkommt; unzweifelliaft enthalten aber 
auch viele andere dieser Relationen Beitrage zur Geschichte Aachens. 



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190 E. Pauls 

3. Rervm | Vaticinijs accommodata Historia. | Das ist, | Eine Histori- | 
sche Beschreibung oder Relation dess, so sich nit allain vnder | dem jetzt 
Regierenden Khayser Rudol- | pho II wegen hinlegung vnd abstellung der | 
Niderlandischen, Achische, vn Cblnischen empo- \ rung etc. verloffen: sonder 
was sich auch zu disem | Proposito dienstlich, vnder den vorhergehenden | 
XXIIII. fttrnembsten Potentaten der Welt 1 zuegetragen hat, von anfang her 
orden- ] lich continuirt, biss auff nun ablauf- | endes Jar nach Christi Ge- | 
burt 1584. | Sampt notturf tiger Applicierung der zeit, | Figuren, vnd Prophe- 
ceyen, ohne welche sonst, | ein Historia billich anders nichts, als Cor- | pvs 
Sine Anima, das ist, ein leib | ohne Seel, geschetzt vnd ge- | halten wirdt. | 
Ecclesiast. 39. | Sapientiam omnium antiquoram exquirct sapiens, | et in Pro- 
phetis vacabit. | Gedruckt zu Colin auff der Burgmawren, bey | Godfrid von 
Kempen, irn Jar 1584. 

Staatsbibliothek in Mftnchen. 8°. II. un. 191. 8 Bl. 478 S. 1 Bl. Mit 
Holzschnitten. 

(Stieve a. a. O. S. 239, Nr. 19.) 

4. Bipartita | Septem Tempo- | rvm Historia. | Das ist, | Ein 
Historischo beschrey- | bung Siben vnderscheid- | licher Zeiten. | Sambt dem, 
was sich von Anfang, | sowol in gemein, als die Sibentzig Jar hero- | insonder- 
heit, zugetragen hat: In Teutschlandt, | Frankreich, Engellandt, vnd anderen 
orten, als | ira Rom. Kbniglichen Stuel Ach, im vhralten Ertz- | stifft Coin, 
vnd den Niderburgundischcn | Erblandern, biss auff den Aprill gegen- | wertigs 
Jars Nach Christi ge- | burt 1586. | Allen denen sehr nutzlich zu lesen, die 
den Aussgan^ | der wunderlich bissher abgelauffnen handel vnd ge- | schichten, 
darauss notturftiglich begern zu wissen | vnd sich bey gefiirlichen disen 
zeitten | darnach kunfftiglich | zurichten. | Gedruckt zu Coin, bey Gotfriedt 
von | Kempen, vnd Heinrich Nettess- | heim Anno 1586. 

Staatsbibliothek in Miinchen. 8°. Hist. univ. 192. 8 Bl. 906 S. 
(Stieve a. a. O. S. 240, Nr. 25.) 

5. Der Erst Thayl | Relationvm. Historicarvm. |Das ist| Der Histo- 
rischen Re- | lationen, welche in sich ordenlich, nachein- | ander begrciffen, 
was, so wol, im Heyligen Romischen | Reich Teutscher Nation, als in Hispa- 
nien, Frankreich, Schot- | landt, Engellandt Denmark, Poln, vnd andern 
Konigreichen, als Hun- | gem vnd Boheimb etc. nach absterben Maxim iliani 
des andern | dises namens Hochloblichster vnd saligster gedachtnuss, Romischen | 
Keysers zugetragen, biss auff gegen- wttrtigs Jarhs nach | Christi gebuert 
1590. | Insonderheyt aber | Was sich anfangs verloffen jm Niderlandt: jm 
Koniglichen Romischen Stuel Ach: jm Hochloblichen Ertzstifft Colin: | in West- 
phalen vnnd andern daran gelegnen orten, als in den Herzogthumen | Gulich, 
Cleuen, Bergen, etc. biss auff die zeyt, da der Ertzbischoff von | Colin, Gebhard 
Trucksess, die Catholisch Religion verandert, | Alles | Von newen beschrieben: 
vnd an vielen Orten, der zuuor | aussgegangnen Relationen, nach fleissiger vber- 
sehunh, gemehrt, ge- | besscrt vnd corrigiert, Wie pag. 8 zusehen. | Denen i 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 191 

Sehr nlitzlich vnd lustig zulcsen, die auss vergangenen | vnnd vorgeloffnen 
sachen, verniinfftiglich, in die gegenwurtigen sich, bey | diesen gefarlichen 
vnsern letzten zeyten, zuschicken vnd vor zukiinff- | tigen vngemach zuhuetten 
haben. | Durch | Michael Eyzinger auss Oestcrreich beschrieben. | Gedruckt 
zu Colin, auf der Burgmawrn, bey | Godtfridt von Kempen, Anno 1590. 

Staatsbibliothek in Munchen. 4° Belg. 6. Bu. Hist. 4174. Wf. Hist. 227 
4 Bl. 187 S. 

(Stieve a. a. O. S. 24& Nr. 45.) 

6. Der Vierte Theil, | Relationvm Historicarvm, | Das ist, | Der 
Historischen Re- | lationen vnnd Beschreibung, | Wie | Insonderheit sich nach 
dem Achischen und | Collnischen Handel, auch der Strassburgisch, | ini Heiligen 
Reich Teutscher Nation er- | hebt, vnd seinen fortgang ge- | nommen hatt. | 
Sampt dem was sich auch sonst hin vnd wider in Euro- | pa, als Frankreich 
vnd Engellandt, auch andernorten | alien thalben zugetragen. [ Durch Michaelen 
Eyzinger aus Oesterreich. | Vignette Eyzingers | Gedruckt zu Colin, auff der 
Burgraawren, bey | Godtfrid von Kempen, Anno 1592. 

Staatsbibliothek in Munchen. 4° Belg. 6. 4 Bl. 218 S.- 
(Stieve a. a. O. S. 245, Nr. 54.) 

7. Der Ftinffte theyl | Relationvm Historicarvm. | Das ist, | Der 
Historischen Be- | schreybung, zuwissen, | Wie der Achisch, Collnisch, vnnd 
Strassburgisch | handel abgangen, sich letzlich auch die Tiircken vnder beyden | 
Amorathe vnd Machvmethe, dem dritten | dises namens erhebt, wider den 
Rbmischen Keyser, vnnd die | Christen wider den Catholischen Konig, vnder 
beyden | Henrico dem Prinzen von Bearne in Frank- | reich, vnnd Mavritio 
des Prinzen von | Orange Sohn im Niderlandt, Krieg | gefiihrt: vnd sich zu- 
samen | verbunden haben. | Sampt dem, wass sich sonst durch ganz Evropa | 
verlauffen, vnd biss auff ankunfft Alberti des Cardinals | auss Hispanien in 
Brabandt, vnnd Maximiliani seines | brudern Ertzherzogen zu Osterreich, 
ins Vnger- | landt, zugetragen. | Biss auff jetzt ablauffendts Jahr nach Christi 
geburt | 1596. | Durch Michaelem Eyzinger auss Osterreich. j Gedruckt zu 
Colin, bey Gerhardt Grevenbruch, | Im Jahr M.DXCVII. 

Staatsbibliothek in Munchen. 4°. Eph. Pol. 24 u. Belg. 6. 4 Bl. 122 S. 
(Stieve a. a. O. S. 247, Nr. 65.) 

8. Warhaffte vnd Bestandi- | ge Erzehlung | Welcher massen des | H. 
Reichs Stadt vnd Koniglicher | Stuel Aach am y Tag Augusti des | 1614 
Jahrs durch den Herrn MARQVIS AM- | BROSIO di Spinola ingenommeu 
vnd besetzt | worden Auch was sich sonsten alda von | gemeldtem tag biss 
vff den -j tag | Septembris begeben. | Allen der warheit liebhabern | zum besten, 
vnd wider andere ausgesprengte Zeittungen in | Truck gegeben | Im Jahr 1614. 

Aachener Stadtbibliothek. 4°. 11 S. 

9. Aquisgranum, | regia S. R. Imperii et | coronationis Caesarum | 
sedes ac metropolis, | Mathiae Imperatoris | authoritate, catholico ac | legitimo 



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192 E. Pauls 

magistratui suo | restitutum: | eidem semper Augusto | Imperatori | perpetuae 
memoriae et observantiae | ergo cum elogiis imprimis caelitum: | Deinde j 
principum atque illustrium virorum | qui in aequissimum hoc opus opem ac 
operam | suam contulerunt, | ab Aquisgranensi collegio | societatis Jesu | car- 
mine dcscriptum, iure merito dedicatum. | Permissu superiorum. | 

Coloniae Agrippinae, | sumptibus Bernardi Gualtheri. | Anno MDCXV. 
Kdlner Stadtbibliothek. 4°. 8 S. und 78 S. 

Geschichtlich ziemlich werihlos; enthalt meist Loblieder auf diejenigen ' 
Personlichkeiten, tvelche bei der Wiederherstellung des Katholizismus in Aachen 
betheiligt warm. Sehr bemerkenswerth ist S. 25 die Notiz: Apollinis unde non 
nemo dictum putat Aquisgranum. Als Stilprobe hier der Schluss des Gedichtes 
in invictum heroem Ambrosium Spinolam (S. 45): 
iam video suis 

Efflorere fidem rursus honoribus, 

Jus et fas violatum 

Pactam inscendere curiam. 

Tu postquam domitis Caesaris hostibus 

Ornatam titulis nactus adoream 

Aucto florueris nomine, laurea 

Insignitus ovali 

Conscendes superas domos. 
Vier andere leaum behannte Schriften der Aachener Jesuiten am detn 
17. Jahrhundert verdienen hier Erwdhnung. Ich beschriinke mich auf einen 
Auszug der langen Titel, da der Inhalt der Schriften nur in etwa das Gebiet 
der Geschichte Aachens beriihrt. Im J. 1615 erschien bei Bernardus Gualtherus 
in Koln: Syntagma Davidicum, hoc est ordinata collcctio e psalmis David 
secundum varios mores et motus horum temporum. 4°. 8 p. und 128 p. 1 Das 
dem Erzherzog Albert von Oesterreich, dem Statthalter (dynastae) Belgiens vom 
Aachener Jesuitenkollegium gewidmete Werkchen bringt in der Einleitung manche 
Mittheilungen iiber die Bekdmpfung des Protestantismus in Aachen durch die 
Jesuiten. 

Im J. 1667 starb die junge Gemahlin des Fursten Salm } geb. Grafin von 
Gelen, im Wochenbette und fand in der St. Josephskapelle der Aachener Jesuiten- 
kirche ihre Ruhestatte, nicht ohne dass bei deren Leichenfeierlichkeiten ein fast 
beispielloser Aufwand entfaltet tvorden tvare 2 . Die von den Jesuiten Aachens 
verfasste, mit einer grossen Wappentafel gezierte Erinnerungsschrift 3 filhrt im 
Wesentlichen den Titel: Lacrymae coniugales et paren tales symbolis adumbra- 
tae, in funere celsissimae principis Salmensis Godefridae, Mariae, Annae, 



1 ) Kdlner Stadtbibliothek in demselben Bande, welcher die hier unmittelbar vorher 
besprochene Schrift Aquisgranum etc. 1015 enthalt. 

2) Die Jesuiten widmen der Beschreibung dieser Feierlichkeiten fast eine Seite und 
sprechen von mille cereis und sexcentis lampadibus an einem castrum doloris magniiice 
constructum. 

3) In meinem Besitz. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 193 

Agnetae, Ignatiae. Coloniae Agrippinac, Typis Wilhelmi Friessem, bibliopolae 
Coloniensis (Fol. 32 p.). 

Ein Jahr nach dem Ableben der Fiirstin Salm verschied ein anderer 
Wohlthciter des Aachener Jesuitenklosters: Graf Wolf ang von Huyn. Er tourde 
in der N&he der Gruft der Fiirstin bestattet und auch ihtn widmeten die Jesuit en 
eine Erinnerungsschrift. GekUrzt lautet der Titel: Lessus genealogicus in 
funere . . . Domini D. Arnoldi Wolfgangi comitis dc Huyn, Gelen et Anstenraedt. 
Coloniae Agrippinae, Typis Wilhelmi Friessem (Fol. 32 p. 1 ). 

Und zum Oktober des Jahres 1669 erschien 2 die „Lcich- und Lob-Predig, 
darin ein griindtlicher und wahrhaffter Abriss der grafflichen Tugenden und 
gottseeligsten Lebens dess .... Herrn Arnoldt Wolffgang .... Graffen von 
Huyn, Gelehn und Ambstenrath" .... 

Gedruckt zu C6lln bey Wilhelm Friessem . . . (Fol. 42 S.) 

Diese Leichenpredigt wurde in der St. Michaelskirche in Aachen gehalten 
und ist namentlich dadurch bemerkenstverth, dass in ihr zwischen dem Kbnig 
Josias und dem Verstorbenen Vergleiche angestellt werden. Eine solche, auch 
im Titel angedeutete Parallele bildet den Kernpunkt der langen Predigt, welche 
in kulturgeschichtlicher Hinsicht auf Beachtnng Auspruch machen darf. 

Relationen und seltene Drucke aus der Zeit von 
1616—1729. 

1. SBaljrer 23crid)t | bnb griinbttdje @rf(a= | rung welder geftattt in bcr 
§. 9*eid)3= | ftatt bnb foniglidjem <Stuet 5Tad) etlidje befe | bafelbft cntftanbcncn 
tumults 9tebe(3s | fitfjrer gur ©jecutton gc* | gogen, | Sftembltd), | 2Bic mit ben= 
felben berfaljren, tmnb teas ein jeber | tnegen fetuer begangcncn 2JMffettyaten fjat 
auftftefjen bnb lety= | ben muff en: <So gefdje^en in 2lad), (Sambftags | beu 3, ®ecem= 
brt«, SKetoen (Satf: 1616 | ©rftltd) gebrucft &u (So'lfo, 3m 3af)r 3R. $(£♦ 36353. 

Aachener Stadtbibliothek. 8°. 18 l h X 14 cm. 2 Bl. 
Das Titelblatt trclgt den Doppeladler. v 

2. Kurtze und griindliche Erzehlung welcher gestalts in der h. Keichs- 
statt und Kdniglichem stuel Aach, etliche dess daselbst entstandenen Tumults 
Redelfuhrer zur Execution gezogen, deren zwech mit dem Schwerd gerichtet 
worden drey aber begnadet, beschehen Sambstags den 3 Decembris. Beneben 
einem schonen Newen Lied. 

Gedruckt zu Colin im Jahr nach J. Chr. G. MDCXVI. 
Klein 4°. 4 S. Bibliothek des germanischen Museums zu Number g (Nr. 
14764); nach Mittheilung des Herrn Geheimraths Professor Loersch in Bonn. 

3. £roft= uttb 2krmatymtng8s<Sd)rtfft an bie arme gerftrewte unb wegen 
ber S3efontnu& befe §♦ ©uangelij betrangte ©tyriften ber <Statt Wad). Statin 

i; Die eben falls mit einer schonen Wappentafel gezierte Schrift ist in meinern 
Besitz. Der Dritck erfolgte wohl jedenfalls deshalb ausserhalb Aachens, weil die Wappen- 
tafel in der Aachener Druckerei nicht hergestellt werden konnte, 

i) Die Schrift ist in meinem Besitz, 

13 



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194 E. Pauls 

sugleid) furfcftrf) unb ^untmatifdjertoeife erge^Iet Kurt ttrie biefelbe %vl unter= 
fdjiebltdjen maf)len nad) bem fie bas (Suangelium (S^rtfti angenommen bi& auff 
biefe 3ett angefodjten unb berfolgct toorben: <&ampt ctftdjen SJkebigren, tine bte== 
felbe iiber ben XLVI unb L $falm furfe gubor bafelbft, el)c fie Don bem Marquis 
Ambrosio Spinola eingenommen unb befefet tnorben, gefyalten ftnb. 

©ebrucft %u Dpptntyxm bet) &teron* ©atfem 3n SBorlegung Levini Hulsii 
SBitttb 1616. 

12°. 180 S. Konigliche Bibliothek in Berlin; nach Mittheilung des Herrn 
Geheimraihs Professor Loersch in Bonn. 

4* ®Iag = 2ob= bub £roft | ^rebtg, bber bie 2Bort be& £♦ $ro | tfjeten 
3ob3 (£ap* 7, berf. U | Militia est vita kominis super Terrain. | 23et) 
(£l)riftltd)er SBegaugnufe befj SBoIgebornen &errn | £errn So I) an n SBernern 
bo'£utyn3fret)s| tyerrn non Slnftenraijt, lefeten biefes @tant= bnnb ^aljnteuS | 
2ftanftd)en @rben, toetlanbt nub 3f)to £od)furftL £>urd)L | ©r^erfeog Seopolb 
Setbregtment in £et^tger @rf)lad)t box 2 + | Nouem. 1642 rttterltd) gebliebene' 
£auptmans, ba er be r 2. | Martii in ber 3fret)f)erttd)fett 2lnftenraf)t (Sf)rift= | 
(£atf)olifd)ent S3raud) nad) mit geburenber | letter ©f)t, berratorei | ©ott &u (S^ren, 
fdiulbiger ©ebedjluufe, mitfeu | bentlidjer Mag bnb £roft gefjaften | $urd) ©inen 
ber Societet Jesu Sprtefter* | Permissu Superiorum | ©ebrudft &u Sladjeu bet) 
§enrid) Suiting | Anno quo | Joannes WernerVs ab HVyn VLtlMVs Baro 
In AnstenraDt | LVgebatVr | 

Aachener Stadtbibliothek. o. J. 4°. 19 X 15 cm- 1* Bl. 

Die Riickseite des Titelblattes enthdlt einfarbiges Wappen, wahrscheinlich 
der Herren von Amstenrath mit der Ueberschrift: Natus Anno MDCXIX. 23. Junij 
und der Unterschrift: Mortuus Anno MDCXLII. 2. Nouemb., wodurch die von 
Haagen Allgem. Deutsche Biogr. I, 417 gegebenen Notizen ergdnzt werden. 

5. Kurtze und warhaffte Erzehlung der uhralten und weitberuhmten 
Kayserlicken Reichs-Stadt Aach, Ursprung und Aufnehmen des schSnen 
Miinsters Erbauung und Zierath, nebst anderer Beschaffenheit sc, welche 
nunmehro aus einer erschrocklichen Feuers-Brunst erfolgten erbarmlichen 
Ruin grosten Theils in die Aschc gelegt. So geschehen den 26. April. 2 May. 
Im Jahr 1656. 

Auf der Riickseite des Titels: Luc. Cap. 13 v. 2. Im Ganzen sechs 
Quartbldtter ohne Jahreszahl und Druckort. An die Beschreibung schliesst 
sich der in Meyers Aachenschen Geschichten S. 655 abgedruckte Brief an. 

Kdnigl. Universit at s- Bibliothek zu Bonn, beigebunden dem „TJnverwelk- 
licher Oesterr. Ehrenkranz von Jacob Sturm" (sul L. g. 90). Nach Mittheilung 
des Herrn Geheimraihs Professor Loersch in Bonn. 

6. Bustura | urbis Aquensis | publico datum, | ab | Hnberto Loyens, con- 
cilij Brabantiae | secretario primario. | Bruxellae. | Apud Franciscum Scho- 
vartinm. 1656. | 

4°. 8 u. 30 S. 18 X U l U cm - Im Besitz von E. Pauls in DUsseldorf. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereicn, dos Buchhandels etc. 195 

7. Catalogus | Praeserenissimorum Principum, | ex | Immortali Archi- 
Ducali Austriae | Domo | in | Romanorum Reges Evectorum, | Cam Annis 
respective et Locis | Nativitatis, Coronationis Germanicae, Obitus, Sepulturae, | 
E Spondanaea Baronii Continuatione etc. | Apposito e Numeris hinc inde 
Metrico Vaticinio. ] Nee non | Symbolicis Eorund. Imaginibus ac Lemmatibus, | 
E Masenii Speculo Imaginum Veritatis Occultae etc. | Denique | Allegatione, 
si quid memorabile accident in Inaugurationibus | Aquisgranensib. Et Mentione 
Causarum, Cur Aliqui ex iis extra | Divorum Carolorum, Aliorumque Ger- 
maniae Augustorum Regiam | Sedem, Aquisgranum, coronati | E Chronicis 
Aquensibus, et Actis Publicis, | In VnlVersae GerManlae gaVDIo sVper 
eLeCtlone, et InaVgVratlone JosephI I | Exhibitus per Henr. JBretoer, Sac. 
Theol. Licentiat. | Qua Suae Caes. Majest Historiographorum minimum. | qVanDo 
et DesVper LaetabatVr Regla seDes, \ CIVItas AqVens XII. Febr. | Praemit- 
titur Origo, Evectio, Potentia Domus Austriacae. | SubnectiturPoetice Prophetia, 
et Benedictio Joseph Hebraei, | Applicata jam Augustae electo, et in Roma- 
norum Regem coro | nato, Josepho Austriaco. | Aquisgrani, Typis Joannis 
Henrici Clemens. | 

Aachener Stadtbibliothek. 4°. 18 X 14 S U cm. 4 B 1 . o. J. 

Die Riickseite des Titelblattes enihalt eine Vorrede des Verfassers, 
Pfarrers an der St. Jakobskirche in Aachen, in der er von dem „recens 
inauguratus Romanorum Rex, Josephus I u spricht; da die Kronung am 
26. Jannar 1690 stattfand, wird die Schrift wohl noch aus demselben Jahre 
stammen. Das gleiche Resultat ergeben die Akrosticha. 

8. Caroli|Magni| Primi e Germanis Romanorum | Imperatoris | Elo- 
gium | Stylo lapidario conscriptum. | Historiarumque Concordantiis et Chrono- 
logia interclusum. | Sive | Ejusdem Natales, Scientia, Bella, Facta selectiora: ! 
In AQuis positae Basilica et Urbs et utrobique Memora | biliora, Coronatio, 
Testamentum, Mors, | Sepultura, Elevatio, Canonizatio, | Progenies etc. | san 
Cto KaroLo Maguo | Yrbls AqVIsgranensIs et JaCobaeae sVae ECCLesIae | Pa- 
rentl, ponlt Past: Henr. BreWer, JVLIaCensIs. | Typis Joannis Henrici 
Clemens. | 

Aachener Stadtbibliothek. o. J. 8°. 18 l j 2 X 15 cm. 2 BL, 23 S. 

Die Riickseite des Titelblattes enthdlt gewissermassen als Motto den auf 
Karl d. Gr. beziiglichen Ausspruch Friedrich Barbarossas aus dem bekannten 
Diplom; die auf dem 2. Blatt befindliche Widmung Heinr. Brewers an den 
pdpstlichen Protonotar Gottfried Moreni ist datirt: Aquisgrani, Kalend. 
Julii An. 1690. 

9. $oettfd)er | Striump^SSagen | Sfoff toelrf)em | $er anber SCANDERBEG | 
S)a8 ift: | $)er imt>crgleid)ticr)e, SBettberiifyinbte umtb | $>apffermut§ige gfiirft unb 
£err, \ £©9tfft | 2ubroig 2Btf fyelnt, | s Iflarggraff gu S3aaben unb | £odjberg, ♦ ♦ 8ieg* 
reid) i)erumgefiif)ret unb gegogen iutrb, | bou bem 2:cutfd)-.gcIiconifc^en $liigel= 
SPferb. | Auct. Johann. Georg. 23eimev | 3m 3al)r 1695. 

Aachener Stadtbibliothek. 8°. 19 X *5 cm., 28 S. 

13* 



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196 E. Pauls 

Die Riickseite des Titelblattes enthalt eine f „Aqnisgrani 1695 2. Aprilis" 
datirte Widmung des Verfassers an den Magistral von Aachen. 

10- Relation | Sber ber 9Wmifd)er ®atferlid)er | 2ttajeftat | Caroli VI | 
3n bero ®tfniglidjem 6tul)l, taijferlidjen unb | bes Jgeiligen ^omifdjcn 9fatdj$ | 
Sfrerjer | <Statt*2Iadjen | 3n Novembri 1717 befdjetyenen | £iilbtgung«-Act. | Am 
Schluss: ©ebrucft in Sladjen, | 23et) Arnold Metternich, 23ud)fitl)rer 1717. 

Aachener Stadtbibliotliek. 4°. 19 l \^ X 14 l l* cm. 1 Bl, 10 S. 

U. ©locfletn im 23aumgarten j ober | ©etoalttger, | <Sturmtt>inb | fo am 
fflnff ten 2)ienftag in ber gaften, | ben 5. £ag 2ttonats Aprilis, bes 3a§r3 1718, | 
in ber ®ird)en | P. P. Dominicanorum in 2lad)en | entftanben; | ber | ©efammten 
<Stabt=2fod)if d)en S3nrgerfrf)aff 1 1 sum (Spiegel Dorgeftettet j bur $ | (Sari ALEXANDER 
De COUET, | beg | tonigli^en <Stuljl8 unb Jgeiligen 9*omifd)en | fteid)$ fretjen 
<Stabt 2(ad)en | &aupt*Secretarium. | ©ebrncft im Satyr 1718* 

Aachenener Stadtbibliotek. 4°. 18 l / 2 X 15 X U cm 

Infolge mehrfacher falscher Paginirung 40 S., thatsachlich nur 39 S. 
Die Schrift bezieht sich auf den Ha a gen, Geschichte Achens II, 310 ff. 
erwahnten Streit des Magistrats mit einem neu entstehenden Nonnenkloster, 
welches der Magistrat zu verhindern suchte '. 

Um zur Kalender- und Zeitungsliteratur iiberzugehen, so bildeten 
Kalender ehemals ein Mittelglied zwischen historischen Relationen 
und Tages- oder Wochenzeitungen. Mit diesen hatten sie meist ein 
regelmassiges Erscheinen in periodisch wiederkehrenden Fristen 
gemein, unterschieden sich indes wesentlich durch das Fehlen jedes 
Berichts tiber die politischen Ereignisse des abgelaufenen Jahres. 
Sogenannte Comptoir-Kalender, welche in verschiedener Form und 
unter verschiedenen Titeln schon lange vor 1816 in den Handel kamen, 
werden hier ubergangen. 

Kalender und Heiligthumsfahrtbuchlein. 

1. $>es | ®6nigiid)en <&tuf)l& j unb ber | ^aiferlidjen fretjen 9*eid)8=<Stabt | 
Sladjen | Sftatl)^ | unb | <Staat$^alenber | ober | Schematismus | auf bas 3af)r 
(Styrtfrt | 1779. | 2Kit ^tfmifd)4?atferlid)er 9ttaieftat | aUergnabigftem Privilegio | 
aud) | ®es £od)ebeIn (Stabteftattys befonberer | (Senfur unb f5rct)I;eit. | Slacken, 
bet) Jpeinridj SHtlje 23ud)l)dubler | in ber @djmibs<Strafse | 

Aachener Stadtbibliothek. 101 S. 12°. 14X9 cm, Titelblatt mit dem 
Doppeladler. 

i) In kulturgeschichtlichem Interesse ware die Wiederauffindung einer wahrschein- 
lich im An fang des 18. Jahrhunderts ersehienenen Komodie „Die Kinderzucht in Aachen" 
iciinschenswerth. Verfasser ist ein zu Aachen in den Jesuitenorden getretener Sohn von 
Gripellos, des Giessers der Ku/rfilrstenstatue in Diisseldorf. Leider ist der Druckort 
sowie die genaue Zeit des Erscheinens der Komodie ebenso unbekannt, ivie die SpracJie, in 
welcher von Qripello sie lierausgab. Einige Anhaltspunkte bietet ein Aufsatz von Muller 
in Quix, Wochenblatt fiir Aaclien und Umgegend 1837, Nr. 54, S. 215 f. 



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Beitrage zur Gescliichte der Buchdruekereien, des Buchhandels etc. 197 

2* $>e§ | toniglidjen @tu$l0 | unb (SronungS^Iafc | £at)ferlicf)er $ret)er | 
9tad)§;§rabt | 21 ad) en | <Sacf^oIenber | Stuff baS 3af)r | Matf) ber ©nabeurei* | d)tn 
®eburt imfetes | £errn | Jesu Christi | MDCCXXXXII | 3um fed)§8efmrenmaf)l 
aufgangen | $la$ | in SBerlag 3of)an &ouben | in grofe (Soltnevs@traf5 im | ®onig 
SDabib- | 

J0. P. 1 Titel und 69 S. Text. 12°. 10 l \ % X 5 cm. 

3. Almanac | du Luxe | et | des modes | pour PAnnee | M . DCC . XC VI . | 
Jusgu'a Janvier 1797. | avec la correspondance du ] nouveau Style. | Aix la 
Chapelle, | Chez Augustin Dreysse. | Libraire. | 

Geheimrath Professor Loersch in Bonn. 12°. 10 X 6 cm. 15 Abbildungen. 
70 p- u. 208 i). u. Table des pertes et gains au jeu (32 p.) 

4. ftalenber | obcr | $oIitifd)e§ | £afrf)enbudj \ fitr | has W 3a$r | ber | 
^rangofifdjcn Sftepublif, | ^erausgegeben | gum 23el)ufe ber offentlic^cu 23eamren | 
groifdjen 9flaa», Sftfjein unb Sftofel. | Slacken, | 3nt $erlage ber £oubbenfd)en 
SBuc^anblung, 9ko. 127 | 

E. P. 28 u. 58 S. 8 vo . 15 X 9 cm. 

5. ^alenber | fitr bas | 2tuf)rs2)et)artement | auf ba§ | VII. 3af>r ber 
granfen^epublif | mit | ^iftorifdj^ftatiftifc^en Slmuerfttngen | nebft | boffftanbtgem 
9lamen^er5eid)niffe | atter | fouftituirten ©eroalten unb offeut* | Udjeu 23eamten. | 
ftoln, | gebrucft unb berlegt bet 3- 2ftatf)ieuE, 9lx. 2123, | iu ftotnmiffion bei 
3- $♦ aafftbamu*, Wo. 2115. | Sfodjen, I in ^ommiffion bet 3* fcuffge, Mr. 365. | 

E. P. 146 S. u. 2 S. und „lnha!t u . 8™. 17 l j 2 X 10 l \ % cm. 

G. §iftorifd)^taatiftifd)e§ | £afdjenbudj | fitr ba89htf)r*2)epartentent.| 
bon | S3iirger SBafferfatf, | 3eutral=S5ermatter. | 3crtjr VIII ber frdnfifdjen dlfyu* 
bltf. | ^obiens, | bei 23iirger Saffaulj Wxo. 420. | 2 

E. P. XVII S. u. 25 S. u. 130 S. Klein 4°. 11 X l /« cm - 

7. Almanach | du Departement | de la Roer, | an XIII de laRepublique | 
et I er de 1'empire. | 1804=1805. | A Aix-la-Chapelle, | Chez J. G. Beaufort, 
Imprimeur de la prefecture, | Grand' Place, No 775. | 

E. P. IV p. et 16 p. et 194 p. Klein S vo . 14 X 9 cm. 

8. Annuaire | du | Departement | de la Roer, | pour Pannee | 1809. | 5 e 
annee de PEmpire francais. | A Aix-la-Chapelle, | Chez J. J. Bovard, Impri- 
meur, | rue Sandkoul, No. 272. | 

E. P. 211 p., une Table des Matieres 5 p., une liste alphabetique des 
Communes etc. 71 p. 6°. 20 X 12 cm. 



i) E. P. bedeutet hier und im Folgemlen, dass ich den Titel nach einem in meinem 
Besitz befindlichen Original gebe. — Auf den Inhalt dieses Kalenders iverde ich in einem 
der nachsten Biinde in einem besondern kleinen Artikel zurCickkommen. 

2 ) Wird trotz des ausserhalb Aachens liegenden Druckortes hier angefiihrt, tceil 
Aacfien die Hauptstadt des Koer-Departements icar. 



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198 E. Pauls 

9* Stacker | £af ^en^alenber | auf | ba% Saljr 1814. | Sfodjen, | ©ebrucft 
unb $u ftnbcn bety 3* SB* SScaufort, | in bcr SPctcrftrafec, Sir* 596; unb in | alien 
fn'efigen 23udf)f)anbluugen. | 

E. P. 128 S. 12°. 10 X 6 l l 2 <> m > 

Haagen erwahnt an zwei Stellen (Geschichte Achens I, S. 223, 
Anm. I und II, S. 692) einen Aachener Stiftskalender zum Jahre 1761. 
Aus Haagens Angaben geht indess hervor, dass der Name „ Stifts- 
kalender" nicht eben glucklich gewahlt ist, weil es sich nur urn ein 
kunstvolles Erinnerungsblatt an die kirchlichen Wxirdentrager der 
Marienkirche im J. 1761 handelt. Aachener Stiftskalender — selbst 
wenn man unter Kalender hier nur ein periodisch erscheinendes 
gedrucktes Verzeichniss des Personalstandes des Kronungsstifts ver- 
stehen wollte — sind meines Wissens nie gedruckt worden. Ein der- 
artiges Verzeichniss wurde alljahrlich dem Aachener Raths- und 
Staastkalender einverleibt. Nachweislich erschienen dagegen, wenig- 
stens mit demBeginn des 17. Jahrh., von 7 zu 7 Jahren gelegentlich 
der Ausstellung der grosseren Reliquien sogen. Heiligthumsfahrtbtich- 
lein, welche urspriinglich das Stiftskapitel herausgab. Nachstehend 
der Titel eines in meinem Besitze befindlichen Exemplars aus dem Jahre 
1643. 

Septennale | Jub ilaeum j Aqisgranense. | $)ci3 ift | ©etftltcfye Inuitation bnb | 
£abung (Sines ©f)rttriirbtgen (SaptttelS | SSnfer £. gfratoeu ®ird)e, tm tomglicljen | 
@tuel bnb $eicf)ftatt Wad), 3u ben Sfteltqmen | Unb getligtumb, fo bi& lanffenbt 
3a$r 1643. | bom 10* Sulij btfe auff ben 24 beffelbigen | 2ftonat§ offentltd) 
bent (£f)riftlitf)en %old natf) cittern tool! | I)ergebrad)ten 23raud) bafelbften gegeiget | 
foil toerben* | 3um 2 * ®urfce SScrgctdjnufe ber bor | nemften Reliquien, fo im 
felbigen Sauctu | ario bctyalten bnb eroffnet tocrben. | 3«nt 3. bit Proclamation 
ober 2Infc | rnffnng bem bier erften bnb bovnembften | 6tucf, fo bent (Sf)riftltd)en 
25oIcf gejeiget toerbeiu Wtbtn | bet)gefiid)ten furfeen ©ebett bnb 23e | tradjtungen. | 
©etrucft gn Slacken, bet) £enrid) putting. | 3m 3af)r 1643. | 

12°. 14X9 cm. 32 S. Zivischen S. 24 und 25 eine Abbildung der grossen 
und kleinen Reliquien der Aachener Marienkirche. Auf S. 2 der Hymnus 
v O Thesaure pretiose* ; S. 3—23 eine vom Aachener Kapitel verfasste Dav- 
stellung der katholischen Lehre ilber Beliquienverehrung ; S. 24—27 Verzeichniss 
der 'Reliquien; S. 28—32 Wortlaut der bei der Zeigung gebrauchlichen Aus- 
rufung (Proclamation) und Gebete. 

Ein noch alteres, auf die Reliquien der Aachener Marienkirche 
bezugliche Heiligthumsfahrtbuchlein aus dem Jahre 1609 befindet 
sich in der Koniglichen Bibliothek in Berlin. 

Heiligthumsfahrtbuchlein des 18. Jahrhunderts sind fur die 
Ausstellung der Reliquien des Aachener Doms (Marienkirche) sehr 
haufig. Viel seltener sind Btichlein, welche das Benediktiner-Kloster 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Bucbhandels etc. 199 

Cornelimiinster und das St. Adalbertsstift in Aachen wahrscheinlich 
erst nach 1650 von 7 zu 7 Jahren gelegentlich der Heiligthumsfahrt 
herausgaben. Ein Exemplar des Jahres 1685 verzeichnete ich fur 
Cornelimiinster in den Annalen des hist. Vereins f. d. Niederrhein LIE, 
S. 164; fur St. Adalbert besitze ich: 

Syllabus | S. S. Reliquiarum | quas | S. Adalberti | collegiatac iinpe- 
rialis eeclesiae | fundator | S. Henri c us | R. R. Imperator | sacram in dotem 
illi legavit Anno 1005. | Aquisgrani. | Ad majorem Sacri hujus Thesauri noti- 
tiam, Divorumque Iui- | perialis nostrae Urbis Praestitum Venerationem 
recusus; | perque brevem de justissimo ae saluberrimo Sanctorum, | S. S. Reli- 
quiarum, ac Imaginum Cultu Disser- [ tationem Polemico-Asceticam auctus 
pro solemni | Lipsanophania Anni 1727 mI * | Permissu Superiorum. | Coloniae, 
Typis Caspari Drimborn, in Platea lata. | 

Titelblatt mit dem Bilde Kaiser Ileinrichs des Heiligen und enter Wappen- 
tafel mit der Unterschrift: „Johan von Hauseltt fecit"; dann vorstehender 
Titel und 4 l l 2 S. lateiniachen Textes: einer Aufzahlung der im St. Adalbert s- 
stifte zu Aachen vorhandenen Reliquien und kurzen eingeflochtenen meist geschicht- 
lichen Erlduterungen. 4°. 19 l j 2 X 16 cm. 

Bedeutend werthvoller ist ein im Jahre 1776 erschienenes Heilig- 
thumsfahrtbuchlein des Adalbertstifts mit dem Titel (hier gekurzt): 

Umftanblirf)er 23evid)t | uon ben £♦&♦ Reliquien, | roeltfje in ber uitmittel* 
bar Slaifer^ | lid) freijcn @tift»4Hrdje gu @t. Slbalbert | in ber *ftcicf)8 <Srabt 
Sfadjen befinbltd), unb | in ber fo genannten 5(adjener £eittfltlnnn«s | ^fafjrt bent 
berfantmelteit 23olfe tdglid) | oorgegetget toerbeu. | ♦ ♦ 

Dieses BCchlein (X<\ 16 X 9 l j 2 cm -y ^ & Text) enthdlt nicht nur werth- 
voile Notizen zur Geschichte der Reliquien und des St. Adalbertstifts, sondern 
namentlich auch eine grosse Abbildung von 8 Reliquienbehdltern und dem die 
St. Adalbert ski rche in der rechten Hand tragenden Kaiser Heinrich II. Unter 
der Abbildung eine Widmung an den Dechant und das Kapitel von St. Adalbert 
mit der Unterschrift: Abraham Hogenberg dedicabat. Anno 1632. 

Bis jetzt bekannte alteste Abbildung (15. Jahrhundert) der 
grossen Aachener Reliquien mit kurzem Text in: Zeitschrift des 
Aachener Geschichtsvereins VII, S. 125 if.; Titel eines Aachener 
Heiligthumsfahrtbuchleins voin Jahre 1622 in: Hartzheim, Biblio- 
theca Coleniensis S. 13 unter Albertus Pictorius aus Burtscheid. 

Zeitungen und Zeitschriften 1 . 

L Ordinari | ftat)fer(, fteidjSsStabt 3iad)ifd)e ^oft^eitung | 2iuf SDtcnftag 
ben 15. (September 1739* | 

E. P. 4 S. 4°. 20 X 16 cm. Erschienen sett 1729. 



i) Die Titel der mir nicht zuganglich gewordenen Zeitungen umgebe ich mit einer 
eckigen Klammer. Auf dem Titel befindliche Figuren bleiben unerwdhnt. 



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200 E. Pauls 

Aelter noch ist ein Beiblatt: ©errucft (!) in Slacken bet) Solemn ©gib (Son* 
ftanrin WIMtx 6tabkS3ud)brucfern | 1738. | unter dem Titel: Extraordinaire 
eingelauffene 9todjridjten | Sluff (Santbftag btn 26* 3uliu | 

E. P. 4 S. 4°. 19 X 15 cm. 

SpcUer mehrfache Titeldnderungen, dabei im Wesentlichen: Kayserlich 
freye Reichstadt; des Konigl. Stuhls und Kayserlich freyer . . . .; Aachische 
.... Aachen .... Stadt Aachen .... Stadt-Aachener Zeitung; erst seit 
Neujahr 1849: Aachener Zeitung. 

Das einzige Inserat in der Nummer vom 15. September 1739 lautet: 
N. B. @8 toirb alien unb itbtn ©artneren %\x toiffen gettyan, ba& attfjier gu 
SMcfouen ungefeljr ein biertel 6tunb toon fjtefiger $ltid)&<&tabt Slacken gelegen, 
tin fd)on grower ©arten, mit atferfjanb foftlidjen Obft=a3aumen, unb barnebenbet) 
$ofy Wxt^tn bon oljngefeljr 3. Sflorgen grofe, tt>ie and) bit 293et)er-$amtneu mit 
anhfy fjabenber guten 2M)nung unb ©tattung nor eiuen btffigen $reifj s u Ders 
pfad)ten tft; 2Bann nun jemanb barp £uft tragt, fan fid) altyier in ber Wlaufc 
ant 9ftiinfter=S!ird$of angebcm 

2. [Interessante oder nutzlich vergniigende Zeitung. 1771.] 
Angezeigt in zwei Anzeigen der Aachener Zeitung vom 5. Juli 1771 und 

23. August 1771. 

3. Ao. 1772. Num. 1 1 ftatferl. 9ieicf)8= | $oft*9lmt9* | 3ettung %u 2lad)eu. | 
Tlit Reiner Mm. ^aiferL | 3Wajeft attergnabigftent | Privilegio. | 

Aachener Stadtbibliotheh. 4 S. 4°. 20 l j 2 X # l /i cw. 

4* 2)er | 9ftenfdjeufreunb, | eine | SBod&cnf thrift. | ©efd)rieben in ber 
gretjen 9faid)§ <Stabt | Slacken fift bag 3af)r 1772. | Don | gribrid) $ret)f)errn 
toon ber £rencf | ®aifer( + ®5nigL Dbrtfttoad)tmeifter. | Practica duce doceo. | 

Konigl. Univers.-Bibliothek zu Bonn. 8°. 17 X 10 l j 2 cm. Erschien als 
Beilage zu der unter 3. erwdhnten Aachener Postamts-Zeitung . Die einzelnen 
Nummern sind verschieden betitelt und je 8 Seiten stark. Die erste fiihrt den 
Titel: 2)er | 3}lenfd)en-?Jreunb | eine | mit Sfloral unb ©ebid)ten toermifefyte | 
2Bod)enfdjrift | No. I. | 

5. [La soiree amusante.] 

In Aachen erschienen laut langerer Anzeige in der Gazette de Cologne 
vom 24. Dezember 1773. 

6. Liste | Des [ Etrangers | Venus aux Eaux Minerales | D'Aix La 
Chapelle | Pour La Saison De L'An 1779. | Imprime par Jean Guillaume 
Muller | Imprimeur de la Vilie. | 

Aachener Stadtbibliotheh. 4°. 22 X *$ cm. 

Seit 1783 lautet der Titel: Liste | Des Seigneurs | Et | Dames | Venus 
aux Eaux Minerales D'A.; spdter noch ofters verdndert. 



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Beitrage zur Gcschichtc der Buchdruekereien, des Bucbhaudels etc. 201 

7, SPoIttifdjer | Wltxtux | fur bie | ^icbcm ftctd&Slanbe. | Mihi Galba, 
Otho, Vitellius, nee beneficio, nee injuria | cogniti. ] Tacit. | ©rfteS 23ierteljal)r, | 
1790, | 

Aachener Stadtbibliothek. 8°. 18 X 10 l / 2 cm. 

Die erste Nummer unter dem Titel: A°- N°* I. 1790. | $JS 1 1 1 1 f rf)er 
9tterfur. | $onnerftag ben 1* 9lpri(. | 

Diese erste Nummer zahlt 22 Seiten : jede folgende meist 8 S. Titel seit 
2. Juni 1791: STadjner 3ufcf)auer. | Mt ftatferlid)er Sret)I)ett | 

Das „tylit Sfruferlicfyer %Xfy\)t\t" fiel wdhrend der Fremdherrschaft fort. 

8. 2ln. Wo. I. 1794. | 2lad)ener 2$af)rf)eit8frcuub. | (Somttag ben 

5. Qanner. 

Aachetier Stadtbibliothek. 8°. 17 l j 2 X 10 cm. 8 S. 

Spfiter vielfach Wechael zwischen den Titeln Aachener Wahrheitsfreund 
und Aachener Merkur. Fur sehr kurze Zeit: Neuer Aachener Merkur. yt. xo j, 
1807. | Sfteuer 2lad)ener 2ftcrhtr. | ®tenftag btn 29. Member. | 

E. P. 4°. 24 X 10 cm. 

9* SBrutus | bcr | ?5ret)e / | eme | 3ef)ntagg=6d)rtft | uou | 23rutus 23ier= 
gems. | (5-rfies mtb %tott)tt% §efr. | gre^2lad)en, I int 4ten 3<rf)r bcr etmgeu 
itnjert^etlbaren Sftepublif. | 

Kolner Stadtbibliothek ; Titelblatt: Vorbericht 2 S., Text 44 S. 8°. 16 X 9 cm. 

10* [3ettgefd)id)tc. JperauSgegeben uon Qofepr) Dffermanns.] 

Bekannt nur die Erlaubniss des Aachener Baths zur Herausgabe vom 

28. April 1797, sowie eine Erwdhnung in Nr. 134 vom 9. November 1797 des 

Aachner Zuschauers. 

11. (N.o I.) Anzeiger. | des Ruhr Departcments | Aachen den 13. Floreal, 

6. Jahrs. | 

E. P. 4°. 23 X IS cm. Die erste Nummer erschien also am 2. Mai 1798. 

12* [2fad)iter Stciata, SfricgS uttb ge(ef)rtc Sftadjrtdjteiu Nouvelles littSraires 
d'etat et de la Guerre. §ercui8gegebcu oon Setften. 1800J 

So lautet der Titel in einem amtlichen Berichte vom 10. Februar 1800 
(Aachener Stadtarchiv), 

13. Recueil | des | actes de la prefecture | du | dGpartement de la Roer. | 
Tome premier. | Premiere partie, j contenant les actes ejnan6s du I er vend6- 
raiaire XI, | jusqu'au 16 frimaire meme ann6e. | €>ammlutrg | bcr 2(fte ber 
^rafeftur | be§ ^oer=3)epartement§. | (Srfter 23anb. | ©rfter %l)t\l, | toeld)cr bie= 
jenigen <StMc entfjatt, bie uom lten 23enb. XI bte 311m | 16ten grimaire nam- 
Itcr)en 3af)r8 ertaffen toorben fiub* | 

E. P. Gross 4°. 24 1 l 2 X *9 l l 2 cm - Dat ^ n aJso: 2S - September 1802 bis 

7. Dezember 1802. 



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202 E. Pauls 

Vorstehendem Titel des ersten Bandes geht ein fast vollstdndig bedruchtes 
Bkttt vorher: Recueil | des lois, arrdtes et regiemens | dont les Consuls ont 
ordonne et ordouneront Pexecution | dans les quatre Departemens, a compter 

du I er Veu. | demiaire an XI, etc ©ammlwtg | ber ©efefce 

(folgt deutsche Uebersetzung des franzosischen Textes.) 

14* [©emeiunu^tge ntebigintfd)e 2Bocr)enfcf)rift. £erau§gegeben toon mefjrereu 
Slrgtetu 1803J 

' Mehr nicht behannt als eine lange Ankiindigung in Nr. 15 des Aachener 
Merkur vom 3. Februar 1803. Das Blatt sollte wochentlich in der Stctrke eines 
halben Bogens zu Aachen erscheinen. 

15* [2)er ©emeinniifctge. $erau§gegcben toon ®arl (siitfc 1804.] 
Ein Blatt unter diesem Titel und Redakteur erhielt nach Kdntzeler am 
1. OJctober 1804 die Erlaubniss, in Aachen zu erscheinen. 

16. Samedi. 30. Frimaire an 14. (N.° 45) 21. December 1805. | Le 
Postilion de la Roer. | 

E. P. 4 S. 4°. 27X20*j 2 cm. Das Blatt wird schon zum Jahre 1802 
erivdhnt. 

17. SlUgemeiuc 3eitung | Gazette Universelle 1808* 

4°. 26 X ^1 cm. Vom 1. Januar 1810 an Folio. 31 X 22 cm. Das 
Blatt erschien alle zwei Tage im Umfange von 4 S. Vom 2. September 1809 
an erschien es franzosisch und deuisch unter dem Namen: Gazette Universelle. 
5lffgemetne 3 et *uug* Von Nr. 158 (1810 Juli 16) an filhrt es den Nameti: 
Gazette Universelle D'Aix-la-Chapelle | 3lad)ener Slttgemeine 3 e ^ung» 

Die Aachener Stadtbibliotheh besitzt Nr. 1—276 (1808 Marz 1 bis 1809 
August 31) und Nr. 1—240 (1810 Januar 1 bis Dezember 29). 

18. N.° 4. An 1811. | Empire Franc, ais. | Journal de la Roer. | Aix- 
la-Chapelle, Vendredi 4. Janvier. 2lad)CH, fjreitag ben 4. Samter* | 

E. P. Folio. 31 X 22 cm. 

19. (N.° 30.) |Feuilled 'An nonces | d'Aix-la-Chapelle. | Samedi, le 
13 Avril 1811. | 

E. P. 4°. 28 X 21 l l % cm. 

20. (N.° 95.) Feuille D'Afliches | Annonces (!) et Avis divers | D'Aix- 
la-Chapelle | Samedi, 27 Novembre 1813. | 

Aachener Stadtbibliotheh. 8°. 21 X 1% cm. 8 S. 

21. [2lttfmtbigung8b(att ber <&tabt Slacken-] 

Erschien im J. 1814 und wurde im selbigen Jahre durch das unter 22. 
folgende Journal d'Aix-la-Chapelle ersetzt. 

22. (N.° 148.) Lundi, le 26 Septembre. (1814.) | Journal d'Aix-la- 
Chapelle. | 

E. P. 4\ 28 X 2P/ 2 cm. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 203 

23* Oflro- L) ! SourncU be$ 9Heber*9fti)einS. | Slacken, $>ienftag ben 
15ten Wax* 1814. | 

E. P. 4°. 27 X 2P) 2 cm. Votn 16. Jiini an lautete der Titel: Journal 
des Nieder- und Mittel-Eheins. | Journal du Bas-llhin et du Rhin-Moyen. | 

24. 8fott»*8Iatt | be$ | ffloer^epartementt I 1814. 

Aachener Stadtbibliothek. 4°. 24 X 21 cm. Die erste Nitmmer dieses 
Blattes erschien am 17. Mai 1814. 

25. (N.° 151.) Dimanche, le 2 Octobre. (1814.) | Le Nouvelliste | 
d'Aix-la-Chapelle. | 

E. P. 4°. 25 V 2 X 20 l U cm. 

26. Aachen, N.° 1. | Dienstag, den 17. Jiinner 1815. I Aurora. | 
E. P. 4°. 27 l l 2 X 2P\ 2 cm. 

27. (9ho. I.) Sfodjetter Sntetttgena^latt | Wlitttvod), ben 18.3anuor 1815. | 
Aachener Stadtbibliothek. 4°. 26 X 20 cm. 4 S. 

28. 3fait8=83fott | ber | ftegternng %\x 2lad)en | Sto, 1. 1 Slacken, 6amftag 
ben 27. Styrtl 1816 | 

Aachener Stadtbibliothek. 4°. 20 X IS cm. 



Anhang II. 

Bibliographische Notizen aus iiltern Aachener Zeitungen 
und Zeitschriften. 

Ein Hinweis auf die in den altern Zeitungen und Zeitschriften 
erwahnten Schriften, insoweit diese auf ortsgeschichtliches Interesse 
Anspruch machen konnen, ist in mehrfacher Hinsicht nicht ohne 
Werth. Manche Flug- und Gelegenheitsschriften, welche ihrer Zeit 
grosses Aufsehen hervorriefen, kennen wir heutzutage oft nicht ein- 
mal dem Titel nach; anderseits mangeln uns beziiglich bekannterer 
Blicher meist bestimmte Angaben uber den genauen Zeitpunkt ihres 
Erscheinens, den ursprtinglichen Ladenpreis, Neuauflagen und andere 
Einzelheiten. Zeitungsnotizen geben mitunter einigen Aufschluss 
oder willkommene Anhaltspunkte zur Beurtheilung bibliographischer 
Rathsel. 

Die nachstehenden, derZeitfolge nach geordneten Notizen konnen 
auf Vollstandigkeit schon deshalb keinen Anspruch machen, weil 
die Jahrgange so vieler Zeitungen nur sehr unvollstandig vorliegen. 
Ausser den in Aachen gedruckten oder dort verfassten Schriften 
benicksichtige ich solche Druckwerke, welche zur Kenntniss der 



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204 E. Pauls 

geschichtlichen oder kulturgeschiclitlichen Verhaltnisse in der Aache- 
ner Gegend Beitrage zu enthalten scheinen. Die Zeit vor der Fremd- 
herrschaft liefert nur eine kargliche Ausbeute, da die damals in 
Aachen erschienenen Schriften tiberwiegend Streitschriften in Sachen 
der politischen Auflosung waren, welcher Aachen schon lange vor der 
Fremdherrschaft unaufhaltsam entgegeneilte. Derartige Veroffent- 
lichungen wurden in der Tagespresse ebenso todtgeschwiegen, wie 
die Ereignisse, denen sie ihr Entstehen verdankten. 

Ueber Schriften religio'sen Inhalts hier nur Folgendes. Mehrfach 
sind Hirtenbriefe * und Fastenverordnungen angezeigt, welche an- 
scheinend von Jahr zu Jahr herausgegeben wurden, mit Ausnahme 
einiger in kirchlicher Hinsicht truben Jahre im letzten Jahrzehnt des 
vorigen Jahrhunderts. Fand, wie es von Zeit zu Zeit vorkam, ein 
kirchliches Jubilaum statt, so gab dies zu besondern Veroffent- 
lichungen Anlass 2 . Wahrend des Bestehens des Bisthums Aachen 
erschienen wiederholt „Directorium dioecesis Aquisgranensis und 
Festa propria dioecesis Aquisgranensis" 3 . Katholische Katechismen 
fehlen in jden Anzeigen. In der letzten Halfte der Fremdherrschaft hielt 
die Regierung auf das Strengste darauf, dass nur der im J. 1806 „zum 
Gebrauch aller Kirchen des franzosischen Reichs" eingefuhrte Kate- 
chismus bei der Ertheilung des Religionsunterrichts zu Grunde gelegt 
wurde. Noch im April 181 1 liess die Behorde alle anderen in den Buch- 
handlungen befindlichen Katechismen mit Beschlag belegen 4 . Doch 
schon unterm 29. Juni 1814 verbot der Generai-Gouverneur vom 
Nieder- und Mittelrhein im Einverstandniss mit den General- Vikarien 
den Gebrauch dieses „sogenannten Katechismus-Napoleon" zur Ver- 
hiitung der Verbreitung „willkuhrlicher Kirchen- und Religions- 
lehren" 5 . 

Ein seiner Zeit in Aachen beriihmter Kanzelredner war der 
Domherr Peter Gozargues 6 . Dieser beabsichtigte im J. 1810 in 



l ) In den Hirtenbriefen finden sich manche fihr die Kirchen- und Knlturgeschichte 
wichtige Anhaltspunkte. Hochinteressant ist namentlich Berdolets erster Hirteribrief im 
J. 1803. 

*) Solche Jubilaen flelen z. B. in die Jahre 1776, 1791 und 1805. Zu vgl. die An- 
zeigen in: Aachener Zeitung vom SO. M&rz 1776, 7. Mai 1791 und im Aachener Merkur vom 
14. Februar 1805. 

*) Anzeigen im: Aachener Merkur Nr. 142 vom 28. November 1805 und Nr. 176 
vom 15. Dezember 1807, sowie in Nr. 2 des Aachener Wahrheitsfreund vom 3. Jamiar 1815. 

*) Kdntzeler, Beilage zum Aachetier Anzeiger Nr. 99 vom 27. April 1873. 

6) Journal des Nieder- und Mittel-Rheins Nr. 11 vom 9. Juli 1814. Nach 1814 
finden sich verschiedene Anzeigen, in uelchen der romische Katechismus der Aachener 
Diozese angeboten wird. 

6) Vgl. Haagen, Geschichte Achens II, S. 441; franzosisch lautet der Name 
Gauzargues. 



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Beitrage zur Gescliichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 205 

einem zweibandigen, etwa 700 Seiten starken Werke „ seine Sitten- 
Lob- Leichenreden und Predigten, gehalten unter der Regierung 
des Bischofs Berdolet bei alien Gelegenheiten, wodurch sich die 
Regierung Napoleons des Grossen auszeichnete", zum Subskriptions- 
preise von 9 Francs herauszugeben *, scheint indess seine Absicht 
nicht verwirklicht zu haben 2 . 

Im Nachstehenden wird die von der Stadtbuchdruckerei gelieferte 
Zeitung, deren Titel haufigen Aenderungen unterlag, einfach mit 
Aachener Zeitung bezeichnet. Bekannte Werke finden wenig Beruck- 
sichtigung und sei hier, da ein Nachschlagen der Anzeigen sich in etwa 
lohnt, nur hingewiesen auf den Neudruck der Chronik von Noppius 
laut Aachener Zeitung vom 10. September 1771, 18. Oktober 1771 
und 4. Juni 1774; Meyers Aachensche Geschichten laut Aachener 
Zeitung vom 18. Marz 1775, 6. Mai 1775 und 23. Marz 1782; Meyers 
Aachener Fabriken, langere Besprechung im Aachener Merkur vom 
11. August 1807; Meyers Aachener Bogenschiitzen, Besprechung im 
Aachener Merkur vom 3. Februar 1803; Meyers Reliquien laut 
Journal de la Roer vom 17. Juli 1811; Golberys Considerations sur 
le departement de la Roer, Besprechung im Journal de la Roer vom 
14. August 1811. 

Die in derRegel dem genauen Wortlaute nach nicht vorliegenden 
Titel kiirzte und anderte ich mehrfach unwesentlich. 

1772. 

Aachener Zeitung vom 4. Juli. 

Kauflich: Der verntinftige Zuschauer bey dem Narren-Spitale zur bequemen 
Verbesserung vieler Fehler und wahren Einsicht in die Thorheiten der Menschen. 
Entlehnet aus den besten Schriftstellern jetziger Zeiten zur wahren Auf- 
munterung, Gemtiths-Ergotzung und zum Vergnttgen in alien Standen beyderlei 
Geschlechts Amts und Wlirden, wovon die Fortsetzung von dem Beyfalle des 
Publikums abhanget. 

Wahrscheinlich in Aachen verfasst. Der Stil erinnert lebhaft an Friedrich 
von der Trench. 



i) Gazette universelle — Allgemeine Zeitung 1810, Nr. 168 vom 5. August. 

2) Die meisten dieser Reden sitid in Sonderabdriicken erschienen. Ich besitze die- 
jenigen: vom 25. Marz 1805, gelegentlich des Jtibilaums im Aachener Militdrspital pour 
ranimer dans le coeur des soldats I'attachement auxprincipes religieux; vom 30. M&rz 1805 
gelegentlich des Schlusses des Jubildums; vom 27. April 1805 gelegentlich der Leichen- 
feier fiir den Soldaten Maria Joseph Napoleon natif d'Egypte, converti a la foi catholique; 
vom 15. August 1806 (Napoleons fest) ; vom 1. Februar .1807 gelegentlich des Te Deum im 
Aachener Milnster fiir die von Napoleon I. errungenen Siege; vom Dezember 1807 zur 
Erinnerung an Napoleons Kronung und den Sieg bei Austerlitz; vom 16. August 1808 
(Napoleonsfest) ; vom Dezember 1808 zur Erinnerung an Napoleons Kronung; vom 
1. Januar 1809 gelegentlich des Te Deum im Aachener Miinster fiir die in Spanien 
errungenen Siege; vom 15. August 1809 (Napoleonsfest). 



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206 E. Pauls 

1774. 

Aachener Zeitung. 1. Oktober; 3. Dezember. 

1. Kduflich: Oraison funebre da tres grand," tres haut, tres puissant . . . 
Prince Louis XV., roi dc France. 

Schwerlich in Aachen gehalten; dort verbreitet wegen der Ueberbringung 
des Leichentuchs Ludwigs XIV. Vgl. Quix, Munsterhirche ; genauer in der 
Kaiserlichen Reichspostamts-Zeitung zu Aachen des Jahres 1774. 

2. Erklarung Friedrichs Freiherrn von der Trenck, dass er nicht der 
Verfasser eines im Frankfurter Staats-Ristretto angekiiudigten neuen Werkes 
„Verliebte Gedichte eines Gefangenen", verfertigt in Aachen 1774, sei. 

1775. 

1. Aachener Zeitung vom 19. Juli. 

Kduflich: Die bekannte auf Befehl des Aachener Raths herausgegebene 
Schrift betreffend Aachens Territorial-Hoheit liber Burtscheid. 

2. Aachener Zeitung. 27. September, 4. und 11. Oktober. 
Kduflich: Rechtfertigung des Stadt- Aachener Verfahrs in der gebrauchten 

Gegenwehr wider die von der Frau Abtissin des Stifts zu Burtscheid neuer- 
dings angemasste Anordnung des Weeg-Gelds in dem Stadt- Aachener Dorff 
und Herrlichkeit Burtscheid. 

Viel seltener als die unter 1 dieses Jahrgangs angefuhrte Schrift. 

1776. 

Aachener Zeitung. 7. September. 

Kduflich: Beschreibung der Festlichkeiten zu Ehren des Primus Wildt. 

Ueber Wildt vgl. Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins I, S. 216 ff. 
und X, S. 245 ff. 

1781. 

Aachener Zeitung. 10., 13., 17. und 20. Januar. 

Kduflich: Druckschriften betr. die verstorbene Kaiserin Maria Theresia. 
Inhalt: Leichenpredigt in der Rathskapelle und Traucrfeierlichkeiten zu Aachen. 

1786. 

1. Aachener Zeitung. 15. Februar und 11. Marz. 

Kduflich: Drei anscheinend in Aachen verfasste Broschiiren iiber die 
Mordthat und Hinrichtung Pirlots in Verviers. 

Der Priester Pirlot in Verviers hatte im J. 1785 vier Personen ermordet. 
Kulturgeschichtlich sehr bemerkenswerth ist die in der Aachener Zeitung vom 
18. bis 25. Februar 1786 enthaltene Darstellung des Prozesses, der Degradirung 
(Entweihung), der FoUerung und Hinrichtung. 

2. Aachener Zeitung vom 12. April. 

Kduflich: Aktenstiicke in der Inquisitionssache des Herzogs Ludwig 
v. Braunschweig betr. geraubte Briefschaften. 

Vgl. Schilderung der Stadt Aachen aus dem Franzosischen iibersetzt. 
1787, S. 257 ff., und Fromm, Literatur der Thermen von Aachen S. 11, Nr. 29. 



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Beitr&go zur Geschichtc der Buchdruckereieu, dcs Buchhandels etc. 207 

1790. 

1. Aachener Zeitung. 17. April und 26. Mai. 

Kauflich: Zwei Schriften Christ. Wilhelm v. Dohms betr. die Verbcsserung 
der Konstitution Aachens und die Liitticher Revolution im J. 1789. 

Ausfuhrlich besprochen in F. Dautzenbergs Politischer Merkur 1790, 
Nr. 9, S. 91 ff. und 1790, Nr. 15, S. 142 ff. 

2. Aachener Zeitung. 30. Oktober. 

Kduflich: Eine vom Aachener Rath gegen das Aachener Schoffengericht 
in Sachen der Konstitutions-Verbesserung herausgegebene Schrift. 
Der Titel geht aus der langen Anzeige nicht hervor. 

3. Politischer Merkur. 3. April, S. 32. 

Kauflich: Conseils aux Souverains, avec des Notes ou Cominentaires. 
Gedruckt bei Schafer in Aachen; anscheinend in freiheitlichem Sinne 
geschrieben. 

4. Politischer Merkur Nr. 65 vom 28. August. 

Kauflich: Cromm, Niklas, Baumeister in Aachen. Gedanken iiber das 
stadtische Schuldenwesen, dessen Tilgung und Ansetzung eincs Sinkungs-Fonds. 

1791. 

Aachener Zeitung. 6. April. 

Kauflich: Versuch eines Planes zur Errichtung cines Arbeitshauses in 
der kaiserlich freien Reichsstadt Aachen. 

Verfasser war nach einer Notiz der Allgemeinen Zeitung (1804, 4. November) 
Johann Friedrich Jacobi. 

1793. 

1. Aachener Zeitung. 14. September. \ 
Kduflich: a) Getreues Bild der NeufrSnkischen Philosophic sammt ihren 

Folgen. Von P. Conrads. Aachen. 1793. 

b) Gedanken iiber Frankreich und dessen Verfassung sammt einer 
Erklarung iiber den Eid der Freiheit und Gleichheit. Dera deutschen Vater- 
lande und vorziiglich den guten Btirgern der kaiserl. freien Reichsstadt 
Aachen gewidmet. Aachen 1793. 

2. Aachener Zeitung. 25. Dezeuiber. 

Kduflich in der Stadtbuchdrucherei <?/e'„gedruckte Kompdie" eines in 
Aachen aufgefuhrten Stiicks: Maria Antoinette von Oesterreich, Kbnigin von 
Frankreich. Grosses Original-Trauerspielin 3 Aufziigen von Herrn Hochkirch sen. 

Der Druckort some der Name Hochkirch deuten auf einen Aachener 
Verfasser. 

1794. 

Aachener Zeitung. 26. Februar; 22. Marz; 26. Marz. 

1. Kauflich: Trauriges Denkmal aufs Jahr 1793, oder Clio beim Grabe 
der grossen Antoinette von Oesterreich von P. Conrads, kaiserl. Notar. 
Aachen 1794. 



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208 E. Pauls 

2. Kauflich: A. B. C. und Lesebuch. Versuch fur Kinder. Aachen 1794. 
Es sind nur sehr wenige Aachener Schulbucher aus der Zeit vor 1800 

bekannt. Schulbucher aus der Zeit nach 1800 bleiben hier unberiicksichtigt. 

3. Kauflich: Aachener erneuerter Weg- und Sperrgelder-Tarif nebst 
den dazu gehorigen Verfugungen. 

1796. 

Aachner Zuschauer. 24. M&rz und folgende Nummcrn. (Vollstandiger 
Abdruck !) 

Memoire an das vollziehende Direktorium der FranzOsischen Republik, 
iibergeben durch die (Aachener) Burger Bouget, Cromm und Vossen, vor- 
malige Mitglieder der Central- Verwaltung des Landes zwischen Maas und 
Rhein, am 23. VentSse im 4. Jahre. (13. Marz 1796.) 

Ein hoch bedeutsames Schriftstiick von unvergtinglichem Werihe fiir die 
Geschichte der Fremdherrschaft in den Jahren 1794 und 1795. 

1797. 

Aachener Zeitung. 24. Juni; 1. Juli; 15. Juli; 20. September; 23. Sep- 
tember; 13. Dezember; 30. Dezember. 

1. Kduflich: Observation sur la declaration exigee des ministres des 
cultes, en vertu dc la loi du 7. Vendera., an 4. Von Pfarrer Ernst zu Afden 
bei Aachen. 

1st nebst mehreren andern in den Jahren 1797 und 1798 erschienenen 
Schriften iiber den von der Geistlichkeit geforderten Eid beim Studium der 
politisch-konfessionellen Verhtiltnisse zur Zeit der Fremdherrschaft unentbehrlich. 

2. Kduflich in Aachen: Das papstliche Breve mit Bemerkung, Erkl&rungen 
und Schlusse, woraus ein jeder Geistlicher klar sieht, dass selbiges Breve 
echt sei, und dass die begehrte Deklaration kbnne und miisse gethan werden. 

3. Kduflich : Observation sur la declaration etc. (siehe vorstehend 1) par 
M. Ernst cure d'Afden. Wie auch: La Reponse par P. D. Dedoyar, pr§tre. 

4. Kduflich: Dissertatio theologica de eo quod circa praescriptam a 
Gallis declarationem sit iustum etc. auctore Paulo Dumont, Benedictino Mal- 
mundariensi ; nebst mehreren ueuen Piecen iiber diesen Gegenstand und dem 
Werkchen: Freimiithige Betrachtungen, haupts&chlich die jetzigen hochst 
wichtigen Angelegenheiten zwischen der Kirche und dem gemeinen Wesen 
betreffend, zur Beforderung und Erhaltung des allgemeincn Wohls. 

Wahrscheinlich befand sich unter den neuen Piecen das von P. Dumont 
und P. Hunger herausgegebene Biichlein „Kurze Anmerkungen iiber den neuen 
Eid, so von der Geistlichkeit in den vereinigten Landern abgefordert wird", 
dessen Herausgabe fiir die Verfasser schwere Verfolgungen und fiir die Buch- 
druckerei Muller die Versiegelung der Presse im Januar 1798 zur Folge hatte. 

5. Kduflich: Apologie des ministres du culte qui ont pr6t6 la d6cla- 
ration exigfce par la loi da 7. Vendem. an 4; par S. P. Ernst, cure d'Afden. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 209 

6. Kciuflich: Entretien d'un cur6 et d'un laie sur la question: Est-il 
permis d'assier aux messes des pr£tres assermentes etc. par P. Ernst, cure 
d'Afden. 

7. Kciuflich: Verordnung des Liitticher Grosvikars vom 14. Dezember, 
worin die Synodal-Entscheidung vom 14. September bestatigt und der Geistlich- 
keit die Leistung des Eides nochmals aufgegeben wird. 

1798. 

Aachener Zeitung. 3. Januar. 

1. Kciuflich: Deutsche Uebersetzung der vorstehend unter Nr. 6 zum 
13. Dezember 1797 verzeichneten Schrift, Entretien d'un cure" etc. 

Aachener Zeitung. 3. Marz. 

2. Kciuflich: Andachts-Buchlcin der H. Jungfrau und Erz-Martyrinn 
Thecla, eine sonderbare Nothhelferinn wider alle Krankheiten, sowohl der 
Menschen als des Viehes. 

Aachner Zuschauer Nr. 190 vom 19. Marz. 

3. Kciuflich: Epistola presbyteri Galli ad amicum sive iuramentum lege 
19 Fructidor anni V postulatum, licitum demonstratum, e Gallico Latine 
versum, in gratiam maxime sacerdotum, necdum plus nimio praeoccupatorum, 
.... que amantium tractus Cis-Rhenani incolarum. 

Im Aachner Zuschauer. 25. Floreal. 6. Jahrs. (14. Mai 1798) ferner 
noch die Erklarung eines Mastrichter Buchdruekers, dass ein Heft in 8™ mit 
der Aufschrift: Epistola pastoris anonymi . . . . de iureiurando, quod exigunt 
Gaili, adversus etc. nicht aus seiner Druckerei stamme. 

Aachener Zeitung. 28. Prairial 6. Jahrs. (16. Juni 1798.) 

4. Kciuflich: Explanatio formulae iurisiurandi de odio in regiam potestatem 
etc. gallice Parisiis editam latinam fecit adiuncta praefatione apologetica 
versus epistolam pastoris anonymi S. P. Ernst, pastor in Afden. 

1802. 

Aachener Merkur. 29. Juli. 

Kciuflich: a) Die bei der feierlichen Einfiihrung des Bischofs M. A. 
Bertholet zu Aachen von Quirin Jungen, Priester der Abtei Pantaleon in 
Coin gehaltene Rede. 

Kciuflich: b) Eine beim Religions- und Friedensfeste und bei Gelegen- 
heit der Gottestracht in Weisweiler vom dortigen Pfarrer G. Michel gehaltene 
Rede. 

1803. 

Aachener Merkur, 4. August; 24. September; 5. November; 29. Dezember. 

1. Besprechung der von Korfgen, Sach waiter der Staatsglaubiger im 
Ruhrdepartement herausgegebenen wichtigen Schrift: Memoire, pour les cr6- 
anciers de l'Stat qui habitent le departement de la Roer. 

2. Kciuflich: Lersch, Leonard, Pastor in Zweifall. Rede am Feste der 
Wiederhcrstellung der katholischen Religion. 

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210 E. Pauls 

3. Kauflich: Vollstandige Vergleichungstabelle der ehemals im Ruhr- 
departement und noch angrenzenden Landern gebrauchlichen Munzen, Maassen 
und Gewichten, ausgefiihrt nach den Vorschriften des Eeg.-Kommissars Jollivet 
und des Prafekten des gedachten Departements. 

4. Kauflich: Biographie nebst Portrait des Meuchelmorders Pet. Jos. 
Schaffer, Pfarrer in Sinnheim und Uifholz (Elsass) und spater in K5ln. 

Pfarrer Schaffer hatte im September 1803 zwei Frauenspersonen meuchle- 
rischer Weise ermordet. Er wurde in Aachen am 29. Dezember 1S03 hingerichtet. 

1804. 

Aachener Merkur. 28. Juni, S. 3. 

Korrespondenz aus Hannover, laut welcher eine grobe Schm&hschrift 
unter dem Titel ersehienen: Bonaparte der Gefurchtete; Moreau der Geachtete; 
England der Starrkopfige ; Hannover das Bejammernswurdige und die Hanse- 
stadte Rouge ou Noir. Aachen 1804. 

Est ist nicht anzunehmen, doss diese Schrift in Aachen verfasst wurde 
oder erschim. 

1807. 

Aachener Merkur. 1. Januar; 15. Dezember. 

1. Kauflich-. Neujahrswiinsche, gewidmet an die Gbttin der freien Kunst 
und Wissenschaft von einem Liebhaber derselben. 

2. Einige bibliographische Notizen beziiglich der Karten bezw. Schriften 
der damals zu Aachen verstorbenen Rainer Jos. Scholl (Karten des Aachener 
Reichs) und Joh. Jos. Crummel (Mathematische Arbeiten). 

1809. 

Allgemeine Zeitung. 31. Januar; 8. Februar; 20. November. 

1. Kauflich : Besserer, C. J. J., Predigt zur Errichtung einer allgemeinen 
Armenanstalt in Burtscheid. 

2. Kauflich-. Rede des Aachener Maire in der Sitzung der Wohlthiitigkeits- 
anstalten am 7. Februar 1809. 

3. Kauflich-. Gerichtsverhandlungen gegen den zuin Tode verurtheilten 
Heinrich Cremans aus Haaren. 

1814. 
Journal des Nieder- und Mittel-Rheins. 20. August; 18. Oktober; 
1. Dezember. 

1. Kauflich: Josias, s. de restituendo dei cultu sistendaque templorum 
fuga ad principes oratio, conscripta a M. Frid. Scheiblero, Pastore ad aedes 
Ev. Luth. quae est Montisiouii prope Aquisgranum, 1814. Mit einer Dedi- 
cation an die drei hohen verbiindeten Monarchen. 

2. Kauflich und ersehienen in Aachen : Vier kleinc Gedichte, in Beziehung 
auf Deutschlands Befreiungstag. 

3. Kduflich : Rede zum Andenken der Leipziger Hermannsschlacht, am 
23. Oktober 1814 gehalten von M. F. Scheibler, cv. hither. Prediger in Montjoie. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckercien, des Buchhandels etc. 211 

1815. 

Journal des Nieder- und Mittel-Rheins. 4. Marz; 9. Marz; 3. August; 
9. September. 

1. Kauflich zwei Schriften des ev. luth. Predigers Scheibler zu Montjoie: 
a) Geistliche Waft'enriistung eines christlichen Soldaten ; b) Letzte politische, 
aber nicht schmeichlerisehe Predigten, unter der Regierung des damals noch 
machtigen Despoten Nap. Bonaparte gehalten und nach seiner Verbannung 
herausgegeben. 

2. Anzeige des Lebrers J. W. Hacklander zu Burtscheid, dass die funf 
Jahrgange ^Neujahrgeschenk fiir Kinder" vergriffen seien. 

Vgl. Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins III } S. 183. 

3. Kcluflich: Der Sieg von Belle- Alliance und dessen kirchlicbe Feier 
zu Aacben. Herausgeber: Dr. Friedr. Mann. 

4. Erschienen und kauflich bei Buchh&ndler Forstmann in Aachen-. 
a) Erinnerungen zur Befbrderung achter Lebensweisheit, fiir die weibliche Jugend 
aus den. gebildeten Standen; b) Vermischte Gedichte zura Besten der ver- 
wundeten vaterlandiscben Krieger. 

Aachener Zeitung. 23. Marz T 16. Mai und 24. Juni 1815. 

5. Kauflich: M. F. Scheibler, ev. luth. Prediger in Montjoie, vater- 
landische Predigt am ersten Tage des fiir Deutschlands Gliick entscheidenden 
Jahres 1815. Nebst zwei militairischen Casualreden, Sr. Exc. dem Herrn 
Grafen Kleist von Nollendorf zugeeignet. 

Ebend. 1 Laudes Brittaniae Magnae de Germanorum libertate ac salute, 
et Societatis piae, que ibi coita est, de sacrarum litterarum studio optime 
meritae, epistola ad hanc ipsam societatem missa, celebratae. 

6'. Kauflich : Van Alpen, Consistorial-Prasident in Stolberg. Briefe iiber 
den Idealismus, gewechselt zwischen Aachen und Berlin. 

Derselbe Verfasser: Rede bei der Huldigung Sr. konigl. preuss. Majestat, 
Friedrich Wilhelm des Dritten, den 15. Mai 1815, an die Volker des Herzog- 
thums Meder-Rhein, der Herzogthiimer Kleve, Berg, Geldern, des Fiirsten- 
thums Mors und der Grafschaften Essen und Werden. 

7. Kauflich: Haas, Fr., reformirter Pastor zu Rotgen bei Aachen. 
Zwei Gelegenheitspredigten, zum Andenken der Eriosung Deutschlands 

aus Napoleons Tyranney am 15. Mai 1814 und bei der Huldigungsfeier Sr. 
Konigl. Preuss. Maj. Friedrich Wilh. III. am 15. Mai 1815 gehalten. 

Aachener Intelligenz-Blatt. 15. Juni, 3. August, 5. August, 8. August, 
12. August und 28. Oktober. 

8. Scheibler, M. F., Montjoie. Predigt am 2ten Pfingsttage, den 15. Mai 
1815, als Sr. Majestat dem Kbnig von Preussen Friedrich Wilhelm III. die 
Bewohner der vereinigten Rheinlander die bffentliche und feierliche Huldigung 
leisteten. Sr. Koniglich Preuss. Maj. zugeeignet. 

V So die Anzeige. Das ,.Ebend. il bezeichnet nicht yenau, ob derselbe Verfasser oder 
derselbe Verlag gemeint ist. 

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212 E. Pauls 

Ebend. 1 Wie dringend uns alles zur Theilnahme an der gerechten und 
grossen Saclie auflfordert, fiir welche nun bald wieder das ganze Europa 
kampfen wird. Ein patriotischer Aufruf an meine deutschen Mitbiirger am 
linken Rheinufer, in einer am 1. Sonntage nach Ostern gehaltenen Rede, 
vorgetragen und zur Beforderung des allgemeinen Besten herausgegeben. 

9. Kdu flick: Scheibler, M. F., evang. luth. Prediger in Montjoie. Eine 
Predigt, am Freuden- und Dankfeste wegen des am 18. Juni 1815 in den 
Gegenden von Charleroi und Fleurus von dem Preussischen und mit ihm ver- 
einigten Bundesheer erfochtenen grossen Sieges, am folgenden Sonntage, den 
25. Juni gebalten; nebst einer Zueignung an den Fiirsten Bliicher von Wahl- 
stadt, und den Herzog von Wellington. Saramt einer Vorrede an allc wahre 
Patrioten und Menschenfreunde. 

10. Kduflich: Von Hiils, Heinrich, ev. reform. Pastor zu Vorweiden. 
Christliche Frohgesange zur Huldigungsfeier am 15. Mai 1815. 

11. Kduflich: Van Alpen, Consistorial-Prasident. Zwei Casualpredigten : 
a) Der Sieg des schtfnen Buudes, gefeiert den 25. Juni 1815. b) Das Geburts- 
fest des geliebten Kbnigs, den 3ten August 1815; gefeiert in der evang. 
reform. Kirche zu Stolberg. 

12. Kduflich: Beschreibung des Huldigungsfestes Sr. Majestslt des KSnigs 
v.on Preussen (15. Mai in Aachen). 

13. Kduflich: Van Alpen, Consistorial-Prasident in Stolberg. Rede auf 
den 18. Oktober 1815. 

1816. 
Journal des Nieder- und Mittel-Rheins. 18. Januar; 15. Februar; 14. Marz. 

1. Kduflich und erschienen in Aachen: Kantate auf den allgemeinen 
Frieden Europas. 

2. Kduflich: eine am Friedensfeste den 18. Januar 1816 gehaltene 
Rede des Konsitorial-Prasidenten Dr. Joh. Reisig zu Stolberg. 

3. Kduflich: eine am Friedensfeste den 18. Januar 1816 gehaltene Rede 
des ev. luth. Predigers M. F. Scheibler zu Montjoie. 

In derselben Nummer vom 14. Marz ladet Prediger Scheibler zu Montjoie 
zur Subskription ein auf eine kleine Sainnilung von Reden und Gebeten, 
welche er wahrend des Feldzugs von 1815 gehalten hatte; ferner erschien 
aus seiner Feder zu Ende August 1816 (Aachener Zeitung vom 29. August 
1816): „Todtenfeier zum Gedachtniss der in den beiden Feldziigen 1813—1815 
gefallenen Retter des Vaterlands, in der evangelisch lutherischen Kirche zu 
Montjoie am 4. Juli 1816 begangen". 

Aachener Zeitung. 17. August. 

4. Kduflich und in Aachen erschienen: Das preussische Kabinct, von 
einem Einsiedler. 

Der Druckort sowie die beigegebene Besprechung deuten auf einen Schrift- 
steller der Aachener Gegend. 



»> Siehe die vorige Anmerkung. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 213 

Anhang III. 

Verhandlungcn zwischen dem Kurfiirsten von der Pfalz als Herzog 
von Jiilich und der Stadt Aachen betreffend die Anfertigung von 
Drucksachen fur den Kurfiirstlichen Vogtmeier, die Censur der in 
Aachen erscheinenden Schriften nnd die Bestrafung- der Urheber 
und Verbreiter von Schmahschriften. 

Bekanntlich waren die Beziehungen des Kurfiirsten von der 
Pfalz zu Aachen im Beginn des letzten Drittels des vorigen Jahr- 
hunderts sehr unfreundliclier Art. Kurpfalzische Truppen hielten von 
Februar bis Juni 1769 Aachen besetzt, wodurch der Stadt nach ihrer 
Angabe ein Schaden von mehr als -50 OOO Reichsthalern erwuchs. Im 
Juni 1771 trafen beiderseitig erwahlte Schiedsrichter in Aachen ein, 
deren Verhandlungen sich ergebnisslos bis ins Jahr 1773 hineinzogen. 
Jtilich hatte etwa 130 Beschwerden eingelegt und erst im J. 1777 
wurden durch den Vertrag zu Wien am 10. April die Streitigkeiten 
beigelegt. 

Die Urschriften der zwischen 1771 und 1773 gepflogenen Ver- 
handlungen beruhen im Aachener Stadtarchiv. Sie enthalten fur die 
Verfass lings- und Kulturgeschichte Aachens, soweit die letzten zwei 
Jahrhunderte der reichsstadtischen Zeit in Betracht kommen, ein 
grosses, bis jetzt ganz unbekanntes Material. Auch zur Geschichte 
der Aachener Pressverhaltnisse liefern die Akten werthvolle Beitrage. 
Jiilich behauptete, dass dem stadtischen Buchdrucker seitens des 
Baths verboten worden sei, ohne Erlaubniss des Baths fur den Vogt- 
meier Drucksachen anzufertigen, dass ferner dem Vogtmeier das 
Becht zustehe, gemeinsam mit dem Bath das Censurrecht der in 
Aachen erscheinenden Schriften auszuuben und dass endlich der Bath 
gegen die Urheber und Verbreiter der gegen die Kurfiirstliche Regie- 
rung gerichteten anonymen Schmahschriften nicht thatkraftig genug 
eingeschritten sei. 

Zu nachstehendem Abdruck sei hier bemerkt, dass alle Proto- 
kolle die Ueberschrift tragen „ Coram dominis commissariis subdele- 
gatis", sowie die Unterschrift „in fidem protocolli J. G. Fauth" und 
(C. J.? Lorent). Die Ueberschriften kiirzte und anderte. ich un- 
wesenlich. 

In den Verhandlungen tritt augenscheinlich eine grosse Scharfe, 
fast mochte man sagen Erbitterung, gegenseitig zu Tage. Das Scheitern 
kann kaum befremden. Im Vertrage vom 10. April 1777 fanden beide 
hier in Betracht kommende Streitfragen ihre Erledigung 1 . Nur von 



V v. Filrt h, AicJiener Patrizier-Familien I, S. 389 imd 370. 



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214 E. Pauls 

auswarts dem Vogtmeier zugehende Drucksachen blieben von der 
stadtischen Censur befreit; beziiglich der Bestrafung der Urheber 
oder Verbreiter von Schmahschriften versprachen sich der Herzog 
und die Stadt gegenseitig, jeder in seinem Grebiete die Schuldigen zu 
ermitteln und zur Verantwortung zu ziehen. So hatte im Wesent- 
lichen die Stadt den Sieg davon getragen *. 

■l 

Giilisches 30tes beschwerd. 

1) Giilisches 30tes beschwerd; erster abschnitt. 
Verbott, dass der buch drucker fur den vogt major drucken uaoge. 
Zum ersten articel des haupt vertrags und (lessen § 1 und 6 gehbrend. 
. Ex parte Churpfalz. Veneris, den 30. Octobris 1772. 

Der stadt buch drucker Muller wiirde eydlich bestattigen, dass er und 
sein vorfahrer fur den verstorbenen und jetzigen vogt major alles fiir die 
gebiihre habe drucken dorfen, was von demselben in amts und sonstigen 
begebenheiten gefordert worden. 

Gelegentlich der im jahre 1770 vom vogt major zum druck befbrderten 
passen habe sich aber magistrat beygehen lassen, den druck zu verbiethen, 
wie bey vorgehendeni beschwerd erwahnet sey. 

Nicht lange darnach habe vogt major ein in kayserl. executions commis- 
sions sache Jehenne c. Lovens und consorten mit druck wollen verkiiuden 
lassen, wegen wiederholtem verbott habe es aber nicht geschehen kbnnen. 
Die ursach dieser neuerung wiirde angegeben, dass vogt major den 
magistrat diesert wegen anvorderst ersuchen sollte, und solchergestalten wollte 
derselbe sich eigentlich einer erkanntniiss iiber den vogt majorn anmassen. 

Ledige leidenschaften seyen an diesem unlauteren betragen betheiliget, 
indeme jeder biirger und einwohner zu Aachen bis anher fiir die gebiihr 
habe drucken lassen dorfen, was ihme gefallen, ohne dass diesertwegen 
besondere erlaubniiss des magistrats nothwendig gewesen ware, wie hoch- 
ansehnl r commission von selbst bekannt seye. 

Was nun so vielen bis anher erlaubet gewesen, werde dem vogt major 
allein missgbnnet, da derselbe gleichwohlen nichts anderst zum druck zu befor- 
deren verlange, als was dessen dienst obliegenheiten erfodereu. 

Der vogt major seye eine deren obrigkeitlichen personen in Aachen, der 
gerichtbarkeit des magistrats und dessen biivgermeistern in keiuem stuck 
untergeben; mit dergleichen druck wiirde auch dem magistrat nicht geschadet, 
sonderen der nutzen des publici und deren privaten befbrderet. 



V Bezilglich des DrucJcs set hier nur bemerkt, dass ich die Interpunktion selbst- 
standig gestaltete. Grosse Anfangsbuchstaben gebe ich nur zu An fang eines Satzes, bet 
Eigennamen und lei Tite y n. Allbekannte Abkilrzwigen, z. B. kaiserl, churfiirstl., aller- 
gndgst und dergl. sind nicht immer aufgelost. 



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Beitrage zur Geschiehte. dor Bucbdruckercien, des Buchhandels etc. 215 

Allein die begierde, denen hohen regalien abzubrechcn seye allzugross, 
als dass magistrat oder dessen bur germ eistere die geringste solchen endes 
bequeme gelegeuheit yorbey gehen liessen. 

Da bei anlegung gemeldeten verbotts diehauptabsicht gewesen, dem vogt 
major die crtheilung deren passen zu erschweren, welche demselben gleich- 
wohlen fiir die fremde allein und in anderen fallen mit dem magistrat zustebet. 

So ware Ihre Churfttrstlichen Durchlaucht gemeldeter magistrat diesert- 
wegen unterthanigste genugthuung scbuldig. Solche zu bestimmen und dass dem 
stadtischen buch drucker gegebener verbott zu heben, sodann demselben auf- 
zugeben, dass derselbe denen majorie beamten auf erforderen und fiir die 
gebiihre seine diensten leisten solle, ware der rechtliche antrag. 

2) Giilisches 30. beschwerd, erster abschnitt. 
Ex parte der stadt. Jovis, den 19. November 1772. 

Dieses anmassliche beschwerd, dass nemlich der stadtische buch drucker 
ohne vorgangige des magistrats erlaubniiss nichts sonderliches fiir jemand, 
sohin auuh nichts fur den vogt major driicken darfe, seye offenbar von der 
art deren, welche die vogtey rechten und daruber gestiftete compactata nicht 
bctrefen. Deputati glauben dahero nicht gehalten zu seyn, darinnen ein oder 
abzugchen, vielmehr dass selbiges von diesem commissions geschafte kurz um 
abzuweisen seye, als wohin sie geziementlich antragen, wider die darunter 
unnb'thig vermehrte kosten sich feyerlichst verwahren. 

3) Giilisches 30tes beschwerd, erster abschnitt. 
Ex parte Churpfalz. Replica. Lunae, den 7. December 1772. 

Das kayserl. allerggste. commissorium bcstimme wortlich, dass samt- 
liche gegen einander habeude beschwerden von hochansehnlicher commission 
sollten angehoret, besten fleisses erwogen und dass wegen solchen giitliche 
vermittelung sollte versuchet werden p. p. 

Dass solchemnach gleich anfangs die frage entstanden, in welcher ord- 
nuug die wechselseitige beschwerden zu verhandeln, habe hochansehnliche 
commission den 6ten November vorigen jahrs die weisung ertheilet, dass 
jenc, welche einige verlezung deren compactaten euthielten, nach ordnung 
des haupt vertrags vorgebracht werden sollten, wegen denen ubrigen, welche 
eben nicht specialiter auf nun erwahneten haupt vertrag einschlugen, ware 
aber jedem frey belassen worden, solche nach und nach besonders zum 
prothocoll zu bringen, wornach solche auch besonders instruiret werden sollten. 

Dieses decret hatten deputirte dem ganzen inhalt nach angenommen 
und in ihrem den 4ten Februarij dieses zu ende neigenden jahrs, mithin 
etwa ein viertel jahr nach erwahnetem decret ubergebenen verzeichnuss ; 
ihrseitigen beschwerden seye eine menge dergleichen anzutreffen, welche 
mit denen majorie gerechtsamen in keiner gemeinschaft stiinden, welche zum 
theil neu erfunden und welche nicht einstens der hochpreissl. regierung zu 
Dusseldorf tragender schuldigkeit gemass vorgeleget worden seyen. 



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216 E. Pauls 

Bey verhandlung diesseitig 2ten und damit verbundenen folgenden, auch 
stadtischen 8ten beschwerden seyen deputati zum erstenmal auf declinato- 
rias verfallen; ob nun dergleichen aus fluchten statt zu geben, oder ob solche 
nicht nach denen die kayserl. allerggste. willens meinung genugsam aus- 
drlickenden worten vorbezogenen commissorii zu verwerfen, dariiber seye 
kayserlieher Majestat der alleruntgste bericht erstattet. 

Deme ohnangesehen hatten deputirte sich nicht entgegen seyn lassen, 
wegen anderen dergleichen beschwerden weitwendig zu handlen, obschon 
solche ihrer meinung nach zu denen hohen niajorie rechten nicht geeignet 
seyen. 

Befremden musse solchem nach, dass dieselbe bey untergebenem und 
folgendem beschwerden abermalen auf ledige declinatoriam unter nemlichem 
vorwand abgiengen und hochansehnlicher commission die ehre nicht bezeigten, 
ins wesentliche diesseitigen vortrags einzugehen. 

Erfoderten zeit und umstanden, dass vogt major aus amtsobliegenheit 
ein und anderes dem publico bekannt machen musse, als da seien vergantungen, 
anzeigen von verdachtigem diebs- und dergleichen gesindei p. p., welches 
mit dem druck am fuglichsten geschehen konnte, so seye der gebrauch des 
drucks eine natiirliche folge deren hohen majorie gerechtsamen und dessen 
verbott notwendig eine verlezung derselben. 

Ob solchem nach dergleichen nur zur aufzuglichkeit und zeitverderb 
gereichende declinatorischen ausfliichte nachzusehen, oder ob solche zu ver- 
werfen? 

Diesfalls wlirde unter feyerlicher verwahrung wider die daher ver- 
mehret werdenden kbsten lediglich submittiret. 

4) Giilisches 30tes beschwerd, erster abschnitt. 
Ex parte der stadt. Duplica. Veneris, den 11. December 1772. 

1. Gabe das allerhochste Kayserl. commissorium die allerggst gemessene 
weisung, welchc beschwerden vor anwesender hochpreissl. commission zu be- 
handlen; allerhochst selbiges seye auch an sich selbst so klar und deutlich, 
dass um die erweiterung herzogl. gulischer bevollmachtigter sich lediglich 
in vanum bestrebe. 

2. Bei jeden prothocollen, deren vortrage sich dahin nicht eigneten, 
haben deputati solches behauptet, fort immerhin doliret, dass durch gegen- 
seits in der menge aufgefuhrte ungehbrigkeiten, und was eben diese sonachst 
in stadtischen beantwortungen veranlasset haben, nur die zeit vergeblich auf- 
gerieben und die kbsten geflissentlich vermehret wiirden. 

3. Diesseitige declinatoriae dbrfen dahero ihn herzogl. giilischen bevoll- 
mS-chtigten gar nicht befremden und der hochansehnlichen commission werde 
alsdann wahre ehre bezeiget, wenn dem allerhbchsten commissorio und darin 
allerggst. angedruckten willens meinung die alleruntertgste. folge zu leisten 
die allerverschuldigste erste sorge seye. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 217 

4. Ueberfltissige antwort haben deputati ansonsten in exceptionibus 
ertheilet, und da sich daraus ergiebt, dass keine vogtey meyerey rechten, 
weder dariiber gestiftete vertrage dabey eintretten, so harren sie deputati 
bey dem schluss nemlicher exceptionen und verwabren anwiederum wegen 
den diesfalls ungehorig aufgewachsenen kosteu. 

5) Giilisches 30tes beschwerd; zweyter abscbnitt. 

Die censur deren in Aachen gedriickt werdendeu schriften betreffend. 

Zum 1. articel des haupt vertrags und dessen § 1 und 6 gehbrend. 

Ex parte Churpfalz. Veneris, den 30. Octobris 1772. 

Die erlaubniiss, das biicher oder sonstige schriften im druck erscheinen 
mbgen, seye eine gattung sicheren geleits fur den verfasser und an orten, 
in welchen druckereyen bestellet sind, ware die obrigkeit verschuldet zu 
wachen, dass nichts ohne dergleichen erlaubniiss zum druck beforderet und 
gedrucket wiirde. 

Eine vorbereitung zur erlaubniiss seye die censur und diese zu verfiigen 
oder jemand solchen endes zu bestellen, stehe jenem zu, der die erlaubniiss 
zu ertheilen habe. 

Nach den reichs gesatzen dorfte nichts ohne vorherige censur und erlaub- 
niiss im druck erscheinen. Deme gerad entgegen habe bisanher in Aachen 
jeder burger und fremde drucken lassen dorfen, was er gewollt; unnothig 
ware es diesertwegen in particularia einzugeheu; dass es also sich verhalte 
seye hochansehnl. commission bekannt und deputirte wiirden es nicht ver- 
abreden. 

Nun habe verlautet, dass magistrat gelegcntlich der von etwa einem 
jahr her erschienenen Aachischen reichs postamts zeitung einen censorem 
bestellet habe. 

So nothwendig die censur und so sehr zu wunschen, dass strengeste 
obacht genommen werde, damit nichts ohne solche fiihro hin in Aachen zum 
driick beforderet werde, so wenig seye magistrat befiiget, einen censorem allein 
anzuordnen. 

Derselbe seye ncmlich nicht befiiget geleits scheme allein zu ertheilen, 
sonderen miisse sich an die im ersten art. 1 § ° des haupt vertrags bestimmte 
regelen halten, oder aber wollte die censur als ein ausfluss der gerichtbarkeit 
betrachtet werden, so habe magistrat wieder unrecht, indeme demselben deren 
keine iiber fremde zustebe, unter welche dahiesiger postmeister gehore, welcher 
gemeldete Aachnische postamts zeitung fertigen liesse. 

In sachen, welche das publicum vorziiglich betheiligten, ware im haupt- 
vertrag verschiedentlich versehen, dass die erlaubniiss p. vom vogt majorn 
und magistrat oder dessen biirgermeistern gemeinschaftlich ertheilet werde 
wie im 8ten, 9ten, lOten, 12ten articel. 

Da nun wegen der biicher censur die nemliche ursachen eintraten, so 
miisste vogt major zu solcher nothwendig mitgezogen werden. 



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218 E. Pauls 

Damit fiihrohin nichts ohne censur in Aachen gedrucket werde und dass 
dera vogt major die censur mitgebiihre, zu bestimmen und darnach den 
magistrat anzuweisen, wtirde solchem alien nach hochansehnlicher commission 
geziemend untergeben. 

6) Gillisches 30tes beschwerd, zweyter abschnitt. 
Ex parte der stadt. Jovis, den 19. Novembris 1772. 

§ 1. Unter jene sachen, welche nach dem haupt vertrag jahrs 1660 
simultancae concessionis sind, sive vom magistrat und vogt meyer verstattet 
werden, findet sich nirgendwo die censur deren in Aachen gedruckt werden- 
den schriften. Es gehore also auch dieser gegentheilige abschnitt zu keinen 
vogtey rechten, mithin seye selbigcr von gegenwartigem commissions gesehafte 
ebener massen abzuschneiden. Dahin schliessen deputati und bezeigen sich 
wider die diesfallsige kosten wic beym vorigen ersten abschnitt. 

7) Gillisches 30tes beschwerd, zweiter abschnitt. 

Ex parte Churpfalz. Replica. Mercurii, den 9. December 1772. 

Der anher erweiterten declinatoriae wurde unter abermaliger feyerlichen 
bezeigung wider die unnothig vermehret werdende kosten der inhalt diesseitiger 
auf vorgeheuden ersten abschnitt verhandleten replicae mit der einzigen 
bemerkung entgegengesetzet, dass bey untergebenem beschwerd nicht nur die 
hohe vogteyliche gerechtsamen wegen dem geleit und gerichtbarkeit, sondern 
auch die befugniissen dcs scholasters dahiesig kaiserl. cronungs stift mit 
betheiliget seyen, massen unter dcssen obliegenheiteu gehore, auf schadliche 
schriften zu wachen. 

. Zur censur dergleichen zum druck beforderet werdenden schriften ware 
solchem nach derselbe mit berechtiget und vermog haupt vertrags 21. articel 
§ 5 solle die diesem zustehende gerichtbarkeit nicht behinderet werden. 

Deputirte seyen daher verschuldet, wegen diesem beschwerd sich ein- 
zulassen und wegen dem unbestand erwahneter declinatoriae wiirde unter 
erholung des vorigen submittiret. 

8) Giilisches 30tes beschwerd, zweyter abschnitt. 

Ex parte der stadt. Duplica. Sabathi, den 12. Decembris 1772. 

Werde der inhalt diesseitiger duplic auf dieses anmasslichen beschwerds 
vorgeheuden ltr abschnitt ebenermassen hiehin wiederholet, zugleich bemerket, 
dass von der censur deren in Aachen gedruckt werdenden schriften in der 
vogtey meyerey rechten und daruber aufgerichteten vertragen niergendwo ein 
einziges wortelein zu erfinden; dass dahero vor anwesender hochpreisslicher 
commission deputati diesfalls weder mit der majorie noch auch mit dem 
scholaster hiesiger konigl. stifts kirchen etwas zu schaffen oder zu handlen, 
ihre declinatoria samt feyerlichster bezeiguug wider die darunter erwachsende 
kosten sohin in voller masse begriindet seye, gleich sic derselben hiemit 
schliesslich inhaeriren. 



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Beitrage zur Geschichte dcr Buchdruckcreien, des Buchhandels etc. 219 

II. 
Giilisches 25tes beschwerd. 

1) Gulisches 25tes beschwerd; die unterlassene bestrafung deren Schaud und 

Schmahe schriften betreffend. 

Ex parte Churpfalz. Lunae, den 1. Juny 1772. 

So wie nach dem jahr 1763 die begierde jahrlichs zugenommen babe, 
die hohe majorie gerechtsameu anzafertigen und solche nach und nach zu 
unterdrticken, eben so und in namlicher proportion seye einigen der muth 
gewachsen, pasquillen und allerhand schand- und schmahe- schriften in der 
stadt Aachen auszustreuen. 

Dieses unwesen ware bey anwesenheit der churfurstlichen krieges raann- 
schaft aufs hochste gestiegen, und mit solchen seyen nicht nur majorie beamte, 
sonderen auch gulich- und bergische statthalter, priisidenten und rathe, audi 
die krieges vblker selbst nicht verschonet und soldier gestalten seye die hochste 
schutz und schirmgerechtigkeit aufs grobeste beleidiget worden. 

Dergleichen schand- und schmahe- schriften hatten bis zur ankunft der 
hochanschonlichen commission gedauret und absolchen seyen einige proben bey 
dem den 21 ten September vorigen jahrs iibergebenen, das rathhauss betref en- 
den pro memoria anzutrefen, deren mehrere wiirden hiebey zur beliebten 
einsicht vorgelegt, denen acten bey zufugen aber der ursachen bedenken ge- 
tragen, damit solche nicht verewiget wcrden. 

Das verbrechen erstrecke sich solchem nach auf den magistrat selbst, 
indeme dieser auf deren urhebere und austreuere kein wachsames aug genom- 
men, wider selbe kcin inquisition von amts-wegen erheben lassen, und denen, 
w r elche leicht zu entdecken gewesen noch wohl durch die finger gesehen habe. 

Unter freyen volkeren wiirdc dergleichen nachsicht fur die grobeste 
beschimpfung gehalten, soviel mehr hatte solchem nach magistrat und desscn 
burgermeistere wegen unterlassener bestrafung sich verantwortlich gemachet, 
da die reichs gesatze und besonders die policey ordnung vom jahr 1577 Tit. 35, 
§ 4 denselben zur erforschung und bestrafung dergleichen ungebiihr von 
amts wegen verbinde, in ermanglungs fall aber die obrigkeit der misshand- 
lung gewisser maassen theilhaftig und selbst pflichtig erklare; des juris 
reverentialis zu geschweigen, welches aus der bey alien streitigkeiten niemals 
verkannten vogtey und major ey schutz und schirm gerechtigkoit fliesse, nach 
welchem magistrat soviel mehr verbunden gewescn ware, dergleichen unweesen 
mit nachdruck zu stbhren. 

Sonst habe der magistrat dergleichen schand- und schmaheschriften mit 
offeuem druck verbicthen und das verbott in alien grafschaften, auch von 
denen canzelen verkunden, aufm rath hauss und an denen stadt pforten anheftcn 
und von denen pforten wachteren von hauss zu hauss bekannt machen lassen; 
wie das hiebey vorgezeigt werdende gedruckte edict vom 15ten Octobris 1756 
bewahrheite, und als im jahr 1763 damalige burgermeistere und raths beamte 
mit dergleichen schand und schmahe schriften angegriffen worden, habe magistrat 
von amts wegen fbrmliche untersuchung verordnet und nach anleitung einer 



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220 E. Pauls 

den 27ten November 1763 verkiindeten urtheil seyen erwahnete schand- und 
schmahe schriften vorm rathhauss offentlich verbrannt und solches ware an 
denen ecken sammtlicher strassen rait dem zusatz bekannt gemacht worden, 
dass wider die versteckte ehrenrauberische schriftstellere denen reichs gesatzen 
gemass fernere inquisition gepflogen und dass selbige im ausfindungs falle 
nach peinlicher halsgerichtsordnung sollten bestrafet werden. 

Solch rechtlich und geziemender bezeigung habe aber die churftirstliche 
ministeren, dycasterien, deren rathe und majorie bcamten der magistrat nicht-, 
und kaum waren die haufige schmahe schriften eines geschriebenen verbotts 
wiirdig geachtet worden, dessen magistrat den 19ten Juny 1769 im kleinen 
rath uberkommcn sey, welches hiernachst einige tage nur am rath hauss aus- 
gekenket gewesen und welches vorerw&hntein pro mcmoria untor Nr. 20 
bey liege. 

Zwarn habe magistrat hiernachst auch einige dergleichen pasquillen 
vom scharf richter verbrennen lassen, ehender aber nicht, als aus churfurstln. 
besonderen ggsten. befehl hochst dero zu Aachen commandiret habende general 
wegen solchen genugthuung geforderet habe. Wider die authores seye aber 
keine inquisition verhanget und dem verbott seye so schlecht nachgesetzet 
worden, dass die schand und schmahe schriften nach abzug der krieges volker 
unglaublich vermehret worden. 

Ihro Churfiirst. Durchl. seye der magistrat diesertwegen uuterthanigste 
genugthuung annoch tiefest verschuldet; solche nach denen vielen mit gutem 
vorsatz unternommenen und geflissentlich angehauften beleidigungen abzu- 
messen und zu bestimmen, wiirde dem allerhftchsten richteramt lediglich 
untergeben. 

Churpfalziseher bevollmachtigter hat hierauf aus denen geheimen con- 
ferenzacten einige dergleichen nach hof gesandte pasquillen in teutsch und 
lateinischer sprache vorgelegt, in welchen ihre excellenz herr statthalter zu 
Diisseldorf, das geheime raths collegium, hof cammer president Freyhr. von 
Blanckart, verschiedene rathe, vogt major Freyhr. von Geyr auf unanstandige 
art angefertiget worden. 

Gemeldeter bevollmachtigter bemerket ferner, dass deren einige hundert 
stllcke gesummlet gewesen, welche aber in dem bekannten, in der hoheits 
registratur zu Diisseldorf im vorigen jahr cntstandenen brand mit anderen 
untergegangen seyen. 

Noch hat gemeldeter bevollmachtigter das gedruckte edict vom 15ten 
October 1756 vorgelegt, welches in anderen fallen erlassen worden und endiget 
wie folget: 

Und damit niemand die allergeringste unwissenheit hiegegen prae- 
tcxtiren konne und nioge, so solle dieses ernstliche verbietungs edict 
unverziiglich im druck ausgehen, von denen canzelen publiciret, dahier 
am rathhauss sowohl als auf alien stadt pforten affigiret und durch 
hiesige stadt pforten wachtere von hauss zu hauss bekannt gemacht 
werden. 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, dcs Buchhandels etc. 221 

2) Gtilisches 25tes beschwerd. 
Ex parte der stadt. Sabbathi, den 13ten Junii 1772. 

1. Seye dieses vermeinte beschwerd zu einem vortrag vor anwesen- 
den hochpreislichen commission gar nicht qualificiret, da dessen inhalt keinc 
vogt und majorie rechten noch einige vertragen-, vielmehr solchc dinge betrafe, 
ab welchen vor allerhtichst kayserl. Majest&t reichs gesatz und policey ord- 
nungsmassig zu verantwortcn der magistratus sich getrauet. 

2. Mit majoriae gerechtsahmen und derselben vorgeblichen anfertigungen 
haben sckmah und schandschriftcn gar keine gemeinschaft ; jene anfertigungen 
erkennen deputirtc zu keinen zeiten, gestehen aber, dass jeweilen libelli famosi 
in Aachen erscheinen, obgleich sie nicht wissen, dass dercn fabric in Aachen 
selbst, wohl hingegen ihnen bckannt, dass derley von anderwerts durch die 
postc hiehin gelanget und an gewisse hausser addressirter gebracht worden. 

3. Indessen habe der magistrat es an der scharfe wider solche bossheiten, 
als offt deren innen geworden, niemahlen verfehlen lassen. 

4. Hertzogl. gulischer bevollmachtigter zeigeja selbst, dass im jahr 1756 
von einem ehrbaren rath darwider erlassene poenalisirte edictum an. 

5. Er wisse desgleichen, dass im jahr 1763 wider soldier art schriften 
noch scharffer verfahren und solche durch den nach richter auf Sffentlichem 
mark verbrannt worden. 

6. Ihme seye nicht minder bekannt, dass (alss im jahre 1769 gelegent- 
lich des chur pfalzischen gewaltsahmen uberzug der hiesiger stadt einige 
pasquillantische einfaltigkeiten hcrvorgetretten und der magistrat durch den 
commandirenden general Frhr. von der Horst daruber benachrichtiget wurde, 
zugleich die stticke aus dessen handen erhielte:) ein ehrbarer rath alsofort 
seinen fisci advocatum darwider aufgewecket und nach dessen amts pflichtigen 
berichtigungcn, fort darauf erfolgter erkantnuss selbige schriften anwiederrum 
dem feur auf offentlichem mark auflegen lassen. 

7. Dicse reele vollstreckungen driicken dem publico starkeren begriff 
cin, sind auch dem latitirenden und heimlichen verfasser alle mahl empftindlicher 
und schimpflicher, dann eine menge scharfer worten in einem edict und der 
magistratus habe anmit offene proben fur sich, dass er so der geheiligten 
justiz als auch denen in solchen schriiften etwa beleidigten hohen persohnen 
auf diese mogliche weise die genuo: thuung verschaflfe. 

8. Bei hernachstigen abzug der churpfalzischcn kriegs mannschaft habe 
ein ehrbahrer rath noch diese vorsorg sich gefallen lassen, dass er alien in- 
wohneren der stadt nachdrttcksam verbotten, jene auf die mindeste weise dabey 
zu beleydigen und er wisse biss dato auch nicht, dass diesem zuwider irgend- 
wo solte gehandlet seye. 

9. Vielen bedacht habe der magistrat dahin genommen, dass die pflich- 
tige an schmahe- und schand schriften entdecket werden mogtcn; alleiu biss 
dato hat noch wider niemanden die besondere inquisitio angestellet werden 
dorffen, und wer wisse, welche indicia die rechten darzu vorlauffig erheischen, 
den k5nne solches gewisslich nicht befrembdeu. 



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222 E. Pauls 

Der justiz geschahe inmittels wahres gefallen, wann wider ein oder 
anderen hinreichende anzeigungen an hand gegeben wiirden: ftir kein augen- 
blick entstiinde als dann der magistrat, in die gehorige inquisition solche ein- 
zuleiten, fort jene vorsehrittc verfiigen zu lassen, die dem lastcr in jure 
gemesseu sind. 

10. Habe zwarn ab vorgeblichen ferneren verlauf hertzoglich giilischer 
bevollmachtigter ein und anderes aus seinem pro memoria vora 21 ten Septem- 
bris vorigen jahrs hiehin wiederhohlet ; weilen jedoch deputirte in ihrem 
widersetzten gegen pro memoria vom 2 5 ten Octobris desselbigen verflossenen 
jahrs darauf die erkleckliche antwort ertheilet, so dbrfen sie sieh einer 
weiteren vorftihrung wohlentubrigen und auf gedaehtes gegen promemoria 
den ledigen bezug nehmen. 

11. Seyen annebst durch obstehende ohnnachtheilige ablehnungen nicht 
gemeinet, in diese offenbahre ungehorigkeiten sich alhier abzugeben, erhohlen 
vielmehr das jenige, was hieroben § 1 . anerinneret und wollen allerhbchst Ihrer 
Kaysr. Majestat zur allergerechtesten entscheidung aller unterthanigst uber- 
lassen: ob mit diesen und dergleichen sachen die anwesende hoch preisliche 
commission wohl dorfe aufgehalten-, anmit die schwehre kosten so gefliessent- 
lieh vermehret wiirden, und ob nicht hingegcn deputati ganz gegriindet wider 
derley sich feyerlichst zu begniigen. 

3) Giilisches 25tes beschwerd. 
Ex parte Churpfalz. Replica. Martis, den 16. Junij 1772. 

Die eigene gestandniiss, dass dergleichen ausgestreuet, das unbescheinigte 
vorgeben, dass deren von anderen or ten mit der post nach Aachen gesendet 
worden, und wenn deme also, die unterlassung deren ftir dergleichen falle 
geeigneten untersuchungs schreiben, um mit behorender inquisition behiilflich 
zu seyn, die gegen einanderhaltung dessen, was in den jahren 1756 und zu- 
malen 1763 von amts wegen mit wahrem ernst, im jahr 1769 aber nur zum 
schein und ehender nicht, als bis der general freyherr von der Horst aus 
besonderem gnadigsten befehl sich diesertwegen beschweret, bestattige zur 
geniige, wie wenig der magistrat oder dessen burgermeistere gerneinet gewesen, 
dergleichen missgeburten und sonstiges unweesen bey deren urstande zu ersticken, 
wie es dann der erfolg genug gezeiget habe, da dergleichen schmahe schriften 
bis ins vorige jahr und bis zur ankunft hochansehnlicher commission in grosser 
menge ausgestreuet worden; 

Ware es ernst gewesen, so hatte es nur bedtirfet mit vogt majorn coin- 
municato consilio zu werke zu gehen, derselbe wiirde schon insichten genug 
wider solche leute an handen gegeben haben, welche unter des magistrate 
gerichtbarkeit stehen : dass aber derselbe sich als ankiager oder denuncianten 
darstellen sollte, ware ihine nicht zuzumuthen. 

Freylich seye es ein wider die vertrage angehendes haupt beschwerd, 
dass magistrat dergleichen schand und schmahe schriften nicht von amts 
wegen einhalt gemacht und wider solche der reichs policey ordnung und 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 223 

gesundem vermin ft gemass sich nicht betragen habe. Zumahlen da mit solchen 
nicht nur der gute name und leymuth deren churMrstlichen rathen und 
beamten von allerhand rang und stand, sondern auch der Ihro Churfstl. Durch- 
laucht der stadt guadigsten schutz und schirm herrn gebuhrender unther- 
thanigster respect so schandlieh verletzet worden, und solches seye der 
ursachen angebracht um zu bestattigen, wie wenig da- und dermalige burger- 
meistcre sich hatten angelegen scyn lassen, zu untherthanigsten ehren sich 
gesatz massig und gehorsam zu verwenden; die folge wegen denen kosten 
ergabe sich von daher vonselbsten und die von deputirtcn diesertwegen ofters 
eingelegte erinnerung gabe bey den vorherigen beschwerden und aus denen 
den modum tractandorum betreffenden prothocollen genugssanie auskunft, 
voriger antrag wlirde daher lediglich wiederholet. 

4) Giilisches 25tes beschwerd. 
Ex parte der stadt. Duplica. Mercurii, den 8. Julij 1772. 

1. Vcrdiene die gegentheilige replic gewisslich ein mehreres nicht, 
dan dass dcputirte ihre exccptiones derselben nur widersetzen und auf solche 
sich des endes kurtzum abbeziehen. 

2. Im jahr 1756 erschienen dahier etwelche pasquillantische schrifften, 
wodurch der magistrat angezapfet wurde, was dieser aber darwider vor- 
gefuhret, werde von gegenseiten selbst gelobet. 

3. Desgleichen aus gelassenheiten kehreten im jahr 1763 zuriick und 
tratten von dieser art schriften wiederum hervor: magistratus zeigte sich 
dagegen noch scharfer, da er solche durchs feuer aus der welt verschaffen 
liesse. 

4. Bey dem militarischen uberfall der stadt im jahr 1769 wurde der 
magistrat durch den general Freyherr von der Horst tiber einige zum frischen 
vorschein gekommenen einfaltige versen und derglcichen unbekanten arm- 
seeligen schriften allererst benachrichtiget, aus dessen handen er magistrat 
auch die stiicke erhiehlte: und was ftir scharfe maas regelen aber selbiger 
magistrat darwider an hand genommen, ruhe noch in frischen andcnken, und 
der § 6 diesscithiger exceptionen weise solche auf. 

5. Ob scither derley irgendwo vorgekommen, wisse der magistrat nicht, 
und wann schon einige schandlichkeiten wider magistratische personen an 
deren hausseren verschlossener durch die post von anderwerts gebracht werden, 
so habe alle bescheidenheit erfoderet, solche, so lang ferner unbekannt, ehcr 
zu supprimiren, dann durch andere vorschritte bekannt zu machen. 

6. Was in dem beiy (!) ankunft der hoch ansehnlichen commission abseits 
tibergebenen promemoria desfalls gemeldet worden, habe magistrat nur damahl 
zuerst ersehen, sonsten-aber darab nichts abgewust: in dem gegen promemoria 
seye auch das gebiihrende darauf geausseret worden, dahin beziehen deputati 
sich und erinneren nur noch dieses, dass hertzoglich giilischer bevollmachtigter 
es selbst ftir eigenc beleidigung wiirde angesehen haben, wann magistratus 
wider die dessen promemoria pro adiunctis beygeftigte stiicke gleiche vorschritte 
wie gegen die schmaheworter im jahr 1769 geschehen, gewaget hatte. 



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224 E. Pauls 

7. Habe vogt major einige ktindigkeit und besitze er in diesera sttiek 
wider eine oder andere gewisse persohnen die auskunflft, so moge er solche 
nur vorsichtlich ertheilen, zum klager oder denuncianten bedarffe.er sich 
eben darum nicht bios stellen, und magistrates werde es niemalen an dem 
seinigen fehlen lassen. 

8. Nichts seye alsonach vorhauden, wodurch vor Allerhochst Kayserl. 
Majestat eine reichs policey ordnungs widrige verantwortung der magistrat 
auf sich erliegen hatte. 

9. Dass aber vor anwesender hocb preisslichen commission hertzl. gulischer 
bevollmachtigter solche dinge vorfiihre und in beschwerden einkleiden wolle, 
dieses lasse sich dem allergnadigsten kayserl. commissorio ganz und gar 
nicht aneigenen, wo nichts dergleichen in vogt und majorie rechten einschlagig, 
vielweniger etwas darab in denen vertragen befasset ist, es auch den hertzogl. 
giilischeu bevollmachtigten nicht angehet, den magistrat hierinfalls zur rede 
zu ziehen. 

10. Deputati haben eben dieses in ihren exceptionibus gantz wohl- 
bemerket, hiehin erhohlen sie dieselbe, so wie ihre dabey §. ultimo mit allem 
fug und grund erlassene feyerlichste bezeigung. 

5) Gulisches 25tes beschwerd. 

Ex parte Churpfalz. Schluss-Satz. Martis, den 4. Augusti 1772. 

Da deputirte so oft auf das gegen-pro memoria sich bezogen, welches wegen 
denen ehrenbezeigungen tibergeben worden und sich angehen liessen, als wenn 
sie ab der von churpfalzl. substituirten bevollmachtigten darauf gefertigten 
antwort nichts wussten, so wtirde dieses mit dem zusatz in erinnerung 
gebracht, dass churpfalzl. bevollmachtigter sich niemalen vergessen werde, 
bey denen hin und wieder geflissentlich angebrachten niedertrachtigkeiten 
aufzuhalten; 

Das allerhochst und hohe richteramt wtirde schon wissen, deren werth 
und den lob zu bestimmen, welchen deren verfasser verdiene. 

Unter die affectirten unwissenheiten gehore . ubrigens jene, welche von 
denen vormaligen pasquillen angegeben wiirde; es seyen indessen geschehene 
sachen, und wie wenig der magistrat gemeinet sey, seinen amts obliegenheiten 
nachzukommen, gabe der inhalt des § septimi. 

Zur billigmassigen genugthuung wegen dem verflossenen, und fur die 
zukunft den magistrat mit nachdruck anzuweisen, dass in derley begeben- 
heiten derselbe nach vorschrift deren reichs policey verordnungen sich embssiger 
verwende, seye die geziemende und rechtliche bitte, wegen denen kosten 
wiirden dahingegen vorige erinnerungen wiederholet. 

6) Giilisches 25tes beschwerd. 

Ex parte der stadt; gegen Schluss-Satz. Sabbathi, den 8. Augusti 1772. 

1. Nicht ohne fug haben deputirte sich jeweilen auf ihres in betref 
der ehrenbezeigungen ubergebene gegen pro memoria abbezogen; und wenn 



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Beitrage zur Geschiclite der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 225 

sie gleich wissen, dass diesem hernachst eine beantwortung vom herzogl. 
giilischen sulstituirten (!) bevollmachtigten habe wollen widersetzet werden, 
so seye ihnen jedoch nicht minder bekannt, dass eben diesse in verpaarung 
mit jeneni viel zu schwaeh und derwegeu keine noth gewesen, ein naheres 
entgegenkommen zu lassen. 

2. Erwahnetes gegen pro memoria habe die widrige vorfiihrungen von satz 
zu satz weggeraumet, vermeine dahero herzogl. gttlischer bevollmachtigter 
niedertrachtigkeiten darinnen gefunden zu haben, so werde er auch wobl 
begreifen, von woher solche veranlasset und dass sein eigenes darneben gesetztes 
pro memoria von selbiger art sachen verschiedene befasset. 

3. Was ansonsten von affectirten unwissenheiten, von dahin gehbrigen 
pasquillen und von des magistrats amts vernachlassigungen er daher schreibet, 
seyen leere worte und ungleiehe vorwurfe, deren nicht das mindeste er bis 
hieran zum beweiss gebracht, noch je bringen werde. 

4. Vor allerhochst kayserl. Majestat vertrauet der magistrat aller unter- 
thanigst sich hierinfalls allemal reichs polizey verordnungsmassig zu verant- 
worten, und dieses seye ihme genug, ohne dass es auf das ungleiehe vor- 
riipfen des herzogl. giilischen bevollmachtigten aukomme, ohne auch dass 
diesen solche sache betrefen kSnne. Eben selbiger uneigenheit halber und 
dass deme ohngehindert hochansehnliche commission jenseits mit dergleichen 
verhalten, anmit zeit und k5sten vergeblich aufgerieben werden, haben depu- 
tati sich feyerlichst bezeugct und nunmehro nemliche bezeugung wiederholeu 
desto mehrere ursach, in je mehreren satzen so thane ungehorigkeiten jenseits 
ausgetrieben werden. 

Anhang IV. 

Aktenstiicke zur Geschiclite der Censur in Aachen wahrend der 
Fremdherrschaft. 

Die im Aachener Stadtarchiv zur Geschichte der Censur wahrend 
der Fremdherrschaft vorhandenen Aktenstiicke gehtfren iiberwiegend 
der Zeit zwischen 1800 und 1814 an. Das letzte Jahrzehnt des vorigen 
Jahrhunderts ist nur sparlich vertreten, da die eigentliche Knebelung 
der Presse erst zur Zeit des Kaiserreichs ihren Anfang nahm. I^nes 
Kommentars bedu rfen die nachstehenden Abdriicke nicht ; sie dienen als 
Beweise zu den bei der Greschichte der einzelnen Zeitungen gemachten 
Angaben. Gedruckt ist bisher nur der sehr kurze Prafektur-Erlass vom 
3. Dezember 1810, welcher seiner hervorragenden Wichtigkeit wegen 
hier nicht ftiglich fehlen durfte. 

1. Der franzosische Unter-Kommissar Estienne ersucht nach Einsicht e-iner 
von zwei Ordensgeistlichen herausgegebenen Schrift den Aachener Rath, die 
Geistlichheit anzuweisen, der Republik feindliche Grundsatze nicht zu verbreiten. 
Aachen, 20. November 1797. (Aachener Stadtarchiv.) 

15 



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22C E. Pauls 

Lunae, 20. Novembris 1797. 
Kleins Raths. 

In dem heutigen rathssitz ersehiene anfangs der franzosische unter- 
kommissair herr Estienne und beschwehrte sich laut dariiber, daas zwey 
auf seinem befehl wiirklich eingezogene ordensgeistlichen sich unterstanden 
hatten, grundsatze, welche gerade gegen die republique anlauften, drucken 
und verbreiten zu lassen; vortragend, dass um solcher ungebiihr in der 
zukunft vorzubeugen, der rath durch ein cirulare sofort verkundigen lassen 
solle, dass ein jeder geistlicher sich an keinen anderen, dann berufs und 
evangeliums gegenstanden befassen, und mithin durchaus nicht in politischen 
sachen sich einraischen, vielweniger gegen die franzosische republik anstoss- 
liche grundsatze zu verbreiten sich unterstehen solle, um nicht in den 
unvermeidlichen fall zu gerathen, dass nach aller strenge der gesatzen wider 
ihn verfahren werden miisse. 

RathsprotokoIIe Bd. XLII, S. 115 f. 

2- Bericht des franzosischen Kommissars Estienne fiber die in Aachen 
erscheinenden Zeitungen und deren Richtttng. Aachen, 10. Februar 1800. 
(Aachener Stadtarchir.) 

Departement de la Roer 1 . Canton d'Aix la Chapelle. 
Etat des gazettes et autres feuilles periodiques, qui s'imprimcnt a Aix 
la Chapelle. Dresse" en Execution de Parret6 des consuls en datte du 27. nivose 
an 8 et conformement a la lettre de l'administration centrale de la Roer du 
16 pluviose. 

Aachener Zuschauer. Le spectateur d'Aix. 

Anteur: Offermanns; imprimeur: Offermanns. 

Objets dont ils traitent: Politique, nouvelles, rinterieur, des armies et 

etrangeres. 
Observation sur Pesprit: Cette feuille 6toit tres interessante sous le 
rapport des principes republicans, des dissertations tant politiques que 
polemiques, de la variete* des objets qui y etoient traites et surtout par la 
purete* du style. Lorsque le citoyen Francois Dautzenberg en etoit le redac- 
teur, alors elle ne contribuoit pas peu a donner une bonne direction a l'esprit 
publique et a diriger les habitans vers 1'amour de la Republique franchise; 
mais depuis que le citoyen (Mermanns en est proprietaire, elle seressent (!) 
presque toujours des 6ccarts de Pimagination de son redacteur et en devienne 
tantot insignifiante et tantot coupable par les nouvelles fausses et allar- 
mantes qui y ont 6t6 inser6es; il seroit a desirer que le citoyen Francois 
Dautzenberg en reprit la redaction. 



i) Im Nachfolgenden wird bei den fra?izdsischen Schriftstiicken, deren Urschrift 
im Aachener Stadtarchiv beruht, die Interpunktion selbststdndig gestaltet. Grosse Anfangs- 
bucfistaben sind zu An fang eines Satzes und bei Eigennamen beibehalten ; die Abkiirzungen 
wurden meist aufgelbst; im UebHgen ist die mehrfach unregelmdssige Schreibweise des 
Originals nicht gedndert. 



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Beitrage zur Geschichte dcr Buchdruekereicn, dcs Buchhandels etc. 227 

Aachener Merkur. Le Mercure d'Aix. 

Auteur: Vliex; imprimeur: Vliex. 

Objets dont ils traitent: Politique, nouvelles, Pinterieur, des armies et 

etrangeres. 
Observation sur Pesprit: La gazette de Vliex, intituled rAmi dc la 
VeritSe (!) fut supprimSe par Parr^te* du eommissaire du gouvernement en datte 
du 28 germinal der r a cause des principes antirepublicains qu'elle renfermoit; 
ayant reparu sous le titre de Mercure d'Aix la Chapelle, toujours avec la 
meme audace, Pad ministration centrale de la Roer ordonna par son arrete* 

du florcal que les scellSs seroient apposes sur ses presses ou elle 

s'imprimoit, lesquels ne fussent lev6s que par une indulgence dont Vliex 
n'a profite" que pour taire toutes les nouvelles avantageuses aux republicains 
et affecter d'en publier de fausses ou d'autres qu'il croyait propres a rani- 
mer Pespoir des ennemies de la * France. Enfin ce redacteur ci-devant Capucin 
a toujours conserve" Pesprit monacal et ne continue a Salter de ses sottises 
le papier que sous Pinfluence de ses anciens confreres. Etant devenu in- 
corrigible malgre* les avertissemens qui lui avoient 6t6 faits et un jugement 
du tribunal correctionel de Parrondissement d'Aix la Chapelle, fut traduit 
il y environs quatre mois par devant un conseil de guerre et condamne* a 
trois mois de prison, dont il ne vient de sortir que pour continuer d'6crire 
et de faire gerair le bons sens. 

Aachener Staats- Kriegs- und gelehrte Nachrichten. Nouvelles 

litteraires d'6tat et de la guerre. 

Auteur: Leisten; imprimeur: Schiflfers. 

Objets dont ils traitent: Politique, nouvelles, Pinterieur, des armies et 

etrangeres. 
Observation sur Pesprit: Les lecteurs de cette nouvelle feuille qui 
presumoit beaucoup de Pesprit et de connoissance de son redacteur preten- 
dent que le citoyen Leisten donne dans chaque numero la preuve evidente 
qu'il est plus ais6 de se faire une reputation que de la conserver; au reste 
on y a encore remarque* rien de contraire aux principes republicains, si ce 
n'est quelques infractions au reglement du eommissaire du gouvernement en 
datte du 10. brumaire qui interdit art. 764 d'accoler dans les ouvrages 
periodiques Pancien calendrier au nouveau, ce que le citoyen Leisten n'a 
point observe* ainsi qu'il est constate* par le numero 43 de sa feuille jointe 
au present etat 2 . 

Aachener Zeitung. Gazette d'Aix. 

Auteur: Muller; imprimeur: Muller. 

Objets dont ils traitent: Annonces, avis divers et commerce. 

Observation sur Pesprit: La gazette d'Aix la Chapelle doit £tre d'autant 

plus conserved qu'elle est utile par ses annonces aux habitans de cette commune, 



9 Im Text zweimal de la. 

2) Liegt der Urschrift im Aachener Sladtarchiv nicht bei. 



15* 

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228 E. Pauls 

que d'ailleurs elle n'a jamais rien plublie de dangereux, qu'en fin elle procure 
la subsistance a un viellard infirme dans son lit dont il n'a pu s'elever depuis 
un grand nombre d'annttes. 

Fait et presents par ^administration municipale du canton d'Aix la 
Chapelle a Tadministration centrale du departement de la Roer. 
Aix la Chapelle le 21 pluviose an 8 de la rep. fr. 

Le commissaire du gouvernement Estienne. 
(Signe*s.) Ferd. Heusch, vice president. 

J. A. Heusch. A. J. Longree. Hermens. Jos. Muller, secretaire. 

3. Prdfekturrath Jacobi beauftragt in Stellvertretung des Prdfekten den 
Maire der Stadt Aachen, die Zeitungsschreiber seines Bezirks anzuiveisen, 
Mittheilungen, welche einen ungilnstigen Einfluss auf den Handel und die 
offentliche Meinung ausiiben konnten, nicht zu veroffentlichen, besonders aber 
es zu wrmeiden, Artikel iiber Religion, die verschiedenen religiosen Bekennt- 
nisse und die Kirchendiener zu bringen. Aachen, 12. August 1801. (Orig. 
Aachener Stadtarchiv.) 

Liberty. figalite. 

Aix-la-Chapelle, le 24 Thermidor an 9 de la Republique franchise. 
Le preset du departement de la Roer au maire d' Aix-la-Chapelle. 

Citoyen. 

II est (!) quelques joumalistes de votre commune, qui malgre* les plus 
douces exhortations et m&me en depit des peines qui leur ont ete justement 
infligees, continuent a insurer dans leurs feuilles periodiques des nouvelles, 
dont le but ne peut 6tre que d'inquieter le commerce et corrompre l'opinion 
publique, ou qui se permettent d'occuper leurs lecteurs de remits fastidieux 
relatifs a des affaires de religion et fournissent par la matiere a des dis- 
cussions qui ne sont propres qu'a porter le trouble dans la societe. 

II vient de m'etre enjoint par le commissaire general du gouvernement 
et par le minis tre de la police generale de signifier a tous les redacteurs 
de feuilles periodiques de ce departement qu'ils doivent s'abstenir d'y publier 
les nouvelles qui peuvent avoir une influence defavorable sur le commerce 
et Pesprit public, ainsi que de rien y insurer de tout ce qui peut 
concerner la religion, les ministres et les cultes divers, sous 
peine de voir arr^ter sur le champ la circulation, la vente et le debit de 
leurs journaux. 

Les ordres que j'ai recus sont trop positifs, et j'en reconnais trop 
t'utilite* (!), pour ne pas les ex<5euter avec la plus grande severity envers 
ceux qui n6gligeraient de se conformer a cc qui leur est present. 

Je vous invite en consequence a faire comparaitre sans delai tous les 
journalistes de votre commune, pour leur faire connaitre ces dispositions et 
les prevenir que, sous aucun pretexte, ils ne doivent surtout entretenir leurs 
lecteurs de rien de ce qui peut etre relatif a la religion que, s'ils y contre- 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 229 

viennent, j'ordonnerai la suppression de leurs feuilles, sans admettre pour 

excuse les sources, quelles qu'elles soient, ou ils auront puise" leurs remits. 

Vous aurez soin de me rendre compte de l'execution cette mesure. 

Je vous salue. 

Pour le preset en tourn£e: 

Le conseiller de prefecture 

Jacobi. 

4. Prdfekturrath Jacobi, in Stellvert retting des erkrankten Prdfekten, 
fordert den Maire der Stadt Aachen auf, die Zeitungsschreiber seines Bezirks 
anzuweisen, sich jeder Mittheilung fiber die schwebenden Verhandlungen in 
ihren Bldttern zu enthalten und beziiglich der Aufnahme von Artikeln fiber 
Religion, die verschiedenen religiosen Bekenntnisse und die Kirchendiener das 
unter dem 24. Thermidor 9. Jahrs ergangene Verbot genait zu beachten. 
Aachen, 20. Dezember 1801. (Orig. Aachener Stadtarchiv.) 

Liberty. £galite. 

Aix-la-Chapelle, le 29 frimaire an 10 de la Repubiique francaise. 

Le preset du departement de la Koer au maire d' Aix-la-Chapelle. 

Citoyen maire. 

Quelques eerivains periodiques se permettent d'entretenir leurs lecteurs 
des subsistances : les reflexions, meme les plus sages, sur un objet de cette 
nature peuvent fournir a la malveillance des moyens d'allarmer les esprits. 

II est essentiel de pr6venir les inconveniens que produirait l'indiscretion 
des journalistes : c'est l'intention formelle du gouvernement, qui vient de 
m'ordonner de leur recommander, a cet Sgard, un silence absolu. 

Je vous invite en consequence, citoyen maire, a faire comparaitre devant 
vous ceux de votre commune, a leur faire connaitre les ordres du gouver- 
nement, et a les engager a se garder d'y contrevenir, meme en copiant 
d'autres feuilles de l'interieur s'ils ne veulent me contraindre a leur appli- 
quer les mesures de rigueur, qu'il a mises en m6me terns a ma disposition. 

Vous profiterez de cette occasion pour leur rapeller les dispositions de 
la lettre que je vous ai ecrite le 24 thermidor dernier sous no 1813: j'ai vu 
r6cemment avec peine que, malgre ses promesses, l'incorrigible Vliex s'est 
encore permis d'inserer dans une de ses feuilles une lettre relative aux cultes ; 
mais que cette fois il sache enfin par vous, lui et ses collogues qu'a la 
premiere faute de ce genre ou de tout autre qu'il leur est deffendu (!) de 
commettre, je ferai seeller leur (!) presses et interdirai la publication de leurs 
journaux, pour leur prouver que cette menace n'est point illusoire. 

Je vous salue. 

Le conseiller de prefecture, charge des fonctions du prefet malade, 

Jacobi. 

5- Prdfekt Mechin ersucht nach Auftrag des Justizministers den Maire 
der Stadt Aachen, die Zeitungsschreiber seines Bezirks aufzufordem, Mit- 



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230 E, Pauls 

theilungen iiber die Beivegungen in den franzdsischen Hdfen und Armeen sowie 
Auszilge a us englischen Zeitungen nur in dem Falle zu veroffentlichen, dass 
dieselben auf den Angaben des amtlichen BJattes „Der Moniteur" beruhten. 
Aachen, 4. Juni 1803. (Orig. Aachener Stadtarchiv.) 

Libert^. figalite. 

Aix-la-Chapelle, le 15 prairial an 11 de la R6publique franc, aise. 

Le preset du de^partement de la Roer au maire d'Aix-la-Chapelle. 

Conformiment aux ordres que je viens de reccvoir du grand juge 
ministre de la justice, je vous invite, eitoyen, a faire connaitre des Pinstant 
de la reception de la prGsente, a tous les rSdacteurs des feuilles publiques 
quelconques, qui s'impriment dans votre arrondissement, qu'il leur est seve- 
rement d^fendu, de la part du gouvernement, d'inse>er dans leurs feuilles 
aucune annonce concernant les mouveinens dans nos ports et dans nos armees, 
ainsi qu'aueun extrait des papiers anglais, avant que le journal offi- 
ciel: (Le Moniteur) ne les ait pr^alablement fait connaitre. 

Ceux qui enfreindront cette defense, s'exposeront a voir prohiber sur 

le champ la circulation de leurs journaux. 

J'ai Fhonneur de vous saluer. 

Al. Mechin. 

6. Prdfekt Al. Mechin benachrichtigt den Maire der Stadt Aachen, dass 
nach einer Entscheidung des Justizministers das unter dem 15. Prairial 11. Jahrs 
fur die Zeitungsschreiber ergangene Verbot von Mittheilungen iiber die Be- 
ivegungen in den franzdsischen Hdfen und Armeen, sich attch auf Mittheilungen 
iiber die Ausrustung, das Auslaufen und die Ruckkehr von Kaperschiffen 
erstrecke. Aachen, 7. Juni 1803. (Orig. Aachener Stadtarchiv.) 

Liberty. £galite\ 

Aix-la-Chapelle, le 18 prairial an 11 de la R6publique francaise. 

Le preset du d^partement de la Roer au maire d'Aix-la-Chapelle. 

Je vous prSviens, eitoyen, que la defense, que je vous ai charge" (par 
ma lettre du 15 de ce mois) de faire aux journalistes de parler des mouve- 
mens dans nos ports et dans nos armies, doit s'6tendre aux armemens, a la 
sortie et la rentrSe des corsaires, ainsi que le grand-juge vient de me le 
faire connaitre par sa lettre du 14 du courant. 

Veuillez bien en prSvenir les redacteurs des journaux, qui s'impriment 

dans votre arrondissement, conformSment aux dispositions finales de ma 

lettre pr6eit6e. 

J'ai l'honneur de vous saluer. 

Al. Mechin. 

7. Prdfekt Lameth ersucht nach Auftrag des Pol izei ministers den Maire 
der Stadt Aachen, die stddtischen Zeitungsherausgeber anzuweisen, nur solche 
politische Artikel zu veroffentlichen, %ve 1 che aus dem Moniteur entnommen seien 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels etc. 231 

und ausserdem vom 1. Januar 1808 ab nach Einreichung einer Aufstellung 
iiber den Ertrag ihrer Zeitungen ein Sechstel dieses Ertrags an die Prdfektur 
abzuUefern. Aachen, 12. November 1807. (Orig. Aachener Stadtarchiv.) 

Aix-la-Chapelle, le 12 novembre 1807. 
Le general Alex. Lameth, preset du departement de la Roer, membre de la 

legion d'honneur. 
A monsieur le maire d'Aix-la-Chapclle. 

Son excellence le senateur ministre de la police g6n6rale me mande, 
monsieur le maire, qu'ayant eu a se plaindre de Pindiscretion de plusieurs 
journaux des departemens qui se permettent d'inserer dans leurs feuilles 
une foule de nouvelles fausses ou hazardees qu'ils tirent des gazettes etran- 
geres, de parler du mouvcment de nos troupes de terre et de mer, enfin de 
publier des actes de l'autorite sup6rieure qui doivent rester secrets, il avoit 
cru necessaire de prendre une mesure generale pour arreter ce desordre; 
en consequence il m'invite a defendre aux journalistes d'ins6rer 
a Pavenir dans leurs feuilles aucun article quelconque relatif 
a la politique, excepts seulement ceux qu'ils pourront copier 
dans le Moniteur, et a les avertir, qu'il feroit supprimer sans 
retour ceux qui ne se conformeroient pas avec la plus grande 
Exactitude a cette disposition. 

Son excellence me mande aussi, que les journaux de Paris payant au 
gouvernement deux douxiemes de leur produit, il ne lui paroit pas juste 
d'accorder aux journaux des departemens aucun privilege a cet egard; qu'en 
consequence, a dater du premier Janvier 1808 ils devront me pre- 
senter un etat exact du produit de leurs feuilles et verser a la 
prefecture deux douxiemes de ce produit dont je rendrai compte 
a son excellence. 

Veuillcz bien, monsieur le maire, notifier ces nouvelles dispositions 
aux journalistes de la ville d'Aix la Chapelle et veiller avec soin a leur 
execution. Vous voudrez bien aussi leur enjoindre d'adresser regulierement 
a son excellence un exemplaire de leurs feuilles. 

J'ai l'honneur de vous saluer. Alex. Lameth. 

8. Prcifekt Lameth beauftragt auf Befehl des Polizeiministers den Maire 
der Stadt Aachen, die Herausgabe der Stadt Aachner Zeitung und des Aachner 
Merkur bis auf Weiteres deshalb zu untersagen, well diese Zeitungen andere 
politische Artikel als aus dem Moniteur entnommene gebracht hdtten. Aachen, 
21. Dezember 1807. (Orig. Aachener Stadtarchiv.) 

Aix-la-Chapelle, le 21 deeembre 1807. 
Le general Alex. Lameth, prefet du departement de la Roer, membre dc la 

legion d'honneur. 
A monsieur le maire d'Aix la Chapelle. 
Son excellence le senateur ministre de la police generale me mande, 
monsieur le maire, qu'il lui a ete rendu compte que les journaux qui s'im- 



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232 E. Pauls. 

priment a Aix la Chapelle sous le titre de Stadt Aachner Zeitung, et 
Aaehner mcrkur renfermoient encore des articles politiques pris ailleurs 
que dans le Moniteur. II m'enjoint en consequence de suspendre la circu- 
lation de ces deux feuilles jusqu'a nouvel ordre et de veiller a ce qu'il ne 
soit plus contrevenu aux ordres qu'il a donn6s et que je vous ai iransmis 
par ma lettre du 12 novembre dernier. Vous voudrez bien en consequence, 
monsieur le maire, a la reception de la presente faire connoitre cette decision 
aux proprietaires et redacteurs de ces deux journaux et veiller a sa stricte 
execution. 

J'ai Phonneur de vous saluer 

Alex. Lameth. 

9. Prafekt Ladoucette ordnet an, dass vom 1. September 1809 ab nicht 
tnehr als zwei Zeitungen im Roerdepartement erscheinen sollen. Aachen 
24. August 1809. (Orig. Aachener Stadtarchiv.) 

Aix la Chapelle, le 24. aoiit 1809. 
Le prefet du departement de la Roer, membre de la legion d'honneur, 
chevalier de l'Empire. 
D'apres les ordres de son excellence le ministre de la police generate 
de Pempire, relativement a la suppression de quatre journaux dans le d6par- 
tement de la Roer, a la redaction des ciuq qui subsisteront, a la nomination 
a faire par nous des redacteurs, a la communication a leur donner des 
instructions du 6 Novembre 1807, aux mesures a prendre contre ceux qui 
y porteraient infraction. 

Nous arretons ce qui suit: 
Art. 1. 
A dater du 1 septembre 1809, il ne paraitra plus dans le departement 
de la Roer que les journaux ci-apres; savoir: 

A Aix-la-Chapelle, le Postilion de la Roer, redacteur le sieur Bouvard; 
la Gazette Generale, redacteur le sieur Gall. 

Art. 2. 
Ces journaux seront imprimes en francais, avec la faculte aux redac- 
teurs de conserver une colonne pour la traduction allemande. 

Art. 3. 
Les journalistes conserves seront tenus, sans aucune indemnite, de 
servir suivant les etats qui seront joints au present, jusqu'a fin de leurs (!) 
souscription, les abonnes des gazettes supprimees. lis s'entendront de maniere 
a se charger chacun de la moitie des dits souscripteurs. Les sous-prefets 
de Cologne, de Cloves et le maire d' Aix-la-Chapelle decideront, chacun en 
ce qui le concerne, les diffieultes qui interviendroient a cet egard. 

Art. 4. 
D'aprfes le grand nombre des abonnes du Staats-Both a Cologne, et 
Tavis qui nous a ete donne du changement rescent du proprietaire de cette 
feuille, les journalistes du departement qui profiteront de ses abonnes en 



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Beitrage zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buekhandels etc. 233 

1810 seront tenus, de lui remettre, comrae indemnit6, la moiti6 de la souserip- 
tion des dits abonn6s. 

Art. 5. 
Les journalistes conserves aequitteront, a dater du premier scptembro 
prochain les droits dus au ministere de la police g6ne>ale de l'empire, dans 
la proportion suivante par ann6e; savoir: 

Le postilion de la Roer quatre cents francs 400.— 
La Gazette GSnerale trois cents francs 300.— 

Art. 6. 
Nous n'entendons rien decider par le present en ce qui concerne la 
pioprtettf des journaux. 

Art. 7. 
II est formelleinent r6iti5r6 que la gazette ou Ton enfreindrait les 
instructions du 6. novembre 1807 serait sur le champ supprim6e. A cet 
effet, il ne sera donne* une nouvelle ampliation aux cinq redacteurs. 

Donn6 en l'hotel de la pr6fecture, les jours et an que dessus; signed 
Ladoucette *. 

Pour ampliation Le Pr6fet de la Roer 

(gez.) Ladoucette. 

10- Prttfekt Ladoucette ordnet an, dass tier bisher im Boer depart ement 
erschienene Zeitungen vom 1. Januar 1811 ab eingehen und durch das Journal 
da de'partement de la Roer ersetzt werden sollen. Aachen, 3. Dezemb'er 1810. 

Gedr. Receuil des actes du departement de la Roer, an 1810, p. 356. 

Avis. 
Messieurs les Sous-Pr6fets et Maires sont pr^venus, qu'en execution 
du dSeret imperial du 3 aoiit 1810, sur la police des journaux, le Postilion 
de la Roer, la Gazette Universelle, la Gazette de Cologne et PObservateur, 
cesseront de paraitre, a dater du premier Janvier 1811, et seront remplac«5s 
par une feuille, imprime* dans les deux langues et intituled Journal du 
DSpartement de la Roer. 

Aix la Chapelle, le 3 dScembre 1810. 

Le Preset de la Roer, Ladoucette. 

11. Pr&fect Ladoucette empfiehlt dem Maire der Stadt Aachen, seinen Eht- 
fluss zu verivenden, damit das Journal de la Roer moglichst viele Abonnenten 
erhalte. Aachen, 15. Juni 1811. (Orig. Aachener Stadtarchiv.) 

Aix-La-Chapelle le 15. Juin 1811. 
Monsieur le maire. 
Vous aurez sans doute r6marqu6 avec satisfaction Pempressement que 
met le proprie" taire du Journal de la Roer, a insurer tout ce qui peut in- 



!) Das „signe u sowie unten das „gez. a beiveisen, dass dieser Erlass mehreren Be- 
liorden zugeschickt wurde. Oedruckt ist er, sotveit ich es ubersehen kann, bislier nicht 
mehrere seiner Bestimmungen waren im J. 1809 zur Veroffentlichung angeeignet. 



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234 E. Pauls. 

t£resser votre ressort, payer un juste tribut d'eloges a votre administration 

et faire valoir les traits de denouement, les belles actions &c. Cette feuille 

£tant dans les deux langues peut faciliter Pusage de la langue franc. aise, 

et c'est encore un but d'utilite et d'agrSment. Je desire des lors que vous 

vous serviez de votre influence pour que le journaliste qui d'ailleurs est un 

homme estimable et plein de talens, compte autant d'abonn£s que possible 

et se trouve amplement dedommage" de ses peines et de ses sacrifices. 

Recevez, monsieur, les assurances sinceres de ma consideration et de 

mon attachement. 

Le pr6fet de la Roer 

Ladoucette. 
A Monsieur le Maire d' Aix-la-Chapelle. 

12- Prafekt Ladoucette gestattet auf Antrag des Herausgebers des Journal 
de la Roer die Entsiegelung der von demselben angekauften Druckpresse des 
sieur Crell. Aachen, 15. Dezember 1813. (Orig. Aachener Stadtarchiv.) 

Prefecture de la Roer. 
Extrait du registre des arreted du preset du d<5partement de la Roer. 

Aix-la-Chapelle, le 15 d£cembre 1813. 

Nous prefet du d^partement de la Roer, chevalier de la legion d'honneur, 
baron de PEmpire. 

Vu la lettre en date de 14 de ce mois par laquelle le sieur Weiss, 
r£daeteur du journal politique de la Roer, nous expose que Pimprimeur 
Beaufort se refuse d'imprimer sa feuille; 

Que les autres imprimeurs d'Aix-la-Chapelle ne sont pas suffisamment 
approvisionn£s en presses, earacteres et autres ustensiles d'imprimerie, pour 
se charger de ce labeur. 

Le sieur Weiss demande que les scell6s qui ont £t6 apposes sur Pim- 
primerie, qu'il avait achet£e du sieur Crell, soient lev£s le plus promptement 
possible et qu'il soit autorise" a s'en servir, afin de pouvoir donner suite a 
son entreprise et remplir ses engagemens avec ses abonn^s. 

Consid^rant que le journal de la Roer est d'une importance majeure 

dans les circonstances ; 

Vu Purgenee, 

Arretons ce qui suit: 

Art. 1. 

Les scell£s qui ont e^e* apposes snr Pimprimerie que le sr. Weiss avait 

achet6e du sr. Crell, seront lev6s dans le jour pour les soins du maire, d'un 

adjoint et d'un commissaire de police d' Aix-la-Chapelle. 

Art. 2. 
Les presses, caract6res, ustensiles et autres objets qui composent cette 
imprimerie seront remis sur le champ a la disposition de monsieur Weiss, 
afin qu'il puisse pubiier le journal de la Roer, dont la redaction lui est 
confine. 



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Bcitr&ge zur Geschichte der Buctdruckereien, des Buchhandels etc. 235 

Art. 3. 
Le sieur Weiss et provisoirement autorise" a faire usage pour l'im- 
pression de sa feuille des objSts d'imprimerie, dont il s'agit. 

Art. 4. 

Le proces -verbal de cette operation nous sera adresse" sans delai par 

le maire d'Aix-la-Chapelle. 

Art. 5. 

Ampliation du present seTa soumise a monsieur le directeur g6n6ral 

de rimprimerie et de la librairie, expedite a monsieur Pinspecteur, a monsieur 

le maire d'Aix-la-Chapelle et a monsieur Weiss. 

Donne" a Aix-la-Chapelle les jour, mois et an que dessus. 

Sign6 Ladoucctte. 

Pour ampliation le preset de la Boer 

Ladoucette. 



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Die Aachener Sternzunft, 

Nach Handschriften dargestellt. 
Von Theodor Oppenhoff. 

Wie die Geschichte des Mittelalters lehrt, beruhte die 
politische Herrschaft in den raeisten deutschen Stadten, welche 
schon friihzeitig eine gewisse Selbstandigkeit erlangten, bei 
wenigen, zum grossten Theil aus dem Stande der Freigeborenen 
hervorgegangenen, durch Reichthum und geleistete Dienste aus- 
gezeichneten Geschlechtern. Fast uberall konnte sich jedoch 
dieses aristokratische Regiment auf die Dauer nicht behaupten. 
Missbrauch der Gewalt und Uebermuth auf der einen, das Auf- 
bluhen nnd das dadurch gesteigerte Selbstgefiihl des kleinen 
Btirgerstandes auf der andern Seite fiihrten Umwalzungen her- 
bei, welche mit dem Sturze der Geschlechter und dem Erstehen 
eines Regiments auf vorwiegend demokratischer Grundlage 
endeten. 



Erklarung der Citate: AGV.: Zeitsehrift des Aachener Geschichts- 
vereins, 1879 ff. — AVZ.: Zeitsehrift des Vereins fur Kunde der Aachener 
Vorzeit, 1887 ff. — Ann.: Annalen des historischen Vereins f. d. Niederrhein, 
1855 ff. — Jbb.: Jahrbiieher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rhein- 
lande, 1842 ff. — Publ. de Limb.: Publications de la soctete" historique et 
arch6ologique dans le duche* de Limbourg, 1864 ff. — Fahne: A. Fahne's 
Geschichte der Kolnischen, Julichschen und Bergischen Geschlechter, 1848, 
1853. — Forstemann: Ernst Forstemann, Altdeutsches namenbuch, 1856, 
1859 (2. Aufl. 1871). — Frommann: G. Karl Frommann, Die deutschen Mund- 
arten, 1854 ff. — v. Fiirth: Freih. Herrmann Ariovist v. Furth, Beitrage und 
Material zur Geschichte der Aachener Patrizier-Familien, 1890, 1882, 1890. — 
Haagen: Friedrich Haagen, Geschichte Achens, 1873, 1874. — Heusch: 
Anton Heusch, Nomina Dominorum Canonicorum regaiis ecclesiae B. M. V. 
Aquisgranensis, 1892. — Kaltenbach: J. H. Kaltenbach, Der Regierungs- 
bezirk Aachen, 1850. — LA.: Theod. Jos. Lacomblet, Archiv fur die Geschichte 
des Niederrheins, 1831 ff. — Laur.: J. Laurent, Aachener Stadtrechnungen 
aus dem XIV. Jahrhundert, 1866. — Loersch: Hugo Loersch, Achener Rechts- 
denkmaler aus dem 13., 14. und 15. Jahrhundert, 1871. — Macco: Hermann 
Friedrich Macco, Beitrage zur Geschichte und Genealogie rheinischer Adels- 



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Die Aachener Sternzunft. 237 

Den wesentlichsten Antheil an diesen Erfolgen hatte die Ent- 
wicklung des Zunftwesens, indem die Zunfte, obschon urspriing- 
lich nur zur Forderung des Gewerbebetriebs und Handwerks als 
solchen bestimmt, allgemach einen politischen Charakter annahmen 
und dadurch, dass sie die Berufsgenossen in den verschiedenen 
Zweigen biirgerlicher Thatigkeit zu ebensovielen geschlossenen 
und gegliederten Korporationen verbanden, nur unter sich einig 
zu sein brauchten, urn eine unwiderstehliche Macht zu bilden. 

Demgemass traten denn audi meist gerade die Ztinfte an 
die Stelle der alten Geschlechter, so dass diesen, urn nicht jeden 
Einfluss im Staatsleben einzubiissen, vielfach nichts iibrig blieb, 
als in eine Zunft ein- oder zu einer solchen zusammenzutreten 
oder aber, wenn sie schon zuvor eine korporative Genossen- 
schaft bildeten, den Namen sowie die ausseren Formen einer 
Zunft anzunehmen. 

Denselben Verlauf hatte im Wesentlichen die innere Geschichte 
der Reichsstadt Aachen. Hier vollzog sich jener Wechsel des 
Eegiments und zwar nicht ohne schwere Kampfe, welche in 
ihren ersten Anfangen bis in das 14. Jahrhundert zuriickreichen, 
vornemlich wahrend des 15., mithin erheblich spater als in Koln 
und manchen andern freien Stadten. Vom 24. November 1450 
datirt der beruhmte Gaffelbrief, welcher bestimmt war, trotz mehr- 
facher Anfechtung und Unterbrechung seiner Wirksamkeit eine 
dauernde Gestaltung der staatlichen Verhaltnisse zu schaffen oder 
doch anzubahnen. Derselbe beseitigte zwar noch nicht, wie mit- 
unter, z. B. von Barthold 1 , gesagt wird, den aus den Ge- 
schlechtern zusammengesetzten Erbrath, sondern fuhrte letzterem 
nur eine ansehnliche Zahl neuer, von den Ziinften gewahlter Mit- 
glieder zu 2 ; immerhin bildete er aber die Grundlage und den Aus- 

familien, 1884, 1887. — Meyer: Karl Franz Meyer, Aachensehe Geschichten, 
1781. -r- Moser: J. J. Moser, Staatsreeht des Heil. Rora. Reichs Statt Aachen, 
1740. — Millie r-Weitz: J. Miiller und W. Weitz, Die Aachener Mundart, 
1836. — Noppius: Joannes Noppius, Aacher Chronik 1632, (neu aufgelegt: 
1774). — Poswick: Eugene Poswick, Histoire de la noblesse Lirabourgeoise, 
tome I 1873 (raehr ist nicht erschienen). — Strange: Joseph Strange, Beitrage 
zur Genealogie der adligen Geschlechter, 1864 ff. — Strange, Nachr.: 
Jos. Strange, Nachrichten iiber Adelige Familien und Gliter, 1879. — 
Quix: Chr. Quix, Beitrage zu einer historisch-topographischen Beschreibung 
des Kreises Eupen, 1837. — Teuthonista: Gherard von der Schueren, 
Teuthonista of Duytschlender, 1475, 1477 (neu herausgegeben: 1804). 

*) Geschichte der deutschen Stadte IV, 251. 

2 ) Loerseh bei Haagen II, 633. 



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238 Theodor Oppenhoff 

gangspunkt fur die spat ere reichsstadtische Verfassung, welcher 
zufolge — ahnlich wie zu Zeiten in Koln — statt eines zwei 
Rathskorper, der grosse und der kleine Rath, beide vornemlich 
aus den Wahlen der Ziinfte hervorgegangen, sich mit dem 
Magistrate in die Regierung und Verwaltung nach gewissen, 
hier nicht naher zu erorternden Grundsatzen theilten K 

Wahrend die Zahl der Aachener Ziinfte sich in den Jahren 
1428 und 1437 noch auf zehn belief, fiihrt jener Gaffelbrief 
deren elf und unter ihnen an erster Stelle den neuen, an zehnter 
Stelle den alten Stern auf. Wie die Ziinfte Lewenberg, Pontort 
und Schwarz Ahren ihre Namen von Gebauden fuhrten, welche 
so bezeichnet wurden und jenen als Versammlungslokale dienten, 
ebenso ist der Name Stern als Zunftname auf einen Gebaude- 
namen zuriickzufiihren. In letzterer Bedeutung kommt das Wort 
schon im 14. Jahrhundert vor, so in der Stadtrechnung von 
1349 2 , wo ausdriicklich von einer domus Stella, in derjenigen von 
1385 s , wo von dem „ stein wege vur den Sterre", und in den- 
jenigen von 1371, 1391 4 , wo von einem „huysse by den alden 
Sterre" geredet wird. Die Bezeichnung „alder Sterre" deutet 
ferner darauf hin, dass sogar zwei Gebaude des Namens Stern 
bestanden. Mindestens eines derselben diente schon damals 
genossenschaftlichen Zwecken, indem die Stadtrechnungen der 
„gesellen zen Sterre" zu haufigen Malen gedenken und zwar an 
einzelnen Stellen in einer Weise, welche es wahrscheinlich macht, 
dass jene ,, gesellen" gelegentlich die Funktionen einer Art 
Nobelgarde versahen und dafiir von der Stadt besoldet wurden. 
In der Rechnung von 1376 ft lautet ein Posten: „It. den gesellen 
van den Sterren, dat sii by eyn bleven als lange der keysser 
ind kfiynnyng zft Aighen w&ren 16", einer der Rechnung des Jahres 
1385 6 : „Primo, den gesellen van den Sterre, hieschen yren solt, 
2 veirdell a . Bemerkenswerth durfte noch ein zweiter Posten 



*) Vgl. iiber diese in ihrer geschichtliohen Entwicklung grosse Schwierig- 
keiteu bietende Materie Loerseh S. 1 ff. und die dort mitgetheilte Literatur; 
v. Fiirth I, 120 ff.; II, 2, S. 209 ff. und an vielen andern Stellen; Haagen 
II, 284 ff., 379 ff., 404 ff. und 582 ff. 633 ff. (Loerseh). 

2 ) Laur. S. 200, 202. 

3 ) Ebenda S. 334. 

4 ) Ebenda Nr. 366, 383. 
6 ) Ebenda S. 255. 

6 ) Ebenda S. 319. 



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Die Aachener Sternzunft. 239 

der letztern Rechnung sein 1 , welcher also lautet: „It. die ander 
gesellen geraeynlich myt me gesellen van den Sterre gingen ze 
bade 4 U . Dass den Gesellen vom Sterne ebenso wie den „werck- 
meisteren? und „der steede gesinde ind der burgermeister gesinde a 
an gewissen Tagen „geschenke a zuflossen, geht aus zahlreichen 
Stellen jener Stadtrechnungen hervor. 

Inzwischen ist der Zunftname „Neuer Stern" nur mittelbar 
von einem Hause des Namens Stern abzuleiten. Unmittelbar 
entlehnt ward hier die Bezeichnung „Stern tf oifenbar von der 
altern Genossenschaft dieses Namens und zwar wegen der 
zwischen beiden Zunften herrschenden inneren Verwandtschaft, 
wahrend das zur Unterscheidung von jener beigefugte Pradikat 
„neuer tt sich dadurch erklart, dass die so bezeichnete Zunft 
erst im J. 1450 neu gegriindet wurde. Hierfiir spricht nicht 
allein, dass ihrer bis dahin niemals gedacht und dass sie im 
Gaffelbriefe alien iibrigen Zunften vorausgeschickt wird, sondern 
auch die Tradition 2 . 

In der Folgezeit kommt, obschon die Zahl der Ziinfte sich 
auf vierzehn bezw. fiinfzehn steigerte, nur noch eine Sternzunft 
vor. Ob letztere aus einer Verschmelzung des alten und neuen 
Sterns entstanden, oder ob sie mit nur einer dieser beiden Ziinfte, 
speziell mit dem neuen Stern, identisch gewesen und die andere 
Zunft eingegangen sei, sind zur Zeit noch ungeloste Fragen. 

Dieselbe behauptete als die Zunft des Adels, welche sich 
darum auch, mindestens in den letztverflossenen Jahrhunderten, 
die „hochadelige tt , die tribus nobilium, nannte, unter den Aachener 
Zunften die vornehmste Stelle. Sie verdankte einen solchen 
Vorrang jedoch nicht ausschliesslich dem Umstande, dass ihre 
Mitglieder meist Manner werden gewesen sein, welche sich 
durch ihre Geburt und ihre Familienverbindungen, durch Reich- 
thum und hohere gesellschaftliche Bildung vor ihren Mitbiirgern 
auszeichneten, sondern auch, ja sogar ganz besonders den engen 



') Laur. S. 333. 

2 ) Vgl. in dieser Hinsicht die bei v. Fiirth I, 120 ff. abgedruckten, 
im August 1790 der Kreisdirektorial-Kommission iibergebenen Protestations- 
Schriften des SchSffenstuhls und der „diesem anklebenden u Sternzunft; dort 
heisst es: „Durch den im J. 1450 zum Aeussersten getriebenen Aufruhr sahen 
die damaligen Schoffen sich gezwungen, ihrem lebenslangliehen Rathssitz zu 
entsagen und fur sich eigen eine Zunft, so die neue Sternzunft ware, als 
die erste zu errichten." — Uebrigens wurden auch in Koln die Geschlechter 
durch mehrere Ziinfte (die fiinf sogen. Ritterziinfte) vertreten. 



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240 Theodor Oppenhoff 

Beziehungen, in denen die Zunft selbst eben als adelige Zunft 
von jeher zu dem hochberuhmten Aachener Schoffenstuhle stand. 
So lange die Herrschaft der Geschlechter dauerte, lag es 
schon in der Natur der Sache, dass der Schoffenstuhl lediglich 
mit Angehorigen dieser Geschlechter, der sogen. Schoffenfamilien, 
besetzt wurde und dass, wenn es unter letztern an der nothigen 
Zahl geeigneter Personlichkeiten mangelte, dieselbe nicht aus 
dem kleinen Biirgerstande, sondern aus den adeligen Standes- 
genossen der naheren oder weiteren Umgebung vervollstandigt 
ward. Inzwischen brachte selbst der obenerwahnte Umschwung 
der Dinge — augenscheinlich in Folge dessen, dass der Schoffen- 
stuhl sich selbst durch Kooptation erganzte — wiederum ahn- 
lich wie zu Koln, keine wesentliche Aenderung zu Wege, ein 
Zustand, dessen Rechtmassigkeit in zwei Diplomen Kaiser Frie- 
drichs III. von 1454 und 1473 vorausgesetzt und anerkannt 
wird. Wenn im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts mehrfach 
Streitigkeiten iiber die Besetzung des Schoffenstuhls zwischen 
diesem und dem Magistrat sich erhoben und wiederholt vor den 
Kaiser bezw. den Reichshofrath gebracht wurden, so betrafen 
diese, soweit sie iiberhaupt prinzipieller Natur waren, haupt- 
sachlich doch nur die Frage, ob die Wahl Nichteinheimischer 
oder Nichteingesessener statthaft sei; dass der Schoffenstuhl 
unter den Einheimischen ganz vorzugsweise die adeligen bezw. 
die Patrizier-Familien bei den Wahlen zu beriicksichtigen pflegte, 
ward an sich von dem Magistrate niemals geriigt 1 . Die einzige 
Konzession, welche man im Laufe der Zeit der Herrschaft der 
Zunfte nach dieser Richtung hin machte, scheint vielmehr darin 
bestanden zu haben, dass zuin Eintritt in das Schoffenkollegium 
nicht mehr die Zugehorigkeit zu einer jener Schoffenfamilien 
als solche, sondern die Eigenschaft eines Mitglieds der Stern- 
zunft gefordert wurde. Art. V des Gaffelbriefs vom 21. Januar 
1681 sanctionirte Letzteres sogar gesetzlich; dieser Gaffelbrief 
wurde zwar drei Jahre spater wieder aufgehoben, gleichwohl 
aber, als dem fruhern Herkommen entsprechend, nach wie vor 
befolgt 2 . Es kann daher nicht Wunder nehmen, wenn zwischen 
dem Schoffenstuhl und der Sternzunft stets ein gutes Ein- 
vernehmen herrschte, wenn beide in politischen Angelegenheiten 



1 ) Vgl. Moser S. 112 ff. 

2 ) Vgl. v. Furth II, S. 184 und unten S. 246. 



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Die Aachener Sternzunft. 241 

eng zusammenhielten und wenn es auch in Sachen rein geschaft- 
licher Art an mannigfachen Beriihrungspunkten nicht fehlte. 

Trotz der grossen Bedeutung, welche hiernach der Stern- 
zunft zugestanden werden muss, ist von Aufzeichnungen der- 
selben nur Weniges auf uns gekommen. Das stadtische Archiv 
besitzt, soviel bekannt, nur eine einzige Handschrift dieser Art. 
Sie umfasst 17 in einen Pergamentdeckel geheftete Folioblatter 
und enthalt ausser einem Mitglieder- und Vermogens-Verzeich- 
nisse die Rechnungsablagen der Zunftvorsteher, der sogen. 
Greven, far die Zeit von 1563 bis 1571, verbunden mit gelegent- 
lichen Notizen tiber die Grevenwahl und einzelnes Andere. Diese 
Handschrift ist offenbar gemeint, wenn Haagen 1 von Stern- 
zunftsprotokollen des 16. Jahrhunderts spricht. Die in derselben 
vorfindliche Rechnung uber die Kosten eines Festessens aus dem 
Jahre 1567 hat dem Archivar Kantzeler den Stoff zu einem 
kleinen, im Echo der Gegenwart 2 veroffentlichten Aufsatz ge- 
liefert. Das Mitgliederverzeichniss der Handschrift ist bei 
v. Fiirth 3 abgedruckt. 

Dass es an ahnlichen Aufzeichnungen aus spaterer Zeit 
nicht gemangelt habe, unterlag schon an sich keinem Zweifel. 
v. Fiirth 4 theilt sogar (als zweites Mitgliederverzeichniss) einen 
notariellen Auszug aus zwei solchen im Archiv des Schoffen- 
stuhls vorfindlich gewesenen Protokollen mit, indem er gleich- 
zeitig die Vermuthung ausspricht, dass letztere selbst seitdem 
verloren gegangen seien. Diese Vermuthung ist jedoch eine 
irrige. Beide Protokolle, jedes einen Band fiillend, sind uns 
erhalten und beruhen gegenwartig im Provinzialarchive zu Diissel- 
dorf, wohin sie mit vielen andern, gleich ihnen aus dem Besitze 
des Schoffenstuhls in denjenigen des Aachener Landgerichts 
gelangten Urkunden im J. 1873 abgegeben wurden. Sie erschopfen 
mit der oben erwahnten Handschrift aus dem 16. Jahrhundert 
anscheinend die gesammte, noch vorhandene Nachlassenschaft 
der Zunft, wenn von einzelnen beziiglich des Zunfthauses ge- 
pflogenen Verhandlungen und den gleichfalls auf losen Blattern 
geschriebenen Rechnungsablagen aus der Zeit von 1708 bis 
1745, 1756 und 1785 abgesehen wird, welche erst in jiingerer 



J ) II, S. 305. 

2 ) Jahrgang 1868, Nt. 258. 

3 ) n, 2. Anh., S. 204 ff. 

4 ) A. a. 0. S. 206. 



16 

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242 Theodor Oppenhoff 

Zeit wieder an's Licht gezogen und einstweilen noch unter den 
Archivalien des Landgerichts verblieben sind. 

Herr Geheimer Archivrath Dr. Harless war auf die an 
ihn ergangene Bitte so giitig, jene beiden Protokollbticher 
behufs ihrer Benutzung ftir lokalgeschichtliche Studien zur Ver- 
ftigung zu stellen. Sie verdienen in der That, trotz ihres durch- 
weg diirftigen und monotonen Inhalts, hier n&her besprochen 
und auszugsweise bekanut gemacht zu werden, da sie immerhin 
zur Aufhellung der ziinftischen Verhaltnisse im Allgemeinen 
beitragen und von der Wirksamkeit der Sternzunft insbesondre 
Zeugniss ablegen, ja Tiber den Rahmen des ziinftischen Wesens 
hinaus manchen Blick in die Verfassung der Stadt tiberhaupt 
gestatten, manches Streiflicht auf deren innere Geschichte werfen 
und nebenbei auch einzelnes kulturhistorisch, namentlich volks- 
wirthschaftlich Beachtungswerthe bieten. Der offizielle Charakter 
dieser Protokollbiicher, welche im weiteren Verlaufe zum Unter- 
schied von der oben erwahnten, demnachst mit Buch I bezeich- 
neten Handschrift aus dera 16. Jahrhundert unter der Bezeichnung 
Buch II und III aufgefiihrt werden, unterliegt ihrem ganzen 
Inhalte nach nicht dem mindesten Zweifel; ergibt sich doch aus 
Buch II, dass die Auslagen fur das Binden pp. desselben der 
Zunft zur Last geschrieben wurden. „Item a , so heisst es nam- 
lich in der Rechnung von 1607 ff. (Bl. 37), „dem boghbinder 
vor diss bogh zu herbinden und zu virgeleren und etligh pampir 
darzu gethan — 2 gl. a 

Dieses Buch II (in Quartformat) umfasst, 13 vorangehende, 
gemass den gedruckten Buchstabenresten ftir ein alphabetisches 
Inhaltsverzeichniss bestimmte, aber leer gebliebene Blatter un- 
gerechnet, 67 Blatter, von denen sich jedoch einzelne nicht 
beschrieben finden. Buch III (in Folioformat) enthalt 149 Blatter 
und darunter 52 (namlich 1 — 3, 11 — 48, 139 — 149) beschriebene. 
Jenes ist im Jahre 1607 angelegt und bis zum Jahre 1715 
fortgefiihrt, Buch III bereicht die Zeit von 1713 bis 1798, indem 
die Eintragungen aus den Jahren 1713 bis 1715 in beiden vollig 
gleich lauten. 

Abgesehen von einem den Beginn machenden, augenschein- 
lich mit Liebe gefertigten und weit zuriickreichenden Verzeich- 
nisse der Zunftgenossen und einer sehr in's Einzelne gehenden, 
sich iiber elf Jahre (1607 bis 1617) verbreitenden Rechnungs- 
ablage (vgl. Bl. 13—16, 37—44), liefert Buch II fur die langste 



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Die Aaehener Sternzunft. 243 

Zeit blosse Vermerke und zwar meist nur solche iiber die An- 
nahme neuer Mitglieder sowie die Neuwahl der Greven. Erst 
gegen das Ende des 17. Jahrhunderts gestalten sich die Ein- 
tragungen zu formlichen, theilweise freilich noch recht diirftigen 
Sitzungsprotokollen, denen sich mehrere sehr kurz gehaltene 
Rechnungsablagen und sonstige auf das Vermogen der Zunft 
sowie dessen Verwaltung beziigliche Notizen anschliessen. Im 
Buche III finden sich dagegen die Protokolle iiber die Sitzungen 
durchweg mit Sorgfalt, in guter Ordnung und Reihenfolge ein- 
getragen, wahrend die Aufschlusse, welche dieses Buch iiber die 
Vermogensverwaltung enthalt, desto sparlicher sind, ein Mangel, 
der iibrigens durch die obenerwahnten, jiingst aufgefundenen 
Rechnungen einigermassen ersetzt wird. 

Wie die Biicher II und III bestatigen, beschrankte sich die 
regelmassige Thatigkeit der Zunft auf die Wahl der allj&hr- 
lich fiir den Wechsel der Rathsmitglieder zu prasen- 
tierenden Kandidaten und auf die inneren Angelegen- 
heiten der Zunft selbst, speziell auf die Annahme neuer 
Zunftmitglieder, die Wahl der Greven und die Fassung von 
Beschliissen iiber das ziinftische Vermogen. 

Zu dem Behufe wurde, ausser einzelnen aber nur seltenen 
ausserordentlichen Sitzungen, jahrlich ein „Stuhltag a gehalten, 
welcher in die zweite Halfte des Juni, meist auf den 22. dieses 
Monats fiel, weil „bekandtlich umb st. Johann (24. Juni) der 
halbe kleine und grosse raht gewohnlich umbgewechselt und 
verandert zu werden pfleget" (III, 18) K 

Die Zahl der zum Rathe zu Prasentierenden belief sich 
auf acht. Selbstredend pflegte die Zunft dieselben aus ihrer 
Mitte zu wahlen. Wenn im J. 1767 Freiherr Anton Wilhelm 



J ) Der 24. Juni spielte sehon im Gaffelbrief von 1450 eine Rolle, und 
zwar als der Tag, an welchem jede Zunft „sechs gude manne onser bur- 
gere van adeldom ind guder famen" wahlen sollte. Desto befremdlicher 
erscheint es, dass, dem Buche I zufolge, der Stuhltag, an welchem die 
Grevenwahl stattfand (von den Wahlen zum Bath rcdet Buch I iiberhaupt 
nicht), wahrend der Zeit von 1563 bis 1576 an keinem Tage im Juni, sondern 
bald am 10. August (Laurentiustag), bald am 20. August oder am 4. Sep- 
tember abgehalten wurde. Keinesfalls lasst sich jedoch hieraus schliessen, 
dass damals alljahrlich wiederkehrende Rathswahlen Iiberhaupt nicht vor- 
genommen seien, da die dahin zielende Verfassungsanderung des Jahres 1477 
schon im J. 1513 wieder umgestossen wurde; vgl. Loersch bei Haagen II, 
S. 633 ff. 

16* 



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244 Theodor Oppenhoff 

v. Lamberts zum Eathsherrn vorgeschlagen ward, ohne Mit- 
glied der Zunft zu sein, so geschah dies augenscheinlich nur, 
weil damals seine vier Wochen spater erfolgte Aufnahme in die 
Zunft eine bereits beschlossene Sache war. In einem unten 
naher besprochenen Falle aus dem Jahre 1789 wahlte die Zunft 
zwar wiederum ihr bisher niclit angehorige Personen, aber nur 
unter ganz besondern Umstanden und mit dem ausdriicklichen 
Vorbehalte, „dass die hiervon zum rathe aufgenommenen herren 
nur pro hocce unico actu angenommen sein, iibrigens aber fur 
die zukunft nicht als mitglieder der zunft verbleiben sollen" 
(III, 140). 

Bei der Wahl hatten Diejenigen, welche Schoffen waren, 
den Vorzug und es wurden darum die sonst Prasentierten Bei- 
gekorne genannt (III, 41 ff.). Dementsprechend lieisst es im 
Sitzungsprotokolle vom 22. Juni 1724 (III, 17): „Nachdem von 
denen zeitlichen hh. greven den anwesenden stuhlbruderen 
nebst vorheriger danksagung weger alhiesiger comparition vor- 
getragen worden, wie dass die hh. gebrudern sich gefallen wollen 
zur prasentirung neuer rathsglieder, wie brauchlich, und zwarn 
vorganglich auss dem scheffenstuhl und so fort deren anderen 
beliebig zu schreiten." Aehnlich lautet das Protokoll vom 
21. Juni 1725 (III, 18) \ Im Falle der Stimmengleichheit ent- 
schied das Loos (III, 17 v ). 

Man wahlte allgemein fur den Eath, unterschied hierbei 
also nicht zwischen dem kleinen und dem grossen Eath. Wer 
unter den Prasentierten in den Eath gelangte, findet sich aus- 
nahmsweise durch Zusatze zu den Sitzungsprotokollen vermerkt, 
und zwar fiir die Jahre 1767 bis 1769, wo jedesmal einer derselben 
als „kleines a , zwei als „grossen raths herren tt , ferner fiir das 
Jahr 1768, wo einer als „kleines u , vier dagegen als „grossen 
raths herren" angenommen wurden (III, 37, 38). Urn die 
damalige Zeit scheint daher die Zahl der Angenommenen zu 
derjenigen der Prasentierten in keinem fest normirten Verhalt- 
nisse gestanden zu haben. Welche Grundsatze damals in dieser 
Hinsicht herrschten, und wer iiber die Annahme und Nicht- 
annahme der Prasentierten entschied, lassen die Zunftbiicher im 
Dunkeln. Nach einer Erklarung des Magistrats vom Jahre 1593 2 
geschah Letzteres vom Eathe, welcher jedoch in seinem Ent- 

J ) Vgl. auch v. Flirth I, 121, 126. 
*) Haagen H, 285. 



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Die Aachener Sternzunft. 245 

scheidungsrechte insofern beschrankt war, als er die prasentierten 
Schoffen nicht iibergehen durfte, urn Beigekorne anzunehmen K 
Wie zwar nicht aus den Zunftbiichern, wohl aber aus eineni 
anlasslich eines Spezialfalls gefallten Urtheil des Reichskammer- 
gerichts vom 10. Dezember 1787 erhellt, dessen Abdruck in 
einem, die sogen. grosse Mackelei betreffenden Sammelbande 
der hiesigen Stadtbibliothek, Nr. 845, vorflndlich ist, Melt sich 
die Sternzunft kraft eines Herkommens fiir berechtigt, auch 
abwesende Zunftglieder, ungeachtet solche dem gemeinen Wesen 
keinen Dienst leisten konnten, zu prasentieren; das Reichskammer- 
gericht hob jedoch dieses Herkommen als einen den Worten und 
dem Sinne des Gaffelbriefs von 1450 zuwiderlaufenden, unleid- 
lichen Missbrauch auf und befahl dem zeitlichen Rathe, dergleicheu 
Prasentationen „in Zukunft nicht anderst anzunehmen, als dass 
dem Prasentirten und Gewahlten eine proportionirte Frist zu 
Antritt und Verwaltung der Rathsstelle und zwar bey Verlust 
der auf ihn gefallenen Wahl anberaumt werde tt . 

Charakteristisch ist ein 1689 fiir die Dauer von sechs Jahren 
gefasster, 1695 um weitere sechs Jahre „kontinuirter u Mehr- 
heitsbeschluss, dahin gehend, „dass zu abfuhrung der jharlichen 
kost und reparationen dieser zunft die jenige, welche kiinftig 
zum grossen rhat erwolt werden, eine flasche weins und der 
oder die jenige, so zum kleinen rhat genohmen werden, sechs 
reichsthlr. zahlen sollen und solches fiir die zwey jhar der 
rhats bedienung" (II, 19, 21). 

Jedes manuliche, selbstandige Mitglied des stadtischen 
Adels oder Patriziats war nicht schon als solches, mithin von 
Rechtswegen, „Sternherr a bezw. „Stuhlbruder u , noch beruhte 
diese Eigenschaft — was man vielleicht aus dem Gaffelbrief 
von 1450 folgern konnte, — einzig auf der eignen, freien Ent- 
schliessung der betreffenden Herren; sie war vielmehr, wie 
schon friiher angedeutet ward, durch eine formliche Aufnahme 
in die Zunft mittels Abstimmung der bisherigen Mitglieder 
bedingt. Solches gait sogar fiir die Biirgermeister und den Vogt- 
major, d. h. den Vertreter des Herzogs von Jiilich als Inhaber 
der Vogtmeierei iiber Aachen; sie mussten sich daher gleich- 
falls der Abstimmung unterwerfen, waren dann aber auch voll- 
berechtigte Mitglieder, und es bildete namentlich das Verhalt- 



J ) v. Fiirth a. a. 0. 

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246 Theodor Oppenhoff 

niss, in welchem der Vogtmeier zum Herzog von Julich stand, 
soviel ersichtlich ist, kein Hinderniss, dass jener die Funktionen 
eines Sternherrn in ihrem ganzen Umfange versah. Anderer- 
seits beschrankte sich das Aufnahmerecht nicht auf Aachener 
und Insassen des „ Aachener Reichs", noch auch ausschliesslich 
auf Personen adeliger oder patrizischer Abkunft. Vielmehr 
begegnet man unter den Aufgenommenen nicht bloss adeligen 
Personlichkeiten, welche in mehr oder weniger weiter Feme 
ihren Sitz hatten und zweifelsohne des Aachener Biirgerr edits 
von Haus aus nicht theilhaftig waren, sondern auch Personen 
aus biirgerlichen Familien nichtpatrizischen Standes. Zum Min- 
desten gilt letzteres von hoheren Geistlichen und von Rechts- 
gelehrten, weshalb zur Aufnahme von Personlichkeiten biirger- 
lichen Standes eine akademische, speziell eine rechtwissenschaft- 
liche Bildung, welche jene zur dereinstigen Berufung in den 
Schoffenstuhl eignete, stillschweigende Bedingung gewesen zu 
sein scheint 1 . Wie streng darauf gehalten wurde, dass die 
Schoffen der Sternzunft angehorten, erhellt daraus, dass, als 
in den Jahren 1767 und 1785 die Wahl zu Schoffen auf Nicht- 
mitglieder gefallen war, die Zunft ausserordentliche Sitzungen 
hielt, urn jene als Sternherren anzunehmen, „ehe sie zur acht 
behufs ausschworung des schoffeneides hingiengen" (III, 43, 47). 
Die Annahme neuer Stuhlbriider fand iiberhaupt nicht bloss 
an den ordentlichen Stuhltagen, sondern auch in ausserordent- 
lichen Sitzungen statt. In Sitzungen, zu denen nicht die gesammte 
Zunft, sondern nur eine aus ihrer Mitte gebildete Kommission 



*) Vgl. v. Fttrt h II, 2, S. 211 die dort mitgetheilte, urn das Jahr 
1614 gesehriebene Notiz, welche bei Aufzahlung der Zunfte sagt: „1, Stern, 
in welcher zunft seabini, nobiles et literati mehreres theils begriffen, 
3, Bock, ubi itidem nobiles, doctores, literati, mercatores et alii eiusmodi 
spectabiles viri. a Hiernach war, wie im Stern nicht ausschliesslich der Adel, 
so in der damals Bock, fruher, z. B. im Gaffelbrief von 1450, Lewenberg 
genannten Zunft nicht ausschliesslich der Gelehrtenstand, sondern auch ein 
Theil des stadtischen Adels, ja selbst der Kaufmannschaft (von adeligen 
Familien vielleicht namentlich deren jlingere Mitglieder) zu finden und bestand 
der Hauptunterschied zwischen beiden, beziiglich der Zusammensetzung, 
wohl nur darin, dass bei jener die Schoffen und der Adel, bei dieser, der 
„tribus literatorum a , die Fachgelehrten die grosse Mehrheit bildeten. — Ein 
gereifteres Alter ward iibrigens zur Aufnahme in erstere Zunft nicht 
erfordert; dies ergeben die im Mitgliederverzeichniss des Buches HE nach- 
getragenen Todesnachrichten, denen zufolge einzelne Sternherren ihre Auf- 
nahme urn 50 bis 60 Jahre uberlebt haben. 



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Die Aachener Sternzunft. 247 

beschieden war, konnte dagegen ein soldier Akt nicht erfolgen, 
was in einem besondern Falle (1707) ausdriicklich ausgesprochen 
wurde (II, 26 v ). Der Kandidat musste seine Aufnahme bei 
den Greven selbst beantragen. Als im J. 1716 (III, 13), dem 
entgegen, Mehrere sich zu gedachtem Zwecke an einzelne Stern- 
herren oder an den Siegler gewandt hatten, und durch solche 
zu Stuhlbriidern vorgeschlagen wurden, ward diesem Begehren 
zwar stattgegeben, gleichzeitig aber beschlossen, „dass kunftig 
keiner zum stuhlbruder angenommen werden solle, er habe 
sich denn zuvor, dem alten brauch und wohlhergebrachter 
gewohnheit gemass, bei zeitigen herren greven angemeldet". 
Dies schloss selbstredend nicht aus, dass die Meldung von Dritten, 
insbesondere von Stuhlbriidern selbst angeregt wurde. So meldete 
sich im J. 1718 der Reichsgraf Adolph Augustin Franz v. Alt- 
han, Freiherr in Goldtburg und Muhestatten, Domkapitular 
des Erzstifts Salzburg und Kommissar des Hochfurstl. Hofraths- 
Prasidenten 1 auf die Anregung mehrerer Stuhlbruder, „der hoch- 
adeligen sternzunft die ehre zu erzeigen, sich in besagter 
gesellschaft einschreiben zu lassen" (III, 14 v ). Die Zunft 
scheint den in Folge dessen einhellig Aufgenommenen jedoch 
nur als Ehrenmitglied betrachtet zu haben, indem sein Name 
im Mitgliederverzeichnisse sich nicht vorfindet. Sonst waren die 
auswartigen Sternherren zweifelsohne vollberechtigte Mitglieder. 
So betheiligt sich z. B. der im J. 1727 zum Sternherrn an- 
genommene Freiherr v. Westrem, Abt zu Siegburg, im J. 1728 
an den Abstimmungen und Beschlussfassungen. Immerhin kamen 
jedoch Falle, wo die in grosserer Entferung von Aachen sess- 
haften Adeligen bei den Geschaften der Zunft mitwirkten, der 
Natur der Sache und dem Buche III zufolge, nur selten vor, 
so dass dieselben thatsachlich fast nur dem Namen nach der Zunft 
angehorten. Sicherlich waren sie der letzteren auch nur in 
solcher Absicht beigetreten, indem sie trotz ihrer an sich schon 
bevorzugten sozialen Stellung in der Eigenschaft eines Stern- 
herrn eine sie ehrende Auszeichnung erblickten, woraus zu er- 
hellen scheint, dass das hohe Ansehen, dessen sich die Zunft 
erfreute, weit iiber die Grenzen des sogen. Aachener Reichs 
hinaus gereicht hat. 

*) Augenscheinlich dieselbe Personlichkeit, welche als Graf v. Alt- 
heimb in dem von Carl Oppenhoff, AGT. VI, S. 1 ff. besprochenen Schflffen- 
buch S. 16. 24 erwahnt wird. 



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248 Theodor Oppenhoff 

Es kennzeichnet den aristokratischen Geist der Zunft, dass 
die Wappen der zu Sternherrn Angenommenen, auf Glas gemalt, 
in die Fenster des Zunfthauses eingelassen und daselbst bis 
zum Ausscheiden jener belassen wurden. So erklart es sich, 
wenn in der Ueberschrift des Mitgliederverzeichnisses des 
Buches I gesagt wird, die Namen der derzeitigen Stuhlbriider 
seien „nay laudt der scheiffen (Fensterscheiben) tt zusammen- 
gestellt worden. Auf diesen Brauch deuten ferner die Ausgabe- 
posten in den Rechnungsablagen von 1566, 1567, 1570 und 
1611 (I, 8, 11, 13; II, 13 v ): „It. die scheiff zu hermaellen 
meister Cornelius betzalt vur 6 scheildt 7 rthlr." — „eodem 
anno 1567 entricht den moeller om etzliche waepen inder schyven 
intzosetzen 8 rthlr." — „eodem hoc anno mester Cornellis den 
meler vor vounff waepen inder schyffen intzosetzen betzalt 
10 rthlr." — „anno 1611 hat m r Peter verlacht (ausgelegt) 
an molen der vinsteren." In den spateren Rechnungsablagen 
finden sich dergleichen Auslagen nicht mehr, sei es, weil die- 
selben damals nicht von der Zunft als solcher, sondern von den 
betreffenden Stuhlbriidern selbst bestritten wurden, sei es, weil 
der ganze Brauch ausser Uebung gekommen war. Dagegen 
erhellt aus einem Vermerke im Sitzungsprotokolle von 1727 
(III, 19 v ), dass zu damaliger Zeit ein „cathalogus tt gefiihrt 
ward, in welchen die Neuangenommenen sich eigenhandig ein- 
schrieben. 

Abgesehen von dem oben * erwahnten, durch besondere Ura- 
stande motivirten und keine prinzipielle Bedeutung beanspruchen- 
den Falle, erfolgte die Annahme zum Stuhlbruder fiir Lebens- 
zeit. Auch enthalten die Zunftbiicher kein Beispiel, dass ein 
Sternherr aus irgend einem Grunde aus der Zunft ausgestossen 
worden ware. Wohl aber ist es vorgekommen, dass ein solcher 
freiwillig ausschied. So liegt dem Buche II ein loser Zettel bei, 
dahin lautend: „Domine sigillarie: der herr wolle mir den 
gefallen thun und kundigen den herren zum Sternen namens 
meiner an, dass ich mich der ehre forthin bedanke, langer von 
der gesellschaft zu sein, und dass ich begehre, dass mein name 
alsobald ausgethan werde. Aachen, am 4. Augusti 1689. F.J. Graeff 
von Merode d'HofFalize." Diese ^renunciation auf die zunftgerech- 
tigkeiten" wurde denn auch, und zwar schon am folgenden Tage, 



J ) Vgl. S. 244. 



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Die Aachener Sternzunft. 249 

von der zu dem Behufe „convocirten a Zunft bewilligt (II, 19 v ). 
In einem andern Falle scheint der Austritt aus der Zunft un- 
mittelbar nach der Aufnahme in dieselbe oder doch ganz bald 
nachher erklart worden zu sein, ohne dfess dieserhalb ein beson- 
derer, die Erklarung anerkennender Beschluss ergangen ware. 
Es findet sich namlich der Name des betreffenden Herrn iin 
Mitgliederverzeichnisse (III, 3) einfach geloscht und am Rande 
der Vermerk „hat sich bedankt". 

Die Aufnahme erfolgte „ sal vis iuribus", d. h. der Neuauf- 
genommene musste der Zunft eine Summe Geldes und eiu Viertel 
Weins spenden, welcher letztere „auf der Leuben (d. h. in der 
Zunfthalle) verdrunken" wurde (II, 7). Der Weinspende wird 
spater nicht mehr gedacht; dagegen stieg die Geldspende, das 
„gesellengeld u , wie es im Buch I genannt wird, im Laufe der 
Zeiten ganz bedeutend. Dasselbe betrug im 16. Jahrhundert 
5 bezw. 10, im Anfange des 17. 14 bezw. 28 Gulden, im 18. Jahr- 
hundert 26 Gulden 5 Mark bezw. 53 Gulden 4 Mark. Man unter- 
schied namlich simplicia und duplicia iura, indem laut einer 
Notiz im Buch I, 15 diejenigen Neuaufgenommenen, deren Vater 
bereits Sternherrn gewesen waren, nur die Halfte von dem zu 
zahlen hatten, was die andern zahlen mussten. So niedrig nach 
heutigen Begriffen jene Eintrittsgelder immerhin noch waren, 
ereignete es sich trotzdem nicht selten, dass die adeligen Herren 
mit deren Zahlung in Riickstand blieben. Im J. 1658 erging 
ein formlicher Beschluss, dass „hinfuro keiner, der seine gewohn- 
liche iura nicht zahlen sollte, durch der gesellschaft diener 
(zu den Stuhltagen) citirt werde" (II, 52). Als ein 1692 in die 
Zunft aufgenommener Herr v. Heistermann acht Jahre spater 
zum Rathe prasentiert werden sollte, ergaben sich wegen der 
bisher unterbliebenen Zahlung „diffikultaten a , welche erst da- 
durch gehoben wurden, dass ein anderer Sternherr fiir jenen 
gutsagte (II, 20. 23). Dem Churfurstl. Wirklichen Geheimen 
Rathe v. Rave ward die Zahlung jener Gelder gleich bei der 
Wahl (1705) erlassen (II, 25); zu Gunsten des Godart v. Kever- 
bergh gen. Meven fand (1658) ein theilweiser Erlass statt, „weilen 
er zuvor der gesellschafft einen block zum [baw (d. h. zum 
Wiederaufbau des Sterns 2 ) verehret" (II, 9). 

Die Zahl der Neuaufgenommenen wechselte sehr erheblich. 



*) Vgl. unten S. 255. 



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250 Theodor Oppenhoff 

Mitunter vergingen mehrere Jahre, oline dass auch nur eine einzige 
Person in die Zunft neu eintrat, wahrend zu anderen Zeiten die 
Annahme neuer Mitglieder gewisserraassen stossweise erfolgte, 
so z. B. im Jahre 1648, wo auf demselben Stuhltage elf Per- 
sonen zu Stuhlbriidern angenommen wurden. In den Jahren 
1714, 1750 und 1751 ward formlich beschlossen, dass „mit der 
annehmung neuer briider ein anstand genohmen werden solle", 
und dies im Beschlusse von 1714 damit motivirt, „weil noch 
genugsame subjecta vorhanden, so zum rathe prasentirt werden 
konnen" (III, 11, 30). Nicht lange nach letzterem Beschlusse, 
namlich am 13. Februar 1715, fand freilich dessenungeachtet 
ein ausserordentlicher Stuhltag behufs Aufnahme vier neuer 
Briider statt, „so zwarn vorhin schon aggreirt gewesen, heut aber 
mit einem glass wein bewillkommt worden" (III, 12) \ 

Schon hieraus lasst sich schliessen, dass, zum mindesten in 
den letzten Jahrhunderten, die Gesammtzahl der zeitweiligen 
Stuhlbriider regelmassig keine grosse gewesen ist, was iibrigens 
auch durch die Mitgliederverzeichnisse der Zunftbticher bestatigt 
wird. Diesen zufolge zahlte die Zunft am 1. August 1569 41, 
am 22. Juni 1713 anscheinend sogar nur 30, am 24. April 1792 
nur 34 Mitglieder. Eben darauf deutet fur das 18. Jahrhundert 
die massige Zahl der in den Sitzungen Erschienenen, welche im 
Buche III stets mit Namen aufgefuhrt werden; sie schwankte 
an den ordentlichen Stuhltagen durchweg zwischen den Ziffern 
10 bis 20. 

Letztere Erscheinung mag allerdings hauflg durch Saumig- 
keit der Stuhlbriider ihre theilweise Erklarung linden. Dass in 
dieser Hinsicht schon friiher Anlass zu Klagen vorlag, beweisen 
zwei Zunftbeschliisse von 1661 und 1688, dahin lautend, dass 
„diejenigen herren, welche gepeurlich eingeladen, ohne wichtige 
ursach uff gewohnlichem versambelungstag aussplieben, in eine 
straff von einem viertel, bezw. von einhalb viertel weins et 



J ) Dergleichen Bewillkommnungen Neuaufgenommener fanden auch sonst 
statt (III, 15. 21). An den Stuhltagen von 1721 und 1742 erschienen die 
eben Aufgenommenen sogar schon wahrend der Sitzung nnd betheiligten sich 
an den weitern Beschlussfassungen (III, 15. 26); ja es fiihrt in dem altera 
dieser Falle das Sitzungsprotokoll die so Erschienenen ohne Weiteres unter 
den anwesenden Stuhlbriidern auf; dass jene in derselben Sitzung erst als 
solche angenommen worden waren, erfahrt man lediglich aus dem Mitglieder- 
verzeichnisse. 



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Die Aachener Sternzunft. 251 

optimo verfallen seien, welches am tage, wan die fensteren 
visitirt 1 , erstattet werden solle" (II, 53, 18). Diese Beschliisse, 
sowie ein ahnlicher aus dem Jahre 1690 (II, 19 v ) wurden jedoch 
anscheinend niemals ernstlich gehandhabt und haben daher 
schwerlich viel gefruchtet. 

An die Aufnahme neuer Mitglieder schloss sich, wenn sie 
nicht schon vor derselben stattgefunden hatte, die Wahl der 
beiden Zunftvorsteher oder Greven, indem diese Wahl stets nur 
fur ein Jahr gait. Wiederwahl war jedoch nicht ausgeschlossen, 
und so kam es, dass fast regelmassig dieselben Personen mehrere 
Jahre hindurch jene Stellung bekleideten. 1745 fasste die Zunft 
den Beschluss, dass alljahrlich ein neuer Greve gewahlt werden 
solle (III, 27); in Folge dessen wurde seitdem stets der eine 
der beiden bisherigen Greven „continuirt" und ihm ein neu- 
gewahlter „adjungirt", sodass, da im folgenden Jahre jener 
altere Greve ausschied, thatsachlich jeder Greve zwei Jahre 
hindurch in seinen Funktionen verblieb. 

Letztere bestanden, der Hauptsache nach, in der Vertretung 
der Zunft nach Aussen hin, namentlich bei dem Abschlusse von 
Vertragen mit Dritten (II, 51, 67), in der Fuhrung des Vor- 
sitzes an den Stuhltagen und in der Verwaltung des ziinftischen 
Vermogens, wobei jedoch zu bemerken ist, dass die Befugnisse 
der Greven in dieser Hinsicht eingeschrankt gewesen sein 
miissen, da namentlich Buch II mehrfache von der Zunft selbst 
getroffene Verfugungen mittheilt, welche reine Verwaltungs- 
massregeln darstellten. Verfugungen iiber die Substanz des 
Vermogens gehorten urn so gewisser zur ausschliesslichen Zu- 
standigkeit der Zunft selbst und bildeten mehrfach den Gegen- 
stand der an den Stuhltagen gefassten Beschliisse. 

Einmal und zwar im J. 1716 wurde audi auf die „propo- 
sition und anfrage der herren greven" beschlossen, dass die 
Zunft sich an einer „lotterey, welche alhier in der Stadt 
gezogen werden solle" 2 , durch den Erwerb von Loosen bethei- 
lige, „mit diesem zusatz, dass im pfall hiemit etwass acquirirt 
wiirde, solches zum besten der zunft angelegt werden solle, 



*) Welche Bewandtniss es mit dem „visitiren a oder „besichtigen a der 
Fenster hatte, auf welches als Zeitbestimmung im Beschliisse von 1688 
wiederholt zurtickgekommen wird, und ob dasselbe etwa mit dem oben S. 248 
erwahnten Brauche zusammenhing, bleibt zu ergriinden. 

*) Wohl derjenigen, von welcher Haagen II, S. 320 berichtet. 



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252 Theodor Oppenhoff 

ohne dass ein oder ander herr vorgesagter zunft etwas in par- 
ticular! darvon zu gewarten habe" (III, 13). Wie es hierDach 
scheint, gehorten dergleichen Verloosungen in Aachen noch zu 
den grossen Seltenheiten. 

Ein Beschluss aus dem Jahre 1702 (II, 24) gab den Greven 
auf, „ein annotationsbuch verfertigen zu lassen, warin ein und 
anders und in specie, wass die zunft vor renthen, auch jahr- 
liche aussgaben habe, verzeichnet; item solle ein klein bequemes 
schaff mit 2 schlosser gemacht werden, wavon ein ieglicher 
greff ein haben und warin bucher, pfapeire, breifschaften, vor- 
rathiges geld und wass sonsten der zunften zugehoret, eingelegt 
werden solle; wan einer der zeitlichen hh. greven zu sterben 
komme, solle der ander alssogleich die zunft bescheiden lassen, 
zu dem endt, damiten ein ander h. adjungirt und diesem des 
abgestorben h. schliissel in handen gestelt werde; bei erweh- 
lung neuer hh. greven sollen die alte nach uralter observanz 
die schlusseln uff ein telleur (sic!) legen und denen neuerwehlten 
hh. dieselbe vermietels einen glass weinss uberreichen." 

Mit der den Greven obliegenden Vermogensverwaltung war 
selbstredend die Pflicht zur Rechnungsablage verbunden. Letztere 
hatte jedoch erst bei dem Wechsel in der Person der Greven 
oder doch eines derselben zu geschehen und erstreckte sich 
daher, mindestens in alterer Zeit, regelmassig uber mehrere 
Jahre. Audi waren die Greven in Erfullung jener Pflicht mit- 
unter recht saumig, sodass es wiederholt vorkam, dass denselben 
„sub poena mensae" (bei Strafe, den Stuhlbrudern ein Gastmahl 
geben zu miissen?) oder „sub poena arbitraria" aufgegeben wurde, 
in einer bestinimten Frist das Versaumte nachzuholen (II, 21, 25). 
Einmal wurde einer der Greven gerade aus dem Grunde, weil 
noch keine Rechnung gelegt war, „continuirt tt , d. h. in der 
Stellung beiassen. Die Priifung der vorgelegten Rechnungen 
und Belege fand frliher in den Zunftversammlungen selbst statt, 
spater meist durch eine aus dem Schoosse der Zunft gebildete 
Kommission, weshalb im Buche III der Rechnungsablagen durch- 
weg nicht weiter gedacht wird. Immerhin erhalt man jedoch 
aus den gelegten Rechnungen, soweit sie in den Buchern I, II 
und den oben erwahnten fliegenden Blattern vorfindlich sind, in 
Verbindung mit dem gleichfalls schon erwahnten Vermogens- 
verzeichnisse aus dem 16. Jahrhundert, einen ziemlich erschopfen- 
den Einblick in die ziinftischen Finanzverhaltnisse. 



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Die Aachener Sternzunft. 253 

Jenes Vermogensverzeichniss (I, 4) fiihrt als „erffschaft tt , 
d. h. als Liegenschaften der Zuuft auf: 

1. „dass houss, den sterre genandt, eiss nemant beswert 
nock myt penttion (Pension) beladen, dan ess wert der gesel- 
schaff deiner alle jarre fur eynnen besunderen zeinss mid alle 
gewonliche deinsten zo doen eingerumpt und zu gebruchen zu- 
gelassen, ist derhalben durch counsent (mit Zustimmung) der 
geselschaff up stoieldag anno 1567 den 11. Augusti gertten der 
frawen ounder den sterre verinyet worden, alle jaer darouss zu 
geben 30 Aicher gulden — a 71 des 21. Augusti gehocht uff 
40 Acher gulden wie im selben jaer am endt geschreben steit" 
(letzteres ein sp&terer, von anderer Hand herrtihrender Zusatz). 

2. „ seess morgen bentz (Wiese), gelegen bussen st. Albertz- 
portz up den Wourme, geilt neitz ounder (ist mit keinem Un- 
geld, d. h. keiner Last, keiner Abgabe beschwert), ist vermeit 
Baltus von Leimburg (Limburg) alle jar fur tzwelf gultgulden 
und seess punt butteren naij einhaldt brief un seigel derwegen 
uffgericht, auch meldende, dass Baltus alle jar 12 widenpost 
setzen sail und den bendt zu seess jaren eintz (einmal) offermesten" 
(diingen ?). 

„Nach hait", so heisst es in jenem Verzeichnisse weiter, 
„die geselschaff jarlich rent en: (a) 4 gultgulden und in ort 
(Viertel) gultz uff Bonifacius Colin keindtdeill (Kindstheil) naij 
ludt brieff und seigell, gefeilt (verfallt) den 24. tag des monats 
Maijs, — seint anno 75 in zeit dess baus abgeloist (letzteres 
ein spaterer Zusatz), — noch (b) uff der perllen houss in Scherp- 
strass gelegen 8 merck erff zins, gefallen den 18. Ochtobris, 
noch (c) uff Johann van Wertz houss, gelegen in die Eomeny 
gass, einen gulden und lS 1 ^ penning erff zeinss, gefeilt zu 
poschen (Ostern), noch (d) uff Coinno (Cuno) quartten landt 
gelegen bussen Roijst portzen ein gulden erff zeinss, geveilt zu 
christmiss, — noch (e) ein erbar rhaidt jarlichs 8 viertel weins, 
fildt sacramenz tt (letzteres wieder ein spaterer Zusatz von anderer 
Hand). 

Hieran reiht sich eine Aufzeichnung des Mobilars der Zunft, 
dessen Bestand wegen seiner Einfachheit, ja Durftigkeit zu 
charakteristisch ist, urn an dieser Stelle mit Stillschweigen 
iibergangen zu werden. 

„Item foulget wider (weiter) der geselschaft houssraidt, 
zum ersten innen (ein) silberen sterre, wygt ungeverlich an silber 



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254 Theodor Oppenhoff 

1 daler, noch 16 zeinnen schuttelen (zinnerne Schiisseln), mit 
den sterne getzeigent, wygen 46 punt, aucli 2 doussin (2 Dutzend) 
runden telleren, wygen 25 punt, 8 dobeletgen 1 , wygen 6 punt 
und 4 salssfasser, 1 j 4e zinss (?), auch ein fless (Flasche), 3 zynnen 
quartkannen, 3 zeinnen lochteren (Leuchter), in hultzen giff- 
schuttel (ein holzerner Prasentierteller?) und auch in zarten 
dewelt (?) und handtdocher, noch in doussein roden lederen kussen 
und 8 weissen kussen, fort 2 brandtroster, fourhock, zange, poet 
und gelesser (Gl&ser) etx — auch 2 renfendlin (eigentlich : Kriegs- 
oder Heerfahnchen) 2 und 4 schildt und schutzen (Schiirzen?) fur 
die tortzendregerss" (letzteres wieder ein spaterer Zusatz von 
anderer Hand; die untere Halfte des Blattes ist dicht unter der 
letzten Zeile abgeschnitten). 

Das Haus zum Stem lag auf dem Markt „am eck der 
Colnerstrass und nechst dem newen keller" (II, 67). Man unter- 
schied den grossen und den kleinen Stern, deren Gebaulichkeiten 
aneinander grenzten und bald zusammen, bald einzeln verpachtet 
wurden, indem die Zunft wohl nur die im grossen Stern befind- 
liche sogen. Zunftkammer oder Leube zu ihren Zwecken zu 

*) Derselben Gerathschaft wird in dem Inventar eines Kolner Biirger- 
hauses aus dem 16. Jahrhundert gedaeht: Ann. 41, S. 131. 133; Cardauns 
bemerkt dazu = Table ttchen? Vgl. auch Ennen und Eckertz, Quellen zur 
Geschichte der Stadt Koln V, S. 313 („zene dublit"). 

2 ) Vgl. Lexer, Mittelhochdeutsches Taschenworterbuch s. v. renne — 
vane und reite. Im J. 1567 beschloss die Zunft, „dass maen ein neuwe 
reidt oder renventgen maehen sail — hait Nudorff vor den standart betzalt 
einen Reckemer daler = 24 M., it. an 5V 8 e ll en taft Annen uff der Kreim- 
piff (am Brunnen der Kr&merstrasse) betzalt 20 gL, an violet und goltgel 
nesidt (Mhseide) 5 gl., dem maeller, der die steren uff das ventgen gemoelt 
hait 9 gL, dem snider, der das ventgen gemacht hait, 3 gl. a (I, 9). 1564 
erhielt „der mieler van etliche wapen und steren up die roek (derer) zo 
malen, die die torschen (Tortzen) dragen up sakramentz, 5 gl. a (I, 6). — 
Hiernach brachte man einen oder mehrere Sterne als Abzeiehen der Zunft 
nicht allein, wie aus dem oben Gesagten erhellt, auf den Schiisseln, sondern 
auch auf den Fahnen der Zunft, ja sogar auf dem Kleide der FackeltrSger 
derselben an. — Die vorhin erwahnten „Reckemer daler" sind wohl daler, 
geschlagen in der auf dem linken Maasufer unterhalb Maestricht gelegenen 
Herrlichkeit Reckem (Reckheim), nach welcher sich im 17. Jahrhundert 
die unter den Aachener Stiftsherren — Heusch S. 30, 32 — vertretene 
Familie der Grafen d'Aspremont Linden „und Reckem" nannte. Ueber das 
schon um die Mitte des 16. Jahrhunderts, wenn auch nicht unbestritten, 
ausgelibte, 1620 von Kaiser Ferdinand II. zu Gunsten des Ernest von Linden 
und seiner Nachkommen bestatigte Miinzrecht der Herren von Reckem vgl. 
Publ. de Limb. X, 45. 61. 62. 91. 



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Die Aachener Sternzunft. 255 

benutzen pflegte 1 . Im J. 1615 verstand sich die Zunft dazu, 
dem Miether des grossen Sterns einen Theil des Miethpreises 
nachzulassen, „alldieweil er (der Miether) sich beklaght, dass 
er auif der leuben fil ubberlaufens hette dagh und nacht, da- 
beneben die heuser sier abgeschlagen" (II, 15). Hiernach 
scheinen zur damaligen Zeit ausser den offiziellen Versamm- 
lungen der Zunft noch manche andere Zusammenkunfte, welche 
die Zunft oder deren Interessen wenigstens raittelbar beriihrten, 
in der Leube stattgefunden zu haben. Dass letztere — zum 
Mindesten im 17. und zu Anfang des 18. Jahrhunderts — gleich- 
zeitig das standige Lokal fur die Sitzungen des grossen Raths 
war, ergibt sich nicht allein aus den unten 2 erwahnten Be- 
schliissen von 1699 und 1707, sondern auch aus gewissen, uber 
die Vermiethung des Zunfthauses in den Jahren 1656, 1657 
und 1688 gethatigten Verhandlungen. Diese erkl&ren den Miether, 
Apotheker Gersthoven, Vater bezw. Sohn, ausdriicklich fur ver- 
pflichtet, „gleichwie alle vorige einwohner dieses hauses gethan 
haben, die herren vom grossen rath und der zunft herren, so 
oft nothig, convociren, auch wan selbige beysamen sint, mit 
nothigen servitien an der tafeln versehen und bedienen zu 
lassen". 

Die Feuersbrunst des Jahres 1656 ascherte auch den Stern 
ein und es wurden die Gelder zu dessen Wiederauf bau theils 
durch ein bei dem Apotheker Michael Gersthoven aufgenommenes 
Darlehn, theils durch den Verkauf der obenerwahnten vor Adal- 
bertsthor „an der papieren mullen" gelegenen Wiese, des sogen. 
Sternbends beschafft (II, 51). Dieser Wiederaufbau war bereits 
1658 im Wesentlichen vollendet (II, 52), muss jedoch sehr mangel- 
haft gewesen sein, da schon im J. 1678 auf Vorstellung eben 
jenes Gersthoven als „heurlings" beschlossen wurde, dass „der 
stern der angeregten gebrechen halber durch werkverstandige 



*) Ob der Stern mit dem friihern Stern, bezw. ob der grosse Stern mit 
dem oben S. 238 und bei Laur. erwahnten „alden Stern", der kleine Stern 
mit dem bei Laur. schlechtweg „Stern tt genannten Hause identisch gewesen, ist 
zur Zeit unaufgekl&rt. Des alten Sterns wird noch in einer anscheinend dem 
Ende des 15. oder dem Anfange des 16. Jahrhunderts angehorigen Urkunde 
gedacht, und zwar als gelegen „up den Salzmart a ; vgl. Pick, AGV. VIII, 
241. 279. Es wird sich daher wesentlich darum handeln, ob der heutige 
Hauptmarkt oder doch der an die Kolnstrasse stossende Theil desselben 
fruher Salzmarkt geheissen habe. 

*) S. 257. 258. 



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256 Theodor Oppenhotf 

oben uud unthen visitirt, demnachst die nothige reparatur" vor- 
genommen und die dazu erforderlichen Gelder aufgebracht werden ; 
unterdessen solle man „umb einen gesessnen, guthen kaufer umb- 
horen" (II, 11). Nachdem ferner noch im J. 1687 (II, 18) resol- 
virt worden war, „dass jeder sternherr 1 rthlr provision zur 
nothigen reparation des zunfthauses beitragen solle", fand 1697 
der Verkauf des letztern wirklich statt, aber „mit der kertzen", 
d. h. mittels offentlicher Versteigerung. Der Kaufpreis betrug 
4501 Acher Dahler, aus welchen die Schuld an Gersthoven 
getilgt wurde, wogegen der Rest (2501 Dahler) gegen 5 Prozent 
Zinsen einstweilen in den Handen des Ansteigerers, eines gewissen 
Stephan Geissen, verblieb. Dieser Rest ward erst am 27. April 
1708 abgelegt und am selben Tage dem Schoffenstuhl zu 3V 2 
Prozent dargeliehen (II, 55, 64). Bei jenem Verkaufe hatte 
sich jedocta die Zunft das Recht zur Benutzung der Zunft- 
kammer vorbehalten * und hielt daher in letzterer nach wie vor 
ihre Versammlungen ab, wenn sie nicht aus besondern Anlassen, 
z. B. wegen Reparaturbedtirftigkeit des Sterns, wie schon frtiher 
geschah, in der Schoffenkammer Briissel tagte. Im J. 1725 
fand der Stuhltag an letzterer Stelle statt, weil der Stern zur 
Zeit „ohnbewohnet ist und ledigh liegen thut a (III, 17). 

Der sogen. Sternbend war zu An fang des 17. Jahrhunderts 
an einen Stuhlbruder, Bertolff von Belven, vermiethet: „da jedoch", 
so heisst es in der Ausgaberechnung von 1614 (II, 43), „unser 
confrater den bent ligen liess, derohalben haben mier den bent 
laissen zumachen, wilchen m r Corneliis Kern verdinck vor 4 gl. 
und ein fan 2 biers." Seines spateren Verkaufs ist bereits oben 
gedacht. 

Von den in jenem Vermogensverzeichnisse aufgefuhrten 
Renten wurde, wie gleichfalls schon oben gesagt ist, die auf 
Colins Kindstheil ruhende noch im 16. Jahrhundert abgelost. 
Aehnliches scheint bei den tibrigen der aufgefuhrten Renten der 
Fall gewesen zu sein, indem ihrer in den Rechnungen der spatern 



J ) Ein fernerer Vorbehalt lautete dahin, „dass das hauss den nahm 
zum Stern unveranderlich behalten solle". 

2 ) Der Ausdruck Fahne in der Bedeutung eines Fliissigkeitsmaasses 
und zwar eines solehen fur Bier kommt auch in andern niederrkeinischen 
Urkunden vor; vgl. Kritzraedt, Stadtbuch Gangelt (S. 170 des im Besitze 
der Gemeinde Gangelt befindlichen handschriftlichen Exemplars), Nettes- 
heim, Schulen etc. S. 423, Niederrhein. Geschichtsfreund, Jahrg. 1881, S. 162. 



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Die Aachener Sternzunft. 257 

Jahrhunderte, soweit sich ersehen lasst, nicht mehr gedacht 
wird. Dagegen erhielt sich die in jenem Verzeichnisse erwahnte 
Leistung des Raths bis in die jiingste Zeit, nur mit der Modi- 
fikation, dass statt des Weins in natura Geld gespendet wurde; 
so erklart sich augenscheinlich der in den Rechnungen des 18. 
Jahrhunderts stets wiederkehrende Einnahmeposten „16 gulden 
fur scharwachtswein". 

Abgesehen von diesem Posten und den Zinsen des obigen 
Kapitals 1 beschrankten sich daher in der Folgezeit die ordent- 
lichen Einnahmen auf die Eintrittsgelder neuaufgenommener 
Stuhlbruder; ja es kommen in den uns erhaltenen Rechnungen 
des 18. Jahrhunderts nicht einmal mehr die Zinsen des genannten 
Kapitals, sondern nur solche von andern und zwar ganz kleinen, 
aus jtingerer Zeit datirenden Kapitalien unter den Einnahmen vor. 

Dafiir waren aber auch die ordentlichen Ausgaben der Zunft 
nur sehr massiger Art. Wahrend in den Rechnungen des 16. 
und 17. Jahrhunderts die Ausgaben fur bauliche Zwecke im 
Verhaltniss zu den iibrigen eine ansehnliche Rolle spielen, 
scheiden dergleichen selbstredend im 18. Jahrhundert vollstandig 
aus. Das Gegentheil gilt von der Vergutung des Sieglers, d. 
h. desjenigen, welcher das Schreibwerk fur die Zunft besorgte, 
zu Zeiten die Rechnungen sowie die sonstigen „pampiere a der- 
selben verwahrte (II, 21) und wohl auch durchweg die Einnahmen 
wie die Ausgaben Namens der Greven zusammenstellte (vgl. II, 
26 v ), obschon die Kasse selbst in den Handen der letztern 
beruhte (II, 50). Da jene Dienste die Arbeitskraft eines 
Mannes bei weitem nicht erschopften, so wurden sie als Gegen- 
stand eines Nebenamts von einem Sekretar (dem Siegler?) des 
Schoffenstuhls und zwar in alteren Zeiten durchweg unentgelt- 
lich verrichtet. In den Rechnungsablagen des 18. Jahrhunderts 
findet sich dagegen stets, anfangs als Vergutung fiir „ extra- 
ordinaire meuthen (Bemiihungen) und deinsten", spater geradezu 
als „gehalt des sieglers" der Betrag von 18 Gl. 4 M. aufgefuhrt. 
Damals lagen ubrigens dem Siegler gemass einem Beschlusse 



! ) Selbst diese gingen nicht immer ein ; zum Miudesten war solches im 
Jahre 1711 nicht der Fall. Damals wurde „gegen des greven proponiren 
und vermuhten vom meisten deil der anwesenden sternherren resolvirt, dass 
dem scheffenstuhl die verlaufeneu interessen zu remittiren seien, salvo, dass 
er dasjenige, so die zunft wegen heutigen tractaments annoch zu kurz 
kommen mogte, bezalen solle" (II, 28). 

17 



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258 Theodor Oppenhotf 

der Zunft von 1707 (II, 26) auch die Einladungen zu den Wahl- 
tagen und zu den Versammlungen des grossen Eaths ob, wahrend 
dieselben friiher vertragsgemass von den Miethern des Sterns 
besorgt zu werden pflegten und alsdann, durch Beschluss vom 
22. Juni 1699 (II, 23), „weilen die zunft bei verkauffung des 
Sterns nicht vorbehalten, dass der kauffer schuldig sein solle, 
die herren vom Stern und grossen raht zu der zunft versamb- 
lungen und rathstagen einzuladen", den „zeitlichen des scheffen- 
stuhls vereydten schetzern" gegen ein kleines Jahrgeld iiber- 
tragen worden waren. 

Besondre Ausgabeposten bildeten in alterer Zeit die Gelder 
fur vier Tortzen (gewundene Wachsfackeln), welche^bei den 
Prozessionen „uff hilligen sakramentsdagh" (21. Juni), im 17. 
Jahrhundert ausserdem „uff st. Gillisdagh" (St. Aegidius, 1. Sep- 
tember) gebraucht und dem Buche I 1 zufolge vor dem Haupte 
Karls des Grossen getragen wurden, sowie die Vergutung fur 
das Tragen jener Fackeln, was durch vier „studenten tt geschah. 
Dass die Zunft diesen Prozessionen in corpore beizuwohnen 
pflegte, sprach wohl von selbst, wird aber auch durch jene Auf- 
wendungen bestatigt; hiermit hing ferner das Spenden des 
„scharwachtsweins u an die Sternzunft wie an jede der andern 
Ztinfte insofern zusammen, als einzelne Mitglieder der Ztinfte 
am Abend vor Frohnleichnam bis zum folgenden Abend in voller 
Rtistung die Schaarwache bezogen, mithin gewissermassen die 
Dienste einer Ehrengarde verrichteten 2 . 

Als die ansehnlichsten unter den regelmassigen Auslagen 
erscheinen jedoch die Kosten der Festmahle, welche die Zunft 
an dem Stuhl- und am Sakramentstage, im 16. Jahrhundert auch 
am „groissen fastaventzdach" zu veranstalten pflegte, wahrend 
am „Gillisdaghe a nur ausnahmsweise und auch dann nur in 
bescheidnerer Weise gastirt zu sein scheint 3 . Die giinstigere Ver- 



J ) „It. an 4 tortzen, so uff sakramentzdagh for keysser Karlss hufft 
umbgedragen werden, der wertinen int wisspert betzalt 7 gl.": I, 9; weim 
es dagegen ib. 8 heisst: „It. an die 2 hultzen gespan und die 2 hultze 
vinsteren inzuhangen keysser Karllen dem tzummerman betzalt 8 m. u , so 
bezieht sich dies offenbar auf einen anderen Braueb. Im Uebrigen vgl. die 
Aufsfttze von M. Schollen und Pick in der Aacbener Post, Jahrg. 1891, 
Nr. 278, und in dem Aaehener Hausfreund, Jahrg. 1892, S. 87. 

2 ) Vgl. Haagen II, S. 268. 

8 ) So heisst es z. B. II, 43: „Eodem anno (1614) auif sant Gillisdagh ist 
gedronken worden ein yiertell weins praesentibus pp und 2 m. ahn krachen 



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Die Aachencr Sternzunft. 259 

mogenslage der Zunft im 16. Jahrhundert macht es erklarlich, 
dass die Festmahle damals nicht bloss haufiger, sondern auch, 
wie die Rechnungen darthun, weit iippiger waren, als im 17. 
Dass bei jenen bisweilen sogar Tafelmusik nicht fehlte, ergibt 
sich aus den Rechnungen von 1565, 1567 und 1568 (I, 6, 10, 12: 
„It. den spilleuten, was die geselschaff verordnet 26 m. a — „It. 
far piffer und trommelschleger 4 gl. a — „It. entricht an frenib- 
den speelluyden durch bevell der geselschaep, weewael ongern, 
2 daller a ). 

Wurden aber schon im 17. Jahrhundert dergleichen Auslagen 
herabgemindert, so geschah solches in noch hoherem Maasse 
wahrend des 18. In diesem kehren Aufwendungen fur kirch- 
liche Feste und daran sich schliessende Lustbarkeiten iiberhaupt 
nicht wieder; damals beschrankten sich vielmehr die regel- 
massigen Auslagen der Zunft, wenn von den bereits erwahpten 
Vergiitungen des Sieglers abgesehen wird, auf die Kosten des 
Verzehrs, welcher an den Stuhltagen stattfand und nach den 
(ubrigens nicht allzu wortlich zu nehmenden) Protokollen nur 
noch in einer „kleinen a oder „frugalen collation und refection 
zum glass wein tt („zu einem glasslein moselwein") bestand (III, 
15, 17, 21). 

Unter den Rechnungsablagen liefert diejenige uber die Zeit 
von 1607 bis 1617 auch einiges Material fiir die politische 

kroechens." Unter letzteren ist offenbar das noch jetzt beliebte Geback 
Krache Krottche (vgl. Miiller-Weitz s. h. v.) zu verstehen. Ira Buche I 
werden von Backwaaren ausser „tarten" und „flaem" (Fladen) w roggen- und 
weinmicken" genannt, von welchen die ersteren reihen-, die letzteren paar- 
weise verkauft wurden; v^l. aueh Laur. S. 78 (eyne gemange micke). Das 
Wort micke, mlat. mica, franz. micho, lebt in der Bedeutung: kleines Brod 
in raanchen Gegenden der Rheinlande noch bcute mundartlich fort. Dassclbe 
Buch I gibt auch Aufscbluss uber die Schenkeu, aus welchen der Wein fiir 
die Festessen geholt wurde; genannt werden „schwarz Ahr, der Pelikan, 
der Birbaura, der Roessbaum und der gulden Scbilt". Ueber die Erinnerungen, 
welche sich an das Gasthaus zum Birnbaum kniipfen, vgl. Pick im Aacbener 
Hausfreund 1892, Nr. 20 if. — Als Kuriosum sei noch erwahnt, dass sich 
bei Aufzahlung der Kosten eines am Grossfastabendstage des Jahres 1568 
veranstalteten Fischessens (T, 12) statt Saim „I , salm" geschrieben findet. Da 
das Wort Psalm frilher bisweilen „Salm u , wie Psalter „Salter u geschrieben 
wurde (so z. B. im Teuthonista), hat der Schreiber obiger Stelle oifenbar 
Salm und Psalm fiir dasselbe Wort mit zweierlei Bedeutung gehalten und 
zur Bezeichnung jenes Fisches die vermeintlich richtigere, weil vollstandigere 
Schreibweise Psalm gewahlt. 

17* 



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&60 Theodor Oppenhoff 

Geschichte der alten Reichsstadt. Sonst kommen in letzterer 
Hinsicht neben raehreren Sitzungsprotokollen vorzugsweise die 
vielfach erwahnten, im Anhange mit ferneren Erlauterungen 
abgedruckten Mitgliederverzeichnisse in Betracht, und zwar 
nicht allein far die jitngst verflossenen, sondern auch fur das 
16. Jahrhundert. 

In das letztere fallen bekanntlich zwei Ereignisse von 
besonderer Bedeutung, namlich der Aufstand, welcher im J. 
1513, einen Monat nach dem zu Koln aus ahnlichein Anlasse 
ausgebrochenen, die Stadt in Schrecken setzte, und spater die 
religiosen Wirren, die sich liber die grossere Halfte des Jahr- 
hunderts hinzogen und selbst zu Ende desselben nur einstweilen 
ihren Abschluss fanden. 

Nach dem Mitgliederverzeichnisse des Buches II waren, 
wenn die Identitat der Vor- und Zunamen nicht tauscht, bei 
dem erstern Ereignisse drei Sternherren, namlich Gillis von dem 
Buschofsstaff, Wilhelm Engelbrecht und Johann von Stummel, 
passiv, d. h. insofern betheiligt, als sie zu denjenigen Personen 
zahlten, wider \jelche sich jener Aufstand hauptsachlich richtete 1 . 

Der weitere Inhalt des erwahnten Verzeichnisses thut dar, 
dass die Glaubensspaltung auch im Schoosse der Sternzunft 
waltete, indem sich unter den Stuhlbrtidern mehrere ausge- 
sprochene Anhanger der Reformation befanden, ohne dass freilich 
erhellt, ob sie als solche schon vor ihrer Aufnahme in die Zunft 
hervorgetreten waren. Jedenfalls aber unterliegt es wohl keinem 
Zweifel und findet durch jenes Verzeichniss Unterstiitzung, dass 
die protestantischen Sternherren sich, selbst in den der Sache 
der Protestanten giinstigsten Zeiten, ganz entschieden in der 
Minderzahl befanden und dass uberhaupt die damaligen Bekenner 
der neuen Lehre vornehmlich in andern Kreisen zu suchen sind 2 . 



') Vgl. Loersch bei Haagen II, 559 ff. 641. 646. 

2 ) Einigen Anhalt fiir die hier in Betracht kommenden nuraerischen 
Verhaltnisse Jiefern ausser dem von der protestantischen Partei im J. 1584 
eingereichten Bericht iiber die Rathswahlen von 1581, 1582 (AGV. X, 222 ff.: 
Hansen) die Namen der im J. 1598 Geaehteten und der 1602 zu Ent- 
scMdigungen Verurtheilten einer- und diejenigen der Entschadigten anderer- 
seits, wie sie uns in besondern Verzeichnissen (Haagen II, 185. 195. 200 ff.) 
erhalten sind. Hierbei ist jedoch zu berlicksichtigen, dass jene Aechtung 
nicht wegen der Anhiinglichkeit an die neue Lehre, sondern wegen Ungehor- 
sams gegen die kaiserlichen Befehle ausgesprochen ward, und dahcr ebenso 
wie die Verurtheilnng zu Entschadigungssummen auch einzelne Katholikcn 
traf. Vgl. im Uebrigen den Anhang unter Nr. 189. 



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Die Aachener Sternzunft. 261 

Die Eatastrophe des Jahres 1598, den Sturz des protestan- 
tischen Regiments und die Ruckkehr der katholischen Raths- 
glieder vergegenwartigen uns die Mitgliederverzeichnisse durch 
die Namen Bonifacius Colin, Anastatius v. Segrath, Hugo Pelzer, 
v. Schwartzenberg auf der einen und Albrecht Schrick, Wilhelm 
v. Wylre, Jacob Pastor, Beulardt, Leonhard v. d. Hove auf der 
andern Seite, nicht minder aber auch in den Rechnungen die 
Auslagen fur die Prozession am Aegidiustage, da letztere eben 
zur Erinnerung an jene Ereignisse eingefiihrt wurde 1 . 

An den Aufruhr, welcher, unabhangig von den religiosen 
Wirren, aus Anlass des Streites der Stadt mit dem Hause Julich 
zu Anfang des folgenden Jahrhunderts, namlich im August 1608, 
sich zutrug, erinnert die Ausgabenrechnung aus diesem Jahre, 
insofern es dort (II, 37) heisst: „Item alss sich der leidige 
auifstant erhaben, haben mier zu verscheiden malen die reyge- 
mens foeren (Regimentsfuhren?) von den marckt abgefoert in 
Peteren Manchens und Goltrop Strangen haus, mit denselben 
den wein gedroncken pp. bezalt 12 thaler 2 gl. a — Der Wort- 
fiihrer bei diesem Aufruhr, Nellis Kern, „ein fast (sehr) sprach- 
reicher katholischer Burger", wie ihn Noppius charakterisirt, 
ist zweifelsohne derselbe Cornellis Kern, dessen anlasslich der 
1614 uber den Sternbend getroffenen Verfiigungen gedacht wurde 2 . 

Am 25. Marz 1609 starb bekanntlich das Haus der katho- 
lischen Herzoge von Jiilich-Cleve-Berg aus und es traten unter 
den vielen Erbpratendenten zwei lutherische Fiirsten, Kurbranden- 
burg und Pfalz-Neuburg in den Vordergrund, was bei dem mach- 
tigen Einflusse, den die dereinstigen Herren der Julichschen 
Lande als nachste Nachbarn und als Inhaber der Vogtmeierei 
itber Aachen auf die Schicksale der Stadt tiben mussten, nur 
allzu geeignet erschien, das damalige stadtische Regiment mit 
ernster Besorgniss zu erfiillen, zumal da mit der Beschwichtigung 

! ) Nicht ohne Grund erhob daher im J. 1604 der Dechant des Kapitels, 
Johann v. Tomberg, gen. Wormbs, seine warnende Stimme wider jene Feier- 
lichkeit, welche als Zeichen der bestehenden Uneinigkeit „mehr zum Scandal, 
dan zur Erbauung gereiche" ; vgl. Tagebuch des Syndikus Klocker, AVZ. Ill, 39. 

2 ) Der Ruf „Der Convent steht iiber dem Abt u , welcher nach den Quellen 
bei jenem Aufruhr allerwarts erscholl, kann hier nur als sprichwortliche 
Redensart gebraucht sein, wie es deren so manche gab, die den klosterlichen 
Einrichtungen entnommen und zweifelsohne auch in den KlOstern selbst ent- 
standen waren. Er soil offenbar niehts anderes ausdrticken, als dass der 
einhellige Wille einer Mehrheit demjenigen ihres obersten Leiters vorgehe. 



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262 Theodor Oppenhoff 

jenes Aufruhrs und mit der Beilegung des Jiilichschen Streites 
die innere Euhe keineswegs wiederhergestellt worden war, im 
Gegentheil Gahrung und Entzweiung nacli wie vor qbwalteten. 

Die zur Versohnung Julichs aufgewandten Bemulmngeii hatten 
das bose Beispiel gegeben, dass die Ziinfte sich unmittelbar in 
die oberste Leitung der offentlichen Angelegenheiten mischten. 
Diese hatten zu dem Behufe aus ihrer Mitte eine Deputation 
gewahlt, bei welcher die Protestanten, eben in Folge jener Ent- 
zweiung wieder zu Kraften gekommen, stark vertreten waren. 
Noch wahrend der Verhandlungen mit Jiilich oder unmittelbar 
nachher war der Magistrat dazu gedrangt worden, den Syndikus 
Michael Klocker sowie vier andere besonders energische und 
intelligente Katholiken, denen man die Schuld an dem Zerwiirf- 
nisse mit Jiilich beimass, ihrer stadtischen Aemter zu entsetzen. 
Damit jedoch nicht zufrieden, verlangte man stiirmisch noch 
weitere Massnahmen wider dieselben und es wurde schliesslich 
die Sache von beiden Theilen an den Kaiser gebracht, welcher 
im Mai des folgenden Jahres die erwahnte Entsetzung fur nichtig 
erklarte und dem Kurfiirsten Ernst, Erzbischof zu Koln, die 
weitere Regelung der obwaltenden Streitigkeiten iibertrug, auf 
dass „alles wieder in den alten, friedlichen wohlstand gerichtet, 
der kaiserliche ausspruch gehandhabt, audi alles, was darwider 
freventlich vorgenommen und attentirt worden, der gebiihr be- 
strafft werden rnoge" 1 . 

Anscheinend stehen mit dieser Lage der Dinge mehrere 
gemass der Ausgabenrechnung von 1607 — 1617 (II, 38 ff.) in 
die letzten Monate des Jahres 1609 fallende Vorkomiunisse im 
Zusammenhang, insbesondere zwei Reisen, die einer der Greven 
(welcher, ist nicht gesagt) am 10. Oktober nacli Jiilich und am 
26. mit dem „maijor Schricken" (Albrecht Schrick, Meyer von 
Burtscheid) nach Bonn, derResidenz des Kurfiirsten, unternahm, 
jedesmal in Folge Auftrags „der herren deputierden gemeiner 
zunften u . Beide Reisen wurden zu Pferd und in Begleitung 
eines berittenen Dieners bezw. eines Dieners sowie eines Boten 
zuruckgelegt. Bei der ersten Reise handelte es sich urn die 
Besprechung einer Paritionsschrift, bei der zweiten urn die 
Ueberreichung einer solchen. . Die letztere Reise, welche auch 
sonst die damalige Zeit charakterisirt, nahm, mit Einschluss 



J ) Vgl. Meyer S. 543. 544; v. Furth II, 2, S. 141 ff. 

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Die Aachener Sternzunft. 263 

des Rtickwegs, sechs bis sieben Tage in Anspruch, von denen 
ein Theil freilich durch Verhandlungen und durch die Anfertigung 
von Schriften ausgefiillt wurde. Sie ging zunachst nach Jiilich, 
woselbst man Abends noch ein notarielles Instrument errichten 
liess. Am folgenden Morgen urn 7 Uhr ward sodann eine Pari- 
tionsschrift nebst jenem Instrument dem Domprobst Bocholt in 
der „decani behausung" auftragsgemass iiberreicht. Nach gehal- 
tener Mahlzeit und nachdem dem Soldaten an der Pforten 9 m. 
verehrt worden waren, ritten die Abgesandten gen „Berchem u 
(Bergheim) und brachten daselbst die zweite Nacht zu. Audi 
hier erhielt der Soldat an der Pforte ein Geschenk. Am Nacli- 
mittage des dritten Tags wurde die Reise bis Koln fortgesetzt, 
wo „mier in den hilligen geist abgestanden sint". Erst am 
folgenden Morgen erreichten die Abgesandten Bonn, nahmen in 
der „blomen tf ihren „abstant", iiberlieferten urn die zehnteStunde 
dem Kanzler Bistervelt in dessen Behausung ihre „parition- und 
diffention- (Defensions- oder Dissentions- ?) schrift" und traten, 
nachdem sie zu Mittag gespeist und mit dem Herrn Marschalk 
zwei „kanten weins" getrunken batten, ihren Rtickweg an. 
Diesmal kehrten sie zu Koln in „der Harter hauss" ein und 
blieben dort die Nacht. „Demnach mier", so heisst es dann 
weiter, „in den wierdtsheusern so (ibbel vor uns gelt tractiert, 
haben mier bei einem goetten freunt etwas laissen verfertigen. u 
Von Koln aus sandten sie eine „dritte parition-schrift an den 
hr. ampman Roess" und ritten dann weiter nach Bergheim sowie 
am folgenden Tage nach Jiilich. Auf derselben Reise wurde 
dem Magister Johannes Nop (zweifelsohne dem Chronisten dieses 
Namens) ein halber Nobbel (Rosenobel) = 3 Thlr. verehrt, „dem- 
nach er vor dissem ein geraume zeit beij Richardum geschreben 
und binnen Giilich 2 instrumenten in der nacht abgeschreben u . 
„Simont Claissen auiif pfontportzen tt erhielt einige Zeit spater 
gar 5 Thaler 2 M., „alldieweil er fill geschribben und auif alien 
zunften alle beschloss der gaffelen abgelesen a K 

Am 20. und am 25. Dezember haben „gemeiner zunften 
deputierten" einen reitenden Boten nach Koln geschickt, „umb 
den hr licentiat Grav ubberzuhalen u . Das erste Mai war Grav 
nicht angetroffen worden, weil er sich zu Diisseldorf befand. 
An einer andern Stelle (II, 37 v ) wird derselbe als „der gemeinden 



J ) In Betreff des Simon Claissen vgl. Haagen II, 219. 233. 

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264 Theodor Oppenhoff 

advokat" bezeichnet und werden die am 4. Oktober 1608 erstatte- 
ten Kosten seines Verzehrs in Aachen auf die betrachtliche Summe 
von 100 Thlrn. angegeben. 

Alles dies deutet darauf hin, dass unter den Deputierten 
der Zunfte eine nicht geringe Kathlosigkeit herrschte, gleich- 
zeitig aber audi, dass die von ihnen in den Paritionsschriften 
anscheinend zur Schau getragene Neigung, sich dem katholischen 
Magistrate gegenuber nachgiebig und versohnlich zu bezeigen, 
zura Mindesten bei einem Theile derselben, keine ernstlich 
gemeinte war 1 . 

Erschienen schon damals die bestehenden Machtverhaltnisse 
ernstlich bedroht, so gait dies in noch hoherm Maasse von dem 
Zeitpunkte ab, wo durch die Einnahme der Stadt Jiilich (im 
September 1610) die Besitzergreifung der gesammten Jiilich- 
Cleve-Bergischen Lande seitens der obenerwahnten lutherischen 
Ftirsten vollendet und eine gemeinsame Verwaltung jener Lande 
eingetreten war. Wenn es daher in der Einnahmenrechnung 
von 1611 (II, 13 v ) heisst: „a° 1611 hat m r Peter Schardiniell 
von herrn Bertolff von Belven empfangen 42 thlr in meinen 
namen wegen der gefair", so erklart sich dies vielleicht aus 
der Befurchtung, es moge bei einem Wechsel des Eegiments 
die Kasse des Sterns in Beschlag genommen und eine dem 
katholischen Greven geleistete Zahlung ebensowenig respektirt 
werden, wie manche Jahre vorher die von einem gewissen Johann 
von Schwerten an den katholischen Rath geleistete 2 . Peter 
Schardiniell war namlich unzweifelhaft Protestant und eine der 
beiden Personlichkeiten gleichen Vor- und Zunamens, welche zu 
den im Jahre 1602 zur Zahlung von Entschadigungs- bezw. 
Strafsummen Verurtheilten gehorten 3 . Dass letzterer nicht bloss 
Vertrauensmann des Greven, sondern mit demselben audi befreun- 
det gewesen, diirfte aus der Thatsache erhellen, dass er jenem 
zur Reise nach Bonn sein Pferd „ gratis" geliehen hatte (II, 40 v ). 

Der oben angedeutete Wechsel des Regiments vollzog sich 
bekanntlich in der That, befordert nicht bloss durch die Be- 
miihungen der deutschen Protestanten ausserhalb Aachens, son- 
dern auch durch die unberufene Einmischung des franzosischen 



J ) Ebendafiir spreehen die bei Meyer S. 545 ff. mitgetheilten Rezesse 
der Subdelegirten des Erzbischofs vom 16. Januar 1610. 
2 ) Vgl. Haagen II, 201. 
8 ) Vgl. Haagen II, 196. 



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Die Aacbener Stcrnzunft. 265 

Hofs, in tier zweiten Halfte des Jahres 1611 bezw. im J. 1612. 
Freilich trat urn dieselbe Zeit unter jenen „possidirenden" Fiirsten 
ein tiefes Zerwiirfniss ein, welchem bald darauf (1613) der 
Religionswechsel beider folgte, indem Pfalz-Neuburg zur katho- 
lischen, Kurbrandenburg zur reformirten Kirche iibertrat. Gleich- 
wohl behaupteten die Protestanten die erlangte Obergewalt, mit 
Hulfe einer brandenburgischen Besatzung, bis zur Einnahme der 
Stadt durch Spinola (1614). Es ist bezeichnend, dass wahrend 
dieser kritischen Zeit kein Wechsel in den Personen der Greven 
und keine einzige Aufnahme neuer Sternherren stattfand, sodass 
von der im Rathe zur Herrschaft gelangten Partei nicht einmal 
der Versuch gemacht zu sein scheint, durch solche Massnahmen 
die Zunft und damit auch den Schoffenstuhl auf ilire Seite zu 
bringen. Andererseits kann es nicht befremden, wenn unter den 
x4.usgaben des Jahres 1613 ausnahmsweise keine Auslagen fur 
kirchliche Prozessionen vorkommen, indem letztere von den da- 
maligen Machthabern zweifelsohne nicht geduldet wurden. 

Aus spaterer Zeit liefern die Rechnungen der Zunft kein 
Material, welches sich fiir die politische Geschichte der Stadt 
verwerthen liesse, es sei denn, dass dahin gewisse kleine Aus- 
gaben zu rechnen waren, welche aus Anlass des Einritts eines 
Grafen von Emden im Jahre 1617 bestritten wurden (II, 45). 
Da dieses Einritts jedoch sonst nirgends gedacht wird, so scheint 
derselbe an kein historisches Ereigniss anzukniipfen. 

Dass der gewaltige Stadtbrand von 1656 auch das Zunft- 
haus in Asche legte, ist bereits erwahnt. 

So bescheidener Natur, zumal seit letzterem Ereignisse, die 
Finanzverhaltnisse der Sternzunft dem oben Gesagten zufolge 
auch waren, hinderte dies dennoch den Magistrat nicht, bei einer 
im Jahre 1698 ausgebrochenen, in den historischen Notizen des 
Biirgermeistereidieners Janssen * naher besprochenen Theuerung 
die Hulfe jener sowie diejenige der iibrigen Ziinfte in Anspruch 
zu nehmen. 

Nachdem die Sternzunft in Folge einer dahin zielenden 
„uberkompst u des kleinen Raths vom 23. Oktober bereits am 
25. ej. resolvirt hatte, ^dass sie nebens aigner provision aim 
roggen, gerste und waitzen melir dan vor 1000 thlr zu dieser 
stat burgeren und unterthanen eintziger subsistentz und notturft 



x ) v. Fiirth III, S. 23 ff. 



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266 Theodor Oppenhoff 

gegen zimbliche preiss hierhin bringen lassen wolle", erging 
am 11. Dezember eine Rathsuberkompst, welche abschriftlich 
mitgetheilt ist und also lautete: 

„Auf beschehene proposition, dass keine geltsmittel zum 
einkauf von friichten mehr vorhanden und gleichwohl einige 
zunften, alss der Stern, herren werkmeistere, beckere, loder 
(Gerber) und miiller in verpleib und mangel befunden wurden, 
da doch diese hohe noth ohne gemeine beilag nit abzubringen 
ist, so ist alien in verbleib sich befindenden gafFeln respective 
uff verluss ihres rathsitzes, handwerksgerecbtigkeit und anderen 
scharfferen einsehens ernstlich auferlegt, inner 8 tagen mit 
wiirklicher erlegung der pfenninge einzukommen." 

Entsprechend dieser Ueberkompst wurde denn auch, und 
zwar noch am selben Tage, von der Zunft „dahin geschlossen 
(beschlossen), dass zu soulagirung hiesiger burgerschaft bei 
gegenwartiger schwerer theurung neben vorhin ahnerbottenen 
fruchten, so bei verhoffendem gutem wetter baldt erfolgen sollen, 
herren von Wylre und Dewitte 1250 Acher dahler, jeden ad 26 m. 
Aix, auf das auffen Stern gcrichtlich affectirte capital von 2500 thlr 
negotyeren und gegen schein zur rentkammer einliefferen sollen, 
mit dem beding, dass bei kunftiger auszahlung der sternzunft 
ihr capital in zeit eines halben jahrs remboursirt werden solle". 

Die Ablieferung jener Summe an die Neumans-Kammer fand 
demnachst und zwar schon am 22. Dezember, die Riickzahlung 
am 20. Juni 1699 statt (II, 21, 22). 

Einen noch tieferen Blick in die Vermogenslage der Stadt 
und in die wirthschaftliche Verwaltung derselben lassen uns 
Verhandlungen aus dem Jahre 1707 (II, 26. 62) thun. Auf 
den 15. Februar dieses Jahres waren die Sternherren zusammen- 
berufen und denselben „vorgedragen worden, weilen der kleine 
rhat einige obligationes zu last der gemeinde zu versiegeln vor- 
habe, ob der schliissel zu der kisten, warinnen der grosser stadt- 
siegel bewahrlich aufgehalten wirdt, ausszugeben seie oder nicht, 
idque ex rationibus, weilen sulche sigillatio nicht conform ahn 
den gaffelsbrieff 1 , und den herren, so ex tribu im rhat, nicht 

! ) Gemeint ist hier, wie tiberall, wo vom Gaffelbrief schlechtweg geredet 
wird, der Gaffelbrief von 1450, der traditionell als das Aaehener Staats- 
grundgesetz gait. Dort findet sich allerdings eine auf die fragliehe Ein- 
riehtung zielende Vorschrift; ihr zufolge sollten die „sees gude manne van 
jeder gaffelen" ihren besonderen Schliissel zu den Privilegien und Leibzuchts- 
siegeln der Stadt haben. 



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Die Aachener Sternzunft. 267 

bewusst, ob sulche aufgenohmene gelder in utilitatem communi- 
tatis verwendet, auch die nolit so gross gewesen, dass sulche 
haben mussen aufgenohmen werden". Damals wurde beschlossen, 
„den schliissel zu weigern und impfal dem unerachtet magistratus 
den schliissel darzugeben resolviren wiirde", dies nur unter einer 
zum Voraus formulirten protestatio zu thun. Solches fand denn 
audi spater, am 1. April, statt. Der Wortlaut des Protestes ist 
uns erhalten (II, 62). Man erfahrt aus letzterem, dass acht bis 
neun Jahre vorher die Brauerzunft sich erboten liatte, unter Ver- 
pfaudung ihrer ganzen Habe die sammtlichen, etliche 100000 thlr 
betragenden Stadtschulden innerhalb eines neunjahrigen Zeit- 
raums aus der einzigen Bieraccise zu tilgen. „Dannoch u , so 
heisst es dann weiter, „vertieifen sich zeitliche herren stadt 
regenten, ohne ein mehr furtheilhaftes mittel der gemeinden 
anzusorgen, taglich in mehr und mehrere statt schulden und 
haben dariiber vielfaltige obligationes vor wenigen monahten auf 
den nalim von burgemeister, scheffen und rath, obschon herren 
scheffen darab nit die geringste kundschaft tragen, bereits 
versiegelet und sollen weiterss mit den gemeinen stadtsiegel 
bekraftigen zu lassen vorhabens sein, ohne dass man wisse, auf 
wessen anordnung dergleichen pfenningen mogen aufgenohmen, 
wohin dieselben und ob zu gemeiner (zum allgemeinen Besten) 
der stadt nutzbarlich convertirt worden seien; gleichwie aber in 
denen rechten ganz heilsamlich hierunter versehen (vorgesehen), 
dass einem auss der gemeinden, alssoviel mehr der erster stern- 
zunft darab eine umbstandlige nachricht ahnvertrauet werde, 
liaben herren greven und zunftgenossen ihren kleinrahts (im 
kleinen Rath) sitzenden beiden herren zunftgenossen aufgegeben, 
vorher urn obige bewandtnuss sitzenden rahts sich zu erkundigen 
und ihnen desfalss die umstandtliche rechtmassige nachricht 
nicht in folle, wie zu geschehen pflegt, sondern punctatim et 
distinctim iiberkommen sein solle, bei dessen entsteliung (Er- 
mangelung) mehrgenannte herren greven und zunftgenossen auss 
wohlmeinender intention und patriotischer geniegenheit (Geneigt- 
heit, Gesinnung) und auss keinem anderen absehen hiermit con- 
und protestirt haben wollen, dass sie aim sulcher hochverderb- 
lichen geldaufnahm nicht die geringste schuld tragen pp." 

Dieser Fall war nicht der einzige, wo die Zunft im Interesse 
des allgemeinen Wohls ihre warnende Stimme erhob. Einen andern 
Fall bekundet das Protokoll itber den ordentlichen Stuhltag vom 



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208 Theodor Oppenhoff 

22. Juui 1716 (III, 13): „schliesslich ist nach eingenohmener 
collation die umbfrag geschehen, weilen vorra jahr und sonst 
vielmahlen gegen die so argerlich alss gefahrlich eingerissene 
mackeley, welche nunmehr so hoch gestiegen, dass auf aller- 
haiidt art und weise man sich der stimmen zu versicheren suchet, 
dardurch dan zu befahren, dass von hoherem orth und handt 
vielleicht eine stollung darin gemacht werden dorfte, so zum 
untergang und gantzlicher ruin der armen unterthanen und 
burgeren gereichen konte, ob nit da ahn seiten der hochadelicher 
Sternzunft rait einer remonstration und giitlicher erinnerung bey 
morgigen grossen rath einzukommen ware und de omni incon- 
venientia, damno und sonst alien besorgenden unheil zu pro- 
testiren seye, so ist einhellig beschlossen und des endts herren 
scheffen authorisirt worden, alles, was zum besten der stadt und 
gemeinen bilrgerschafft gereichet, vorzukehren und denen vor- 
herigen protestationibus, so hocce pendente consessu approbirt, 
zu inhariren." 

Wir ersehen bier ein Vorspiel der Mackeleien von 1718 
und 1732 ^ ja der sogen. grossen Mackelei, welche in den acht- 
ziger Jahren desselben Jahrhunderts so hohe Wogen schlug. 

Ueber letztere erhalten wir aus dem Buche III nur unvoll- 
kommene, sparliche Nachrichten. Namentlich findet sich dort 
nichts tiber das gegen die Uebertragung eines Theils des Jesuiten- 
klosters gerichtete Votum, welches die Sternzunft am 19. Januar 
1784 dem grossen Rathe vorgelegt hat 2 . Aus dem Jahre 1786, 
in welchem es gelegentlich der Rathswahlen zu einem form- 
lichen Aufruhre, zur Vergewaltigung der Rathsversammlung und 
uberhaupt zu solchen Ausschreitungen kam, dass der regierende 
Biirgermeister Dauven sein x\mt niederlegte und der andere, 
v. Wylre, mit mehreren Beam ten und Rathsherren nach Cor- 
nelimunster fliichtete, findet sich — von einem bereits im Mai 
gefassten Beschlusse iiber ein aus den Mitteln der Zunft dem 
„hiesigen reichsunterthanen u Nicolaus Kern gewahrtes Dar- 
lehn und von dem Protokolle uber den ordentlichen Stuhltag 



J ) Vgl. die historischcn Notizen von Joh. Janssen, v. Fiirth III, 
S. 45. 64. 65; bei der Mackelei von 1732 war es gleichfalls ein Herr de 
Loneux, welcher tiber seine Gegner „triuraphirte u . Zum Jahre 1723 bemerkt 
Janssen bei Aufzahiung der seiner Zeit regierenden Biirgermeister, a. a. 0. S. 64, 
naiver Weise: „Dis jahr wird herr Lambertz und Brouman aussgemackelt." 

2 ) Abgedruckt bei v. Fiirth I, 144. 



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Die Aachener Sternzunft. 269 

abgesehen, — nur eine einzige Verhandlung und auch diese nur 
in Abschrift (III, 43). Sie datirt vom 8. Juli und lautet: 

„Nachdeme die allgemeine offentliche ruhe wirklich seitlang 
herstellet ist und es bios von denen freiwillig dermalen ab- 
wesenden herren rathsverwandten und beamten abhanget, die 
gantze stadtische verfassung in ihrera gewohnlichem gang zu 
herstellen, inderae gar keine spur einer gerechten verscheuchung 
iibrig ist, so thuen wir endesunterschriebene mitglieder der 
adlichen sternzunft nach beschehener ordentlicber convocation 
uns wider alle truppen oder commission, so ein oder anderer 
privater oder wer immer zum verderb der stadt solche anfragen 
dorfte, feyrlichst bezeigen und daran den geringsten antheil 
nicht nehmen zu wollen, hiermitten erklaren." 

Das Original, welches zweifelsohne dem Rathe uberreicht 
wurde, trug die Unterschriften der Greven und mehrerer (6) 
Stuhlbriider, unter denen sich jedoch keiner der Wortfuhrer der 
beiden streitenden Parteien befand. Die Unterzeichner waren 
P. v. Gartzweiler, Scheffen und altester Grev, P. J. v. Brauman, 
Scheffen und jungerer Grev, G. J. Freiherr v. Broich, Scheffen, 
T. S. Freiherr v. Broich zu Sttrsen, le comte de Willers au Tertie, 
G. Neugent, Baron v. Thimus zu Zieverich und v. Fabritius. 

Die frommen Witnsche, welche diesem Schriftstiick zu Grunde 
lagen, gingen bekanntlich nicht in Erfullung, Biirgermeister 
v. Wylre blieb vielmehr mit seinen Begleitern in Cornelimiinster 
und dekretirte von dort aus, wogegen die „neue u Partei unter 
v. Lonneux von Aachen aus das Regiment handhabte, bis end- 
lich im Friihjahr 1787 das eintrat, was in jener Verhandlung 
aus dem Jahre 1786 befiirchtet wurde, namlich die Entsendung 
einer kaiserlichen Kommission, welche zur Untersuchung der 
vorgefallenen Rechtsstorungen, zur Abstellung der Missbrauche 
und zur Verbesserung der stadtischen Verfassung vier Jahre 
lang in Aachen tagte und mit den ihr beigesellten Kreistruppen 
der Stadt grosse Kosten verursachte, viel Erspriessliches jedoch 
nicht zu Wege brachte. 

Am ordentlichen Stuhltage des genannten Jahres 1787 
fand, wie gewohnlich, die Wahl eines Greven und die „Raths- 
prasentationswahl" statt, bei welcher letzteren zwei der mit den 
meisten Stimmen Bedachten, Obrister v. Nugent und Hofrath 
v. Fabritius „zufolge von herren scheffen Dewitte (einem hervor- 
ragenden Mitgliede der neuen Partei) vorgebrachten schrift- 
lichen erklarungen" auf ihre Prasentation verzichteten (III, 44). 



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270 Theodor Oppenhoff 

Vom Jahre 1788 an sind die Aufzeichnungen offenbar noch 
liickenhafter ; namentlich fehlen die alljahrlichen Protokolle tiber 
den ordentlichen Stuhltag. Die einzige aus dem Jahre 1788 
mitgetheilte Verhandlung fand statt in Folge eines von jener 
„hochpreislichen kaiserlichen commission denen zunftgraven 
geschehenen auftrags, ihre zunftgenossen zu einer deputschaft 
zu bezweckung des am 7. mai ergangenen (inhaltlich nicht wieder- 
gegebenen) kommissarischen conclusi anzumahnen". Gewahlt 
wurden als Deputirte v. Fiirth und v. Lonimessen, unter der 
Auflage, „das sorgliche und nothige zu beobachten, jedoch bei 
vorkommenden wesentlichen umstanden dariiber der zunft zu 
referiren und deren weitereu entscliluss zu vernehmen". Diese 
Verhandlung (III, 44, 45) enthalt ausnahmsweise die eigen- 
handigen Unterschriften sammtlicher Anwesenden. 

Aus dem Jahre 1789 sind uns zwei Verhandlungen und 
zwar an einer ganz anderen Stelle (III, 140. 141) erhaltcn. 
Sie fanden statt aus Anlass der wohl am ordentlichen Stuhl- 
tage beschlossenen Prasentation des Generals von der Briiggen. 
Die kaiserliche Kommission hatte diese Prasentation (aus nicht 
ersichtlichen Griinden) beanstandet und der Zunft aufgegeben, 
eine andere Personlichkeit zu wahlen und ausserdem ein anderes 
„impetratisches u Mitglied „zur vorgeblich nothigen auswahl der 
prasentationsliste beyzusetzen". Die Zunft fugte sich dem zwar, 
aber nur mit Widerstreben und unter dem oben S. 244 erwahnten 
Vorbehalte. In dem definitiven Beschlusse wird zwischen den 
von den „Impetranten u und den von den „Impetraten u Gewahlten 
unterschieden und dadurch bestatigt, dass die in der Stadt 
herrschende Spaltung auch die Zunft in zwei feindliche Lager 
getheilt hatte. Da jene Verhandlungen vom 9. und 10. August 
datiren, so muss die Erneuerung des Raths, welclie sonst, wie 
oben gesagt, am 24. Juni stattzuflnden pflegte, in diesem Jahre 
wohl eben in Folge der misslichen Umstande urn manche Wochen 
verschoben worden sein. 

Von den beiden im Zunftbuche (III, 4G. 47) verzeichneten 
Beschlussen aus dem Jahre 1790 betraf der eine, d. d. 10. Sep- 
tember, die Finanzverwaltung. Man beschloss „auf ersehung 
der vom ee. rath am 7. dieses ergangenen iiberkomst, dass die 
jetzigen graven das ehemals wegen der geldaufnahm ergangene 
zunftenverbot aufheben, mithin sich mit den iibrigen zunften 
desfals unterschreiben diirften, mit dem beding gleichwohlen, 



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Die Aachcner Sternzunft. 271 

dass das geld alsofort zweckmassig zur zahlung der zinsen und 
nothiger reparationen und anderst nicht verwendet werde, und 
die dazu vom rath benennte committirte herren sich solches 
ausserst angelegen seyn lassen sollen. tt „Herr von Broe 1 ", so 
heisst es dann weiter, „ist der meinung, so lang kein geld auf- 
zunehmen, als die commission sich in der stadt aufhielte." 

Der andere Beschluss, d. d. 25. September 1790 und ein 
im Zunftbuch sich demselben anschliessender vom 24. April 1792 
— aus dem Jahre 1791 enthalt jenes Buch keinerlei Mittheilung — 
betrafen die Entwiirfe zu einer verbesserten stadtischen Ver- 
fassung, also wohl in erster Linie den 1790 im Druck erschienenen, 
von dem preussischen Geheimrath v. Dolim, einern Mitgliede der 
Kommission 2 , verfassten unddenrevidirten, mit dessenEinfiihrung 
der Kammergerichtsadvokat Dr. Easor als kaiserlicher Kommissar 
im Jahre 1792 betraut wurde. Der altere dieser Beschlusse 
lautete: „Nachdem bei der sternzunft die entwiirfe zur kiinftigen 
constitutions-verbesserung reiflich erwogen worden, ist man des 
unzielsetzlichen (unmassgeblichen) dafiirhaltens, dass die von 
einigen zunftgraven neuerlich projektirte abanderung der gerecht- 
samen am mehrsten angemessen sei; jedoch ware dabei zu erinnern, 
dass, falls nahere vorschlage geschehen sollten, man jede ver- 
besserungsart, insofern des schoffenstuhls vorziige ungeschmalert 
bleiben, eben gern, urn das vereinigungswerk desto leichter zu 
stande zu bringen, sich gefallen lassen wolle. Dann werden zu 
dem von einer hohen commission zufolg resoluti am 13. dieses 
bezielten endzweck, vorbehaltlich der genehmigung, herr v. Fiirth 
und herr v. Witte hiemit ausersehen und bevollmachtiget." 

Dieser Beschluss wurde der Kommission am 27. September 
zugefertigt. Der andere, vom 24. April 1792, erging auf den 
Vortrag der Greven, „massen sie verwichenen samstag coram 
commissario caesareo, herrn dr. Easor, vorgeladen worden und 



1 ) Bekanntlich der Schwiegervater des beruchtigten Freiherrn von der 
Trenck. 

2 ) Die anderen Mitglieder waren der kurpfalzisehc Geheimrath v. Grein, 
der kurkolnische Geheimrath Pfingsten (ein Urgrossvater des aus Bonn 
gebiirtigen Otto v. Claer, ersten Adjudanten Moltkes im Kriegsjahre 1870/71 
und jetzigen General-Lieutenants) und nach des lctzteren sehr friihem Aus- 
seheiden zuerst der Miinstersche Geheimrath Maximilian Forkenbeck (dessen 
Enkel Oscar v. Forckenbeck, der Begriinder des ersten Zeitungsmuseums 
und Vereinsmitglied, unser geschatzter Mitbiirger ist), demnachst Franz 
Forkenbeck sowie schliesslich Max v. Kempis. 



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272 Theodor Oppenhoff 

den abdruck der beim hochsten reichsgericht zu Wezlar erlasse- 
nen neuen constitution, urn solchen der zunft zu communiciren, 
erhalten hatten, mithin die zunft ihre entschliessung dariiber 
geben mochte", und nachdem der Vogtraeier v. Geyr sein „votum a 
schriftlich eingegeben. Der Wortlaut dieses dem Kommissar 
zugestellten Beschlusses ist folgender: 

„Da die herren graven loblicher sternzunft die kaiserlich 
kommissarische eroffnung vom 21. d. mit dem abdruck der ver- 
besserten constitution der zunft bei heutiger versammlung nebst 
den vom herrn vogtmajorie-beamten ihnen zugestellten insinuatis 
bekannt gemacht, als (so) hat die zunft beschlossen, dem herrn 
commissarius die ehrfurchtvollsten gesinnungen fiir das hoch- 
preisliche reichskammergericht in aller unterthanigkeit anzu- 
zeigen, dabei aber auch angelegentlichst zu bemerken, wie die 
zunft durch die majorie-insinuata in wahre verlegenheit versetzt 
werde, da ihre kurfurstliche durchlaucht zu Pfalz-Bayern sich 
dieser constitutionseinfiihrung nachdrucklichst widersetzen. — 
Gleichwie nun hieraus von selbsten zu ermessen, wie vollends 
verderblich fiir die ganze, ohnehin am rande des verderbens 
bestellte burgerschaft ein ausbruch eines misverstandnisses von 
seiten ihrer kurfiirstlichen durchlaucht sein wiirde, besonders, 
wo beinebst mehrere ziinfte und corpora iiber verschieden punkte 
beschwert zu sein sich aussern, mithin von alien seiten sich 
unangenehme aussichten und weiterungen darstellen; so ware 
dem herrn commissar der wunsch nicht zu bergen, class vorder- 
sonst mit ihrer durchlaucht die von hochstderselben in wider- 
spruch gezogenen punkte berichtigt, fort hiesige burgerschaft 
und corpora zur dauerhaftesten constitutionsbevestigung und 
allgemeiner eintracht zufriedengestellt werden und iiber alles 
dieses eine die ganze lage der sache umfassender kommissarischer 
bericht an das hochste indicium committens schleunigst erlassen 
werden mochte." 

Unmittelbar unter diesem Beschlusse findet sich ein soldier 
vom 15. April 1797 eingetragen; es sind also fiinf Jahre iiber- 
sprungen, fiinf Jahre, in welchen sich die welterschutterndsten und 
auch fiir Aachen verhangnissvollsten Ereignisse zugetragen hatten! 

Augenscheinlich und aus sehr begreiflichen Grunden hat 
die Zunft innerhalb dieser Zeit — abgesehen etwa von dem 
Tage der Schlacht bei Aldenhoven, dem 1. Mai 1793, bis zum 
Sommer des folgenden Jahres — ein blosses Scheinleben gefiihrt. 



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Die Aachener Sternzunft. 273 

Wenn sie im J. 1797 wiederum ein Lebenszeichen zu erkennen 
gab, so riihrte dies daher, dass durch die von dem franzosischen 
General Hoche ernannte Intermediar-Kommission am 5. April 
bestimmt worden war, es solle den freien Stadten ihre Verfassung 
zuriickgegeben werden. Der Beschluss betraf die Wahl eines 
Deputirten der Zunft, welcher mit denjenigen der anderen Ziinfte 
dahin wirken sollte, „die langjahrig gedauerte uneinigkeit der 
biirgerschaft abzulegen und dariiber ein heilsames einverst&ndnis 
zu wege zu bringen". Zura Deputirten wurde der Syndikus 
Geuljans „ausersehen und benennet, um nach gestalt der sachen 
salva ratificatione der zunft die vereinigung moglichst zu be- 
fordern". Hierunter findet sich die Notiz: „NB. aus der gehofften 
vereinigung ist nichts geworden". 

So besassen denn jene fur den ganzen Westen Europas so 
iiberaus folgenschweren Ereignisse, wie sie einander Jahr fur 
Jahr gedrangt hatten, nicht die Macht, um die zu Aachen bereits 
1786 zum Ausbruch gelangte, aus rein lokalen und zum Theil 
nur kleinlichen Ursachen hervorgegangene, seitdem wohl langst 
jeder Unterlage ermangelnde Entzweiung zu iiberwinden, — .eine 
Thatsache, die grell absticht gegen die Einmiithigkeit, mit welcher 
bekanntlich um die gleiche Zeit dieselbe Biirgerschaft in alien 
Schichten den Vergewaltigungen und Neuerungen der fremden 
Eroberer einen zwar ohnmachtigen, immerhin aber riihmlichen 
Widerstand entgegensetzte. 

Da mit dem April 1797 der friihere Magistrat wieder in's 
Leben gerufen war, so wurden auch die Neuwahlen zum Eaths- 
wechsel auf hohere Auordnung wieder vorgenommen, aber erst 
im September und mit dem Unterschiede, dass seitens der Ziinfte 
keine blosse Presentation stattfand, dass jene vielmehr die Raths- 
mitglieder unmittelbar selbst wahlten. Demgemass wahlte denn 
auch die Sternzunft und zwar aus ihrer Mitte zwei Beisitzer 
des kleinen und sechs Beisitzer des grossen Raths (III, 47). 

„Dieser rath hat aber kaum sechs monate bestanden und 
ist sodann von den Franzosen wiederum eine municipalitaet ein- 
gefuhrt worden u (III, 48). 

Hiermit nahm die politische Mission der Aachener Ziinfte 
fur immer ein Ende. Formlich aufgehoben wurden die Ziinfte 
durch ein Dekret vom 26. Marz 1798, wie sie durch Gesetz 
vom 17. Marz 1791 fur das damalige Frankreich bereits auf- 
gehoben worden waren, 

18 



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274 Theodor Oppenhoff 

In Folge (lessen erging seitens des „Commissaire du Direc- 
toire-executif pr£s 1'Adrainistration municipale du Canton d'Aix- 
la-Chapelle tt , Namens Estienne, unterm 23. Germinal VI (12. April 
1798) an die „citoyens President et Pr6pos6s de la ci-devant 
tribu de l'Etoile* der Befehl, ein genaues Verzeichniss des 
ztinftischen Vermogens einzureichen, und einige Monate spater, 
am 29. Messidor VI (17. Juli 1798) „aus Auftrag der Zentral- 
Verwaltung des Ruhr-Departements" eine ahnliche, aber in 
deutscher Sprache abgefasste und auch „den personlichen Bestand 
der Korporation" umfassende Aufforderung der Munizipal-Ver- 
waltung (gez. Kolb, Prasident) „an den vormaligen Vorsteher 
der Sternzunft", ersterer Befehl unter der beruhigenden Ver- 
sicherung, dass es sich nicht etwa um die Wegnahme jenes 
Vermogens handle (III, 145, 149). Daraufwurde ein Verzeich- 
niss der „zunftglieder von anno 1793" und jener, „so noch vor- 
sind", eingesandt, im Uebrigen aber vermerkt, dass die Zunft 
ausser dem Rechte, sich in dem Hause zum Stern versammeln 
zu konnen, kein anderes Vermogen als zwei noch nicht 200 Rthlr. 
betragende Kapitalien besessen habe, dass letztere jedoch voll- 
standig „absorbiert a worden seien durch die Kosten, welche aus 
Anlass der w franzosischen einquartierungen auf der sternzunfts- 
laube tt in der Zeit vom 5. Dezember 1792 bis zum 11. Marz 1793 
verwandt wurden und gemass einer vom Sekretar des Schoffen- 
stuhls, Klocker, beglaubigten Aufstellung die ausserordentliche 
Hohe von 2090 Gulden erreichten (III, 143. 144. 147. 148). 

Soil der Eindruck, welchen die fur die langste Zeit freilich 
nur sparlichen Nachrichten obiger Archivalien tiber den in der 
Sternzunft waltenden Geist hinterlassen, hier wiedergegeben 
werden, so darf man denselben im grossen Ganzen als einen 
wohlthuenden bezeichnen. Nirgends linden sich Spuren eines 
engherzigen, das Gemeinwohl hintenansetzenden Kastengeistes, 
durchweg scheinen Verstandniss sowie Massigung im Schoosse 
der Zunft geherrscht und eine echt patriotische Gesinnung ihre 
Mitglieder beseelt zu haben. 



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Die Aachener Sternzunft. 275 

Anhang. 

Wir lassen zum Schlusse die Namen der Sternherren folgen, 
soweit sie sich theils aus den in den Zunftbuchern voran- 
geschickten, auf Anordnung der zeitweiligen Greven gefertigten 
Verzeichnissen, theils aus den Protokollen iiber die Stuhltage 
ergeben. 

Von jenen Verzeichnissen geht dasjenige des BuChes IT, 
welches nach der Ueberschrift im ,L 1607 begonnen und fiir 
die altere Zeit „ausser den alten bucheren u zusammengestellt 
wurde, am Weitesten, bis in das 15. Jahrhundert zuriick und 
reicht bis zum Jahre 1670. Die Verzeichnisse der Bucher I, III 
enthalten zunachst die Namen der am 1. August 1569 bezw. 
22. Juni 1713 lebenden Stuhlbriider, sind dann aber gleichfalls 
weiter fortgefiihrt, das alteste nur fiir wenige Jahre, das jiingste 
bis zu den letzten Zeiten des Bestehens der Zunft. 

Wie oben S. 241 bemerkt, finden sich von jenen Quellen 
das Verzeichniss des Buches I und ein notariell beglaubigter 
Auszug aus den Buchern II, III bereits bei v. Fiirth abgedruckt. 
Sie verbreiten sich jedoch nur liber die Zeit von 1569 bis 1691. 
Dem gegenwartigen Drucke ist fiir die Zeit bis zum Jahre 1670 
das Verzeichniss des Buches II, — welches sich iibrigens, an- 
langend den kurzen Zeitraum, den das Verzeichniss I bereicht, 
mit letzterem deckt, wenn von einzelnen Abweichungen in der 
Namensschreibung und Reihenfolge abgesehen wird, — fiir die 
Zeit von 1713 abwarts dasjenige des Buches III zu Grunde 
gelegt, wahrend die Protokolle- des Buches II, insoweit jene 
Verzeichnisse eine Liicke offen lassen, d. h. also fiir die Zeit 
von 1670 bis 1713 das Material geliefert haben und die Proto- 
kolle beider Bucher (II, III) bei Zweifeln iiber die Art der 
Schreibung oder bei sonstigen Bedenken zu Rathe gezogen sind. 

Was die altere Zeit, speziell diejenige bis zur Mitte des 
16. Jahrhunderts, betrifft, so liegt es wohl schon in der Natur 
der Sache, dass das Verzeichniss des Buches II weder auf 
unbedingte Vollstandigkeit noch auf besondere Genauigkeit be- 
ziiglich der Reihenfolge und iiberhaupt auf chronologische Ord- 
nung Anspruch erheben kann. Namentlich scheint in letzterer 
Hinsicht eine gewisse Verwirrung zu herrschen, welche vermuthen 
lasst, dass verschiedene untereinander in keinem Zusammenhang 
stehende Aufzeichnungen vorgelegen haben, welche ohne kritische 

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276 Theodor Oppenhoff 

Priifung benutzt und ausgeschrieben wurden. Wo das Jahr der 
Aufnahme in die Zunft tiberhaupt vermerkt ist, wird dasselbe 
an gegenwartiger Stelle nach. den einzelnen Namen in Klammern 
wiedergegeben. Dass aus dem Fehlen des Wortes „von a vor 
einem Namen nicht auf den Mangel des Adels geschlossen 
werden konne, hat bereits v. Fiirth a. a. 0. hervorgehoben. 
Umgekehrt ist bekanntlich aus den den Namen vorgesetzten 
Worten „von tt und „van a , welche letzteren im Buche II will- 
kiirlich zu wechseln scheinen, nicht mit Nothwendigkeit der 
Adel der Namenstrager zu folgern. 

Im Allgemeinen ist nur noch auf die ausser allem Verhalt- 
niss grosse Zahl derjenigen Sternherren hinzuweisen, welche im 
alten Herzogthum Limburg ansassigen oder von dort stammen- 
den Geschlechtern angehorten; sie lasst vermuthen, dass die 
Beziehungen Aachens zum Limburgischen, mindestens in den 
hSheren Kreisen, einst ganz ungleich lebhafter waren, als heut- 
zutage. 

1. Peter Buck. 

Der Name Buck kommt, wie sich aus dem weiteren Verlaufe ergibt, 
unter den Sternherren des 15. und 16. Jahrhunderts nicht weniger als achtmal 
vor; man begegnet demselben aber auch anderwarts (Laur. S. 265. 365. 371; 
Quix, Hist.-topogr. Beschreibung der Stadt Burtscheid S. 171; Haagen I, 
255. 324; II, 5. 51. 366; v. Fiirth I, 74 ff. 139; Loersch S. 178. 188. 287; 
AGV. II, 79; IX, 49; XIII, 261). Anscheinend sind an alien diesen Stellen, 
trotz einzelner Abweichungen in der Schreibweise — Buc, Bueck (Quix a. 
a. 0.), Bouk (I, 8), Buock (Loersch S. 188), Bock (Haagen II, 96, Loersch 
S. 287, Noppius S. 292); vgl. auch Byckelgin, Bux Sohn bezw. Buckelgen, 
Bocks Sohn (Haagen I, 255, Noppius a. a. 0.) und Buckingh (Loersch bei 
Haagen II, 643. 625) — Mitglieder derselben Familie gemeint, welche gleich 
den Eichorn, Punt und Bcyssel zu den angesehensten Patrizierfamilicn der 
frliheren Periode gehbrt haben muss. Das Wappen derselben oder eines ihrer 
Mitglieder findet sich abgebildet bei v. Fttrth I, Tafel III. Da sich schon 
unter den Rathsherren, welche zum Erlasse der sogen. Churgerichts-Ordnung 
von 1338 mitwirkten, ein Lambert Buc findet und dieser als Kastoyveltz der 
Grafschaft von Borschederportze aufgefiihrt wird, da ferner ein Lambrecht 
Buck im J. 1467 sein Siegel auf Ersuchen an die Vcrpflichtungsurkunde 
des stadtischen W&chters derselben Portze gehangt hat (AGV. VIII, 233: 
Pick), ein Peter Bueck endlich, sehr moglicher Weise der oben genannte, 
zu Ende des 15. Jahrhunderts Meyer von Burtscheid war (Quix a. a. 0.), 
so dttrfte vielleicht der al teste und hauptsachlichste Sitz der Familie in 
der Nahe dieser Borschederportze, d. h. des heutigeu G rossmarschierthors 



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Die Aaehener Stcrnzunft. 277 

zu suchen sein und der sich bis an letzteres erstreckende Boxgraben daher 
seinen Namen haben, wie der chemalige Mauwengraben von der Familie 
Mauw (und die Mbrchensgasse von der Familie v. Moirke?). 

2. Peter Ellreborn. 

Ueber die Familie Ellerbom vgl. Laur. S. 138. 234. 257; Fahne I, 90; 
II, 49. Auch sie war unter den in Nr. 1 erwahnten Rathsherren vertreten. 

3. Merten von Drimborn. 

Das sowohl als Orts- wie als Familienname mehrfach wiederkehrende 
Wort Drimborn ist entstanden aus „ze drin Bom tt , also gleichbedeutend mit 
Dreiborn. Fahne I, 83; III, 33 fiihrt demgemass denn auch die verschie- 
denen, in der Eifel, zu Aachen, Durwiss pp. auftretenden Herren von Drim- 
born auf dieselbe Familie zuriick, welche sich nach dem im Kreise Schleiden 
gelegenen, jetzt dem Freiherrn v. Harff gehorigen Schlosse Dreiborn nannte; 
ob mit Recht, ist freilich sehr zweifelhaft. Der Name der Aaehener Familie 
hangt anscheinend unmittelbar mit demjenigen des zu Forst bei Aachen 
gelegenen, jetzt einen Bestandtheil des v. Nellessenschen Majorats bildenden 
Hauses Alt-Drimborn zusammen. Ihr gehort wohl der bei Laur. S. 329 
(Rechnung von 1385) erwahnte Johan von Drenbornen an. Wilhelm Drem- 
born von Ach, geistlicher Rechten Doktor, war im J. 1475 Rektor der Baseler 
Universitat: H. Keussen (AGV. V, 310), Fahne a. a. 0. Einer adeligen 
Familie Drymborn im Graitzbruch (Herrlichkeit Born) wird von Carl Oppen- 
hoff (AGV. VI, 59), eines Alexander v. Drimborn zu Graetbroch im „Glilich- 
schen Ritterzettul de anno 1610 und 1611" (Fahne II, S. XII) gedacht. 

4. Vincentius von Schwaynenberg. 

Derselbe ist wohl identisch mit dem Vincenz v. Schwanenberg (Name 
eines Dorfes bei Erkelenz), dessen aus Anlass eines von ihm 1478 abge- 
schlossenen Verkaufs in AGV. IV, 5 (v. Vorst-Gudenau) und aus Anlass eines 
die Herrschaft Drachenfels betreffenden Vertrags vom Jahre 1493 in LA. V, 
488 gedacht wird. 

5. Jolian vam Horrick. 

Zwei Oertlichkeiten des Namens Ho r rig finden sich im Kreise Geilen- 
kirchen, namlich ein Landgut in der Burgermeisterei Brachelen und ein 
Gehofte in der Burgermeisterei Geilenkirchen. Ueber die adelige Familie, 
welche sich nach einer dieser Oertlichkeiten, wohl nach der ersterwahnten, 
genannt zu haben scheint, vgl. LA. Ill, 305. 337; AGV. I, 203. 205. 232. 
265 ff., 268. 270 ff. 274; II, 338; IV, 292; VI, 158, 160; Publ. de Limb. VI, 
510; XXII, 98; Fahne I, 174; II, 66. Der von Aeg. Muller in AGV. I, 
203 erwahnte Johann v. Horrich, Herr zu Siiggerath (Kreis Geilenkirchen) 
muss nach den dort angegebenen Daten im 15. Jahrhundert gelebt haben 



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278 Theodor Oppenhoff 

und kimnte daher mit dem Johann v. H., Herrn v. Sugerod, welch er nach 
Fahne I, 174 im J. 1496 die Clevische Union untersiegelte, sowie mit dem 
oben aufgefuhrten Sternherrn identisch sein. 

6. Wilhelm Colin. 

Dieser und der weiter unten aufgefuhrte Werner v. M erode sind 
zweifelsohne die gleichnamigen Personlichkeiten, welche im J. 1513 zu Biirger- 
meistern gewahlt wurden, urn die zerrtittete Verwaltung wiederkerzustellen 
(Loersch bei Haagen II, 648). EinWillem Colyn wird iibrigens schon 1510 
als Bttrgermeister und Schoffe aufgefuhrt: AGV. II, 82. — Colin war nieht 
bloss der Name einer angesehenen, urkundlich schon in der ersten Halfte des 
14. Jahrhunderts auftretendeu Patrizierfamilie, sondern auch ein in Aachen 
haufiger Vorname — Beispiele: Colin Chorus (Laur. S. 302), Colin Buck 
(s. oben) — und zweifelsohne urspriinglich nur ein solcher. Wenn Kelleter 
(AVZ. II, 103) letzteren mit Kecht von dem heiligen Jolinus ableitet, so 
erklart sich allerdings dieses oftere Vorkommen durch das dortige Bestehcn 
einer Kirche der Kreuzbriider, „der heren van sint Joline" (Laur. S. 339; 
vgl. auch daselbst S. 257. 302. 442). 

7. Gillis van den Buschoffstaffe. 

Vgl. S. 260. Der dort erwahnte Aufstand von 1513 scheint ein Nach- 
spiel gehabt zu haben in einem 1514 bei dem Reichskammergericht schweben- 
den Prozesse des Aegidius v. d. B. gegen Meyer und Schoffen, betr. Ent- 
setzung vom Schflffenamte wegen Amtsvergehen (AGV. X, 27). Im J. 1504 
war Gillis v. d. B. Vollstrecker des Testaments einer Schwagerin, welche 
in erster Ehe mit dem Aachener Schoffen Johann Beyssel von Eupen, in zweiter 
Ehe mit Junker Roland Bock vermahlt war; derselbe findet sich iibrigens 
schon 1498 als Aachener Schoffe bezeugt; 1494 verkaufte er vor Richter 
und Schbffen mehrere Grundstiicke an Wilhelm v. Opheim: v. Furth I, 85; 

II, 2 S. 113. — Eine ausserhalb Aachens belegene Oertlichkeit Bischofs- 
stab ist nicht bekannt; dagegen scheint ein Haus in Aachen selbst diesen 
Namen gefiihrt zu haben; vgl. das Tagebuch von Melchior Klocker, AVZ. 

III, 5. Eines Johann v. d. B. (von der Wirisbongart-Grafschaft) wird schon 
zu Ende des 14. Jahrhunderts, eines Peter v. d. B. im J. 1445, einer Maria 
v. d. B., Gattin Johanns v. Reimerstock, im 16. Jahrhundert gedacht: Loersch 
S. 189, Laur. S. 382, Pick im Aachener Hausfreund 1893, S. 39, Quix S. 264. 

8. Johann van Drymborn. 

Johann v. Drymborn sowie die weiter unten aufgefuhrten Johann 
Proist und Dietrich v. Segradt sind zweifelsohne die Schoffen dieses 
Namens, deren in dem unruhigen Jahre 1513 gleichfalls Erwahnung geschieht 
(Haagen II, 117). 



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Die Aachener Sternzunft. 279 

9. Heinrich Gregoir. 

Einer Familie Gregoire begegnet man in der Person der Jeanne G., 
Gat tin des im Juli 1651 zu Verviers geborenen Arnold Denis de la Saulx 
(de Lasaulx): Poswick S. 274. 

10. Wilhelm von Wilre. 

11. Joh. van Beussennre. 

12. Willi, van Schaefsberg. 

Das Haus Schaesberg liegt bei Heerlen (holl. Provinz Limburg) und 
gehort noch heute der reichsgraflichen Familie v. Schaesberg, deren jetzige 
Sitze jedoch Schloss Krickebeck (Kreis Geldern) und Schloss Dilborn (Kreis 
Erkelenz) bezw. die Herrschaft Tannheim (in Wttrttemberg) sind, welche 
letztere im Reichsdeputations-Hauptschlusse dem fruher reichsunmittelbaren 
Eeinhard Martin Maria v. Sch. als Entschadigung far die linksrheinischen 
Herrschaften Kerpen und Lommersum zugetheilt wurde; vgl. iiber diese 
Familie Quix, Die Reichsgrafen v. Schaesberg, und Fahne I, 376. 

13. Statz von Segradt. 

14. Diederich van Gulpen. 

Der Name ist dem limburgischen Dorfe Gulpen entnommen; inzwischen 
kommt schon im J. 1279 als Bttrgermeister, im J. 1280 als Meyer von Aachen 
ein Joh. v. G. vor: Loersch, AGV. I, 128. 149. Die friiheste Erwahnung derer 
v. Gulpen (de Galopia) geschieht in dem Leben des h. Gerlach: 1220 (Bolland I 
unter dem 5. Januar); vgl. Fahne I, 125; II, 51, welchem zufolge tibrigens 
zwei Geschlechter sich nach jenem Dorfe nannten. Abgesehen von mehreren 
Stiftsherren, Friedrich, Leonhard und Walram v. G. (1515, 1642 und 1647: 
Heusch S. 20. 28), scheinen Mitglieder einer adeligen Familie desselben 
Namens in spaterer Zeit zu Aachen nicht mehr aufzutreten. Zum Mindesten 
ist es sehr zweifelhaft, ob die im J. 1680 zur Ehe mit Jakob Brunelle ge- 
schrittene Isabella van Gttlpen, eine Grossmutter der vielgeriihmten Grafin 
Maria Isabella v. Harscamp, geb. Brunelle (AGV. VIII, 7: v. Reumont) und 
die noch heute zu Aachen ansassige Familie van Gulpen, welcher das in 
reichem Style aufgebaute, fruher Wespiensche Haus, Kleinmarschierstrasse 
Nr. 45, gehort, mit einem jener Geschlechter in Verbindung stehen. 

15. Roulant Buck. 

16. Joh. Hoyn van Carthyls. 

Der gar manchen Geschlechtern, insbesondere auch solchen der nieder- 
rheinischen und limburgischen Lande gemeinsame Name Ho en (Hoin) oder 
Hun (Huyn, Heun) wird in den Ann. XIII, 52 und in den Publ. de Limb. 
XVI, 407 (M. Jansen) auf das Wort Honne oder Hunne, d. h. Vorsteher 



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280 Theodor Oppenhoff 

einer Honn- oder Hundertschaft zuriickgefuhrt. Es heisst iibrigens auch ein 
bei St. Trond gelegener Bittersitz Hoen. Cartiels ist der Name einer im 
holl. Limburg, zwischen Wittem und Wylre gelegenen Burg. — Kitter 
v. Cartiels kommen schon im 13. Jahrhundert vor; Johann v. C. (1302) war 
der erste, welcher sich (und zwar nach seiner Mutter, einer geb. Hoen) Hoen 
v. Cartiels schrieb. Im 18. Jahrhundert werden Mitglieder dieser Familie 
als Grafen aufgefiihrt. Das von A. Heusch im AGV. VII, 302 ff. mitgetheilte, 
vom Jahre 1561 datirende Lehnregister der kurkftlln. Mannkammer zu Heerlen 
erwahnt einen H. v. C. als „man van dem stockleen zoe Hoens hues". Andere 
Besitzungen der Familie waren seit der Mitte des 17. Jahrhunderts die Valken- 
burger Lehen Altvalkenburg und Schin an der Geul. Unter den Aaehener 
Stiftsherren desselben Jahrhunderts kommen sowohl H. v. C. von Altvalken- 
burg wie H. v. C. von Bousselar (Boslar im Kr. Jiilich; 800: Buslare) vor. Vgl. 
Fahne I, 160; II, 62; J. Habets (Publ. de Limb. XXI, 277 ff. 329); Heusch 
S. 29. 30 und AGV. IV, 7; VII, 139. 

17. Coin Pryck. 

Ein Coen (Conrad) Pryck und zwei Personen Namens Peter Prick 
kommen im 14., 16. bezw. 17. Jahrhundert als Inhaber der Valkenburger 
Lehen Prickenis oder Klein-Geitsbach, Prickenscheidt und Crijn Bischopsleen 
vor: J. Habets (Publ. de Limb. XXII, S. 161. 208. 221). Desgleichen wird in 
dem bei Macco I, 194 ff. abgedruckten Valkenburger Lehensregister vom J. t 
1444 ein Coen Prycke, mit dem Zusatze „van Gheysbach", unter den 
Lchnstragern aufgefiihrt. Vgl. auch ebenda II, 62 und Wappentafel XI. 

18. Joh. Proist. 

19. Diederich von Segradt. 

Vgl. oben Anhang unter Nr. 8 und im Uebrigen, bezuglich der Familie 
Proist, v. Furth I, 17. 20. 29; II, 2 S. 112 und Wappentafel III; AGV. IV, 
267; Haagenll, 79. 591. 601; Macco II, 62; bezuglich der Familie Segradt 
(Segeroide): Laur. S. 263. 402; Fahne I, 398; II, 136. 

20. Wilh. Buck. 

21. Colin Buck. 

22. Joh. vam Driesch. 

Driesch (welches Wort ursprtinglich Wildland bedeutet) heissen nicht 
weniger als fiinf Oertlichkeiten des Begierungsbezirks Aachen, die so benann- 
ten in der Stadt selbst nicht eingerechnet. Ueber die verschiedenen adeligen 
Familien dieses Namens vgl. Fahne I, 83; II, 33; Publ. de Limb. VI, 226; 
XXI, 202. 383; XXIV, 122. Derselbe findet sich iibrigens auch unter der 
Aaehener Biirgerschaft vertreten (AGV. VII, 235). 



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Die Aachener Sternzunft. 281 

23. Diederich van Hairen. 

Ein Dietrich v. Hairen war im 15. Jahrhundert Meier vou Burtscheid. 
Mitglieder der wohl nach dem Dorfe Haaren bei Aachen benannten Familie, 
welcher 1450 das Gut Kalkofen gehorte, werden nrkundlich schon im 13. Jahr- 
hundert als Bitter aufgefiihrt. Im Uebrigen vgl. AGV. I, 155. 165. 169. 
175; II, 113; III, 236; VI, 241; Fahne II, 218; Haagen II, 61. 74. 91. 11-9. 
135. 366; v. Fttrth II, Wappentafel VII und Macco II, 37. 

24. Adrian van Nesselrode. 

25. Paulus van Drimborn. 

26. Diederich von Montenbroch gen. von der Hallen. 

Ueber die Montebroich gen. von der Hallen vgl. v. Fiirth II, 3 
S. 19 ff. 

27. Engelbrecht Hurt van Schoneck. 

Ueber die Hurt v. Schoneck, in deren Besitz durch die Heirath 
Johanns H. v. Sch. mit einer Nyt v. Birgel das Erbmarschallamt des Herzog- 
thums Julich gelangte und vom Jahre 1481 bis zum Aussterben des Geschlechts, 
1615, verblieb, vgl. Fahne I, 182; Strange III, 1 ff. und die Bedinghovensche 
Sammlung Bd. 61. Nach Ersterem stammt die Familie vom Dorfe Hurt 
bei Koln, was Strange jedoch bestreitet. Die Burg Schoneck oder Schonecken 
liegt, jetzt als malerische Buine, im Kreise Priim. — Der obengenannte Stern- 
herr ist zweifelsohne der 1518 kinderlos verstorbene Engelbrecht H. v. Sch., 
welcher durch Heirath auch Herr zu Esch und Beffort (im Luxemburgischen) 
war (Strange I, 61). 

28. Everhardt van Hairen. 

29. Wilh. van Weyms gen. Waimbach. 

Ueber diesen Sternherrn und die Familie v. Weyms gen. Warn bach 
iiberhaupt, einst begiitert in der Umgegend von Eupen und Cornelimiinster, 
vgl. Quix S. 110 ff. 67 f. 84. 159. 264 f.; Pauls (AGV. IV, 131); Publ. de 
Limb. IX, 268; uber eine Familie v. Wambach zu Waramen: Fahne I, 444. 
— Wems (Gross- und Kleinwems) heissen zwei Landguter in der Btirger- 
meisterei Kettenis, Wambach heisst ein solches in der Gemeinde Weiden, 
Landkreis Aachen, Wammen ein Bittergut im Kreise Heinsberg. 

30. Joh. Gryn. 

Hauptsitz der Familie Gryn scheint Aldenhoven gewesen zu sein; vgl. 
liber dieselbe: v. Oidtman, Kessel (AGV. IV, 268; I, 255. 256); Fahne I, 118; 
II, 49 (s. v. Grein), Strange III, 5. 6, Heusch S. 24; Publ. de Limb. VI, 485; 
XXII, 206 und oben S. 271, Anm. 



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282 Theodor Oppenkoff 

31. Joh. Ellreborn. 

32. Joh. van Hochkirchen, Scheffen. 

Die Familie v. Hochkirchen tritt zu Aachen schon im 14. Jahrhundert 
als Schoffenfamilie auf; vgl. Fahne I, 157, welcher sie auch von dort stammen 
lasst, und Macco II, 39. (Ein Ort Hochkirchen liegt in der Gemeinde Olles- 
heim, Kreis Dtiren.) Ihr gehSrte der in der Schlacht bei Speierbach (15. Novem- 
ber 1703) gefallene General Phil. Bert. Degenhard v. Hochkirchen an: Fahne 
a. a. 0. 

33. Woulter von Wilre. 

34. Joh. von Drimborn. 

35. Joh. Crummel von Nachtersheim. 

Ueber die Crtimmel v. Nachtersheim (Nettersheim im Kreise Schlei- 
den) vgl. v. Oidtman, Pick (AGV. IV, 284; VI, 141; IX, 83); LA. V, 410 ff.; 
Quix S. 150 if.; Fahne I, 71; II, 27; v. Fiirth I, 68. Zu ihren Besitzungen 
gehorte im 15. Jahrhundert der Rittersitz Leidenhausen bei Eil (Kreis Mul- 
heim): v. Zuccalmaglio, Stadt und Kreis Mulheim S. 374. Bei Fahne I, 99 
wird eine Maria Cr. v. N. als Erbin von Vaelsbroich (bei Vaels) bezeichnet. 

36. Joh. von Raede. 

37. Gillis van Heitberch, genant Heisse. 

38. Claes von Vorstheim. 

Ein Nikolaus v. Vorstheim war von 1573 bis 1582 Abt zu Corneli- 
miinster: AGV. X, 45. 

39. Steffan van Raede. 

40. Lenhart van Ellenbant. 

Derselbe ist wohl jener Leonhard v. Ellerband, welcher als Burger- 
mcister seitens der Stadt im J. 1529 mit Peter von Inden zum Reichstage 
nach Speier, und 1534 mit Nikolaus Wiltmann zur Versammlung des ober- 
rheinischen, kurrheinischen und niederrheinisch-westphalischen Kreises behufs 
Berathung tiber ein gemeinsames Vorgehen wider die Munsterschen Wieder- 
taufer nach Koblenz entsandt wurde; vgl. Meyer S. 445 (schreibt statt Eller- 
band: Edelband), AGV. VI, 304 (Hansen) und im Uebrigen ebenda X, 36. 38, 
v. Fiirth II, 2 S. 120. 

41. Frambach van Hochkirchen. 

42. Wilh. Buck. 



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Die Aachener Sternzunft. 283 

43. Ulrich Vettelir. 

44. Clas Raue. 

Ueber die Familie Kaue oder Rave vgl. Quix S. 74. 75; v. Fiirth II, 
2 S. 111. Den bei v. Fiirth erwahnten Heirathsvertrag von 1502 hat ein Claes 
Rave mit unterzeichnet. Ein Gut Raaf (Raef, Raue) liegt im Kreise Eupen. 
Nach diesem nannte sich eine der Familien Crummel: Crummel v. Eynatten 
zu Raaf (Quix S. 180 ff., Fahne I, 72). 

45. Michell van Einatten. 

Genealogien der noch jetzt bliihenden Familie v. Einatten finden 
sich bei Fahne I, 96 ff. und im Annuaire g6n6alogique des Pays-Bas de 1874. 
Ritter v. E. kommen urkundlich schon in der ersten Hftlfte dcs 13. Jahr- 
hunderts vor. Ein v. E. unterschrieb den Landfriedensbund, welchen Brabant 
und Julich mit den Stadten Kbln und Aachen errichtet hatten (1369). In der 
Schlacht bei Baesweiler (1371) fochten Peter und Johann v. E. als Vasallen 
des Herzogs v. Brabant. Spater verlegte die Familie, wahrend ihre Stamm- 
burg im Dorfe Eynatten (Kr. Eupen) auf andere Geschlechter tiberging, ihren 
Sitz in das Limburgische, und hatte Verzweigungen zu Neuburg bei Giilpen, 
zu Lichtenberg bei Maest^richt, zu Bolland, Nyswyler, Obsinnich, Reymers- 
dael sowie an andern Stellen. Die Herrlichkeit Nuth gelangte in den Pfand- 
besitz Stevens v. E. im J. 1626 und verblieb bei dessen Nachkommen bis 
zu Ende des vorigen Jahrhunierts. Der Hauptplatz dieser Herrlichkeit, das 
adelige Schloss Reymersbeek, gelegen an der Grenze der Gemeinde Schinnen, 
war der Familie schon im J. 1450 erworben worden, und zwar in Folge einer 
Schenkung seitens der Katharina v. Reymersbecke, Wittwe des Aachener 
Schoffen Peter Buck, wogegen das Haus Trips bei Geilenkirchen, noch jetzt 
Eigenthum derer v. E., denselben erst gegen das Ende des vorigen Jahr- 
hunderts durch Heirath Johanns v. E., Herrn zu Reymersbecke und Nuth 
mit Ferdinanda v. Berghe gen. Trips zufiel. Vgl. Kaltenbach S. 422 f. ; Quix 
S. 170 ff.; Publ. de Limb. XVII, 74. 75. 139 ff. 149 ff. — Dass mehrere 
Mitglieder der Familie im 17. Jahrhundert zu Aachen gewohnt haben, erhellt 
aus den dortigen Kirchenbuchern (Macco I, 144 f. 147. 151. 155 f. 161. 
170. 173). 

46. Gerhart van Hansseler. 

Die Hanxleden, auch Hanxler und Hansseler (einmal selbst Hen- 
seler: Franciscus H., satrapa in Millen: AGV. I, 255) genannt, deren Stammburg, 
in Westphalen 3 Stunden von Meschede gelegen, zuletzt Eigenthum der Grafen 
Spee, 1843 wegen Baufalligkeit abgebrochen wurde, ruhmten sich, die alteste 
Familie in deutschen Landen zu scin; die Chroniken von Paradis und Scheida 
sagen: als Karl der Grosse nach Deutschland kam, brachte er die Fursten- 
berge in das Land, die Hanxleden aber fand er darin vor: Fahne I, 133; 



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284 Theodor Oppenhoff 

II, 55. Sie warcn nicht bloss in Westphalen, sondern auch in den Rheinlanden 
nnd im Limburgischen weit verbreitet; vgl. Fahne a. a. 0.; Quix S. 91. 120. 
156; Publ. de Limb. XXII, S. 98 f. 139 f. 309; XXVI, S. 278. 327; in der sog. 
Selfkant, d. h. dem westlichsten an der hollandischen Grenze entlang laufenden 
Streifen der Kreise Geilenkirchen-Heinsberg, hatten sie, abgesehen von dem 
durch Heirath mit einor v. Drimborn erworbenen Ruhrkempen, seit dem Beginn 
des 16. Jahrhunderts mehrere Generationen hindurch den Pfandbesitz von 
Gangelt, Milieu nnd Waldfeucht: C. Oppenhoff (AGV. VI, 58, 59). — Die- 
selben sind iibrigens nicht zn verwechseln mit den Besitzern des Hauses 
Hanselaer bei Calkar (Ann. XXXI, 142) noch mit dem geldrischen Geschlechte 
der v. Honseler, welche sich nach dem unter Wetten gelegenen Hause Hon- 
selaer nannten ; letzteres geschieht augenscheinlich in der Revue numismatique 
beige, 1864, S. 218, wo von einer zu Waldfeuuht geschlagenen Silbermtinze 
berichtet und als Mtinzherr cin Joh. v. Honsellaer, Besitzer der Herrschaft 
Millen mit den Schlossern Vucht nnd Gangelt angegeben wird. 

47. Joh. van Effern. 

Eff em heisst ein Dorf im Landkreise K61n; die dort befindlieh gewesene, 
erst in neuerer Zeit niedergerissene Burg hat einem weitverzweigten Ge- 
schlechte den Namen gegeben: Fahne I, 86; II, 36; AGV. I, 260. 271. 275; 
II, 107. 184. 190; III, 310; IV, 270, 289; VI, 173. 

48. Goedart van Haerene. 

49. Peter Elreborn. 

50. Joh. van Raede. 

51. Joh. van Goir, Vogt zu Elsse. 

Das ndd. Wort Goor (Goir, Goer), d. h. Sumpf, feuchte Niederung, 
hat, gleich dem ihm synonyinen Bruch (Broich), einer grossen Zahl nieder- 
landischer und niederrheinischer Oertlichkeiten, nicht minder mehreren Adels- 
geschlechtern und burgerlichen Familien (z. B. Gormanns) den Namen gegeben. 
Fahne I, 114; II, 48 gedenkt dreier adeliger Geschlechter v. Goor, von 
welchen eines sich nach einer Burg in Twente, ein anderes nach seinem 
Sitze Gohr bei Hulehrath (wohl Dorf Gohr im Kreise Neuss) genannt habe. 
Letzterem gehorte anscheinend der oben aufgeftihrte Sternherr an, da dieser 
als Vogt zu Elsse bezeichnet wird, Elsen aber eine nicht weit von Gohr 
belegene Ortschaft (im Kr. Grevenbroich) ist. Vielleicht identisch mit einem 
jener drei Geschlechter ist die altberuhmte, aus dem spater graflichen Ge- 
schlechte Horn entsprossene und nach einem Schlosse in der Grafschaft Horn, 
Gemeinde Neer, genannte Familie v. Ghoor, liber welche die Publ. de Limb. 
IV, 299 ff. 306. 317 ff.; IX, 208 if.; XVI, 3 if. und XXI, 403 ff. Ausfiihr- 
liches berichten. Eine andere, gleichfalls limburgische Familie hiess nach 



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Die Aachener Stcrnzunft. 285 

ihrem Stammsitze in der Stadt Herve (diesseits Liittich) Goer de Herve: 
Poswick S. 1—58. Dieser gehorten Johann v. G., zu Ende des 14. Jahr- 
hunderts Abt zu Klosterratk uiid der Aachener Stiftsherr Peter Dionys v. G. 
(gest. 21. Dez. 1706) an: Poswick a. a. 0., Heusch S. 32. 35. 

52. Werner van Schonraede, Herr zur Heiden. 

Die Genealogie derer v. Schonrath findet sich bei Strange, Genealogie 
der Herren v. Bongart S. 16. if. 

53. Werner v. Merade. 

54. Philips, here zo Essch. 

55. Jacob Moranius. 

56. Emont her zo Meroetgen. 

MerSdgen heisst ein Landgut im Kreise Diiren; nach ihm ftihrte eine 
Familie den Namen, welche besonders im Memorienbuche des Klosters Wenau 
stark vertreten ist: AGV. IV, 273. 288. 294 (v. Oidtman). 

57. Arnolt Huyn von Anstenraede. 

Ueber die Huyn v. Amstenrath vgl. Fahne I, 184; M. Jansen (Publ. 
de Limb. XVI, 405 if.). — Amstenrath (friiher Anstenraede) ist ein Schloss 
im holl. Limburg, gelegen zwischen Heerlen und Sittard. Welche nuraerisch 
bedeutende Stellung die nach dieseni Schlosse benannten Geschlechter unter 
dem Adel des Landes eingenommen haben, davon legt Zeugniss ab eine im 
Archiv des hiesigen Landgerichts befindliche, 9 Folioblatter flillende Hand- 
schrift, welche augenscheinlich von einem Geheimschreiber des im J. 1572 
verstorbenen Graf en Johann des Aelteren von Ostfriesland, kaiserlichen Statt- 
halters zu Limburg, Valkenburg und Dalheim herrilhrt und demselben als 
Manual bezw. Adresskalender gedient hat, indem ihr hauptsachlichster Inhalt 
aus zahlreichen, theils in deutscher, theils in franzosischer Sprache („gallice u 
oder „in Walsch") abgefassten Titulaturen furstlicher Personen und hoher 
Wiirdentrager besteht. Dieses Manuskript, mit der Aufschrift „Formular 
etlicher Titel und sonst andereu Comraissionsschriften zu meiner und voriger 
Zeyt bei Graven Johansen zu Ostfrieslandt, Gubernatoren kbnig. Matt. Erb- 
nederlanden uber die Mase pp gecolligert, de anno 1560", fiihrt unter der 
Rubrik „die Eidderschaft des Landes Valkenburg, so up einen Landtag 
geschrieven werden", folgende Personen auf: Godefridus Daspremont, prost 
zo Merssen, Joh. van der Porten, prost zo Sent Geerlach, Conradt van 
Gaveren, ridder, her zo Elslo, Wilh. van den Bongardt, her zo Wynants- 
rade, Wolter Hoene, hecr zo Hoensbroik, Joh. v. Benssenrade, her zo Strucht, 
Joh. v. Schwartzenburgh (Wilh. und Caspar), Joh. v. Striythagen, Heinr. 
v. Zevel, Lamb. v. Benzenrade, Joriss v. Schaessbergh (Joh. Wilh.), Joh. 



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286 Theodor Oppenhoff 

Leeck v. Donrad, Heinr. v. Randenrae, Werner Huyn v. Anstenrade, Gerardt 
v. Schaluyn, (Dederich v.) Lerade, (Ardt) Huyn v. Anstenrade, her zo Geleen, 
Reiner v. Schaluyn, Joh. Huyn v. Anstenrade, (Joh. Cluth, Ardt Lamboy, 
Joh. Hoen ter Vuordt, Gerardt v. Cortenbach, Jan Voss v. Bruynssem, Franz 
v. Verken, Gerardt v. Anstenraede tho der Rcvieren, Joh. Hoen ter Hoenss- 
huyss, Ardt Dobbelsteyn, Anstenraedt heer tot Mehr, Daniel? goor). Die 
hier, nicht im Manuskripte, eingeklammerten Worte sind von anderer Hand 
und mit dunklerer Tinte geschrieben. (In derselben Handschrift werden als 
die „herwagen des lants Valkenburg", d. h. wohl als die Besitzungen, welche 
dort in Kriegszeiten einen Heerwagen zu stellen hatten, aufgefuhrt: In den 
ersten der hoff von Bingenrade, den hern van Aich zogehorende. — It. die zehend 
van Jabeke, behorende den hern van Heynsberg — It. die zehend van Merkel- 
beke, gehort den hern zo Zittardt — It. der proistenhoff van sent Gerlach 
zo Oirsbeke gelegen, diese vurss. wagen stont under die benk von Oirsbeke 
und Brunsshem — It. der Nievehoff zo Nutt, gehort den hern van Aich — 
It. der Nonnen hoff van Ryckerstein zo Undergclein — Der hoff zo sent 
Gerderuydt, gehorende den kloister van Fugt — It. Johan von Starn in des 
Cloisters hoff van Sinnich — It. der wyssenvrouen hoff van Maestricht, zo 
Heer gelegen — Der zeinden van Susteren — Die prosty zo Meerssen — 
Der Gasthusshoff van Aich, under Herlo gelegen, genannt Soureth). — Als 
Probe der in der Handschrift enthaltenen Adressen sei mitgetheilt : A Mons r 
Le Mariscal de Geldres Martin von Rosshem pp. Gemeint ist hier der beruhmte 
Feldherr dieses Namens, welcher in der sog. JUlicher Fehde, d. h. dem Kriege 
zwischen Kaiser Karl V. und dem Herzog Wilhelm von Jttlich-Kleve-Berg 
fiir letzteren, seinen Herrn, namhafte Erfolge in Brabant erstritten hatte, 
als die Ersttirmuug Diirens durch die kaiserlichen Truppen dem Kampfe ein 
baldiges Ende bereitete. 

58. Coynraedt van Ruystenberg, Commenduir zo Seirstorp. 

Ueber die 1220 vom Grafen Wilhelm von Julich gegriindete, der Ballei 
Alten-Bttchen bei Maestricht untergeordnete Deutschordens-Kommende zu 
Siersdorf (Kr. Julich) verbreitet sich Kaltenbach S. 318. 

59. Wilhelm Hoin zu Carthyls. 

60. Johan Puck van Geistbaich. 

Puck = Poyck? Ueber die letzteren vgl. AGV. IV, 36. 47. 48. 73. 
— Geistbaich ist vermuthlich das limburgische Geissbach oder Geitz- 
bach, dessen das oben Nr. 16 bezogene Lehnregister als eines Stocklehns 
gedenkt. Vgl. auch Nr. 17. 

61. Johan Vercken van Puffendoirv. 

Derselbe ist augenscheinlich jener Joh. v. Vercken, Herr zuPuffen- 
dorf, an welchen der Bischof von Mtiuster im J. 1534 das von Hansen in 



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Die Aachener Sternzunft. 287 

AGV. VI, 321 mitgetheiltc Schreiben richtete. Das Gut Vercken, nach welchem 
sich eine Linie derer v. Verken: Herren zu Verken nannte, ist im Kreise 
Dtiren, Haus und Dorf Puifendorf sind im Kreise Gcilenkirchen gelegen. Von 
ersterem sagt ein alter Volksspruch: 

Zwischen Pier und Merken 

Liegt ein Gut, heisst Verken. 

Zwischen Maas und Rhein 

Ist kein Acker so fein. 
Ueber die Familie oder die Familien v. Vercken vgl. Fahne I, 434; II. 172; 
Strange IV, 1 ff. (speziell: Die Herren v. V. zu Puifendorf und Heminers- 
bach), v. Fiirth II, 2 S. 29 ff. 

62. Heinrich von Binsfelt, Abt zu St. Cornelis Minister. 

Heinrich v. Binsfeld war Abt von 1491 bis 1531. Er fiihrte 1519 in 
der Abtei durch aus Weissenburg geholte Monche eine scharfere Zucht ein: 
AGV. I, 247; IV, 120 (Pauls). Im Uebrigen vgl. Nr. 63. 

63. Werner van Binsfelt, der her zu Binsfelt. 

Der Ortsname Binsfeld, zufolge For stem ami vom ahd. binuz = nhd. Binse 
abzuleiten, kehrt oftmals wieder. Nach dem hier fraglichen, bei Diiren gelegenen 
Binsfeld nannte sich eine Julichsche Unterherrschaft und ein 1652 im Manns- 
stamm erloschenes Adelsgeschlecht. An obiger Stelle ist zweifelsohne der 1557 
verstorbene Landdrost und Amtmann zu Nideggen und SchGnforst, Vater des 
1543 in der Schlacht bei Sittard gefallenen Werner v. B., gemeint; derselbe 
erwarb durch seine Heirath mit Agnes v. Nesselrode die freie Reichsherr- 
schaft Wylre bei Gttlpen, und wird daher auch in einer Urkunde von 1550 
als Wernerus dominus a Bintzfeldt et Weilre aufgeftthrt. Vgl. v. Mirbach 
(AGV. II, 127 ff.); Fahne I, 31 ; Strange I, 45. 46; Ders., Nachr. I, 54 ff. ; Kalten- 
bach S. 240. 241. — Das im Dorfe Binsfeld gelegene Burghaus ist architektonisch 
hochst beachtungswerth und dtirfte wohl in erster Linie in Betracht zn ziehen 
sein, wenn unser langgehegter Wunsch in Erfullung ginge, dass der Geschichts- 
verein die getreue Beschreibung und bildliche Darstellung der alten Burgen 
seines Forschungsgebiets sich zu einer seiner besonderen Aufgaben stellte. 

64. Richardt van Binsfelt. 

65. Heinrich van Binsfelt. 

66. Bertram van Binsfelt. 

67. Severin Scheeffer. 

68. Joeris van Schaffsberg. 



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288 Theodor Oppenhoff 

69. Heinrich Huyn von Carthyls. 

70. Clas Nuwedorp. 

Derselbe nannte sich vielleicht nach dem ira Kreise Eupen gelegenen 
Dorf Neudorf (Raeren — - Neudorf). 

71. Daem van Orsbach. 

Die Aachener Familie v. Orsbach lasst sich als standig zu Aachen 
sesshaft erst seit dem 17. Jahrhundert nachweisen, ungeachtet einzelne Per- 
sonen desselben Nainens dort schon frtiher aufgetreten sind: Macco I, 1 ff. 
Ob jcne Familie, wie letzterer annimmt, eine Seitenlinie des *von Orsbeck 
bei Heinsberg stammenden Geschlechts v. Orsbeck war, bleibt sehr fraglich; 
vgl. v. Oidtman (AGV. VIII, 289). Immerhin ist jedoch an das Dorf 
Orsbach im Landkreise Aachen (frtiher: Orlosberg, Orsberg) oder an die 
Ortschaft Oirsbeek im hollandischen Limburg bei obigem Sternherrn wohl 
nicht zu denken. Ueber die v. Orsbeck vgl. Fahne I, 314; II, 109; Macco 
a. a. 0. Der letzte Spross derselben bezw. der Linie v. 0. zu Olbriick und 
Vernich war der urn die Erzdiozese Trier so hochverdiente, am 6. Januar 
1711 zu Coblenz gestorbene Kurfurst Johann Hugo. 

72. Gerhardt van Palant. 

73. Joh. Pastoir. 

Fahne I, 329 bezeichnet die Pastoir als ein kolnisches G-eschlecht und 
nennt mehrere in der Zeit von 1413 bis 1588 zu Koln sesshaft gewesene 
Mitglieder desselben. Inzwischen treten nach v. Furth II, 2 132 If. schon 
zu Anfang des 15. Jahrhunderts — 1407. 1417 — auch zu Aachen und Burt- 
scheid verschiedene Personen dieses Namens auf, welche aus heraldischen 
Griinden zu der gleichen Familie zu zahlen sind. Macco II, 50 ff. weist 
sogar solche aus dem 14. Jahrhuudert nach. (Zweier Kblner Burger 
„ Johann Pastoirs" mit dem Beisatze „von Ach u wird fur die Zeit 1500 bis 
1540 bereits bei Fahne a. a. 0. gedacht.) JedenfaUs gehtfrt das altaachener 
Geschlecht Pastor (Pastoir, Pastour) zu den friihern Patriziergeschlechtern 
der Stadt; dasselbe bluht noch gegenwartig und zwar anscheinend in mehreren 
Linien ; einer derselben ist der Historiker Ludwig Pastor, Professor zu Inns- 
bruck, entsprossen. Ira Uebrigen vgl. Nr. 140. 148. 225; Macco a. a. 0. 

74. Spies van Biillessem. 

Das Geschlecht der Freiherrn v. Spies Blillesheim bluht gleichfalls 
noch heute und gehbrt zur rheinischen Ritterschaft, deren Mitgliedern durch 
Kabinets-Ordre vom 16. Januar 1836 (Lottner, Samml. V, 314) die Befuguiss 
verliehen wurde, die Erbfolge in gerader Linie durch Vertrage oder Testa- 
ment zu ordnen. — Bullesheim liegt im Kreise Rheinbach. 



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Die Aachener Sternzunft. 280 

75. Joh. Kipholt. 

Einer Familie v. Kipholt wird in AGV. I, 231; VIII, 289 (v. Oidtman), 
eines Kipholts-Hofs bei Strange VI, 29 gedacht. 

76. Heinrich van Mysthenberg, H. zu Letteurs. 

77. Heinr. van Gulpen. 

78. Joh. van Oist. 

Ira Limburgischen linden sich nicht weniger als drei Schlosser Oest, 
eines im Weiler Oest bei Eysden, zwei am Geulbache; hiefmit hangt es wesent- 
lich zusaramen, dass man dem Namen Oest (Oist, Oost) auch als Geschlechts- 
bezw. Beinamen adeliger Familien mehrfach begegnet. Vgl. Fahne II, 108, 
v. Oidtman (AGV. II, 184) und unten Nr. 133. Nach Macco 1,53 ftthrte audi 
ein Zweig der v. Berghe, gen. Trips den Namen der Linie v. Oist. 

79. Wilh. van Schwartzenberg. 

Ueber die Familie v. Schwarzenberg, welche vom Hofe Schwarzen- 
burg (Burgermeisterei Biisbach, Landkreis Aacben) stammte und spater zu 
Raeren ansassig war, vgl. Quix S. 142 ff., v. Oidtman, Pick (AGV. IV, 266; 
IX, 94). 

80. Heinr. van Kessell. 

Vielleicht ist bier ein Mitglied der Familie gemeint, welche sich nach 
dem an der Maas ab warts von Roermond gelegenen Landchen Kessel nannte; 
vgl. E. Slanghen (Publ. de Limb. XVI, 91 ff.). Inzwischen kommen ausser 
dieser Familie und ausser den Grafen von Kessel zu Broich (Grevenbroich) 
noch mehrere andere Familien gleichen Nainens vor; vgl. Fahne I, 217; II, 
77. Zwei Junker v. K., Balthasar und Adolph Wilhelm, scheinen gemass den 
Aachener Kirchenbuchern (Macco I, 173) im J. 1676 zu Aachen ihren Wohn- 
sitz gchabt zu haben. 

81. Joh. van Einatten. 

82. Heinr. van Rangenrade. 

Solltc statt „Rangenrade" Randerade gelesen werden miissen, so 
konnte der hier Genannte der Heinrich v. Randerade sein, welcher nach 
AGV. I, 203 (Aeg. Muller) im J. 1514 Statthalter der kurkolnischen Lehen 
auf der Wurm, Landes Valkenburg, war. 

83. Joh. van Eeboytrae Prysjan (?). 

Rabottraed heisst ein Weiler in der Burgermeisterei Lontzen, Kreis 
Eupen, allm&hlich entstanden aus einem Haupthofe desselben Namens, welcher 
auch Parys- oder Pry3hof genannt zu sein scheint. Vgl. hieriiber und tibcr 

19 



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290 Theodor Oppcnhoff 

die Herren von Rabottraed: Kaltenbach S. 425, Laur. S. 161. 212, Quix S. 77 if. 
Konrad v. R. war 1347 Drost von Limburg, 1352 Meier zu Burtscheid: Quix 
S. 219. Ein Kerst v. Reboy trade wird in dem unter Nr. 16 erwahnten Lehn- 
register als „man van dem stocklehen hues und hof zoe Eygelshoyffen" auf- 
gefiihrt. 

84. Peter van Kousseleir. 

Kousseleir = Coslar (1200: Koisselair; 1400: Koeslar)? Nach diesem 
im Kreise Jtilich gelegenen Dorfe nannte sich ein altadeliges Geschlecht 
(Fahne I, 231), welches jedoch zufolge Kaltenbach S. 230 schon im 14. Jahr- 
hundert erloschen sein soil. 

85. Gerh. van der Heiden. 

86. Simont von Wilre. 

87. Zander von Drimborn. 

88. Dierich von Wilre. 

89. Severin Scheeffer der Jung. 

90. Wilh. Engelbrechts. 

Vgl. oben S. 260. 

91. Gerh. Paell. 

Ansehnliches Material iiber die schon im 14. Jahrhundert zu Diiren, 
spater zu Aachen und Mastricht vorkommende Familie Pael (Pail) findet 
sich bci v. Ftirth II, 2 S. 110 if., Heusch S. 13. 16 If. 23 und in den Pnbl. de 
Limb. VII, 315; IX, 338; XXVII, 309. 319. 324. Vgl. auch AGV. V, 133; VI, 4. 

92. Joh. van Stummell. 

Vgl. oben S. 260. Das Aachener Patriziergeschlecht v. Sturamel oder 
Stommel wird im 16. Jahrhundert auch sonst erwahnt: v. Furth II, 
2 S. 118 ff. Aus der Verschiedenheit der Wappen folgert letzterer, dass 
dasselbe mit dem urspriinglich julichschen, nach Stommeln bei Koln benannteh 
Rittergeschlechte v. St. nichts gemein habe; anderer Meinung ist Fahne I, 
419. 422. 

93. Lambrecht Hagen. 

94. Joh. von Wettem in statt seines vatters. 

Wettem ist wohl nur eine andcre Schreibweisc fiir Wittem; vgl. Quix S. 275. 

95. Joh. von Reimerstock. 

Reiinerstock heisst ein Dorf im Limburgischen, in der Nahe von 
Gulpen. Ueber die Familie v. R. vgl. v. Furth II, 2 S. 117. 



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J 



Die Aachener Sternzunft. 291 

96. Daem H. zu Frankenburg. 

97. Gerhardt van Frankenburg. 

98. Wilh. von Wilre. 

99. Melchior Colin. 

100. Cornellis Belderbusch. 

101. Theis Buck. 

102. Peter von der Heiden off Durrenkuill. 

Dornkaul (Dorenkuyll, Dourenkuelle im 16. Jahrliundert) ist der 
Name eines Hofs in der Gemeinde Pannesheide, Landkreis Aachen. 

103. Heinr. Rakett. 

104. Peter van den Hove, gen. van der Berleren. 

105. Gerh. van der Anxstell (1527). 

Beziiglich der schon im 14. Jahrhundert in Aachen und Umgegend vor- 
kommendcn v. Anstel oder v. d. Anxstel vgl. Haagen I, 271, v. Oidt- 
man (AGV. IV, 260) und das Bruderschaftsbuch der Kirche St. Stephan zu 
Cornelimiinster (de Anstella: ebenda 130), Publ. de Limb. XX, 40. Ein 
vollig verschiedenes Wappen fuhrten die v. Siegenhoven, genannt Anstel (nach 
der Ortschaft Anstel im Kreise Neuss): Fahne I, 400; v. Oidtman a. a. 0. 

106. Tommesse Ellerborns (1527, 7. Decemb.). 

107. J. (Junker?) Job. von Hirtz, gen. Lantzkron (1528). 
Ueber das Rittergeschlecht Hirtz (Hirsch), nach einem Hause in Kbln 

Landskron genannt, vgl. Fahne I, 237 und Pauls (AGV. I, 177; IV, 121. 130). 

108. Krein van Leyck, gen. Doinraedt (1531, 1. Bramont). 

Lieck heisst ein Dorf im Kreise Heinsberg, Gross- Und Klcin-Doenraed 
sind Oertlichkeiten im holl. Limburg, unter Oirsbeek §;elegen. — Es kommen 
sowohl Adelige vor, welche schlechtweg v. Lieck (Leeck) genannt werden, 
als auch v. L. zu Gritteren (einem Rittergute zu Doveren, Kreis Erkelenz) 
und v. L. zu Doenraed. Ob diese sammtlich derselben Familie angehSrten 
und ob sie zu dem uralten limburgischen Geschlechte der Doenrath gen. 
Dobbelstein, spatcren Herren der Eyneburg, in Beziehung gestanden haben, 
bleibt genealogischen Forschungen vorbehalten. — Krein ist (wie noch heute 
in Tirol : Frommann VI, 302) = Quirinus, nach niederrhein. Mundart Krines, 
woraus augenscheinlich der haufige Farailienname Krings (16. Jahrhundert 
Krins: AGV. IV, 128), wie aus Sevcrinus, mundartlich Frines, der Familien- 
name Frings, in Holland der Familienname Vryns entstanden ist. 

19* 



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292 Theodor Oppenhotf 

109. Joh. Ellerborn der Jong, H n Joh. Ellerborns Sohn, 
Schoffen, (1531, 1. Bramont). 

110. Peter Ellerborn der Jung, Peter Ellerborn's Sohn 
(ipsis). 

Ipsis, d. h. an demselben Tage desselben Monats und Jahres (als Stuhl- 
bruder) angenommen ; die Bezeichnung dito scheint damals zu Aachen noch 
nicht gebrauchlich gcwesen zu sein. 

111. Joh. Hardtman (1538, St. Laurent). 

Eine oder mehrere angeseheue Personlichkeiten dcs Nam ens Hartmann 
treten zu Aachen schon im 15. Jahrhundert auf: Haagen II, 39. 51; v. Furth 
I, 27. Vgl. auch unten Nr. 164. 

112. Gotschalk von Segradt (ipsis). 

113. Diederich von Segradt (1540, 1. Febr.). 

114. Claes von Limburg, gen. Oist (1549). 

115. Emundt von Hochkirchen, Scheffen (1557, 25. Jan.). 

116. Leonhard van den Hove, Scheffen (ipsis). 

Ein Leonhard v. d. Hove (vermuthlich der obengenannte) und der 
Syndikus Badermacher unterschrieben als Aachener Abgesandte zu Augs- 
burg den Reichsabschied vom 30. Mai 1566: Meyer S. 463. Im Uebrigen 
vgl. unten Nr. 140 und AGV. X, 46. 228. 230. 234. 

117. Carll Groenendall, Scheffen (ipsis). 
Ueber Karl Gronendal vgl. Haagen II, 153. 

118. Diederich zu Mylendonk, Drachenvels, Meyderich, 
Eulandt, zu der Heiden (1557, 28. Jan.). 

Die Burg Milendonk liegt in der Nahe von M.-Gladbach. Dem 
Sltesten der nach ihr benanuten Adelsgeschlechter entspross der Benediktiner 
Casarius v. M., welcher, um 1212 zum Abte von Priim erwahlt, das aus dem 
•9. Jahrhundert stammende Verzeichniss der Gtiter dieser Abtei erlauterte 
und hiermit eine in kulturhistorischer wie sprachlicher Hinsicht hochwichtige 
Schrift schuf. — Obengenannter Sternherr ist zweifelsohne der im Lehn- 
register der Mannkammer zu Heerlen (vgl. Nr. 16) aufgefiihrte Dederich, Herr zu 
M. und zur Heiden; derselbe, ein Enkel des Burggrafen Gotthard von Drachen- 
fels, wurde im Jahre 1550 von Kurkoln mit jener Burggrafschaft beliehen 
und diese Belehnung mehrmals, zuletzt 1577 erneuert. — Vgl. iiber die Herren 
V. M. liberhaupt und iiber ihre sonstigen Besitzungen, insbesondere die Herr- 



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Die Aachener Sternzunft. 293 

schaft Schonau (das sog. Landchen zur Heidcn), Meiderich bei Ruhrort und 
Reuland in der Eifel (Kreis Malmedy) : v. Oidtman, Hansen (AGV. XI, 8 ff. ; 
VI, 98), Kaltenbach S. 462, LA. V, 489, Habets (Publ. de Limb. IV, 300 ff.). 

119. Thomas Kuelle (ipsis). 

120. Antonius von Sombreff (ipsis). 

Sombreff hiess nach Fahne II, 138 ein brabantisches Geschlecht, 
welches einige Zeit hindurch Saffenberg und Landscron (an der Ahr) be- 
sass. Von 1397 bis 1504 waren die v. S. Hen-en der Herrlichkeit Reck- 
heira bei Mastricht: Publ. de Limb. X, 31 ff. Vgl. auch ebenda XXIV, 4. 
20; Quix S. 162 ff. 244 ff. Ein Wilh. v. S. wurde in der Schlacht im Clever- 
hamm (1397) gefangen genommen, ein Joh. v. S. gehorte im 15. Jahrhundert 
zu den Aachener Stiftsherren : Schaumburg (Ann. IX, 97), Heusch S. 10. 

121. J. Wilh. vom Hirtz, gen. Lantzkron (ipsis). 

122. Peter Schwarzenberg (ipsis). 

123. Gerh. Ellerborn, Biirger-M. und Scheffen-M. (ob. 1571). 

Mit Gerhard Ellerborn beginnt das Verzeichniss des Buches I, mit 
Jaspar v. Kor ten bach (s. unten) schliesst dasselbe. Doch sind die oben- 
genannten Leonhard van den Hove, C. Groenendaell und Dietrich v. Milen- 
donk mit aufgeftihrt und zwar nach Joh. Beulart (s. unten), mithin in 
anderer Beihenfolge. 

124. Godtschalk von Segrath (ob. 1578). 

125. Joh. von Wallum, gen. Hurpisch (Buch I schreibt 
Hurpers). 

Wallum ist wohl = Walheim („Waelein, Wailhem, Wallcm"), Dorf 
im Landkreise Aachen oder = Walhem, Oertlichkeit im Limburgischen 
unter Climmen. Statt Hurpisch oder Hurpers muss Horpusch gelesen 
werden; vgl. Fahne II, 65. 229; Eg. Slanghen (Publ. de Limb. VI, 259), 
welcher letztere ubrigens, im Widerspruch mit Fahne, aus heraldischen 
Griinden zwei Aachener Familien v. Horpusch annimmt, eine Schoffenfamilie 
dieses Namens und die v. Wallum gen. Horpusch. Ein Joh. v. H. vereinte 
in seiner Person von 1543 bis 1584 die bis dahin getrennt verwalteten 
Stellungen eines Vogts und Meiers (Meyer S. 491), Balduin v. H. (gest. 1635) 
war Abt zu Klosterrath (AGV. II, 310: Michel), ein Arnold v. H. Herr des 
Laethofs von Asselt (Dorf auf dem rechten Maasufer in der Gemeinde Swal- 
men): Slanghen a. a. 0. 

126. Gerhardt von Eisse, H. zu Beussdall. 

Ueber das aus dem Limburgischen stammende Geschlecht der Eys, 
gen. Beusdal vgl. Fahne I, 98; II, 217 (fuhrt einen Gerhard E., Herrn 



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294 Theodor Oppenhoff 

zu B., zu dem Jahre 1565 auf). — Eys ist dor N«ame eines Dorfes bei 
Wittem, Beusdal derjenige eines hochst stattlichen Schlosses bei Sippenaken. 

127. Everhardt Khoe. 

128. Collen Buck zu Hepscheidt. 

Hepscheidt heisst ein Dorf im Kreise Malinedy, Hebscheid ein Hof 
in der Biirgermeisterei Forst, Landkreis Aachen. Hier ist offenbar die 
letztere Oertlichkeit gemeint, indem es auch sonst bekannt ist, dass sich 
nach ihr eine Familie v. Bock (wahrscheinlich ein Zweig der unter Nr. 1 
besprochenen) Bock v. H. nannte; vgl. Quix S. 84, Macco I, 145. 

129. Peter Broich. 

Ueber die Familie v. Broich vgl. v. Fiirth II, 2 S. 1 ff. Obiger 
Sternherr ist wohl, wie auch v. Fiirth annimrat, der im Julichschen Ritter- 
zettel von 1548 erwahnte Peter Broich zu Durwiss (Krcis Julich). 

130. Peter Buck (ob. a° 71 in Majo). 

131. Gillis von Reimerstock. 

132. Steffen Neudorff. 

133. Niclas von Limburg (Buch I: Leymburg), den man nent 
Oist. 

134. Joh. Beulardt (Buch I: Bullart), Scheffen. 

Vgl. unten Nr. 140 und iiber die Familie Beulardt v. Beulardtstein 
(Biillestein, einem Hofe in der Biirgermeisterei Laurensberg, Landkreis 
Aachen): AGV. X, 30. 

135. Peter Buck der Jung. 

136. Matheis Buck. 

137. Der hochwlirdigster Fiirst und Herr Gerhard von Gruiss- 
beck, Bischof zu Luttich. 

Derselbe, gestorbcn 1580, gehorte einem Geschlechte an, welches sich 
nach der im Oberquartier von Gelderland an der Maas gelegenen Herrschaft 
Groesbeck nannte: Fahne I, 119; II, 50. Im Uebrigen vgl. in Betreff 
dieses Geschlechts die Publ. de Limb. XVI, 136; XVIT, 31. 220. 222; XX, 
63. 89; Heusch S. 18. 20. 

138. Hultrop (Buch I: Holtrop), Parochian. 

Holtrop (Holtorp) liegt bei Bergheim. Ueber die Familie v. H. vgl. 
Fahne I, 167; II, 63; v. Oidtman (AGV. IV, 284; VI. 156. 158. 179). 



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Die Aachener Sternzunft. 295 

139. D. Gerlach Radermecher. 

Der Syndikus Dr. Gerlach Radermacher (nicht zu verwechseln rait 
dem unten erwahnten Kanonikus gleichen Namens) war ein sehr hervor- 
ragender und thatiger Mann, dessen Beredsamkcit gelegentlich einer der 
inanchen diplomatischen Missionen, mit denen er betraut ward, aus dem 
Munde Kaiser Ferdinands I. ein so glanzendes Lob einerndtete; vgl. iiber ihn: 
Noppius S. 149; v. Fiirth II, 2 S. 71; AGV. VII, 71. 85. 89. 91 (Hansen) 
und oben Nr. 116. 

140. Jacop Pastoir, Schoffen. 

Derselbe, im Jahre 1563 zum Greven gewahlt (I, 6), war zweifelsohne 
jencr Jakob Pastor, welcher 1582 katholischerseits mit dem Biirgermeister 
Leonh. v. d. Hove, dem Dechanten Voss und Anton Wimmer zu dem Reichs- 
tage nach Augsburg und demnachst mit dem Biirgermeister Albrecht Schrick 
sowie dem Sekretar v. Tlienen zu dem behufs Einigung mit den Protestanten 
bestimmten, von letzteren jedoch nicbt beschickten Termine nach Wien ge- 
sandt wurde. Dessen Kinder gehorten gleich dem Sternherrn Beulardt sowie 
den Erben der Biirgermeister Leonh. v. d. Hove, Wilh. v. Wilre und Albrecht 
Schrick (vgl. Nr. 116. 141. 147) zu denjenigen Katholiken, welchen eine kaiser- 
liche Kommission im Jahre 1602 wcgen der in den religiosen Wirren er- 
littenen Verluste Entschadigungsgelder zuerkannte. 

141. Wilh. von Wilre, Burg- und Scheffenm. 

Von diesem stammen die bei Loersch S. 14 erwahnten collectanea mit 
der Ueberschrift „Etzlich observations up dem scheffengericht zu Aach er- 
faeren durch mich, Wilh elm von Wilre, wilcher scheff 1564 in Leben 
meines vatters Dederich von Wilre erwelt worden bin". Im Uebrigen vgl. 
Nr. 140. 

142. Anastasius von Segradt, Schoffen. 

Dieser oder der weiter unten erwahnte Sternherr gleichen Vor- und 
Zunamens ist anscheinend der spate re Biirgermeister A. v. Segradt, welcher 
bei Meyer S. 503 die Reihe der im Jahre 1598 Geachteten eroftnet. 

143. Joh. von Giirtzenich, Schoffen (ob. a 79). 

1st vielleicht der Jan van Guertsenich, welcher nach den Publ. de 
Limb. VI, 17 (Joh. Habets) am 30. Juli 1560 mit dem Gute Gurtsenich im 
Valkenburgischen beliehen wurde. An Gurzenich bei Duren ist schwerlich 
zu denken, da diese Herrschaft bereits seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts, 
wo nicht schon truher, der bekannten Familie der Schellart v. Obbendorf gehorte. 

144. Wilh. von Dastdunck (Buch I: Dasdoung), Schoffen. 

In Betreff des Wilh. v. Dastdunck oder Dasdung vgl. den prote- 
stantischerseits im Jahre 1584 erstatteten, oben S. 260 Anm. 2 erwahnten 



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296 Theodor Oppenhoif 

Bericht. Aus dem dort tiber jenen Gesagten ergibt sich, dass derselbe nicht, 
wie v. Ftirth II, 2 S. 9. 44 vermuthet, Protestant, sondern Katholik und zwar 
von entschiedener Haltung war. 

145. Wilhelm von Khoe (Buch I: v. Koehe). 

146. Joh. Lontzen (Buch I: Lountzen), Schoffen. 

Dieser ist anscheinend derselbe Johann Lontzen oder Lunzen, welcher 
als Abgesandter der Stadt zu Regensburg den lleichsabschied vom 12. Oktober 
1576 mit unterzeichnete und spater als eines der Haupter der protestan- 
tischcn Partei hervortrat. Vgl. Meyer S. 465. 474 If.; Noppius S. 161. 169 5 
AGV. X, 46. 47. 

147. Albrecht Schrick, Burger-M. und Schoffen (ob. a° 1598, 
22. 7bris). 

Ueber Albrecht Schrick vgl. oben Nr. 140, Noppius S. 161. 167. 173. 
178 if. und liber die Aachener Familie Schrick (v. Schrick) iiberhaupt v. Fiirth 
H, 2 S. 32 ff. Sitze der letzteren waren das Haus mit dem Thurm, Alexianer- 
graben Nr. 3, und das Haus Pontstrasse Nr. 47. 

148. Adam Pastoir. 

Adam Pastoir wird aus Anlass seiner 1567 erfolgten Wahl zum 
Greven im Buch I, 11 unter der naheren Bezeichnung „zum schwartzen 
Leuwen" aufgefuhrt, vielleicht zur Unterscheidung von einer anderen Person 
gleichen Vor- und Zunamens. Eines Prozesses, welcher im Jahre 1592 in 
Sachen Adam Pastor und Genossen wider Bonifacius Colin, Biirgermeister 
und Rath bei dem Reiehskaminergerichte schwebte, wird AGV. X, 48 gedacht. 

149. Joh. Ellerborn. 

150. Anastasius von Segradt. 
Vgl. oben Nr. 142. 

151. Joh. Colin. 

152. Simont Colin. 

153. Joh. von Pirn (Buch I: Pern). 

Der Name des Dorfes Pier im Kreise Diiren wurde frtther Pirn (922: 
Pirna) wie derjenige von (Ober- und Nieder-) Zier, in demselben Kreise ge- 
legen, Zirn gcschrieben. Von jenem Dorfe stammt htfchst wahrscheinlich die 
noch jetzt bliihende Familie, welche gleichfalls fruher Pirn hiess und sich gegen- 
wartig v. Pier oder Vompier schreibt. Obiger Sternherr war nicht das ein- 
zige Mitglied dieser Familie, welches bereits im 16. Jahrhundert zu Aachen 
auftritt, indem ein Adam v. Pirn, 1579 gleich dreien seiner Konfratres an 



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Die Aachener Stcrnzunft. 207 

cler Pest gestorben, zu den Aachener Stiftsherrren gehorte (Hcusch S. 20). 
Genealogische Nachrichten iiber die v. Pier aus den spateren Jahrhunderten 
bringt Macco I, 171. 

154. Bonifacius Colin, h. Melchioren Colins son, Schoffen. 

Der Zusatz „h. Melchioren son" gibt der Vermuthung Raum, dass 
es damals mehrere Personen des Namens Bonifaz Colin gab, so dass es 
immerhin zweifelhaft bleibt, ob der oben aufgefuhrte der vielbesprochene 
Biirgermeister B. C. war, welcher, obschon Katholik, dennoch mit den Prote- 
stanten hielt und zu den im Jahre 1598 Geachteten gehorte. 

155. Nicolas Raue, Potestas zu Stafflo. 

156. Werner Huin von Anstenradt. 

157. Joh. Pareis (Buch I: Parreis). 

Paris kommt als Personen- bezw. Familienname bereits 1396 und 
zvvar unter den Zeichnern des damals abgeschlossenen Landfriedensbundes 
vor (Quix S. 260). Im 16. Jahrhundert begegnet man einer Familie Parys 
zu Mastricht und Maaseyck: Publ. de Limb. VI, 439; XXVII, 309. 319. 324. 
Ein Joh. Parys war in der ersten Halfte desselben Jahrhunderts Aachener 
Stiftsherr: Heuseh S. 15. 

158. Joh. von Einatten. 

159. Gort von Mewen. 

Me wen (Meuwen) heisst eine Ortschaft des alten Herzogthums Lim- 
burg. Eiuer Familie v. M. geschieht in der Person Wilhelms v. M. aus 
Mastricht, Herrn zu Eysden, Meeswyk, Hartelstein und Leuth, Gatten der 
am 1. Juni 1760 verstorbenen und zu Leuth bestatteten Josepha v. Speek- 
heuer in den Publ. de Limb. XX, 294 f.; XXI, 268. 412; XXIX, 449 sowie 
bei v. Fiirth II, 2 S. 222 Erwahnung. Auch in den Aachener Kirchenbuchern 
des 17. und 18. Jahrhunderts kommt der Name v. Meven mehrfach vor: 
Macco (AVZ. I, 77 f.). Im Uebrigen vgl. unten Nr. 267. — Gort (Goirt, Goert) 
ist ein Vorname, zusammengezogen aus Godart, wie Albert aus Adalbert, 
Alheit und Ayleit (AGV. IV, 315; Strange, Nachr. I, 55) aus Adelheit, Alf 
(Ay If) und Rolf (Roilf) aus Adolf und Rodolf entstanden sind. 

160. Wilh. von Ruschenberg, her zu Roschet, erffmarschalk 
des herzogdums Limburg. 

Ebengenannter ist der Wilh. v. Reuschenberg zu Overbach (einem 
Rittergute im Kreise Julich, Burgermeisterei Barmen), Herr zu Roschet (im 
Belgischen, an der Grenze des Kreises Eupen) pp, dessen in der von v. Oidtman, 
AGV. VI. 1 78 f., auszugsweisc mitgetheilten Urkunde d. d. 26. Nov. 1585 als eines 
,,kiirzlich verstorbenen" gedacht wird ; ebendaselbst werden andere Mitglieder 



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298 Theodor Oppenhoff 

derselben Familie als Herren von Iturich (Kreis Erkelenz) bezw. als Herren 
von Eicks (Kreis Schleiden) und als Herren von Setterich (Kreis Jiilich) 
aufgefiihrt; vgl. auch ebenda VI, 176; IV, 299 (v. Oidtman) und unten Nr. 355. 
386. — Ob diese Familie zusamnienhangt init dem uralten bergischen Ritter- 
geschleehte v. Reuschenberg, dessen gleichnauiige Burg, jetzt Eigenthum des 
Grafen v. Fiirstenberg-Stammheim, an der Wupper gelegen ist (Fahne I, 
360), diirfte nocli zu ermitteln sein. 

161. Alardt Segradt. 

162. Gregorius von Wilre, Schoffen. 

163. Joh. Colin, h. Melchior Colins sobn. 

164. Winant Hardtman. 

165. Floris von den Bongardt. 

166. Melchior von Schwartzenberg. 

167. Wolter Elserack, Schoffen (ob. a 74, 25. Febr.). 

Die Elsrack waren ein adeliges, in der Grafsehaft Loon sehr ver- 
breitetes G eschlecht : Publ. de Limb. XVII, 96 ; ebendort wird des oben auft- 
geflihrten Sternherrn nicht allein als eines Aachener Schoffen, sondern auch 
als Drosten von Wittem sowie als Eigeuthumcrs des unter Nuth (Niitt) in 
holl. Limburg gelegenen Hauses Oelsbroeck gedacht. Vgl. auch ebenda 302. 
311; XXIX, 58. 59. 

168. Jaspar Huin von Anstenradt (Buch I: Heun v. A.) 

169. Werner von Merodt, gen. Hoffalis. 

170. Richardt von Merodt, gen. Hoffalis (Buch I: Werner 
bezw. Richardt von Meraedt, gen. Hofflis). 

171. Andris Ellerbom, Canonich. 

172. Frans Beussdall. 

173. Frans Voss, Decanus. 

In Betreff des am 17. Juni 1590 verstorbenen Franz Voss vgl. oben 
Nr. 140, Haagen II, 162. 173. 175 und Heusch S. 18. 22. 

174. Joh. von Wilre (Buch I: v. Weilre). 

175. Andries Radermecher. 

176. Joh. Schenck. 



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Die Aachcner Stcrnzimft. 299 

177. Joh. von Schiffsberg (vielleicht Schaefs- oder Schaes- 
berg?). 

178. Keinardt Raff. 

179. Joh. von Merodt, gen. Hoffalis, Scheffen. 

180. Diederich Beussdall. 

181. Heinrich von Segradt. 

182. Joh. Ellerborn, Parochian. 

183. Andries Hoff. 

184. Gerardt Ellerborn, Schoffen. 

185. Adam von Lovenich. 

Eines Adam v. Loevenich wird im Memorienbucbe des Klosters 
Wenau und von v. Oidtman (AGV. IV, 297. 287) gedacht. Beziiglich eines 
etwaigen Zusammenhanges der hier in Rede stehenden mit der industriellen, 
aus Gothe's „Pichtung und Wahrheit" auch nichtkaufmanuiscben Kveisen 
bekannten Familie v. L. vgl. Macco II, 121 ff. und v. Oidtman (AGV. X, 255). 

186. Joh. Berchem, Canonich. 

187. Peter von Segradt. 

188. Christoffel Stommelen. 

189. Hugo Pelzer (Buch I, 2: Pelser). 

Hugo Pelzer, bei Meyer S. 503 Peltzer von Eschweiler genaunt, 
welcher zu der Familie v. Pelser-Berensberg in keinerlei Beziebung stand 
(v. Furth II, 2 S. 9), und der weiter unten aufgefiihrte Max v. Schwartzen- 
berg gehorten zu den im Jabre 1598 Geachteten. Meyer a. a. 0. zablt da- 
bin nocb zwei andere von ihm als Sternherren bezeicbnete, Joh. Rohe und 
Wilh. Miilstroe; doch finden sich letztere in kcinem der obigen Mitglieder- 
verzeicbnisse genannt. — In dem bei Meyer S. 589. 590 mitgetheilten Ver- 
zeichnisse Derjenigen, wclche nacb dem Sturze des protestantischen Regiments 
im Jabre 1614 fluchtig geworden waren und nacbtraglich wegen Tbeilnabme 
an dem Aufrubre des Jabres 1611 verfolgt wurden, ist kern einziger Stern- 
herr aufgefiibrt. 

190. Jaspar von Cortenbach. 

Schloss Cortenbacb Hegt bei Voerendacl in boll. Limburg. Die Familie 
v. C. scbeint auch in Aacben einen Sitz gehabt zu baben, indem zum Bau 
der Jesuitenkircbe das Cortenbacbscbe und das Garzweilersche Haus vom Rathe 



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300 Thcodor Oppenhoff 

erworben wurdcn: Scheius (AGV. V, 93). Jene Annahme findet durcli die 
dortigen Kirchenblicher (Macco I, 144. 149. 162) Unterstiitzung. — Mit der 
spater zu Aachen auftretenden Familie v. Lamberts zu Cortenbach scheint 
erstere Familie nichts gemein gebabt zu haben; vgl. unten Nr. 343. 

191. Joh. Ellerborn, Burg.-M. und Scheffen-M. 
Vgl. Haagen II, 155. 157. 189. 200. 

192. J. Joh. Douvenradt. 

Douvenrath heisst ein Schloss iin Limburgischen, bei Eys gelegen. 

193. Maximilian von Schwartzenberg. 

Vgl. oben Nr. 189. 

194. Christoffel Vercken. 

195. Abraham von Strithagen, Scheffen-M. (ob. a° 1635, 
4. martii). 

Haus Streithagen ist gleichfalls in holl. Limburg gelegen. Als 
Besitzthiimer der Familie v. Streithagen (mit dem Beinamen Judenkopf: 
Fabne, I, 425) sind bekannt der Hof Uersfeld (ein kurkolnisches Lehn) 
in der Herrschaft Heyden (Landkreis Aachen) und die Burg zu Merzcn- 
hausen (bei Aldenhoven). An letzterem Orte wurde der Schrifts teller 
und Dicbter Andreas v. Streithagen geboren, welcher im Jahre 1640 
noch lebte; er ward durch das Stift zu Heinsberg dorthin behufs Leitung 
der Scbulen berufen. Sein Sohn Peter, geboren 1595, Kanonikus zu Heins- 
berg, war ein sehr fruchtbarer Schriftsteller, sowohl als Historiker wie als 
Dichter; sein „poema in Ruram", auch „somnium de Rura" genannt, be- 
schreibt in poetischer Form die Roer, den Lauf derselben, ihre Nebenflusse, 
Stadte, Anwohner u. s. w. Nach Fahne a. a. 0. war einc Elis. v. Str. mit Joh. 
v. Werth, dem Vater des bekannten Kriegshelden, vermahlt. — Ueber den 
obenerwahnten Sternherrn vgl. Haagen II, 231 ; Klocker's Tagebuch, AVZ. IV, 
84. Er zahlte unter Denjenigen, welche im Jahre 1618 der Grundstein- 
legung der Jesuitenkirche beiwohnten: AGV. V, 81 (Scheins). 

196. Diederich von Wylre, Schoffen (a° 1601 Laurentii zu 
greven auf- und angenomen — ob. 1627 den 1. Junii). 

197. Wilhelm v. Strithagen, Schoffen (a 1601 Laurentij zu 
greven auf- und angenomen). 

198. J. Heinr. Beulardt. 

199. Joh. Scheeffer, gen. Weissweiler. 



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L)ie Aachener Sternzunft. 301 

200. Lambrecht Beeck. 

Ueber das Geschlecht Beeck, benannt nach einein Kfinigshofe, welchem 
das Dorf Beeck (Kreis Erkelenz) seinen Ursprung verdankt, vgl. v. Oidtman 
(AGV. I, 227 if.). Der dort Seite 229 anfgefiihrte Lambert, ein Oheim des 
ersten Geschichtsschreibers Aachens Petrus a Beeck, ist anscheineud identisch 
mit dem oben erwahnten Sternherrn. 

201. Jacob Engelbrett. 

Als bemerkenswerth erscheint die Schreibweise Engelbrett fur Engel- 
brecht. Sie unterstutzt die Vermuthung, dass auch in den Ortsnamcn 
Udenbrett, Gondenbrett — brett nur eine andere Form fiir — brecht 
(— bra eh t) sei, with rend letztere Silbe da, wo sie nicht, wie oben in 
Engelbrecht u. s. w. eine Nebenform von — bert (= glanzend) darstellt, regel- 
massig als —berg (altirisch: brigh) zu deuten ist. So findet sich in alterer 
Zcit der Ortsname Freusburg bald Vroinzberch, bald Froisbrecht und Frois- 
bret, der Name Plettenberg Plettenbrecht und Plettenbracht, in der Kolner 
Mundart des 15. Jahrhunderts Gebrecbte fiir Gebirge geschrieben: Beyer, 
Urkundenbuch pp. II, S. LXXV; LA. I, S. 412; Ennen und Eckertz, Quellen 
IV, 3; Frommann II, 434; vgl. auch Oligschliiger (Ann. XV, 64. 71; XXI, 
175) und Kaltenbach S. 115, welchem letzteren zufolge das obenerwahnte 
Udenbrett (Udenbreth) urn das Jahr 1200 Unberg genanut wird. 

202. Cristoffel Speckheuwer. 

Ueber die Familie v. Speckhewer vgl. v. Fiirth II, 2 S. 221 if.; auch 
sie scheint zu den Aachener Familien gehort zu haben, welche aus dem 
Limburgischen stammten, indem ein bei Voerendael gelegenes Gehiifte nach 
Quix, Carmeliter S. 26 friiher denselben Namen fiihrte. 

203. Michaell Clocker. 

Vgl. v. Fiirth II, 2 S. 137 if. und oben S. 262. Das von M. K locker 
im Manuskript hinterlasscne, hier mehrfach bezogene Tagebuch, dessen Ab- 
druck in der Zeitschrift „Aus Aachens Vorzeit" noch inimcr der Vollendung 
harrt, bereicht die Zeit von 1602 bis 1608. 

204. Albrecht Schrick, Scheffen. 

Ueber Albrecht Schrick und den weiter unten aufgefiihrten Goswin 
Schrick vgl. v. Fiirth II, 2 S. 104 if. 

205. Joh. Bertolff von Belven, Schoffen. 

206. Diederich Bertolff von Belven, Schoffen. 

Vgl. unten Nr. 283. 



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302 Theodor Oppenhoi'f 

207. Joachim Berchem, D. und Schoffen (ob. D. Berchemius 
a° 164..). 

Joachim Berchem ist der spatere Biirgermeister dieses Namens, welcher 
den erstcn Anprall der Revolution vom Juli 1611 zu hestehen hatte, dem- 
nachst mit Erfolg wider dieselbe zu Wien wirkte und sich noch im Jahre 
1640 um die Stadt verdient machte, indem er die ihr damals drohende Hertiber- 
kunft kaiserlicher Truppen zum Beziehen von Winterquartieren abwandte 
(Haagen II, 214. 225. 250). Bei Meyer wird derselbe von Berchem genannt; 
er scheint daher, gleich dem unter Nr. 258 aufgefiihrten Sternherrn, einer 
der adeligen Familien Berchem (Bergheim) angehort zu haben, iiber welche 
Fahne T, 27 ; II, 9. 21 1 berichtet. Letzterer gedenkt seiner nicht besonders, 
sofern er nicht unter dem S. 211 a. a. 0. zum Jahre 1635 erwahnten Aachener 
Schoffen Schnachin v. B. gemeint, dort also Schnachin bloss in Folge eines 
Dru^k- oder Lesefehlers statt Joachim gesagt sein sollte. 

208. Reinhardt von Kirckum (1601, 19. Martij). 

209. Melchior von Schwartzenburg. 

210. Gosswinus Schrick, zerzeit Parochian. 

Vgl. oben Nr. 204. 

211. Heinr. Pastour, Ganonicli. 

212. Gerh. Ellerborn, Schoffen. 

213. Jacob Pastour, Schoffen (1601, 3. Junij). 

214. Willi, von Nesselrath. 

215. Gerh. Radermacher, Canonich (1601, 5. 7bris). 

216. Matheis Block. 

Der Familienname Block koramt zu Aachen schon im Anfange des 
16. Jahrhunderts vor, indem ein Aachener Rathsherr Frank Block zu Den- 
jenigen gehorte, welche in Folge des Aufruhrs von 1513 fliichtig geworden 
waren (Haagon II, 116. 627. 641), desgleichen im Jahre 1550 (Scheins, 
AGV. II, 108). 

217. Wolterus von der Arck (1607, 5. Aprilis). 

Es gab sowohl ein Kolnisches wic ein Koblenzer Patriziergeschlecht 
v. d. Arck oder v. d. Arcken (ab area). Ein Arnold v. d. Arck, Herr zu 
Schophoven (bei Jiilich), wurde von seinem Schwagcr, dem Junker Joh. Iven, 
ermordet. So: Fahne I, 7; II, 2. 209. Eines Johann v. d. A., Bttrger- 
meisters der Stadt Duron (1570), und einer Gertrud v. d. A., Gattin des 



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Die Aaehcncr Sternzunft. 303 

Jiilichschen Baths Aeg. Momraer (16. Jahrhundert), wird bei Quix S. 58, 
gedacht; vgl. auch v. Ptirth II, 1. Anh. S. 66 und AGV. IV, 280. Heinrich 
und Georg ab Area, gestorben am 17. April 1573 bezw. 5. Dezember 1582, 
gehorten zu den Aachener Stiftsherren: Heusch S. 19. 21. Der obige Stern- 
herr scheint nach den Taufbtichern von 1610 (Macco I, 147) gleichfalls in 
Aachen gewohnt zu haben. 

218. Wilh. von Schwartzenberg. 

219. J. Andries von Wylre. 

220. J. Joh. von Ellerborn (1609, 13. Julij). 

221. Joh. Vercken (1609, 13. Julij). 

Obiger Joh. v. Verken ist zweifelsohne der spatere Vogtmajor, dessen 
bci v. Furth II, 2 S. 14. 15. 29 und Haagen II, 231 gedacht wird; derselbe 
war Protestant und wurde im Jahre 1616 durch eine kaiserl. Konimission 
jener Stellung enthoben. 

222. L. Conradt Syberich (1609, 13. Julij). 

223. Gerh. von der Heggen (1609, 13. Julij). 

Hegge heisst eine Oertlichkeit bei Schinnen im Limburgischen, Heggen 
ein Weiler bei Herzogenrath. — Beziiglich der zu Aachen im 15., 16. und 
17. Jahrhundert- auftretenden Familie v. d. Heggen vgl. v. Furth I, 1 f.; 
II, 2 S. 151 f.; Quix S. 279 Anm.; ferner Noppius S. 190; Meyer S. 553; 
Haagen II, 217. 

224. Cornelius Winten (1609, 13. Julij). 

225. Rythmeister Georgius Pastour (1611, an krinnen ob. a° 

1648). 

Der Rittmeister und Schoffe Pastour wird bei Noppius S. 113 als 
Lehuherr des Gartzweiler Lehns aufgefiihrt, welches „sich erstrecket iiber 
etliche hauser, nemlich 9 gibeln in Burdscheider strass, von der Borngassen 
eck bis hinauf nach Burdscheider pfort zu". — Krinnen? Krinne, mhd. krinne, 
ahd. chrinna, ist nach Grimm's Worterb. ein vornehmlich oberdeutsches 
Wort, welches Einschnitt, Kerbe, auch solche am menschlichen Korper, be- 
deutet. In der Bedeutung einer Krankheit scheint dasselbe sonst nicht be- 
kannt zu sein. Vielleicht ist jedoch auch hier nicht an eine Krankheit, 
sondern an eine chirurgische Operation zu denken. Der heutigen Aachener 
Mundart ist der Ausdruck iiberhaupt vbllig fremd. 

226. Franciscus Schrick. 



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304 Theodor Oppenhoff 

227. Joh. Hoven von Carsfeldt. 

Ueber das adelige Geschlecht v. d. Hove, gen. Carsfeld vgl. Publ. 
de Limb. II, 316. — Carsfeld ist ein Schloss in der Nahe von Gulpen, an 
dem Bache Gulp gelegen. 

228. J r Melchior Kho. 

229. Carll Harst. 

Beziiglich des Karl Harst vgl. v. Fttrth II, 2 S. 153. 

230. Johan von Thenen der Jung. 

231. Bernardt von Weller (1621). 

232. J. Frans von Mcrodt, gen. Hoffalis (1622, 16. Aug.). 

233. Peter Nyckell von Kosseler, Vogt und Meyer dieser 
Reichs Statt Aach (1625). 

Obengenannter war ein Bruder des beruhmten Jesuitengenerals Goswin 
v. Nickel, dessen epistolae ad socios zu Rom 1654 und 1656 in zwei Werken 
erschienen sind, und der Vater des unten aufgefuhrten Joh. Goswin v. N., 
welcher ihm in dem Amte eines Vogtmajors folgte. — Das Erbschultheissen- 
Amt zu Coslar (Dorf ira Kreise Julich) war ein in der Familie vererbliches 
Lehen. Vgl. v. FUrth II, 2 S. 166 ff. 

234. Joh. von Vorst, der Herligkeit Burdtscheit Stadthelder 
(1625). 

235. J r Otto Diederich von Strithagen (1625). 

236. J r Winandus von Miilenbach, gen. Briell, Herr zu Eys 

(1628). 

v. Miihlenbach, wohl genannt nach dem gleichnamigen Hofe in der 
Biirgermeisterei Pannesheide (Landkreis Aachen). 

237. J r Werner von Merodt, gnant Hoffalis (1628). 

238. J 1 Heinr. von den Hove, gen. Carsfeldt (1629, 29. Jan.). 

239. J r Caspar von Schwartzenberg (1631). 

240. J r Herman Streuff. 

Streuff ist wohl eine andcre Schreibweise fur Stroyff oder Stroiff; 
vgl. unten Nr. 251 und 271. 

241. J r Willi, von Broch. 



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Die Aachener Sternzunft. 305 

242. J r Joh. Jacobus a Streithagen (1632). 

243. J r Henricus a Beulartt. 

244. J r Leonhard von Dammerscheidt, Haubtman (1634). 

Der Familie v. Dammerscheidt begegnet man bereits um die Mitte 
des 16. Jahrhnnderts und zwar in der Person des sehr riihrigen Abtes von 
Klosterrath, Leonh. v. D. (AGV. I, 117; II, 307 f.; VII, 115: Michel); ein 
anderer Leonh. v. D., vielleicht der oben aufgefiihrte, wird unter Denen ge- 
naunt, welche in der Zeit von 1664 bis 1669 der Aachener Jesuitenkirche 
Schenkungen machten; schon 1647 liess ein Herr v. D. an dieser Kirche eine 
Kapelle errichten: Scheins (AGV. V, 94. 87). Im Uebrigen vgl. beziiglich 
jener Familie: Publ. de Limb. XVII, 100 ff.; XXI, S. 417. Den Namen ftihrte 
dieselbe von einem vor mehr als 60 Jahren abgebrochenen Schlosse zu Voeren- 
dael im holl. Limburg. 

245. J r Johan von Dammerscheidt. 

246. J r Peter von Dammerscheidt. 

247. J r Melchior von Schwartzenberg (1635, 31. Jan.). 

248. J r Hanss Wilh. von Wylre (1637, ob. 1686, 6. Jan.). 

249. Joh. Alb. Schrick. 

250. Dederich Speckheuwer, regerender burgermr. und er- 
wehelter scheffen (1640, 21. Julij). 

251. J r Stephanus Streuff (1641). 

252. Emont von Obsinnig, gen. Kobe (1645). 

Haus Obsinnig und mehrere Hofe desselben Namens sind bei Sinnich 
im Limburgischen zu suchen. Der noch jetzt bltthenden Familie von Rohc 
oder Rhoe (frliher: Rode), welehe sich nach einer dieser demnachst von den 
Eynatten erworbenen Besitzungen nennt, geschieht oftmals Erwahnung; vgl. 
Strange, Nachr. II, 48; Fahne II, 123; Quix S. 146. 163. 196; Heusch S. 31. 
33; Publ. de Limb. VI, 174; X, 336. 466 f.; XIX, 191. 210; XXI, 432; 
XXIII, 364. 

253. Joh. Goberz, Commandeur zu St. Jois alhie binnen Ach 
(1648). 

254. J r Gregorius von Wylre (1648). 

255. J r Joh. Bertram von Wylre (1648). 

256. J r Andreas von Souen (1648). 

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306 Theodor Oppenhoff 

257. J r Joh. Goswin Nickol von Kosseler (1648). 

Vgl. oben Nr. 233. 

258. J r . . . . Wilhelmus a Berchem (1648). 

259. J r Hanss Wilhelm von Mulstroe (1648). 

Der voile Namen dieses Sternherrn, welcher neunmal Schoffenbiirger- 
meister zu Aachen war, lautete: Hans Wilh. von Ollmiissen (Olmissen) 
gen. Miilstroe. Die Familie nannte sich nach dem Hofe Olmesheim (Olles- 
heim) im Kreise Diiren und war besonders im Kreise Heinsberg (Haus zur 
Hallen, Hiickelhoven) begtitert. Ausfiihrliche Nachrichten fiber dieselbe finden 
sich bei Fahne I, 312; Strange VI, 18 ff.; v. Fiirth II, 2 S. 203 if. 

260. Joh. Speckhewer (1648). 

261. Joh. Petrus Schell. 

262. J r Wilh. von der Heiden, gen. Belderbus. 

Bezuglich der Familie v. d. Heiden gen. Belderbusch, welcher der 
in der zweiten Halfte des vorigen Jahrhunderts in den Grafenstand erhobene 
kurkblnische Minister Kaspar Anton v. B. entstainmte, vgl. Fahne I, 22; 
Schuermans (Publ. de Limb. XVIII, 394). Letzterer bringt den Namen 
v. d. Heiden mit einem der Familie einst gehorigen Gute Heid zu Kaeren- 
Neudorf in Verbindung. Belderbusch ist der Name eines adeligen Hauses 
in der belgischen Gemeinde Montzen, weshalb sich einzelne Familienglieder, 
wie z. B. der unter Nr. 332 aufgefiihrte Sternherr, v. d. H. B. zu Montzen 
schrieben. Als sonstige Besitzungen bezw. Sitze derselben Familie werden 
bei Fahne Strevesdorf und Doenrad, in den Publ. de Limb. VIII, 298 ein 
Schloss zu Terworm bei Heerlen angegeben. 

263. J r Wilh. von Buck zu Pateren. 

Ueber die Familie der Bock zu Pattern und liber das Dorf Pattern 
(im Kreise Julich) vgl. Fahne I, 40; II, 14, Pick (AGV. VI, 116 ff.) und 
J. Kuhl, Gesch. des friiheren Gymnasiums zu Julich S. 281 ff. 

264. J r Reinhardt von Beulardt zu Beulardtstein (1655). 

265. Mathaus Schrick (1656). 

266. Winandt von Eynaten, Herr zu Obsinnig (1657, 9. Apr.). 

267. Goddart von Keverberg, gen. Mewen (1658). 

Die Genealogie derer v. Keverberg und Mewen gibt C. de Borman 
im Annuaire de la noblesse de Belgique, 1865. Der Name der Familie v. 
Keverberg gen. Mewen kommt in den Aachener Kirchenbuchern aus der Zeit 



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Die Aachener Stemzunft. 307 

von 1614 bis 1695 mehrfach, einmal auch im Memorienbuch des Klosters 
Wenau vor: Macco I, 149. 156. 163. 167. 179; v. Oidtman (AGV. IV, 268). 
Ira Uebrigen vgl. Quix S. 196 ff.; Fahne II, 78. 

268. Franz Ignatius Freih. von Merode (1661). 

269. Joh. Ign. Huyll (1662). 

270. Adam Balduin von Wiswiler (1662). 

Dieser Sternherr ist zweifelsohne mit dem nachmaligen Vogtmeier 
Balduin v. Weisweiler (AGV. V, 96; VI, 4. 44: Scheins, C. Oppenhoff) 
identisch. Wie aus der Sfteren Erwahnung dor v. W. in den Aachener 
Kirchenbiichem des 17. Jahrhunderts (Macco I, 151. 167. 170. 172. 179) zu 
scbliessen, warcn dieselben oder • doch ein Zweig der Familie damals zu 
Aachen selbst ansSssig. Dass sie von den schon in sehr friiher Zeit auf- 
tretenden Bittern von Wyswilre, Grundherren der Jttlichschen, nach dem 
Dorfe Weisweiler (Kreis Diiren) benannten Unterherrschaft abstammten, er- 
scheint nicht als unwahrscheinlich, wird sich jedoch schwerlich nachweisen 
lassen. Die Burg und Herrlichkeit W. gingen bereits im 15. Jahrhundert 
und zwar durch Kauf auf die Herren v. Palant liber, deren weitverzweigte 
Familie nach ihrer einst bei Weisweiler gelegenen Stammburg Palant den 
Namen fiihrt (Kaltcnbach S. 219). 

271. Willi. Assuery Stroyff (1662). 

Beziiglich der Familie Stroyf vgl. C. Oppenhoff (AGV. VI, 4. 38) und 
Macco II, 69. 

272. Joh. Willi, von Meuten (1662). 

Die Familie v. Meuthen war begutert in der Aachener Heide und 
zu Lontzen: Quix S. 254. Fine Maria Elise v. Meuthen wird im Memorien- 
buche des Klosters Wenau zum Jahre 1650 aufgefuhrt: v. Oidtman (AGV. 
IV, 299). Im Uebrigen vgl. (insbesondere auch beziiglich der beiden Vogt- 
meier v. M.) C. Oppenhoff (ebenda VI, 4. 38); v. Ftirth II, 2 S. 222; Quix 
a. a. 0.; Macco I, 147; II, 47 und unten Nr. 306. 

273 Palidanus (1667). 

de Palude und Paludanus sind Latinisirungen der Namen von 
Morass, von Broich und von Pfuhl (ndl. van den Broeke oder Bruyk und 
van der Poel), vielleicht auch von Venne oder Veen, wie sie in ersterer 
Form schon im 14. Jahrhundert, spater in beiden Formen, besonders im 
Limburgischen, vorkommen; vgl. Laur. S. 159. 163, Fahne I, 292 s. v. Morass, 
Ann. II, 286; VIII, 129; XXXI, 125, Publ. de Limb. VI, 178. 196. 529; 
VIII, 20; XVI, 262. 269. 393 ff.; XX, 277 ff., 333. 409 ff., 430 ff.; XXI, 
420; XXIII, 385. 396. Der als Gelehrter und Erzieher der Saline Herzog 

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308 Theodor Oppenhoff 

Wilhelms von Kleve bekannte Mathias P., nach seinem Geburtsorte auch 
Venradiensis genannt, kann an obiger Stelle selbstredend nicht gemeint sein, 
da derselbe dem 16. Jahrhundert angehort, desgleichen nicht einer der 
Maestrichter Geistlichen nnd Schriftsteller Cornelius und Paul P., von wel- 
ch en der erstere bereits im Jahre 1662 starb und der letztere von 1689 bis 
1742 Kanonikus von St. Servatius war: ebenda XXVIII, 31; XXVII, 211. 

274. Jacob de Witte zu Gerath und Elffgen (1668). 
Einzelne biographische Notizen iiber die Aachener, spater den Frei- 

herrntitel fiihrende Familie de Witt, von obigem Jakob de Witt ab warts, 
bringt Macco I, 168; vgl. auch Publ. de Limb. XVI, 255 und unten Nr. 289. 
316. 351. 391. 419. — Gierath und Elfgen sind Kirchdorfer im Kreise 
Grevenbroich. 

275. Joh. Adam von Bors (1669). 

Dieser Sternherr, vielleicht identisch mit dem in den Aachener Kirchen- 
btichern von 1679 (Macco I, 175) erwahnten I. (J. L. Johann Bors, scheint 
zur Familie de Bors van Overen, einem in Odilienberg bei Boermond ge- 
legenen Adelssitze, gehort zu haben; vgl. Fahne I, 46; Willemsen (Publ. de 
Limb. XXIII, 178; XXIV, 409). 

276. Werner von Broich (1669, ob. 1731, 3. Mai). 

277. Wilh. Adolph von Eyss, gen. Beussdall (1669, ob. 1729, 
27. Sept.). 

Derselbe ist wohl jener Schoffe Wilh. Adolph Baron d'EysdeBeusdael, 
von welchem das in den Publ. de Limb. XXIV, 163 abgedruckte Verzeich- 
niss der „Graffschafften, Freyherlichkeiten, Stett und Flecken" herriihrt, die 
seit 1400 bis 1461 den Aachener SchGffenstuhl als ihren Oberhof anerkannten, 
zweifelsohne auch identisch mit dem gleichnamigen Burger meister aus dem 
Jahre 1690 (Haagen II, 300). Im Uebrigen vgl. oben Nr. 126. 

278. Carolus de Palandt (1670). 

279. Joh. Wilh. von Feurdt (1671). 

Obenverzeichneter ist der erste der aus dem Jiilichschen stammenden 
Familie v. Brewer gen. v. Furth, welcher in der Geschichte Aachens auf- 
tritt; seine schon im nachsten Jahre (1672) erfolgte Wahl zum Schoffen und die- 
jenige mehrerer anderen, gleich ihm nicht zu den alten Aachener Geschlechern 
gehorigen, veranlasste argerliche, schliesslich durch den Reichshofrath ge- 
schlichtete Streitigkeiten (v. Furth II, 2 S. 171 if.). — Literarisch verdient 
gemacht haben sich unter den Mitgliedern dieser Familie ausser dem oft be- 
zogenen H. A. v. F. dessen Bruder Martin August, Verfasser einer grund- 
legenden Monographic iibcr die Ministerialen (1836), und der Vater beider, 



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Die Aachener Sternzunft. 309 

Bernhard v. F., Appellationsgerichtsrath zu Koln. Nachdem letzterer bereits 
im Jahre 1826 fiir die Rheinische Gerichtsverfassung eingetreten war, gab 
er 1831 eine Broschiire, betitelt „Worte zur Beherzignng an Deutschlands 
edle Fiirsten und Volker" heraus, in welcher er gegen das Umsichgreifen 
revolutionarer Ideen ankampfte. Eine grosser e Schrift desselben liber Aachener 
Verfassung und Statutarreeht ist leider nicht im Druck erschienen; bei 
Loersch S. 15 wird sie als eine gediegene Arbeit bezeichnet, welehe fiir die 
spatere Gestaltung der Aachener Rechtszustande fast erschopfend genannt 
werden konne. Ueber seine Verdienste um die Archivalien des Schbffen- 
stuhles vgl. ebenda S. 13. 14 und C. Oppenhoff (AGV. VI, 35). — Eine Ge- 
schichte des in der Schinidtstrasse (Nr. 3) belegenen, zum Schafsberg genannten 
Familienhauses hat Pick im Aachener Hausfreund v. 1892 Nr. 42. 44 geliefert. 

280. Joh. Pet. von Vehlradt (1671). 

Eine adelige Familie v. Velraedt hatte friiher ihren Sitz auf dem jetzt 
fast ganzlich zerstOrten Hause Gross-Paerlo, Pfarrgemeinde Odilienberg bei 
Roermond: Publ. de Limb. XXIV, 409 (Willemscn). Vgl. ferner AGV. I, 
231. 232 (v. Oidtman); X, 47; Aim. VII, 213; Macco II, 73. Ein Ort dieses 
Namens ist uns nicht bekannt; doch heisst ein Ackergut im Kreise Greven- 
broich Vellratherhof. 

281. Joh. Friedr. Obsinnigh, gen. Rho (1671). 

282 von Eynatten, Herr zu Opsinnig (1674, 12. Jan.). 

Vgl. oben Nr. 45. 252. 

283 Bertolf von Belven zu Ruyff (1674, 18. Febr.). 

Ueber die Familie Bertolf, welehe bereits unter den Zeichnern der 
Churgerichts-Ordnung von 1338 und unter den Schoffen des 14. und 15. Jahr- 
hunderts vertreten ist, vgl. die interessante, bei v. Fttrth I, 83 ff. mitge- 
theilte Beurkundung des Aachener Schbffenstuhls vom 3. Aug. 1677 und 
Fahne I, 24; II, 7; ferner Quix S. 83 ff. 265 f.; AVZ. IV, 126; Macco II, 4. 
Ein Joh. Bertolf war im Jahre 1495 Aachener Abgesandter auf dem Reichstage 
zu Worms, zog jedoch mit seinem Mitgesandten Peter von Enden wieder ab, 
weil die Kolner Gesandten die erste Stelle unter den Gesandten der Frei- 
stadte einnahmen: v. Fiirth a. a. 0. S. 85. — Belven ist ein adeliges Gut 
in der BUrgermeisterei Walhorn (Kreis Eupen), Ruyff ein solches, jetzt 
aber den Schulbriidern gehorig, in Belgien, zwischen Herbesthal und Henri- 
Chapelle. (Denselben Namen filhrt iibrigens auch ein Weiler bei Herzogen- 
rath.) Ein Bertolf v. Belven wird bei v. Fiirth a. a. 0. und Quix S. 265 als 
Herr zu Baelen (einem Dorfe, gleichfalls im Belgischen Theile von Lim- 
burg gelegen), ein anderer bei Fahne II, 7 als Herr zu Venauen, Erp (Reg.- 
Bez. Kbln), Weiss Etzfeld aufgefuhrt. — Mit den Bertolf v. Belven sind die 
Bertolf von Hergenrath (Dorf im Kreise Eupen) nicht zu verwechseln (Fahne I, 



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310 Theodor Oppenhoff 

24; Quix S. 83); letztere Linie scheint diejenige gewesen zu sein, von welcher 
das sogenannte Hergenrader Lehn zu Aachen, sich erstreekend „vom giildenen 
Baum unter der Kram zu beiden Seiten bis an das Eyerg&sslein", im 16. Jahr- 
hundert auf den „Rath u d. h. wohl die Stadt iiberging {Noppius S. 112). 

284. Joh. Alb. Schrick (1674, 18. Febr.). 

285. JFranz Heinr. von Olmitz, gen. Miilstro (1674, 6. Mai). 

Vgl. oben Nr. 259. 

286. Adolph von Colyn, Hr. zu Beussdall (1674, 11. Mai). 

287 von Eynatten, Hr. zu Reimerstall (1674, 11. Mai). 

Statt Reimerstall ist zu lesen Reimersdael, eine Oertlichkeit in der 
Limburger Herrlichkeit Homburg; es gab daselbst vier adelige Giiter, von 
welehen drei die Eynatten besassen. Vgl. Strange, Naehr. II, 50 ff.; Publ. 
de Limb. XXII, 240. 248 und oben Nr. 45. 

288. Johan Melchior von Broch (1676). 

289. Adrian Joh. de Witte von Liminghe (1676, ob. 1735, 
15. Febr.). 

290. Caspar Balduin von Horpusch (1679). 
Vgl. oben Nr. 125. 

291. Leonh. von Dammerscheydt (1679). 

292. Wilh. von Wicherding (1679). 

Ein Junker Wilhelm v. Wicherding vom Hause Berscheit (Biirger- 
meisterei Raeren), hochst wahrscheinlich der hier genannte Sternherr, griindete 
1723 eine Vikarie zu Raeren: Quix S. 128. Ueber die Familie v. W. vgl. 
ferner ebenda S. 89. 147 f. 163 f. und H. Schuermans (Publ. de Limb. XVIII, 
396), welcher unter den Adeligen des Bannes von Walhorn die Wicherding 
iiberhaupt als die Urheber bedeutender kirchlicher Stiftungen bezeichnet. 

293. Wilh. von Veucht (1679). 

Dieser Sternherr, nach Fahne I, 311 mit Kath. Agnes v. Ottegraven 
vermahlt, war nicht der erste des Namens Feucht, dessen in Aachen ge- 
daeht wird. Vielmehr begegnet man daselbst schon im 16. Jahrhundert 
einem Hermann Feucht; derselbe erwarb sich 1563 an der Universitat Lowen 
als Hermannus Vucht Aquisgranensis die Licentiatenwiirde, wurde 1579 auf 
die Presentation des Kurfiirsten von Brandenburg Stiftsherr und im Jahre 
1595 Pfarrer von St. Jakob, wahrend ein Heinrich Feueht oder Vucht in 
demselben Jahrhundert Professor an der Kolner Universitat war (AGV. VTI, 



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Die Aachener Sternzunft. 311 

144; V, 46; Heusch S, 20; Ann. XXI, 210; XXXI, 89); vgl. auch Macco II, 
36. 73. Eines Gottfried de Fucht sowie eines Wilh. und einer Gertrud de 
Vucht geschieht im Nekrologium des Heinsberger Marienstifts Erwahnung 
(AGV. I, 267 f.: Kessel). Vielleicht gehBren alle diese PersBnlichkeiten der- 
selben Familie an und stammt letztere aus dem im Kreise Heinsberg ge- 
legenen Flecken Waldfeucht (Vucht), wiewohl es nicht bekannt zu sein 
scheint, dass sich nach diesem ein Adelsgeschlecht genannt habe. 

294. Wilh. Arn. von Olmussen, gen. von Miilstrohe (1683). 

295. Alb. Schrick (1683, ob. 1721, 10. Nov.). 

296. Theodor Joh. Speckhewer (1683, ob. 1714, 29. Apr.). 

297. L tus Tilman Schroder (1683). 

Vgl. AGV. VI, 4; VII, 235 (C. Oppenhoff, Pauls). 

298. D r Joh. Albert Braumann (1683. ob. 1713, 17. Oct.). 

Ueber die Familie v. Braumann vgl. Fahne I, 48; II, 17; v. Fiirth 
II, 2 S. 223 f.; AGV. II, 77; VI, 4. 224; VII, 273. — Enkel eines Mitglieds 
derselben war der am 25. Januar 1886 zu Bonn verstorbene ord. Professor 
der Mineralogie Arnold v. Lasaulx: Loersch (AGV. IX, 238). 

299. Winand Theodor von Wylre zur Wurm (1685, ob. 1717, 
25. Apr.). 

Die Wylre zur Wurm fiihrten letzteren Namen anseheinend von 
einer Besitzung im Dorfe Worm (Landkreis Aachen) oder von Terworm 
(zur Wurm) im holl. Limburg, wie die Wylre von He gem, ein anderer 
Zweig derselben alten, wahrscheinlich aus der vormaligen Herrsehaft Wylre 
im holl. Limburg stammenden Familie sich nach dem bei Millen (Kreis Heins- 
berg) gelegenen Rittergute Hegem nannten. 

300. Franz Ign. von Wylre de Hegem (1687). 

Vgl. Nr. 299. Das Gut Hegem wurde der Familie anseheinend durch 
die Heirath des Andries v. Wylre mit Lysbeth, Erbin von Hegum, erworben. 
Dessen Sohn, Joh. Bertr. v. W., Besitzer der Giiter Hegem und Weims, 
war von 1659 bis 1678 Burgermeister zu Aachen: v. Oidtman (AGV. IV, 
273). Derselbe, Vater des obengenannten, am 12. November 1665 geborenen 
Sternherrn, bewohnte das jetzt der Familie Alex. Heusch gehorige Haus 
Jakobstrasse Nr. 35, in welchem sich noch sein und seiner Gattin, einer 
v. Merode-Hoffalize, Wappen angebracht finden: Macco II, 78 ff. 

301. Henr. Thisquen (1687). 

This qu en ist die flamandische Diminutivform von Mathias, heisst also 
eigentlich Sohn des Mathias. Das Wort hat zahlreichen Familien des Her- 



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312 Theodor Oppenhoff 

zogthums Limburg den Namen gegeben. Einer derselben wurde in der Person 
des Jean Remade de Thisquen, welcher in den spanischen Niederlanden die 
hSehsten Aemter bekleidete und bei den Liller Konferenzen iiber die Grenz- 
regulirung mit Frankreieh als erster Kommissar Kaiser Karl's VI. thatig 
war, von diesem im Oktober 1719 die erbliche Wiirde eines Vicomte ver- 
liehen. Heinrieh Franz, alter er Bruder jenes Jean Remaele, geb. zu Lim- 
burg am 2. Februar 1658, gestorben daselbst am 12. Februar 1691, war 
Licentiat der Rechte und Richter am hohen Gerichtshofe des Her zogthums. 
Vgl. Poswick I, 301 ff. — Der letztere konnte mit dem obenerwahnten 
Sternherrn identisch sein. 

302. Andreas von Wiedenfelt (1688, ob. 1733, 9. Mai). 

Ueber die urspriinglich Kblnische Familie v. Wiedenfeld (Weiden- 
feld) vgl. Fahne I, 446; II, 190; v. Furth II, 3 S. 26 ff. — Ein Bankier 
Wiedenfeld aus Aachen wurde in Paris vom Revolutionstribunal zum Tode 
verurtheilt und am 14. Februar 1794 hingerichtet: Gottinger Revolutions- 
Almanach von 1795 S. 181. Der Sage nach hatte er unternommen, Gold 
aus Frankreieh auszuschwarzen. 

303. Licentiat Joh. Alb. Louvenberg 1 (1691). 

Ein Peter v. Louvenberg (von der Koenynxportzer-Graffsehaft) koinmt 
zu Ende des 14. Jahrhunderts unter den Aachener Burgern, welche zum 
Dienste der Stadt Pferde stellen mussten, sowie als Richter, 1400 als 
SchSffe vor: Loerseh S. 187. 190. 263. 272; vgl. iiber dieselbe Persbnlich- 
keit Haagen II, 1; Quix S. 206. 210. An letztbezogener Stelle wird auch 
ein Schloss Louvenberg erwahnt und hierbei auf das unter Simpelfeld ge- 
legene Lowenberg (Lovemich) verwiesen. Eher liesse sich vielleicht an die 
friihere Burg Lauvenberg bei Wenau denken, deren Herren, zufolge Kalten- 
bach S. 225, im 14. Jahrhundert in den Besitz von Alsdorf gelangten und, 
sofern sie mit den im Memorienbuche des Klosters Wenau erwahnten Rittern 
von Lovenberg identisch sind, aus dem Geschlechte der Mule von Alsdorf 
stammten; vgl. v. Oidtman, AGY. IV, 274. Gewissheit hieriiber sowie iiber 
die Frage, ob der obige Sternherr zu jener Familie gehbrt habe, wird sich 
freilich kaum gewinnen lassen. 

304. Theod. von Heisterman (1692). 

Dieser ist unzweifelhaft der Theodor Gottschalk v. Heist ermann, 
welcher zufolge G. Peeters (Publ. de Limb. XXIII, 398) Mitglied „der Staten 
des Lands von Valkenburg" war und durch Heirath das unter Wijnandsrade 
nahe bei Schloss Hoensbroek gelegene Lehngut Laar (Lore, Laer) erwarb. 
— Joh. Wilhelm und Sebastian H. zahlten unter den Aachener Stiftsherren 
aus der ersten Halfte des 17. Jahrhunderts: Heusch S. 23 ff. — Im Uebrigen 
vgl. unten Nr. 320. 



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Die Aachener Sternzunft. 313 

305. Joh. Heinr. von Merken (1692). 

306. Joh. Wilh. von Meuthen, Vogt zu Wilhelmstein (1692, 
ob. 1719, 9. Nov.). 

307 Cloot (1692). 

308. Hermann Jos. von Wedig (Buch III: Wedigt, 1694, ob. 
1734, 16. Juli). 

Derselbe entstammte dem Kolner Patriziergeschlechte v. Wedigh und 
war seit 1722 funfmal Biirgermeister von Koln; vgl. Fahne L 445 und (be- 
ziiglich des Wappens derer v. W.): v. Fiirth II, 2 S. 108. 

309. Nic. de Voets (1695, 10. Marz, ob. 1716). 

In den Aachener Kirchenbiiehern von 1694 (Macco I, 179) wird ein 
Nikolaus Voetz, wohl der oben genannte, als Jiilichseher Rath und Ober- 
forstineister aufgefiihrt. Ini Uebrigen vgl. Quix S. 247. 261; C. Oppenhoff 
(AGV. VI, 4) und Macco II, 74. 75. 

310 von Gronssfeldt zu Nevelstein (mortuus sive 

trucidatus, 1695). 

Gronsfeld ist ein Schloss im holl. Limburg, unweit der Maas, Nevel- 
stein ein im Landkreise Aachen, nahe bei dem Rittergute Rimburg gelegenes 
Landgut. Ueber die Herren v. Gronsfeld vgl. Fahne I, 120; II, 50; Quix, 
Schloss Rimburg; Strange I, 49 ff.; Jos. Habets (Publ. de Limb. IV, 145 ff.); 
Heusch S. 5. 8. 

311. Joh. Adam Schrick (1698). 

312. Adolph Arnold von Dlissel zu Lintzenich (1698, ob. 
1755, 30. Mai). 

In Betreff der Familie v. Diissel vgl. v. Fiirth II, 3 S. 57 ff., Macco II, 
23 und AGV. VI, 4. — Linzenich ist ein landtagsfahiges Rittergut im 
Kreise Jiilich, welches jetzt dem Freiherrn v. Mylius gehort. 

313. Gerh. Gabriel Messen, i. u. l tus (1698, ob. 1715). 

In Betreff des Konsulenten und spateren Syndikus Gabriel Messen 
(Meessen) vgl. Haagen II, 284. 313. Derselbe ist nicht zu verwechseln mit 
dem Syndikus Sigismund M., dessen a. a. 0. S. 297, Ann. XVIII, 25 ff. und 
AGV. VII, 275 gedacht wird. Beide wurden laut dem den Zeitraum von 1414 
bis 1786 bereichenden Mitgliederverzeichnisse der tribus literatorum — publi- 
zirt von Quix in seinen Beitragen zur Geschichte der Stadt Aachen u. s. w. 
Ill, 100 ff. und wieder abgedruckt bei Macco II, 150 ff. — in einem und 
demselben Jahre (1674) in jene Zunft aufgenommen. — Unter dem Schoffen 
M., von welchem in AGV. VI, 4 die Rede ist, scheint der weiter unten 
(Nr. 333) aufgefiihrte Wilh. Gotfr. M. gemeint zu sein. 



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314 Theodor Oppenhoff 

314. Freyh. Joh. Christian von Wiistenrath, Hr.zuSchleissin 
(1702). 

Das Geschlecht derer v. Wiistenrath (Woestenraedt) stammte an- 
scheinend aus dem Vaikenburgschen und trat schon im 15. Jahrhundert im 
Herzogthume Limburg auf; dasselbe wanderte urn 1794 nach Oestreich aus 
und erlosch zu Anfang des gegenwartigen Jahrhunderts. Aus demselben 
sind gar manche Trager hoher geistlicher wie weltlicher Wiirden hervor- 
gegangen; Philipp Jos. Theodor v. W. wurde 1744 durch Maria Theresia in 
den erblichen Grafenstand erhoben. Vgl. Poswick S. 315 ff. Zu Aachen 
kommen unter den Mitgliedern dieses Geschlechts, abgesehen von obigem 
Sternherrn, drei Stiftsherren vor (Dietrich, Nikolaus und Alex. Adolph, 
sammtlich im 17. Jahrhundert gestorben: Heusch S. 20 ff.) sowie mehrere 
Schwestern des Klosters der weissen Frauen und eine Oberin desselben, 
die sogenannte Mafrau v. W., geboren zu Soiron am 24. Juli 1647. Jener 
Sternherr, bei Poswick als „ seigneur de Sclassin, Germel, Rumel, Grand- 
Rechain et du Thier" aufgefuhrt, wurde am 9. Marz 1649 zu Soiron ge- 
boren und starb daselbst am 22. September 1732. Aus seiner Ehe mit 
Irmgard v. Wyhe entspross die (am 8. Dezember 1698 geborne) um Burtscheid 
hochverdiente Abtissin Maria Antoinette Therese v. W., deren Familien- 
wappen (das sogenannte Schwanenwappen) jene Stadt, ankniipfend an fruheren 
Gebrauch, an Tradition und Sage (vgl. Simrocks Rheinsagen), mit KGnigl. 
Genehmigung vom 1. Marz 1882 und vorbehaltlich kleiner Abweichungen 
als stadtisches Wappen angenommen hat. — Eine Oertlichkeit Wiisten- 
rath — nicht zu verwechseln mit dem Gute Wiistenrode bei Eschweiler, 
der ganz neuen Ansiedelung eines Herrn Wiisten, allgemeiner bekannt ge- 
worden durch ein dort gefundenes antikes Bildwerk, den sogenannten Wiisten- 
roder Leopard, — liegt im holl. Limburg, bei Voerendal. Ob dieselbe jedoch 
zur Familie v. W. in Beziehung gestanden habe, ist uns nicht bekannt. — 
„Schleissin", bei Poswick „Sclassin", diirfte wohl Sclassin, im holl. Lim- 
burg unter Clermont gelegen, sein. Einer Familie v. Schlessin begegnet 
man mehrfach in den Personen Aachener Stiftsherren aus der Zeit von 1638 
bis 1712: Heusch S. 27 £, 30 f. 35. Das Wappen derer v. Schlessin ist be- 
schrieben in den Publ. de Limb. XVI, 258. 

315. Anton Gerh. von Meer, Herr zu Oenzem (1703). 

Des Anton Gerh. v. Meer, Herrn zu Oosden (nicht Oenzem) bei Roer- 
mond, wird in den Publ. de Limb. XXVI, 136 gedacht; dort findet sich 
auch Naheres liber die Familie; vgl. ferner v. Oidtman (AGV. IV, 278). 

316. Wilh. Ign. Dewitte, Probst des hochadlichen Klosters 
Langwaden (1704, ob. 1722, 13. Nov.). 

Ueber diesen Sternherrn vgl. Ann. II, 181 und oben Nr. 274. — Lang- 
waden liegt bei Wevelinghoven (Kreis Grevenbroich). 



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Die Aachener Sternzunft. 315 

317. Joh. Carl Melchior von Broich (1704, ob. 1771, 8. Mftrz). 

318. Wiirklicher Geheimer Rath Georg Heinr. von Rave (1705, 
22. Sept.). 

319. Jacob von Wylre (Buch III: zu Wurm, 1706, ob. 1714. 
16. Aug.). 

320. Wilh. Reiner Franz von Heisterman zu Lohr (1706). 
Derselbe war der alteste Sohn des unter Nr. 304 aufgefiihrten Theo- 

dor v. Heisterman n. Der Beisatz „zu Lohr a d. h. Laar (Lore) befremdet, 
da gemass der dort bezogenen Abhandlung von Peeters nicht dieser Sohn, 
sondern ein Schwiegersohn des Theodor v. H. letzterem im Besitze des Lehn- 
guts gefolgt ist und zu seiuen Nachfolgern die Herren v. Gronsfeld hatte. 

321. Joh. Wilh. von Mulstroe (Buch III: Mulstrohe, 1706, ob. 
1732, 19. Febr.). 

322 von Horpusch (1706). 

323. Hub. Frederich von Wylre (1707, ob. 1714, 17. Sept.). 

324. Joh. Adam von Hups (Buch III, 25 v. schreibt: Hupsch; 
1708, ob. 1747, 28. Febr.). 

Anscheinend ist hier ein Mitglied der Familie v. Hupsch vom Hause 
Krichelhausen (Kreis Eupen, Biirgermeisterei Lontzen) gemeint, welcher der 
zu Lontzen geborene, 1805 verstorbene Sehriftsteller und Sammler von 
Naturalien, Antiquitaten und Kunstsachen, Freiherr J. W. K. A. v. Hupsch, 
entstammte. (Nach Quix S. 255 hiess letzterer eigentlich Honvlez und ge- 
horte nur von weiblicher Seite jener Familie an.) 

325. Arnold Wolter Limpens (1712, ob. 1749, 20. Jan.). 
Ueber die von Maestricht staminende Familie v. Limpens vgl. v. Fiirth 

II, 3 S. 46 if.; Poswick S. 179 ff. Oben ist augenscheinlich der auf dem 
Schlosse Bongart bei Simpelfeld am 21. Oktober 1676 geborene Arnold 
Walter v. L. gemeint, dessen Bruder, der Jesuit Joh. Anton v. L., einer 
der Fortsetzer der acta sanctorum des Bollandus war. 

326. Isac Lambert Pelser (1712, ob. catharro suffocativo 1731). 

In Betreff der aus dem Valkenburgischen stammenden, noch jetzt 
bliihenden Familie v. Pelser, nach einem bei Aachen liegenden Schlosse 
v. P.-Bercnsberg genannt, vgl. v. Fiirth II, 3 S. 55 f.; Publ. de Limb. 
XXT, S. 368. v. Fiirth gibt als Todestag des Obenaufgefuhrten den 12. Juli 
1731 an. Eine Enkelin dieses Sternherrn, Anna Maria v. P., Gattin des 
Marquis Anton de Seiglieres, wurde unter Robespierres Herrschaft guillo- 
tinirt: v. Fiirth a. a. 0. 



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316 Theodor Oppenhoff 

327. Franz Herman Brauman (1712, ob. 1750, 1. Apr.; requ. 
in pace). 

328. Joh. Caspar Clotz (1712, ob. Dusseldorpii, 30. Marz 1732). 

Die Familie Clotz v. Kuckum (einem Landgute unter Bardenberg, 
Landkreis Aachen) besass zu Aachen das alterthumliche Haus Jakobstrasse 
Nr. 24; von ihr erwarb dasselbe durch Kauf die Familie Klausener. Ini 
Uebrigen vgl. AGV. IV, 5. 9; VI, 4; Macco I, 165. 

329. Jos. Balduin von Schrick (1713, ob. 1732, 12. Febr.). 

330. Wilh. Heinr. von Trips zu Crapol (1715, 23. Febr., ob; 
1737). 

Ueber die Linie der v. Trips, welche sich nach der Besitzung Crapol 
nannte, und iiber den obigen Sternherrn insbesondere, vgl. Quix S. 75 if.; 
Macco I. 89 ff. Es gibt im alten Herzogthum Limburg zwei Oertlichkeiten 
Krapol (Krapoel), ein Gut (Sehloss) in der Gemeinde Walhorn (Kreis Eupen) 
und ein Gehofte in der Gemeinde Gtilpen. Hier ist die erstere gemeint. 
Peter v. Berghe gen. Trips erwarb dieselbe durch Kauf im Jahre 1689 und 
vererbte sie 1699 auf seinen jiingeren Bruder, den obigen Sternherrn. — Das 
Wort Krapol ist zusammengezogen aus Kradepol, bedeutet daher eigentlich 
Krotenpfuhl, wie Kradenhbvel, ein Gehofte im Kreise Schleiden, und Craden- 
bach, eine Oertlichkeit im Kreise Daun: Krotenhiigel und Krotenbach; vgl. 
Teuth. s. v. Crade und das mundartliche Krat = Krote, ferner die Orts- 
bezeichnungen im Giiterverzeichnisse des Klosters Bupertsberg bei Bingen 
(1200): in cradenbornen, in cretenhelden, bei cretenpule, zu cretenreim (Beyer, 
Urk.-Buch II, 375. 381. 387. 389). Jenes Wort kommt iibrigens auch schlecht- 
weg als Familienname vor, sowohl fruher in der urspriinglichen Form Kradepol 
oder Kratepol (so hiess der beriihmte, nach seinem Geburtsorte Mersch bei 
Jiilich gemeinhin Merssaeus genannte, im August 1605 gestorbene Theolog 
und Historiker), als noch heute, z. B. im Kreise Erkelenz, in der abgekiirzten 
Form Krapoll. 

331. Joh. Werner von Broch (1715, 23. Febr., ob. 1747, 
10. Apr.). 

332. Vincenz Phil, von Belderbusch zu Montzen (1715, 
23. Febr., ob. 1771, Apr.). 

333. Wilh. Godfriedt Messen (1715, 23. Febr., ob. 1737, 
5. Dec). 

Vgl. oben Nr. 313. 



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Die Aachener Sternzunft. 317 

334. Canonicus Theoder Heinr. von Bomer (1715, ob. 1737, 
10. Febr.). 

Im Buche III, fol. 21. 22 sowie bei Heusch S. 34. 37 wird der Name 
(statt v. Bomer) v. Beumer geschrieben, welche Sehreibweise auf nieder- 
landische Herkunft der Familie deutet. Einer Freiin v. Beumer gcdenkt 
Quix S. 218. 

335. Canon. Franz von Kirchhoven (1715, ob. 1740, 20. Nov.). 

336. Canon. Friedr. Wilh. von Wylre (1715, ob. 1738, 22. Nov.). 

337. Canon. Franz Arnold von Beywegt (1715, ob. 1726, 
17. Juni). 

Der Stammbaum des Kblnischen Patriziergeschlechts v. Beywegh 
findet sieh bei Fahne I, 29; nach diesem war der obengenannte Kanonikus 
ein Sohn des Kolnisehen Greven Joh. Peter B., des ersten, weleher sich 
von B. schrieb. 

338. Canon. Franz Wilh. von Schrick (1715, ob. 1738, 9. Febr.). 

339. George Moll, Syndicus (1715, ob. 1729, 8. Juni). 

340. Herman Alb. Jos. von Schrick (1715, ob. 1739, 27. Juni). 

341. Herm. Theodor von Trips zu Linter (1715). 

342. Joh. Heinr. Phil, von Meuthen (1715, ob. 1729, 13. Aug.). 

343. Leonh. Jos. von Lamberts, H. zu Cortenbach (1716, 
ob. 1764, 19. Jan.): 

Die v. Lamberts stammten aus Eupen und waren zu Anfang des 
17. Jahrhunderts im alten Herzogthume Limburg sehr verbreitet. Schloss 
Cortenbach wurde dieser Familie erworben durch Herrmann v. L., Herrn 
v. Einraede, weleher dasselbe mit der gleichnamigen Herrliehkeit im Jahre 
1682 von dem Aachener Stiftsherrn Flavius Marius de Bautze fur 14 000 fl. (!) 
kaufte. Vgl. Poswick S. 131 if. Ein Sohn dieses Herrmann v. L. war der 
oben genannte Sternherr und demnachstige Burgermeister Aachens, bei Pos- 
wick als Vikomte von Montenaken, Herr von Cortenbach, Einraede und 
Vaelsbruch aufgefiihrt. 

344. Franz von Fiirth (1716, ob. 1775, 2. Juli, r. i. p.). 

345. Heinr. Math, von Ottegraff (1716, ob. 1755, Anfang 
Oktober). 

In Betreff der Familie v. Ottegraven vgl. Fahne I, 311 und Jansen 
(Publ. de Limb. XVI, 395), welche den Namen derselben als „aus dem 



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318 Theodor Oppenhoff 

Graben, de fossa" deuten, und Macco II, 49. Im Jahre 1742 besassen die 
v. 0. die (ehemalige) Burg zu Uebach (Kreis Geilenkirehen) : Kaltenbach S. 391. 

346. Peter Joseph' von Krufft (1718, ob. 1774). 

Fahne kennt nur eine Familie v. Krufft, namlich ein kolnisches, wahr- 
scheinlich aus dem Dorfe Krufft in der Eifel stammendes Patriziergeschlecht 
dieses Namens und ftihrt in dessen Stammbaum (I, 233; II, 83) einen Peter 
Nikolaus v. Kr., Biirgermeister von K8ln, gestorben 1727, und als Sohn 
desselben aus seiner Ehe mit Justine Sibille Weidenfeld (v. Wiedenfeld) 
den im Jahre 1774 verstorbenen Senator und Kirchmeister zu St. Cunibert, 
Peter Joseph v. Kr. auf, welcher letztere wegen dieser Uebereinstinimung 
in den Vornamen sowie iin Sterbejahr hochst wahrscheinlich der obige Stern- 
herr war. Inzwischen fuhrte jener Peter Nikolaus v. Kr. nicht das von 
Fahne und v. Ledebur als Kruftsches Familienwappen bezeichnete, sondern 
ein ganz anderes Wappen: v. Fiirth II, 3 S. 28. Im Uebrigen vgl. unten 
Nr. 357. 

347. Jac. Wilh. von Schrick, nunc canonicus et cantor basi- 
licae b. M. virginis (1718, ob. 1768). 

348. Nic. Wilh. von Mauw, Senger (1720, ob. 1721, 31. Juli). 
Mitglieder der im 17. und 18. Jahrhundert zu Aachen auftretenden 

Familie v. Mauw werden oft (eines derselben nicht zu seinem Lobe) erwahnt; 
vgl. Haagen II, 276. 284. 301. 307 f. 366, v. Eeumont, Scheins, Pauls (AGV. 
V, 64 f. 91; VII, 235. 276) und das obcn Nr. 313 bezogene Verzeichniss 
der Herren vom Bock. Dass nach dieser Familie der an deren Wohnhaus 
stossende Theil des „Grabens" zu Zeiten genannt wurde, ist bereits unter 
Nr. 1 beruhrt worden. Naheres liber jenes, seitdem zu einem Gasthofe (dem 
heutigen „Hotel Nuellens") umgebaute Haus und ilber die historischen Er- 
innerungen, welche sich an dasselbe kniipfen, liefert v. Reumont a. a. 0. 

349. Carl Jos. von Wylre zur Warm (1720, ob. 1729, 1. Sept.). 

350. Joh. Theodor Richterich (1721, ob. 1728, 25. Dez.). 

Derselbe wird in den Jahren 1723, 1725 und 1727 als Schoffen-Burger- 
meister aufgefiihrt und ist wahrscheinlich identisch mit dem Johann Theodor 
Richterich, welcher bereits in den Jahren 1716 und 1718 Burger-Biirgcr- 
meister war, vielleicht auch der Vater des im Jahre 1757 zum ersten Male 
und von da ab bis 1785 in jedem zweiten Jahre zum Schbffen-Biirgermeister 
gew&hlten Johann Franz Xaverius v. R.: v. Fiirth II, 3 S. 87. Uebrigens 
kommt schon im Jahre 1487 ein v. Richterghyn als Aaehener Biirgermeister 
vor (Kantzeler, B. Jbb. 66 N. 132), wobei jedoch bemerkt werden muss, 
dass es nach v. Fiirth a. a. 0. zwei Familien desselben Namens gegeben 
hat. Ob dieser Name von dem bei Aachen gelegenen Dorfe Richterich ent- 



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Die Aachener Sternzunft. 819 

lehnt wurde, ist uns nicht bekannt. Bemerkenswerth bleibt es immerhin, 
dass sowohl in dem Orts- wie in dem Geschleehtsnamen R. die Endsilbe ich 
an die Stelle einer Verkleinerungsform — Richterche (1000), Kirspel Bichtergin 
(1361): Kaltenbach S. 376, Lac. Urk.-Buch III, 524 und v. Richtergen: v. Flirth 
a. a. 0. — getreten bezw. als solche ihrem urspriinglichen Sinne nach auf- 
zufassen ist, einc Erscheinung, welche freilich keineswcgs alleinsteht. 

351. Jac. Ign. Dewitte (1721, ob. 1764 im Jan.). 

352. Joh. Godfrid Salden, Syndicus (1722, ob. 1743, 1. Febr.). 

Auch dieser Sternherr scheint einer Liniburgischen Familie entsprosscn 
zu sein; zum Mindesten ist der Name Salden im 16. und 17. Jahrhundert 
zu Sittard, Born und Maestricht, an ersterem Orte sogar sehr stark, ver- 
treten: Publ. de Limb. IV, 1^3 ; VI, 453. 563; XVI, 263; XVII, 223. 228. 
233. 253. 338. 346 ff.; XXIV, 10. 15. 24. 30. 

353. Alex. Theod. von Oliva (1723, ob. 1767, 10. Juni). 
Ueber die aus Genua stammende Familie v. Oliva un<J das oben auf- 

gefuhrte Mitglied derselben insbesondere vgl. v. Fiirth II, 2 S. 217 ff.; 
Macco II, 49. 

354. Franz Bernardt von Westrem, Abt zu Sieburgh (1727). 
v. Westrura ist der Name einer niederlandischen Familie; vgl. Publ. 

de Limb. VII, 466. Ein Johann v. W. zu Holthumb im Lande von Born 
(mit dem Hauptorte Sittard) wird im „Gulichschen ritterzettul de anno 
1610 und 1611 tt (Fahne II, S. 12) aufgefuhrt. 

355. Franz Edmund von und zu Reuschenberg, Hr. zu 
Setterich (1727, ob. 1745, Apr.). 

356. Franz Wilh. von Colyn zu Beusdall (1727, ob. 1753, 
21. Mai). 

357. A. B. Robertz (1727, ob. 1773). 

In Betreff des ursprunglich Kolnischen Patriziergeschlechts Robertz 
oder Ropertz vgl. Fahne I, 372; II, 124. Eine Marianne Therese v. Ropertz, 
Gattin des unten aufgefuhrten Franz Jakob Augustin v. Broe, war die 
Schwiegermutter des beriichtigten Abenteurers Friedr. v. d. Trenck: Fahne 
II, 20. 124; v. Reumont (AGV. VI, 223), eine Elis. Josepha v. R. gem&ss 
den bei Fahne I, 223 enthaltenen Angaben hochst wahrscheinlich die Gattin 
des oben unter Nr. 346 aufgefuhrten Sternherrn. 

358. Vogt-Major Freih. von Wyhe (1730). 

Die altesten bekannten Sitze der Familie v. Wyhe scheinen Herncn 
und Echt (im holl. Limburg) gewcsen zu sein ; vgl. Fahne II, 201 f. ; Publ. de 



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320 Theodor Oppenhoff 

Limb. IV, 118. Fahne a. a. 0. bezeichnet den Obengenannten, Joh. Franz 
Caspar v. Wyhe (Weihe), welcher am 27. Dezember 1704 geboren und am 
18. November 1783 gestorben sei, als Herrn zu Reuschenberg, Althof, Rhein- 
dorf, Jlingersdorf, Rosau, sowie als kurpfalz. Geh. Rath und riihmt ihn 
wegen seiner Gelehrsamkeit. Im Uebrigen vgl. oben Nr. 314. 

359. Franz Wolfgang Freiherr von Quadt zu Alsbach (1730). 

360. Erasmus Dionys Philipp de Massart, can. b. M. (1730, 
ob. 1742, 25. Juni). 

So in Buch III, 23 und bei Heuseh S. 36 if.; sonst wird der Name im 
Buehe III bald Mastard, bald Massar oder Massard gesehrieben. 

361. Alex. Heinr. von Schrick (17^0, ob. 1764). 

362. Theod. Jos. von Speckhewer (1730). 

363. Job. Jac. von Wylre zu Hegem (1730). 

364. Joh. Friedrich von Pelser (1730, ob. 1771, 13. Apr.). 

365. Joh. Godfr. von Geyr (1731). 

366. Freih. von Eys, gen. von Beusdal (1732). 

367. Franz von Speckhewer (1732). 

368. von Sierstorf f , canonicus ad s* 11111 Gereonem Coloniae (1732). 

Ueber die Kolnische, angeblich von einem Handwerker aus dem Dorfe 
Siersdorf (Kreis Jiilich) stammende, in den Freiherrn- und Grafenstand er- 
hobene Familie v. Franken-Sierstorp vgl. Fahne I, 103. 

369. L tus Friedrich Beelen (1732, ob. 1766, Apr.). 

Hier ist wohl der Friedrich Wilh. Beelen gemeint, welcher gem&ss 
den Ann. XXXII, 91 im Jahre 1756 Schoffenburgermeister war. Zum Jahre 
1721 gedenkt Quix S. 208 eines Aachener Kanonikus Joh. Alb. B., der sich 
jedoch bei Heuseh unter den Stiftsherren nicht aufgefuhrt findet. — Die 
Beelen, auch von Beelen genannt (mindestens seit 1739: C. Oppenhoff, 
AGV. VI, 4), scheinen im 18. Jahrhundert im Besitze der Bertolfschen 
Giiter zu Hergenrath gewesen zu sein. 1771 iibertrugen die Ehegatten Joh. 
Alb. v. Beelen-Bertolf und Anna Cath. geb. v. Ansillon, ihr Schloss Bertolf 
einem Herrn v. Beelen, Auditor bei der K. K. Rechnungskammer zu Briissel: 
Quix a. a. O. — Der Familie Beelen geschieht iibrigens schon in den Aachener 
Kirchenbuchern von 1617 und 1624 (Macco I, 152. 156) Erwahnung, und 
zwar in der Person eines Schoffen Theodor B. sowie eines Joh. B. Weiter 
zuriick lasst sich dieselbe, wie es scheint, in Aachen nicht verfolgen. Viel- 



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Die Aaehcncr Sternzunft. 321 

leiclit stammtc sie aus Maestricht, indera Personen des Nainens B. dort be- 
reits in frtiherer Zoit auftreten; es sei crinncrt an den Hauptmann Beelen, 
welcber, Sohn eines dortigen Schulzen, ira Jahre 1578 sich der Feste Kerpen 
bei Kbln bemachtigte, und deren Befehlsbaber Bloeraart bangen liess, ein 
Jahr spater jedoch, nachdem Kerpen von den Spaniern wiedererobert war, 
sammt seiner rauberischen Schaar das gleiche Schicksal erlitt; vgl. Publ. de 
Limb. X, 223; XXVII, 58 ff.; Curths (Suppl. zu Schillers Werken II, 3 S. 5) 
gibt irriger Weise als Namen Biel statt Beelen und als Heimath Utrecht 
statt Maestricht an. 

370. Canonicus Henrich Alex. Cox (1736, ob. 1740, 17. Mai). 

371. Joh. Jos. von Diissel (1736). 

372. Caspar Aloysius Limpens (1738). 

373. Ludwig Graf von Schellardt, Dechant (1740, ob. 1745, 
29. Juni). 

374. Willi, von Bierens, canonicus (spaterer Zusatz: decanus, 
1740). 

Ueber den Deehanten Freiherrn v. Bierens vgl. Haagen II, 328. 342. 
393. 485. 692; v. Fiirtb II, 2 S. 157. Derselbe wurde auf Grund papst- 
licher Dispensation schon im Alter von zwolf Jahren zu dem Besitz einer 
Stiftsherrenstelle zugelassen: Heuscb S. 35. — Eine freiherrliehe Farailie 
v. B. batte ihren Sitz zu Haus Baerlo bei Roermond : H. Ferber, E. Slangben 
(Publ. de Limb. II, 424; XVI, 134). Inzwischen kommt der Name Bierens 
(freilich ohne Adelspradikut) bereits unter den Aaehener Stiftsberren der 
ersten Halfte des 17. Jabrbunderts vor (Heuscb S. 28). 

375. Caspar Anton de Reul, Forstmeister (1740, ob. 1741, 
8. Febr.). 

de Reul ist der Name einer im 17. und 18. Jahrhundert im alten 
Herzogtbum Limburg sehr verbreiteten Familie, deren Hauptlinien die de R. 
von Limburg und die de R. von Walhorn waren. Ersterer Linie entstammte 
der obige Sternherr, Sobn des Theod. Franz de R., Herrn zu Neretb (Neu- 
reth, Biirgermeisterei Eupen) und Schwiegersobn des Aacbener Biirgermeisters 
Lamberts v. Cortenbacb. Er vereinigte in seiner Person die Stellung eines 
Herzogl. Limburgischen Forstmcisters mit anderen angesehenen Aemtern. 
Vgl. Poswick S. 241 if. 

376. Anton Ulerich von Lamberts (1740, ob. 1766, Dec). 

377. Joh. Georg Pfliiger, lie. und Syndicus (1741, ob. 1756, 
3. Mslrz). 

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322 Theodor Oppenhotf 

378. Franz Adolph von Trips (1741, ob. 1743, 26. Aug.). 

379. Friedrich Anton von Brauman (1741, ob. 1760, 14. Juli). 

380. Franz Jacob Augustin de Broe (1741, ob. 1763, Sept.). 

Ueber diesen Sternherrn bezw. die Familie de Broe uberhaupt vgl. 
v. Reumont, C. Oppenhoff (AGV. VI, 223. 54); Fahne II, 20; Macco I, 180; 
II, 8. 9; oben Nr. 357 sowie unten Nr. 414. 

381. Werner Clemens von Broich (1741). 

382. Werner Edmund von Broich (1741). 

383. Franz de Kerckhoven, canonicus (1741). 

Das Wappen derer v. Kerkhoven findet sich bei v. Fiirth II, Wappen- 
tafel Bl. 4. 

384. Peter Herman Godding, canonicus (1742, ob. 1749, 
20. Sept.). 

385. Wolfgang Arnold, Freih. von Frentz zu Schlender- 
han, canonicus b. M. virginis (1742, ob. 1744, 31. Jan.). 

Das Mitgliederverzeiehniss nennt als am 21. Juni 1742 aufgenommen 
zwei Stiftsherren Wolfgang Arnold v. Frenz, von welchen der eine im Jahre 
1769, der andere, wie oben angegeben, am 31. Januar 1744 gestorben sei. 
Augenscheinlich handelt es sich jedoch nur um eine und dieselbe Person und 
ist das letztere Sterbedatum das richtige. Denn abgesehen davon, dass das 
Sitzungs- und Wahlprotokoll vom 21. Juni 1742 nur eines Freih. Wolfgang 
Arnold v. Frenz gedenkt, und dass dieselben Naraen in keinem der spateren 
Protokolle wiederkehren, findet sieh bei Heusch unter den vielen Aaehener 
Stiftsherren, welche jenem altkolnisehen, einst so raaehtigen Geschlechte an- 
gehorten, und in dem bei Fahne I, 349 mitgetheilten Stammbaum desselben 
nur eine einzige Personliehkeit mit obigem Vornamen. 

386. Freih. von Reuschenberg zu Selickum (1747, ob. 1760). 

Im Sitzungsprotokolle ist hinter „Selicuin u zugefiigt: „und Bensberg". 
Selicum ist ein Rittergut bei Neuss, welches aueh Reuschenberg genannt 
wird. Im Uebrigen vgl. oben Nr. 160. 

387. Jos. Zaverius Richterich, i. u. ltus (1747). 

388. von Houven, Abt zu Hamborn (1748, ob. 1757, Nov.). 

- In Betreff des hier gcnannten Abtes Johann Arnold v. Houven vgl. 
Ann. II, 168. — Hamborn ist jetzt ein Pfarrdorf in der Btirgermeisterei 
Holten (Kreis Duisburg). 



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Die Aachener Sternzimft. 323 

389. Carl von Gronsfeld, gen. Nevelstein (1748). 

390. Franz Willi, von Furth, canon, regalis basilicae b. M. 
v. Aquisgranensis (1748, ob. 1758, April). 

391. Adrian Ign. Dewitte, canon, collegiatae ecclesiae Cranem- 
burgensis (1748). 

392. Licentiat von Clotz (1749, ob. 1780). 

393. Canon, de Kerchoven junior (1749, ob. 1769, 4. Juni). 

394. Canon, von Belderbusch (1749). 

395. Oberambtman Moss (Buch III, 35 ff.: von Moss, 1749, 
ob. 1782, Juli). 

Derselbe ist zweifelsohne der spatere Schoife v. Moss, dessen in AGV. 

VI, 4 gedacht wird. Buch III, 29 bczeichnet ihn als Oberambtman zu Arem- 
berg; er muss jedoch, mindestens seit 1755, nach seiner haufigen Theilnahme 
an den Stuhltagen zu schliessen, in Aachen gewohnt haben. — Im Uebrigen 
vgl. beziiglich der Familie M.: Haagen II, 299. 307, Pauls, Heusch (AGV. 

VII, 276. 297) und das unter Nr. 313 erwahnte Verzcichniss der Herren 
vom Bock. 

396. Scholaster von Hoensbroik (1749). 

Schloss Hoensbroek liegt im ho 11. Limburg, bei Heerlcn, und gehort 
noch jetzt der bekannten Familie der Grafen v. H. zu Haus Haag (bei 
Kapellen, Kreis Geldern), auf welche im Jahre 1618 in Folge Heirath (mit 
einer v. Boedberg) das Erbmarschallsamt des Herzogthums Geldern iiber- 
ging. — Obengenannter Sternherr, Casar Franz Konstantin v. H., hatte einen 
Reehtsstreit wegen der Scholasterstelle rait seinem Vorganger, dem Dechanten 
Grafen Scheliart und dem Kapitel: Heusch, S. 39. 

397. Caspar Jos. von Fiirth (1752). 

398. Canon. Beus (1752, ob. 1755, 20. Apr.). 

399. Ambtman Derckum (1752). 

400. Franz Claudius Freih. von Hauzeur, Vogtmajor (1753, 
ob. 1763, 4. Marz). 

401. Carl Alex. Freih. von Blanckart zu Alstorff, Kammer- 
herr Seiner Churfurstl. Gn. zu Pfalz (1753). 

402. Syndicus Gartzweiler (1756). 

Obiger Sternherr ist anscheiuend identisch mit dem Schoffen v. Gartz- 
weiler, welcher wahrend der sogenannten grosscn M&ckelei eine Rolle 

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324 Thoodor Opponhoff 

spieltc. Dieser und Theodor Ifcttendorf wurden durch Urtheil dcs Reichs- 
kammcrgerichts vom 10. Dezember 1787 (abgedruckt in dem oben S. 245 
erwahnten Sammelbande) „um willcn sic sich zu burgerineisteriichen statt- 
haltern brauehen lassen und als directoren jener illegalen versammlung 
vorzusitzen, mithin die burgenneisterliche vorrechte auf trotzige, widersetz- 
liche weise zu violiren sich nicht entsehen haben, von ihren aufhabenden 
raths- und sonstigen offentlichen amts-stellcn removirt, auch beinebens a 
voto activo et passivo bei alien kiinftigeu raths-prasentions- und sonstigen 
wahien bis auf weitere dieses kais. kammergerichts verordnung ganzlich 
ausgeschlossen" und erst durch ein am 17. Februar 1792 erlassenes weiteres 
Urtheil desselben Gerichtshofes zur Stimm- und Wahlfahigkeit ira Rath 
sowie in den Ziinften wieder zugeiassen (Haagen II, 402). 

403. Carl von Fftrth (1763). 

404. Martin von Oliva (1763). 

405. Canon, de Fisenne (1763, ob. 1764, 9. Jan.). 

406. Joh. Wilh. Godefr. F. de Lommessem (1763, 6. Sept). 
Ein Stammbaum der urspriinglich zu den Patriziern der Stadt Munster- 

eifel geh5renden Familie v. Lommessem findet sich bei v. Furth II, 3 S. 60. 

407. Canon. Packenius (1766, ob. 1775, 7. Jan.; r. i. p.). 

Ueber die Familie Packenius vgl. v. Fiirth II, 3 S. 13 f. Der dort 
unter I, 1 als Sohn des Burger meisters Paul P. zu Linnich und als Bruder 
des Amtsverwalters Joh. P. zu Boslar aufgefuhrte Jesuit Johann Joseph P. 
ist zweifelsohne der gleichnamige, 1626 zu Boslar geborene, am 4. Oktober 1681 
gestorbene Jesuitenpater, welcher im Jahre 1675 den damaligen Erbprinzen 
und spateren Kurfiirsten von der Pfalz, Johann Wilhelm, auf dessen Reise 
durch Europa begieitete und diese Reise (in Nachahmung des Pighius) in 
einer Schrift, betitelt Hercules prodicius redivivus (Koln 1679) beschrieb 
(Hartzheim, Bibl. Colon., Harless, Ann. XXV. 104). Als ein der neuesten 
Zeit angehoriges Mitglied dieser noch hente bliihendon Familie sei erwahnt 
der als Mensch wie als Beamter hochachtbare Karl Joseph Alex. P., lang- 
jahriger Oberprokurator bei dem Aachener Landgericht, gestorben am 
3. Juli 1862. 

408. von Pelser (Buch III, 36: v. P. jungerer; 1766). 

409. Freyh. Eud. Constantin von Geyr zu Schweppen- 
burg (1767). 

410. Philipp de Witte von Limmingiie (1767). 

411. Frcih. Anton von Lamberts (1767, 25. Aug.). 



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Die Aachener Sternzunft. 325 

412. Carl Joseph von Pudyschoffsky (Buch III, 38: von 
Bodoschofsky), kayserlicher Haubtmann unter dem Sal- 
mischen Eegiment (1769). 

413. Martin de Lonneux (1771). 

414. Franz de Broe de Diepenbend (1771). 

Von diesein und nicht von seinem Vater, dem unter Nr. 380 aufge- 
fiihrten Sternherrn, ist oben S. 271 die Rede; dort Zeile 10 v. u. muss daher 
statt „Schwiegervater a gelesen werden „Schwager". Dcrselbe ist nicht zu 
verwechseln mit seinem jungeren Bruder Franz Jos., Grossvater (mtitterlicher- 
scits) des Freih. Adolph v. La Valette, Professors der Anatomic an der Uni- 
versitat Bonn. — Diepenbend ist* der Name eines jetzt der Familie Monheim 
gehorigen Landguts im Landkreise Aachen. 

415. Graf von Villers (1772). 

416. Oberforstmeister Jos. von Thimus (1767). 

Heinr. Jos. v. Thimus wurde durch Maria Theresia zum General- 
Forstmeister des Herzogthums Limburg bestellt und im Jahre 1780 in den 
Freiherrnstand erhoben; ein Enkei desselben war der am 21. Mai 1806 zu 
Aachen geborene und am 6. November 1878 zu Koln verstorbene Appeliations- 
gerichtsrath Freih. Albert v. Th., Verfasser des gelehrten und tiefsinnigen 
Werks „Die harmonikale Symbolik des Alterthums" (1868—1876): v. Fiirth II, 
3 S. 84 f.; vgl. auch Macco II, 70 ff. 

417. Fabritius (Buch III, 42: von Fabritius, 1773). 

418. von Nugent (Bucli III, 40: von Neugent), Obrister in 
hollandischen Diensten (1774). 

419. Mich, de Witte, Haubtmann in k. k. Diensten (1775). 
Gleichzeitig mit diesem wurde ein H. v. Lamberts zu Crevecoeur 

zum Stuhlbruder erwahlt; letzterer „hat sich jedoch bedankt" (III, 40. 3); 
vgl. oben S. 249. 

420. Freih. vonBroch zu Diirwis, hernechst Schoffen (1777). 

421. von Guaita, canon, capt. b. v. M. (1777). 

Einzelnes iiber die Familie v. Guaita" und den Obengenannten bringt 
v. Fiirth II, 3 S. 80. 

422. Fabri, juris utriusque licentiatus (1777). 

423. Syndicus Schwarz (1778). 

Ueber dessen handschriftlich erhaltene Arbeiten rechtswissenschaftlichei 
Inhalts vgl. Loersch S. 12. 15 (Anm.). 



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326 Theodor Oppenhoff, Die Aachener Sternzunft. 

424. Carl Theodor Freih. von Broich zur Sursen (1778). 

425. Joseph Freih. von Geyer (1784). 

426. Peter Jos. von Brauinan (1784). 

427. Caspar von Clotz (1785). 

428. Mathaus Jos. Wildt (1785). 

Derselbe war augenseheinlieh jener Mathaus Jos. Wildt, weleher im 
Jahre 1776 auf der Universitat zu Lbwen den ersten Preis in der Philoso- 
phic errang und bei seiner Riickkehr in die Heirnathsstadt Aachen, urn mit 
Haagen II, 368 zu reden, in fast bellenischer Weise gefeiert wurde. Naheres 
iiber ihn und seine Familie liefert Heusch (AGV. X, 245). 

429. Syndicus Jos. Geuljans (1792, 24. Apr.). 

Des Jos. Geuljans wird noch in spaterer Zeit aus vcrschiedeuen An- 
lassen gedacht; vgl. oben S. 273 und Haagen II, 266. 473. 494. Ein Sohn 
dessclben aus seiner Ehe mit Katharina Palm, der Kammerprasident Peter 
Joseph GL, gestorben, 72 Jahre alt, am 24. Juli 1859, zahlte einst zu den 
hervorragendsten praktischcn Juristen der Rheinprovinz und war viele Jahre 
hindurch eine Zierde des Aachener Landgerichts. 



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Kleinere Mittheilungen. 



1. Die in Basel von 1462 — 1491 studierenden Aachener. 

Die nachstehende Heine verdanke ich wiederum der grossen Gtite des 
Herrn Oberiehrers Dr. Georg Knod in Strassburg, der sie den bis jetzt noch 
nicht verflffentlichten Baseler Matrikeln entnommen hat. 

Das Verzeiclmiss folgt genau derVorlage; laufende Nummern sind zur 
Erleiehterung des Citirens, einigen Namen in den Anmerkungen die iiber den 
Trager vorlaufig ermittelten Nachrichten beigefugt. 

Ich schliesse hier noch die mir von Herrn Dr. Knod gemachte Mit- 
theilung an, dass die Freiburger Matrikel keinen einzigen Aachener aufweist. 

A. Allgemeine Matrikel. 

1. 1462. Magister Wilhelmus Textoris de Aquisgrani, ordinis theologorum K 

2. „ Jacobus Heggen de Aquisgrani 2 . 

3. „ Wilhelmus Dremborn de Aquisgrani, magister artium. 

4. „ Cornelius van Wiss „ „ „ 

5. „ Lambertus Hecken „ ,, „ 

6. „ Henricus Brochiler „ „ „ !} 

7. 1463. (Philippi et Jacobi) Magister Wilhelmus Textoris de Aquisgrani, 

sancte theologie professor et ordinarius, rector universitatis studii 
Basiliensis 4 . 

8. r Mathias Kellerman de Aquisgrani, canonicus ecclesie maioris eius- 

dem loci 5 . 

9. 1470. Mathias Bystolcz de Aquisgrani 6 . 

i) Vgl. Fromm in dieser Zeitschrifb Bd. XIV, S. 217 und auch Athenao Rauricae 
p. 1 und 442. 

2) War anscheinend 1455 in Koln; vgl. Keussen, Die Matrikel der Universitat 
Koln Bd. I, S. 448, Nr. 8. 

3 ) Offenbar identisch mit Heinricus Brotler de Aquisgrana, der 1459 in Erfurt 
studierte; vgl. diese Zeitschrift Bd. IV, S. 836 und Bd. VII, S. 133. Der Name durfte in 
der Erfurter Matrikel Brocler geschrieben und in der Ausgabe falsch wiedergegeben sein* 

4) Vgl. oben Anm. 1. 

5) Studiert 1462 in Erfurt; vgl. diese Zeitschrift Bd. IV, S. 336 und Bd. VII, S. 133. 
Er erlangte em Kanonikat beim Marienstift am 15. Mai 1472; vgl. Heusch, Domini 
Canonici regalis ecclesiae b. M. V. Aquisgranensis S. 9, Sp. 1 und S. 11, Sp. 1. 

6) Erhielt die Expektative eines Kanonikat s beim Marienstift am 6. Oktober 1493; 
vgl. Heusch a. a. 0. S. 13, Sp. 2. 



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Omnes de Aquisgrani, 

Leodiensis dioeesis, 

dederunt duos florenos 

Rhenanos. 



328 Kleinere Mittheilungcn. 

10. 1472. Magister Thcodricus de Aquis 

11. „ Petms End en l 

12. „ Nicolaus Reichterghen 

13. „ Nicolaus Wolff 2 

14. „ Conradus Duppengeisser 

15. „ Petrus Bestolcz 3 

16. „ Wymniarus Genaspen de Erckelencz 4 

17. „ Johannes Haren 

18. „ Carolus Mugk de Aquisgrani, baccalareus artium, Leodiensis 

dioeesis 6 . 

19. „ Johannes Glesser de eodem loco. 

20. „ Magister Jacobus Wolff de Aquisgrani, Leodiensis dioeesis 6 . 

21. 1475. Doininus Wilhelmus Dreniborn, iuris pontificii doctor, de Aquis- 

grani, rector 7 . 

22. „ Leonardus Ynimendorp de Aquisgrani. 

23. „ Tielniannus Ziuck (Zuick?) „ 

24. „ Anthonius Koede „ 

25. „ Petrus Kraborn „ 

26. 1491. Wilhelmus Scheuairt, canonicus Aquensis, Leodiensis dioeesis 8 . 

B. Juristische Matrikel. 

27. 1474. A domino magistro Wilhelmo Dremborn de Aquisgrani in doctorem 

promoto ij florenos 9 . 



i) Wohl sicher Peter von Inden, der von 1507 — 1532 sechsmal das Biirgermeister- 
amt bekleidete; vgl. diese Zeitschrift Bd. IX, S. 149, Anm. 6. 

2) Im Jahre 1445 studiert em Mann gleichen Namens — wohl der Vater — in 
Leipzig; vgl. diese Zeitschrift Bd. XIII, S. 261, Nr. 15. 

3) Der Anfaugsbuchstabe des Namens wiirde in der Vorlage auch als G aufgefasst 
werden konnen, der Familienname Gestolz ist aber in Aachen unbekannt, dagegen war 
Peter Bestolz im Jahre 1533 Biirgermeister; vgl. diese Zeitschrift Bd. IV, S. 263 zum 
26. Januar; S. 280 znm 24. Jnni; S. 283, Anm. 3; S. 316, Nr. 10 und unten S. 330. 

4) Der Familienname Genaspen kommt zu Erkelenz mehrfach vor ; vgl. diese Zeit- 
schrift Bd. VII, S. 34 und das Register zu Heft 1—39 der Annalen des hist. Vereins f. 
d. Niederrhein. Anscheinend ist der hier genannte identisch mit dem Dechanten des 
Marienstifts, der freilich 1510 einfach Wimar von Erkelenz genannt wird, vgl. diese Zeit- 
schrift Bd. II, S. 82, und der schon am 3. Oktober 1472 durch papstliche Kollation ein 
Kanonikat erhalten hatte; vgl. Heusch a. a. O. S. 11, Sp. 1. Die Identitat wird auch 
durch den Umstand wahrscheinlich gemacht, dass 1499 der Basler Drucker Johann 
Bergmann ans Olpe, wie Herr Dr. Knod giitigst mittheilte, „Wymmaro de Erklens, 
Aquensis ecclesie decano" seine Ausgabe von „Baptistae Mantuani de patientia" widmete. 
In dieser auch ein Gedicht des Sebastian Brant an Wimar. 

5) Identisch mit Carolus Mogke, der 1468 in Leipzig studierte ; vgl. diese Zeitschrift 
Bd. XIII, S. 262, Nr. 37. 

6) Studierte 1466 in Erfurt; vgl. diese Zeitschrift Bd. IV, S. 336; Bd. VII, S. 133- 
Wohl derselbe, der am 7. August 1488 ein Kanonikat am Marienstift erlangte; vgl. 
Heusch a. a. O. S. 12, Sp. 1 a. 2. 

7) Vgl. Nr. 3 und Nr. 27 und Keussenin dieser Zeitschrift Bd. V, S. 310. 

h) Er war Kanonikus seit dem 6. April 1485; vgl. Heusch a. a. O. S. 13, Sp. 2, wo 
falsch: Schenarts. 

9) Vgl. Nr. 3 und Nr. 21. 



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Kleiner e Mittheilungen. 329 

28. 1475. A magistro Theodrico de Aquisgrani in licenciatum promoto ij 

florenos *. 

29. 1490. A domino Wilhelmo Scheuairt, canonico Aquisgranensi in baccala- 

riuni promoto de mense Maii i florenum 2 . 
Bonn, Loersch. 



2. Urkunden des 15. Jahrhunderts zur Aachener 
Lokalgeschichte. 

1. [14] 58 Oktober 7. — Bitter Wilhelm von Lyntzenich an Kbln: hat 
die Aemter der Vogtei und Meierei zu Aachen, mit welchen die Verleihung ron 
Slcherheit und Geleite daselbst verbunden ist, einem seiner Soh?ie iibertrayen, 
an den KoJn seine Beschwerden richten nidge. 

Am 22. September haite Kohl an Aachen und an Bitter With. v. Lintzingen, 
Meier zu Aachen 7 geschrieben, sie sollten „unsen vyanden ind quaiden gunren 
geyne vurwerde noch geleide bynnen urre stat vur reicht gheven, op dat wir 
uns des reichten nntgain sij bynnen urre stat ind gebiede bekomen moigen" 
(Brief buch 24, 101b. 102 a), und am 4. Oktober wiederholte es die Auff order img 
an Aachen in verschdrfter Tonart. Nach Eingang des hier abgedruckten 
Schreibens ivandte sich Koln am 24. Oktober an Heinrich von Lyntzingen, Meier 
zu Aachen, also offenbar den Sohn Wilhelms, in gleichem Sinne (fol. 108 a). 

Eirsam vrome besonder gude frunde. As ure eirberheit mir gesehreven | 
haint, wie ir van uren quoit gonren ind andern moetwilientlich ind unver- 
won|nen des rechten vurgenomen wert, die sich dan dageliehs durch mijn 
geieyde | zo Ache behelfen suldeu, wie ur breif dat furder ind langer inhilt 
etc., begeren darup ur eirsamheit zo wissen, dat ich die ampten der vaigdien 
ind meyrien zo Ache, da durch die vurwart ind geieyde zo Achen zo geven 
steit, uysser mijnre hant, mer in hant eynes mijner soene gestalt haiu, so 
dat ich mich des numme beladen, ind is darumb mijn meynonge, off uch 
bedoechte, dat sich der selve mijn son eidt furder tegen ueh heiit, dan sich 
gebuiren sulde, dar umb moecht ir erne beschriven; he sail uch darup waill 
antwerden ind sich dar yn halden, as erne van amptzs wegen geburen sail; 
dan wilt ir get, dat ich vermoecht, darynne wist mich guetwillich ind bereit. 
Got sij mit uch. Gesehreven under mijnen siggell des neisten saterdags na 
sent Remeiss dago anno etc. lviii. 

Wilhelm van Lyntzenich, ritter. 

Adresse: Dem eirsamen ind fromen burgermeister ind rait der stat 
Colien, mijnen besonderen guden frunden. 

Ueber der Adresse Kanzleivermerk : Wilhem de Lyntzenich. 

Ueber dem Texte desgleichen: Scribatur filio in simili forma, sicut pre- 
scriptum est. 



i) Vgl. Nr. 10. 
2) Vgl. Nr. 26. 



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330 Kleinere Mittheilungen. 

~Koln y Historisches Stadtarchir. Original auf Papier mit Rest des brief- 
schliessenden griinen Siegels unter Papierdecke ; eingeheftet im Brief buck 24 
zwischen foL 101 uud 102. 

2. 1468 Mai 21. — Vergleich fiber eine Scheidewand hinter dem Hause 
„zur Goldenen Burg" zwischen Peter Bestolts d. a. und Andreas Wymmer. 

Ich Peter Bestolts de aide doen kunt alremallieh, so ais Driess Wymmer, 
inijn besonder | gude vrunt, hynder sijnen huysse zer Guldenre boreh lanx 
mijn erve vast gebuwt hait, | dac mich bedunkt, dat sijne want van sijnen 
vursehreven buwe zo sere op mijn erve steit, des wir doch guitlichen zo 
vreiden ind eyns' woirden sijnt ind bliven willen zo ewigen dagen, also be- 
kennen ich Peter Bestoltz vursehreven overmitz diesen offenen brieff vur 
mich ind mijne erve, dat ich mit mijnen guden vurbedaiehden raide ind 
vrijen moitwillen durch guder naebersehaff ind vruntschaff wille deme 
vurgenanten Driess Wymmer ind sijnen erven luterlich gegeven hain ind 
geven in craft dis briefs erflich ind omberme die vurgeroirte want, beheltlich 
dat ich ind mijne erve allewege zo ewigen dagen, als ons des lust, in die 
selve want sullen moegen buwen, ind in der maesse verzijen ich Peter vur- 
sehreven vur mich ind mijne erven op die vursehreven want zo behoeff 
Driess vursehreven ind sijnre reenter erven sonder argelist. Ind des zo 
orkonden der woirheit so hain ich Peter Bestoltz vursehreven vur mich ind 
mijne erve mijn pitsche -onden an diesen brieff gehangen ind hain vort zotz 
mich gebeiden ind bidden mijnen lieven gevaider ind guden vrunt Franck 
Diependal, scheffen sehriver zo Aiche, dat he dis zo meirre konden ind ge- 
stentenis der woirheit sijnen segel mit an diesen brieff willen hangen buysse 
sijnen schaiden, dat ich Franck vursehreven in der maessen bekennen gerne 
gedaen hain zer beiden Peters vursehreven. Gegeven im jaere ons herren 
dusent vierhondert eicht ind seesszich das vier ind zwynzichsten dags in 
den mey. 

Koln, Historisches Stadtarchir. Original auf Pergament Nr. 13024, 
mit 2 anhangenien Presseln. 

3. 1483 Juli. — Montlonis bei Tours. Konig Ludwig [XI.] von Frank- 
retch gibt den mit der Renterhebung in Folge seiner Schenkung 1 an die Aachener 
Munsterkirche Beauftragien bestdndige Sicherheit in seinem Kdnigreiche, 

Loys, par la grace de Dieu roy de France, a tous p(resen)s et avenir 
salut. Comme puisnagueres pour la tres grant et fervent devocion, que 
avons tousiours eve et encores avons a la tres glorieuse tres benoiste | et 
tres sacree vierge immacuiee Marie, royne des cieulx, mere de Dieu, notre 
createur, et a son eglise collegial fondee et reveree en Ponneur d'elle en 
la ville d'Aix en Allemaigne, en la quelle notre tres glorieux et tres victo- 
rieux de bonne et tres saincte | memoire Charles, en son vivant empereur 

i) Vgl. tleii Druck bei Quix, Munsterkirche S. 210. 



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Kleinere Mittkeilungen. 331 

des Kommains et roy de France, le quel pour les grans conquestes ct faiz 
d'arnies, qu'il fist en son vivant sur les infideles, anciens ennemis de notre 
foy, fut et encores est appelle par tout le monde | Charles le Grant, gist et 
repose, Nous a ce, que soyons participans es biensfaiz prieres et oroisons 
et service divin, qui se font dient et celebrent ch(aqu)un jour en ladicte 
eglise, avons donne iegue et admorty aux doien et chappitre de la dicte 
eglise Notre Dame d'Aix la somme de quatre mil livres Tournois de rente 
annueile et perpetuelle selon et ainsi, quellcs sont plus a plain declairees 
en noz lettres de don et admortissement, pour les quellcs recevoir ct amasser 
lesdiz doien et chappitre ont entencion envoyer leurs procureurs et cntrc- 
meteurs de leurs besoignes en notre royaume, ou les aucuns d'eulx y venir 
en personne, mais pource qu'ilz sont estrangiers et demourans hors de notre 
diet royaume, ilz doubtent, que le temps advenir l'on leur voulsist en allant 
venant seiournant ou retournant donner aucun destourbier ou erapeschement: 
Savoir faisons, que nous les choses dessusdictes considerecs, voulans traicter 
en toute amour et doulceur et favoriser lesdiz doyen et chappitre en tous 
leurs affaires a iceulx pour les causes dessusdictes et autres acc(idens) nous 
mouvans, avons octroic et octroyons, voulons et nous plaist de grace especial 
plaine puissance et auctorite royal par ses presentes, qu'ilz puissent dores- 
enavant et en toutes les saisons de Pan et partant de foiz, que bon leur 
semblera, envoyer deux ou trois des chanoines et habituez de la dicte eglise 
ou autres leurs procureurs et entremetteurs de leurs besoignes pour recueillir 
et amasser lesdictes 4000 1. T. de rente, et que ceulx, qui ainsi ilz envoye- 
ront, et ceulx de leurs compaignie jusques au nombre de douze personnes 
et autant de chevaulx et audessoubz armez ou desarmez avec leur or ar- 
gent joyaulx bouges harnoys chevaulx l(ett)res closes et patentes ct autres 
choses et biens quelzconques puissent perpetuellement aller venir passer seiour- 
ner demourer et retourner par toutes les vilies citez chasteaulx forteresses 
bastides ponts ports passages peages juridicions et destroiz de noz royaume 
pays et seigneuries franchement et quittement de jour et de nuyt plaine- 
ment et paisiblement sans ce, que Ton leur puisse faire ou donner ne estre 
fait mis ou donne aucun arrest destourbier* ou empeschement en corps ne 
en biens, mais aulx dessusdict voulons estre pourveu de bon et seur con- 
duict, et pour plus dilligemment faire et excercer leursdictes affaires, vou- 
lons, qu'on leur bailie bonnes et seures gardes chevaulx et autres neccessitez 
a leurs despens et pour pris raisonnable, se mestier en ont et teliement,- 
que leursdictes affaires ne soyent retardez ou empeschez, et pour ce faire, 
leur avons donne et donnons par ces presentes bonne et loyalle seurete et sauf- 
conduit et les avons prins et mis, prenons et raettons par ces presentes en et soubz 
notre proteccion et sauvegarde especial: Si donnons en mandement a tous nos 
lieuxtenans connestables mareschaulxadmiraulx visadmiraulx seneschauxbailliz 
prevostz cappitaines chastellains gardes de bonnes viiles citez chasteaulx forte- 
resses bastilles ponts ports passages peages chaussees travers juridicions destroiz 
et autres quelzconques a tous maires eschevins jurez bourgeois habitans de 



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332 Kleinere Mittheilungen. 

villes et a tous noz autrcs justiciers ofliciers et subgeetz amis aliez et bien- 
veillans de uous et de not re royaume, ausquelz ces prcsentes ou le vidimus 
d'icelles, fait soubz seel auctentique, sera inonstre et exhibe, que de noz 
presents seurete sauvegarde et saufeonduit iiz faeent seuffrent et laissent 
lesdiz doyen et chappitre leurs procureurs faeteurs et entremeteurs de leurs 
besoignes et affaires et eeulx de leur compaignie jusques au dit nombre 
joyr et user piainement et paisiblement sans leur faire mettre ou donner. 
ne souffrir estre fait mis ou donne aucun destourbier ou empeschement au 
eontraire ores ne pour le temps advenir en aueune manierc, le quel se fait 
ou mis leur estoit mettent ou faeent mettre incontinant et sans delay au 
. premier estat et deu es tellement y faeent nosdiets justiciers ofliciers et sub- 
geetz, qu'ilz en doyent estre recommandez envers nous de bonne et vraye 
obeissance, prions et requerons nosdiets amis aliez et bienveillans, qu'ilz 
leur faeent, commc ils vouldroyent, que feissions pour eulx et les leurs en 
cas sembiable ou greigneur, pourveu toutesvoyes, qu'ilz ne feront ne pour- 
chasseront chose preiudiciable a nous noz royaume pays seigneuries et sub- 
gects. Et aflftn que ce soit chose ferme et es table a touziours, nous avons 
fait mettre notre seel a cesdictes presentes sauf on autres choses notre 
droit et l'autruy en toutes. Donne aux Montibus les Tours au mois de juillet 1 
Pan de grace mil cccc quatre vings et trois et de notre regne le vingt 
deuxieme. 

Links auf dem Bag: Par le roy Rechts: Visa. 

Robert. 

Koln, Historisches Stadtarchiv. Original auf Pergament aus der ehe- 
maligen Gymnasialbibliotheh (GB) mit anhangenden griinen und rothen Seiden- 
schniiren; das Siegel ist abgeschnitten. 

4. 1490 Sept. 24. — Die Aachener Schoffen an Koln : soil seinen Burger 
Gotthard von Koesfeld anhalten y sich dem Oberrecht zu unterwerfen 7 das sie 
unter Vermittelung des Diirener Gerichts den Schoffen zu Frechen mitgetheilt 
haben. 

Unsere fruntlige gruesse allzijt gonstligen zuvoren. Eirsame vursichtige 
besondere guede frunde. Urre lieffde | ingesessen burger Goedhart van Koes- 
felt hait in kurzen vergangeneu zijden eynen richtligen handel ind sache vur 
schoult(is) | ind scheffenen des gcrichtz zo Vreichem zo doin ind richtligen 
vur denselven gehandelt gehat, so dat int ieste nae anspraiche | ind ver- 
antwernysse van yetzgeraelten schoult(is) ind scheffenen eyn oirdell in der 
sachen gesproichen, dannaff der vurschreven Goedhart sich an dat heuft der 
statt Duyren sich berieff, daeselfs den vurg(eroirten) schoult(is) ind scheffenen 
van Vreichen eyn oirdell geliert ind gegeven wart, den partijen uiszowijsen. 
Dat geschiet ind oirdell uissgesproichen sijnde, berieff sich der vurg(enante) 

i) ,juillet u ist nachgetragen. 



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Kleinere Mittheilungen. 833 

Goedhart avermails an dat heuft ind oyverheuft, sijn schoult(is) ind scheffc- 
nen der statt Duyren vurschreven rait den oirdeleu ind liendelen ergangenre 
sachen vur uns as der gemelten gerichten oyverste heuft komen nae aldem 
yrem herkomen ind gewoenden, ouch privilegien gnadeu ind vrijheydcn, den 
unsen vurvederen ind uns van dem heilgen groissen keyser Karl gnedick- 
liehen verlient, den naefoulgende wie den scheffenen van Duyren nae an- 
spraiehe verantwernysse ind verhandelter sachen eyn reicht ind oirdell nae 
des heilgen rijchs reicht gewijst ind geliert hain, den scheffenen van Vreichen 
vort zo wijsen ind oeverantwerden, den partijen benoympden dach zo be- 
bescheyden, umb dat oirdell uisszospreichen, as datselve oirdell, so van 
uns braicht, geliert ind nae des heilgen rijchs reicht gewijst ind gegeven, 
van schoult(is) ind scheffenen zo Vreichen in bijweisen der partijen uissge- 
sproichen wart. Appellierde der vurg(enante) Goedhart van demselven oir- 
dell wieder unse privilegien gnaden ind vrijheyden, uns van Roemschen 
keyseren ind konyngen gnedicklichen verlient, bidden darumb ure eirsam- 
heyden, den genanten yren burger zo willen underwijsen ind berichten, sijne 
appellacien ind ungewoenlich unbillich vurneymen avestelle, sieh myt den 
gewijsden oirdell der scheffenen van Vreichen, van uns durch scheffenen van 
Duyren gehoilt ind geliert, genuegen ind darbij biijven laisse, foirder vur- 
neyraens moihe ind swaircheyt, gesehaffen daruiss zo enstaen, vermydt blijve. 
Dan geschiege sulchs nyet, deichten wir uren obgemelten burger myt reicht 
van kraft unserer privilegien mit penen, darinne begriffen, zo verfoulgen, 
wir doch unverkondigt urre wijsheyt nyet understaen wulden, in hoffen, 
dieselve yren dickgemelten burger underwijsen ind darzo halden sulle, sijn 
unbillich ungebuerlich vurneymen avestellen werde. Want sulden die sachen 
zogaen eyns anderwerf zo beroiffen, darnae appellieren wieder gemeyne 
beschr(even) reicht is, konnen ure vursichticheyden gemyrken, nummer saehe 
mit reicht geendt wurde. Hie inne ure eirsamheyden sich myt guetliger 
verfenkliger wiederbeschr(even) antwert brengers dis bricffs erzeigen, gelich 
wir des ind alles guetz nnverzwijfelt, in gelijchem wieder zo verschulden 
zosampt der billicheyt genzlichen getruwen, denselven uren eirsamheyden, 
die gott almechtich allzijt wailfarende gefriste. Geschr(even) up vrijdach 
24»ten dages septembris anno etc. 90 under unsere scheffenenmeistere siegele, 
der wir scheffenen myt hieinne gebruychen. 

Scheffenmeystere ind scheffenen gcmcynlichen 
des konynclichen stoils ind statt Aiche. 

Adresse: Den' eirsamen wijsen burgermeisteren ind raide | der statt 
Colne, unsen besonderen gueden frunden. 

Kanzleivermerk : Urbis Aquensis contra Gotfridum Koisfelt. 
Praesentationsvermerk: anno etc. 90 prima octobris. 

K6ln y Historisches Stadtarchiv, Original auf Papier mit Spuren der 
heiden grilnen zum Verschlusse eingehatigten Siegel. 



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I 

334 Kleinere Mittheilungen. f 

5. 1490 Oktober 1. - Koln an Aachen: ubersendet V er ant wortung seines ■ 
Burgers Godart von Koesfeld. 

Aicke. 

Unseren fruntliehen grues etc. Wir hain ure schrift unserem burgere 
Godarde van Coisfelt, so yn der selve betreffende is, nae unserem verlesen 
vur doin halden, der uns darup syne antworde gegcven hait, as uys herin 
versperder schrift vernemcn mog(et), ueh rait deme uweren damae wissen 
zo richten ure eirsamheit, die unse herre got etc. Datum veneris post 
Michaelis anno domini etc. 90. 

Koln y Historisches Stadtarchiv. Brief buch 37 7 106b. » 

6. 1498 Maerz 28. — Stadtschreiber Adam zu Worms an Protonotar 
Emund [Frunt] zu Koln : bittet urn Beschaffung eines Sttickes von dem seidencn 
Tuch, worin das Aachener Heiligthum eingehiillt gewesen ist, zur Hiilfe gegen 
die Krankheit eines Verwandten. 

Myn gar willige fruntlich dinst, und was ich | eren liebs und guts ver- 
mag, mit allem vlyss | zuvor. Lieber her cantzler, frunt und gepieter. | 
Mir ist gesaigt, wie alle jare jerlich, so man das heiligthum zeiget zu Ache, 
lege man dasselbe heiligthum in eyn syden duch, und wann man zu jaie 
das heiligthum widder zeiget, so nem man eyn ander frisch duch und teyle 
das furder syden duch den luten umb gottes andacht und innickeit willen, 
das sij durch die gnade gottes und des wirdigen heiligthums gut vor etliche 
krankheiten. Nu ist eyn jung peerschon, mir gewant, mit eyner krankheit 
beladen, darfur das gemelt duch sunder helflich sin soil, bitt ich ueh als 
mynen sunder lieben herrn und frunt, mochten ir mir dessclben duchlins eyn 
stuck zu wegen bringen und schicken mir solichs umb gottes und notturft 
willen by disem botten, mag ich ymmer, ich will es auch fruntlich umb ueh 
verdienen. Ich hoif, so ir vlyss thun, ir wissent es vor ander zu thun; 
ich weiss sust nyemants, mir so bckant, noch anzuruffen, und gebieten mir 
uweren willigen. Datum mittwochs nach letare anno etc. 98. 

Adam, staetschrijber zu Worms. 

Adresse: Dem ersamen und wolgeachten | menister Emundo, cantzler | 
der statt Colle, mynem besunder gunstigen herrn und gepieter. 

Koln j Historisches Archiv der Stadt. Original auf Papier (Wasser- 
zeichen: Ochsenkopf mit Stern auf Stange zwischen den HornernJ mit Best 
des zitm Verschlus.se aufgedriickten gr linen Signets. 

Koln. II. Keussen. 

3. Zur Vorgeschichte der Frankenberger Fehde 1 . 1449. 

1. Bitter Johann von Merode gen. von Frankeuberg an Koln: bittet um 
Vermittlung mit Stadt Aachen y welche seit 5 Jahren vertragstvidrige Gebote 
und Verbote gegen seine Erbvogtei Burtscheid erlassen ; der Herzog von Jiilich 
hat keine Einigung herbeifuhren konnen. — 1449 Mdrz 24. 

i) Vyl. dariiler: Qui.r, Frankenbiirg W ff. ; Haagen . Geichichte Adieus II, 50. 70. 



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Kleinere Mittheilungen. 335 

Eirsamen besondere gude frunde. Die van Aichen shit in vurzijden 
van dem goitzhuyse van Buyrtsehict an dat dorppe | Buyrtschiet as meyer 
koinen, due mijne alderen erfvaegt dae bevoeren des vurschreven dorpps 
Buyrtschiet lange gewest | waeren, ind haint mijne alderen die erfvaegdije 
vurschreven van den eynen an die anderen behalden ind an mich bracht ind 
mir, | alsoe sie die gehanthefft, besessen ind gebruycht gehadt haint, ge- 
laessen, in der selver gebruychongen ich der ouch gebruycht, besessen ind 
gehanthefft hain, nae dat id mijne alderen mir geloesen ind. anbracht haint. 
Ind is doch in der zijt, as die van Aichen an Buyrtschiet as meyer van 
dem vurschreven goitzhuyse komen sint, tuschen dem vurschreven goitzhuyse, 
den van Aichen ind mijnen alderen verschreven ind besiegelt wourden ind 
mit besonderen underschieden benant, wie sich dat goitzhuyss, die van Aichen 
ind mijne alderen zoe Buyrtschiet yeclichen van yn zoe syme gebueren hal- 
den ind hantheffen soilen, gelijch dat die versiegeide brieve vurgeschreven 
clierlichen inhaldent. Ind nu her eyne zijt umbtrynt vonf jaere mynne off 
mee, wie sich die zijt ervyndt, haint die van Aichen nuwegeyt van geboiden 
ind verboiden, des yre vurvaeren noch sie, die nu sint, soe nyet geploigen, 
gedaen, vur sich genomen noch begangen haint, dat zoemoile sweirlich ge- 
west ind noch is wieder dat aide gebruychende herkomen, dat mijne alderen 
ind ouch ich bij yn gebruycht haint ind vermoigen. Sint hain ich die van 
Aichen mit mijnen frunden durch mich selfs guitlich ind fruntlich, muntlich 
ind ouch schryftlich ersoigt ind gebeden, mich soilchs zoe erlaesen ind dat 
bij den alden herkomen vurgeroirt stelien zoe blijven, darzoe sij nyet ver- 
standen ind yre nuwegeyt vurschreven allet vort beherdt haint, soe dat ich 
yn daromb viell uyssdrags benant ind ouch an uch geboiden zo blijven hain, 
as ich dan die uyssdragende unpartij lichen geboidere noch bewijsen kan, ind 
is ouch van mijnen genedigen lieven herren van Gruylghe etc. yre genaiden 
rede ind frunde ouch van der van Aichen ind mijnen frunden viell arbeytz 
geschiet ind gedaen, umb die van Aichen ind mich der gebreche vurschreven 
zoe vereynigen, dae nyet van komen is, ind sint doch vur ind nae mijne ge- 
nedige lieve herren vurschreven ind yre frunde myn mechtich gewesst ind 
ouch noch sint, daromb bij yn zoe nemen ind zoe geven, wes billich Ind 
recht were, des ir ouch myn mechtich sin, offes die van Aichen an uch gaen 
wulden, wie dan die geboidere von mijnen frunden ind ouch mir vur ind na 
geschiet sint, is van den van Aichen geyn ingegangen ind ail affgeslagen 
mit behalden ind beherden yre nuwegeyt vurschreven ind haint mich dae 
mit ind also sweirlich geschiediget, gehyndert, gesmelicht ind dryngen 
mich soe, dat ich dar wieder gedenken ind doiu moise, soe icht beste kan, 
umb bij den mijnen zoe blijven off zoe eynem gelijchen uyssdrage der sachen 
mit yn zoe komen. Ind want ich dan meynen, dat sij uch ind ir yn fruntlich 
sin, ind dat uch nyet behaigen soile, dat sij soiiger gelijcher uyssdragt gc- 
wiegert hain ind wiegeren, soe bidden ich uch fruntlich, dat ir die van 
Aichen berichten ind noch underwijsent, dat sij die nuwegeyt vurschreven 
aft'stellen, off dat sij der gebreche vurschreven noch mit mir in eynen ge- 



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33G Klcinerc Mittheilungen. 

lijchen uyssdragt gaen, muchtet ir sij des nyet underwijsen, dat ir noch die 
uren yn danne wieder mijne versuechen ind vervoilgenge, ich daromb be- 
stnnde, nyet'raideirnoeh behoilpen init geynen sachen sin willet, dat wiile 
ich mit mijnen lierrcn maigcn swaegeren ind frunden intgen uch ind die urc 
gerne verschulden na mijnem vcrmoigen ind bidden dis alles eyne beschreven 
antwerde van urer eirsamehiet, die unse lieve herren got inne alien gneden 
ewelich behalden. Geschreven under myne siegel up unser liever frauwen 
avent annuneiacio anno etc. xlix. 

Johann vanme Roide genant van 
Franckenberg, fitter, etc. 

Adresse: Den eirsamen burgermeisteren ind rait | der stat van Coelne, 
mijnen bosonderen | guden frunden, etc. 

Kanzlei: Her Jo. van Vranckenberg contra Aquenses. 

Kohiy Histotisches Stadtarchiv. Original auf Papier mit Spur des zum 
Verschlusse eingehdngten Siegels. 

2. Aachen an Koln: vertheidigt sich gegen die Angriffe des Hitters Joh. 
r. Merode; es habe nicht Gebote oder Verhote in Burtscheid erlassen } sondern 
in Aachen selbst, wozu es durch honigliche Privilegien ermilchtigt ist. — 1449 
April S. 

Unse vruntlige groisse, ind wat wir liefs ind guitz vermogen. Eirsamen 
ind wyse, besonder gude frunde. Ais ir uns unlangs geschreven | ind ave- 
schrift myt gesant hait, wie her Johan vanme Roide genant van Francken- 
berg, ritter, urre eirsamheit uns antreffende geschreven have etc., | haven 
wir zo guder maisson verstanden, uns urre schrift fruntlich van uch be- 
dankende. Ind als he dan in sijnre schrift an uch gedaen | under anderen 
worden ruerende is, wie dat dorp Bortscheit vurzijden van deme goitzhuse 
van Bortscheit an uns als meyer komen sij, ind wie dat sijne alderen seligen 
aldae erfvaigde geweist zijn ind die erfvaigdije aldae an erne braeht ind 
gelaissen haiven, ind dat doch in der zijt, do unse stat ind vurvaren van 
Aiche als meyer an Bortscheit komen sijn, tusschen dem vursehreven goitz- 
huse, unser stat ind vurvaren ind sijnen alderen verschreven ind versiegelt 
sij worden, ind mit besonderen underscheide darin benant, wie sich dat vur- 
sehreven goitzhuyss, die stat Aiche ind sijne alderen yeclich van yn zo Bort- 
scheit zo sijnen gebueren halden ind hanthaven sullen, gelijch die versiegelde 
brieve vursehreven dat sullen inhalden, ind dat wir nu umbtrint funf jaer 
her, me off myn, wie sich dan die zijt ervinde, nuwieheit van geboiden ind 
verboiden vur uns genoraen sulden hain, des unse vurvaren noch wir so 
nyet geploigen noch gedaen haven sulden, ind dat swerlich geweist hette 
ind noch were wieder dat aide gebruychende herkoinen hern Johans vur- 
sehreven ind sijnre alderen, des die vursehreven brieve uns zo doin nyet 
vermogen sulden, ind wie he uns daromb mit synen vrunden ind durch eme 
solve muntlich ind ouch schriftlich ersoicht ind gebeden have, yn sulcus zo 



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Klcinere Mittheilungen. 337 

erlaissen, darzo wir nyet verstanden, mer unse nuwicheit vurschreven allit 
vort beherdt sullen Lain etc., wie dan dat punt sijnre schrift ind vurneinens 
inheldt, so getruwen wir zo gode, ind der wairheit, dat wir hern Johanne an 
der erfvaigdijen zo Bortseheit noch aidae an eynehen synen gebueren noch 
an den brieven ind segelen tusschen synen alderen ind unseren vurvaren 
gemaicht nyet affgenomen noch verkurzt en haven ind ouch daran noide 
affnenien off verkurzen weulden ind haven [erne] daromme alwege erboiden 
ind syn noch urboedich den vurschreven brieven ind segelen genzlich nae- 
zogaen ind gevulgich zo sijn ind [dae]rby gestentlich zo bliven in alle der 
maissen, als die brieve dat usswijsen, als wir dat ouch erne ind sijnen 
vrunden zo vil raailen guitlich haven geboiden ind laissen verstaen, ind dat 
wir nyet anders en denken noch en begeren, dan by beheltnisse onser stede 
privilegien ind rechten, dae wir dan gerne ind billich by bliven soilen, gude 
naeburschaff ind vruntschaff myt erne zo haven ind zo halden, off erne d[es] 
hette willen genuegen. Ind wir en haven uns untgen hern Johans alt ge- 
bruychende herkomen zo Bortseheit egeynre nuwicheit van [geboiden] noch 
verboiden aldae annomen, mer wir haven bynnen onser stat Aiche up unss 
selve ind up unse burgere ind die unse nae noit[dorft ind] gemeynen urber 
ind beste onser stat ind burgere etzlige gesetze opgesat ind doin gebieden, 

der dan unse burgere ind wir wail same ind der wir moige 

ind macht gehat haint ind noch haven van gemeynen rechtz wegen ind be- 
sonder van privilegien uns van [Romischen ko]ningen van des heilgen rijehs 
wegen verleynt ind bevoilen, der uns dan nyet en steit, an yemans uss- 
dracht zo bliven dan [de]s giens, darvan uns die verleynt ind be- 
voilen sijn, ind haven uns daromme orboiden, der scheillongen tusschen hern 

Johan ind uns [di]se privilegien by unsme alregenedichsten herren 

deme Romischen kuninge etc., deme die alleyne gebueren, zo beduden ind 
zo ordeien zo [rechte] zo bliven, ind als dan her Johan des nyet upgenomen 
noch genuegt en hait, so haven wir uns zer begerden unser genediger herren 
va[n Guyljge by unsme genedigen herren van Blanckenheym etc. ind by 
etzligen yrre beider genaiden reden ind frunden zo eynre guitliger saisso[ngen] 

tusschen uns meynten zo vynden, guitlich ergeven beheltnisse onser 

stede privilegien ind gesetze, darvan dan ouch nyet komen [is. Na] desen 
reden vurschreven mach ure eirberheit wail mirklich verstaen, dat wir gerne 
mit hern Johan vurschreven gude naeburschaff halden suiden, bidden ind 
getruwen daromme urre eirberheit sere begerlich dese unse antwerde up 
hern Johans schrift ind vurnemen in den besten zo verstaen ind yn heruss 
guitlich zo underwysen, unse stat ind burgere untgen unse privilegien ind 
gesetze nyet zo yrren noch zo archwilligen ind unser stat ind burgere schade 
darvur by uch in dem besten zo hclpen verhueden ind uch also gunstlich 
darinne zo bewysen ind uns des herop nae onser noitdorft suiche gude ant- 
werde over zo doin schriven, dat wir uns der van uch de forder zo be- 
danken haven, ind als eyne gude stat der anderre billich zo lieve doin sal, 
ind wir alzijt gerne nae unsen vermogen urre eirberheit zo lieve doin sul- 



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338 Kleinere Mittheilungen. 

den, die unse herre got zo langen zijden gesparen muesse wailvarende ind 
gesont. Datum mensis aprilis die tercia anno etc. xlix°. 

Burgernieistere scheffenen ind rait des 
kuniglichen stoils der stat Aiche. 

Adresse: Den eirsamen ind wysen burgemeisteren ind raide, der stede 
Colne, unsern besonderen guden frunden. 

Kanzlei: Aquensium do dissencione sua cum domino Johanne de 
Franckenberg milite. 

Koln, Historisches Stadtarchiv. Original anf Papier, in der-Mitte zer- 
fressen mit Rest des zum Verschluss eingehdngten yrunen Siegels. 

3. Koln an Aachen; tcird Herm Joh. v. Merode, gen. v. Frankenberg, 
Aachens Rechtfertigungsschrift icegen der Vogtei zn Durtscheid vorlegen. — 
1449 April 7. 

Aiche. 

Unse fruntliehe groisse etc. Ersaine wijse besunder gude frunde. As 
ir uns nu ure antwort geschreven hait up sulche schrift, her Johan van 
Meroide genant van Franckenberg uns geschickt hadde, antreffendc die vadije 
zo Burtscheit, hain wir wail verstanden, ind is uns sulche schelonge tusschen 
uch leit, ind weulden wale, dat ir ind yederman bij dem syme behalden 
bleve; wir willen ouch mit her Johanne vurschreven doin sprechen ind yem 
ure schrift vur doin brengen, as wir voichlichste mogen. Ind wat wir urre 
eirsamheit in den off eynchen anderen sachen zo willen doin moechten, deden 
wir gerne. Dat kenne got, die etc. Den vii aprilis 49. 

Koln, Historisches Stadtarchiv. Brief bitch 19, 108 b. 

4. Koln an Bitter Joh. v. Merode, gen. r. Frankenberg: fiber send et 
Aachens Antwort auf seine Klageschrift . — 1449 April 25. 

Hern Johann van Meroide genant van Franckenberg, rytter. 

Eirsame vrome gude frunt. As yr uns geschreven hait van etzlichen 
gebreehen, die yr mit der stat Aiche uysstaendes meyndt zo haven, as ure 
brieff dat vorder innehielte, hain wir waile verstanden, ind sijn uns die ge- 
breche truwelichen leit, ind hain doch den vurschreven unsen guden frunden 
burgermeisteren scheffenen ind raide des coeninclichen stoils der stat Aiche 
ure sehrijft in dem besten oevergeschickt, die uns darup geantwert h«aint, 
as yr sien mioigt in der copijen yrre antwerden, die wir uch hie inne be- 
slossen mit senden Datum die xxv a . mensis aprilis anno etc. xlix°. 

Koln, Historisches Stadtarchiv. Brief buch 19, Ilia. 

Koln. H. Kemsen. 



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Literatur-TJebersicht fur die Jahre 1892 und 1893 \ 

Zusaramengestellt von F. Wissowa. 

I. Praehistorische und romische Zeit; Ftmde. 

1. Hettner, Die romischen Steindenkmale des Provinzialmuseums zu 
Trier 1893 (Nr. 47, 48 auf Apollo Grannus bcziiglich). 

2. Mullen ineister, Beschreibung eines l 8 / 4 Stunden siidwestlieh von 
Montjoie aufgedeckten romischen Cas tells (JVARh Hft. 92, 266). 

3. Romerfunde in Aachen (PT 1893 Nr. 146; EG 1893 Nr. 143, 148, 
160; ZA 82—84). 

II. Mittel alter. 

A. Urkunden. 

4. 814 Sept. 2 (NA 18, 292 f.). — 5. 1108 Jan. (Gesch.-Q. d. Prov. 
Sachsen 29 S. 194 f.). — 6. 1215 Juli 29, 1222 Mai, 1222 Mai 11 (Wurttemb. 
Vierteljahrsschr. 1892 S. 73, 75). — 7. 1301—1320. Zahlreiche Regesten. 
(Table chronologique des chartes et diplomes de la Belgique p. Wauters 
T. 8; vgl. dazu aber die eingehende Kritik v. Reuse ns in Annal. p. servir 
a l'hist. eccles. de la Belgique T. 8, 113 ft'., 337 ft'.). — 8. 1314 Okt. 15 
(Publikationen a. d. kgl. preuss. Staatsarchiven Bd. 51 Nr. 134). — 9. 1315 
(Beitr. z. Gesch. d. Niederrh. 7, 434 f.) — 10. 1317 Juni 22 (Publikationen 
a. d. kgl. preuss. Staatsarchiven Bd. 51 Nr. 172); 1326 Dez. 24 (a. a. 0. 
Nr. 308). — 11. 1420 Marz 23 und Marz 27 (Hansarec. I. Abthlg. Bd. 7 Nr. 
172—174). — 12. 1473 Dez. 22 (Hansarec. II. Abthlg. Bd. 6 S. 221 f., 372 f.). 

i) Erklftrung der Abktirzungen: AAV — Aus Aachens Vorzeit; ADB - Allge- 
meine Deutsche Biographie; AHVfN -= Annalen des historischen Vereins f. d. Nieder- 
rheiu; AHsf'rd = Aachener Hausfreuud, Beilage zum Echo der Gegenwart; AP = 
Aachener Post; BLU = Blatter f. literar. Unterhaltnng ; DZfG = Deutsche Zeitschriit 
fiir Geschichtswissenschaft ; EG ^-= Echo der Gegenwart; GV = Geschichtsverein; HJb 
= Historisches Jahrbuch; HZ -- Historische Zeitschrift; JVARh = Jahrhiicher des 
Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande; KBWZ = Korrespondenzblatt der 
Westdeutschen Zeitschrift; L0B1 = Litorarisches Centralblatt ; LHW = Literarischer 
Handweiser; MIOG = Mittheilungon des Instituts fiir osterr. Geschichtsforschung; NA 
— Neues Archiv der Gesellschaft f. illtere deutsche Geschichtskunde; PT =^- Aachener 
Anzeiger, Politisches Tageblatt; StML = Stimmen aus Maria Laach; WdZ = West- 
deutsche Zeitschrift; ZbK — Zeitschrift fur bildende Kunst. Die Abkiirzung ZA be- 
deutet die auf der Aachener Stadtbibliothek angelegte Sammlung von Ztutungsaus- 
sohnitten, welche sich auf die Aachener GesHiichte beziehen. 



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340 F. Wissowa 

— 13. In den Mittheilungen aus dem Stadtarehiv von Koln Hft. 21 — 23 einc 
grosse Menge von Regesten spoziell zur Geschichte Aachens aus der Zeit v. 
1360 Juni 21 — 1444 Sept. 29 und zur Geschichte der Beziehungen zwischeu 
Koln und den Herzogen v. Jiilich aus d. Zeit v. 1343 Febr. 5 — 1444 
Nov. 26. — 14. Das Graflich v. Mirbach'sche Archiv zu Harff, bearb. v. 
L. Korth, Bd. 1 (Ann. d. hist. Yer. f. d. Niederrh. Hft. 55) bietet 300 Ur- 
kunden v. 1144—1430, von denen sich cine Anzahl auf Jtilich bezieht. 

B. Schriftsteller. 

15. Monum. Germ. Scrip. T. 29 p. 23, 169, 198, 385 enthalten nor- 
wegische Berichte liber die Zerstorung Aachens durch die Danen. 

16. Theodrici historia de antiquitate regura Norwagiensium (a. a. 0. p. 
251) erwahnt unter den Wuudern, die sich vor dem Tode Karls d. Gr. er- 
eignet haben sollen, den Zusammensturz einer Saulenhalle zu Aachen. 

17. Monum. Germ. Deutsche Chroniken Bd. 5 (Ottokars osterr. Reim- 
chronik) nennt Aachen als Kronungsort Adolfs v. Nassau, Albrechts I. und 
Heinrichs VII. 

18. Chroniken der deutschen Stadte Bd. 22 S. 18, 81, 490 wird Aachen 
als Kronungsort Wenzels und Friedrichs III. erwahnt. 

C. Neuere Literatur. 

19. Gross, H. J., Zur Geschichte des Aachener Reichs (bis ins 18. 
Jahrh. hinein; AAV 5, 81—93, 97—126; 6, 1—31, 33—112). 

20. Schultheiss, G. F., Die Karl-Friedrichs-Urkunde ftir Aachen 
und die Karlslegende (HJb 1892, 724—736). 

21. Rauschen u. Loersch, Die Legende Karls d. Gr. 1890. (Rec. : 
HZ 68, 100—103; Anal. Bolland. 12, 83; vgl. NA 18, 350.) 

22. Scheffer-Boichorst, Kleinere Forschungen zur Gesch. des Mittel- 
alters XVII A. Das angebliche Diplom Karls d. Gr. fur Aachen und das 
Recht des Konigs in der Wahlordnung Nikolaus' II. (MIOG 1892, 107 ff.; 
vgl. KBWZ 1892 Sp. 77 f.). 

23. Grauert, Herm., Das gefalschte Aachener Karlsdiplom und der 
Konigsparagraph der Papstwahlordnung v. 1059. (HJb 1892, 172—191.) 

24. Grauert, Zu den Nachrichten iiber die Bestattung Karls d. Gr. 
(HJb 1893, 302—319.) 

25. Erben, Wilh., Excurse zu den Diplomen Ottos III. (Ueber Ottos III. 
Aufenthalt in Aachen; MIOG 1892, 565 ff.) 

26. Scheffer-Boichorst, Zwei Untersuchungen z. Gesch. d. papst- 
lichen Territorial- u. Finanzpolitik. (Betr. Aachen als Legestelle ftir den 
v. Karl eingesetzten Zins an die Kirche; MIOG Erganzungsbd. IV, 86 ff.) 

27. Die Beziehungen Johanns I. v. Heinsberg zur Stadt Aachen (AHsfrd 
1892 Nr. 30, 32 = ZA 47 ff.). 

28. Die vermeintlichen Sporen in der Stadtrechnung v. 1338/39. (AP 
1892 Nr. 6 = ZA 15.) 



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Literatur-Uebersicht fur die Jahre 1892 und 1893. 341 

29. Die angeblich im J. 1397 zerstorten Weinberge bei Aachen. (AP 
1892 Nr. 27 = ZA 21.) 

30. 1397 oder 1398? (Bezieht sich auf die angeblich zerstorten Wein- 
berge. AP 1892 Nr. 30 = ZA 23.) 

31. Nochmals die angeblich im J. 1397 zerstorten Weinberge bei Aachen. 
(AP 1892 Nr. 35 = ZA 23.) 

32. Kuhl, Ueber die Geschichte von Jiilich. Ein Vortrag. (EG 1893 
Nr. 178 = ZA 87.) 

33. Crecelius, Beitrage z. berg, niederrh. Geschichte. Elberfeld 1891. 
(Rec: LCB1 1892 Sp. 842.) 

34. Egli, Nomina Geographica. Leipzig 1893. (Ueber die Ableitung 
der Namen von Aachen, Jiilich, Malmedy u. s. w.) 

III. Neuzeit. 

A. Quellen. 

35. Reichstagsakten jiingere Linie Bd. 1. 1893. 1519 S. 122." 123. Zu- 
sammenhang der Jiilich'schen Heirathsangelegenheit mit der Kaiser wahl 
Karls V. — S. 629. Gutachten Konrad Peutingers v. Ende April 1519 iiber 
den formalen Werth der KrSnung zu Aachen. 

36. Ebner, A., (HJb 1892, 766) bringt aus einem rom. handschr. 
Kalendarium eine kurze Notiz iiber Karls V. Kaiserkronung in Aachen. 

37. Nuntiaturberichte aus Deutschland 1892. I, 1 S. 522 ff., 1535 Okt. 
15 (Ueberfall des Nun this zw. Aachen u. Koln; Bericht lib. d. Herzog v. 
Kleve u. seine Familie). I, 2 S. 67, 1536 Okt. 24 (Religiose Stellung des 
Herzogs v. Jiilich) S. 237, 1537 Okt. 31 (Kirchliche Streitigkeiten in Aachen). 
I, 3 S. 33, 1520 Okt. 24 (Aleander in Aachen). I, 4 S. 217, 218, 510, 527, 
589, aus dem Jahre 1539 (Stellung des Herzogs v. Jiilich zur Reformation). 
Ill, 1 S. 133, 140, 151, 220, 227, 231, 242, 317, 394, 469 ff., 543, 633, 635, 
775 zahlreiche Berichte aus der Zeit v. 1577 Juni 30 — 1583 Juli iiber die 
religiosen Zustande in Aachen; ebendas. S. 112, 182, 192, 211, 221, 231 f., 
240 Berichte aus d. Zeit v. 1577 Juni 1 — 1578 Febr. 2 iiber die religiose 
Haltung des Herzogs v. Jiilich. 

38. Nuntiaturberichte Giovanni Morones, bearb. v. Franz Dittrich. 
Paderborn 1892. S. 18, 51, 67, 83. Berichte aus d. J. 1539 u. 1540 iiber 
Jiilich'sche, bes. kirchliche Verh&ltnisse. 

39. Correspondance du cardinal de Granvelle 1565—1583, Bd. 9. 1892. 
S. 621 d. d. 1582 ein Brief Alexander Farneses an Aachen; ausserdem haufige 
Erwahnung Aachens in Briefen aus demselben Jahre S. 18, 187, 208, 217, 361, 
510, 564, 656, 666, 668 f., 681, 700, 705. Bd. 10. 1893. S. 436, 439, 453 
481, 486. Urkundliche Erwahnung Aachens im J. 1583. 

40. Lindanus, Bisch. v. Roermond, Twee geschriften over den kerke- 
lijken toestand der Nederland 1578— 1579 (Publ. d. 1. soc. arch, de Limbourg 
1892. S. 276 ff., S. 299 iiber Aachen). 



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342 F. Wissowa 

41. Mittheilungen a. d. Stadtarch. von Koln, Hft. 21, 82 ff. Georg Hans 
v. Veldenz's Entwurf eincr niederrheinisch-westfalischen Kriegsverfassung 
a. d. J. 1591. 

42. Stieve, Das Kontobuch der deutscheii Liga 1619 u. 1620 (DZfGr 
10, 102. Aachen wird mit einem Beitrage v. 36 435 fl. 50 kr. aufgezahlt). 

43. Garderobe des Pfalzgrafen Philipp Wilhelm, spateren Herzogs v. 
Jillich-Berg auf einer Reise nach Polen 1642 (Beitr. z. Gesch. d. Niederrb. 
7, 438). 

44. Mittheilungen aus e. Chronik des Kapuzinerklosters v. Kaiserswerth 
1656—1803, bes. zur Geschichte v. Jiilich-Berg (a. a. 0. 7, 180 ff.). 

45. Personaletat der Beamten des Gouvernements Berg (a. a. 0. 7, 228 ; 
enthalt auch Aachencr Namen). 

B. Neuere Literatur. 

46. Rembert, K., Die Wiedertaufcr im Herzogthum Julich. Miinster 
1893. Rec: KBWZ 1893 Sp. 179 f. 

47. Neubfirger,Emil, Die Maria Stuart des Niederrheins (Markgrafin 
Jakobe v. Baden, Herzogin v. Julich 1558—1597). (Allgem. Ztg. Beil. 1893 
Nr. 158). 

48. Unkel, Karl, Jakobe Herzogin v. Julich und der Jiilicher Regi- 
mentsstreit (AHVfN 54, 96—174). 

49. Cuno, Sibelius, Pastor in Julich 1611 — 1617 (ADB 34, 122 ff.). 

50. Peter der Grosse in Aachen 1717 (AHsfrd 1892 Nr. 18 = ZA 32). 

51. Konig Friedrich IV. v. Daneniark in Aachen 1724 (AP 1892 Nr. 
32 — ZA 22). 

52. Froinm, Wo hat Konig Friedrich d. Gr. i. J. 1742 in Aachen ge- 
wohnt? (EG 1892 Nr. 8, 15 = ZA 17, 20.) 

53. Friedrich d. Gr. in Aachen (AP 1892 Nr. 8 ff. = ZA 18). 

54. Die Reise einer stadtischen Deputation nach Briissel 1744 (AP 1892 
Nr. 24 = ZA 20). 

55. Broglie, La paix d'Aix-la-Chapelle, Paris 1892. (Der Text, ohne 
die Appendices, auch in Revue d. deux Mondes t. 109, 110.) 

56. Kaiser Joseph II. in Aachen 1781 (AP 1892 Nr. 38 = ZA 24). 

57. Lersch, Vor hundert Jahren zur Zeit der franzosischen Revo- 
lution (Aach. Sonntagsblumen 1892 Nr. 51 = ZA 59). 

58. Aachen in Kriegswirren (AP 1893 Nr. 50 = ZA 77). 

59. Aachen unter der Fremdherrschaft (AP 1893 Nr. 66, 68, 70 = 
ZA 80). 

60. Spoelgen, J., Stimmung der Aachener Burgerschaft zur Zeit der 
Fremdherrschaft (AAV 5, 26—32). 

61. Koser, Die Rheinlande und die preussische Politik (WdZ 11, 187 ff.). 

62. Roon, Denkwiirdigkeiten I, 155, 160 (Ueber die Unruhen in Aachen, 
Trier u. s. w, 1848). 



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Literatur-Uebersicht fur die Jahre 1892 und 1893. 343 

IV. Znr Geschichte der Kirchen, einzelner Geb&ude und Familien; 

Verschiedenes. 

63. Nekrologien des Bisthums Luttich (Wattenbach, Deutschlands Ge- 
schichtsquellen I a , 446). 

64. Handschriftl. nekrologische Notizen aus Burtscheid (NA 17, 222). 

65. de Chestret de Haneffe, Les statuts sompturaircs du clerg6 
dans le diocese de Liege (Bull, de Pinstit. arched. Liege T. 23, 24 f.). 

66. Binterim-Mooren, Handbuch der ErzdiSzese Koln, 2 Bde. 1892, 
1893. Bee: KBWZ 1893 Sp. 35. HJb 14, 672. StML 44, 513. LCB1 1893 Sp. 239. 

67. Becker, Joh., Gesch. der Pfarreien des Dekanates Blankenheim. 
Koln 1893. Rec: StML .45, 208. 

68. Jacobs, Geschichte der Pfarreien ira Gebicte des ehemaligen 
Stiftes Werden Tl. 1. Rec: LCB1 1893 Sp. 912 f. 

69. Quix, Das ehemalige Beghinenwesen in der Stadt Aachen (Neu- 
druck in AAV 5, 2—6). 

70. Schollen, Testament einer Beguine (a. a. 0. 5, 63 f.). 

71. Lersch, Die Heiligen des J. 1376 zu Aachen (a. a. 0. 5, 6—10). 

72. Zum 1 1 000 Jungfrauenkultus in Aachen (Geschichtsquellen d. Prov. 
Sachsen. Bd. 26 S. 120, 1301 Sept. 8). 

73. Erw&hnung der Aachener Heiligthumsfahrt im 16. Jahrh. (Jahrbb. 
d. Ver. f. mecklenb. Gesch. 57, 217 f.) 

74. Heusch, Nomina dominorum canonicorum regalis ecclesiae B. M. 
V. Aquisgranensis. Berlin 1892. 

75. Hat Kaiser Otto III. die St. Adalberts-Kirche gegrundet? (AHsfrd 
1892 Nr. 16 — ZA 32.) 

76. Rhoen, C, Geschichte der St. Foilanskirche. Aachen 1892. 

77. Zur Geschichte der St. Foilanskirche (AHsfrd 1892 Nr. 36 = ZA 50). 

78. Jubilaum der St. Pauls-Kirche (PT 1893 Nr. 210 f. = ZA 96). 

79. Hess, Joh., Festschrift zur 600jahrigen Jubelfeier der Domini- 
kaner- und Hauptpfarrkirche v. hi. Paulus in Aachen. Aachen 1893. 

80. Uebcr den Dechanten des Marienstiftes Franz Voss (Nuntiatur- 
berichte aus Deutschland III, 1, 317, 635, 682 a. d. J. 1582 u. 1583; eben- 
das. S. 233 1578 Jan. 20 iiber das Eindringen der Protestanten in die Carme- 
literkirche in Aachen). 

81. Schnock, Die ehemalige St. Josephskapelle auf der rothen Erde 
(AAV 5, 14). 

82. Poncelet, Ed., La seigneurie de Saive (Urkunden betr. das kirch- 
liche Verhaltniss zwischen Saive und Aachen; Beitrage zur Geschichte der 
Familien Harff, Clermont u. a. Bull, de l'instit. arche"ol. Liege Bd. 22 S. 
251 ff., 419, 423 ff., 432). 

83. Verzeichniss der Guardiane des Kapuzinerklosters zu Kaiserswerth 
(Guardiane aus Aachen, Burtscheid, Diircn, Jiilich). (Beitr. z. Gesch. d. Niederrh, 
7, 177 f.) 



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344 F. Wissowa 

84. Sommervogel, Bibliotheque de la eompagnic de Jesus Bd. 3, 4, 
s. v. Diiren, Jtilich, Kirtzer. 

85. Jahresberichte des Jesuitenkollegiums zu Aachen, 1581 Jan. 1. 
(Mittheilungen aus dem Stadtarchiv von Kbln Hft. 23 S. 290.) 

86. Die Schule und das Kollegium der Jesuiten (AHsfrd 1892 Nr. 24, 
26, 28 = ZA 43). 

87. Der Stiftsdechant Peter Wimmars v. Erkelenz (AHsfrd 1892 Nr. 
38 = ZA 51). 

88. Aachen als Bisthum. 1802—1826 (AP 1893 Nr. 228, 233, 234, 
240, 243 = ZA 104). 

89. Schaffrath, Bruehstueke betr. die Bischpfe v. Aachen (EG 1893 
Nr. 240 = ZA 111). 

90. L[ersch], Aachen als Bisthum (AP 1893 Nr. 250 = ZA 109). 

91. Reisebericht a. d. J. 1557 iiber Aachen (Bijdragen van het histo- 
risch genotschap te Utrecht 1893 D. 40, 123). 

92. Rhoen, C, Aachener Stadtansichten (AAV 5, 73 ff.). 

93. Zimmermann, Wegweiser durch Aachen, Burtscheid und Umge- 
bung. Aachen 1893. 

94. Wo lag das in der Stadtrechnung v. 1338/39 erwahnte Haus Briissel? 
(AP 1892 Nr. 67, 68, 79 = ZA 26.) 

95. Zur Geschichte des Rathhauses (AHsfrd 1893 Nr. 8 = ZA 73). 

96. Das Haus zum Papagei (a. a. 0. 1893 Nr. 10, 12 = ZA 74). 

97. Das Haus zum Birnbaum auf dem Markt (a. a. 0. 1892 Nr. 20, 
22 = ZA 41). 

98. Das Haus zum Schafsberg (a. a. 0. 1892 Nr. 42, 44 = ZA 54). 

99. Das ehemalige Grashaus (a. a. 0. 1892 Nr. 46, 48, 50, 52 = ZA 
57, 66 ff.). 

100. Rhoen, C, Die Befestigungswerke der freien Itciohsstadt Aachen 
(PT 1893 Nr. 186, 192, 193, 196, 198, 199, 203, 205, 213—215, 217, 219, 
221, 223, 226, 229, 233, 235 f., 238, 244, 246, 248, 252, 255, 277, 281 ff.). 

101. Rhoen, C, Zur Grashausfrage. Aachen 1892. 

102. Wacker, Der Aachener Stadtbrand v. J. 1656 (AAV 5, 45 ff.). 

103. Wacker, Das Erdbeben v. 19. Febr. 1756 (a. a. 0. 5, 16 f.). 

104. Der Brand der Rathhausthurme zu Aachen am 29. Juni 1883. 
Ein Gedicht. (EG 1893 Nr. 148 = ZA 83.) 

105. Quix, Der St. Matthiashof (Neudruck in AAV 5, 17 ff.). 

106. Quix, Der St. Stephanshof. — Das Schloss Wilhelmstein. — Stif- 
tung des Jodokusaltars in der Munsterkirche. — Der Bodenhof. — Der Weiler 
Hasselholz. — Reinarzkehle und die Miihle in Heppion (Neudrucke in AAV 
5, 33 ff., 49 ff., 65 ff.). 

107. Dronke, Bilder aus der Eifel. Dresden 1892. 

108. Beissel, Beobachtungen zu den Aachener Thermalquellen (AP 
1892 Nr. 42 — ZA 25). 



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Literatur-Uebersicht fur die Jahre 1892 und 1893. 345 

109. Die Bohne im Mund und Brauch des Volkes (AHsfrd 1892 Nr. 40 
— ZA 53). 

V. Schulwesen, Literatur. 

110. Schoenen, Die kolnischen Studienstiftungen. Kohi 1892. Rec: 
LHW 1892 Sp. 411 if.; LCB1 1893 Sp. 1161. 

111. Keussen, Die Matrikel der Universitat KOln. Bd. 1. Bonn 1892. 
Bee: LHW 1892 Sp. 287 f.; WdZ 11, 324 if.; LCB1 1892 Sp. 1648. 

112. Kuhl, Geschichte des frtiheren Gymnasiums zu Jttlich. Jiilich 1891. 
Bee: KBWZ 1892 Sp. 23; 1893 Sp. 103 f.; HZ 70, 320 if.; LCB1. 1893 
Sp. 1070 f.; StML 42, 466. 

113. Kugler, Bernh., Eine neue Handschrift Alberts v. Aachen. 
Tubingen 1893. Bee.: KBWZ 1893 Sp. 174; LCB1 1893 Sp. 1573. 

114. Harless, Zur Elberfelder Kirchen- und Gelehrtengeschichte. Wer- 
ner Teschenmaeher, Geschichtschreiber von Julich-Kleve-Berg (Zeitschr. d. 
Berg. GV 1892 Bd. 28). 

115. Der Geschichtschreiber Eberhard Wassenberg in Aachen (AHsfrd 
1892 Nr. 34 = ZA 49). 

116. Briefe Friedrich Heinrichs Jacobi tiber den Tod seiner Frau an 
Joh. Arnold v. Clermont zu Vaels (Allgem. Zeitg. Beil. 1892 Nr. 104 u. 
Beitr. z. Gesch. d. Niederrh. 7, 217 ft.). 

117. Haagen, Wilhelm Smets (ADB 34, 482 if.). 

118. Zirbes, Peter, Eifelsagcn. Koblenz 1891. Rec: BLU 1892, 9. 

119. Janssen, Heiurich, Schwanke in Aachener Mundart: 1. Der 
Duvvejack, 2. De Kenger us jene Maat, 3. Et Streuengelche. Aachen 1893. 

120. Florax, Ludwig, Franzosische Elemente in der Volkssprache des 
nordlichen Roergebiets. Gymnasialprogramm. Viersen 1893. 

121. Berichte uber den Aachener Geschichtsverein (EG 1892 Nr. 239, 
PT 1892 Nr. 241 = ZA 53; PT 1892 Nr. 261 = ZA 55; Deutscher Reichs- 
u. Preuss. Staatsanz. 1892 Febr. 2; Mittheilungen a. d. histor. Literatur 19, 
370; PT 1892 Nr. 290 = ZA 60; DZG 8, 351 if.; EG 1893 Nr. 178 = ZA 
87; PT 1893 Nr. 244 = ZA 112 f.). 

122. Lulves, J., Moderne Geschichtsforscher I. Aachen 1892. Rec: 
Preuss. Jahrb. 71, 537 ff.; LCB1 1893 Sp. 211 f.; EG 1893 Nr. 179 = ZA 
87; KBWZ 1892 Sp. 227—229; NA 18, 716 f.; DZfG 8, 353 f.; Koln. 
Volksztg 1892 Nr. 629 == ZA 60; vgl. auch unten die Schriften v. Wacker 
u. Rhoen. 

123. Wacker, C, Die Aachener Geschichtsforschung. Entgegnung auf 
die kritische Studie des Herrn Dr. Lulves. Aachen 1893. Rec: DZfG 9, 
342 f.; LCB1 1893 Sp. 1781 f.; JVARh 94, 167; KBWZ 1893 Sp. 180 f.; 
EG 1893 Nr. 179 = ZA 87; PT 1893 Nr. 159 = ZA 85; a. a. 0. Nr. 168 
v. Kelleter = ZA 86 [vgl. dazu die Erwiderung v. Lulves: PT 1893 Nr. 
179 = ZA 89 und die Duplik v. Kelleter PT 1893 Nr. 190 = ZA 90; ferner 
die Entgegnung v. Schnock a. a. 0. Nr. 192 ^-= ZA 91; die Artikel „Mehr 



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346 F. Wissowa 

Licht" v. Viehoff: EG 1893 Nr. 210, 216 =-- ZA 91, 97, sowie „Eingesandt u 
v. Schuock PT 1893 Nr. 11 = ZA 95]. 

124. Rhoen, C, Die Angriffe des Herrn Dr. Lulves auf meine Schriftea 
zur Archaeologie Aacliens. Aachen 1893. 

125. Jannicke, Petrus de Spina I., II., III., Mediciner aus Aachen 
(ADB 35, 197). 

VI. Verfassungs- und Wirthschaftsgeschichte. 

126. Ueher Aachener Geldwahrung vgl. e. Urk. v. 1306 Dez. 7. (Publi- 
kationen a. d. preussischen Staatsarchiven Bd. 51 Nr. 62.) 

127. Quix, Chr., Der Zehente im ehcmaligen Reich v. Aachen (Neu- 
druck in AAV 5, 93—96). 

128. Koernicke, Arthur, Entstehung und Entwickelung der ber- 
gischen Amtsverfassung bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts. Bonn 1892. 
Rec: KBWZ 1893 Sp. 7. 

129. Baron de Chestret de Haneffe, La foire de Liege (Bull, de 
l'instit. archeol. Lieg. 1893. T. 23 S. 38 ff.). 

130. Poncelet, La seigneurie de Tignee (a. a. 0. 23 S. 167 ff.; der 
Gerichtshof v. Tignee hing von Aachen ab). 

131. Hummel, Karl, Die Mainzolle von Wertheim bis Mainz bis zum 
Ausgang des 15. Jahrhunderts (WdZ 11, 109 ff.; 320 ff. Handelsbeziehungen 
zwischen Aachen und Frankfurt). 

132. Below, G. v., Geschichte der direkten Staatssteuern in Jiilich 
und Berg (Z. d. Berg. GV Bd. 28, 1892. Rec: KBWZ 1893 Sp. 209-212). 

133. Redlich, Otto, Aktenstlicke zur Geschichte des niederrheinischen 
Postwesens (Beitr. z. Gesch. d. Niederrh. 7, 261—297). 

134. Below, G. v., Beitrage zur Verfassungs-, Verwaltungs- und Wirth- 
schaftsgeschichte des Niederrheins (a. a. 0. 7, 1—35). 

135. Lennartz, Fr. , Die Rolle der Aachener Barbiere v. 26. April 
1701 (AP 1892, Nr. 272, 275-281 -= ZA 56 f., 61 ff.). 

136. Schnock, Verordnung wegen Errichtung eines Interims-Gerichts 
zur Aburtheilung der in Stadt und Land auf offentlicher Strasse sich zu- 
tragenden Schlagereien (AAV 5, 15 f.). 

137. Schultes, C. v., DieFrei- und Reichsstfidte desHeiligen Romischen 
Reiches deutscher Nation und ihre Leistungen zum Reiche. Schweinfurt 1892 
(Matrikelanschlag fur Aachen vom J. 1521, 1543 und 1800). 

138. Z[immermann], Die gewerbliche Sonn- und Feiertagsruhe in 
der freien Reichsstadt Aachen (PT 1893 Nr. 248 = ZA 110 f.). 

139. Schollen, M., Handbuch fur Polizeiverwaltung und Strafrechts- 
pflege im Regierungsbezirk Aachen. Supplementheft 2. Aachen 1892. 

140. Die Gewerbegerichtswahlen in der Rheinprovinz (Histor. Polit. 
Blatter 1892 I, 742 ff.) 

141. Vierteljahrshefte fur die Statistik des deutschen Reiches. 1892, 
1893 (Statistische Mittheilungen iiber Tabakbau, Anzahl der Gemeiuden und 



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Literatur-Uebersicht fiir die Jahre 1892 und 1893. 317 

Wohnplatze, der Hauser und Haushaltungen, Religionsverhaltnisse, Ernte- 
ertrage und Bergwerksbetriebe). 

142. Zeitschrift des Kgl. Preussischen statistisehen Bureaus. 1892, 1893 
(Statistische Mittheilungen tiber Sparkassen und Sparstellen, Hypotheken- 
bewegung, Weinbau, Brandsehaden, Lebensmittelpreise, Bewegung der Be- 
vblkerung, Vertheilung der Sprachen und Nationen im Regierungsbezirk 
Aacben). 

143. Postverkehr in Aachen (Archiv fiir Post und Telegraphic. 1892 
Sp. 124, 125, 277). 

144. Haushaltsetat der Stadt Aachen und Bericht zu deniselben fiir die 
Jahre 1892/93 und 1893/94. 

145. Kranken- und Sterblichkeitsstatistik in Aachen (Centralbl. f. allgcm. 
Gesundheitspflege. 1893. Beil.). 

146. Feuerloscheinrichtungen im Stadttheater (PT 1893 Nr. 84 ZA 34). 

147. Gewitterbeobachtungen im Oberpostdirektionsbezirk Aachen (Archiv 
f. Post u. Telegr. 1892 S. 485, 486, 492). 

148. Ein Gang dnrch den Stadtgarten (EG 1892 Nr. Ill =-= ZA 36). 

149. Funfter bis zehntcr Jahresbericht des Gartenbauvereins zu Aachen 
und Burtschcid. 1887—1892. 

150. Os ter, Die Aufforstung des Lousbcrgs (PT 1892, Nr. 4 - ZA 15 ff.). 

151. Giese, Otto v., Jahresbericht iiber die lodiglich im Interesse der 
armeren Bewohner der Hohen Venn 1889, 1890 und 1891 durch die Genossen- 
schaft „Wohlthatigkeit und Nachstenliebe" ausgeftihrten gemeinnutzigen Ar- 
beiten. Koln 1892. 

152. Die Aktiengesellschaften Rheinlands und Westfalens in ihren vor- 
liegenden Bilanzen pro 1892/93. Dusseldorf 1893. 

VII. Kunstgeschichte. 

153. Clemen, Paul, Merowingische und karolingische Plastik (JVARh 
Hft. 92. Rec: L0B1 1893, Sp. 575). 

154. Schlosser, Schriftquellen zur Geschichte der karolingischeu Kunst. 
— Quellenschriften zur Kunstgeschichte N. F. 4. Wien 1893. Vgl. NA 17, 
238. Rec: LCB1 1893 Sp. 1021. 

155. Wolfram, Die Reiterstatuette Karls d. Gr. Strassburg 1890. 
Rec: MIOG 12, 343; vgl. NA 17,' 640; JVARh 93, 283 ff. 

156. Clemen, Paul, Die Portraitdarstellungen Karls d. Gr. in: Zeitschr. 
d. Aach. GV 11, 12. Rec: HZ 68, 98 ff.; LCB1 1891 Sp. 1801. Le Moyen 
age 1891, 177. 

157. Leitschuh, Geschichte der karolingischen Malerei. Berlin 
1894 (1893). 

158. Reber, Der karolingische Palastbau. II. Der Palastbau zu Aachen. 
Mttnchen 1892. Rec: KBWZ 1893 Sp. 174 ff. - 

159. Padjera, E., Ueber die karolingischen Pfalzen und die Pfalz zu 
Frankfurt a. M. (KBWZ 1893 Sp. 174 ff.) 



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348 F. Wissowa, Literatur-Uebersicht fur die Jahre 1892 und 1893. 

160. Human n, G., Die altesten Bautheile des Miinsters zu Essen 
(JVARh Hft. 93 S. 89 ff. Ueber das Verhaltniss zwischen dem Essener 
und dem Aachener Miinster). 

161. Humann, G., Der Centralbau auf dem Valkenhofe bei Nymwegen 
(Zeitschr. f. christl. Kunst. 1892 Sp. 281 ff. Ueber das Verhaltniss der 
Nymweger zu der Aachener Kapelle). 

162. Fabriczy, Filippo Brunnelleschi. Stuttgart 1892. (Konstatirt eine 
auffallende Aehnliehkeit zwischen Brunnelleschis Tempel der Angeli und dem 
Aachener Miinster). 

163. Voege, Wilhclm, Eine deutsche Malerschule um die Wende des 
1. Jahrtausends. WdZ Erganzungsheft 7. Trier 1891. Rec: HJb 1893, 205; 
ZbK 1892 Sp. 190; JVARh 93, 233 ff.; Kunstchronik 1893 Sp. 11. 

164. Bock, Fr., Der neue Beichtstuhl im karolingischen Miinster zu 
Aachen. Trier 1892. 

165. Ham pel, S., Die Metallwerke der ungarischen Kapelle im Aachener 
Miinsterschatze. Zeitschr. d. Aachener GV Bd. 14. Rec: Zeitschr. f. christl. 
Kunst 1892 Sp. 360. 

166. Zur Geschichte des Domschatzes (AP 1892 Nr. 78 = ZA 27). 

167. Lulves, J., Die Gedenktafel am Geburtshause Kaspar Scheurens 
(EG 1892 Nr. 84 = ZA 29). 

168. Die Portraits im Gemeinderathssaale des Rathhauses (AP 1892, 
Nr. 100—107 = ZA 29 ff.). 

169. Beissel, Der Entwicklungsgang der neueren religiosen Malerei in 
Deutschland (Ueber Rethel und den Aachener Kaisersaal. StML 42 S. 51 ff.). 

170. Valentin Veit, Aesthetische Schriften I. Alfred Rethel. Berlin 
1892. Rec: BLU 1892, 737 ff.; Kunstchronik 1893 Sp. 291 ff. 

171. Piitzer, Friedrich, Alfred Rethel (EG 1893 Nr. 211 ff. = 
ZA 99 ff.). 

172. Bock, Fr., Die innere Wiederherstelhmg und Ausmalung der 
ehemaligen Abteikirche v. St. Johanu. Aachen 1892. 

173. Zur Geschichte des Mannergesangvercins „Hilaria" (PT 1892 Nr. 
133, 134 = ZA 38). 

174. [Hermandung, Gerhard,] Die Sangerfahrt des Aachener Manner- 
gesangvereins „Concordia u nach Kreuznach (13. — 15. Aug. 1893). Aachen 1893. 

175. Bock, Franz, Kuuststickereien Aachens aus alter und neuer 
Zeit (EG 1892 Nr. 60 = ZA 25). 

176. Bericht liber das Sucrinondt-Museum in Aachen (WdZ 11, 254 f., 
12, 400). 



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Chronik des Aachener Geschichtsvereins 1892/93. 

Die Aachener Stadtverordnetenversamnilung hat am 24. Januar 1893 
dein Yerein den Zuschuss von jahrlich 1000 Mark fiir die nachsten drei 
Etatsjahre weiter bewilligt. Den Vertretern der Biirgerschaft sei auch an 
dieser Stelle der Dank des Vereins fiir die wohlwollende und wirksame 
Forderung seiner Bestrebungen ausgesprochen. 

Vom November 1892 bis zum Mai 1893 haben sieben Monatsversamm- 
lungen im Gasthof zum Elephanten, wahrend des Sommers 1893 zwei Ausfliige 
stattgefunden. In Kornelimiinster wie in Jiilich, wohin letztere gerichtet 
wurden, haben die Vereinsmitglieder die beste Aufnahme gefunden und viel- 
faehe Belehrung empfangen. Urn den Ausflug naeh Kornelimiinster haben 
sich die Herren Biirgermeister Freiherr von Brachel und der stellvertretende 
Vorsitzende des Vereins, Herr Strafanstaltspfarrer Schnock, um den nach 
Jiilich die Herren Oberpfarrer Esser und Progymnasialdirektor Kuhl durch 
sachkundige Fiihrung und belehrende Vortrage besonders verdient gemacht. 

Die Vorarbeiten fiir das Aachener Urkundenbuch haben nur eine ver- 
haltnissmassig geringe Forderung erfahren; Herr Archivassistent Dr. Lulves 
ist dafiir bis zu seinem Weggang von Aachen, am 1. April 1893, auf Kosten 
des Vereins beschaftigt gewesen. 

Die Vorarbeiten fiir ein die Bande VIII bis XV der Vereinszeitschrift 
umfassendes Register sind durch den mit dessen Herstellung beauftragten 
Herrn cand. phil. Nottbrock in Koln soweit gefordert, dass die Zettelnotizen 
fast vollstandig fertig gestellt sind und mit deren Zusammenstellung und 
Verarbeitung demnachst begonnen werden kann. 

Am 8. Juni hat die sociele" historique zu Compiegne das 25jahrige 
Jubilaum ihres Bestehens gefeiert und den Aachener Geschichtsverein, der 
mit ihr fast seit seiner Griindung seine Schriften austauseht, in liebens- 
wiirdigster Weise zu diesem Fest eingeladen. Da eine Vertretung durch ein 
Mitglied des Vorstandes oder des Vereins sich als nicht mbglich erwies, hat 
der Vorsitzende der Gesellschaft ein Gliickwunschschreiben ubersandt. 

Die von dem Gesammtverein der deutschen Gesehichts- und Alterthums- 
vereine ausgehenden, namentlich auf die Denkmalerstatistik und die Form 
des Schriftenaustausches beziiglichen Anfragen wurden sorgfaltig beantwortet. 
Eine Vertretung des Vereins auf der Ende September in Stuttgart abgehal- 
tenen Generalversammlung dieses Vereins liess sich leider nicht ermoglichen. 



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350 Chronik des Aachener Geschichtsvereins 1892/93. 

Der Verein ist ueuerdings in Schriftenaustausch eingetreten mit folgen- 
den Vereinen und Instituten: 

Brlinn, Mahrisches Gewerbemuseuin. 

Kiel, Gesellschaft fur Kieler Stadtgeschiehte. 

Limoges, Soci6t6 archeologique et historique du Limousin. 

Valence, Bulletin d'histoire et d'arch(3ologie. 

Werden, Historischer Verein fiir das Gebiet des ehemaligen Stiftes 
Werden. 
Eine giitige Mittheilung des Herrn Pfarrers Flamm in Nideggen hat 
ergeben, dass die schou vor langerer Zeit von Seiten des Vereins angeregte 
Aufrichtung des Denkmals Wilhelms IV. von Jiilich in der dortigen Pfarr- 
kirehe (vgl. Bd. XI dieser Zeitschrift, S. 297, Nr. 3 und Bd. XIII, S. 276) 
sich nicht ohne weiteres ausfiihren lasst, weil der sehr schlechte Zustand des 
Grabsteins vorher zieinlich kostspielige Wiederherstellungsarbeiten erheischeu 
wiirde. Die Sachlage ist zunachst zur Kenntniss des Herrn Provinzialkonser- 
vators gebraeht worden, da die Kosten jedenfalls die Summe weit iibersteigen 
werden, welche der Verein fiir derartige seiner Bestimmung fern liegende 
Zwecke zu opfern in der Lage ist. 

Aus Anlass der jahrlichen Generalversammlung hatte der Vorstand die 
Mitglieder fiir den Naehmittag des 18. Oktobers 1893, naeh Einholung der 
Erlaubniss des Herrn Oberbiirgermeisters, zur Besiehtigung der Wieder- 
herstellungsarbeiten am Rathhause eingeladen, die denn aueh bei sehr starker 
Betheiligung unter der Fiihrung des Leiters dieser Arbeiten, des Herrn 
Professors Frentzen stattfand. 

Die Generalversammlung wurde um 6 Uhr im Kurhaus zu Aachen 
abgehalten. Der Vorsitzende, Herr Geheimrath Loersch, berichtete zunachst 
iiber die Thatigkeit des Vereins und die Zahl seiner Mitglieder. Beim Beginn 
des verflossenen Vereinsjahres waren deren 664 vorhanden. Durch Tod oder 
Ausscheiden verlor der Verein 15; neu beigetreten sind 20, so dass die Ge- 
sammtzahl auf 669 gestiegen ist. 

Der Vorsitzende gedachte insbesondere des am 12. April 1893 verstor- 
benen Ehrenmitgliedes des Vereins, Herrn Dr. Peter Wings, der von der 
Grundung des Vereins bis zum Herbst des .Tahres 1890 das Amt des Schatz- 
meisters verwaitet hat, sowie der Herren Oberpfarrer Strom in Koln, Ober- 
regierungsrath a. D. Claessen und Kommerzienrath Startz in Aachen. Das 
Andenken der Verstorbenen ehrte die Versammlung durch Aufstehen. 

Der Vorsitzende erinnerte daran, dass von Herrn Dr. Lulves vor Jahres- 
frist eine Schrift veroffentlicht worden sei, die sich zum Theil auch mit dem 
Aaehener Geschichtsverein beschaftigt. Die Versammlung werde nicht erwarten, 
dass er irgendwie auf diesen unerquicklichen Gegenstand naher eingehe. Die 
Schrift habe von sachkundiger Seite ihre Widerlegung in vielen Punkten 
erfahren und er beschranke sich darauf, die Worte wiederzugcben, die der 
Vorstand des Kolner Stadtarchivs, Herr Dr. Joseph Hansen, cin geborener 
Aachener und ein in jeder Beziehung vollkommen zuveriassiger und sach- 



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Chronik des Aachener Geschichtsvereins 1892/93. 351 

kundiger Beurtheiler daruber veroffentlidit habe, mit denen er uud der ganze 
Vorstand des Vereins sich nur vollstandig einverstanden erklaren konne *. 

Der Schatzmeister des Vereins, Herr Stadtverordneter Ferdinand Kremer, 
gab sodann folgende Uebersicht iiber die Geldverhaltnisse des Jahres 1892. 

Die Einnahmen unifassen 

1. den Kassenbestand aus dem Vorjahr 2834 M. 51 Pf. 

2. den Beitrag der Stadt Aachen fiir die Zeit vom 

1. April 1892 bis 31. Marz 1893 1000 „ — „ 

3. die Beitrage von 638 zahlenden Mitgliedern fiir 1892 2552 „ — „ 

4. riickstandige Beitrage aus 1891 8 „ — „ 

5. den Ertrag aus abgesetzten Exemplaren der Zeit- 

sehrift und der Sonderabdriicke 49 „ 50 „ 

6. die Zinsen der Sparkasse 78 „ 36 „ 

zusammen . . 6522 M. 37 Pf. 
Die Ausgaben urafassen 

1. Druckkosten fiir Bd. XIV. der Zeitschrift, Sonder- 
abdriicke und andeivs 1991 M. 34 Pf. 

2. Honorare 1014 „ 82 „ 

3. Inserate 88 „ 75 „ 

4. Portoauslagen, Frachtspesen und Botenlohn . . 252 „ 90 ., 

5. Bucher und Zeitschriften 165 „ — „ 

6. Verschiedenes 30 „ 75 „ 

zusammen . . 3543 M. 56 Pf. 
Es verblieb demnach ein Kassenbestand von 2978 M. 81 Pf. Das 
Vereinsvermogen, welches Ende 1891 2834 M. 51 Pf. betrug, hat sich also 
im Laufe des Jahres 1892 um 144 M. 30 Pf. vermehrt. 



i) Die im Korrespondenzblatt der Westdeutscben Zeitschrift, Jahrg. XT, Sp. 227. 
nnter Nr. 18 abgedruckte Anzeige lautet in ihrem ganzen Umfange wie folgt: 

n Eine kiirzlich erschienene SchrLft von J. Lulves: Moderne Geschichtsforscber 
I. Die gegenwftrtigen Geschichtsbcstrebungen in Aachen, eine kritische Studie; Aachen. 
Otto Miiller, 1892, setzt sich die Aufgabe, „eine objektive von der in Aachen hergobrachten 
Beurtheilung abweichende Kritik iiber die Aachener lokalgeschichtlichen Publikationen 
darznbieten und dadurch dazu beizutragen, dass die Aachener Geschichtsbestrebungen 
zti Nntz und Prommen der Wissenschaft, zur Ehre d( i r alten Kronungsstadt gehoben 
und gefbrdert werden". Die Absioht ist gewiss loblicb, zumal es kein Geheimniss ist, 
dass die Geschichte Aachens noch nach vielen Richtungen bin griindlicher Durch- 
forschung bediirftig ist. Dagogen ist kein Zweifel, dass der von L. eingeschlagene Weg 
nicht zum Ziele fiihrt. L. zieht vor sein Forum die gesammten Aachener Geschichts- 
bestrebungen seit Christian Quix, dessen Vorbildung fiir historische Studien allerdings 
ebenso mangolhaft als seine Neigung zu denselben gross war, und benutzt thatsachlich 
vorhandene Schwachen derselben, um eine solche Fiille von alles Maass iiberschreitenden 
Urtheilen personlichster Art und kritischen, vielfach unsiiglich kleinlichen, nur das 
Aeusserlichste beriicksichtigenden Bemerkungen auszusprechen, dass aus seiner Schrift 
keineswegs sachliche Forderung, sondern lediglich Erbitterung der Angegriffenen und 
somit persOnliche, alle gemeinsame Thfttigkeit ausschliessende Spannungen hervorgehen 
kftnnen. Lokalhistorische Studien word en wirksam gefbrdert, wenn durch die geschulten 
Historiker, die sich denselben widmen, die ortlichen Elemente, welche diese Bestrebungen 
theilen, gesammelt und ihrer ThHtigkeit Halt gewfthrt und Richtnn^ gcnvicsen wircl ; das 



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352 Chronik des Aachener Geschichtsvereins 1892/93. 

Die Herren Gustav Kesselkaul, Arthur Loersch und Wilhelm Matthee 
haben dem ihnen am 12. Oktober 1892 ertbcilten Auftrag entsprechend die 
Kassenverwaltung fur das Jahr 1892 im Oktober 1893 gepriift. Dem 
Schatzmeister, dem fiir das Jahr 1892 Entlastung ertheilt wurde, sowie den 
Revisoren dankte der Vorsitzende Namens des Vereins. Die genannten Herren 
Revisoren wurden in ihrem Amt fiir die Rechnung des Jahres 1893 wiederum 
bestatigt. 

Der Vorsitzende theilte schliesslieh mit, dass der Vorstand fiir die im 
Gasthof zum Elephanten abzuhaltenden Monatsversammlungen den zweiten 
Mittwoch der Monate November, Januar, Marz und Mai bestimmt habe und 
dass auch wiederum w&hrend der Sommer monate des Jahres 1894 einige 
Ausfliige veranstaltet werden sollcn. 

Naeh Erledigung des gesehaftliehen Theils der Versammlung wurden 
zwei Vortrage gehalten. 

Im Anschluss an die Besichtigung der" Arbeiten am Rathhause und 
unter Benutzung einer grossen Anzahl ausgestellter Plane fiir die Wieder- 
herstellung des Rathhauses, sowie mehrerer die Bodenschichten und die 
gemachten Funde enthaltenden Kasten hielt Herr Professor Freutzen einen 
eingehenden Vortrag iiber die Entstehung der Plane, die bisherige Thatigkeit 
zu deren Durehflihrung und die zunachst in Aussicht stehenden weitern 
Arbeiten, in dem er Folgendes ausfiihrte. Der urspriingliehe Plan zu der 
Wiederherstellung des Rathhauses riihrt bekanntlich von einer Konkurrenz 
her, bei welcher der Plan des Vortragenden den ersten Preis erhielt. Herr 
Professor Frentzen wurde beauftragt, mit Beriieksichtigung einiger Aus- 
stellungen des Preis-Ausschusses seinen Entwurf umzuarbeiten. Hierzu setzte 
sich Herr Professor Frentzen mit den Preisrichtern und der Stadtverwaltung 
in Verbindung. Unter anderm wurde Massigung der naeh Ansicht der Preis- 
richter etwas lebhaften Silhouettierung der Thiirme, weniger reiche Schorn- 
steinbekronung, Aenderungen der Dachlucken und die Anbringung der Kaiser- 
krone an der Spitze der Thiirme u. s. w. gewunscht. Naeh Genehraigung der 
geanderten Plane durch die Stadtverordnetenversammlung wurde die Geneh- 
migung der Regierung naehgesucht. Der Entwurf ging naeh Berlin, blieb 
dort aber langere Zeit liegen. Naeh Reklamationen der Stadt befasste sich 
die Akademie fiir Bauwesen mit der Sache, welche wieder verschiedene Aus- 
stellungen an dem Entwurf machte, die zum Theil sich wieder gegen die 



gemeinsame Wirken kann dann inn so fruchtbarer werden, wenn — wie das in Aacben 
der Fall ist — lokale Geschichtsvereine besteben, und wenn die gescbulten Historiker 
als Arcbivbeamte in der Lage sind, die bisber ungebobenen historischen Schatze ent- 
weder selbst zu erscbliessen oder den ubrigen Lokalforscbern zur Verfiigung zu stellen 
und ihnen zu Hirer sachgemassen Verwerthung den Weg zu zeigen. Eine iiffentliche 
Korrektur von der hier gebotenen Art zieht aber nicht an, sondern stdsst nur ab, um 
so mehr, je weniger sich der Korrektor auf dem betr. Qebiet durch cigene Forschungen 
bewahrt und als leitonde Hand und zuvorlassiger Pfadfinder ausgewiesen hat. Unter 
solchen Umstanden kann eine Schrift, wie die hier vorliegende, keinen andern als einen 
peinlichen Eindruck hinterlassen. Hansen." 



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Chrouik des Aachencr Geschichtsvereins 1892/93. 353 

auf Wunsch der Preisriehter angebrachten Acnderungcn wendeten. Um den 
Einwendungen Rechnung zu tragen, musste wieder ein neuer Plan aus- 
gearbeitet werdcn, der wieder mehr auf den erstcn preisgekronten Plan des 
Herm Professors Frentzen zuriickging. Aus der Aeusserung der Akademie 
ging hervor, dass diese der seiner Zeit auch von Herrn Stadtbauineister 
Stiibben vertretenen Ansicht huldigte, dass die Thurme nicht gleichwerthig 
gehalton werden sollten, welche Ansicht der Vortragende stets bekampft 
hatte. Der Letztere arbeitete daher nunmehr zwei neue Projekte, eines mit 
mbglichst gleichartigen, eines mit einera grossen und einem kleinen Thurme 
aus, fiigte aber eine Begriindung seiner Ansicht bei. Er bctonte hierbei, 
dass immer gleichartige Thurme am hiesigen Rathhause gewesen und die 
Anbringung eines grossen und eines kleinen Thurmes dem Bau leicht das 
Aeussere einer Kirche geben werde. Er hatte Gelegenheit, diese Ansicht 
auch miindlich vorzutragen, und das Ergebniss war, dass man dem Entwurfe 
mit zwei gleichartigen Thiirmen zustimmte. Nachdem alle diese Instanzen 
durchlaufen warcn, was niGht schnell ging, erklarte die Stadtverordneten- 
versammlung sich zum zweiten Male mit dem Entwurfe einverstanden und 
der Vortragende wurde beauftragt, in die Vorarbeiten einzutreten. Fur die 
zuniichst nothwendigen Arbeiten wurden 70 000 Mark bewilligt. Vor allem 
sollte die Stabilitat des Gebaudes gesichert werden, die gefahrdrohenden 
Senkungen, Ausbiegungen der Maucr, die Risse und sonstigen Schaden 
beseitigt werden. Redner besprach die am siidwestlichen Theile hierzu aus- 
gefuhrten Arbeiten und bedauert, dass die entsprechenden Arbeiten am sud- 
ostlicheu Theile noch nicht ausgefiihrt werden konnten, weil der Stadt hier 
das Beusmannsche Haus, beziiglich dessen eine Einigung nicht gelungen sei, 
noch nicht gehort. Nach Durchfiihrung des Enteignungsverfahrens hierfiir 
werde die Stadt auch alle Hauser am siidostlichen Theil des Rathhauscs 
besitzen. Bei den dann besprochenen Arbeiten in dem Rathhausthurm schildert 
Redner die geradezu unglaublichen Zustande, die hier vorgefunden wurden, 
wie die Cottyschc Wohnung in den verschiedenen Geschossen in den Thurm 
hineingebaut war, die merkwlirdigen Zustande im Innern des Thurmes iiber- 
hauj)t, die nachlassige Fundamentirung des Thurmes, der nirgends auf 
gewachsenen Boden reicht, sondern auf dem Schutt friiherer Jahrhunderte 
steht. Selbst der schon vor vier Jahrhunderten errichtete Pfeilcr, welcher 
die siidwestliche Ecke sichern sollte, stand auf zusammengeworfenem Gerbll, 
konnte also nur ganz schwachen Halt bieten. Bei solchem Befund musste 
man mit den Arbeiten zur Festigung und Sicherung des Baues, zur Erneue- 
rung der Fundamentirung u. s. w. natiirlich mit grbsster Vorsicht vorgehen. 
Der gewachsene Boden wurde erst 4 — 5 Meter unter dem jetzigen Markt- 
boden gefunden. Bei 2,77 Meter Tiefe stiess man auf romische Ziegel. Der 
gewachsene Boden lag unter einer sehmalcn Brandschicht, die man in der 
Tiefe von 3,88 Metern traf und welche wohl der altcste Rest vorhandener 
Baulichkeiten an der Stelle bildet. Augcnscheinlich waren diese aus Holz 
konstruirt, denn man fand nur verkohlte Holz- und Strohtheile. Die Funda- 

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354 Chronik des Aacheuer Geschiehtsve reins 1892/93. 

mentirungs- und Festigungsarbeiten wurden in cngerer Submission Herrn 
Bauunternehnier Thyssen iibertragen, welcher sie mit grosser Umsicht unci 
Vorsicht ausftlhrte. Die Arbeiten im Innern des Thurmes stellten sich als 
noch sehwieriger heraus. Der Kedner bespraeh sie in alien iliren Theilen 
eingehend und erwahnte auch die Funde in dem Cottyschen Keller im Thurme, 
wo man in einer Art alten Kloake die verschiedenartigsten Gegcnstande fand, 
welehe darauf schliessen lassen, dass man bei den Essen im Krbnungssaal 
alles, was dort zerbrach, in die Aborte warf, von wo es in die Grube in der 
Tiefe des Thurms gerieth. Die zum Theil interessanten Scherben von Kriigen, 
Glasern u. s. w. wurden sorgfaltig gereinigt und werden theils im Museum, 
theils im Rathhause aufbewahrt. Von den fiir die ersten Arbeiten bewilligten 
70000 Mark sind bis jetzt 45000 Mark verbraucht, sodass noch ein kleiner 
Restbetrag iibrig ist, um die Arbeiten an der siidwestlichen Seite im nachsten 
Jahre fortzusetzen. Mit peinlicher Sorgfalt wird bei den Arbeiten darauf 
gesehen, dass der fruhere Zustand des Rathhauses, so weit dies moglich ist, 
der Nachwelt bekannt bleibt. Hierzu dienen eine grosse Anzahl von Probe- 
stiicken mit Planen, in welehe eingezeiehnet ist, woher diese riihren, und 
genaue Aufzeichnungen des ganzen Befundes des Mauerwerks im ganzen 
Rathhause. Aus denselben kann man sich iiber den friiheren Zustand und 
die verschiedenen Aenderungen am Rathhause vollstandig aufklaren. 

Der Vorsitzende dankte im Namen Aller Herrn Professor Frentzen fiir 
seine lichtvollen und hochinteressanten Ausfiihrungen und ertheilte nach einer 
kurzen Pause zur Besichtigung der ausgestellten Plane und Funde dem 
Konservator der rheinischen Kunstdenkinaler, Herrn Dr. Clemen, das Wort. 

Herr Dr. Clemen erinnerte einleitend an den Ruf Aachehs als einer 
hervorragenden Kunststadt in der Zeit, da Aachen als Lieblingsaufenthalt 
und Residenz Karls des Grossen eine Stadt von europaischer Bedeutung 
gewesen sei. Der Ruf stutzte sich auf zwei Thatsaehen, die architektonische 
und plastische Thatigkeit Aachens. In beiden Beziehungen sei Aachen epoche- 
machend gewesen. In der Baukunst sei Aachen durch Neubelebung, Aus- 
bildung und Einbiirgerung des Centralbaues (das Aachener Miinster machte 
Schule, wie eine grosse Zahl von Nachahmungen in andern Orten beweist), 
in der Plastik durch die Thatigkeit der Aachener Giessstatte, die zugleich 
eine Versuchsstation zu technischen Experimenten gewesen zu sein scheint, 
von Bedeutung. Dem lasst sich nun neuerdings ein dritter Zweig der Kiinste 
in der karolingischen Zeit hinzufugen. Aachen war einer der ersten geistigen 
Mittelpunkte fur die Buchmalerei. Es handelt sich hier um ausgedehnte 
Pracht-Handschriften, deren eine oft die ganze Lebensarbeit cincs Monches 
oder doch die Arbeit mehrerer Jahre desselben in Anspruch nahm. Es gibt 
40 oder 50 solcher Werke und in den letzten Jahrzehnten sind eine ganze 
Reihe von Gelehrten mit den merkwiirdigsten Kunstdenkmalern dieser Art 
beschaftigt und haben diese nach Gruppen und Schulen scharf zu trennen 
vermocht. Von den 40 bis 50 erhaltenen Schriften waren drei stilistisch auf 
dieselbe Art von Vorbildern zuruckzufuhren. Die eine dieser karolingischen 



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Chronik des Aachenor Geschichtsvereins 1892/93. 355 

Handschriften bcfindet sich hier irn Miinsterschatz, die zweite in der Sehatz- 
kainmer zu Wien, sie soil nach der Legende auf den Knieen des sitzend 
begrabenen Kaisers Karl gelegen haben, kommt aber jedenfalls aus Aachen, 
die dritte bctindet sich in der kgl. Bibliothek in Briissel. Es ist Herrn Dr. Clemen 
gelungen, noch zwei weitere Handschriften derselben Art festzustellen. Die 
eine betindet sich im Britischen Museum in London, die zweite in der kgl. 
Bibliothek zu Berlin. Die letztere war allerdings Schaulustigen schon seit 
Jahrzehnten zuganglich. Von den beiden ersteren Handschriften ist mit 
Sicherheit anzunehmen, dass sie aus Aachen stamraen, fiir die 3 letzteren 
steht das noch nicht so bestimmt fest, aber in den Handschriften, Ein- 
tragungen u. s. w. sind genug Zeichen, welche auf die Herkunft aus der 
Aachener Gegend schliessen lassen. In der ganzen Zeit des 9. Jahrhunderts 
gibt es zwischen dem belgischen und dera noch nicht besiedelten ostlichen 
Theile des Reiches an Weser und Elbe nur eine Stiitte, wo derartige Hand- 
schriften entstehen konnten, namlich Aachen. Diese Prachthandschriften setzen 
langjahrige Ucbung und Ueberlieferung voraus. Neben Aachen kam in dieser 
Beziehung nur Kbln in Betracht. Die Handschriften weisen aber noch in 
anderer Beziehung auf Aachen und die hiesige Schola palatina hin. Eine so 
direkte Benutzung antiker Vorbilder findet sich sonst in keiner Handschrift. 
Redner besprach eingehend die Ausstattung der Werke mit Darstellungcn, 
die Eigenart derselben und die strenge Anlehnung an die Antike nachweisend. 
Er glaubt, dass die strenge Auswahl antiker Vorbilder auf Karl d. Gr. zuriick- 
zufuhren sei. Es sei ein charakteristischer Zug, dass, wie in seiner Nahe das 
beste Latein gesprochen wurde, die antiken Vorbilder fiir die Buchmalerei 
am strengsten befolgt wurden. Wenn iiberhaupt von antiker Kunst irgendwie 
die Rede sein konne, so sei dies in Aachen der Fall. Mit dem Reeht und 
der Glaubwiirdigkeit, die derartige Annahmen beanspruchen konnen, sei 
Aachen, das als Kunstmittelpunkt der karolingischen Zeit bekannt sei, audi 
als Mittelpunkt der klassischen Schreibschule des karolingischen Reiches 
anzusehen. 

Der Vorsitzende dankte fiir die Mittheilungen des Herrn Dr. Clemen. 
Er sprach den Wunsch aus, dass jeder in der Versammlung seine Dankbar- 
keit Herrn Dr. Clemen dadurch bezeugen moge, dass er diesen in seinem 
nicht leichten und verantwortungsvollen Amte unterstiitze. Durch Zusammen- 
wirken der Staatsregierung und der Provinzialverwaltung sei es ermoglicht 
worden, dass an Stelle der friiheren Centralisation nach und nach namcntlich 
jetzt anch in unserer Provinz eine ortliche Behorde fiir Beaufsichtigung und 
Erhaltung der Kunstdenkmaler geschaffen wurde. Wiinsche und Antrage 
fiir die Erhaltung von Kunstdenkmalem in der Provinz brauchten nicht mehr 
dem Konservator fiir die Denkmaler des ganzen preussischen Staates in Berlin 
zuzugehen, sie wiirden nunmehr durch einen Beamten in der Nahe, der sich 
sofort von den Zustanden personlich iiberzeugen konne, erledigt. 



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Druck von Hcrm. Kaatzer in Aachen. 



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